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Ein typischer Tag im Leben eines Kurzgeschichtenautors.

von Pseudomat
GeschichteHumor / P12 / Gen
08.04.2004
08.04.2004
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Ein typischer Tag im Leben eines Kurzgeschichtenautors.

Der Tag beginnt. Ich werde geweckt durch plötzliches erwachen.
Ich blinzele und rolle aus meinem Bett zur Mineralwasserflasche. Um sicher
zu gehen, das dass die Realität ist, und nicht schon wieder so ein blöder
Traum, schütte ich mir ein bisschen Wasser ins Gesicht.
Die Welt um mich herum entpuppt sich daraufhin tatsächlich als Realität. Ich
überlege, was ich mit dem Tag anfangen will. Es ist schwer, einen Plan zu
erstellen, denn jede Sekunde könnte etwas geschehen, das den ganzen Plan
zerstört. Ich habe von Freunden gehört, das es angeblich irgendwo Menschen geben soll, die ihr Leben sogar mehrere Jahre im voraus planen. Ich habe höchsten
Respekt vor diesen Menschen, denn ich weiß noch nicht mal was ich in 10 Minuten
machen werde. Ach ja, fällt mir ein, ich muss ja zur Arbeit.
Ich gehe also ins Badezimmer und putze mir die Zähne und ziehe mein
gerade-Hemd an. Mein gerade-Hemd, das ist das Hemd, das ich an geraden Tagen anziehe, während das andere draußen hängt, zum Lüften.
Dann gehe ich die Treppe rauf in mein Atelier und schreibe an einer Kurzgeschichte. 5 Minuten später ist Feierabend, denn ich bin müde. Dann geh ich schlafen. Ich schlafe gern noch mal kurz vorm Frühstück. Vor den Mahlzeiten und besonders nach den Mahlzeiten ist ein gesunder Schlaf sehr wichtig für mich. Da ich bis zu 8mal am Tag esse, kommt es da oft zu Überschneidungen.
Ich habe mich vor meinem Schlaf umgesehen in meiner Wohnung. Hier sieht es
etwas unordentlich aus. Ich könnte schwören, das ich unter dem Wäscheberg in
der Ecke ein gedämpftes Bellen hören kann. Hatte ich mal einen Hund? Ich nehme
mir vor, bis zum Abend aufzuräumen. Aber bis zum Abend ist ja noch viel
Zeit. Ich mache nur noch eben ein weiteres Nickerchen. Während des
Einschlafvorganges suggeriere ich mir positive Gedanken für heute Abend: Ich freue mich
aufs aufräumen, aufräumen macht Spaß! Ich kann´s gar nicht erwarten bis es
soweit ist! Nur noch 11 mal schlafen!
Gegen Mittag weckt mich der Hunger. Ich versuche in meine Küche zu gelangen,
aber die Gase, die sich mittlerweile in der Spüle gebildet haben, setzen
mich außer Gefecht. Nach einer halben Stunde Bewusstlosigkeit gehe ich in den
Keller, wo sich noch eine alte Gasmaske befinden muss. In der Küche macht mir
meine eigene Unordentlichkeit inzwischen etwas zu schaffen. Die Essensreste
auf den Tellern, die sich bis an die Decke stapeln, haben sich inzwischen fest
mit der Struktur der Küche verbunden, die verschiedenfarbigen Lebensformen
leben in einer Symbiose, die ich als Tierfreund unmöglich trennen könnte,
selbst wenn ich wollte. Da ich auf der Suche nach Essen leider nichts in der Küche
gefunden habe, mache ich mich nach einem kurzen Erholungsschlaf auf in den
Supermarkt.
Dort kaufe ich das möglichst ungesundeste Fertig-Essen ein, das mir in die
Finger kommt. Der dritte Herzinfarkt als 25jähriger hatte mich gelehrt, nie
wieder Bioprodukte zu mir zu nehmen.
Nachdem ich zuhause das Nachmittagsmahl beendet habe und den dazugehörigen
Schlaf, mache ich mir eine Liste der Dinge, die ich heute unbedingt noch
erledigen will. Meine Wohnung sollte bis 20 Uhr völlig aufgeräumt sein. Den
Abwasch erledige ich dann gleich im Anschluss. Der Flammenwerfer steht schon
bereit. Okay, ich weiß, das diese Listen immer verloren gehen und mein
Unterbewusstsein das gerne als Entschuldigung nimmt, die Arbeit nicht zu tun. Doch
diesmal habe ich eine Idee. Diese Liste schreibe ich dreimal: 2 mal auf Papier
und einmal auf meinem Computer, das Speichere ich dann auf Diskette und mache
zusätzlich auf 10 CD´s Kopien davon. Die schick ich dann an 10 Freunde, die
das aufbewahren sollen. Dann graviere ich das noch auf 100 Marmorplatten, die
ich bei Ebay versteigere, miete eine Flugzeug, das mit Rauchschrift die Liste
in den Himmel schreibt, kaufe 5 Hunde, die darauf abgerichtet sind, die Liste
im Morsealphabet zu bellen, schreibe einen Kettenbrief auf die Rückseite der
Liste, der so raffiniert ist, das alle Menschen der ganzen Welt daran
teilnehmen und sich dabei die Liste einprägen, bestelle 12 paar
Spezial-Kontaktlinsen, auf deren Innenseite die Liste in Micro-Miniaturschrift imprägniert ist,
und zuguterletzt mache ich mir einen Knoten in mein Notizbuch, in dem ich den
Inhalt der Liste 800mal reingeschrieben habe.
Am Abend dann kam aber irgendwas im Fernsehen und dann hab ich irgendwie
vergessen, was ich machen wollte.
Egal, wenigstens hab ich jetzt eine neue Idee für eine Kurzgeschichte.
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