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Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt) für Kapitel 1:
10.01.2021 | 20:18 Uhr
Lieber Thomas,

das ist ein wirklich tolles Märchen. Es hat mich ganz in seinen Bann gezogen.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass vieles, was du schreibst und beschreibst, symbolisch gemeint ist. Es gibt immer die, die nach Ursachen suchen und welche finden und auch die, die genau die Ursachen finden, die sie finden "sollen". Dass da meistens mit Geld nachgeholfen wird, ist auch nichts Neues. Dann gibt es immer die, die den Wissenschaftlern - in deinem Fall Zauberern - glauben und die, die es anzweifeln. Ich fand es schön, dass das Mädchen den Eingang zur Höhle gefunden und den schlafenden Drachen gesehen hat. Dieser ist für mich auch ein Symbol. Ich glaube, unter uns schläft gerade jetzt auch ein Drache und wir sind dabei, ihn aufzuwecken, auch wenn wir wissen, dass wir es nicht tun sollten.
Auch der Schluß war wieder typisch. Sobald die Katastrophe passiert ist, wird ein Schuldiger gesucht und obwohl man nichts rückgängig machen oder daran ändern könnte, was passiert ist, wird der arme Sündenbock verprügelt und verjagt.

Und das Ende vom Lied? Keinem ist dadurch geholfen. Letztendlich haben alle verloren. Das kommt davon, wenn man die Zeichen nicht erkennt und den schlafenden Drachen weckt.

Für dieses tolle Märchen mit viel Symbolkraft bekommst du natürlich ein Sternchen und meinen Dank, dass ich es lesen durfte.

herzliche Grüße
Maggie

Antwort von Thomas Heinrich am 10.01.2021 | 22:53 Uhr
Hallo Maggie,

vielen Dank für Dein Review!

Diese Geschichte habe ich zwar als Märchen deklariert, aber eigentlich ist sie eher eine politische Parabel; bei dem Drachen dachte ich in erster Linie an die Natur, die sich irgendwann gegen ihre stetige Mißhandlung durch den Menschen wehrt und zurückschlägt. Ich gebe ohne weiteres zu, daß ich dabei vor allem den (von manchen Leuten immer noch hartnäckig geleugneten) Klimawandel im Auge hatte, aber prinzipiell sind natürlich auch noch andere Deutungen möglich.
Insofern denke ich, daß wir (und damit meine ich jetzt die Menschheit als ganzes) es vielleicht noch in der Hand haben, den Drachen noch weiterschlafen zu lassen, aber viel Zeit bleibt uns wohl nicht mehr. Ich fürchte, er ist schon ziemlich kurz davor, aufzuwachen.

Liebe Grüße,
Thomas
10.01.2021 | 11:31 Uhr
Lieber Thomas,

ja völlig undenkbar. Blos ein Märchen und wer Märchen erzählt, der erzählt Lügen. Außerdem gibt es keine Drachen! Drachen sind eine Erfindung von Gegnern des Wohlstandes. Wahrscheinlich Leute die sich nicht anstrengen und deswegen arm sind und denen die es zu bescheidenen Wohlstand gebracht haben dies nicht gönnen.

Auch erscheint es mir als völlig an den Haaren herbei gezogen, dass gerade Kinder gegen Mißstände prodestieren sollen.

Am aller unglaubwürdigsten finde ich die Ausführungen über die versagenden Politiker. Politiker sind vom Volk gewählt und vertreten rein die Interessen des Volkes und haben geschworen für das Wohl der Allgemeinheit zu arbeiten.

Und, nur um das klar zu stellen, reiche Menschen sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Ärmeren voll und ganz bewusst und würden nie aus reiner Gewinnsucht ihre Mitmenschen in Gefahr bringen.

Also wirklich, wie kommst du nur auf solche seltsamen Gedanken?

Nein, ich lese keine Zeitungen und schaue keine Nachrichtensendungen zudem trage ich auf beiden Augen eine Augenklappe und habe die Finger in die Ohren gesteckt. Unter der Nase trage ich stets ein Mentholtuch, damit ich auch nichts rieche.

