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Autor: Lumentyttoe
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
19.01.2021 | 22:34 Uhr
Hallo Lumentyttoe,

ich mag es, wie konsequent du durch die Brillen der einzelnen Figuren Bray darstellst - und dabei natürlich auch die einzelnen Figuren beschreibst, die sich gerade an ihrem Bray-Bild abarbeiten. Und dabei bin ich - Überraschung! - nicht bei Lex, sondern bei Martin hängen geblieben. Vielleicht, weil ich es immer spannend finde, wenn ein Charakter dargestellt wird, der in der Serie nicht wirklich auserzählt wurde. Denn obwohl tt es ja schafft, Martin in der ersten Staffel zu töten, schaffen sie es trotzdem, dass er die gesamte Serie hindurch präsent bleibt. Das muss man auch erst mal schaffen. ^^

Hier also deine Martin-Version. Ich finde ihn absolut logisch und konsequent erzählt, und am Ende möchte man Trudy schütteln und Martin zuflüstern, dass er es deutlich besser haben könnte und um Drama-Trudy nicht trauern soll (solange er sich auch von Ebony fernhält, denn insbesondere in der Serienerzählung ist Ebony Zoot einfach überlegen und würde ihn am Ende mit Haut und Haaren fressen, weil Ebony nun mal alles kann - selbst die Dinge, die sie schlecht kann, kann sie, weil alle sagen, dass sie es kann... ähm, aber halt, ich wollte ja über Martin schreiben :)).

Dieser Martin ist ein Taktiker, der sich sehr überlegen vorbereitet. Einer, der sich bewusst gegen die Vergangenheit wehrt (ich mag die Stelle, in der steht, dass er die Bücher in Packen in den Keller getragen und gar nicht erst groß verpackt hat). Er ist gleichzeitig Ex-Intellektueller, der nun aber die Wandlung im Physischen macht - würde man das Verfilmen, wäre das so eine klassische Trainings-Szene, so ähnlich wie bei Rocky, und am Ende würde ein durchtrainierter Martin auf irgendeinem hohen Gebäude stehen und die Arme hochreißen. Aber am meisten ist Martin jemand, der sich die ganze Zeit gegen Bray abgrenzen will - das Mamakind, das sich immer im Schatten seines großen Bruders ein Stück zurückgelassen gefühlt hat und jetzt mit dem alten Martin natürlich auch seinen Bruder loswerden muss - deshalb die ganze Aggressivität Bray gegenüber.

Bray ist hier übrigens ein ziemlich mieser Demokrat. ^^ Wenn alle die Macht haben, hat sie keiner? Ha, von wegen! Wenn alle die Macht haben, haben sie alle - das ist ja das Gute. Muss er noch mal Nachhilfe nehmen, der Arme. ;) Martins Lösung ist da die viel konsequentere. Allerdings hat Bray an einer Stelle ein Argument, das in der Serie total vernachlässigt wird, und ich finde es schön, dass du es hier Bray in den Mund legst: Diese Kinder kennen sich. Es sind Nachbarn, Schulkameraden, Freunde. Und plötzlich mutieren sie zur Meute. Martin malt sich das jedenfalls so aus (in der Serie passiert das ja auch), und ein bisschen fragt man sich, ob mit mehr Brays das Chaos zu verhindern gewesen wäre (oder vielleicht eher mit mehr Salenes oder mehr Ambers oder mehr Alices), also mit Leuten, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen und sich kümmern, damit jeder was zu futtern und einen Schlafplatz bekommt, ein paar einfache Regeln, die dafür sorgen, dass die Nachbarkinder erst gar nicht ins Chaos abdriften. Und was kriegen sie stattdessen? Zoot. Seufz.

Es gibt allerdings eine Stelle, die ich der Geschichte einfach nicht abkaufe: Luder-Trudy. Ja, ja, ich weiß, Luder-Trudy ist jetzt ein arg harter Begriff, aber hey: die ist 14 und, wie wir bald erfahren, nicht mal erfahren genug, um richtig zu verhüten. Aber sie soll Fesselspielchen mit Handschellen anregen? Da habe ich sehr grinsen müssen, weil ich die Vorstellung zwar witzig, aber irgendwie auch absurd fand. Ich habe dann überlegt, ob ich es Ebony zugetraut hätte, aber vermutlich habe ich einfach zu zahme Vorstellungen von 14jährigen - das konnte ich nämlich auch nicht. :D Wobei ich es der zugetraut hätte, dass sie es vorgespielt und dann noch nicht einmal die Handschellen aufbekommen hätte, während Martin aus dem Drehbuch zitiert hätte: "Ebony, du bist so sexy, wenn du verrucht bist, und die Frau, mit der ich jetzt den besten Sex meines nur noch kurzen Lebens haben werde, weil du natürlich Bombe im Bett bist..." (hmmm, ich muss aufhören, Ebony zu bashen, sonst klingt es, als würde ich sie nicht mögen, und das wäre ja auch falsch). Ich hätte das mit den Handschellen also vermutlich einfach weggelassen, obwohl es natürlich schön andeutet, dass Martin nicht der dominante in der Zoody-Beziehung ist - was ja auch am Ende noch mal deutlich wird.

Insgesamt finde ich den Text wirklich rund. Die Song-Fic dabei hätte ich persönlich jetzt nicht gebraucht, was aber daran liegen kann, dass mir a) das Lied nichts sagt und ich b) eh immer die Strophen überlese. Das ist wie früher mit den Gedichten in Herr der Ringe - die habe ich nur quer überflogen, das ist einfach nicht meins. Tut aber der Geschichte keinen Abbruch. Und abgesehen von der Stelle mit den Büchern, der Stelle mit den Nachbarskindern und auch der Stelle mit dem Boxsack, den er sich nicht aufgehängt hat, weil er Boxen geil findet, sondern weil er weiß, dass er fitter werden muss, mochte ich halt auch das Ende sehr, weil's Martin diese Tragik gibt, die er eindeutig auch in sich hat. Wenn man weiß, dass Trudy sich auf Bray fixiert und ihn eigentlich nur benutzt hat, wenn man weiß, dass sie mit Bray fortlaufen und ihn zum Ersatz-Papa machen will, wenn man weiß, dass Zoots Training nutzlos sein wird, weil er eines Nachts einen halben Meter an Lex vorbei in den Tod rennen wird - dann hätte man ihm doch wenigstens gegönnt, dass er derjenige ist, der Trudy abserviert. Da tut er mir wirklich leid. Und trotzdem (oder deshalb) habe ich den Text sehr gern gelesen.

Viele Grüße
Tell

Antwort von Lumentyttoe am 20.01.2021 | 18:23 Uhr
Liebe Tell,
du glaubst gar nicht, wie überrascht ich war und wie sehr ich mich gefreut habe, als ich heute morgen die Alert-Mail sah. Hier ein Review zu bekommen ist etwas unglaublich tolles und ich komme aus dem grinsen gar nicht mehr raus und möchte - wie immer - so viel sagen und zustimmen und erklären (Die Handschellen! Wir müssen über die Handschellen reden!) und mich bedanken und ach. Aber das möchte ich gerne mit frischem Kopf tun, also gib mir noch ein klein wenig Zeit, bis ich mich mit der berühmt-berüchtigten überlangen PN bei dir melde. In der Zwischenzeit werde ich deine Rückmeldung einfach noch drölfzigtausend mal lesen und mir einen Keks freuen. Bis dahin bedanke ich mich noch einmal von ganzen Herzen!
Nähdään
Lumentyttö
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