Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 
Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
13.06.2021 | 19:14 Uhr
Hallo Thomas,

ich habe mich sehr gefreut, dass du mir wieder so ausführlich geantwortet hast und lieb von dir, dass du meiner Bitte nach Erklärungen nachgekommen bist. Vielen Dank :)

Zum letzten Kapitel kann ich eigentlich gar nicht so viel sagen, da es ja zum großen Teil deine Ansichten sind und die sind nun einmal so wie sie sind und ich sehe da natürlich das ein oder andere anders. Aber ich kann überraschenderweise sehr viel nachvollziehen und vieles kenne ich auch von mir.

Grundsätzlich mag ich Menschen (je mehr Eigenheiten und Macken, desto besser, denn perfekte Menschen schüchtern mich ein, selbst, wenn sie freundlich sind), kann sie aber auch nur in einem bestimmten Umfang ertragen und zwar auch die, die mir nahe stehen. Ganz mit mir alleine kann ich aber auch nur für eine begrenzte Zeit etwas anfangen.
So wie ich wirklich bin, zeige ich mich nur einem einzigen Menschen (und das wohl auch nur zu ca. 95%), bei allen anderen versuche ich immer mehr oder weniger eine Fassade aufrecht zu erhalten und das ist halt auf Dauer anstrengend.
3. und 4. kann ich also schon sehr gut nachvollziehen. Allerdings fällt mir das mit dem Lächeln schon leicht. Wenn nicht, dann eher, weil ich Angst vor Ablehnung habe und das habe ich, je älter ich werde, immer weniger.
Und ich glaube auch, je seltener man sich zu Kontakt mit Menschen überwindet, desto schwerer fällt es einem. Für mich zumindest ist es leichter, wenn ich da in Übung bleibe. Was in den letzten 1,5 Jahren ja gerade nicht der Fall war und ich mich schon frage, ob ich das überhaupt auf die Reihe bekomme, wenn das normale Leben wieder losgeht.

Über 5. haben wir uns ja schon an anderer Stelle unterhalten.
6. erhält meine volle Zustimmung und 7. und 8. sehe ich im Großen und Ganzen schon auch so.

Bei 9. ist mir der Anfang deiner Überlegung sehr nahe. Aber der Konsequenz daraus, der Welt zu entsagen, kann ich für mich persönlich nicht folgen. Da bin ich einfach nicht der Typ dazu, denn nur mit mir alleine und meinen Gedanken halte ich es nunmal nicht lange aus. Da bin ich zu wenig diszipliniert und ergebe ich mich wohl dem von dir beschriebenen Drang.
10. Meine Denkweise geht auch in die Richtung, ich hoffe nach dem Tod auf Ruhe, auf eine Art „Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.“ Allerdings habe ich auch die Hoffnung, dass ich bis dahin noch eine Menge Zeit habe. :D

Ich habe das hier sehr gerne gelesen, wobei ich dir natürlich wünsche, dass deine Sicht auf die Welt dir dein Leben nicht zu schwer macht.
Neugierig auf das, was du sonst so geschrieben hast, bin ich jetzt auch. Du hast mich ja schon auf zwei Gedichte aufmerksam gemacht und ich habe mal so überflogen, was du alles veröffentlicht hast und wow, das ist eine ganze Menge. Da ist bestimmt das ein oder andere für mich dabei.

Liebe Grüße
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 13.06.2021 | 20:19 Uhr
Hallo Aida,

vielen Dank für Dein Review zum abschließenden Kapitel dieses kleinen Textes!

Dieses letzte Kapitel ist wohl noch mehr von meiner Persönlichkeit geprägt als das vorige, das gilt insbesondere sicherlich für die Teile, in denen von Distanz und ihren Vorzügen die Rede ist. Wie ich an dieser Stelle anmerken kann, lebe ich nicht völlig allein; ob ich das auf Dauer aushalten würde, weiß ich auch nicht so recht. An sich aber bevorzuge ich es in aller Regel, mich mit anderen Menschen aus einer distanzierten Position heraus auszutauschen.

Auf die einzelnen Abschnitte brauche ich wohl diesmal gar nicht so ausführlich einzugehen; insgesamt habe ich in diesem Kapitel versucht, so etwas wie persönliche Lebensregeln mit ein wenig Ethik zu verbinden. Der Gedanke des Rückzugs aus der Welt findet sich auch wieder bei Schopenhauer, teilweise auch beim römischen Kaiser Marc Aurel, der mein Denken ebenfalls beeinflußt hat; Schopenhauer riet darüber hinaus sogar zur Askese, aber in diesem Punkt wollte ich ihm doch nicht so recht folgen, da ich gut weiß, daß der Meisterphilosoph selbst weit von einer asketischen Lebensweise entfernt war...

An sich aber würde ich mich gern völlig von der Welt zurückziehen. Nur leider läßt die Welt mich nicht (aus Gründen, die ich hier nicht ausführen möchte).

Was den letzten Abschnitt betrifft, so stelle ich mir den Tod als einen Zustand vor, der mit dem vor der Geburt (genauer gesagt, vor der Zeugung) identisch ist. In all den früheren Jahrmilliarden vor meiner Zeit gab es mich schlichtweg nicht, und es hat mir nicht das geringste ausgemacht.

