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Reviews 1 bis 5 (von 5 insgesamt):
14.12.2021 | 15:10 Uhr
... ja, ich will ... das kommt am Ende ein wenig zu happy-endig daher aber all das, was davor geschehen, ist wunderbar, einfach wunderbar. Du schreibst so dicht und atmosphärisch, dass ich diese Geschichte fast atemlos las, auch vorlas und mich jedes mal so ärgerte, wenn ich mich verlas, dass ich am liebsten von vorne begonnen hätte. Mittlerweile denke ich, dass sich wirklich gute Geschichten gut vorlesen lassen. Dein Stil geht ein, er führt mich, trifft einen Nerv in mir. Minimalistisch, das ist es. Meine Freundin meldete sich inzwischen - nach den ersten beiden Kapitelchen - gab mir recht: hier schreibt jemand, der sein Handwerk versteht.

Der Krieg und wie er einen Menschen verändern kann, zumal dieser Mann der Verlierer ist, in zigfacher Hinsicht. Daher dann das Happy End auch - das braucht es. Menschliche Nähe braucht diese Gestalt, brauchen beide, diese Kojoten, angeschossen und doch wieder freigekommen, wohl auch durch die junge Liebe, die sich in "dem Jungen" und Yolanda zeigt, ja, befeuert durch sie. Aber das Bild des verletzten Kojoten, eine wunderbare, tief ergreifende Metapher.

Ich könnte ewig so weiter schreiben. ich bin dankbar, deine Geschichte und damit auch dich entdeckt zu haben.

:-D

Antwort von Fuchskreuzkraut am 14.12.2021 | 23:09 Uhr
Hallo Karlchen :)

Ach, das freut mich, dass dir die "Kojoten" gefallen haben. Klar, das Happy End, wenn man's so nennen will, im letzten Abschnitt - das hätten die beiden im wirklichen Leben wohl eher nicht gekriegt. Aber irgendwie konnte ich beim Schreiben nicht anders: der letzte Hoffnungsschimmer für Mensch und Tier musste noch rein. Tatsächlich hatte ich ganz am Anfang auch eine Version ohne dieses letzte Kapitelchen, aber in der glitt mir der Text zu sehr ins Trostlose, Nihilistische ab, dass ich dachte, so kann ich das nicht stehen lassen. Diese endlose, haltlose Weite der Landschaft, und dann darin nur Menschen, die nicht mehr zueinander finden ... das wäre machbar gewesen, war mir selbst aber letztlich zu viel des Guten (bzw. des Schlechten).

Happy bin ich vor allem auch darüber, dass du mit dem Stil etwas anfangen konntest. Früher dachte ich immer (meine alten Texte hier können das bezeugen :D), ich müsste mit rhetorischen Mitteln nur so um mich werfen, damit ein halbwegs brauchbarer Text dabei rauskommt, aber mittlerweile merke ich, dass mir dieses Reduzierte, Minimalistische eigentlich besser liegt. Das ist nicht jedermanns Ding, das weiß ich, aber ich freue mich wie Bolle, dass es dich hier sogar zum Vorlesen animiert hat. Was will man mehr? :D

Tja, nach einigem Kopfkratzen müsste es nun so ungefähr das gewesen sein, was ich sagen wollte. Allmählich ruft auch das Bett, deshalb frage ich dich jetzt einfach mal ganz flapsig: Und, wie geht's dir so?

Einstweilen liebe Grüße
von einem glücklichen Fuchs :)
14.12.2021 | 13:56 Uhr
Huhu Fuchs!

Asche auf mein Haupt, aber ich habe die Geschichte gerade erst in den Empfehlungen gefunden - und dabei hätte ich sie schon viel früher lesen können. Lesen ... Ich lese sie gerade eine Freundin am Handy vor, so haben wir beide etwas davon. Sie ist sehr dicht erzählt - kein Wort zu viel fällt hier. Krachend, knarrend, morbide, ja krank nehmen sich diese kurzen Szenen aus und ziehen einen doch in ihren Bann. Das Schicksal des Jungen, es nimmt einen so sehr mit. Ein Findelkind er, muss er nun die ganze Wut und Ohnmacht des "verkehrt" aus dem Krieg heimgekommenen Mannes erleben, währen die Frau daneben steht und ebenso ohnmächtig erscheint. Ich bin jetzt bei Szene zwei, werde weiterlesen und mich wieder melden.

Herzlich
Karl :-)
13.12.2021 | 23:41 Uhr
Eine auf den ersten Blick recht trostlose Geschichte, die am Ende doch ihre ganz eigene Form von kleinem Happy End bekommt. Zu leben, mit dem was ist und was die Vergangenheit aus einem gemacht hat und die kleinen, bunten Punkte im grauen Alltag zu sehen, das ist Lebenskunst. Und die beiden Protagonisten scheinen das zum Ende hin langsam zu kapieren.

