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Reviews 1 bis 5 (von 5 insgesamt):
09.04.2021 | 02:29 Uhr
Hallo werter Thomas,

Eigentlich wollte ich deinem Gedicht erst nach der Beendigung der Lektüre deines Bühnenstücks meine Aufmerksamkeit widmen, doch dann geschah viel und die Zeit verflog mehr und mehr, wodurch ich jetzt an den Punkt geraten bin, an dem ich dein Gedicht einfach so ohne das nötige Vorwissen lesen wollte... Im Nachhinein weiss ich nun nicht, ob ich durch diese Entscheidung jetzt den Lesegenuss deines kleinen Werkes etwas geschmälert habe, aber ich glaube durchaus, dass dein Text mir auch einfach so sehr zugesagt hat. Ja, denn auch wenn ich noch nicht beim Avalon-Part deines Stücks angekommen bin, erscheint mir dein Gedicht vom Inhaltlichen her selbsterklärend genug damit sich selbst Leser ohne das kleinste Vorwissen nicht verloren fühlen - und desweiteren sind die hier geschilderten Emotionen (trotz der phantastischen Elemente) schlichtweg zutiefst menschlich und können von der Thematik her im Grunde ohnehin von jeden verstanden werden, der diesen Text aufmerksam liest und dabei auch nicht davor zurückschreckt das Gelesene nachzufühlen.

So wie ich das sehe, handelt es sich bei deinem Melancholischen Gedicht über Vivianes Klage um zwei Dinge: Einerseits sieht man hier die Perspektive einer Frau an der Schwelle zum Lebensende, welche sich nostalgisch an ihren Frühling wie auch einen ganz besonderen (und durch die alte Nostalgie wahrscheinlich sogar noch idealisierter vorkommenden) Teil dieses Frühlings zurückerinnert. Dieser Teil des Lebensfrühling in Form des Findens der Liebe, steht dann mit all seiner Energie, Wärme und Freude stark im Kontrast zu Vivianes jetzigem Zustand. Wahrscheinlich steht da auch die Frage bei ihr im Raum, was aus ihrem Leben geworden wäre, wenn die Dinge damals anders verlaufen wären und Merlin bei ihr geblieben wäre. Wäre sie dann nun nicht so mächtig, dafür aber mit ihren Liebsten zusammen? Oder könnte es sein, dass sie Liebe und Macht dann gleichermaßen besitzen würde? All das sind "Was wäre wenn?"-Fragen, welche nun sicher nicht wichtig sind...
Wie auch immer! Ein weiteres hier sichtbares Thema ist das Verhältnis zwischen Jugend wie auch Liebe und Alter wie auch Macht, welche da als Gegensätze fungieren. Und für Viviane scheint es klar zu sein, welche Seite wichtiger ist: Die Seite der Liebe, des Glücks, welche durch keine Macht der Welt auf gewiegt werden kann.
Irgendwie macht mich das ziemlich traurig und ich verspüre ziemliches Mitleid für sie, auch wenn ich zugleich denke, dass sie sicher neben Merlin andere Möglichkeiten im Leben gehabt hätte und diese einfach nicht ergriff, weil sie sich schlichtweg zu sehr auf den Verlust dieses einen Glücks versteifte. :(

Naja, aber seien wir nebenbei noch kurz realistisch: Jede vernünftige Frau weiss doch, dass man einen guten Typen nicht die Möglichkeit zur Flucht lässt, sobald man ihn um den Finger gewickelt hat! Due gute Dame hätte Merlin am besten unter einen Stein vergraben oder mithilfe eines Weißdorns bannen sollen, dann wäre er ihr sicher nicht entwischt. :)

Anmerken möchte ich noch, dass dein sensibles Gedicht wirklich schön und flüssig zu lesen war. Es gefiel mir durchaus, auch wenn ich wie du weißt eher ein Liebhaber von Reimen bin.

Zum Schluss wünsche ich dir noch ein angenehmes Wochenende und verkünde noch mit einer gewissen Vorfreude, dass ich bereits sehr gespannt bin die genaueren Hintergründe dieses Gedichts durch das lesen der letzten Szenen deines Bühnenstücks zu erfahren!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 09.04.2021 | 11:04 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

vielen Dank für Dein Review, das ich - zumindest zu diesem Zeitpunkt - gar nicht erwartet hatte. Durch die Lektüre dieses Gedichts weißt Du nun natürlich, daß die zarte Romane zwischen Merlin und Viviane im letzten Akt meines Stücks nicht von Dauer sein wird, aber da dies ohnehin absehbar war, dürfte das die Lektüre der letzten Szenen kaum beeinträchtigen. Und natürlich freut es mich, daß das Gedicht als solches Dir zusagt! Mir lag auch daran, daß das Gedicht als einzelnes Werk bestehen kann und auch für Leser verständlich ist, die meinen "Merlin" gar nicht kennen.

Aber natürlich entstand dieses kleine Werk vor allem, weil ich mit dem Merlin-Stoff und vor allem der Figur der Viviane innerlich noch nicht abgeschlossen hatte, und so kam mir die Idee zu diesem Gedicht. Es ist ein melancholischer Rückblick auf die Jugendzeit, während Viviane mittlerweile zwar als Herrin vom See mächtig ist, aber auch einsam und nicht mehr wirklich jung - sie ahnt auch schon die Nähe des Todes (nicht aber, daß dieser gewaltsam sein wird - das wird dann in meinem Uwain-Epos beschrieben).

Was die Form betrifft, so habe ich mich hier bewußt für sapphische Strophen entschieden, da diese Strophenform immerhin (zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit) von einer Frau erfunden wurde. Abgesehen davon finde ich Sapphische Strophen ohnehin sehr schön, sie sind außerordentlich schwierig zu schreiben, aber wunderbar, wenn sie gelingen.

Dann blicke ich doch schon mit einer gewissen Vorfreude Deinen Anmerkungen zu den letzten Szenen meines besten Bühnenstückes entgegen (denn ich glaube, "Merlins Jugend" ist der Gipfel meines dramatischen Schaffens, woran sich wohl auch nichts mehr ändern wird)!

Liebe Grüße,
Thomas
10.02.2021 | 16:43 Uhr
Lieber Thomas,

das ist für mich ein seltsames Gedicht. Seltsam deshalb, weil es sich absolut nicht reimt und dennoch so fließend leicht zu lesen ist, dass am es unweigerlich ein Gedicht nennen kann. Das gefällt mir sehr gut und bestätigt mir wieder: es muss nicht immer "reim dich oder ich fress dich" sein. Es sollte immer in erster Linie auf den Inhalt ankommen.

Dein Gedicht ist sehr traurig und melancholisch. Ich kann es richtig nachfühlen. Einzig die Liebe ist es, die von Wert ist und Bedeutung hat, mehr noch als Macht und Einfluss.
Du hast sehr bildhafte Worte gefunden und ihren Schmerz sehr gut rüber gebracht. Dafür bekommst du von mir einen Daumen hoch in Form eines Sternchens.

herzliche Grüße
Maggie

Antwort von Thomas Heinrich am 10.02.2021 | 17:07 Uhr
Liebe Maggie,

vielen Dank für Dein Review!

Wie ich ja schon erwähnte, ist das Gedicht so etwas wie ein kleiner lyrischer Nachtrag zu meinem kürzlich abgeschlossenen Merlin-Drama, in dem auch Viviane eine kleine Rolle spielt. Irgendwie konnte ich mich innerlich noch nicht so ganz von der Welt meines Stückes trennen und so kam mir die Idee zu diesem Gedicht - aber da das Merlin-Stück in Versen geschrieben ist, die sich fast alle reimen, hatte ich davon erst mal genug und griff lieber auf die antike Gedichtform der sapphischen Strophen zurück: verteufelt schwer zu schreiben (Ich habe dafür sieben bis acht Stunden gebraucht), aber sehr schön, wenn sie gelingen. Es freut mich sehr, daß Du auch Gefallen an dieser reimlosen Gedichtform findest - und es freut mich ebenso, daß das Gedicht auch bei den Leser(inne)n ankommt, die mein Merlin-Bühnenstück nicht gelesen haben!

Ansonsten stimme ich natürlich zu, daß dies ein sehr melancholisches Gedicht ist. Obwohl Viviane mittlerweile über viel Macht und Einfluß verfügt, kann sie doch den Frühling ihrer Jugendliebe nicht vergessen.

Vielen Dank auch für den Stern.

Liebe Grüße,
Thomas
08.02.2021 | 09:31 Uhr
Hallo Thomas Heinrich!

Ansich sind es die Reimgedichte die ich am liebsten mag. Ich empfinde sie meistens harmonischer und flüssiger zum lesen. Hier auf FF habe ich jedoch auch die ungereimten Gedichte sehr schätzen gelernt und natürlich habe ich deine sapphischen Strophen ( die ich erst googeln musste) gerne gelesen und finde sie sehr schön.

„Merlins Jugend“ habe ich nicht verfolgt, aber das Gedicht ist trotzdem zu verstehen. Viviane ist mächtig, fühlt sich jedoch verlassen, einsam und traurig. Sie erinnert sich an die unbeschwerte Jugend mit Merlin und klagt über das frühe Vergehen ihrer Jugendzeit.

Eine gute Woche wünscht dir
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 09.02.2021 | 04:20 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

Grundsätzlich habe ich sicherlich auch nichts gegen Reime, aber nach dem (fast) durchweg gereimten Merlin-Stück will ich im Moment erst mal keine schreiben - das wird aber sicherlich irgendwann wiederkommen. Und bis dahin halte ich mich eben an andere lyrische Formen.

Sapphische Strophen habe ich erstmals in meinem großen Fantasy-Roman, in dem es zahlreiche Gedichte gibt, verwendet und seither Gefallen daran gefunden. Ich lese natürlich gern, daß Dir dieses Gedicht gefallen hat. Es ist von der Grundstimmung sehr melancholisch, aber Viviane ist ohnehin eine vergleichsweise tragische Gestalt in meinen Dichtungen, die mit der Artus-Sage zu tun haben.

Ich wünsche Dir auch noch eine gute Woche.

Liebe Grüße,
Thomas
08.02.2021 | 05:56 Uhr
Hallo Thomas,

Ich habe Deine sapphischen Strophen sehr gerne gelesen - natürlich sind sie perfekt ausgeführt!
Ich kann auch Deine momentane Abneigung gegen das Reimen nachvollziehen: Die Reime zu finden kostet viel Mühe - und am Ende muss man noch darauf achten, dass man das gewünschte Gesamtergebnis und den roten Faden durch sie nicht schmälert.Auch wenn ich sie liebe, lese ich gerne immer wieder Lyrik in altgriechischen Metren, die sich ja nicht reimen - so wie Deine Strophen hier.

Zum Inhaltlichen kann ich Dir hier kaum Feedback geben, da mir der Kontext fehlt.
Aber der Gegensatz von Macht und unbeschwerter Jugend gefällt mir dennoch sehr.

Liebe Grüße
Norbert

PS: Vielleicht werde ich mich auch einmal an diesem Metrum versuchen. Beim Schmökern erschien mir der wandernde Daktylus von Klopstock, der etwas Abwechslung in dieses Metrum bringen soll, ziemlich interessant.

Antwort von Thomas Heinrich am 09.02.2021 | 04:14 Uhr
Hallo Norbert,

vielen Dank für Dein Review!

Reime zu finden, ist wirklich mitunter mühsam, und da das erwähnte Bühnenwerk (bis auf eine Szene) durchweg gereimt ist, brauche ich jetzt erst mal ein wenig Pause (denn das waren ungefähr 2500 Verse). Abgesehen davon sind die antiken Metren ja auch sehr schön.

Was den Kontext betrifft: in meinem Stück verlieben sich der junge Merlin und die ebenfalls noch junge Viviane auf Avalon ineinander, aber dann verläßt Merlin (aus Gründen, die er vor Viviane verschweigt) die Insel. Das ist eigentlich alles, was aus dem Drama für dieses Gedicht wichtig ist - ich denke, "Vivianes Klage" kann auch gut für sich stehen. Und da hast Du auch schon das wesentliche erwähnt: den Kontrast zwischen der glücklichen Erinnerung an den einen, lang zurückliegenden Frühling und Vivianes späterer Position als mächtige, aber einsame Dame vom See.

Klopstocks wandernder Daktylus ist mir natürlich auch ein Begriff, aber den habe ich bisher noch nie ausprobiert - durch entsprechende Enjambements und Zäsuren läßt sich aber auch bei den sapphischen Strophen in ihrer traditionellen Form ganz gut vermeiden, daß sie monoton werden. Aber wenn Du Dich an diesem Meterum versuchen solltest, wird dabei bestimmt etwas sehr Schönes herauskommen!

Liebe Grüße,
Thomas
07.02.2021 | 21:28 Uhr
Lieber Thomas!
Viviane beklagt den Verlust ihrer Jugend und erinnert sich an die unbeschwerten Zeiten mit Merlin.
Nun ist sie mächtig, aber unglücklich und einsam.
Und du hattest recht, man kann es auch einfach einzelstehend lesen,
wobei es natürlich für mich gut zum Ende deines Merlin-Theaterstückes passt.
Wieder herausragende Poesie.
Gute Nacht!
R ❁

Antwort von Thomas Heinrich am 07.02.2021 | 21:43 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

So ganz konnte ich mich von dem Merlin-Stoff und insbesondere Viviane noch nicht trennen, gerade auch, weil sie ja zu den Figuren des Dramas gehört, denen ein glückliches Ende verwehrt bleibt (woran sie wiederum gar keine Schuld hat, denn das ist ja allenfalls Merlin anzulasten).

Aber es freut mich natürlich, daß Du auch der Meinung bist, daß sich das Gedicht auch so lesen läßt, ohne die Kenntnis meines Fünfakters, denn das kleine Werk soll auch für sich stehen. Außerdem hat es mich enorm gereizt, mal wieder sapphische Strophen zu schreiben, ich liebe diese Gedichtform.

Ich wünsche Dir auch eine gute Nacht und einen guten Start in die nächste Woche!

Liebe Grüße,
Thomas
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