Mein Gesamtwerk ist tatsächlich recht umfangreich und, wie ich zu behaupten wage, auch recht vielfältig. Da ist eigentlich für (fast) jeden etwas dabei, wobei die Werke, die mir selbst wichtig sind, sich übrigens daran erkennen lassen, daß ich sie in mein Bücherregal gestellt habe: unter diesen bedeuten mir die, die oben stehen, noch ein Stück mehr als die, die ich unten untergebracht habe.

Liebe Grüße,
Thomas
08.06.2021 | 22:38 Uhr
Hallo Thomas,

ich habe das Kapitel jetzt mehrfach gelesen, weil ich mich da ja ständig mit mir selbst auseinandersetzen muss und da fehlt mir wohl die Übung. Ich muss erstmal verarbeiten, was du geschrieben hast, dann mir klar werden, was ich mir dazu denke und das dann noch in Worte fassen, die hoffentlich auch das rüberbringen, was ich meine.

Also hier mein Versuch, bei diesem Kapitel mitzukommen und meine persönliche Sicht dazu:

Punkt 1: Dass wir Leid vielleicht intensiver empfinden, könnte auch mit der Schutzfunktion zusammen hängen, die uns dazu bringt das Verhalten zu vermeiden, das uns Leid zugefügt hat. Die Intensität von Leid oder Glück finde ich für mich selbst aber schon sehr schwer einzuschätzen und ist denke ich auch sehr individuell, so dass ich mir da keine pauschale Aussage zutraue. Ich persönlich kann mich an meine schönsten Momente denke ich genauso erinnern, wie an meine schmerzvollsten. Aber ich kann mich auch täuschen, denn Erinnerungen sind ja meist nicht gerade zuverlässig.

2. und 3. sind wieder schön naturwissenschaftlich und für mein armes Gehirn besser nachzuvollziehen und da brauche ich auch gar nichts dazu zu sagen, außer dass ich bei dem Satz in Klammern bei 3. schmunzeln musste.

4. bis 6. Platon und seine Ideen und natürlich Kant sind mir wieder aus der Schule bekannt. Was ich unter der Manifestation des Seins verstehen soll, ist mir aber nicht ganz klar. Darf ich dich da wieder um Hilfe bitten?
Bei 5. muss ich für mich persönlich zustimmen. Und selbst die Menschen, die scheinbar keine Veränderungen wollen, wollen ja zumindest, dass sich die anderen anpassen und somit wollen sie ja schließlich doch auch eine Veränderung.

7. Buddhas Lehre ist mir in groben Zügen bekannt und dass es ein Leben ohne Leid gibt, bezweifle ich auch sehr.

8. Ist sehr schwierig für mich nachzuvollziehen. Ich weiß nicht, ob ich da wirklich verstanden habe was du meinst, denn das hängt ja auch wieder mit 4. zusammen, oder?

9. Es wundert mich, dass du dieser Aussage einen eigenen Punkt widmest. Meinst du viele Leute sind dieser Meinung? Ich kann mit ihr nichts anfangen.

10. Erster Satz: Ja da fragt man sich schon warum? Gehört ja in den Themenbereich: Warum gibt es Leid und haben wir Menschen einen freien Willen. Und da ich schon glaube, dass wir den haben, bin ich nicht so ganz einverstanden damit, dass es unvermeidlich sein soll, dass wir uns gegenseitig Leid zufügen. Als sehr realistisch, dass wir das in der Gesamtheit verhindern können, sehe ich es allerdings auch nicht.

11. Ja, hier hast du natürlich recht, was nicht heißt, dass ich nicht in gewissem Maß dem allem hinterherrenne.

12. Satz 1: Volle Zustimmung. Satz 2: Vielleicht? Ich weiß zu wenig über das nichts.
Satz 3: Kann man nicht auch nachsichtig sein? Mit einem selbst und seinen Mitmenschen als unvollkommene Wesen und mit der unvollkommenen Welt? Wie wäre es einfach zu versuchen, das Beste draus zu machen? Oder hat man dann die Welt nicht erkannt? Und heißt das, wer glücklich ist oder versucht es zu sein, ist nicht intellektuell genug?


Liebe Grüße
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 09.06.2021 | 14:07 Uhr
Hallo Aida,

vielen Dank für Dein Review und auch für Deine persönliche Nachricht sowie die darin enthaltenen Hinweise auf Tippfehler (ich habe sie entfernt, wobei ich die beiden aufeinanderfolgenden Punkte stehen ließ, da einer zur Abkürzung gehörte, der andere dagegen ein Satzzeichen war)!

Im ersten Abschnitt folge ich, wie so oft, wieder Schopenhauer, der ähnliches geschrieben hat (nur viel ausführlicher und auch viel besser) und in seinem Hauptwerk auch eine Vielzahl von Beispielen anführt. Diese Argumentation hat mich schon bei der ersten Lektüre seines Hauptwerks (damals war ich 21) auf Anhieb überzeugt, zumal sie sich mit meiner persönlichen Erfahrung deckt. Die Intensität der schlimmsten Momente, die ich erlebt habe, geht über die der schönsten weit hinaus, und obendrein gab es viel mehr von der ersten Sorte. Ein wenig läßt sich das natürlich auch rein biologisch begründen (so wie ja auch der körperliche Schmerz eigentlich eine Warnfunktion hat), aber ähnlich wie Schopenhauer denke ich auch, daß noch mehr dahinter steckt - worin sich natürlich der grundlegende Pessimismus ausdrückt, der das Fundament meines gesamten Denkens ist.