Dank der Absätze war es erstaunlich leicht, der Struktur zu folgen, auch ob gerade geredet wurde oder nicht und gleichzeitig verwischte so die Grenze zwischen direkter und indirekter Rede, denn eigentlich ist der Text ja eine Ansprache an den Mann und sie gibt es nur wieder.

Die Szene mit dem Kojoten war sehr eindringlich. Sie spricht in vielerlei Hinsicht für die raue Welt, in der das Geschehen untergebracht ist und zeigt auch, dass etwas wahres dran ist, an dem Spruch, dass Zeit nicht alle Wunden heilt. Man gewöhne sich nur an den Schmerz. Aber gerade das lässt dann zu, dass man scherzt. Und wenn es der sarkastische Spruch ist, dass der Kojote im kommenden Jahr wieder Hühner klaut, so ist es doch ein Scherz. Und wenn das Lächeln schief und müde ist, so ist es doch ein Lächeln. Ein Hoffnungsschimmer. Symbolisch und ganz persönlich für den Protagonisten und die Beziehung.

Schön zu lesen!

Antwort von Fuchskreuzkraut am 14.12.2021 | 22:23 Uhr
Hallo :)

Vielen Dank für das Review - es freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat. Vor allem bin ich froh, dass die ganze Sache stilistisch für dich funktioniert hat; diese reduzierte Erzählweise und das Verschwimmen der Grenzen zwischen direkter und indirekter Rede, die ich hier ausprobiert habe, ist ja nicht jedermanns Sache.

Trotz aller Trostlosigkeit kam das vorsichtige Happy End beim Schreiben aber dann mehr oder weniger automatisch. Ich mochte die beiden, die sich über Jahre doch immer irgendwie zusammengerauft haben, nicht ohne einen Hoffnungsschimmer zurücklassen - wie du schon schreibst, merken sie, dass die Zeit vielleicht nicht alle Wunden heilt, aber einen oft genug doch lehrt, mit dem, was ist, zu leben ... und auch wieder zu lachen. Da steckt auch ein bisschen der amerikanische Frontier-Mythos drin: dieses Immer-Wieder-Aufstehen, auch wenn es wehtut, und sich den Gegebenheiten anpassen, um zu überleben. Die zwei haben (zumindest in meiner Vorstellung) so viel Zeit zusammen verbracht, da gibt man einander nicht einfach auf.

So, mehr will ich das Ganze nun auch gar nicht zerquatschen :) Ich bedanke mich für die Gedanken und wünsche dir noch einen schönen Abend!
13.12.2020 | 11:52 Uhr
Hallo Fuchskreuzkraut!

Was für eine wundervolle, spröde, traurige und schöne Geschichte. Als ich in diese Kategorie hier geguckt habe – weil sie ja noch so klein ist und man da schnell mal durchgucken kann, ob man nicht doch was Passendes findet – hab ich mir erst gar nicht viel Hoffnungen gemacht. Aber schon beim Titel und der Kurzbeschreibung hat sich das verändert. Ich weiß leider erschreckend wenig über amerikanische Geschichte, aber Kriegsheimkehrer als Protagonisten interessieren mich schon länger, und Kojoten – Graslandschaften… das musste ich lesen ;)

Deine Protagonisten sind wie die Landschaft. Auf den ersten Blick karg und auf den zweiten respekteinflößend schön, weil sie immer noch lebendig sind, so oft sie vielleicht selbst geglaubt haben, dass alles in ihnen verdorrt wäre. Und du hast genau die richtige Sprache für sie gefunden. Manchmal auch ein bisschen karg, die einzelnen Fragmente kurz und knapp, die wörtliche Rede aufs Wesentliche reduziert, ohne jeden unnötigen ‚Smalltalk‘, wie das bei zwei „Maulfaulen“ eben sein muss, und dann wieder mit plötzlichen Ausbrüchen von poetischer Schönheit, die einen umso unvermittelter treffen, weil sie nicht in Geschwätz eingebettet sind. Da ist nichts Überflüssiges, und in Folge dessen kann alles, was du erzählst, seine volle Bedeutung entfalten.

So kommt es auch, dass deine Protagonisten völlig echt und menschlich wirken, obwohl man eigentlich so wenig über sie weiß. Wie immer bei kurzen Geschichten ist die Menge dessen, was man nicht über die Figuren weiß, unendlich viel größer als das, was man erfährt – das geht gar nicht anders. Und gerade deswegen ist es so wichtig, dass die paar Dinge, die man als Leser zu sehen bekommt, genau auf den Punkt sind, so dass man anschließend das Gefühl hat, man hat es mit einem wirklichen Menschen zu tun – mit einem, der seine Geheimnisse hat, wie jeder reale Mensch auch, aber mit einem Menschen, der genau so existieren kann. Und das ist hier der Fall, für jede deiner Figuren, nicht nur deine beiden eigentlichen Protagonisten, sondern auch der Junge, über den man noch weniger weiß, und seine Freundin Yolanda, die nur einmal kurz das Haus betritt.

Auch der Kojote ist echt. Ist irgendwo natürlich ein Symbol für deine Protagonisten, die sich in ihm wiedererkennen – nicht umsonst heißt der Titel wohl „Kojoten“ in der Mehrzahl, obwohl im Text ja eigentlich nur einer vorkommt –, aber er ist auch und vor allem ein Lebewesen, dessen Schicksal mir beim Lesen nicht weniger naheging als das der Menschen. Und dass ein Kriegsheimkehrer, der womöglich wer weiß wen alles auf dem Gewissen hat und nun des Öfteren seinen eigenen Adoptivsohn verprügelt – das eine weil er musste, weil ihm keine andere Wahl blieb, das andere weil der aufgestaute Zorn größer ist als seine eigene Kraft – nun auf einmal kein Tier mehr erschießen kann, weil es dasselbe Leiden ist, in diesem Tier, in ihm selbst, in ihnen allen, die er gesehen haben mag – das ist eins der unzähligen Details, die diese Geschichte so glaubwürdig machen. Dass er hinterher drüber spottet, dass seine Frau das Tier freigelassen hat – „Wenn er überlebt, dann kommt er im Frühjahr wieder und frisst uns die Hühner auf.“ – ist gleich das nächste.

Ich wünschte, ich könnte irgendwie alles zum Ausdruck bringen, was ich glaube, aus dieser Geschichte über deine Protagonisten verstanden zu haben – da ist so viel, so viele kleine Andeutungen, die es eigentlich alle verdient hätten, erwähnt und gewürdigt zu werden, aber ich weiß, ich kriege es nicht hin: Ich kriege das nicht alles aufgedröselt, und wenn ich’s versuchen würde, würde ich den Text vermutlich nur ‚kaputtschwatzen‘. Von daher sage ich jetzt nur noch, dass ich diese Geschichte schon vor ein paar Tagen zum ersten Mal gelesen habe und erstmal ein bisschen gebraucht habe, um überhaupt ein Review schreiben zu können, und nun wird sie mir wohl immer noch nicht aus dem Kopf gehen – muss sie aber auch nicht ;)

Grüße
Melmoth
06.06.2021 | 09:55 Uhr
Hallo Fuchskreuzkraut,
ich muss zugeben, ich bin ein wenig schockiert, dass so eine gute Geschichte nur eine Review besitzt.
Erst einmal: Ich bin dir wahnsinnig dankbar für Kapitel 2, sonst hätte ich deine Geschichte vermutlich nicht gelesen. Ich weiß, es gibt viele Leute, die McCarthy für seinen modernen Schreibstil extrem loben, weil es zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Text führen soll. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich davon meist nur verwirrt bin, immer wieder neu ansetzen muss und dann abgeschreckt aufgebe. Es mangelt mir wohl an Durchhaltevermögen.

Dein Werk ist sehr kompakt und gerade dadurch beeindruckend. Ich benötige immer viele Worte, um Gefühle oder Situationen auf den Punkt zu bringen. Doch du schaffst es ganz explizite Beispiele und Situationen zu schaffen, die alles intensiv, haargenau und mit wenigen Worten verständlich erklären: Leintücher im Wind der Prärie, die geballten Fäuste des Jungen. Du katapultierst einen mitten in die Gefühle. Für mich ist das die ganz große Kunst.

Deine Protagonistin geht durch den Blickwinkel, den du wählst, mitten ins Herz. Man kann ihre Sorge und die Zweifel sehr schnell nachvollziehen und ist direkt an ihr "dran". Nach einigen Abschnitten schleicht sich dann auch die Sehnsucht ein. Sehnsucht nach dem Mann, den sie kannte und der so nie wieder zu ihr zurückkehren wird.
Dein Ende ist daher einfach nur bezaubernd. Die Wortwahl erinnert an ein neues Eheversprechen, mit dem ersten Licht des Tages bricht eine neue Hoffnung für die Protagonistin an und die Beschreibung ihres Mannes erinnert zumindest mich an den Phönix, der wiedergeboren aus der Asche aufsteigt.
Ich bin wirklich glücklich, über diesen beeindruckenden, makellosen Text gestolpert zu sein.
Liebe Grüße
Haserl
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