Denn, würde ich das alles nicht machen, wüsste ich, dass dies kein Märchen ist. Und einige Personen könnte ich auch mit Namen benennen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Gut gemacht. Nur zwei Anmerkungen hätte ich: Zum einen würde es das Lesen am Bildschirm erleichtern, wenn du ab und zu ein paar Zeilenumbrüche mehr einbauen würdest und zum zweiten möchte ich anmerken, dass Fremdworte zwar was feines sind, aber in einem Märchen, für mich, den Lesefluss etwas stören. Aber wie gesagt, das ist mein empfinden.

Liebe Grüße

Martin

Antwort von Thomas Heinrich am 10.01.2021 | 15:38 Uhr
Hallo Martin,

vielen Dank für Dein Rebview!

Natürlich hast Du ganz richtig erkannt, daß diese Geschichte nur ein Produkt meiner überreizten Fantasie ist und nichts darin irgend etwas mit der Realität zu tun hat... Zumindest wünschte ich selbst, daß es so wäre, denn ich lebte gern in einer Welt, in der es nicht nötig wäre, solche Geschichten zu schreiben. Doch die Welt können wir uns nicht aussuchen, aber wir können uns (ein wenig zumindest) aussuchen, was wir aus dieser Welt machen.

Zu Deinen Anmerkungen: es stimmt schon, bei meinen Geschichten achte ich nicht so sehr auf die Bildschirmlesbarkeit, da ich mir immer vorstelle, wie meine Texte in einem Buch aussehen würden. Das macht es aber auch ein wenig schwierig, etwa Leerzeilen an Stellen unterzubringen, wo nach meinem eigentlichen Empfinden keine stehen sollten. Ich sehe aber das Problem, das Du ansprichst.

Mit den Fremdwörtern hast Du, wenn man vom typischen Kunstmärchenstil ausgeht, wohl recht, wobei diese Geschichte letztlich ja eine nur unzureichend als Märchen getarnte politische Parabel ist. Das ist in anderen meiner Geschichten auch ein wenig anders, den traditionellen Kunstmärchenton habe ich vielleicht am reinsten in "Die Vogeltränke" (einer schon sehr alten Geschichte) getroffen; dies aber nur nebenbei.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße,
Thomas
07.01.2021 | 23:38 Uhr
Hallo ^^,

ich mag Märchen gerne, daher habe ich mal vorbei geschaut.

Beim letzten Satz habe ich ja die Augenbrauen weit hochgezogen, wäre ja schön, wenn es so wäre. Aber wie auch die klassischen Märchen ist hier ziemlich viel Wahrheit drin versteckt.

Eigentlich fand ich den Gedanken an einen Drachen sehr schön. Angesichts der Temperatur dachte ich mir schon, dass es einer der Feuergattung ist. Die Stelle, an der er erwacht und Feuer spuckt habe ich ziemlich gut vor Augen gehabt.

Auch die Experten...ähm, die Zauberer und Gelehrten hast Du gut eingefangen. Besonders interessant fand ich den smaragdgrünen Umhang, passt ja, dass der Herr der Erste war, der auf den Klimawandel...ich meine, auf die Ursprung des Problems hinweist. Ebenso wundert mich nicht der käufliche Zauberer. Aber was sind schon ein schlechter Leumund, wenn man eine Meinung hat, die man mitteilen muss...und wenn es dann auch noch bezahlt wird...

Bei dem Mädchen im gelben Umhang musste ich etwas nachdenken. Schön fand ich, dass es ein Kind war, das zum ersten Mal auf die Idee kam nachzuschauen, wenn auch nicht ganz freiwillig (und ich gebe zu, ich dachte an Rotkäppchen und ein wenig an Greta *hust* Aber am meisten hat das Mädchen mich an das Spiel Little Nightmares erinnert und das hat mich etwas gegruselt). Mutig war sie aber auf jeden Fall.