Der von Dir erwähnte Klammersatz lehnt sich an eine Formulierung an, die mal in einer "Star Trek"-Folge vorkam und die ich als recht treffend empfand...

Die folgenden Abschnitte bedürfen ja eigentlich auch keiner weiteren Erläuterung, abgesehen von dem Begriff "Manifestationen des Seins", den ich verwendet habe. "Manifestation" bedeutet ja letztlich Sichtbarwerden, und damit wollte ich auch wieder sagen, daß das eigentliche Sein in den Objekten unserer Welt (zu denen auch wir selbst gehören) sichtbar wird, Gestalt annimmt, daß diese Objekte aber nicht das eigentliche Sein sind - das ich mir dann eher als etwas vorstelle, was außerhalb von der Zeit steht. Dieses Sein ist dann das, was ich hier als "Drang" bezeichnet habe, aber auch die Naturgesetze könnte man zu diesem Sein rechnen, denn sie bestimmen das Verhalten der Objekte im Kosmos, sind aber selbst von diesen unabhängig. Die "Manifestationen des Seins" sind also Objekte wie Gegenstände, aber auch Planeten und Sterne, weiterhin auch die Lebewesen, zu denen wir selbst gehören. All diese Dinge durchlaufen eine Entwicklung und sind an die Zeit gebunden, und sie alle sind letztlich auch vergänglich. Dieser Gedanke taucht auch am Ende des "Faust"-Dramas auf, denn der "Chorus mysticus", der den zweiten Teil abschließt, sagt auch: "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Ich glaube, besser kann ich den Gedanken erst mal nicht erklären.

Dieser Gedanke ist auch maßgeblich für den siebenten und achten Abschnitt. Im siebenten Abschnitt geht es mir darum, daß Leben nicht nur Leiden beinhaltet, sondern daß Leben und Leiden (nahezu) gleichbedeutend sind. Was nun die "Täuschungen des Drangs" betrifft, so läßt sich dies gut am Beispiel von Liebe und Sexualität verdeutlichen. Wenn zwei Menschen sich als attraktiv empfinden, so glauben sie vielfach, von unsterblicher Liebe erfüllt zu sein, doch was dieses Gefühl in Wirklichkeit auslöst, ist eher der Sexualtrieb, der darauf abzielt, daß es zur Fortpflanzung und damit zur Arterhaltung und Weitergabe von Erbgut geht. Das aber ist eher ein "Interesse" der Spezies insgesamt, nicht so sehr ein individuelles, wie die Verliebten in ihrem Hormonrausch glauben. Die Menschen glauben also, ganz individuell zu handeln, während ihr Verhalten in Wirklichkeit stark von Trieben gesteuert wird, die eher "im Sinne" der Spezies handeln. Deshalb gibt es auch so viele unglückliche Ehen und gescheiterte Partnerschaften, weil eben viele Paare nur durch ihr Triebverhalten zusammengeführt wurden, obwohl die beiden Partner ansonsten überhaupt nicht zusammenpassen. Auch darüber hat Schopenhauer im zweiten Teil von "Die Welt als Wille und Vorstellung" ein großartiges Kapitel geschrieben.

Was nun den neunten, sehr kurzen Abschnitt betrifft, so kann ich sagen: ja, diese von mir kritisierte Ansicht habe ich schon oft gehört. Zu oft für meinen Geschmack.

Was den zehnten Abschnitt betrifft, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob wir wirklich einen freien Willen haben oder ob das nicht auch nur wieder eine nützliche illusion ist. Das Libet-Experiment etwa (das ich hier nicht erklären will, es gibt im Internet genug Erläuterungen dazu) etwa gehört zu den Dingen, die die Existenz des freien Willens zwar nicht widerlegen, zumindest aber ein wenig mißtrauisch machen, ob es ihn gibt. Aber selbst wenn es den freien Willen doch gibt, ändert das wenig daran, daß es praktisch unmöglich ist, zu leben, ohne anderen Lebewesen zu schaden: etwa, indem wir sie verzehren (selbst ein Veganer muß ja wenigstens noch Pflanzen essen), und durch das, was wir tun, schaden wir auch Menschen, etwa durch unser Konsumverhalten. Wenn wir (und sei es aus Geldnot und wider unser Gewissen) Kleider kaufen, die unter ausbeuterischen Beziehungen produziert wurden, verfestigen wir die Strukturen, die diese Ausbeutung möglich machen; und solche Beispiele gibt es zu Hunderten. Wie auch immer man sich verhält, was man auch für Entscheidungen fällt, irgendjemand erleidet immer einen Schaden dadurch. Es gibt keinen Ausweg.

Im letzten Abschnitt spreche ich einfach wieder meine persönliche Überzeugung aus, hier bricht sich abermals mein stark ausgeprägter Pessimismus Bahn.

Liebe Grüße,
Thomas
07.06.2021 | 16:12 Uhr
Hallo Thomas,

ich fand es total interessant, deine "Thesen" oder "Axiome" zu lesen!

