Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 
Autor: DeepSilence
Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
12.02.2022 | 15:29 Uhr
Meine Güte, dieses fünfte Kapitel hab ich heute erst entdeckt o.o Schande über mich.

Schade, dass diese kleine Geschichte über Muller und Baumer hier schon vorbei ist ... ich muss dringend 1917 nochmal anschauen - denn ich bin mir nicht mehr so sicher: Hat nicht zumindest einer von beiden die eher unglückliche Auseinandersetzung mit Schofield überlebt? War es womöglich Baumer? Das weitere Schicksal wäre durchaus interessant gewesen ... (erst gestern sah ich zufällig einen Teil der Eröffnungssequenz zu TOD AUF DEM NIL mit an, weil ein Gast verwirrt aus dem Saal kam und meinte: "Das ist der falsche Film! Das ist alles nur schwarz weiß, es spielt im Ersten Weltkrieg und die sprechen alle nur Französisch." Nun, der Film war der Richtige - lediglich mit einer eigenwilligen und neu-interpretierten kurzen Sequenz zu Poirots Vergangenheit, aber die Bilder erinnerten mich sofort an 1917 ...)

Wie Baumer hier über Muller denkt und in dessen Zustand (psychisch wie physisch) sich selbst in naher Zukunft erkennt und Angst davor bekommt (ja beinahe panisch diese Existenz für sich absolut ausschließt) und doch weiter mehr und mehr an der Sinnhaftigkeit und den "Versprechen" des Krieges zweifelt ... das ist dir wirklich stark gelungen und fasst auf den Punkt mein Grundgefühl beim Lesen der vorherigen vier Kapitel gut zusammen. Baumer scheint noch deutlich reflektierter zu sein als Muller, und vielleicht klingt das jetzt arg plakativ, aber irgendwie wirkt er noch so, als würde er die Würde vor sich selbst mit allem Willen bewahren wollen, während sein Kamerad daran schon länst gescheitert ist. Der Krieg verroht in vielerlei Hinsicht. Denn andererseits merkt Baumer schon deutlich am eigenen Leib, wie der Krieg beginnt ihn in die Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit zu ziehen, in die jeder früher oder später versinken wird ... wenn man kein Ende der Notlage sieht und nur noch die Ausweglosigkeit als einzige Option hat (so wie hier Baumer die "schier endlosen Nachtstunden" empfindet) , dann verliert man irgendwann den Glauben an Veränderung. Und das kann einen wahrlich zerstören.
Mit diesem Kapitel hast du einen intensiven Abschluss gefunden, meinen größten Respekt dafür - doch hätte ich nichts dagegen gehabt noch ein bisschen mehr Zeit mit Muller und Baumer zu verbringen.
VIELEN DANK dass du diese Geschichte und damit für kurze Zeit und in gewisser Weise einen Platz am Lagerfeuer bei den beiden mit uns Lesern geteilt hast.
26.08.2021 | 16:08 Uhr
Mullers Gedanken scheinen angesichts seines alkoholisierten Zustands vor allem der üblichen Routine und des Instinkts zu entspringen. Und es ist definitiv nicht der erste Abend / die erste Nachtwache, die er und Baumer auf diese Weise durchbringen ... Irgendwie gefiel mir, wie du in jedem Abschnitt uns an verschiedenen Sinneswahrnehmungen von Muller teilhaben lässt - das ganze wirkte wie eine Filmszene in Zeitlupe auf mich: Muller, der an der Wand herunterrutscht; seine Hand, die über den Boden streift dabei, während er kaum noch etwas fühlt ... und wie er sich dann ächzend in die übliche Schlafposition bringt: Pflichtbewusstsein vortäuschend, obwohl man genau diese Pflicht eigentlich gerade völlig vernachlässigt - weil man ihr ohnehin nicht mehr nachkommen kann. Ganz sicher ist Muller mit dieser Alkohol-Methode nicht der Erste und auch nicht der Letzte in diesem Krieg. Irgendwie muss man dieser Zeit und ihrem Elend ja auch mal entfliehen können, wenn man es körperlich nicht schafft. Und wenn man es einmal geschafft hat, warum nicht öfter, warum nicht immer ... ein bitterer Kreislauf.
Mullers Seitenblick zu Baumer hinüber, der weiter das Feuer am Laufen hält und sich seiner Umgebung offenbar nach wie vor mit voller Aufmerksamkeit bewusst ist ... das ist die letzte Absicherung die Muller wohl noch gebraucht hat, um sich selbst endgültig fallen zu lassen. Irgendwie geht mir dieser Seitenblick von ihm nicht aus dem Sinn - diesen einen Moment hatte ich wie auf großer Leinwand vor mir, sah förmlich das Feuer und Baumer sich in Mullers Augen widerspiegeln ... was ein schweigender Blick, und sei es nur für den Bruchteil einer Sekunde, alles so bewirken kann o.o Diese Szenerie hast du sehr anschaulich und wieder einmal sehr "nah" beschrieben, sodass man beim Lesen direkt bei den beiden mit am Feuer sitzt und sich die Decke etwas fester um die Schultern zieht. Und am Liebsten würde man Muller an den Schultern rütteln: "Nicht einschlafen!", doch hätte man wohl viel eher eingreifen müssen, indem man ihm den Schnaps weggenommen hätte ... doch letztendlich macht der Alkohol den Schlaf ja auch "nur" erträglicher, ohne Schlaf wären die Soldaten irgendwann auf eine andere Art unzurechnungsfähig.
Baumer scheint ihn zumindest nicht zu ermahnen, als Muller hier nun an der Wand einschläft.
Ich muss mir diese Szene aus dem Film mal nochmal anschauen ... ich weiß gerade gar nicht mehr, wen von den beiden Schofield am Ende erwischt. Ich glaube, es war Muller, oder? Wurde eigentlich erwähnt, ob dies hier überhaupt bereits jene üble Nacht ist, in der sie auf Schofield treffen werden?

Ich bin gespannt wie es weitergeht mit den beiden hier.
14.08.2021 | 16:14 Uhr
Manches Elend ist nur mit Alkohol zu ertragen und wohl dem, der Dank dieses Teufelszeugs ruhig schlafen kann. Wie du Mullers "Eskapaden" aus der Sicht von Baumer beschreibst ist wirklich stark (vielleicht hängt mir in diesen Tagen auch noch das Filmerlebnis von "Der Rausch" nach, dass mir die hier beschriebenen Alkoholauswirkungen so nahe gehen beim Lesen) Ich kann Baumers Gedankengänge hier wirklich nachvollziehen: Zum Einen scheint Muller sich regelmäßig wie zuverlässig "abzuschießen", was man ihm kaum verdenken kann und offenbar beneidet ihn Baumer ziemlich darum (mir gefällt die Formulierung wie er Mullers Schlaf beschreibt: "so unermesslich tief und fest"; da klingt beinahe schon eine Art Sehnsucht heraus) - zum Anderen braucht es für Muller an diesem Ort und zu jener Zeit womöglich genau so einen Kameraden an der Seite wie eben Baumer. Jemand, der ihre Pflicht nicht so schnell vergisst und im Alkohol ertränkt, jemand, der Muller offenbar doch irgendwie immer ein bisschen im Blick behält und wenn er nur dafür sorgt, dass er ihm eine Decke überwirft und ihn ansonsten an Ort und Stelle liegen lässt. Es mag keine tiefe Freundschaft sein, aber was sie verbindet ist dieser Ort und der gemeinsame Feind und die Kameradschaft. Sie sind nur zu zweit. Wären sie zu dritt oder zu viert, würde sich womöglich eine andere Dynamik entwickeln, wäre Muller vielleicht tatsächlich mehr auf sich allein gestellt - aber so sind sie eben nur zu zweit, und sie müssen sich irgendwie zusammenraufen.

Ich bin gespannt wie es weiter geht . . . und ich mag irgendwie gar nicht bis an den Punkt gelangen, da tatsächlich "der Feind sich bis hierher, mitten in ihre Linien" vorwagt. Hätte Schofield doch einen anderen Weg durch die Ruinen genommen. Aber wie steht es schon in "Im Westen nicht Neues": so ist das im Krieg - das Überleben hängt von so vielen Zufällen ab, von wenigen Zentimetern, von nur wenigen Schritten in die eine oder die andere Richtung ...
05.06.2021 | 14:36 Uhr
Nun also Mullers Perspektive ... und innerhalb dieser drei Sätze schaffst du es wieder einmal auf beklemmende Weise uns Lesern zu erzählen, dass es hier durchaus auch um mehr geht als nur den Schnaps und dessen wohltuende betäubende Wirkung, ohne die Muller offenbar gar nicht mehr schlafen kann. Allein das kann lediglich erahnen lassen, was er bisher alles schon gesehen hat in diesem Krieg. Und es steckt schon eine gewisse Tragik bzw. damals wohl übliches Soldatenschicksal dahinter, auf welche Weise Muller seine Erfahrung mit der von Baumer misst, der doch offenbar noch nicht so viel wie er gesehen haben kann, wenn er die Wirkung des Alkohols noch nicht so zu benötigen scheint. Nun sagt man als Außenstehender womöglich: Jeder verarbeitet des Krieg anders. Das mag sein, aber auf solche Unterschiede kann wohl kaum geachtet werden und das würde ich auch Muller nicht mal vorwerfen ... er lebt im Hier und Jetzt und dieses Jetzt hält ihn auf so unmenschliche Art wach und verfolgt ihn bis in seine Träume, dass er für die einzige Art des erholsamen Schlafs nur noch mit Schnaps nachhelfen kann. Baumer scheint eher jemand zu sein, der auch mal die Gedanke über die Frontlinien hinaus schweifen lassen kann und darin kurz sein Heil findet ... aber im Krieg gefangen bleiben sie doch beide.

Mir gefiel auch, wie du erneut die Ruinen von Ecoust um die beiden einsamen Soldaten darin beschrieben hast - und dass die vermeintliche Leere doch nie tatsächlich so ist und Muller und Baumer sich ja dessen bewusst sind, dass in den Ruinen verkrochen noch einige Überlebende hausen - während man partout vermeidet einander zu begegnen. Was mir ratsam erscheint, bei all der Propaganda aller Seiten die hinsichtlich des "Feindes" damals betrieben wurde. Doch offenbar scheint Muller es immerhin zu wagen, bei der Schnaps-Suche sich in so manche verlassene Behausung zu begeben ... ob aus Torheit, Gewohnheit oder Verzweiflung, es mag eine Mischung aus allem sein.

Weil du hier das Thema Schlaf ansprichst: Ich meine mich sinngemäß an ein Zitat aus 'Im Westen nichts Neues" zu erinnern, in dem es heißt: " Katczinsky hat Recht: Es wäre alles nicht so schlimm mit dem Krieg, wenn man nur mehr Schlaf habe würde.“ - und auf gewisse Weise stimmt das ja auch, ich hab mal gelesen, dass Schlafmangel ab einem gewissen Grad im Körper Prozesse wie im Drogenrausch auslöst; das stumpft ab; zugleich wurden die Soldaten ja auch aufgeputscht um noch länger durchzuhalten ... ein böser Teufelskreis, in dem irgendwann womöglich doch vor allem die Instinkte "übernehmen".
Muller scheint es aber vor allem auch darum zu gehen, dass der Schnaps ihm traumlosen Schlaf beschert, also eine Ruhe im Nebel und ohne Bewusstsein oder Erinnerung, und das stimmt wirklich traurig, wenn man bedenkt, was dieser Krieg psychisch mit den Menschen damals angestellt hat und dass es für viele Überlebende danach wohl kaum mehr "normale" Träume gegeben haben mag - in jeglicher Hinsicht.

Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht - mi gefällt dieses Drei-Sätze-Projekt, es bringt eine gewisse wie zusätzliche Intensität in die Situation und auch in die Gemüter der Charaktere.
19.05.2021 | 12:58 Uhr
Hey Forbidden to Fly,

den grandiosen 1917-Soundtrack ins Ohr, alles drumherum ausgeblendet und rein in diese Geschichte - und ich war sofort wieder drin in dem Szenario ... auch Dank deiner Beschreibungen natürlich. Also ein wenig bitter ist die Überschrift "Lagerfeuerromantik" ja dann schon irgendwie angesichts der tatsächlichen Lage, aber ich nehme an, das ist von dir durchaus so gewollt. Widersprüche finden sich im Krieg zuhauf, und je mehr, desto genauer man hinzuschauen vermag . Doch zurück zu deiner Überschrift und der geschilderten Situation: Die Flammen eines Lagerfeuers haben doch von jeher eine unglaubliche Wirkung, insbesondere wenn sie in friedlicher Umgebung des Wohlfühlens wegen entzündet werden - man ist ganz bei sich und den Menschen, die die Plätze rund um das Lagerfeuer mit einem teilen. Und diese Grundstimmung hast du ja quasi hier auch wunderbar übernommen und beschrieben, und dabei den Hintergrund des Krieges mit einbezogen. Ganz wunderbar sind dir wieder die Beschreibungen hinsichtlich der Szenerie rund um diesen kleinen warmen Lichtschein gelungen, und welche verheerende Zerstörung dieses Feuer im ersten Abschnitt in Ecoust angerichtet hat - und wie es nun wiederum so klein und "unschuldig" lediglich dafür sorgt Muller und Baumer warm zu halten und mit dem flackernd gespendeten Lichtschein das unbemerkte Eindringen des Feindes zu verhindern ... man neigt durchaus dazu philosophisch zu werden bei diesen Kräften rund um diese Naturgewalt, die auf so unterschiedliche Weise Segen und Fluch zu sein vermag. Für Muller und Baumer ist das Lagerfeuer reiner Zweck natürlich, ein Zweck der lediglich am "Leben" erhalten werden sollte und sei es durch Bücherverbrennung - man kann es ihnen kaum vorwerfen. Aber es ist ein Detail, bei dem ich als Leser unweigerlich denke: Oha, dann muss ja im Umkreis wirklich absolut nichts anderes zum "Anfüttern" mehr vorhanden gewesen sein; aber da bin ich gedanklich vielleicht zu sehr in der Geschichte gut zwanzig Jahre später behaftet, zumal die Intention hier ja auch wichtig ist zum Differenzieren (trotzdem fällt mir gerade das Zitat von Heinrich Heine ein: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." - aber ich schweife ab und verliere den Kontext).
Baumer und Muller in nur einem Satz zu beschreiben, sodass man ein Bild von ihnen hat, ohne dass es klischeehaft ist und dass man sich ernsthaft beginnt für die beiden zu interessieren ... so ein Kunststück schaffst auch nur du. Muller scheint mit der leeren Flasche andere Sorgen zu haben als Baumer mit seinen Gedanken in die ferne Heimat und trotzdem entsteht das Gefühl beim Lesen, dass sie sich zumindest nicht fremd sind und sich nicht erst auf diesem (einsamen) Posten kennen gelernt haben (man wünscht es ihnen irgendwie) - zumal Muller dem Alkohol aus gleichem Gründen zusprechen könnte, wie Baumer stillschweigend und ohne Betäubungsmittel seine Heimat vermisst. Siehst du, und schon wirft mich dein letzter Abschnitt in Spekulationen über zwei bis hierhin fremde deutsche Soldaten, deren Schicksal der Film im wahrsten Sinne nur schemenhaft gezeigt hat.
Diese ganze Szenerie in dieser leeren Markthalle, die nur noch in den Grundfesten existiert, während draußen und drumherum die Ruinen glimmen und der ferne Schein der Feuerschwaden noch einen Teil der Stadt in jener Nacht fest im Griff hat - das gelingt dir wirklich beeindruckend zu schildern. Und mit gefühlt nur drei Worten. Das ist für mich immer wieder erstaunlich.
Baumers Gedanken zum Schluss sind dann auch doppelt bitter, wenn man bedenkt, dass er diese Nacht wohl nicht überleben wird ... Er und Muller sind letztendlich nur eine kleine Episode in einem Krieg, der die Menschheit wenig lehrte, wie so viele Kriege schon zuvor und trotzdem bedauere ich den Tod dieses fremden Soldaten namens Baumer genauso wie das Sterben von Tom Blake zuvor. Aus Toten sollten niemals nur Zahlen werden, Namen wären wichtiger - aber ob das etwas ändern würde?
Ach Mensch, du siehst ... ich werde melancholisch ("came back to us" ist aber auch ein fruchtbar traurig-schönes Stück Musik). Jedenfalls hast du mit deiner Sichtweise auf diese Szene ein Stück Bereicherung geschaffen, die uns Lesern und Freunden des Films ein bisschen mehr zu erzählen vermag .
02.05.2021 | 09:39 Uhr
Dear Dipi,

die Sätze sind wunderbar gelungen, gerade, wenn ich mir die Vorgabe der drei vorgeschriebenen ansehe. Ich weiß nicht, ob ich mal erwähnt hatte, dass ich es wunderbar finde, wenn man dabei etwas ausführlicher wird und den Gedankengang durch einen Punkt nicht abbricht. (Hatte ich schon einmal erwähnt, oder?) Gerade, weil das den Schreiber vor die Herausforderung stellt, sich nicht zu sehr zu verkünsteln und das ist hier gut eingearbeitet.

Ansonsten ein gesetztes Setting, ein Einführen in die Situation, Charakterisierung on fleek!

Hier, nimm Lob,
Avarantis
 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast