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Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
29.07.2021 | 09:56 Uhr
Nach tausend Monden habe ich dann doch beschlossen, hier ein Review zu hinterlassen.
Ich habe vor einiger Zeit irgendwo gelesen, dass jemand "jetzt die erste Staffel wiedergelesen hat und es nicht mehr so gut war, weil ihm Tigerkralle durch all die Special und Short Adventures nicht mehr so böse vorgekommen ist". Das war meiner Meinung nach der größte Blödsinn, den ich je gelesen hatte. Erstens waren Tigerkralles Gründe bei weitem nicht so gut wie die anderer Katzen, bei ihm war es ja die Anbetung aller Katzen, Stachelkralles Training und Kiefernsterns Weggang (hier ist es auch wichtig, nicht auf eine*n Schuldige*n zu zeigen, weil es fast nie nur einen Grund gibt). Zweitens glaube ich, dass diese Person zum Zeitpunkt, als sie zum ersten Mal gelesen hat, noch ein bisschen jünger war und das Prinzip von " man braucht einen Grund um böse zu werden und bringt nicht einfach ohne Grund andere um" (Ich will jetzt nicht so tun, als hänge dieses Wissen vom Alter ab!) nicht verstanden hat. Ich meine, inwiefern macht es den Bösewicht schlechter, dass wir seine Backgroundstory kennen? Genau, null.
Das ist aber nur Typ A. Typ B sind die in deinem Text angesprochenen "aber er hatte so ein schweres Leben!"-Personen, die ich bisher aber nur bei Geißel, Habichtfrost (???), Tigerkralle und Ahornschatten und noch nie bei Braunstern, bei dem das zumindest teilweise auch gilt, gesehen habe.
Zur Namensgebung: Du tust Lucius Iunus Brutus Unrecht! Aber okay, in gewisser Weise war er genau so ein Verräter wie der andere (ich mag Caesar nicht! Ich mag eigentlich keine römischen Politiker außer vielleicht Cicero!). Aber hey, eine Katzengruppe, die nach antiken Römern benannt ist, wäre mal was anderes!
Kurzer Exkurs zu den von dir erwähnten BlutClan-Gruppen: Da sieht man ja in Staffel fünf, wie schlecht die funktionieren. Mal ehrlich, die planen fast das ganze Buch hindurch, wie sie Schlitzer besiegen können und dann machen Donner und Blitzschweif das ganz einfach in einem Kapitel, wo die meisten revoltieren. Das stützt meine These: "wenn jemand anfängt und eine gewisse Menge an Personen macht mit, dann ist alles kaputt".
Zurück zur Namensgebung: Ich verrate mein Geheimrezept! Eigentlich schreibe ich die Hierarchie, bevor ich mir Gedanken über den Haupttäter mache (also, ich weiß schon ungefähr, wo ich mit meiner FF hinwill und habe mir teilweise auch schon Gedanken ums Motiv gemacht). Dann wähle ich eine kleine Gruppe an Katzen aus, die so ziemlich verdächtigt werden können, meistens maximal sechs. Dabei achte ich darauf, dass mehrere Fellfarben dabei und auch mehrere Augenfarben dabei sind. Dann würfle ich und diese Person wird Hauptbösewicht. Ihr gebe ich dann einen kleinen Kreis an Unterstützern und die restlichen fünf + noch einmal fünf/sechs unterrepräsentiertesten Bösewichtfarben Semi-Bösewichte. Fertig!
-~-~-~-Platanenbrise

Antwort von -wolfsschatten am 29.07.2021 | 20:28 Uhr
Hey, Platanenbrise!

