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Autor: Moosmutzel10
Reviews 1 bis 3 (von 3 insgesamt):
08.01.2021 | 13:19 Uhr
Moi!

Oh!
Ich wusste doch, dass ich etwas vergessen habe!

Squadron Leader Avery!
Den hatte ich vergessen!
Das ist mir gerade wieder aufgefallen, dass Fortis Leader in deinem Oneshot tatsächlich genauso heißt wie Fortis Leader in „Highway to war“, selbst der Rang ist derselbe.
Ist das Zufall oder beabsichtigt gewesen?
Da würde mich wirklich brennend interessieren, wie es zu dieser Namenswahl gekommen ist.

lg FtF

Antwort von Moosmutzel10 am 09.01.2021 | 09:57 Uhr
Herrje ... ich hab auch etwas vergessen! Weil:
Also um ehrlich zu sein ist mir der Name "Avery" offenbar unbewusst durch das Lesen deiner Fanfiktion "Highway to war" im Kopf hängen geblieben - zumal ich dieser Geschichte ja nun schon von Anfang an folge. Ich war absolut überzeugt, dass dieser Name Kanon sei (so sagt man doch?) und habe ihn übernommen - insofern du mit deinem Fortis Leader auch jenen aus dem Film meinst, bisher bin ich davon ausgegangen. Erst als ich die Geschichte dann hier reingestellt und die Namen/Personen markiert hab, die darin vorkommen, da fiel mir auf, dass Fortis Leader anscheinend doch keinen Namen hat. Ich hab dann nochmal recherchiert - und Tatsache! Er ist einer der vielen namenlosen Personen im Film. Und jetzt streu ich Asche auf mein Haupt: Ich wollte dich eigentlich noch per Mail fragen, ob ich mir den Namen "ausleihen" darf - und hab das dann völlig vergessen. Anscheinend scheint sich der Name "Avery" in meinem Kopf sehr wohl zu fühlen. Verzeihung, also wenn du magst und dir das lieber ist, dann ändere ich den Namen nochmal (?) ... gib mir einfach Bescheid.
04.01.2021 | 11:51 Uhr
Moi,

so, und jetzt, wie versprochen, das eigentliche Review:
Das Zitat zu Beginn war schon mal ein herrlicher Einstieg in die Thematik, auch wenn ich da noch nicht ahnen konnte, was das mit Weihnachten und im Laufe der Geschichte zu bedeuten haben würde. Fälschlicherweise nahm ich natürlich an, es würde nun neben der Rede Seiner Majestät hauptsächlich um die Qualität und gegebenenfalls auch Quantität des Essens gehen – weit gefehlt!
Rückblickend muss ich sagen, dass mir erst am Ende aufgegangen ist, dass du die verschiedenen Handlungsstränge bzw. Zeitstränge genauso geschickt ineinander verwoben hast, wie es Nolan mit dem zugrundeliegenden Film getan hat, auch wenn sich hier quasi alles im sehr viel kleineren Rahmen des Stützpunktes abspielt. Hut ab!
Ebenso gelungen finde ich die vielen kleinen Einflechtungen von Wörtern, die man sonst eher in militärisch geprägter Sprache gebrauchen/erwarten würde, in solche Sätze, in denen man im Allgemeinen andere wählen würde, deren Bedeutung unterm Strich jedoch mehr oder minder dieselbe wäre, wie beispielsweise hier: „Aber Lieutenant, Sie wären beinahe selbst gegrillt worden!“, ruft Flying Officer Holten, auf zwei Uhr sitzend, in die Runde.“ Oder hier: „Ein gewisser Beistand kommt für Farrier auch jetzt in Sicht, als sich ein Teller von Steuerbord in sein Blickfeld schiebt.“ Man hätte auch einfach ‚rechts‘ schreiben können, doch das hätte bei Weitem nicht dieselbe Wirkung gehabt.
Ein ähnliches Beispiel ist für mich auch folgender Satz: „Mangel an Disziplin verurteilt er nur im unmittelbaren Einsatz scharf.“
Die Wörter ‚unmittelbar‘ und ‚scharf‘ könnte man auch einfach vertauschen, der Satz ergäbe immer noch Sinn, denn ein ‚unmittelbarer Einsatz‘ ist nach meinem Empfinden bzw. nach allem was ich von Berufs wegen gelernt habe, so ziemlich dasselbe wie ein ‚scharfer Einsatz‘.
Insofern ist der Sprachgebrauch und die Wortwahl in diesem Oneshot für mich auch heute, beim mittlerweile dritten Lesen nach wie vor schlicht und ergreifend der reine (positive!) Wahnsinn!
Das gilt selbstverständlich auch für all die Zitate im Original und in deutscher Übersetzung aus der Rede Seiner Majestät, die dem Oneshot den passenden historischen Rahmen und Kontext verleihen, und dabei finde ich persönlich es völlig nebensächlich, ob die Rede damals nun um 3pm oder 5pm oder zu irgendeiner anderen Tages- oder Nachtzeit übertragen worden ist. Das gleiche gilt übrigens für deine Entscheidung, dem Stützpunkt mehrere Röhrenempfänger zuzugestehen, denn diese Entscheidung ändert in der Geschichte ja nichts an dem Fakt, dass man sich in der Gruppe um einen Empfänger versammelt, um sich die Übertragung der Rede Seiner Majestät anzuhören und insofern finde ich, kann die Größe dieser Gruppe zusammen mit der faktischen Anzahl von Röhrenempfängern vernachlässigt werden, da es sich hier auch recht offensichtlich um Gruppen von Männern handelt, wie deine Beschreibung der Verteilung mehrerer Männer rund um den Empfänger, den Squadron Leader Avery in Beschlag genommen hat, unmissverständlich zeigt.

