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Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
06.06.2021 | 09:55 Uhr
Hallo Fuchskreuzkraut,
ich muss zugeben, ich bin ein wenig schockiert, dass so eine gute Geschichte nur eine Review besitzt.
Erst einmal: Ich bin dir wahnsinnig dankbar für Kapitel 2, sonst hätte ich deine Geschichte vermutlich nicht gelesen. Ich weiß, es gibt viele Leute, die McCarthy für seinen modernen Schreibstil extrem loben, weil es zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Text führen soll. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich davon meist nur verwirrt bin, immer wieder neu ansetzen muss und dann abgeschreckt aufgebe. Es mangelt mir wohl an Durchhaltevermögen.

Dein Werk ist sehr kompakt und gerade dadurch beeindruckend. Ich benötige immer viele Worte, um Gefühle oder Situationen auf den Punkt zu bringen. Doch du schaffst es ganz explizite Beispiele und Situationen zu schaffen, die alles intensiv, haargenau und mit wenigen Worten verständlich erklären: Leintücher im Wind der Prärie, die geballten Fäuste des Jungen. Du katapultierst einen mitten in die Gefühle. Für mich ist das die ganz große Kunst.

Deine Protagonistin geht durch den Blickwinkel, den du wählst, mitten ins Herz. Man kann ihre Sorge und die Zweifel sehr schnell nachvollziehen und ist direkt an ihr "dran". Nach einigen Abschnitten schleicht sich dann auch die Sehnsucht ein. Sehnsucht nach dem Mann, den sie kannte und der so nie wieder zu ihr zurückkehren wird.
Dein Ende ist daher einfach nur bezaubernd. Die Wortwahl erinnert an ein neues Eheversprechen, mit dem ersten Licht des Tages bricht eine neue Hoffnung für die Protagonistin an und die Beschreibung ihres Mannes erinnert zumindest mich an den Phönix, der wiedergeboren aus der Asche aufsteigt.
Ich bin wirklich glücklich, über diesen beeindruckenden, makellosen Text gestolpert zu sein.
Liebe Grüße
Haserl
13.12.2020 | 11:52 Uhr
Hallo Fuchskreuzkraut!

Was für eine wundervolle, spröde, traurige und schöne Geschichte. Als ich in diese Kategorie hier geguckt habe – weil sie ja noch so klein ist und man da schnell mal durchgucken kann, ob man nicht doch was Passendes findet – hab ich mir erst gar nicht viel Hoffnungen gemacht. Aber schon beim Titel und der Kurzbeschreibung hat sich das verändert. Ich weiß leider erschreckend wenig über amerikanische Geschichte, aber Kriegsheimkehrer als Protagonisten interessieren mich schon länger, und Kojoten – Graslandschaften… das musste ich lesen ;)

Deine Protagonisten sind wie die Landschaft. Auf den ersten Blick karg und auf den zweiten respekteinflößend schön, weil sie immer noch lebendig sind, so oft sie vielleicht selbst geglaubt haben, dass alles in ihnen verdorrt wäre. Und du hast genau die richtige Sprache für sie gefunden. Manchmal auch ein bisschen karg, die einzelnen Fragmente kurz und knapp, die wörtliche Rede aufs Wesentliche reduziert, ohne jeden unnötigen ‚Smalltalk‘, wie das bei zwei „Maulfaulen“ eben sein muss, und dann wieder mit plötzlichen Ausbrüchen von poetischer Schönheit, die einen umso unvermittelter treffen, weil sie nicht in Geschwätz eingebettet sind. Da ist nichts Überflüssiges, und in Folge dessen kann alles, was du erzählst, seine volle Bedeutung entfalten.

So kommt es auch, dass deine Protagonisten völlig echt und menschlich wirken, obwohl man eigentlich so wenig über sie weiß. Wie immer bei kurzen Geschichten ist die Menge dessen, was man nicht über die Figuren weiß, unendlich viel größer als das, was man erfährt – das geht gar nicht anders. Und gerade deswegen ist es so wichtig, dass die paar Dinge, die man als Leser zu sehen bekommt, genau auf den Punkt sind, so dass man anschließend das Gefühl hat, man hat es mit einem wirklichen Menschen zu tun – mit einem, der seine Geheimnisse hat, wie jeder reale Mensch auch, aber mit einem Menschen, der genau so existieren kann. Und das ist hier der Fall, für jede deiner Figuren, nicht nur deine beiden eigentlichen Protagonisten, sondern auch der Junge, über den man noch weniger weiß, und seine Freundin Yolanda, die nur einmal kurz das Haus betritt.

Auch der Kojote ist echt. Ist irgendwo natürlich ein Symbol für deine Protagonisten, die sich in ihm wiedererkennen – nicht umsonst heißt der Titel wohl „Kojoten“ in der Mehrzahl, obwohl im Text ja eigentlich nur einer vorkommt –, aber er ist auch und vor allem ein Lebewesen, dessen Schicksal mir beim Lesen nicht weniger naheging als das der Menschen. Und dass ein Kriegsheimkehrer, der womöglich wer weiß wen alles auf dem Gewissen hat und nun des Öfteren seinen eigenen Adoptivsohn verprügelt – das eine weil er musste, weil ihm keine andere Wahl blieb, das andere weil der aufgestaute Zorn größer ist als seine eigene Kraft – nun auf einmal kein Tier mehr erschießen kann, weil es dasselbe Leiden ist, in diesem Tier, in ihm selbst, in ihnen allen, die er gesehen haben mag – das ist eins der unzähligen Details, die diese Geschichte so glaubwürdig machen. Dass er hinterher drüber spottet, dass seine Frau das Tier freigelassen hat – „Wenn er überlebt, dann kommt er im Frühjahr wieder und frisst uns die Hühner auf.“ – ist gleich das nächste.

Ich wünschte, ich könnte irgendwie alles zum Ausdruck bringen, was ich glaube, aus dieser Geschichte über deine Protagonisten verstanden zu haben – da ist so viel, so viele kleine Andeutungen, die es eigentlich alle verdient hätten, erwähnt und gewürdigt zu werden, aber ich weiß, ich kriege es nicht hin: Ich kriege das nicht alles aufgedröselt, und wenn ich’s versuchen würde, würde ich den Text vermutlich nur ‚kaputtschwatzen‘. Von daher sage ich jetzt nur noch, dass ich diese Geschichte schon vor ein paar Tagen zum ersten Mal gelesen habe und erstmal ein bisschen gebraucht habe, um überhaupt ein Review schreiben zu können, und nun wird sie mir wohl immer noch nicht aus dem Kopf gehen – muss sie aber auch nicht ;)

Grüße
Melmoth
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