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Reviews 1 bis 4 (von 4 insgesamt):
02.09.2021 | 11:38 Uhr
Hallo Erzaehlerstimme,

...man, ich bin immer noch so sehr mitgenommen, dass ich vielleicht gar keinen vernünftigen Text verfasst kriege. Ich könnte schon wieder heulen.
Ich habe mir deinen Nachruf schon mehrmals durchgelesen und du triffst es einfach auf den Punkt. Oh man, ich finde keine Worte... Joey war einfach der Größte! Das Review von JaneS und deine Antwort habe ich mir ebenfalls durchgelesen und ich bin absolut eurer Meinung.

Mich haben Slipknot im Jahr 2004 mitgerissen. Ich war 16 und auf Viva lief "Duality". Sofort war ich im Bann der Maskenmänner, doch einer hatte es mir von einer Sekunde auf die nächste am meisten angetan. Joey Jordison. Es gibt eine Szene in dem Video, in der er mich sofort gecatcht hat. Oder wie du so schön in deinem Nachruf sagtest, "abgebogen". Genau das war mein Schlüsselerlebnis. Von da an haben mich Slipknot, aber ich sage mal insbesondere Joey, geprägt. Und mich in so vielen Lebenslagen begleitet. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr er mich beeinflusst hat. Als Teenager war ich jedenfalls völlig in Love. :-D

Ach man, mein Herz ist gebrochen... Ich habe am 28.07. von der Nachricht erfahren. Auch von einem Kumpel per WhatsApp. Erst einmal war ich völlig sprachlos und eine halbe Stunde später hatte ich tatsächlich einen kleinen Schock. Es war so grauenvoll. Ich bin für 2 Tage aus dem Urlaub nach Hause gefahren und musste das erst einmal für mich alleine realisieren. Und es fühlt sich heute noch so unwirklich an.

Einige Tage vor seinem Tod (ich nehme an, es war der 20.07.), habe ich mich mit ein paar Freunden über Musikgrößen unterhalten, darunter auch über Chester Bennington, von dem ein Kumpel ein Riesenfan war. Ich erinnere mich, wie ich sagte: "Mein Held ist und bleibt Joey Jordison, und wird er immer sein."
Was auch echt spooky war, in der Nacht vom 26. zum 27.07. wollte ich schlafen gehen und fing auf einmal grundlos an zu weinen, wo ich mich selbst gefragt habe "Hä? Was ist denn nun los?!" - Rückblickend betrachtet, kommt es mir vor, als hätte ich vorher schon irgendetwas Schlechtes geahnt. Das mag echt schräg klingen. Aber vielleicht möchte ich in dieser Illusion auch einfach bleiben.

Tja, nun haben wir September und ich habe es immer noch nicht verdaut. Ich lese mir ständig meine damaligen Slipknot-Geschichten, in der Joey die Hauptrolle spielt, durch und dort lebt er einfach weiter. Ich habe mir meine Konzertberichte und Autogrammstunden mit all seinen Begegnungen durchgelesen und bin einfach unendlich dankbar, dass ich diesen God of Drums 5 Mal treffen durfte.
Ich überlege sogar schon, ob ich meine ganzen Videokassetten hervorkrame und alles was ich damals von MTV über Slipknot aufgenommen habe, mir reinziehe. Einfach um nochmal in den alten Erinnerungen zu schwelgen.

Ich teile eure Meinung, dass Slipknot seit 2010 nicht mehr Slipknot ist. Die Intensität ist verloren gegangen, aber dennoch wird es immer meine Lieblingsband bleiben.

Liebe Erzaehlerstimme, ich habe jetzt doch ziemlich weit ausgeholt. Vielleicht musste ich meine auf der Seele lastenden Gedanken einfach mal los werden. Ich danke dir sehr für deinen emotionalen Nachruf. Und ja, du hast Recht, diesen Austritt hat Joey nicht verdient und es tut mir in der Seele weh, dass sich niemand von der Band bei ihm gemeldet hat. Der arme Kerl hat die ganze Zeit darauf gehofft und gewartet. Und es war ihm wahrscheinlich selbst ein Rätsel, nach all den Jahren, die er Slipknot beiwohnte, warum sich niemand seiner "Brüder" mehr für ihn interessiert hat. Richtig, sie sollen sich was schämen!

