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Magnolie

von merilhin
GeschichteDrama / P6 / Gen
07.04.2004
08.04.2004
1
518
 
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Dieses Kapitel
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07.04.2004 518
 
Disclaimer: Alle Figuren, die aus dem "Herrn der Ringe" bekannt sind, sind ausnahmslos Eigentum von J.R.R. Tolkien.

Inspiriert von dem Lied "Evenstar" von Howard Shore.

       
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Die Magnolie    
        
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Ihr Grab lag an der Stelle, wo er sie gefunden hatte. Fünf Jahre waren vergangen, seit seine große Liebe nicht mehr bei ihm war.


Und wie jedes Jahr bedeckten weiße Blüten ihr Grab.
Damals stand er auf dem Balkon und betrachtete den Garten. Alles war still, nicht das kleinste Geräusch war zu hören, außer dem Rauschen des lauen Sommerwindes, der das Gras langsam hin und her wiegte.


Er sah sie an der Quelle entlang schreiten. Nein, sie ging nicht, sonder sie schwebte über den Waldboden. Ihr weißes Kleid leuchtete im Schein des Vollmondes. Sie sah aus wie ein Engel aus längst vergessener Zeit.


Als sie den Magnolienbaum  erreichte drehte sie sich ein letztes Mal zu ihm um. Obwohl sie weit weg war konnte er in ihre Augen sehen. Sie leuchteten so hell wie Sterne, doch erkannte er auch die tiefe Trauer und die Weisheit, die in ihnen verborgen war.


Ein Gefühl sagte ihm, was passieren würde, wenn er nicht sofort zu ihr ginge, doch eine unbeschreibliche Kraft lähmte ihn, lähmte seinen Körper. Er wollte sie davon abhalten, wollte sie rufen, doch es ging nicht. Sein Mund blieb verschlossen.


Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen und sie sang ein leises Lied, in einer fremden Sprache. Er kannte diese Sprache nicht, doch er verstand jedes einzelne Wort. Es zerriss ihm fast das Herz, als er diese liebliche Stimme ein letztes Mal hörte. Er schloss seine Augen und weißes Licht umgab ihn.
     

Am Morgen des nächsten Tages erwachte er. Langsam kam die Erinnerung zurück. Er lief zum Baum. Dort lag sie, friedlich und bedeckt von weißen, sternförmigen Blüten der Magnolie. Jetzt verstand er, was sie mit den gesungenen Worten meinte. "Si awartha i Laegel meduin in adan ["Jetzt verlässt die letzte Elbe die Menschen."]


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Von einer wundersamen Kraft getragen betrat sie den Garten. Wie schön es hier doch war. Die Sterne schienen heute Nacht heller zu leuchten als  sonst in einer Sommernacht.


Sie hörte eine leise Stimme sagen: "Tolo, cilo nin na adab, na Valinor." [Komm, folge mir nach Hause, nach Valinor."]


Sie betrat die Lichtung mit der Magnolie, von welcher ein warmes Licht ausging. Sie hatte sich immer schon geborgen gefühlt, wenn sie in der Nähe des Baumes war, doch heute Nacht war es anders. Das Gefühl, viel stärker. Sie verspürte Freude endlich nach Hause zu kommen, doch gleichzeitig auch Trauer, einen geliebten Ort zu verlassen. Noch ein letztes Mal wollte sie zurückblicken. Sie drehte sich um und schaute auf den Balkon.


Dort stand er. Beide wussten, dass es ihr letztes Treffen hier, in diesem Garten war.


Sie lächelte und sagte: "Wir werden uns wiedertreffen. Doch jetzt verlässt die letzte Elbe die Menschen." Langsam ließ sie sich auf das weiche Gras nieder und schloss die Augen.

      
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Vielen Dank noch mal an Akasha-of-Mirkwood, die mich dazu gebracht hat diese Geschichte zu posten.
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