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Autor: Ender Wiggin
Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
11.04.2021 | 09:06 Uhr
Lieber Ender Wiggin,

da ich mich an das Lied von Reinhard Mey nicht mehr erinnern konnte, habe ich es mir in YouTube gerade angehört. In der Ballade geht es um den Jungen Kaspar, den die Gesellschaft nicht akzeptiert weil er anders ist und vielleicht wird er auch deshalb umgebracht.

Eine wahre Begebenheit.

Du hast aus dem traurigen Songtext ein sehr emotionales Drabble gemacht. Der Text ist schmerzhaft und schön zugleich.

Ich weiß übrigens erst durch Fanfiktion was ein Drabble ist.

Einen schönen Sonntag wünscht dir
herbstlady

Antwort von Ender Wiggin am 11.04.2021 | 11:14 Uhr
Liebe herbstlady,

RM hat schon eine ganz eigene Art, einem Geschichte näher zu bringen. Die habe ich immer bewundert und die Lieder mag ich sehr.

Stimmt, die Geschichte von Kaspar Hauser ist wahr, man könnte meinen: längst vergangen. Doch so wirklich haben sich die Menschen nicht geändert. Zwar ist es selten geworden, dass das Opfer erstochen wird, doch Ausgrenzung, Diskreminierung und Hass sind auch heute noch sehr spürbar.

Freue mich, dass dir mein trauriger Text gefällt.

Bevor ich mit Schreiberlingen zusammenkam, wusste ich auch nichts von Drabble. Und einige wissen das auch nicht, obwohl sie hier bei FF sind. ^^ Habe mal ein Review bekommen mit ungefähr diesem Text "Ganz nett, aber ein bisschen kurz. Hätte man ausführlicher schreiben können"

Meine große Drabblezeit ist zwar vorbei, aber so hin und wieder juckt es dann doch in den Fingern.

Danke für dein Review, habe mich, wie immer, sehr darüber gefreut.

Liebe Grüße

ender
09.04.2021 | 12:25 Uhr
Lieber Martin,

oh ja - das Lied Kaspar Hauser von Reinhard Mey kenne ich - oder besser: kannte ich. Denn eigentlich hatte ich es vergessen.
Insofern hat mich Dein Drabble einmal wieder dazu gebracht, alten und neuen Gedanken zur Diskriminierung, zur Ächtung des "Anders-Seins" nachzugehen.

Zuerst muss ich einmal sagen, dass ich das Lied (obwohl ich es kannte) beim Hören in der jetzigen Zeit fast noch beeindruckender fand, als damals. Das mag aber mit der seit dem Komponieren des Liedes verstrichenen Zeit zusammenhängen oder auch mit der Änderung, die seitdem innerhalb und außerhalb von mir vorgegangen ist, zusammenhängen: Das sind immerhin 40 Jahre!

Aber jetzt zu Deinem Drabble, das ich als Lyrik bezeichnen würde - schließlich hast Du es in Versform geschrieben:

Ja, Du hast in den hundert Worten den Schmerz, der auch im Lied steckt sehr, sehr gut wiedergegeben oder besser gesagt noch einmal ausdrücklich (wörtlich gemeint) vertieft.
Ja: Solche Gedanken schmerzen natürlich auch tatsächlich sehr.

Bei Deinem Ende "Seelenqual Immerdar" hast Du in mir auch noch Gedanken zur Erbsünde usw. getriggert, die uns die Kirche ja einreden möchte, an die ich aber keineswegs glaube.
Es liegt natürlich an mir selbst, dass sich bei dem Begriff "Seele" in mir auch immer religiöse Gedanken breit machen, aber hier habe ich (ich für mich - ist nicht als Kritik gemeint) die "Seelenqual" doch lieber durch "Herzensqual" (oder das längere "quälende Gefühle") ersetzt.
Das "Immerdar" ist natürlich auch ein subjektiv interpretierbarer Zeitraum, aber da will ich mich nun nicht auch noch darüber auslassen ...

Du siehst - Dein "Gedicht" hat mich wirklich sehr zum Nachdenken angeregt. Das ist das Wesen gut geschriebener Gedankenlyrik - und die hast Du hier auf ganz ausgezeichnete Weise verfasst!

Lieben Dank für's Lesen Lassen!

Herzlichste Grüße
Norbert

Antwort von Ender Wiggin am 09.04.2021 | 16:58 Uhr
Lieber Norbert,

zuerst meinen herzlichen Dank für deine Gedanken.