Joey, wo auch immer du bist, ich hoffe, du spürst die Liebe all deiner Fans!
Du wirst immer der Held meiner Jugend, meiner Twens und auf Ewig sein! ♡

LizzyLou

Antwort von Erzaehlerstimme am 10.09.2021 | 17:37 Uhr
Hallo LizzyLou!

Ein eher trauriger Anlass, aber trotzdem vielen Dank für deinen Kommentar zu meinem Nachruf. Das Thema beschäftigt auch mich immer noch intensiv, einfach weil meine YouTube-Empfehlungen mit Reactions, Tributes etc. geflutet sind, die ich alle nicht anschauen kann, ohne dabei schon wieder runtergezogen zu werden... Ach Mann, das Leben ist echt unfair :(
JaneS' Review und meine Antwort darauf sind tatsächlich ein wenig emotionaler als der Nachruf selbst. Ich fand einfach, dass es nicht hineinpassen würde, weil es ein Text über Joey und nicht über die anderen sein sollte. Auch wenn ich merke, wie mir schon wieder der Kamm schwillt, weil ich an die anderen Pfeifen denke >.< Wenn ich aber mal voraussetze, dass meine ganzen Verschwörungstheorien stimmen - anders kann ich's mir einfach nicht erklären -, dann können die meisten Bandmitglieder wahrscheinlich nicht einmal etwas für ihr Schweigen. Na ja, ich schweife ab.

Es ist schön wieder zu lesen, wie sehr Joey einfach aufgefallen ist. Tatsächlich finde ich seine Präsenz immer am auffälligsten, neben der von Mick. Aber gut, der fällt aufgrund seiner Körpergröße und seiner Haltung sowieso auf, würde ich sagen ^^ Joey dagegen, gerade weil er am Anfang diese emotionslose Kabuki-Maske trug, ist immer wie eine Puppe aufgetreten. Manche Fotos sind auch einfach der Hammer, weil er sich merkwürdig positioniert oder gepost hat. Als wäre er tatsächlich eine leblose Puppe, die man arrangiert hat. Sein Spiel sah manchmal auch mechanisch aus, fast wie ein Automat. Wirklich merkwürdig, weil er doch immer derjenige war, der am meisten und eloquentesten geredet hat und eigentlich vor Menschlichkeit übersprudelt, wenn man ihn an sich mal erzählen lässt. Gerade seine Begeisterung für Musik ist etwas, das ziemlich hängenbleibt, wenn man ihm in Ruhe zuhört und ihn quasseln lässt ^^ Und ja, der Moment, als ich "Psychosocial" im TV gesehen habe, war der Moment des Abbiegens. Seitdem bin ich Metalhead und ich werde es auch immer sein.

Es ist einfach merkwürdig, wie sehr einen der Tod einer fremden Person mitnehmen kann. Es war abends und ich bin danach ins Bett gegangen. Konnte es gar nicht so richtig glauben, das kann ich auch heute noch nicht. Aber seit ich die Todesanzeige gesehen habe, die seine Familie in die Zeitung gestellt hat, ist es bittere Realität. Das macht so keinen Spaß mehr... Es ist so weit weg und irgendwie doch ziemlich nah.

Schon komisch. Die Person, mit der ich mich seit seinem Tod am meisten darüber unterhalte, hat auch an dem Sonntag vor seinem Tod aus irgendeinem Grund "All Hope Is Gone" im Auto in die Anlage geschmissen, obwohl nin die Band seit einer Ewigkeit nicht mehr gehört hat. Warum? Weil nin einen Ohrwurm von "Sulfur" hatte, ein Lied, das bei uns ebenfalls schon gefühlte 100 Jahre nicht mehr lief. War es Vorahnung? Ein merkwürdiges Gefüge von Zufällen, die am Ende dazu geführt haben, dass ausgerechnet diese CD in die Anlage gewandert ist? Tatsächlich habe ich dieses Jahr auch das erste Mal seit Jahren wieder SlipKnot im Auto gehört, am liebsten das erste Album. Irgendwie hatte ich Lust, mich auf die Wurzeln zu besinnen. Beim Übergang des Intros in das Lied "(Sic)" bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Echt merkwürdig, dass du auch so eine Art "Vorahnung" hattest. Manchmal ist die Welt einfach nur beunruhigend, finde ich.