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich alles sehr gut nachvollziehen und auch teilen. Die Trennung von Innen- und Außenwelt finde ich dafür ein gelungenes Beispiel.

Ich weiß ja, das wir zur Religion nicht dieselbe Meinung vertreten.
Ich halte es da auch mit der Wissenschaft - inklusive Urknall und Evolution. Allerdings glaube ich an einen guten Geist im Universum, der die Evolution in eine Art "gute Richtung" lenkt. Die Evolution selbst wäre ja ziel- und richtungslos und würde sich nur in Richtung Wachstum/Ordnung tasten. Warum hätte sie dann so etwas wie intelligente Wesen oder Tiere oder Menschen hervorbringen sollen?

So ab (17) bin ich allerdings völlig anderer Meinung, da ich denke, dass Kommunikation etwas überaus Wichtiges ist. Dass wir einander nicht verstehen oder unterschiedlicher Meinungen sind - das würde ich eher auf die Intelligenz, auf unterschiedliche Denkweisen, auf die Fähigkeit der (wenn auch sehr begrenzten) Erkenntnis zurückführen. Genau an diesem Punkt kommt der Kommunikation aber große Bedeutung zu. Die Alternative wäre das "Ermeucheln" anders Denkender.
Bei (20) kann ich nicht nachvollziehen, dass der Schmerz, das Leid die intensivste Erfahrung sein soll. Da hätte ich eher Liebe oder Freude gesehen. So ist das Wesen der Welt für mich auch keine Qual, sondern eher ein (aus höherer Sicht) Ganzes, das mit der Zeit perfekt wird (natürlich nicht für uns Menschen, sondern eben für das Ganze).

Aber noch einmal vielen, lieben Dank für die Darlegung Deiner Sichtweise, die ich sehr gerne und mit großem Interesse gelesen habe!!

Liebe Grüße
Norbert

PS: Du hattest einmal auf das Büchlein "Selbstbetrachtungen" von Marcus Aurelius verwiesen. Ich habe nun auch begonnen, darin zu lesen und bin auch sehr, sehr beeindruckt von der Vielfalt der Abhandlungen und der Aktualität des Niedergeschriebenen.
Es ist schon sehr erstaunlich, womit sich unsere Ahnen bereits vor ca. 2000 Jahren auseinandersetzten.
Noch erstaunlicher ist es, dass solche tiefgründigen Abhandlungen von einem römischen Kaiser, der teilweise ja auch mit brutaler Gewalt regierte, kamen.

Antwort von Thomas Heinrich am 08.06.2021 | 02:20 Uhr
Hallo Norbert,

vielen Dank auch für dieses Review!

Die Trennung von Innen- und Außenwelt halte ich erst mal für die erkenntnistheoretisch einfachste und sinnvollste; man kann das alles noch ein wenig komplizierter gestalten (da wäre etwa die 3-Welten-Theorie Karl Poppers zu nennen, die ich aber nur aus der Sekundärliteratur kenne), aber mir erscheint dies als die natürlichste Vorgehensweise.

An den guten Geist im Universum glaube ich tatsächlich nicht, da sehe ich als Triebkrafft tatsächlich eher das, was ich im zweiten Kapitel als "Drang" bezeichnet habe, der seinerseits dem "Willen" im Sinne Schopenhauers doch sehr ähnlich ist - so wie das zweite und dritte Kapitel generell einen deutlichen Einfluß Schopenhauers erkennen lassen, was auch kein Zufall ist, denn von allen Philosophen hat er mein eigenes Denken am stärksten beeinflußt.
Was nun die Evolution betrifft, so halte ich sie auch wirklich nicht für "zielgerichtet". Evolution bedeutet im Grunde genommen ja, das eine gute Anpassung an die Umwelt belohnt wird, und so ist wohl die Intelligenz entstanden - ihr Vorteil besteht einfach darin, daß Lebewesen sich leichter an verschiedene und sich verändernde Umweltbedingungen anpassen können.

Was nun die Kommunikation betrifft, so kommt es darauf an, was man darunter versteht. Ist das einfach nur das Aussenden von Botschaften, deren Austausch, oder eben auch das Verstehen der Botschaften? Und hier behaupte ich eben: wir verstehen einander nicht wirklich (was eben auf den Mangel an Erkenntnisfähigkeit zurückzuführen ist); erst das wäre aber etwas, was ich als echte Kommunikation bezeichnen würde.

Was Punkt 20 betrifft, so habe ich diesen ja im folgenden Kapitel noch auf ein etwas solideres Fundament zu stellen versucht. Aber auch so kann ich sagen, daß dies genau meiner eigenen Erfahrung entspricht. Die Momente, in denen ich, auf welche Art auch immer, gelitten habe, waren viel intensiver als die positiven, und während ich auch gar nicht sagen könnte, welcher Tag meines Lebens der schönste war, kann ich mich an den schlimmsten Tag meines Lebens ganz genau erinnern, und ebenso an eine Reihe von Tagen, die fast ebenso furchtbar waren.

