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Memory

von Gil-Estel
GeschichteDrama / P12 / Gen
Frodo Samweis / Sam Gamdschie
07.04.2004
04.05.2004
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Ein Tag, eine Nacht

Mit einem Traum,

an den man glauben soll.

Ein Schritt, ein Sturz.

Und eine neue Erde,

auf der anderen Seite des weiten Ozeans.

Dieser Weg wurde meine Reise.

Dieser Tag endet.

Weit weg.




Frodo fasste sich an die linke Schulter. Vier Jahre war es nun schon her, als der Krieg um den Einen Ring endete. Vier lange Jahre. Doch der Hobbit hatte nichts vergessen. Jedes einzelne Detail seiner Fahrt war in sein Herz und in seine Seele eingebrannt. Wie konnte er jemals vergessen? Er spürte den stechenden Schmerz in seiner Schulter. Plötzlich sah er alles wieder vor sich. Der Fürst der Ringgeister, bedrohlich über ihm stehend, bewaffnet mit einer tödlichen Morgul Klinge. Wie in Trance sah Frodo das Schwert auf sich hinabstürzen. Es bohrte sich in seine Schulter, durchschnitt sein Fleisch, schickte das heimtückisches Gift in den Körper des jungen Hobbits. Brennender Schmerz durchfuhr ihn, als die Klinge immer tiefer in seine Schulter schnitt. Quälende Pein ließ seine Sinne schwinden, als er Saurons Macht spürte. Leidend durch den körperlichen und seelischen Schmerz, schrie er auf. Verschleiert nahm Frodo wahr, wie Streicher ihm zu Hilfe kam. Dann umfing ihn eine Dunkelheit, die
beinahe erlösend war.
Fast wäre er gestorben, hätten ihn die Elben nicht gerettet.
Lasto beth nîn, tolo dan na ngalad!
Doch er hatte überlebt. Die Bürde, die man ihm auferlegt hatte, die er sich selbst auferlegt hatte, trieb ihn weiter. Bis an seine Grenzen und darüber hinaus.
Mit einem Frösteln erinnerte er sich an die Macht Saurons durch den Einen Ring. Kalter Schweiß stand dem jungen Hobbit auf der Stirn. Obwohl es nun schon einige Jahre her ist, erinnerte sich Frodo sehr genau an seine Qual und seine Schmerzen durch den Einen Ring.

Ohne Sam hätte ich versagt.
In all den Jahren konnte er beobachten, wie Sam und Rosies Liebe zu sich und ihren beiden Kindern mit jedem Tag  größer wurde. Merry und Pippin hatten sich zu angesehenen und beliebten Hobbits entwickelt.
Sie waren glücklich, wieder im Auenland zu sein. Und Frodo?
So lange war ich nun von Zuhause weg. Doch wie fängt man an, nach so einer Fahrt? Wie macht man weiter? Wie lebt man weiter?
Fragen, auf die er keine Antworten hatte.
Der ehemalige Ringträger hatte sich bereits entschieden, kurz nachdem er wieder im Auenland war. Er würde mit Gandalf, Bilbo und den Elben Mittelerde verlassen und zu den Unsterblichen Landen segeln. Ja, in Valinor gibt es weder Schmerz, noch Leid. Nur unendlichen Frieden.
In dieser Welt gab es nichts mehr für ihn. Nichts, außer Schmerz.
Er hatte viele Verluste erlitten, seit seiner Fahrt.
Verlust von Freude.
Verlust von Lachen.
Frodo hatte sich immer weiter von den anderen zurückgezogen. Er wollte allein sein.