Irgendwie hat der Bürgermeister mir am Meisten leid getan. Es allen recht machen, das geht nicht. Schwierig in so einer Situation sofort eine Entscheidung zu treffen, denn beide Seiten haben Argumente, die einen eher kurzsichtig, die anderen denken länger. Ich hätte ja noch eine Version interessant gefunden, bei der sie es anders rum machen, die Mine komplett schließen und dann schaut man, was sich ändert.
Erstaunlich, dass man keinen Drachenjäger gerufen hat, aber Handeln ist ja eh nicht so das Ding den Bürgermeisters, obwohl man ihm anrechnen kann, dass er sich, wenn auch als Wahlgründen, drum gekümmert hat. Man kann ihm nicht mal übel nehmen, dass er Schnee nicht mag. Ich finde immer schlimm, wie viel andere Menschen an einem kaputt machen können und wie sehr dies das spätere Leben beeinflusst. Am Ende wird er dann wieder verhauen...fand ich tragisch, aber passend, auch, dass der bisherige Leugner und sicher Schneeballwerfer dann als Erster geschrien hat.

Zum Minenbesitzer bzw. Eigentümer gibt es sicher einiges zu sagen, aber im Gegensatz zum Bürgermeister ist er mir viel weniger sympathisch, denn er ist ein Geschäftsmann (Was ja an sich erst mal nichts Schlechtes ist). Er trägt nicht zufällig ein Toupet? Der hatte sicher alle Schäfchen im Trockenen...da muss man sich keine Sorgen machen, daher glaube ich das mit den Reichtümern sofort.

Dann hoffe ich mal, der Drache findet einen neuen Schlafplatz, wobei er sich vielleicht im Dorf wieder wohlfühlt, wenn er seine Ruhe hat. Damit wäre zumindest da dann die Erwärmung eingedämmt. Ich vermute aber mal, er wird noch etwas durch die Welt fliegen und zündeln.

Eine unterhaltsame Geschichte.

Mit freundlichen Grüßen
Requat

Antwort von Thomas Heinrich am 08.01.2021 | 12:59 Uhr
Hallo Requat,

vielen Dank für Dein Review!

Der letzte Satz ist natürlich ätzender Zynismus - ein Mittel, von dem ich nur sparsam Gebrauch mache, aber ab und zu muß das einfach mal sein.

An sich bin ich (als Autor und auch als Leser) ebenfalls ein Drachenfan, seien es nun Scheusale wie Smaug bei Tolkien oder freundliche Wesen wie der Glücksdrache Fuchur bei Ende. In meinen eigenen Geschichten lassen sich daher auch sowohl die schrecklichen Monster als auch die mächtigen, aber freundlichen Wesen finden. Dieser Drache gehört nun sicherlich zur ersten Kategorie, wobei er in erster Linie als Symbol für die nicht einfach mal zu zähmende Kraft der Natur selbst steht. Also etwas gefährliches und manchmal auch fürchterliches, aber nicht im eigentlichen Sinne Böses, denn wirklich böse sind an sich immer nur die Menschen.

Deinen Anmerkungen zu den Gelehrten und Zauberern (die ja so etwas wie die Experten innerhalb der Märchenwelt sind) habe ich eigentlich nicht viel hinzuzufügen, und was das Mädchen betrifft, so sollte es auch gar nicht SO sehr an Greta Thunberg erinnern, sonst hätte ich das anders geschrieben.

Der Bürgermeister, der zwischen allen Stühlen sitzt, ist sicherlich die interessanteste Figur des Märchens - und eigentlich das genaue Gegenteil einer typischen Märchenfigur. Obwohl er am katastrophalen Ausgang der Geschichte seinen Anteil hat, ist er (für mich zumindest) doch eine in erster Linie bemitleidenswerte Gestalt.

Der Minenbesitzer ist dagegen die eigentlich verabscheuungswürdige Figur in dieser Geschichte - und schlimmer als der Drache selbst, denn der ist eher mit einer Naturgewalt gleichzusetzen, während der Minenbesitzer einfach nur extrem egoistisch und verantwortungslos ist.

Deine Anmerkungen habe ich gern gelesen und auch gern darauf geantwortet.

Liebe Grüße,
Thomas
04.01.2021 | 13:09 Uhr
Ich wusste gar nicht, dass Greta Thunberg einen gelben Mantel besitzt xD
Eine erschreckend passende Allegorie... wenn auch passend zu dem etwas zusammenfassenden Märchenstil der Erzählton manchmal sehr sachlich ist und wenig Situation ausmalt, so ist die Handlung doch klar auszumachen und man erkennt allzu viele Punkte irgendwie wieder.
Am Ende wünsche ich mir fast, dass das mit dem echten Klimawandel wirklich so ginge, dass erstmal ein kleiner Punkt betroffen wäre, der vielleicht die anderen (außer dem Mienenbesitzer) nach gewisser Zeit (des Hungerns) zum Umdenken bewegen würde. Aber leider ist im echten Leben ja dieser 'kleine Punkt' unsere Erde und daraus lernen werden höchstens die kleinen grünen Männchen xD

Antwort von Thomas Heinrich am 04.01.2021 | 16:12 Uhr
Hallo Donoma,

vielen Dank für Dein Review!