Zu Deinem P.S.: Es freut mich, daß Du die "Selbstbetrachtungen" für Dich entdeckt hast, für mich ist das so eine Art Trostbuch, dessen Lektüre mir immer wieder wohltut. Und ich stimme Dir auch darin zu, daß viele der darin enthaltenen Gedanken im besten Sinne zeitlos sind und daher auch noch in der Gegenwart durchaus aktuell wirken.
Als Herrscher hat sich Marc Aurel zumindest sehr darum bemüht, seinen Idealen gerecht zu werden, wobei der römische Staat als solcher eben auch eine sehr brutale Seite hatte, die auch der Herrscher nicht so ohne weiteres abstellen konnte. Er war aber immerhin bemüht, die rechtlichte Stellung von Frauen oder Sklaven zu verbessern. Allerdings mußte er eben auch fast ständig Krieg führen, da das überdehnte römische Reich zu dieser Zeit erstmals in die Defensive geriet und schweren Angriffen ausgesetzt war, die er abzuwehren wußte. Der weitaus größte Fehler, den der Philosophenkaiser sich leistete, war der, daß er seinen Sohn Commodus als Nachfolger auswählte, der sich dann zum Schaden des Reiches als unfähig und größenwahnsinnig herausstellte.

Liebe Grüße,
Thomas
04.06.2021 | 17:59 Uhr
Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Antwort zu meinem Review. Nachdem dieser Text ja mit dem anderen in Verbindung steht, habe ich nun auch diesen gelesen. Und ich muss sagen, ich bin ehrlich beeindruckt und er bringt mich sehr zum Nachdenken. Ich finde ihn auch zum großen Teil gut verständlich und nachvollziehbar geschrieben. Er ist inhaltlich aber natürlich sehr dicht gepackt und man kann nicht einfach so drüber weglesen, was aber keine Kritik ist, nur eine Feststellung.
Ich schreibe daher jetzt nur zum ersten Kapitel, weil es mir hier am leichtesten gefallen ist, gedanklich mitzukommen. Über die anderen beiden muss ich noch mehr nachdenken, bevor ich mich traue, etwas dazu zu schreiben.
Meine Sicht der Welt könnte ich wohl nicht so einfach und vor allem nicht so gut in Worte fassen wie du. Das liegt unter anderem auch daran, dass ich mir bei den meisten Dingen gar nicht sicher bin, was ich denken soll. Das Folgende sind alles nur meine Gedanken, die dein Text bei mir ausgelöst hat und die auch nicht immer endgültig sind, weil ich mir über viele Dinge, die du hier ansprichst einfach noch keine abschließenden Gedanken gemacht habe und sie vielleicht gerade auch nicht machen kann.

Zu den Punkten 1 bis 6: Hier kommt mir vieles noch aus dem Ethik-Unterricht in der Schule, bzw. aus dem Studium bekannt vor. Das ist bei mir allerdings eher passives Wissen.
Die Punkte 7 bis 13: Du setzt die Existenz der Außenwelt als Axiom voraus. Axiome sind mir aus der Mathematik bekannt, damit kann ich auf jeden Fall was anfangen. Ich finde es sehr interessant, welche weiteren Axiome du annimmst und die Gründe, warum du sie gewählt hast. Dem Schlusssatz bei Punkt 13 stimme ich zu.

Punkt 14: Ja im Namen von Religionen oder von politischen Ideologien ist viel Unrecht geschehen, aber ich würde die Naturwissenschaften davon nicht frei sprechen. Vielleicht müssen Kollegen nicht um ihr Leben fürchten, aber vielleicht Patienten oder Menschen, die als unfreiwillige Versuchskaninchen herhalten müssen.

Bei Punkt 15 habe ich mir eine kurze Erklärung gewünscht, was Schopenhauer unter diesem Begriff versteht. Oder muss man das wissen? Ich weiß es zumindest nicht. Ich nehme so etwas in der Art an, dass das dumme Volk eben der Religion nachrennt. Darf ich dich bitten, mich hier kurz aufzuklären? Oder willst du mich den mühsamen Weg gehen lassen, es selbst herauszufinden? :)

16: Ich glaube ich kann nachvollziehen, was du meinst, aber ob das der Grund ist für frühere Irrtümer? Einen besseren Grund kann ich aber auch nicht liefern.
Den letzten Satz muss ich gesondert ansprechen:
„Schon deshalb dürfen wir nicht zwangsläufig erwarten, jemals herauszufinden, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ - denn es ist durchaus möglich, daß unsere Gehirne dafür nicht leistungsfähig genug sind.“
Verstehe ich dich hier richtig? Du hältst es umgekehrt also auch für möglich, dass unsere Gehirne leistungsfähig sind DAS herauszufinden?
Was passiert, wenn die Menschheit das herausfindet? Der Gegenteil des Urknalls? Das Ende? Was passiert, wenn man das letzte Rästel gelöst hat? Haben wir dann gewonnen? Also die Menschheit als Ganzes? Und wenn ja, gegen wen?
(kleiner Spaß, den hat mein Gehirn jetzt mal gebraucht, es hat sich gerade bei mir über die Schwerstarbeit, die es leisten muss, beklagt. Wobei so ganz unernst sind die Fragen auch wieder nicht. )

17: Hier muss ich nachfragen: Meinst du damit, dass ich meinen Mitmenschen nicht verstehen kann? Und dass daher Konflikte kommen?

