Wieso ich?

von Finn
GeschichteHumor / P12 Slash
07.04.2004
30.06.2004
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Also, nachdem jeder die Schule so genial zufinden scheint möchte ich hier doch eines klarstellen: ich bin an diese schule gegangen. es gibt sie wirklich, ebenso wie den schulwart.


"Ha, diesmal krieg ich dich, du Scheißding!" Wütend drehte Adrian mit der Rohrzange am Dichtungsring des Wasserrohrs, unter dem er lag. Jetzt nur nicht den Druck verringern, sonst würde er wieder baden gehen. Noch zwei Zentimeter drehen, dann hätte er es geschafft.
Noch ein Zentimeter, dann.....
"Entschuldigung, brauchst du Hilfe?"
Erschrocken ließ Adrian die Zange fallen. Ergebnis war ein stechender Schmerz in der Schulter, wo sie gelandet war, und ein Haufen Wasser, der sich über ihm ergoss.
Prustend und spuckend robbte Adrian unter dem Waschbecken heraus und starrte wütend auf den Menschen, der für seinen momentanen Zustand verantwortlich war.
Besagter Mensch war über 1,80 groß, schlank, blond, blauäugig, und über zwanzig Jahre alt. Wahrscheinlich ein Lehrer.
Vorsichtshalber drehte Adrian die Wut in seinem Blick etwas herunter. Einen bissigen Kommentar konnte er sich allerdings nicht sparen. "Hilfe hätte ich vorher nicht gebraucht, aber jetzt wäre ein Handtuch nett."
Der Blick des Lehrers (?) wurde schuldbewusst als er meinte "Entschuldigung, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich dachte du wärst der Schulwart, schließlich hab ich nur die Beine gesehen."
Adrian blickte sein Gegenüber ungläubig an. "Sie dachten ich wäre der Schulwart????" Plötzlich lachte er los. "Oh Mann, sie müssen neu sein, nicht wahr?"
Der junge Mann nickte. "Ja, ich habe heute meinen ersten Tag als Unterrichtspraktikant. So offensichtlich?"
Adrian grinste ihn an. "Jep. Aber sie werden es schnell lernen. An dieser Schule ist die einzige Arbeit die der Schulwart verrichtet, Jausen zu verkaufen. Wenn was zureparieren ist, machen das die Schüler, oder besser gesagt ich." Überlegend runzelte er die Stirn. "Nein halt, ich mach an dieser Schule eigentlich alles. Aber ist jetzt auch egal. Kommen sie nicht zu spät? Ich meine der Unterricht geht gleich los."
Der Mann schaute erschrocken auf die Uhr. "Oh Gott, stimmt ja. Kannst du mir vielleicht helfen? Ich suche die 8A."
"He, dann sind sie der neue Mathe-Lehrer den wir diese Jahr bekommen sollten. Freut mich, ich bin in ihrer Klasse. Kommen sie mit, ich bring sie hin!"
"Danke. Wie heißt du eigentlich?"
"Adrian Dumas. Und bevor sie fragen: Nein, ich bin nicht mit dem Schriftsteller verwandt."
Sein zukünftiger Lehrer lachte leise. Ein angenehmer Laut. "Freut mich Adrian. Ich heiße Michael. Und sag du zu mir. Bei einer achten Klasse geht das in Ordnung."
Adrian nickte leicht, dann meinte er: "Hier sind wir. Viel Spaß dann noch!"
Er drehte sich um, um wieder zu seinem Wasserrohrbruch zurückzukehren, doch eine schwere Hand legte sich auf seine Schulter. "Moment mal, wo willst du hin? Wir haben jetzt Unterricht!"
Unauffällig bewegte sich Adrian so, das die Hand von seiner Schulter rutschte. Dann sah er auf in Michaels Augen. "Theoretisch ja, aber leider hat mich jemand beim Reparieren des Rohrs unterbrochen. Das muß noch erledigt werden, danach werde ich in den Unterricht kommen."
Ungläubig hob Michael die Augenbrauen. "Aber Unterricht ist wichtiger. Und was ist mit deiner Note?"
Wieder mußte Adrian lachen. "Ich habe in jedem Fach einen Einser, keine Panik wegen meiner Note. Und was den Unterricht für mich betrifft, sie werden es schon noch lernen. Für mich gelten andere Regeln!"
Mit diesen Worten eilte Adrian den Gang hinunter.

Verwirrt und gleichzeitig verärgert blickte Michael ihm nach. Eines war sicher, nach diesem Jungen würde er sich noch erkundigen.
Dann schob er den Gedanken beiseite und betrat die Klasse.