Eigentlich ist diese Geschichte nicht wirklich ein Märchen, sondern eher eine politische Parabel. Bei dem Mädchen habe ich mich eigentlich bemüht, es als nicht zu Greta-artig zu schildern (da gibt es in anderen meiner Texte deutlichere Anspielungen, etwa im Gedicht "Höllenfahrt", das im Prinzip dasselbe Thema behandelt).
Aber das tückische am Klimawandel ist in der Tat, das er sich so langsam und zugleich so unaufhaltsam vollzieht - durch das geringe Tempo gibt es dann immer Leute, die sagen "Ist doch alles nicht so schlimm"; aber irgendwann wird es richtig schlimm, und wenn man so lange wartet, dann läßt sich eben nicht mehr viel unternehmen.

Natürlich werde ich mit dieser kleinen Geschichte auch nicht viel ausrichten, das ist mir klar. Aber später soll bitte niemand sagen, daß das alles nicht vorhersehbar gewesen wäre!

Liebe Grüße,
Thomas
25.12.2020 | 22:36 Uhr
Hallo werter Thomas,

Ohne jetzt übertreibend wirken zu wollen, muss ich dir hier mit aller Ehrlichkeit schreiben, dass dies bisher eines der besten Märchen war, die ich je lesen durfte! Bezeichne mich nun ruhig als Schleimer, glaube dass ich lüge, aber ich stehe zu meiner Einschätzung: Dieses hochaktuelle, schön geschriebene, zynisch-satirische wie zugleich auch zutiefst tragische Märchen ist wirklich großartig! Ich bin echt etwas sprachlos, weil ich nichts in dieser Art wirklich im Voraus erwartet hätte und nun nicht so recht weiss, wo ich genau anfangen und was ich hier alles erwähnen soll... Dieser an sich recht kurze Text bringt mich einfach sehr stark zum nachdenken.

Dein Märchen gefällt mir - auch wenn oder gerade weil es in mir schreckliche Ängste wie auch deprimierende Gefühle tiefster Verzweiflung weckt. Irgendwie - und da entschuldige ich mich bereits jetzt für diesen törichten Gedanken - erinnert mich deine Kurzgeschichte auch an etwa dass das ich damals beim Verfassen meines Märchens über die Vogelinsel versucht habe... Nur ist dein auf die aktuelle Weltlage bezogenes Märchen objektiv gesehen weitaus besser als meines und versteht es auch, viel genauer ein Spiegel der traurigen Realität zu sein. Egal ob politische wie auch wirtschaftliche Interessen, Korruption, Informationsfilterblasen, berechtigte Ängste, menschliche Fixierung auf Kleinigkeiten, Existenzängste, Medien, Fake News, Faktenmanipulation, Misstrauen gegenüber Fachleuten, ins gefährliche angewachsene Monopole mit viel zu viel Macht, gesellschaftliche Spaltung oder die Gefahr des Klimawandels - alles findet mehr oder weniger einen Platz mitsamt passender Analogie in deinem Märchen. Dabei kopierst du aber die Realität nicht einfach eins zu eins, sondern erschaffst gleichzeitig eine eigenständige Geschichte mitsamt einer eigenen Welt, die im kleinen Massstab beängstigend vertraut ist. Mhm, eine eigenständige Geschichte die mit anderen Farben unsere Realität spiegelt und dies auf wirklich schön (oder eher furchterregend!) glaubhaft rübergebrachte Weise... Ja, so kann man meine Allgemeine Meinung stehen lassen. Wobei: Erwähnen möchte ich noch deinen schönen Schreibstil, da ich diesen unter keinen Umständen als Selbstverständlichkeit ansehen möchte!