Und dann ist da natürlich noch dieser Absatz: „Und außerdem kommt Farrier ihm ohnehin zuvor, denn er erhebt sich und erklärt in das allgemeine Gelächter hinein: „Man wird mich niemals dazu bringen aus einem funktionstüchtigen Flugzeug zu springen!“ * Und funktionstüchtig sind seiner Auffassung nach alle Flugzeuge die noch lenkbar und selbst bei versagendem Motor noch zum Gleitflug fähig sind, wenn sie nicht gerade kurz davor stehen in tausend Einzelteile zu explodieren.“ Genial! Einfach genial! Zum einen weil du ausgerechnet dieses Zitat gefunden hast und zum anderen weil es dir gelungen ist, es mit Farrier in einen beispiellos perfekten Kontext zu verpacken, in dem einen vorausdeutenden Bezug zum Film her- und darstellt und den Eindruck vermittelt, es könne in Wirklichkeit exakt Farrier gewesen sein, aus dessen Mund dieser Satz direkt in die Dokumente der Royal Air Force gewandert ist. Denn machen wir uns nichts vor: Genau das, was dieses Zitat aussagt, hat Farrier am Ende des Films getan, ohne Wenn und Aber. Spinnt man diese elegante Verbindung von Oneshot und Film weiter und bezieht Collins, der ja ebenfalls am Gespräch in der mess hall teilhat, ein, wird die Tragweite dieses Zitats noch einmal größer, wie ich finde, denn auch Collins entscheidet sich im Film dagegen, mit dem Fallschirm aus seiner getroffenen Spitfire auszusteigen und wie die Notwasserung ausgegangen ist, das wissen wir ja alle, um es mal möglichst spoilerfrei zu formulieren. So gesehen könnte man wohl noch etliche Plotbunnys rund um die Sache mit den Fallschirmen – oder eben den „Falllappen“ (herrliche Bezeichnung by the way!) – erlegen und wahrscheinlich wäre es auch gut und unterhaltsam, genau das zu tun.