Schön finde ich immer, wenn das Review länger ist als das Werk selbst. Aber bei einem Drabble ist das nicht ganz so schwer. °°

Ich finde es immer spannend zu lesen, was ein Werk dieser Art für Gedanken auslöst. Manche sind natürlich beabsichtigt und genauso gewollt, doch spannend wird es dann, wenn über diese Absicht es noch viel weitergeht. Und ich freue mich immer, dass ich das bei dir schaffe. (bruht allerdings auf Gegenseitigkeit)

Das man ein Lied im laufe der Jahre "anders" hört ist denke ich ganz normal. Solange es dennoch gut bleibt, ist alles in Ordnung. Ich denke da an manche Lieder, die ich als junger Mensch echt toll fand und ich heute nicht mehr ganz die Begeisterung nachempfinden kann. Bei RM - zumindest bei den Liedern zum nachdenken - kommen mir die Texte oftmals intensiver vor. Was auch an meinen Jahren liegen mag. (Obwohl ich immernoch mit dem Antrag kämpfe)

Über dein Urteil (Lyrik) freue ich mich natürlich ganz besonders. Das ist bei Drabbles eine hohe Auszeichnung.

Okay, es gibt so Schlüsselworte, die bei jedem etwas anderes auslösen. An diese Beziehung zu Religion (oder das was man uns als solche verkaufen will, oder zumindest als Kidn hat) habe ich wirklich nicht gedacht. Und kann nachvollziehen, wenn du diese Worte für dich änderst. Sind ja zum Glück nur die zwei. °° Für mich war es einfach ein nicht endenwollender Schmerz. Gebe zu, manchmal verfalle ich in die "Sprache Kanaans", aber ich hoffe es ist nicht immer so irritierend.

Vielen Dank für dein anschließendes Lob, über das ich mich wieder einmal riesig gefreut habe.

Sei herzlichst gegrüßt

Martin
09.04.2021 | 08:05 Uhr
Lieber Martin,

ein sehr trauriges Drabble, hast du hier geschrieben.
Man spürt die Seelenqual und den Verlust beim Lesen.

Kaspar Hauser, besungen, bedichtet und in alle Richtungen analysiert und doch wurde die Wahrheit nie wirklich gefunden und geklärt.
Klar ist nur, dass er anders war als andere und was anders ist, wird nicht akzeptiert.
Er hatte gewiss ein ziemlich schreckliches Leben.
Sehr gut geschrieben.

Liebe Grüße
Elayne

Antwort von Ender Wiggin am 09.04.2021 | 16:41 Uhr
Liebe Elayne,

traurig ist es wirklich, aber das Thema ist ja auch nicht gerade ein fröhliches.

Die Wahrheit wird man niemals erfahren, aber wenigstens bleibt er durch Geschichten, Gedichte und Lieder in Erinnerung. Und ich glaue, dass er das auch verdient hat.

Das ist nur die Hälfte von dem was klar ist. Er war anders, aber er war auch ein Mensch. Verängstigt, verstoßen, von vielen gehasst und deswegen ermordet, aber es gab ein paar wenige, die ihn so mochten, wie er war.

Freue mich, dass es dir gefallen hat und du mir hier ein Review dagelassen hast.

Herzliche Grüße

Martin
08.04.2021 | 22:03 Uhr
Lieber Martin,

auch ich kenne diesen Song noch nicht. Aber er hat mich berührt, wie viele Songs von Reinhard Mey.
Anders sein… das bedeutet immer besonders zu sein, aber es bedeutet auch eine Herausforderung. Zum einen für sich selbst, aber auch für alle anderen. Und leider wissen viele nicht, wie sie mit „Anders sein“ umgehen sollen. Es verunsichert sie, es macht ihnen Angst, und sie kompensieren diese Angst mit Ablehnung, Distanz und oftmals leider auch mit Gewalt. So war es früher und auch heute gibt es trotz aller Aufklärung und Weltoffenheit immer noch Stigmatisierung und Diskriminierung in allen Phasen.
Kaspar hat den Menschen Angst gemacht mit seinem Anderssein. Sie haben ihn getötet, aus Feigheit, weil sie mit ihrer Unsicherheit nicht umgehen konnten.
Aber es gab auch Menschen, die an ihn geglaubt und das Potential in ihm erkannt haben und ihm helfen wollten, sein Leben in der Gemeinschaft der Gesellschaft zu leben. Und diese Menschen (besonders der eine) leiden nun, weil Kaspar heimtückisch und feige ermordet wurde.

Du hast das unglaublich gut rübergebracht, authentisch, voller tiefer Emotionen. Das derart glaubwürdig in ein einziges Drabble zu packen, ist eine hervorragende Leistung!
Dafür ein Sternchen und Daumen hoch!

