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At Dawson's

von Elanor
GeschichteMystery / P12 / MaleSlash
Joseph "Joe" Dawson Methos
08.04.2004
08.04.2004
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08.04.2004 2.397
 
Es stürmte und gleißende Blitze durchzuckten den finsteren wolkenverhangenen Himmel. In den Straßen sammelten sich die Wassermassen einer Sintflut gleich und der tosende Wind heulte durch die Gassen.

Es war eine dieser düsteren Novembernächte. Die Stadt schien in den Fluten ertrunken zu sein. Kaum ein Auto war unterwegs und die Menschen hatten sich in ihre warmen trockenen Stuben zurückgezogen.
Wer würde sich bei diesem Wetter schon vor die Türe wagen? Es war ein schlechter Tag.

Die kleine Bar war natürlich offen. Wie fast jeden Tag.

Joe Dawson hatte sich mit seinen Gitarre auf den Hocker, der auf der spartanischen Bühne plaziert war, bequem gemacht und zupfte gedankenverloren die Saiten.

Keinen Kunden. Nicht einmal ein verirrter Besucher. Es war wahrhaft ein mieser Tag.

Der alte Mann versuchte sich einen schönen sonnigen Tag vorzustellen. Einen friedlichen ruhigen Tag, an dem er in der großen Bibliothek zwischen riesigen Tischen sitzen würde, die Sonnenstrahlen fielen ihm durch die großen Fenster wärmend ins Knick und von draußen konnte man das Zwitschern von Vögeln hören.

Wie lang lag diese Zeit wohl nun schon zurück?

Sicher, es hatte noch viele sonnige Tage gegeben. Doch es hatte sich auch vieles geändert.

Seit jenem Tag, als dieser Mann sein altes Antiquariat betreten hatte. Duncan McLeod. Ein Unsterblicher.

Dawson hätte sich niemals auf dieses Spiel einlassen sollen. Er kannte die Regeln - immerhin war er ja schon lange genug dabei. Aber wie hätte er diese Chance ungenutzt an sich vorbeiziehen lassen können?

Ja, Duncan war zuerst gekommen. Dawson, war nicht derjenige, der sich eingemischt hatte. Aber er hatte ihn auch nicht zurückgewiesen - nicht wirklich.

Und dann hatte er etwas getan, was noch unverzeihlicher war. Er hatte eine Freundschaft begonnen.

Noch vor fünf Jahren, hätte er jeden, der mit der gleichen Situation zu ihm gekommen wäre, ausgestoßen.

Dawson setzte einige aufeinanderfolgende Akkorde an. Wäre Duncan jetzt doch nur hier. Die Bar wirkte so einsam und verlassen.

Manchmal ertappte er sich bei dem Gedanken, sich zu wünschen wie SIE zu sein. Es war schon merkwürdig, sich mit einem Menschen zu unterhalten, der gut 30 Jahre jünger als man selbst aussah und doch gut 10 mal älter war. Es war schwierig sich an den Gedanken zu gewöhnen. Joe hatte immer das Gefühl der ältere, der weisere zu sein und doch war er im Vergleich zu McLeod nichts weiter als ein kleiner Schuljunge, der sich über den Sinn und Zweck des Lebens noch nicht klar war.

Welche Meinung mochte McLeod vom ihm haben? Es war schwer die über die Gedankengänge eines so alten Menschen nachzuvollziehen.

Dawson grinste leicht in sich hinein. Es mußte sich wirklich lächerlich anhören, was er sich hier zusammen dichtete. Er sollte doch wohl am besten über die Gedankengänge alter Männer Bescheid wissen. Ja, alt. Das war er auch - wenn auch auf eine andere Art...

Die Vordertür knarrte und eine heftige Windböe ließ Regen und Laub von draußen herein brausen.

Dawson schreckte auf und fixierte die dunkle Gestalt, die im Regenmantel im Türeingang stand.
Die Gestalt trat mit stampfenden Schritten in den düster beleuchteten Raum ein und streifte still seinen durchnäßten Mantel ab.

"Hey Joe, willst du mir keinen Drink anbieten?"

Dawson runzelte die Stirn und rutsche von seinem Hocker hinab, die Gitarre vorsichtig an die nächste Wand gelehnt.

"Adam?"
"Ganz recht, Joe." Erwiderte der Mann und kam näher. "Ich hatte mich schon gefragt, ob du bei diesem Hundewetter überhaupt geöffnet hast, aber wie man sieht..."

Dawson nickte lächelnd und schlürfte, sein lahmes Bein hinter sich herziehend und mit der einen Hand auf die hölzerne Krüge gestützt, hinter die Theke.

Adam Pierson. Er kannte ihn noch nicht besonders lange, aber er hatte schon viel von ihm gehört. Er wußte von ihm schon lange Zeit als ein wertvolles Mitglied in der Organisation. Er war ein wichtiger Forscher. Doch bis vor kurzem wußte er nicht, wieviel er wirklich über den jungen Man wußte.