Leider hatte ich ja nie die Chance, überhaupt die Band mal live zu sehen. Entsprechend finde ich, du solltest diese Begegnungen auf jeden Fall in Ehren halten - was du anscheinend sowieso schon tust ^^ Es ist toll, dass du ihn treffen konntest, das ist eine wertvolle Erinnerung. Jeder, der sich an ihn erinnern kann, trägt zu seinem Vermächtnis bei. Und bei ihm sagt es ganz eindeutig: Er war einer der nettesten, bescheidensten und auch begabtesten Menschen, die viele jemals getroffen haben. Das soll was heißen. Ich habe noch nirgendwo ein negatives Wort über ihn mitbekommen, weder vor noch nach seinem Tod. Was man über die anderen (insbesondere Corey und den Clown) nicht sagen kann. Sad but true, würde Metallica dazu sagen. Und ja, Metallica sind bei ihm betteln gegangen, damit er auf dem Download für Lars Ulrich einspringt. Viele eingefleischte Metallica-Fans sagen, dass das eines der besten Metallica-Konzerte war, das sie je gesehen haben. Einfach, weil die Band mal ein bisschen flotter klang. Auch das wird vielen für immer in Erinnerung bleiben.

Ja, seit 2010 hat sich einiges getan. Vieles, über das ich besser nicht noch einmal aushole, sonst musst du einen 100k Roman lesen ;D

Deinem letzten Absatz habe ich nichts weiter hinzuzufügen, außer: Vielen lieben Dank nochmal für deinen Kommentar, deine Gedanken zu Joey und auch die Zeit, die du dir genommen hast, um dir das von der Seele zu schreiben! Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende und hoffe, dass der Tag kommt, an dem eine offizielle Entschuldigung seitens der anderen Bandmitglieder kommt. Davon kann sich ausgerechnet der Betroffene, nämlich Joey, nichts mehr kaufen, aber es würde mir wenigstens das Gefühl geben, dass sie sich überhaupt dafür interessieren, was sie da abgezogen haben. Schämen sollen sie sich trotzdem. Das kann nämlich nie wiedergutgemacht werden.

LG, Erzaehlerstimme
26.08.2021 | 13:26 Uhr
Schön geschrieben, ich hab ihn (den Nachruf) nun ein zweites Mal gelesen und kann mich endlich durchringen, etwas dazu zu schreiben.
Joey wurde von Shawn (Clown) mit einer Email rausgekickt, in der lediglich stand, dass er raus ist. Von dem Vorwurf des Drogenkonsums usw. wusste Joey nicht einmal was, bis es durch die Öffentlichkeit sickerte. Und was ist seitdem mit der Band nur geschehen?
Ich bin seit 1999 Fan, hab die Band unzählige Male live gesehen und interviewt bzw bei Meet&Greets getroffen. Ich hab die Jungs umarmt und meine Scherze mit ihnen gemacht, stehe privat in Kontakt mit einigen der Leute rundherum. Ich habe die Trennung von Chris und seiner Frau faktisch 'live' mitverfolgtund auch dessen Rausschmiss genau mitbekommen. Alles, was da schief läuft geht von Shawn und dem Großmaul Taylor aus (sorry, wenn sich jetzt einige angepisst fühlen, aber diese beiden Menschen haben für mich zumindest bewiesen, das man ihnen nicht trauen kann oder sollte).

Shawn hat nun in Eigenregie Joey rausgeschmissen. Shawn führt seine Whiskey-Marke unter Slipknots Namen ein, Shawn verkauft Cannabis unter diesem Namen. Shawn entwirft Grillzangen, die groß beworben werden und Shawn regelt das. Geschickt, wo er nach Joeys Rausschmiss das letzte große Gründungsmitglied ist, welches der Band beiwohnt. Und alle anderen werden zum stillen Beistand gezwungen, denn wir sind ja alle 'Familie' und blah.
19 Jahre war ich Fan, bis der große Knall dann kam. Ich wollte sie noch ein einziges Mal live sehen, tja.

Joeys Tod jedenfalls hat mich sehr erschüttert, ich finde nicht die Worte für das, was mir da alles durch den Kopf geht. Dass er Depressionen hatte, sehr viel trank und aus diesem Teufelskreis nicht mehr rauskam ist schrecklich und verständlich, diese Scheiße hätte die Band sehr viel emphatischer angehen müssen. Ihn unterstützen, wo sie ja alle "Brüder" waren. Ihn weiter mit einbeziehen, als Songwriter oder so, statt ihn so eiskalt in seiner Krankheit sitzen zu lassen.