Beeindruckt hat mich gleich zu Beginn deine Art, Farriers Charakter zu zeichnen. Nun gut, vielleicht haben wir in dieser Hinsicht recht ähnliche Vorstellungen davon, wie sein Charakter aussieht bzw. wie er sich darstellt, nichtsdestotrotz finde ich sie präzise und bestechend passend. Farrier wirkt in dieser Geschichte – genau wie im Film by the way – wie ein Mann, der nicht viele Worte macht, erst recht nicht, wenn er sie für nicht angebracht hält. Zwar scheut er kein Wortgefecht, doch er weiß genau, wann es besser ist, sich nicht auf ein solches einzulassen bzw. wann die Zeit dafür ist und wann eben nicht. Frei nach Sun Tzus ‚The Art of War‘: „There are roads which must not be followed, armies which must not be attacked, towns which must not be besieged, positions which must not be contested […]“ (Und ja, ich habe dieses Buch gelesen und kann es nur empfehlen.)
Collins verkörpert überzeugend den jüngeren Offizier, der er auch im Film zu sein scheint, und tut dies – zu meiner großen Erleichterung, wenn ich da an einige englischsprachige Fanfictions denke – mit einer gewissen Würde und dem Anstand, den ich persönlich im durch den Canon vorgegebenen Kontext erwarte. Gleiches gilt für Squadron Leader Avery / Fortis Leader, was wiederum besonders in der Szene deutlich wird, in der diese drei Männer draußen stehen, erst essend, dann rauchend und das gerade in der mess hall geschehen noch einmal aufgreifen. Du lässt in diesem Gespräch meiner Meinung nach gleich drei Hierarchien lebendig werden, ohne dabei den Bezug zu den einzelnen Charakteren und den zu ihrer Menschlichkeit/Persönlichkeit aus dem Blick zu verlieren: die militärische, die des Alters und die der Erfahrung. Das alles ist gepaart mit einem feinen, wohldosierten Humor, der die winterliche Atmosphäre unterstreicht und sie nicht zugunsten von schallendem Gelächter von Leserseite überrollt, das meiner Meinung nach an dieser Stelle nicht mehr passend wäre.
Diese Momente schallenden Gelächters sind in der mess hall, wo du sie platziert hast, deutlich besser aufgehoben, in der großen Gruppe und im Rahmen der locker gelassenen Zügel militärischer Hierarchien am Weihnachtstag bzw. beim Weihnachtsessen.
Schon beim ersten Lesen gestern Abend habe ich die Wortwechsel in der mess hall genossen. Da ist dir eine herrliche Atmosphäre gelungen! Fast kann ich mich selbst auf irgendeinem Bankende sitzen sehen und den Männern zuhören. Die lockere Wortwahl macht deutlich, wie abgeflacht die Hierarchien in diesem Moment sind und dass die Spötteleien diesmal zu Farriers Ungunsten ausfallen, ist wohl einfach Pech. Pech für ihn, dass er vor diesem Abend der letzte war, dem etwas passiert ist, über das man spotten kann. Wobei… Manchmal muss man gerade über solche Dinge spotten, über die man es eigentlich nicht sollte, um die eigene Angst im Zaum zu halten und sie verarbeiten zu können. Das gilt heute und es wird damals umso mehr gegolten haben, sodass man Pilot Officer Cassidy und denen, die sonst noch mit in seine Kerbe schlagen, nicht im Mindesten einen Vorwurf machen kann. Es muss eben einfach raus, weil ihnen allen wohl klar sein dürfte, dass es sie beim nächsten Flug ebenso treffen kann, ob nun wortwörtlich im Sinne eines Treffers durch Feindbeschuss oder aufgrund eines Defektes ist dabei völlig unerheblich.

Was bleibt mir abschließend noch zu sagen?
Ach ja, last but not least muss ich dir ein großes, ein sehr großes Lob für all die Recherche aussprechen und möchte mich für die verlinkten Quellen bedanken. Quellenangaben finde ich persönlich immer sehr wichtig. Eine gute Nachricht gibt’s in Bezug auf Fußnoten übrigens noch: Wenn endlich der neue Editor auch für Geschichten da ist, dann kann man anstelle der aneinander gereihten Sternchen (*) auch einfach Zahlen hochgestellt schreiben (Ich habe extra einen Admin danach gefragt).

Wenn ich könnte und dürfte, würde ich diesem Oneshot nun direkt und ohne mit der Wimper zu zucken ein zweites Sternchen geben – mindestens!

In der Hoffnung, nichts vergessen zu haben:

lg FtF
(immer noch und noch viel stärker hingerissen, verzückt, bezaubert von diesem grandiosen Lesevergnügen)


PS. Falls ich doch etwas vergessen haben sollte, schreibe ich einfach noch ein Review. ^^

Antwort von Moosmutzel10 am 04.01.2021 | 17:17 Uhr
Ich hab jetzt erstmal kurz gebraucht, um mich wieder gen Tischplatte hochzuziehen, weil mich dein Review so umgehauen hat o.o
Also ich glaube nicht, dass du irgendetwas vergessen hast, weil ja gefühlt jede Zeile von dir thematisiert und angesprochen wurde (Unfassbar! ... Ich erwarte das natürlich absolut nicht); ob es nun die historischen Fakten betrifft oder das Lob für die Einbindung der Zitate (ich muss dazu sagen, dass ich dieses Fallschirm-Zitat wirklich rein zufällig gefunden hab und dann kam mir eben sofort Farrier in den Sinn und drumherum entstand dann diese kleine Debatte). Danke auch für den Buchtipp - mein Papa hat dieses Buch "Die Kunst des Krieges" vor vielen Jahren gelesen und mir mal empfohlen, vielleicht sollte ich es jetzt tatsächlich mal zur Hand nehmen ;-)
Ich kann mich nur bedanken für deine Zeit und deine unfassbare Mühe und den Aufwand, um deine Eindrücke hier mit mir zu teilen.
Vielleicht nur soviel noch: Vor allem freut mich, dass, neben der Stimmung während des "Wortgefechts" beim Essen, eben auch zwischen den Zeilen die Rangordnung zwischen Avery, Farrier und Collins für dich glaubwürdig rübergekommen ist - das war mir wirklich wichtig (eben weil bspw Collins in englischsprachigen fanfictions bisweilen (natürlich nicht immer!) und zumindest für mein Charakterverständnis zu forsch und irgendwie etwas respektlos (Stichwort "Augenhöhe") dargestellt wird - was das Ganze sicherlich nicht schlecht macht (und so viele fanfictions hab ich dann doch nicht gelesen, um das zu beurteilen), aber jeder hat halt so seine Wellenlänge ;-) ...) - ohje, ich hoffe, das klingt jetzt nicht arrogant oder so, denn so ist das absolut nicht gemeint. Jedenfalls: Es freut mich riesig, dass du diese Rangordnung trotz weniger Worte rausgelesen hast :-D Das ist schon schön zu erfahren, dass jemand so aufmerksam mitliest und sich so viele Gedanken dabei macht. Ebenso wie hinsichtlich des Spotts gegenüber Farrier und dessen Unglück zuvor mit seiner Spitfire, denn all des entsteht sicher auch dadurch, wie du richtig meinst, dass es jeden anderen genauso hätte treffen können.
Mir fällt kaum was anderes ein, als von Herzen Danke zu sagen ...
03.01.2021 | 18:16 Uhr
Oh my!

Ich bin hin und weg und immer noch völlig fertig! Dass du mir eine ganze Geschichte zu Weihnachten schreiben würdest, damit habe ich nun nicht einmal im Traum gerechnet!
Und dieser Oneshot ist so, so, so wundervoll! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, also abgesehen davon, dass ich eigentlich ganz viel sagen möchte und dass ich dafür diese wundervolle kleine Weihnachtsgeschichte ein paar weitere Male lesen werde, weil es dir gelungen ist, so viele - auch historische! - Details darin zu verpacken, dass ich jetzt bestimmt noch etliche überlesen habe.

Bis zum nächsten Review!
FtF (begeistert, hingerissen, verzückt vom Lesen dieser Geschichte)

Antwort von Moosmutzel10 am 04.01.2021 | 10:07 Uhr
Ich bin so erleichtert über dein herzliches Review - ich hatte schon Sorge, dass diese ganze Sache viel zu verkopft ist. Und daher freue mich gerade riesig darüber, dass dir diese kleine Geschichte gefallen hat und dass ich dir damit eine Freude machen konnte. Mehr kann ich mir gar nicht wünschen und ich danke dir, dass du mir so eine schöne (und ungewohnt überschwängliche) Rückmeldung dagelassen hast.
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