Frodo verschlug es den Atem, als er das gewaltige Elbenschiff vor sich im Hafen der Grauen Anfurten liegen sah. Ein wunderschöner Anblick.
Er hatte Merry, Pippin und Sam nicht gesagt, dass er gehen würde. Frodo sah zu, wie sich die drei von Gandalf verabschiedeten. Es wurde geweint und umarmt.
Sicher, er würde das Auenland vermissen. Und seine Freunde mehr als alles andere. Besonders Sam.
Sam war ihm der beste Freund, seit er Denken konnte. Er war es auch, der Frodo immer wieder davon abhielt, dem Einen Ring nachzugeben. Und Sam war es gewesen, der den schwachen Hobbit die letzten Schritte zum Schicksalsberg hinaufgetragen hatte, als dieser aufgab.
Ich kann den Ring nicht für dich tragen. Aber ich kann dich tragen.
Sams Worte damals würde er nie vergessen.
"Es ist Zeit, Frodo", Gandalfs Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
"Was...?", Sam und die anderen sahen ihn erstaunt an.
"Herr Frodo, was...?" Angst schwang in Sams Stimme mit.
Frodo trat vor.
"Hier gibt es nichts mehr für mich, Sam. Ich kann nicht vergessen".
Die drei Hobbits sahen ihren Freund an. Ihre Blicke sagten Frodo, dass sie verstanden.
Als er sich von Merry und Pippin schmerzvoll und schweren Herzens verabschiedet hatte, drehte er sich zu Sam um.
"Mein Sam", sagte Frodo, "Bitte versteh. Das Auenland wurde gerettet, doch nicht für mich. Die Schmerzen quälen mich. Tag für Tag, Jahr für Jahr.
Sam konnte seine Tränen nicht länger zurückhalten.
"Eines Tages werden wir uns wieder sehen. Du kannst nicht immer entzweigerissen sein, Sam. Rosie und deine Kinder brauchen dich."
Sam lächelte und nickte. Keine Worte konnten das ausdrücken, was er fühlte.
"Ja, Herr Frodo. Du musst glücklich werden. Das hast du dir verdient."
Frodo umarmte Sam. Ihre Seelen und ihre Herzen verbanden sich, wurden zu einem Ganzen. Wie sie es eigentlich schon immer gewesen waren. Es schmerzte Frodo sehr, seinen engsten Freund zu verlassen. Alles, was sie zusammen durchgemacht haben, verband sie bereits wie Brüder.
"Ich danke dir."
Als letzten Abschiedsgruß küsste er Sam auf die Stirn.  Sam sah seinem Freund in die Augen. So sehr hatte er sich gewünscht, Frodo wieder lachen zu sehen. Doch er hatte hilflos mit ansehen müssen, wie sein Freund immer tiefer in seine Schmerzen versank.
Sam sah Frodo schweigend nach, als dieser an Bord des Elbenschiffes ging. Ein letztes Mal drehte Frodo sich um. Und er lächelte seinen Freunden von ganzem Herzen zu. Kein Schmerz, keine Qual. Der junge Hobbit spürte so etwas wie...Freude?
Sam fühlte die Veränderung seines Freundes, als er auf das Schiff ging. Er sah Frodo dort oben stehen, sah, wie er seit Jahren das erste mal ungezwungen lachte...und ihm ging das Herz auf. Sam lächelte zurück. Nichts machte ihm mehr Freude, als seinen besten Freund glücklich zu sehen.
Schweigend sahen die drei Hobbits das Schiff ablegen und davon segeln. Dort standen sie und jeder hing seinen Gedanken nach bis das Elbenschiff nur noch ein kleiner Punkt am Horizont war.
Dann drehten sie sich um und gingen nach Hause. Zurück ins Auenland.

Im Schatten, von den Hobbits unbemerkt, stand Legolas mit gesenktem Kopf.
"Namarié", flüsterte er leise.
Aragorn legte seinem Freund eine tröstende Hand auf die Schulter und auch Gimli kämpfte mit seinen Gefühlen.
"Eines Tages werden wir sie alle wieder sehen."
König Elessar und seine Gefährten wandten sich um und verschwanden in der Nacht.


You're everything my dreams have seen.
But, what are dreams?

I'm walking where my dreams have been.

But, what are dreams?

Du bist alles, was meine Träume jemals sahen.

Aber, was sind Träume?

Ich gehe dorthin, wo meine Träume sind.

Ins Leben.

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