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Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
07.02.2021 | 12:46 Uhr
Hey Forbidden to Fly,

ich hab mir diesen Oneshot nun erneut durchgelesen, wie in den vergangenen Tagen auch ab und zu, und nachdem ich soeben zwei Stunden durch Sturm und Schneewehen "spaziert" bin und mich dabei fühlte wie Luke auf dem Planeten Hoth, musste ich einmal mehr an Tommy und seinen Papa denken, wie sie an jenem frühen Morgen in Richtung Bahnhof hinaus in die Kälte gegangen sind - auch wenn der Schnee dort sicherlich nicht so hoch lag wie derzeit vor meiner Haustür. Und ich möchte hiermit einfach nochmal sagen, dass mir diese Geschichte so unglaublich gut gefällt und ich hoffe nach wie vor auf weitere Crossover von 1917 / Dunkirk aus deiner Feder (oder vielleicht fühlen sich ja auch andere durch deine Geschichte dazu motiviert?), von Tommy und Papa William zumindest, da die beiden hier den Anfang gemacht haben, möchte ich so gerne noch mehr erfahren ... und da ich selbst auch unfassbar gerne Kommentare/Meinungen von anderen Lesern zu Geschichten durchlese, die mir gefallen, bin ich gespannt, ob sich noch jemand anderes zu dieser Geschichte hier äußern mag, oder ob meine Begeisterung für dieses Crossover recht einsam bleibt. Jedenfalls, da man nicht mehrere Sterne für eine Geschichte vergeben kann ("Highway to war" etwa oder "The scars within my heart are fading" hätte ich dann ansonsten wohl schon damit zugeschüttet), lasse ich stattdessen gerne diesen weiteren (wenn auch nicht sehr tiefgründigen) Kommentar zu diesem wunderbaren Oneshot da. Sieh ihn als Applaus-Zugabe an ... du sollst ja bitte nicht verhungern ;-)
28.01.2021 | 19:20 Uhr
Hey Forbidden to Fly,

Tommy ist der Sohn von William Schofield? Dein Ernst? Wie genial ist das denn! Ich hab diese Geschichte jetzt mehrmals gelesen und wünsche mir schon jetzt und so sehr ein erneutes Wiedersehen zwischen Tommy und seinem Papa …
Mir fehlen gerade wirklich die Worte ... und das passiert mir zumindest hier in der Kommentarfunktion doch selten. Dieser Oneshot ist so unfassbar bewegend und ich bin während des Lesens im Kopfkino zwischen den Fronten 1917 und 1940 Hin und Her gesprungen.
Ich liege hier beinahe heulend mit dem Kopf auf dem Tisch und kriege mich kaum noch ein, vielleicht war es auch nicht gut während des Lesens im Hintergrund die Soundtracks von 1917 und DUNKIRK als Shuffle-Playlist durcheinander abzuspielen … aber noch wahrscheinlicher liegt das auch einfach nur an deiner Geschichte – meine Güte, nahezu jedes einzelne der wenigen Worte von William ist so wichtig und man hat sofort die Situationen wieder im Gedächtnis, die er aus dem eigenen Kriegserleben heraus meint und auch vergleichend dann dazu die Situationen in Dünkirchen als Tommy so manchen Rat davon offenbar beherzigt: Kopf unten halten, keine festen Freundschaften schließen (eben um Verluste besser überstehen zu können und keine emotionalen voreiligen Entscheidungen zu treffen) aber dennoch jedem Kameraden, der kein Deutscher ist, auf beste Weise zu helfen und ganz wichtig: wenn es keinen Sinn mehr ergibt ohne Zurückzublicken loszurennen … Das ist einfach unglaublich, wie das alles auf beide Charaktere passt und auf welche Weise du die Erfahrungen von Schofield 1917 mit denen von Tommy bei Dünkirchen 1940 verbunden hast. Einfach nur großartig und so authentisch und so absolut passend und nachvollziehbar … herrje, ich hab noch nie so viele Superlative in einem Kommentar verwendet. Verzeihung.
Ich bewundere es zudem, was für ein wunderbarer Vater William geworden ist, und dass er damit so auf mich wirkt, wie ich mir seinen Charakter so viele Jahre nach dem Großen Krieg vorstelle: Zum diesem neuen zweiten großen Krieg sagt er nicht viel, er hat ganz sicher seine Meinung, und dennoch hält er weder seinen Sohn auf, noch redet er ihm gut zu (ähnlich wie mir Mr. Dawson gegenüber Peter erscheint); ich glaube, dies ist vielleicht eine von vielen Lehren der „verlorenen Generation“ aus den Jahren 1914 bis 1918, nämlich, dass sie es der Jugend und ihren Kindern nun überlassen die Erfahrungen selbst zu machen und sie nicht hineinzudrängen oder sie davon abzuhalten und womöglich einen fatalen Trotz zu verursachen, oder anderweitig zu indoktrinieren, und vor allem trügerischen Illusionen damit vielleicht auch weniger Nährboden zu geben (du beschreibst das ja selbst sehr treffend, als es darum geht, wie William seinen Sohn erzogen hat). Krieg bleibt doch immer gleich schlimm und traumatisch, auch wenn sich Strategien und Waffen ändern mögen. Und: selten hat ein großer Krieg einen weiteren verhindert, eben weil erst das Schicksal von vielen etwas bewirkt und nicht das Schicksal Einzelner. Und wie die Geschichte zeigt, mussten zu den „vielen“ Opfern der ersten Katastrophe erst viele Jahre später noch die Zivilisten ihre Opfer bringen, dass es notwendig und zu einer Maßnahme wurde einen dritten großen Krieg „verhindern“ zu wollen …
Aber zurück zum Anfang deiner Geschichte: Ich mag auch hier wieder diese ruhige Atmosphäre, die du aufkommen lässt und beschreibst dies mal wieder mit interessanten und absolut stimmigen Details (die Stille des Hauses in diesen sehr frühen Stunden des Tages, die gerahmten Fotografien, das Flackern des Lichts der Petroleumlampe als sich William den Flur entlang bewegt, der Milchzug und generell der Weg zum Zug und was dieser Weg vor allem auch bedeutet) und wie du Tommy und William hier beschreibst und uns Leser sofort ins Geschehen hineinwirfst – und wieder einmal schaffst du es, dass einem diese beiden nach nur wenigen Worten, Gedanken und Handlungen so unfassbar vertraut erscheinen …
Ich zitiere:
„Aber der Zug“ - „Den wirst du schon nicht verpassen.“ Sein Vater kam humpelnd näher. [...]„Genauso wenig wie den Krieg. Gib einem alten Mann nur den Moment, um seinen Mantel zu holen.“
oder: … doch sein Vater erstickte jede Erwiderung im Keim, legte ihm im Vorbeigehen flüchtig, warm und schwer die Hand auf die Schulter und fügte hinzu: „Die Gelenke lassen mich nicht schlafen und die Postsäcke kommen mit demselben Zug, da muss ich deine Mutter nicht länger um ihre wohlverdiente Nachtruhe bringen.“

Nach diesen Worten und dieser Geste seiner warmen Hand auf Tommys Schulter, da war mir William als Familienmensch und Vater bereits ganz klar vor Augen. Ein ruhiger Mann, mit einen gewissen Zynismus, ohne dabei jedoch verbittert zu wirken. Und da hat er noch nicht ein Wort über den Krieg verloren. Sein Räuspern, sein selbst zitiertes Alter und sein Humpeln sprechen bereits für die Eigentümlichkeiten eines Menschen, der inzwischen den größeren Teil seines Lebens bereits hinter sich hat und da er damit nicht zu hadern scheint, macht ihn das alles irgendwie liebenswert. Dennoch umgibt ihn so eine mystische Aura, die ältere schweigsame Menschen an sich haben, wenn sie nur dann ins Licht treten, sollten sie wirklich etwas zu teilen haben und dadurch ihren Worten und ihrem Auftreten auch ein entsprechendes Gewicht verleihen.

Und ich mag diese Passage:
„Es ist besser, du hast ihn und brauchst ihn nicht, als wenn du ihn nicht hast, aber dringend bräuchtest; und auf die Gefahr hin, wie deine Mutter zu klingen: Deine Handschuhe hast du eingepackt?“
„Ja“, murrte er, irritiert und erstaunt gleichermaßen über diese eher ungewohnte Fürsorglichkeit. „Hab sie in die Manteltaschen gesteckt.“
„Gut, gut…“ Husten. Räuspern. [...]
Und danach folgen die Erfahrungen, die nun von der älteren an die jüngere Generation weitergegeben werden … müssen. Darauf komme ich gleich zurück, aber zunächst: Es ist eine von vielen Stärken deiner Geschichten, dass man immer schon nach wenigen Zeilen meint, egal an welchem Punkt deine Erzählungen beginnen, dass man die Personen schon lange kennt und dass das ganze Geschehen und die Zeitepoche drumherum absolut stimmig ist. Man ist mittendrin und nichts ist seltsam oder komisch daran. Mein Kopfkino verneigt sich einmal mehr davor. Da wo jemand wie ich ewig an einer Zeichnung bspw herumfeilt, da zeichnest du flink ein paar Striche aufs Papier und beide Zeichnungen würden doch eine Person erkennen lassen mit Tiefen, Eigenheiten und Charakter.
Und so bin ich auch ohne Zögern gerne mit den beiden hinaus in die Kälte gegangen und hab Williams kurzen aber so ehrlichen Ratschlägen ganz aufmerksam zugehört. Aus jedem seiner knappen Sätze klingt die Erfahrung eines Mannes, der bereits so unmittelbar durch jene Zeiten ging, die seinem Sohn nun bevorstehen. Und so höre ich aus Williams Worten auch die Sorge eines Vaters heraus, wie sie wohl in großer Vielzahl damals zu hören war – denn wie du so gut auf den Punkt bringst: hier macht sich niemand Illusionen, wohin die Reise nun gehen wird. In jedem Land der Beteiligten wird das so gewesen sein. Kein Vater möchte sein Kind zu Grabe tragen, und ich sehe dann jedes Mal Mr. Dawson vor mir, als einen von vielen aus dieser Generation, die die Hölle des Großen Krieges durchlebt hat und die nun nicht mehr behaupten können, man wisse nicht, in welche Hölle man auch dieses Mal die Soldaten entsendet (wobei ich nicht sagen will, dass Mr. Dawson das 1914 behauptet haben mag, das glaube ich eher nicht) … was mögen Männer wie Mr. Dawson damals gedacht haben, als sich Ende 1939 abzeichnete, dass sich dieser Schrecken nun, nach nur zwanzig Jahren, wiederholen wird. Und so steht für mich auch William als Vater für jene Männer, die diesem Ganzen vielleicht auch aus diesem Grund im wahrsten Sinne so sprachlos gegenüber stehen und womöglich deshalb auch keine Entscheidungshilfen oder Wertungen mehr für die entschlossenen oder unentschlossenen Soldaten äußern können und wollen. Auch aus diesem Grund finde ich es so stark, dass William sich entschließt Tommy im wahrsten Sinne Seite an Seite, Schulter an Schulter, und so weit er kann mit hinaus zu begleiten und dass er in diesen Minuten endlich Worte findet, die er bisher nicht über die Lippen bringen konnte, und dass er nun seinem Sohn mehr als nur einen Schal und Handschuhe auf den Weg mitgeben kann. Und neben diesen Worten ist das eben auch seine warme Hand, liebevoll und schwer auf der Schulter von Tommy zum Abschied – das ist eine starke Geste, in so vieler Hinsicht, und das sehe ich nicht erst seit The Dark Knight Rises so … aber seitdem achte ich vielleicht mehr drauf, das gebe ich zu und freue mich immer wieder, wenn ich das in so unterschiedlichen Kontexten wiederfinde.

Ich nehme an, dass in dem Blechetui eine Fotografie von Tommys Eltern sein wird, oder? Zumindest gefällt mir Williams Formulierung dazu: „Nur eine kleine Erinnerung, dass du zum Abendessen zuhause zu sein hast.“ Oder interpretiere ich da zuviel hinein? Ich erinnere mich zumindest an die Szene in "1917", wie wichtig und Halt gebend die Fotografie für Schofield war und dass jeder Soldat im Felde etwas Persönliches im wahrsten Sinne bei sich tragen sollte ... und dies ja auch getan hat.

Was bleibt mir weiter zu sagen … ich hab vermutlich Einiges vergessen und bin ziemlich hin und gesprungen und hab mich wiederholt (Verzeihung an dieser Stelle) .. hm, vielleicht dies noch: Mir gefiel die kurze Heiterkeit als sie auf das Thema Alkohol kommen und dass dieser einem besser durch Dienste und kalte Nächte bringt als eine Blechmedaille, die es angeblich nicht wert ist gegen etwas weitaus Wichtigeres eingetauscht zu werden (und ich musste doch kurz Schmunzeln, als Tommys Papa feststellt, dass Offiziere am Ende des Tages auch nur Menschen sind wie jeder einfache Soldat und dass sie alle die gleichen Wege haben sich das Überleben an der Front erträglich zu machen), oder Williams Worte: „Versuche nicht, den Feind zu retten, selbst wenn die Menschlichkeit es gebietet. Du ziehst in den Krieg, das kein Ort für Menschlichkeit. Pass auf, dass du-“ […] „Menschlichkeit ist nie ein Fehler, Tommy, du musst nur aufpassen, wie du sie verteilst – und bei deinen Kameraden ist sie besser aufgehoben als bei den Deutschen.“, wirklich starke Worte, die uns Leser zu Lance Corporal Blake führten, dessen Erwähnung mich hier so glücklich gemacht und ich fand es angemessen und egreifend, auf welche Weise William Blakes Andenken für sich und auch seine Familie in Ehren hält ...

Und es rührt mich wirklich, wenn ich daran denke, wie mutig Tommy dann später tatsächlich gewesen ist.

Kurz: Ich bin dir soooo dankbar für dieses Crossover, ich liebe es! – zumal ich auch schon seit Wochen an einem Gedankengang „1917 – Dunkirk“ herumspinne, dessen Schwerpunkt allerdings im Jahre 1917 liegt, aber das dauert wohl noch Jahre, bis da was fertig wird; umso glücklicher bin ich nun hier ein Crossover auch tatsächlich schwarz auf weiß zu lesen!


Anmerkung:
Über eine Formulierung bin ich beim Lesen gestolpert; ziemlich am Anfang:
> Sein Vater kam humpelnd näher. Er sah es ganz deutlich daran, wie der Lichtschein der Petroleumlampe sich in der Dunkelheit des Flures bewegte, und wusste, dass es wieder der Eiseskälte und der Feuchtigkeit wegen war … <
Irgendwie erschien mir das „wieder“ seltsam, weil ich den flackernden Lichtschein eben mit der Bewegung des Vaters in Verbindung gebracht hab und nicht mit der Kälte und der Feuchtigkeit – oder lese ich den Satz einfach falsch? Das kann natürlich auch sein.

Antwort von Forbidden to Fly am 29.01.2021 | 08:45 Uhr
Moi,

so und nun noch einmal hier, wie bereits in der eigentlichen Reviewantwort-PN angekündigt und um diese leicht missverständliche Stelle für alle anderen potentiellen Leser auch gleich aufzuklären:

„Sein Vater kam humpelnd näher. Er sah es ganz deutlich daran, wie der Lichtschein der Petroleumlampe sich in der Dunkelheit des Flures bewegte, und wusste, dass _es_ wieder der Eiseskälte und der Feuchtigkeit wegen war.“

Das im Rahmen der Möglichkeiten unterstrichene ‚es‘ soll sich in der Auslegung des Autors auf das ‚humpelnd‘ bzw. das ‚Humpeln‘ beziehen.
Die Ursache dieses Humpelns liegt in den schmerzenden Gelenken, die Schofield zum einen nicht schlafen lassen, wie er kurz darauf sagt, und ihn mehr oder minder regelmäßig bei kaltem, feuchten Wetter heimsuchen. Weil diese Schmerzen eben wiederholt auftreten, folgt auf das ‚es‘ ein ‚wieder‘, denn Tommy hat diese Regelmäßigkeit durchaus schon seit einiger Zeit registriert.

Schofield hier an einer Erkrankung leiden zu lassen, die nicht näher definiert wird, deren Symptome aber gewisse Rückschlüsse zulassen, ist beabsichtigt, denn ich wollte es dem Leser freistellen – und das gilt auch für den erwähnten Husten, den Schofield schon hat, seit Tommy denken kann –, ob er diesbezüglich einen Zusammenhang zu Schofields Zeit auf den Schlachtfeldern des Großen Krieges herstellen möchte oder nicht.

Auch an dieser Stelle möchte ich mich noch einmal von Herzen für dieses wunderschöne Review bedanken!

lg FtF
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