Egal, ich rede mich nur wieder in Rage. Du hast schöne, ruhige und bewundernde Worte gefunden, die das Schaffen Joeys gut beschreiben. Ich danke dir für deine Feinfühligkeit und deine Ehrlichkeit, deine Sachlichkeit, die mir im Bezug dessen einfach fehlt, wie man ja oben sehen kann :-/
Ich bin traurig, dass das, was Joey, Paul und auch der Clown geschaffen haben so zerbrechen muss. Aber Geld regiert die Welt, auch wenn es immer hieß, sie würden nicht für das Geld in die Öffentlichkeit gehen...

Also Danke für deine tröstenden Zeilen, fühl dich gedrückt!

Liebste Grüße

Antwort von Erzaehlerstimme am 26.08.2021 | 21:40 Uhr
Guten Abend, JaneS!

Erst einmal - vielen Dank für deinen Kommentar zu diesem zurückhaltend emotionalen Text. Hinter den Kulissen sieht es da ganz anders aus, sage ich dir... Ich kann deine Wut und dein Unverständnis, deine Verzweiflung und deine untergründige "Was ist da bloß passiert?"-Fragestellung total nachvollziehen. Und privat bin ich sogar mittlerweile so weit, dass ich ein paar Verschwörungstheorien gesponnen habe, die wahrscheinlich ziemlich nah an der Wahrheit sind, da sich meine Eindrücke gerade mit deinen Schilderungen decken.

Aber zurück zum Anfang. Ja, auch ich habe ein paar Tage gebraucht, um etwas dazu zu schreiben. Einfach, weil ich sprachlos war. Genau wie damals, als sie ihn aus der Band geworfen haben. Da war ich auch sprachlos. Und ziemlich wütend, das habe ich persönlich genommen. Bei den meisten Bands ist es mir auf gut Deutsch gesagt scheißegal, was sie hinter den Kulissen abziehen, I don't care. Aber das hier habe ich persönlich genommen, und wie. Frag nicht nach Sonnenschein. Ich weiß noch, wie ich damals mit meiner Begleitung nach dem ElbRiot in Hamburg im KFC stand, da war es noch ganz frisch. Wir fingen an zu ranten und die zwei Typen vor uns - auch gerade vom Festival gekommen - drehten sich um und fragten, warum wir denn deswegen so angepisst wären. Dann haben wir sie aufgeklärt, denn sie kannten nur die halbe Wahrheit. Da war dann was los, sag ich dir.
Leider, leider, leider habe ich die Band nie live sehen können - ich war damals einfach zu jung. Und ich kannte niemanden, der mit mir hingefahren wäre, also hatte sich das ziemlich schnell erledigt. Und als ich dann alt genug war, war Joey schon nicht mehr dabei. Vor ein paar Jahren (zwei oder drei müssen es sein), da hat mich ein Kumpel meines Freundes gefragt, ob wir auch mit zum SlipKnot-Konzert kämen. Ich habe ziemlich schnell abgesagt, denn a) viel zu teuer und b) ist das nicht SlipKnot, sondern eine schlechte Tribute-Band für SlipKnot. Sorry, not sorry. Ich habe genau einen halben der 'neuen' Songs gehört und war direkt wieder auf 180 - über diese Band kann ich nicht sachlich diskutieren, auch wenn es in diesem Nachruf nicht wirklich so wirkt ^^
Ich weiß auch noch genau, was ich an dem Tag gemacht habe, an dem Paul verstorben ist. Wie gesagt, an dem Tag ist SlipKnot gestorben. Und alles, was danach kam, war irgendwie... Ramsch. Ich finde es auch höchst merkwürdig, dass niemand so richtig wusste, wer genau Joey damals im Krankenhaus besucht hat, so als müsste das Geheimnis von allen Beteiligten gewahrt werden. Warum darf man das nicht einfach öffentlich sagen? Hängen da sonst vielleicht Sanktionen für das besagte Bandmitglied dran? (Du merkst, da fangen meine wilden Spekulationen an ;D) Warum hat sich bisher kein einziges Bandmitglied außer Corey öffentlich zum Rauswurf und der ganzen Geschichte danach geäußert? Oder habe ich da was verpasst? Ist schon merkwürdig, dass Corey in einem Interview sagt, es wäre einer "seiner härtesten Entscheidungen gewesen, Joey aus der Band zu werfen." Ähh... Da stimmt doch was in der Story nicht? Oder bilde ich mir das ein? Warum darf er mit seiner Corey-Taylor-Experience (sorry, keine Ahnung, wie das Projekt heißt, ist jedenfalls nicht Stone Sour) 'Wait and Bleed' live spielen, ohne dabei vom Blitz getroffen zu werden? Wieso müssen die anderen Bandmitglieder immer so lighthearted "Jam Session mit XY" 'Interviews' machen, in denen es nur um ihre Instrumente, aber nie um Joey oder andere Geschichten aus der Vergangenheit geht? Merkwürdig, alles ganz merkwürdig. Genau wie diese äußerst beunruhigenden "Long live the Knot" Tweets, die irgendwie so kultige Züge haben... Als Chris rausgeworfen wurde, gab es einen Tweet von Corey, der mittlerweile gelöscht wurde. Der wurde aber gescreenshotet, und da hieß es "He wouldn't do what was necessary to stay in the band." Ähm, was genau ist denn notwendig - außer Musik machen -, um bei SlipKnot länger mitmachen zu dürfen? Das ist so gruselig, das ist kaum auszuhalten. Da rollen sich mir die Zehennägel hoch.