Wow, so ein riesiges Review! *-* Vielen lieben Dank!
Ich habe Tigerclaw's Fury nur als Zusammenfassung gelesen, aber ich denke, dass es durchaus passieren kann, dass einem Bösewicht Sympathien zufallen, die er eigentlich nicht verdient, wenn man (s)eine Geschichte aus dessen Sicht liest. Schließlich sieht man die Welt dann durch seine Augen und ein personaler Erzähler ist zumeist parteiisch. Ähnliches sehe ich mit Geißel und Ahornschatten, also kann ich mir schon vorstellen, dass die Erins ihn in den Sonderbänden versehentlich sympathisch gemacht haben. (Ich erinnere mich, dass ich mir bei meiner ersten Lektüre von Into the Wild in den ersten Kapiteln noch gewünscht habe, Tigerkralle wäre bitte nicht der Antagonist, weil ich seinen Auftritt im Prolog echt cool und heroisch fand - die Erins haben da echt gut rüberbringen können, was einige Katzen in Tigerkralle gesehen haben)
Natürlich muss man aber auch bedenken, dass es immer irgendwen gibt, der den Bösewicht trotz allem mag und/oder den guten Protagonisten hasst.
Aus psychologischer Perspektive finde ich Tigerkralles Gründe an sich aber gar nicht so übel (also im Sinne von "hinreichend") ^^" Vom eigenen Vater verlassen zu werden, ist ein ziemliches Trauma für ein Kind (auch wenn Kieferstern nicht die primäre Bezugsperson war) und Stachelkralle war ein ... nicht gerade positiver Ersatzvater. So hätte bei ihm schon der krankhafte Ehrgeiz geweckt werden können. ABER es gibt halt auch große Inkonsequenzen. Seine Mutter Leopardenfuß schien sehr liebevoll zu sein und der DonnerClan schien in Bluestar's Prophecy ebenfalls sehr nett zu Tigerjunges gewesen zu sein. Ich habe zumindest nie gesehen, dass ihm die Fehler seines Vaters vorgeworfen wurden. Im Gegenteil, Tiger wurde sehr schnell zum bewunderten Krieger. So werden die Motive von Tigerkralle doch wieder ein bisschen ... dünn. Es wird nicht so greifbar, warum ausgerechnet in ihm ein derart riesiger Ehrgeiz entstanden ist. Dann einfach einige Widersprüchlichkeiten in seinem Charakter - er dankt dem SchattenClan noch als Erwachsener, dass dieser ihn mal als Junges gerettet hat, aber zuckt nicht mal mit der Wimper, den DonnerClan zu verraten, in dem sich z.B. sein bester Freund (hab vergessen, ob das Weißpelz oder Löwenherz war) befindet. Er will alle Clans zu einem vereinen, tötet aber erst mal systematisch alle HalbClan-Katzen (zeugt allerdings mit Sasha um diese Zeit auch selbst welche). Sasha ist sowieso so eine Sache ... diese Romanze fand ich für Tigerkralle etwas ooc. (Klar, es kann auch ein schreiberisch guter Move sein, um den Bösewicht hassenswert zu machen - so nach dem Motto "Wasser predigen und Wein trinken", aber hier fand ichs nicht so geschickt).
Insofern fand ich Tigersterns Backstory aus schreiberischer Sicht auch eher kontraproduktiv für den Charakter - aber eher wegen der Widersprüche und Inkonsistenzen. Z.B. zeigen Tigerkralles Taten einen eklatanten Mangel an Mitgefühl und in Tigerclaw's Fury sorgt er sich dann doch um das Wohlbefinden bestimmter Katzen. Das passt nicht zusammen und die Widersprüche werden auch nie wirklich aufgeklärt.

Es macht also den Bösewicht nicht an sich schlechter, die Backstory zu kennen - außer, sie ist schlecht gemacht und/oder verkommt zur Mitleidsparty. Eine gute Backstory kann einen Bösewicht sogar wirklich extrem gut machen (nicht unbedingt im Sinne von "sympathisch", denn genau das will man ja meist nicht, aber im Sinne von: das ist ein runder Charakter, er hat Tiefe). Tatsächlich ist eine detaillierte Backstory aber auch nicht unbedingt nötig, damit der Bösewicht seine Rolle in der Geschichte wirkungsvoll spielen kann. Ignorieren wir mal Geißels Sonderband, denn als ich Stunde der Finsternis zum ersten Mal gelesen habe, war dieser Band noch gar nicht auf Deutsch draußen und ich wusste nicht, dass der Manga überhaupt existiert. Geißels Auftritt in Stunde der Finsternis war wirkungsvoll - vielleicht auch gerade deshalb, weil man noch nichts vom BlutClan wusste und daher vom Schlimmsten ausging. Nun hatte er allerdings auch relativ wenig Screentime und je länger ein Bösewicht vorkommt und je länger Prota und Bösewicht Kontakt miteinander haben, desto mehr muss man auch an Hintergründen liefern, denke ich. Dann wäre es das Mindeste, zumindest den Konflikt des Bösewichts anzudeuten (denn den braucht er).