Er war Methos. Der älteste Unsterbliche. Und ironischerweise war er auch Adam Pierson, der Methos-Forscher.

Dawson holte eine Flasche Brandy unter der Theke hervor und verteilte ihren Inhalt gleichmäßig in zwei kleine Schnapsgläser.

"Zum Wohl."

"Gleichfalls", entgegnete Adam und schüttete das Zeug in einem hinunter.

"Was führt dich bei diesem Hundewetter hierher?", fragte Dawson neugierig.

"Reden."

"Hm?", Dawson zog fragend eine Braue in die Höhe.

"Einfach reden.", Adam/Methos stützte einen Arm auf die Theke und lehnte sein Kinn darauf. "Ich würde mich gerne mit dir unterhalten."

"Über was?" , hakte Joe nach, als ob er noch nie etwas von Smalltalk gehört hatte.

"Über dich. Über Duncan. Über das Leben, Liebe, was auch immer."

Dawson lachte leise auf. "Ach, so ist das. Tja, was gibt es da viel zu erzählen? Ich schätze das meiste über mich wirst du ohnehin in irgendwelchen Akten finden. Und Duncan? Über den wissen wir beide ja fast mehr als er selbst."

Methos entwich ein trockenes Lachen und strich sich dann nachdenklich über das bartlose Kinn.

"Wie ist es so, wenn man ständig mit dem Tod leben muß?"

Das Lächeln des alten Mannes verschwand schlagartig aus seinen Zügen und sein Blick wurde ernst. "Denkst du an Alexa?" , fragte er, obwohl er wußte, daß auch er direkt angesprochen wurde.

Methos blickte fast gedankenverloren auf den leeren Boden des Schnapsglases und seufzte fast unhörbar.

"Vielleicht, ja." Seine Augen erhoben sich wieder und er fixierte Joe mit einem durchdringenden Blick, der Joe leicht schaudern ließ. "Was denkst Du?"

Dawson schluckte verunsichert. Er wußte im Grunde immer noch nicht, mit wem er es zu tun hatte. Wer Adam Pierson nie richtig begegnet war, hielt ihn für einen einfachen, fast kindlichen jungen Mann, doch das war er nicht. Er war der wohl älteste und mächtigste Unsterbliche auf dieser Erde und wußte weit mehr, als jeder Gelehrte und Professor. Was sollte Dawson von diesem Menschen halten?

"Willst du etwa den Rat eines alten Mannes hören.", warf Dawson scherzend ein.

Methos Blick hellte sich wieder leicht auf und er legte seine Hand sachte auf Dawsons Arm, während er ihn mit seinen dunklen grünen Augen fixierte. "Sag das nicht, Joe. Das ist nicht richtig."

Dawson schluckte abermals und wollte seinen Arm von Methos Hand lösen, aber dieser ließ es nicht zu.

"Ich bin weder wegen Duncan noch wegen Alexa gekommen, hörst du? Ich bin wegen dir gekommen."
Dawson wußte nicht ganz was er darauf erwidern sollte und starrte nur unverständlich in die tiefen Augen seines Gegenübers, als würde er darin eine Antwort auf das Ganze suchen.

Wer in diese Augen blickte, wußte, mit wem er es hier zu tun hatte. Nein, dies war nicht der junge Mann, der sein äußeres vorzugaukeln schien. Es war etwas...

Joe konnte seinen Gedanken nicht vollends ausformulieren, als sich Methos sachte zu Joe herüberbeugte und mit seinen Lippen zärtlich Joes berührten.

Für Sekunden verharrten sie so. Joe war wie zur Salzsäule erstarrt. Dann setze sich Methos wieder aufrecht auf und strich mit seiner Hand leicht über Joes Wange.

"Ich möchte nicht, daß du denkst du wärst alt, Joe."

Die Worte schienen Dawson aus seiner Starre zu lösen und er zuckte, verdutzt über Methos plötzliches und unerwartetes Verhalten, zurück und wand ihm augenblicklich den Rücken zu als, könne er Methos Blick nicht ertragen.

Er hatte wohl mit einigem gerechnet, aber mit so etwas?

Er hörte, wie Methos sich von seinem Hocker erhob und dachte schon er würde so plötzlich wie er gekommen war, die Bar auch wieder verlassen. Dawson wagte nicht, den Blick zu heben.

Starke Hände umfaßten plötzlich seine Taille und legten sich um ihn. Joe keuchte erschrocken auf.

"Adam!" , Dawson wand sich um, und versuchte sich von Methos zu lösen, der ihn fest in seiner Umarmung hielt. "Laß mich los. Verdammt was soll das?", sagte er wütend; oder zumindest versuchte er wütend zu klingen.

Aber Methos ließ nicht los.

"Joe. Hör mir einfach zu!" entfuhr es Methos in einem fast zornigen Ton, der Dawson zusammenzucken ließ.
"Glaubst Du denn, ich sehe nicht was hier geschieht? Du ziehst Dich immer mehr in Dein kleines Schneckenhaus zurück. Triffst niemanden mehr, rufst keinen mehr an. Du versuchst einfach mit allem Schluß zu machen!"