Und zum Clown - das ist das, was ich am Wenigsten verstehe. Gerade der Clown war ja immer derjenige, der Joey oft auf und von der Bühne getragen hat, der auch dabei gewesen sein muss, als es Joey das erste Mal so richtig schlecht ging, weil er ja bei der letzten Tour (auch wegen seines gebrochenen Beins) kaum noch laufen, geschweige denn stehen konnte. Ich sagte letztens noch in einer aufgeregten (nein, es gibt keine nüchternen) Unterhaltung über das Thema, dass es mir irgendwie zu gut getimt vorkommt. Als hätte jemand nur darauf gewartet, Joey loszuwerden. Beim ersten Anzeichen von Problemen einfach fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Und die Tatsache, dass der jetzige Schlagzeuger nicht einmal wusste, wofür er vorspielt, bis er dann quasi gesagt bekommen hat "Ja, passt, bis nach den Feiertagen, da gehen wir nämlich schon auf große Tour.", da war bei mir alles vorbei. Ich verstehe es einfach nicht. Ich kann es nicht, es geht nicht. Wie soll man das bitte plausibel erklären? Und dass einfach niemand mit ihm gesprochen hat, als wären sie alle hinter einer Wand aus Verträgen, die sie zum Schweigen zwingen und ihnen sogar untersagen, sich überhaupt mit ihm blicken zu lassen. Ich halte das nicht einmal für unrealistisch, um ehrlich zu sein, und das fuckt mich daran am meisten ab: Dass ich es ihnen (also Shawn und Corey) zutraue. Das ist doch schon ein Armutszeugnis, oder nicht? Anyways...
Für mich existieren auch nur vier SlipKnot-Alben. Alles danach ist non-existent. Genau wie die Band selbst. Wir nennen sie nur noch die 'Flintstones', weil wir eine Synthese aus Stone Sour und SlipKnot bilden wollten - und irgendwann hörte es sich an wie die Flintstones, also die Flintstones. Gefolgt von der Tatsache, dass sie neuen Bühnenoutfits einfach aussehen wie bei Starlight Express, sorry... Ach, ich sollte mich abregen. Hab schon wieder einen Ruhepuls von 120 ;D

Ja, auch mich hat dieser Tod irgendwie völlig aus der Bahn geworfen, weil es so unfair ist. Niemand wollte mit ihm reden, niemand hat es für nötig befunden, das aus der Welt zu schaffen, und niemand schert sich irgendwie darum. Es sei denn, er gehört nicht zur Band, denn im Internet habe ich nichts als Liebe und Trauer um Joey gefunden. Und eine riesige Menge an Tributes, Reactions zu seinem Schlagzeug-Spiel und whatnot für positive Rückmeldung und Erinnerungen an ihn, die sich alle einig sind, dass er einfach ein menschlicher Schatz war. Er hat ja in all den Jahren kein negatives Wort über die Band verloren, obwohl er durchaus berechtigt hätte abrotzen können. Er hätte sicher auch die Scheiße aus ihnen rausklagen können, hat er aber nicht. Weil er einfach viel zu nett war. Glaub mir, ich habe einige Beiträge durch, einige Instagram-Posts, einige Nachrufe, und jedes Mal wird nur betont, was für ein toller, lieber Mensch er einfach war. Und das kotzt mich so richtig an - er hat es am wenigsten verdient, und doch ist er jetzt einfach weg. Ohne die Chance, das wenigstens noch zu klären. Ohne eine Entschuldigung erhalten zu haben. Und deshalb steht das auch als einziger Kommentar in diesem Nachruf: Sie sollen sich was schämen. Und zwar bis in die Steinzeit.