Ein bisschen vielleicht ^^ Lucius Iunius Brutus, also derjenige, der Superbus gestürzt hat, war jedoch wahrscheinlich nur eine Sagengestalt. Ich meinte aber ohnehin den - auch bei Nicht-Römerfans - bekannten Marcus Iunius Brutus aus Cäsars bekanntem (wenn auch nicht historisch echten) Ausspruch "Et tu, brute?". Und ich stimmte absolut zu, würde das sogar auf die meisten historischen (nicht-römischen) Feldherren erweitern, die heute zu Unrecht verherrlicht werden. Die meisten (z.B. auch Alexander der Große oder Barbarossa) würden heute zurecht vor Den Haag stehen. Man könnte natürlich auch darüber diskutieren, wie sinnvoll es ist, heutige Werte und Übereinkünfte (Menschenrechte, Verdammung von Angriffskriegen) als Maßstäbe für historische Persönlichkeiten anzusetzen, aber ihre Taten macht der historische Kontext vielleicht verständlicher, deswegen aber auch nicht besser...
Zu den Römerkatzen sag ich mal noch nicht so viel... ;)

Staffel 5 hab ich noch nicht gelesen, aber in Staffel 1 ist auch angedeutet, dass es mit der Stabilität des BlutClans nicht so weit her ist, schließlich zerfällt er sofort nach Geißels Tod. Das war sogar recht realistisch, denn manchmal ist ein charismatischer Anführer das einzige, was ein schlechtes/kaputtes System zusammenhält. Ich bin dann mal gespannt auf die Szene mit Schlitzer und so. Dass Mächte außerhalb des Systems manchmal Rebellen unterstützen, ist recht häufig - schwupps hat der ursprüngliche Herrscher dann nicht mehr die größte Macht hinter sich und wird gestürzt. Dahinter steckt dann aber eher selten Nächstenliebe für die unterdrückte Bevölkerung, sondern meist Eigeninteressen - man will eine neue Regierung installieren, die einem selbst gewogen ist.

Das klingt nach einem wirklich guten System! Ich hangle mich beim Design von Bösewichten meist an den Familienstrukturen entlang. Wobei ich - zugegeben - momentan eher in so einer Phase bin, in der ich die Story während des Schreibens entwickle. Es gibt ja Planer und Entdecker - und ich muss meine Position zwischen diesen beiden Polen irgendwie noch finden.

Ich hab schon wieder voll den Roman geschrieben xD
Liebe Grüße, Felis
23.07.2021 | 07:13 Uhr
Hi :)

Sehr sehr wichtiges Thema das du da anschneidest!
Ein Krieger, ein böser noch dazu hat so viel Spielraum ein guter Charakter zu werden. Wenn man sich dafür von altbekannten Aussehens Mustern loslöst.
Ich hatte damals einen bösen hauptcharakter, der war klein, hatte weißes Fell und ein bernsteinauge. Das ist viel realistischer als der fiese schwarze Krieger von nebenan.
Was du bereits gesagt hast und natürlich extrem wichtig ist: jede fiese Katze hat ihre Schwächen, und die kann man gut zwischen den bösartigen Schleier legen - ausserdem gibt es unserem bösen Kater oder der fiesen Katze natürlich unterschwellig Gründe, fies oder hasserfüllt zu sein.
Denn genau wie im echten Leben sind meist diejenigen böse, die aufgrund irgendeinen makels oder ähnlichem schlicht unzufrieden mit sich SELBST sind.

Tolles Projekt. ;) Ich freu mich sehr, dies weiter zu verfolgen, aber versprechen kann ich nichts -
Staatsexamen ruft ;)

Alles Liebe, corall

Antwort von -wolfsschatten am 23.07.2021 | 11:31 Uhr
Hey, corall! :)

Vielen lieben Dank für dein Review und das Lob! ^-^
Auf jeden Fall! Böse Charaktere übertreten Grenzen, das ist in sich schon sehr interessant.
Klingt gut! Ich musste zwei Antagonisten in Kranichflug leider aus genetischen Gründen schwarz machen, aber da auch die Protagonistin schwarzes Fell hat und weitere Antagonisten dafür andere Farben, balanciert sich das hoffentlich aus.
Ohja, vielleicht ist es auch gerade die Schwäche, die die böse Katze antreibt. Denn eine vollauf zufriedene Katze sieht sich kaum genötigt, der nächste Tigerkralle zu werden - dazu braucht es mindestens eine gewissen Getriebenheit. Wichtig war mir nur, zu erwähnen, dass Bösewichte nicht die traurigste Backstory ever brauchen - lediglich einen Konflikt.

Danke :) Eigentlich war es gar nicht geplant, eine Guide-Serie zu machen, aber ab und an, wenn mir ein Thema interessant und wichtig erscheint, werde ich dazu spontan einen kleinen Text erstellen. (Ohne feste Upload-Termine, das würde ich neben dem Hauptprojekt nicht schaffen)
Toi Toi Toi!

Liebe Grüße, Felis
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