Die 8a bestand aus insgesamt vierzehn Leuten. Die Klassenliste durchzugehen war also keine Schwierigkeit. Aber eines interessierte ihn doch. "Ist Adrian Dumas nicht da?"
Unschuldig blickte er in die Gesichter der Schüler.
"Ne, Adrian ist nicht da," antwortete ein hagerer Junge aus der ersten Reihe, der Martin hieß. "Er ist wahrscheinlich wieder irgendwo im Schulhaus, und versucht, die Schule vor dem Einsturz zubewahren."
Fragend blickte Michael ihn an. "Wie genau darf ich das verstehen?"
Ein Kichern ging durch die Klasse. "Oh, das werden sie bald merken. In dieser Schulde funktioniert überhaupt nichts. Die Decke fällt uns öfters buchstäblich auf den Kopf, unsere Wasserrohre brechen. Die Fenster, Türen, Overheadprojektoren und Jalousien funktionieren meistens nicht, und wenn man die Lichtschalter betätigt, bekommt man einen Stromschlag. Das war jetzt nicht mal alles. Aber selbst so ist eines sicher: Hier lebt man gefährlich."
Ungläubig schüttelte Michael den Kopf. "Nicht wirklich, oder? Aber wieso macht der Schulwart nichts dagegen? Wieso muß Adrian das machen?"
"Weil er es kann. Schnell kann.", meinte Martin. "Der Moser, das ist unser Schulwart, verkauft nur die Jause. Adrian ist für alles andere verantwortlich. In der Klasse werden sie ihn wahrscheinlich nie sehen, aber mit einem Werkzeugkasten im Gang jeden Tag. Aber keine Sorge. Adrian ist in Mathe ein Ass!"
"Stimmt, Adrian kann einfach alles!", seufzte ein blonden Mädchen.
>Ohgottohgott. In was für eine Schule bin ich da nur geraten? Aber egal. In einem Jahr bin wieder draußen. Solange werde ich wohl überleben. Obwohl, wenn man den Schülern glauben darf.....<
"Okay, ist jetzt auch egal, wir machen jetzt Mathe. Bücher raus. Mal schauen, was da drinnen steht."

Am Ende der Stunde war Adrian immer noch nicht zum Unterricht erschienen. Mit dem festen Vorsatz, sich in der Direktion nochmals nach ihm zu erkundigen, verließ Michael das Klassenzimmer, und ging den Gang hinunter. Plötzlich hörte er eine schöne Bariton Stimme singen. Unfähig dem schönen Klang zu widerstehen ging er den Klängen nach, und betrat leise ein leeres Klassenzimmer. Naja, fast leer. Auf drei übereinandergestapelten Stühlen stehend sah er Adrian, der vor sich hinträllerte. Ohne sich bemerkbar zumachen, musterte er den Jungen von oben bis unten. Adrian war wahrscheinlich einen guten Kopf kleiner als er selbst, und wirkte ziemlich grazil. Durch die feuchten Klamotten konnte er aber erkennen, das er einen schön geformten, maskulinen Körper besaß. Da er in die Maturaklasse ging, war er wahrscheinlich um die achtzehn Jahre alt. Die schwarzen Haare lagen ihm feucht ums Gesicht und die waldgrünen Augen waren zur Decke gerichtet, wo er gerade eine Glühbirne eindrehte.
Plötzlich alarmiert, betrachtete Michael die Szene vor sich noch mal. Ein nasser Adrian drehte eine Glühbirne ein. Das konnte gefährlich werden.
"Adrian, du solltest nicht...."
Erschrocken zuckte der Junge zusammen, was dazu führte, das die Stühle bedenklich zu wackeln anfingen und umzukippen begangen.
Hilflos mit den Armen rudernd flog Adrian nach hinten.
Erschrocken sprang Michael nach vorne und fing den Jungen auf. Durch das Gewicht seines Schülers zu Boden gedrückt, fiel Michael schmerzhaft auf den Rücken, und Adrian landete auf ihm drauf. Verwirrt schauten sich beide in die Augen, und eine Sekunde wurde zu einer Ewigkeit, als blau grün traf.
Stunden später wie es schien, erinnerte sich Adrian daran, das er es eigentlich nicht mochte berührt zu werden, und rappelte sich von Michael auf. Dann setzte er wieder ein Grinsen auf und meinte zu dem älteren Mann, der sich gerade aufsetzte: "Nichts für ungut Michael, aber wenn du mir noch öfters hilfst, bin ich bald ein Fall fürs Krankenhaus!" Dann verließ er den Raum.
Michael folgte ihm mit seinem Blick, nur um dann, als von dem schwarzhaarigen nichts mehr zusehen war, den Kopf in den Händen zugvergraben. "Na wunderbar! Ich hab mich gerade in einen Schüler verknallt. Wieso muß immer mir das passieren????"


Tbc.
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