18: Das mit der Kommunikation sehe ich nicht ganz so negativ, habe aber auch hier keine echten Gegenargumente. Meinen Einwand kann ich also auch gar nicht begründen und er ist daher nur ein Gefühl. Also hältst du von meinem Einwand sicher auch nicht viel, was?

19: Ich fürchte mit dem letzten Satz hier hast du recht. Ich bin übrigens auch der Meinung, dass Mitleid eigentlich egoistisch ist. Ich denke, das Leid anderer erinnert mich daran, dass dies mir selbst auch passieren kann und löst deshalb ein schlechtes Gefühl in mir aus.

20 wird ja im nächsten Kapitel behandelt.

Vielen Dank für die wirklich guten Anregungen zum Nachdenken.

Liebe Grüße und bis bald.
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 05.06.2021 | 13:43 Uhr
Hallo Aidala,

vielen Dank für Dein ausführliches Review!

Bevor ich nun darauf näher eingehe, will ich (obwohl ich es schon an anderer Stelle erwähnt habe) nochmals betonen, daß ich kein Philosoph vom Fach bin, sondern eben nur jemand, der sich für philosophische Fragestellungen interessiert. Ich habe auch nur recht wenige (ungefähr 20) philosophische Schriften gelesen und wahrscheinlich noch weniger wirklich verstanden. Insofern bin ich mir bei meinen eigenen Überlegungen meiner Sache auch durchaus nicht immer ganz sicher und kann bestimmt nicht den Anspruch erheben, ein eigenes und ausgereiftes philosophisches System entwickelt zu haben. Die Zeiten für Systeme sind vermutlich ohnehin vorbei.

Nun aber zu Deinen Anmerkungen:

Die ersten Punkte sind eigentlich auch diejenigen, bei denen ich mir noch am sichersten bin. Wobei man eben nicht sehr weit kommt, wenn man auf vollständige Gewißheit Wert legt. Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, ob sich der Solipsismus wirklich logisch einwandfrei widerlegen läßt und glaubte einige Male, ein schlagendes Argument gefunden zu haben, aber tatsächlich konnten diese Argumente mich nie auf Dauer überzeugen, so daß also jede Weltbetrachtung immer auch ein klein wenig spekulativ bleiben wird. Daher halte ich die Vorgehensweise, weitere Überlegungen auf Axiomen aufzubauen, für die sinnvollste - das entspricht auch der mathematischen Denkweise, die mir als studierter Mathematiker recht vertraut ist.

Bei Punkt 14 sehe ich die Sache schon ein wenig anders, weil es mir hier mehr um die Suche nach Erkenntnis ging und nicht so sehr um Anwendungen der Wissenschaft. Solche können in bestimmten Fällen auch gefährlich sein, aber mir ging es darum, daß ein Wissenschaftler, der nach Erkenntnis sucht, von den Kollegen nicht solche inquisitorischen Maßnahmen zu erwarten hat wie jene, mit denen die Kirche gegen "Ketzer" vorging, wenn deren Ideen von der offiziellen Lehrmeinung abwichen. Ganz zu schweigen vom politischen Totalitarismus - so waren ja von Stalins "Großer Säuberung" in erster Linie die Mitglieder der kommunistischen Partei betroffen. Daß dagegen ein Astro- oder Teilchenphysiker von seinen Kollegen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird, weil er eine ungewöhnliche Theorie vorlegt, ist undenkbar. Hier sehe ich einen fundamentalen Unterschied zwischen Wissenschaft und Religionen oder totalitären Idelogien: Wissenschaft stellt sich immer wieder selbst in Frage und ist eigentlich nie vollständig abgeschlossen, während Religionen und einige politische Ideologien praktisch immer mal mehr, mal weniger deutlich den Anspruch erheben, die absolute Wahrheit zu verkünden. Es kann allerdings passieren, daß auch Wissenschaften zu Ideologien mutieren, wenn sie sich nicht mehr mit der Frage befassen, unter welchen Voraussetzungen sie überhaupt gültig sind. Davon sind die Naturwissenschaften recht wenig betroffen, aber die Wirtschaftswissenschaften erscheinen mir persönlich in dieser Hinsicht als ziemlich anfällig, manches von dem, was Wirtschaftswissenschafter vorbringen, klingt für mich nach reiner Ideologie.