Das der schreckliche Drache eine Verkörperung des menschgemachten Klimawandels ist, dies lässt sich natürlich leicht erkennen. Genauso leicht wie die Tatsache, dass du wahrscheinlich bei der Schilderung des Verhaltens der Charaktere zum Großteil nicht sehr tief in die Kreativitätskiste greifen, sondern einfach Erinnerungen realer Dinge in leicht veränderter Form niederschreiben musstest... Trotz der Fantasyelemente leider sehr glaubwürdig.
Interessanter Gedanke noch, der mir beim lesen kam: Die Tatsache das der Drache schläft, impliziert ja, dass er ohnehin irgendwann aufwachen würde, selbst wenn ihn die Menschen nicht vorzeitig geweckt hätten, oder? Damit lässt sich an sich ein Vergleich zum Unterschied zwischen dem menschgemachten und dem natürlichen Klimawandel machen: Der natürliche Klimawandel kommt ohnehin, doch braucht er viel länger und durch den Umstand, dass die Veränderungen solch einen langen Zeitraum benötigen, kann sich die Natur weitaus besser an ihm anpassen - was heisst, dass sich die Schäden eher in Grenzen halten. Der menschgemachte Klimawandel hingegen ist schnell und wegen der schnellen Veränderungen gibt es kaum die Möglichkeit für das Leben auf der erde, für die Menschen wie auch die diversen Ökosysteme, sich langsam über einen langen Zeitraum auf die sich verändernden Umstände anzupassen und neuzuordnen. Und da sehe ich irgendwie etwas und ich weiss ja nicht, ob du das so geplant hast... Durch diesen Vergleich bin ich einfach auf den Gedanken gekommen, dass der Drache vielleicht weitaus umgänglicher gewesen wäre, wenn er langsam und in seinem eigenen Tempo nach seinen Bedürfnissen erwacht wäre, anstatt durch menschliches Zutun geweckt zu werden. Der Drache schien mir nämlich so, wie als wäre er einfach richtig "angepisst", weil ihn die Menschen so plötzlich durch nervige Lärmbelästigung aus seinem Schlaf geweckt haben - weshalb er sich dann nach genozidaler Drachenart an den Dorfbewohnern gerecht hat. So nach dem Motto: "Feuer und Blut".

Schön auch wie komplex du alles darstellst und wie du nicht einfach ein klischeehaftes Schwarzweiß-Spiel bei deinen Dorfbewohnern präsentierst. Die eine Seite ist natürlich im Recht, aber es wird auch logisch erklärt, warum die andere Seite aufgrund verschiedener Umstände sich weigert den Tatsachen ins Auge zu blicken. (Oder in die Drachenhöhle zu gehen...)
Das erscheint mir sehr wichtig, dieses Wissen darum, dass die "anderen" Gründe für ihr Denken haben, die für sie logisch erscheinen. Nur indem man sich dem bewusst wird und diese Gründe etwa versteht (und nicht alle Gründe sind Verschwörungstheorien oder braun), nur dann kann man auch den Diskurs beginnen und daran arbeiten die andere Seite zu überzeugen. Dabei kann man eventuell swogar auf Lösungsansätze stossen, bei denen das wirklich wichtigste Problem und zugleich auch das eine oder andere kleinere angepackt wurde.
Ein Fehler der Dorfbewohner war es vielleicht auch, dass sie nicht genug miteinander geredet haben, sich zu stark in gegensetzliche extreme Fronten aufgeteilt haben... und was war nun mit dem Handel, der am Anfang als wichtiger Teil der Wirtschaft erwähnt wurde? Warum hat niemand versucht als Lösungsgrundsatz die Festigung des Dorfes als grosses, stabiles Handelsdorf in Erwägung zu ziehen? Lag das daran, dass die Fronten so verhärtet waren... oder daran, dass der Minenbesitzer (genauso wie die Höchsten in unserer Wirtschaft) keine Einigung wollte, welche ihm in die Geschäftssuppe hineinpiselt?

Dass der Minenbesitzer am Ende davonkommt und die einfachen Leute, welche aus Angst um ihre Existenzen zu ihm hielten, entweder Tod oder im Elend zurückbleiben... das spiegelt unheimlich gewisse Gründe wieder, wegen denen die reichsten der Reichen sich nicht so sehr vor einem Kollaps des Klimas fürchten müssen (Leider!)

