Meg

von Beerchen
GeschichteDrama / P12
Christine Daaé Meg Giry Monsieur André Vicomte Raoul de Chagny
08.04.2004
28.05.2004
5
4352
 
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Disclaimer: Keine der Figuren, die in Gaston Leroux's Buch oder im gleichnamigen Musical erwähnt werden, gehören mir.

-1-


Das leise Plätschern der Wellen weckte sie. Unter Deck in der kleinen, stickigen Kabine, in der man sie untergebracht hatte,  herrschte noch ein trübes Dämmerlicht, das nur langsam der Helligkeit des beginnenden Tages weichen wollte.

Trotz des dämmrigen Lichts konnte man erkennen, dass die Kabine nur sehr spärlich eingerichtet war, sie bestand nur aus einem eher behelfsmäßig aufgeschütteten Strohlager, dass als Bett dienen sollte, einem Stuhl, der aussah, als würde er zusammenbrechen, wenn sich jemand darauf niederließ, einem ramponierten kleinen Tisch und einer Kleidertruhe. Auf dem Tisch stand ein Kerzenstummel, der schon fast vollständig heruntergebrannt war.

Auf dem Strohlager regte sich nun die Gestalt eines etwa sechzehnjährigen zierlichen Mädchens,  in dessen blondem, lockigem Haarschopf sich durch die in der Kabine verbrachten Nacht sich viele kleine Strohhalme befanden.

Nun schlug das junge Mädchen ihre großen, braunen Augen auf und gähnte verschlafen. Als sie vom Deck über ihr Stimmen hörte, setzte sie sich hastig auf und begann sich mit schmerzverzerrter Miene das Stroh aus den Haaren zu ziehen. So konnte sie schließlich nicht vor die Schiffsmannschaft treten.

Zu dumm, dass es hier unten keinen Spiegel gab, sie war sich sicher, dass sie grauenhaft aussah.
Das war aber nun wiederum kein Wunder, nachdem sie zehn Nächte nur sehr wenig Schlaf bekommen hatte.

Mühsam stand sie nun auf und wankte zu einer Schüssel mit kaltem Wasser, die ihr wohl ein mitleidiger Matrose auf den Boden gestellt hatte. Nachdem sie sich so gründlich es eben ging gewaschen hatte, strich sie ihre Hose glatt und öffnete die Tür  ihrer Kabine.

Sie überlegte eine Weile, hatte dann aber ihre Orientierung wiedergefunden und machte sich auf den Weg zur Kapitänskajüte. Dort angekommen, klopfte sie sachte an, worauf ein wohlklingendes : " Herein !" ertönte.

Als sie die Kajüte betrat, erblickte sie sogleich einen freundlich wirkenden, weißhaarigen Mann, den Kapitän der 'Fleur-de-Lys', des Schiffes, auf dem sie sich gerade befand. Hier war alles sehr nobel eingerichtet, ein flauschiger Teppich bedeckte den Boden und an den holzgetäfelten Wänden hingen eingerahmte Bilder der Kapitäne und mehr oder minder brühmter Personen, die schon auf diesem Schiff gereist waren.

" Ah ! Mademoiselle Giry ! Da sind Sie ja. " Der Kapitän winkte sie zu sich. " Sie haben heute bestimmt noch nichts gegessen, nun holen Sie das bitte erst einmal nach.", fügte er hinzu und geleitete sie zu ihrem Platz, an dem ein Teller mit der typischen kargen Schiffsnahrung stand. " Es ist leider nicht sehr köstlich, aber dafür nahrhaft.", entschuldigte sich der Mann mit einem Lächeln.

Meg sah ihn dankbar an und war die nächsten paar Minuten mit dem Verzehren ihres Frühstücks beschäftigt.
Danach lehnte sie sich zurück und sah den alten Mann fragend an.

" Entschuldigen Sie die Fragerei Kapitän, aber wann werden wir La Rochelle denn endlich erreichen?"
Der Angesprochene schmunzelte in sich hinein und meinte : " Sie werden positiv überrascht sein, Mademoiselle, wenn ich Ihnen sage, dass wir La Rochelle schon in etwa drei Stunden erreichen werden, also sollten Sie schon einmal ihre Habseligkeiten zusammenpacken. Am Hafen wird dann eine Postkutsche auf Sie warten, bei der sich hoffentlich ein gewisser Télio Barras befindet, der Sie dann auf der gesamten Strecke nach Paris begleiten wird."

Er sah Meg an und meinte : " Ich finde es nur etwas seltsam, dass ihr werte  Frau Mutter Sie noch nicht über die Einzelheiten der Reise informiert hat, sondern dass ich das nun tun musste."

Die Antwort, die er sich hierauf von Meg erhofft hatte, blieb aus, und somit musste er sich damit zufrieden geben, es auf die merkwürdigen Familienverhältnisse zu schieben, in der die Familie Giry lebte.

Nachdem sich Meg höflich, aber bestimmt von dem freundlichen, alten Kapitän verabschiedet hatte, begab sie sich wieder in ihre Kabine, um einen letzten Prüfenden Blick in ihren Koffer zu werfen und sich noch ein bischen hinzulegen.
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