Was Punkt 15 betrifft, so ist das Kapitel bei Schopenhauer, auf das ich hier verwiesen habe, satte 40 Seiten lang; eine kurze Erläuterung kann daher zwangsläufig nur extrem oberflächlich sein. Schopenhauer führt aus, daß einerseits die meisten Menschen sich in ihrem Denken nicht allein auf die Dinge des alltäglichen Lebens beschränken, sondern auch mit Fragen von der Art "Woher kommen wir?", "Warum sind wir hier?" usw. befassen, mit Fragen also, die ins Reich des Metaphysischen hineinführen. Er meint aber weiter, daß dieses Bedürfnis, sich mit solchen Fragen zu befassen, bei der großen Mehrzahl der Menschen zwar vorhanden, jedoch nicht sehr ausgeprägt ist, so daß viele sich mit eher oberflächlichen Scheinerklärungen abspeisen lassen, wie die die Religionen zu bieten haben, während nur wenige sich auf gründliche, ernsthaft philosophische Weise damit auseinanderzusetzen bereit sind. Wenn ich mich richtig erinnere, spricht Schopenhauer in diesem Kapitel auch an, daß insbesondere Kinder ihren Eltern grundsätzlich mit Vertrauen begegnen und daher auch bereits sind, religiöse Lehren als Wahrheit zu akzeptieren, wenn sie ihnen von ihren Eltern beigebracht werden. Auf diesen Punkt hat auch Richard Dawkins in "Der Gotteswahn" nachdrücklich hingewiesen, aber fast 190 Jahre später. Schopenhauer meint übrigens, daß die Religionen sogar einigermaßen nützlich sein können, um dieses "metaphysische Bedürfnis" zu befriedigen, daß die Religionen aber spätestens dann zum Problem werden, wenn sie den Menschen, die ernsthaft Philosophie betreiben, Knüppel zwischen die Beine werfen. Das ist jetzt alles sehr oberflächlich erklärt und kein Ersatz für die Lektüre von "Die Welt als Wille und Vorstellung"; diese erfordert allerdings einiges an Zeit, da beide Bände zusammen es auf ungefähr 1600 Seiten bringen.

Was Punkt 16 betrifft, so möchte ich vielleicht noch etwas formulieren als in meinem Text: ich möchte sagen, je weniger ein Irrtum unserer Alltagserfahrung widerspricht, desto später wird er erkannt! Denn normalerweise fahren wir ja recht gut mit unserer Alltagserfahrung, da sträubt sich der Verstand dagegen, daß die Alltagserfahrung selbst uns bisweilen auch in die Irre führen kann. Trotzdem ist dies manchmal der Fall, wofür die Wissenschaftsgeschichte so einige Beispiele kennt.
Den Wunsch, zu erkennen, "was die Welt im Innersten zusammenhält" spricht Faust ja in seinem großen Monolog zu Beginn des ersten Faust-Teils aus, und das ist eigentlich der Traum der Physiker. Wenn er tatsächlich Wirklichkeit würde, würde dies bestimmt nicht zu einer Umkehrung des Urknalls führen, warum auch? Der Kosmos besteht aus Materie, Energie sowie Raumzeit, es ist ihm also herzlich egal, über welche Kenntnisse die Menschheit verfügt.
Ich pesönlich fände das schon toll, wenn es und durch Experimente und Nachdenken gelänge, alle Naturgesetze zu erkennen, aber ob das wirklich gelingen wird (oder kann), weiß ich auch nicht. Zumal man sich nie zu sicher sein sollte, schon alles verstanden zu haben! Im späten 19. Jahrhundert etwa waren viele Physiker der Ansicht, es lohne sich für junge Leute gar nicht mehr, Physik zu studieren, da es kaum noch etwas zu entdecken gäbe. Was für ein Irrtum!

Mit dem 17. Punkt wollte ich vor allem aussprechen, daß es wirkliche Empathie eigentlich nicht geben kann. Denn diese würde so eine Art vulkanische Gedankenverschmelzung voraussetzen. Daraus ergibt sich als direkte Konsequenz eben auch der 18. Punkt. Daß ich damit nicht so falsch liege, merke ich nicht zuletzt auch daran, daß ich mit eigenen Texten selbst von Stammleserinnen ab und zu in einzelnen Punkten und bisweilen sogar komplett mißverstanden werde.

Beim 19. Punkt ging es mir mehr darum, daß eine gute Tat oft auch ein angenehmes Gefühl in uns selbst hinterläßt und habe daher unterstellt, daß unsere eigentliche Motivation darin besteht, in den Genuß dieses Gefühls zu kommen und nicht darin, dem anderen zu helfen.

Liebe Grüße,
Thomas
30.05.2021 | 17:53 Uhr
Hallo Thomas Heinrich!

Deine persönliche Sicht auf die Welt zu lesen war interessant, manchmal für mich jedoch nicht nachvollziehbar oder dass ich dir bei diesen Punkten gar zustimmen könnte. Allerdings sind unsere Ansichten sowieso in manchen Dingen unterschiedlich. Es ist i.O. wenn die Welt von uns mit verschiedenen Augen beobachtet wird. Wenn wir uns persönlich kennen würden, würden wir ab und zu mal darüber diskutieren. So ist das nicht möglich, jedoch auch nicht notwendig. Manchmal möchte ich etwas auch gar nicht näher betrachten und auf keinen Fall bewerten oder mich erklären. Ich bin jedoch immer wieder fasziniert von deinen Themen und wie vielschichtig und verschiedenartig deine Anschauungen sind.

Liebe Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 30.05.2021 | 20:17 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

Ich hatte schon lange das Bedürfnis, meine Weltsicht mal in einem Text niederzuschreiben, die zwar auch in vielen meiner Gedichte und Prosatexte stellenweise durchscheint, ohne daß dabei mehr als nur einzelne Aspekte sichtbar geworden wären.

Allerdings fehlte mir die Kraft und Geduld, dieses Vorhaben in der Ausführlichkeit, die eigentlich angebracht gewesen wäre, umzusetzen, daher habe ich mich extrem kurz gefaßt. Letztlich stehe ich eben dazu, daß ich ein vor allem von der Philosophie Arthur Schopenhauers geprägter Pessimist bin, der das Weltgeschehen nur mit großer Skepsis und zunehmender Resignation betrachten kann. Und in dieser Weltsicht werde ich leider von Tag zu Tag immer wieder aufs Neue bestätigt.