Nun gut, ich bin jetzt auch ins Ranten gefallen ^^ Aber dieser Text hier sollte ein Nachruf sein, der einen positiven Beigeschmack hinterlässt und nicht so negativ. Wie gesagt, man mag zwar über Geschmack nicht streiten, aber hier bin ich einfach zu emotional. In diesem Nachruf sollte es um Joey gehen, nicht um die Flintstones. Um die geht es m.E. schon oft genug.

Wie gesagt: Danke für deinen Kommentar und deine Eindrücke, deine Erinnerungen an die frühere Zeit und natürlich für die Zeit, die du dir genommen hast :)

LG & schon einmal ein schönes Wochenende
Erzaehlerstimme
13.08.2021 | 22:34 Uhr
Du hast es wunderschön zum Ausdruck gebracht, welch großen Einfluss er auf so viele Menschen hatte.
Ich hatte das große Glück ihn 2018 bei einem Sinsaenum Konzert zu treffen. Man hat gemerkt wie sehr ihm seine Krankheit immer noch zu schaffen machte, aber das hat ihn nicht davon abgehalten das Konzert durchzuziehen, ein verdammt geiles Set abzuliefern und sich danach noch Zeit für seine Fans zu nehmen für Autogramme, Fotos und sehr viele Lacher. Natürlich habe ich nur diesen Abend aus Fanperspektive gehabt, aber ich sah dort einen warmherzigen, offenen, humorvollen und unglaublich starken Menschen.

Ich geh dann mal wieder flennen.

Ruhe in Frieden Joey.

Antwort von Erzaehlerstimme am 14.08.2021 | 12:16 Uhr
Hi lady-devil,

vielen Dank für deinen Kommentar zu diesem doch eher traurigen Anlass... Und ja, ohne Joey würden so manche Leute gar keinen Metal hören bzw. keine Musik machen. Auch habe ich mittlerweile herausgefunden, welchen Einfluss er auf das Schlagzeug-Spielen (im Metal) an sich hatte. Die Art, wie er gespielt hat, die Präsentation des Ganzen etc. Einfach ein starker Musiker.
Dann hattest du wirklich das große Glück - ich habe ihn leider nie live spielen sehen. Etwas, das mir irgendwie nie vergönnt war. Freut mich, dass du denselben Eindruck von ihm sammeln konntest, wie so viele andere Menschen es von ihm berichten. Ich finde es immer wieder schön zu hören, dass er wirklich so bodenständig war, wie ihn alle beschrieben haben. Unfair, dass solch ein Mensch so früh gehen musste. Die Krankheit, die er da verwinden musste, zusätzlich zu dem Rauswurf aus SlipKnot, hätten vielen anderen Menschen sicher das Genick gebrochen, aber er hat weitergemacht. Ich freue mich, dass er so stark war - und natürlich, dass du ihn wenigstens einmal kurz kennenlernen konntest :)

Ja, dito...

Hab ein schönes Wochenende, irgendwie jedenfalls. Danke nochmals für deinen Kommentar, es ist schön, so etwas hier zu lesen. Ich versuche mich die ganze Zeit damit darüber hinwegzutrösten, dass er ein so toller Mensch gewesen zu sein scheint, und dass sich viele genau so an ihn erinnern wollen.

LG, Erzaehlerstimme
Spundekaes (anonymer Benutzer)
06.08.2021 | 23:05 Uhr
Thank you, now I'm crying in the corner. Again. Nachdem du mir erzählt hast, dass du einen Nachruf verfasst hast, musste ich ihn natürlich lesen, weil dieses Thema zur Zeit auch das einzige ist, mit dem ich mich beschäftigt bekomme.

Joey ist und bleibt eine absolute Legende, I hope he's jamming with Paul again.

Und ja... Er war 5"3... Hat er zumindest gesagt :D

Rest well, Joey. You are missed.
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