Der Bürgermeister war ein interessanter Charakter, den ich durchaus sogar bis zu einem gewissen Teil für märchenuntypisch komplex halte, denn am Ende weiss ich nun wirklich nicht, ob ich ihn mögen, bemitleiden oder verachten soll... Er ha da einfach viel zu viele verschiedenen Seiten, tut einmal das Richtige und einmal das Falsche, ist hin und hergerissen, hat etwas so Menschliches. Es ist schwer, aber ich kann zumindest sagen, dass ich ihn verstehe und ihm nicht gänzlich die Schuld an allem gebe. Am Ende war es nicht ein Mensch, um den es ging. Nein, am Ende ging es darum, was der Großteil getan oder zugelassen hat.

Ich finde es irgendwie ironisch, wie die Angst der Dorfbewohner davor, ihren Wohlstand einzubüßen (obwohl es sicher Alternativen zum Gold gegeben hätte = Handel), am Ende dazu führte, dass sie definitiv allen Wohlstand verloren haben...

Noch eine Frage: Hat der gelbe Mantel des Mädchens eine besondere Bedeutung? So in der Art von "Alarmstufe Gelb - es kann noch abgewendet werden!"? Würde an sich zur Farbe des Drachens passen, der dann demzufolge die logische nächste Stufe, Alarmstufe Rot, verkörpert, welche nach dem ignorieren der Alarmstufe Gelb kommen muss...

Nebenbei: Das Wort "Leumund" kannte ich noch gar nicht und irgendwie war es eine ziemliche Freude heute ein neues Wort zu lernen. :)

Gut, dann kann ich zum Schluss nur noch sagen, dass ich wirklich hoffe, dass da bei uns am Ende doch noch das Erwachen unseres gewaltigen Drachens verhindert werden kann... Ich habe da leider aber nicht mehr so recht die Fähigkeit bei dieser Sache ein reales Gefühl von Hoffnung zu verspüren.

Nein, weil das Review recht traurig ist und nicht all zu deprimierende enden sollte, beende ich es nun lieber mit dem Schulmotto von Hogwarts: "Draco dormiens nunquam titillandus".

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Auch wenn es vielleicht im Angesicht dieser Nachricht belanglos und unpassend erscheinen mag, möchte ich dir mitteilen, dass ich nach dem Lesen dieses Märchens nun weiss, auf was für einen Buchrücken ich als Nächstes sparen sollte.

Antwort von Thomas Heinrich am 26.12.2020 | 11:36 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

vielen Dank für Dein aus führliches Review! Ich bin doch immer wieder entzückt, wenn einer meiner Texte solche Begeisterung auszulösen vermag!

Die Grundidee für dieses Märchen spukte schon lange in meinem Kopf herum (vielleicht schon seit Jahren), ohne daß ich sie jemals näher ausgearbeitet hätte. Gestern früh wußte ich schon bei Aufstehen: heute will ich dieses Märchen schreiben! (Und ich wußte auch, daß ich dafür fast einen Tag brauchen würde.)

An Dein Märchen über die Vogelinsel erinnere ich mich auch noch, da gibt es sicher so etwas wie eine geistige Verwandtschaft. Daß ich meine Geschichte gerade jetzt geschrieben habe, hat vermutlich verschiedene Ursachen: zum einen bin ich eben ein fiese Möpp, was sich daran zeigt, daß ich gerade zu Weihnachten oft recht gemeine Texte hochlade; vor allem aber wollte ich mit einer Parabel auf den Klimawandel und den törichten menschlichen Umgang damit auf (nicht wirklich) subtile Weise an dieses momentan fast schon wieder vergessene Thema erinnern. Wobei aber das im Märchen angeschnittene Thema der Faktenleugnung natürlich auch zur Corona-Zeit paßt - das ist ja gerade das schöne an solchen fantastisch angelegten Texten, daß sie gedankliche Verbindungen zu verschiedenen Themen erlauben. Kurzum: auch wenn ich meine Flinte hier in erster Linie auf "Klimaskeptiker" angelegt habe, ging es mir doch ganz allgemein um das Thema der Realitätsverweigerung (hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen) und die Methoden (wie das Verbreiten von Fake News), die dabei angewendet werden. Und da gibt es ja mittlerweile etliche Leute, die mit großer Energie Unsinn verbreiten.