Liebe Grüße,
Thomas
29.05.2021 | 21:39 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Du hast dir unheimlich viele hochinteressante Gedanken gemacht,
aber das Punkt für Punkt zu analysieren, wie du es manchmal von mir gewöhnt bist, dafür fehlt mir gerade die Motivation und Zeit, denn das hätte dann in etwa die Länge deiner Betrachtungen.

Wenn mich die Welterkenntnis noch total fasziniert hat, obwohl sehr naturwissenschaftlich und für mich zu wenig emotional beleuchtet,
kann ich deinem Weltekel persönlich am allerwenigsten zustimmen.
Und auch alles, was du über Distanz schreibst in der Weltflucht, dem würde ich explizit widersprechen.
Vermutlich sind wir in unseren Weltanschauungen sehr verschieden.

Ich bin schon begeistert, was du für intelligente Standpunkte zum Meinungsaustausch gestellt hast.
Genau das, worüber ich normalerweise gerne diskutiere,
aber in der Menge und Dichte momentan für mich nicht zu schaffen.
Vielleicht will ich manches auch gar nicht so intensiv aufsaugen, um es zu evaluieren?
Außerdem, warum sollte ich gegen deine Ansichten reden?
Vielleicht hast du auch nur für dich reflektiert und als Spiegelbild deines Selbst archiviert.

Du bist ein unheimlich vielfältiger Mensch/Autor.
Also zuerst einmal gefiel mir deine Dreiteilung (also in besagte 3 Kapitel).
So vergebe ich für die Kopfarbeit, aber auch die Leistung, das so strukturiert niederzuschreiben, einen Stern.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
R ₪

Antwort von Thomas Heinrich am 29.05.2021 | 22:25 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

In diesem Text habe ich mal versucht, meine persönliche Weltsicht zusammenzufassen, wobei das wirklich kaum mehr als eine Zusammenfassung geworden ist. Will sagen: noch kürzer hätte ich mich wirklich nicht mehr ausdrücken können.

Da sind natürlich viele Punkte bei, die ich nur ganz knapp angerissen habe, aber wenn ich das alles mit der eigentlich gebotenen Ausführlichkeit dargelegt hätte, wäre ein ganzes Buch dabei herausgekommen. Aber das überlasse ich dann lieber den Philosophen vom Fach, als Amateurphilosoph, wie ich es bin, sollte man sich mit knappen Texten begnügen.

Was aus diesem Text fraglos deutlich wird, ist der Umstand, wie sehr mein Denken von Schopenhauer beeinflußt ist, den ich nicht ohne Grund mehrfach erwähnt habe. Ich wage zu behaupten, daß Schopenhauer meine Weltsicht stärker geprägt hat als alle anderen Philosophen zusammengenommen. Das gilt insbesondere auch für das, was ich als "Drang" bezeichnet habe (Du kannst ja gern mal in mein Gedicht gleichen Titels reinschauen, es ist recht alt und daher ziemlich weit unten in meinem Profil), denn dieser Drang ist dem "Willen" bei Schopenhauer schon recht ähnlich.
Letztlich läuft der Kern meines eigenen, höchst bescheidenen Philosophierens darauf hinaus, daß ich versuche, Schopenhauers Willens-Philosophie mit evolutionstheoretischen Gedanken zu vermählen.

Die Dreiteilung hielt ich für sinnvoll, weil ja im Grunde genommen drei Themenblöcke versammelt sind: Erkenntnistheorie, Metaphysik und Ethik, um es ganz grob zu sagen, wobei der erkenntnistheoretische Teil wohl von den solidesten Pfeilern getragen wird, während die anderen beiden viel stärker von meiner ganz persönlichen Weltsicht geprägt sind - das gilt sicherlich besonders für die Abschnitte über Distanz, denn diese ist für mich fast schon lebenswichtig: die meisten Menschen sind mir entweder lästig oder ängstigen mich sogar, und auf Körperkontakt in welcher Form auch immer kann ich erst recht verzichten; insofern spreche ich hier mehr meine eigene Erfahrung als eine theoretisch sauber begründete Hypothese aus. Andererseits hatte ich ja auch nicht den Ehrgeiz, eine große philosophische Abhandlung zu verfassen, sondern es sollte eben nur ein Abriß meiner persönlichen Weltsicht sein. Den meisten Ausführungen in den letzten beiden Kapiteln werden die wenigsten zustimmen, aber das war mir von vornherein klar.

An sich aber sind viele meiner Gedanken, die ich hier in knapper Form niedergeschrieben habe, auch schon in "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu finden - nur viel umfassender, viel fundierter und natürlich auch stilistisch meinem bescheidenen kleinen Text turmhoch überlegen, denn Schopenhauer war einer der besten Stilisten unter den großen Philosophen überhaupt, und mit dem kann ich nun wirklich nicht konkurrieren. Der Mann war zwar kein besonders angenehmer Mensch, aber fraglos ein Genie ersten Ranges.

Dir wünsche ich auch noch ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße,
Thomas
 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast