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Reviews 1 bis 5 (von 5 insgesamt):
14.06.2021 | 01:50 Uhr
Hallo werter Thomas,

Dieses kleine Gedicht hier bildet einmal durchaus einen starken Kontrast zu einem Mammutanteil deines Gesamtwerkes, durch welches sich doch trotz einzelner idealistischer Lichtblicke eher eine finstere, zynische, melancholische wie auch hoffnungslose und pessimistische Weltsicht zieht. Und ehrlichgesagt komme ich mit dem im Hinterkopf nicht umhin dieses schön gedichtete, utopische Stück Lyrik als eine Art "Gegenargument" zu sehen, durch welches du dir selbst einmal in deiner Weltsicht zu widersprechen versuchst... Natürlich kann ich mich da mit meiner etwas gewagten Interpretation irren, aber ich sage nur, dass es mir eben stark danach scheint. Es wirkt einfach so als würdest du hier versuchen aus deinen gewöhnlichen Gedankenmustern auszubrechen und zu sagen: "Stopp, aber was wäre, wenn es doch einfach wirklich anders ginge? Was wäre, wenn man sich einmal nicht der Finsternis ergibt und sich traut vom Licht zu träumen?"
Mir erscheint dies zumindest recht interessant, dieses Verlassen der eigenen (und nicht immer angenehmen) gedanklichen Komfortzone mithilfe eines solchen Textes. Und an sich gefällt mir auch der Inhalt dieses Gedichtes sehr. Diese hier von dir vage beschriebene lyrische Vision hat etwas für sich und beinhaltet im Groben etwa all das wonach sich viele Menschen sicher sehnen - gleichzeitig erscheint es doch etwas zu utopisch! (Was natürlich nicht verwundern sollte, da es sich eben um eine Utopie handelt)
Ich glaube aber nicht, dass die utopische Natur dieser Vision hier etwas Schlechtes ist, denn eigentlich sehe ich Utopien auch nicht als Ziele an, sondern einfach als bestmögliche Vorbilder. Bestmögliche Vorbilder, welche eine gewisse Richtung angeben, die man folgen kann und welche dann dazu führt, dass sich Dinge zumindest im Versuch diese Richtung zu folgen verbessern. Die perfekte Utopie wird nie erreicht, doch zumindest kann man so weit darauf hinarbeiten die bestmögliche der realistischen Endergebnisse zu erzielen... Und an sich hält uns als einziges wohl nur unser eigenes Selbst auf. Es ist natürlich einfach ausgedrückt, aber doch steckt hier eine gewisse Wahrheit wenn man sagt, dass die Menschheit in gewisse Verhaltensweisen festgefahren ist und sich gewisse Individuen aus Eigeninteresse immer gegen die Erfüllung solch einer wie hier beschriebenen Vision sträuben werden.
Aber richtig ist sicher auch, dass man im Angesicht all der grossen Hürden nicht aufgeben sollte und es zumindest versuchen sollte, da der Versuch allein eine Möglichkeit für ein Weiterkommen bereithält.

Persönlich glaube ich nicht daran, dass sich die Welt je in Frieden vereinen wird - doch ein guter Anfang wäre zumindest, wenn sich alle soweit gegenseitig aushalten, dass sie sich nicht länger massakrieren und so weit zusammenarbeiten, damit der Planet überlebt...

Entschuldige, sofern dieses Review nicht so gut verfasst war, aber nach einer so langen Zeit der Stille bin ich doch etwas aus der Übung. :)
Hab noch einen schönen Wochenstart!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Wegen der letzten Monate werde ich wohl oder übel einen genaueren Blick auf meine "Thomas Heinrich Reviewliste" werfen müssen, damit es ja nicht dazu kommt, dass ich unter Umständen unbeabsichtigt irgendein ein Werk aus deiner Feder ignoriere...

Antwort von Thomas Heinrich am 15.06.2021 | 01:11 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

vielen Dank für Dein Review, mit dem ich gegenwärtig nicht gerechnet hätte! Wie schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen.

Natürlich hast Du Recht damit, daß dieses Gedicht eine Ausnahme in meinem Gesamtwerk darstellt - gerade in meinen philosophischen Texten der letzten Zeit hat sich die pessimistische Sichtweise ja wieder sehr deutlich durchgesetzt. Aber irgendwie hatte ich hier auch mal das Bedürfnis, gegen jene Art von Kleinmut anzuschreiben, der sich gar nichts anderes als den status quo vorstellen kann und genau dadurch zu seiner Zementierung beiträgt. So gesehen habe ich auch diesmal wieder gesagt, was ich auch sonst sage: nämlich, daß die Welt in ihrem gegenwärtigen Zustand ziemlich erbärmlich ausschaut. Ich wollte dann aber auch daran erinnern, daß uns keine physikalischen, chemischen oder sonstigen Gesetze solcher Art davon abhalten, eine humanere Welt zu erschaffen. Da stehen wir uns ganz allein im Weg. Wenn alle das mal erkennen würden, wäre schon recht viel gewonnen.

Insofern versuche ich hier nicht allein, aus meinem üblichen Denken ein wenig auszubrechen, sondern fordere den Leser auf, dies ebenfalls zu tun. Wobei der Pessimist in mir natürlich weiß, daß dies vermutlich nicht passieren wird...

Liebe Grüße,
Thomas
14.04.2021 | 22:59 Uhr
Lieber Thomas,

eine sehr schöne Vision. Das wünscht sich wohl jeder, eine Welt ohne Streit, Machtgier und Krieg,
eine Welt, wo es nicht um's Geld geht, weil es keines gibt, wo man sich hilft und miteinander leben will, nicht nur nebeneinander und neidisch schauend, was der andere mehr oder besseres haben könnte.
Du sprichst in deinem Gedicht aber von einer Insel, nicht von der ganzen Welt. Sollen also die zur Insel aufbrechen, die daran glauben. Die es nicht versuchen, wollen es wahrscheinlich nicht genug.

Dein Gedicht gefiel mir sehr gut, die Reimform und natürlich der Inhalt.

liebe Grüße
Maggie

Antwort von Thomas Heinrich am 15.04.2021 | 15:28 Uhr
Hallo Maggie,

vielen Dank für Dein Review!

Dieses Gedicht ist natürlich ganz klar eine Utopie - deshalb habe ich auch das Bild der Insel gewählt, um eben diesen utopischen Charakter der Vision zu betonen, denn schon Utopia bei Thomas Morus wurde als Insel geschildert (aber es gibt ja auch den Ausdruck von der "Insel der Seligen"). Insofern ist die Insel hier mehr als Metapher zu verstehen, sie könnte im Prinzip für die ganze Welt stehen - wenn die Menschheit denn den Mut aufbrächte, eine solche Welt zu errichten. Das wird wohl nicht passieren, aber das liegt dann nicht an irgendwelchen Naturgesetzen, sondern nur an uns selbst.

Bei der Gedichtform handelt es sich um ein italienisches Sonett (es gibt auch noch eine englische Sonettform mit einem anderen Reimschema, auf die ich noch häufiger zurückgreife).

Liebe Grüße,
Thomas
12.04.2021 | 12:10 Uhr
Hallo Thomas Heinrich!

Ich hatte es fast vergessen, du kannst also doch noch nicht nur wundervolle sondern auch positive Gedichte scheiben.
Eine Vision - weit entfernt von der Realität und viel zu schön um wahr zu sein, aber ich liebe diese Gedanken und möchte gerne zu dieser Insel aufbrechen.

Wünsche dir eine gute Woche
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 13.04.2021 | 02:03 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

Hier wollte ich bewußt einmal eine Utopie entwerfen, denn wenn man solche Wunschträume aufgibt, gewöhnt man sich allzu leicht an die Realität mit ihren Mißständen - doch aus Gewöhnung entsteht in aller Regel keine positive Veränderung. Es ist aber kein physikalisches oder chemisches Gesetz, daß wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen oder immer nur dem Geld hinterherjagen. Die Welt könnte anders sein, auch wenn sie zugegebenermaßen wohl nie so harmonisch wie auf meiner imaginierten Insel sein wird.

Liebe Grüße,
Thomas
11.04.2021 | 17:26 Uhr
Hallo Thomas,

das ist natürlich jetzt wiederum ein sehr, sehr gut gelungenes Sonett von Dir!

Jetzt war ich fast schon versucht, zu schreiben: "Okay, so etwas Schönes kommt also dabei heraus, wenn sich ein Pessimist die rosa-rote Brille aufsetzt!". Nein - das ist natürlich nur Spaß. Schließlich haben Optimisten und Pessimisten berechtigterweise Visionen.

Und die Vision, die Du hier sprachlich malst, ist zu schön, um wahr zu sein: Eine in Frieden und ohne Habgier geeinte Menschheit.
Aber das Wesentliche ist tatsächlich die Frage: Was ist das Hindernis? Warum brechen wir nicht auf und setzen die Vision um?

Die Antwort ist wohl erstaunlich vielfältig:
Da sind die verkrusteten Strukturen, gegen die das Individuum nicht ankommt - die Mächtigen, die um jeden Preis ihre Macht erhalten wollen.
Aber da ist auch das Innere der Individuen: Die Bequemlichkeit, das Streben nach risikoloser Geborgenheit, der Hang zur Unselbständigkeit, das bange Fragen nach Gewinn, vor allem aber nach Verlust (Beispiel: Von Status Quo, Besitz, Zivilisation) durch einen solchen Schritt.
Mittlerweile haben die wirtschaftlichen Verflechtungen auch bereits solche Ausmaße angenommen, dass wir nicht einmal im kleineren Maßstab auf einer kleinen paradiesischen Insel überlebensfähig wären.

Insofern: Ja, auch ich gehöre zu den Uneinsichtigen, die nicht an die Realisierung dieser Vision in der Zukunft glauben. Aber die Vision und Dein Sonett liebe ich dennoch - denn auch die Träume, die positiv stimmenden Bilder, die brauchen wir gerade jetzt!

Dir noch einen schönen Sonntagabend und liebe Grüße mit Stern
Norbert

Antwort von Thomas Heinrich am 11.04.2021 | 19:40 Uhr
Hallo Norbert,

vielen Dank für Dein Review!

Ich denke mal, das ist eine Premiere: ich wage es in einem Gedicht zu träumen, und Du hältst mir die (leider sehr überzeugenden) Argumente entgegen, warum daraus nichts werden kann. Normalerweise sind unsere Rollen eher umgekehrt verteilt...

Damit ist ja eigentlich auch schon gesagt, daß ich Deine Einwände für berechtigt halte. Trotzdem halte ich auch solche Visionen, solche Entwürfe einer besseren Welt für wichtig: um die Welt zum Positiven hin ändern zu können, muß man erst mal eine andere Welt in den Gedanken entwerfen. Daß Utopien sich niemals in Reinform verwirklichen lassen, weiß ich natürlich sehr gut, aber sie können doch die Welt nachhaltig verändern. Man denke mal an die Antike: damals war die Sklaverei so selbstverständlich, daß auch so bedeutende Philosophen wie Aristoteles nicht mal auf die Idee kamen, daß es eine Welt ohne Sklaven geben könnte - da sind wir doch schon einen gewaltigen Schritt vorangekommen. Und es gibt so einige solcher Veränderungen, bei denen die Leute früher auch gesagt hätten: "Das kann nicht sein, das ist nicht durchführbar, das kann niemals funktionieren."

Das Elysium können wir auf Erden wohl kaum erreichen - aber wir können ihm näherkommen.

Liebe Grüße,
Thomas
11.04.2021 | 17:06 Uhr
Lieber Thomas!
Gerne würde ich auf so einer Insel leben,
aber ich glaube, dass sowas nur im Kleinen funktionieren kann.
Aber vielleicht können wir uns privat solche Inseln schaffen.
Die Utopie war jedenfalls schöner als Dystopien,
und ein bisschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft können wir alle gerade brauchen.

Deine Verse waren auf jeden Fall wieder ausgezeichnet,
darum ein Stern.
Lieben Gruß.
R ⌘

Antwort von Thomas Heinrich am 11.04.2021 | 19:30 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review1

Die Insel ist hier eher als Metapher zu verstehen und soll den elysischen Charakter dieser Utopie unterstreichen. Daß es eine Gesellschaft völlig ohne Geld geben könnte, glaube ich eigentlich auch nicht, aber es wäre schon viel gewonnen, wenn ihm nicht der Wert beigemessen würde, wie das in der Gegenwart der Fall ist. Geld ist erst mal nur ein Universaltauschmittel, aber nicht der Zweck des Lebens.

Ich hatte neulich schon in einem Review geschrieben: wir brauchen sowohl die Dystopien als auch die Utopien. Die Dystopien sind nötig, um Fehlentwicklungen deutlich zu machen und davor zu warnen, wohin sie führen können, die Utopien sind aber auch nötig, denn um die Welt verbessern zu können, muß man erst mal auf die Idee kommen, daß sie auch anders und besser aussehen könnte als in der Realität.

Liebe Grüße,
Thomas
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