Was den Drachen betrifft, hast Du Dir mehr Gedanken gemacht als ich, für mich war der Drache einfach ein Symbol für die Erwärmung und die daraus resultierende Zerstörung. Deine Überlegungen dazu (auch zur Unterscheidung zwischen natürlichen und menschengemachtem) Klimawandel fand ich aber sehr interessant - wenn die Leser sich so viele Gedanken machen, muß man doch als Autor irgendwas richtig gemacht haben!

Schön, daß Du meine Schilderung der Dorfgemeinschaft ansprichst, denn da habe ich mir schon einige Gedanken gemacht. Und natürlich hast Du schon ganz recht: mit dem Handel wäre durchaus eine Möglichkeit vorhanden gewesen, die Wirtschaft des Dorfes so umzustellen, daß sich der Wohlstand zum großen Teil hätte halten lassen können - aber dem Minenbesitzer ist es eben gelungen, viele Leute dazu zu bringen, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln, und genau das geschieht eben auch tatsächlich (wenn ich nur an die Republikaner in Amerika denke, die eine Politik machen, von der eigentlich nur die richtig Reichen profitieren, und die trotzdem von etlichen Leuten gewählt werden, die alles andere als reich sind). Darin liegt natürlich ein wenig die Tragik des Geschehens: die Dorfbewohner hätten die Katastrophe verhindern können, wenn sie gemeinsam gehandelt hätten. Aber wer nimmt schon persönliche Nachteile, die sehr schnell spürbar sind, in Kauf, um schlimme Dinge zu verhindern, von denen man nicht weiß, wann sie geschehen? "Nach mir die Sintflut" ist eben eine sehr typische menschliche Einstellung.

Besonders freut es mich natürlich auch, daß Du den Bürgermeister herausstreichst, denn auf diese Figur bin ich schon ein wenig stolz - ich glaube, daß dies mein komplexester Charakter in einer Kurzgeschichte ist. Letztlich trägt er entscheidend zum Verhängnis bei, aber trotzdem sehe ich ihn eindeutig nicht als Schurken, sondern als eine tragische Gestalt. Ich würde auch gar nicht über den Bürgermeister urteilen wollen, das sollen die Leser mal selbst machen.

Was den Mantel des Mädchens betrifft, so hatte ich schon ein wenig an die Warnfarbe Gelb gedacht. Mein erster Gedanke war, sie einen roten Mantel tragen zu lassen, aber ich habe mich rasch dagegen entschieden, da bei "Mädchen im roten Mantel" natürlich jeder geglaubt hätte, daß dies eine Anspielung auf "Schindlers Liste" wäre, und eine solche hatte ich keineswegs im Sinn. Daher habe ich einen gelben Mantel genommen, was mir im Rückblick ohnehin sinnvoller erscheint, denn rot ist ja dann schließlich der Drache selbst - wie Du ja auch erwähnt hast!

Und ich bin dann doch schon mal gespannt, was für einen Buchrücken Du auswählen wirst!

Liebe Grüße,
Thomas
25.12.2020 | 20:20 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Für mich ist dein Märchen eine Parabel über Politik, Wirtschaftsinteressen und Klimakrise?
Ich hänge einen Stern an.

Lasst uns alle gesund bleiben
und diese schlimme Corona-Zeit überstehen und nicht ganz auf alle anderen Probleme der Welt vergessen.
Schönen Abend am Christtag.
R ₪

Antwort von Thomas Heinrich am 25.12.2020 | 23:02 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Du hast meine Intentionen schon recht gut erfaßt; natürlich hatte ich bei der Erwärmung in erster Linie den Klimawandel vor Augen (den man auch in der momentanen Lage nicht vergessen sollte, weil er langfristig viel gefährlicher ist!), aber ganz allgemein ging es mir auch um das Problem, daß es schwer in Mode gekommen ist, die Augen vor der Realität einfach zu verschließen. Und richtig, es geht auch um die Politik, die dann häufig zwischen allen Stühlen sitzt (was man dann auch ruhig mal zugeben kann).

Ich wünsche Dir dann noch ein schönes Weihnachtswochenende!

Liebe Grüße,
Thomas
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