"Du verstehst wohl nicht!" fuhr Dawson zurück. "Ich bin ein alter Mann, verdammt! Was für eine Ahnung hast Du und deinesgleichen schon davon?" Dawson schluckte und wand den Blick beiseite als er spürte wie sich ein Klos in seiner Kehle bildete.

"Sehr viel..." wisperte Methos leise und berührte mit seinen Lippen Joes Wange.

Dawson verzog das Gesicht leicht und versuchte Methos auszuweichen.

"Laß das!", moserte er, doch Methos hörte nicht und drehte Joes Gesicht, dem seinen zu.

Seine dunklen Augen schienen jede einzelne der tiefen Furchen in Dawsons Gesicht zu erforschen. Dann setzten Methos Lippen unerwartet zu einem langen leidenschaftlichen Kuß an.

Joes Gedanken standen Kopf. Er wollte Methos wegstoßen, aber etwas in ihm schien ihn daran zu hindern. Er spürte, wie die fremde Zunge in ihn eindrang und er war sich nicht sicher, ob er sich angewidert oder erregt fühlen sollte. Doch als sich ihre Lippen voneinander lösten verhinderte er auch nicht, dass Methos Joes Hemdkragen langsam aufknöpfte und begann, dessen Brust mit zärtlichen Küssen zu bedecken. Ein leisen Raunen entrann Joes Kehle und er spürte wie heiße Tränen seine Augen zu füllen begannen. Ein Schluchzen drang über seine Lippen und er preßte Methos fester an sich, als hätte er Angst das sie jeden Augenblick von einander fortgerissen würden. Methos Lippen erkundeten sorgsam jede einzelne Stelle auf Joes Oberkörper, bis er wieder in seine Augen Blicke, die ihn tränen verschleiert zurückblickten.

"Joe?"

Dawson löste vorsichtig Methos Arme aus ihrer Umarmung und streckte sie von sich, während heiße Tränenbäche seine Wangen herunter liefen.
"Was hast Du?", fragte Methos leise und blickte ihn fragend mit den Augen eines unschuldigen kleinen Schuljunges an.

Joes schluchzte kurz auf und versuchte einen gefaßten Gesichtszug aufzulegen, was ihm nicht vollends gelang. "Ich, ich kann das nicht, bitte,..."

"Joe..." Methos versuchte eine Arme aus Joes fester Umklammerung zu lösen, doch diesmal war er es, dem es nicht gelang bis Joe sie wieder freigab, um sich mit beiden Händen auf die Theke zu stützen.

"Ich weiß was du versuchst, doch bitte mach nicht damit weiter."

"Du kannst noch eine so lange Zeit vor dir haben, Joe. Du bist noch so voller Energie. Weshalb willst Du dich jetzt schon aufgeben?"

Joe lächelte kurz und wischte sich mit der flachen Hand einige Tränen aus dem Gesicht.
"....und dennoch bin ich kein junger Spund mehr. Mein Körper ist alt und wird schwach. Auch wenn Du Jahrtausende älter bist als ich, wirst du niemals alt sein. Du kannst es nicht verstehen, auch wenn Du noch so viele Jahrtausende leben wirst."

Methos trat dicht neben Joe. "Das ist die Weisheit eines alten Mannes.", sagte er mit einem Unterton der zwischen Melancholie und Sarkasmus schwankte. "Es ist deine Weisheit und ich will mich dieser nicht in den Weg stellen, mein Freund. Aber ich möchte das Du weißt, daß ich immer für Dich da sein werde - als Freund und als Gefährte." Methos strich Dawson mit diesen letzten Worten sanft über dessen ergrautes Haar.

Dann verließ er die Bar. Schweigend - ohne ein weiteres Wort verlauten zu lassen - und verschwand draußen im Regen.

***

Es waren einige Tage ins Land gestrichen. Nach den sintflutartigen Regenfällen, war die Sonne wieder zwischen den Wolken hervorgebrochen und ließ die kühlen Herbsttage mit ihrem bunten Laub in freudigen Farben aufleuchten.

Dawson hatte seine Kneipe für eine Weile geschlossen und war hinaus aufs Land gefahren, um dort einige alte Freunde zu treffen, mit denen er seine Jugend verbracht hatte.

Er hatte noch lange Zeit über das eigenartige Erlebnis mit Methos nachgedacht, und es war auch nie wieder zwischen ihnen zur Sprache gekommen. Weder zwischen ihnen, noch zwischen anderen.

Doch er hatte seitdem das Leben mit anderen Augen gesehen. Sein Körper mochte vielleicht nicht mehr alles mitmachen, aber sein Geist war immer noch wach. Dies war es wohl, was Methos ihm hatte mitteilen wollen, auf seine ganz eigene Art.

F I N
 
 
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