Liebe Grüße
Jeany

Antwort von Ender Wiggin am 09.04.2021 | 16:36 Uhr
Liebe Jeany,

leider nur zu wahr. Dabei liegt oftmals in dem Anderssein die Chance für die Normalos so viel zu lernen. Das gilt für die versteckten Genies, ganuso wie für die "normalen Anderen". Ich hatte das Glück meinen Zivildienst in einer heipädagogischen Sonderschule zu machen (damals nannte man das wirklich noch so). Dabei habe ich viel mehr von den besonderen Kids gelernt, als die es jemals von mir konnten.

Freue mich sehr über dein Lob. Vor allem auch, weil ich es schade gefunden hätte, wenn ich dieses Lied nicht richtig angefasst hätte.

Habe herzlichen Dank für den Daumen, das Sternchen, das Lob und das Review.

Liebste Grüße

Martin
08.04.2021 | 21:21 Uhr
Lieber Ender,

das war wieder eines der Lieder von RM, das ich noch nicht kannte. Es hat mich in ähnlicher Weise schockiert wie "Lilienthals Traum".
Was es doch für grausame Schicksale gibt. Nur weil ein Mensch den anderen fremd ist und sich ihnen auch nicht gleich offenbart, indem er nicht mit ihnen redet, wenn er vielleicht ungewöhnlich aussieht oder sich anders verhält, wird er gleich ausgegrenzt und was noch viel schlimmer ist, bei passender Gelegenheit feige ermordet.
Dein Drabble dazu ist voller Schmerz, voller Verzweiflung, das Geschehene nicht verhindert haben zu können und voller Trauer über einen geliebten oder zumindest sehr vertraut gewordenen Menschen.
100 Worte, all das auszudrücken, sind eigentlich viel zu wenig. Wenn es aber die Richtigen sind, kann man alles nachfühlen. Dafür bekommst du hier das 2. Sternchen, wohl verdient und herzlich gern

liebe Grüße
Tindomiel

Antwort von Ender Wiggin am 09.04.2021 | 16:28 Uhr
Liebe Tindomiel,

mancher mag denken, die Leute waren damals noch nicht so aufgeklärt, aber ich denke, sie haben nichts dazugelernt, die sind nur (zum Glück) nicht mehr so tatkräftig.

Die Geschichte von Kaspar ist wirklich unglaublich, oder sollte es sein. Wie RM dies ausgegriffen hat und in dieses Lied verwandelte ist grandios. Traurig, aber grandios. Er schafft es in vielen seiner Balladen nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern mit den Tönen und dem Text auch Gefühle zu vermitteln. Und wenn dadurch auch nur ein Mensch ins Grübeln kommt, dann hat sich das doppelt und dreifach gelohnt.

Danke für dein großes Lob und den zweiten Stern (sage nochmal einer, das ginge nicht. - Nein, keine Angst ihr anderen Leser, das war ein Insider)

Herzliche Grüße

ender
PS.: Schade, das man Reviews nicht auch mit Sternen belegen kann. Hier müsste ich dann meine Tagesration verbrauchen.
08.04.2021 | 19:33 Uhr
Lieber Martin!
Ich mag Reinhard Mey sehr, dieses Lied war mir jetzt aber nicht präsent.
Also hab ich es mir zuerst angehört und war beeindruckt von Meys gereimten Lyrics.

Dein Drabble ist aber auch sehr poetisch und so voll Schmerz,
dass es klingt, als ob du die Emotionen dahinter selbst mal gefühlt hättest.
Auf jeden Fall ist es sehr intensiv und gefällt mir sehr gut.

Ich hänge dir einen Stern an.
Liebe Grüße.
R ✿

Antwort von Ender Wiggin am 09.04.2021 | 16:21 Uhr
Lieber Spatz,

ich liebe seine Balladen. Sei es nun Kaspar, das Meer, die Eisenbahnballade, Lillienthals Traum uvam. Da ich gerade die wunderbare Geschichte von Maggie gelesen habe und wir uns über Kaspar unterhielten, dachte ich: Ein Drabble könnte nicht schaden.

Danke, so sollte es auch klingen. Nein, hier keine eigene Erfahrung, aber mit Kaspars Bruder (ich nenne ihn immer so, auch wenn sie nicht verwandt waren) hatte ich immer viel Mit-Leid. Und immer wenn ich das Lied höre muss ich bei der letzten Strophe immer ein wenig schlucken. Und dieses Gefühl habe ich aufgegriffen.

Und ja, RM ist ein Sprachgenie für mich.

Danke für dein liebes Review und dein Stern. Den halte ich in Ehren und schicke RM sein Achtel. (Kann er dann neben dem Lorbeerblatt aufhängen)

Herzliche Grüße

Martin
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