Reviews: Freie Arbeiten / Poesie / Humor / neu

 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 
Autor: neonnichts
Reviews 1 bis 5 (von 5 insgesamt):
18.10.2020 | 15:43 Uhr
Huhu :)

Das ist wieder ein Gedicht, dass mir irgendwie gut gefallen hat. Es war so schön kurz und gnadenlos. Einzig und alleine die beiden letzten Verse fand ich irgendwie... unstimmig? Ich weiß nicht, die haben für mein Empfinden nicht so reingepasst, die hätte es für mich gar nicht extra gebraucht, aber das ist mein Geschmack :)

Dieses Klischee, dass man nach einer Trennung vom Partner einen neuen Haarschnitt braucht... oder einfach etwas allgemeiner gesprochen dieses Thema, dass eine Veränderung im Leben durch eine Veränderung des Aussehens hergeleitet (oder davon begleitet) werden soll und da dann letztendlich immer noch derselbe Mensch ist, nur in anderen Kleidern und mit anderen Haaren und neuer "Attitude" oder so. Charakterliche Entwicklungen finden ja eigentlich nie innerhalb von wenigen Stunden oder Sekunden statt, anders als so eine äußerliche Veränderung und diese fälschliche Annahme, dass man sich durch äußerliche Attribute als neuer Mensch präsentieren kann, finde ich hier irgendwie schön deutlich. Vielleicht sehe aber auch wieder nur ich das, wer weiß das schon :D Das lese ich jedenfalls aus dem Gedicht heraus.

Die erste Strophe haben in Verbindung mit dem Friseursalon in den Reviews ja einige auf so Klatschmagazine bezogen, die man typischerweise beim Friseur lesen kann - und das ergibt irgendwie auch Sinn, aber für mich war dieses "neue menschen, neue geschichten" eher so ein zwanghaftes neues Sozialisieren, weil eben ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Sei es ein neuer Job oder ein neues Studium oder einfach ein Umzug oder eine Trennung, die den Freundeskreis stark beeinträchtigt. Da muss man sich dann neu sozialisieren und sich so viele Sachen merken, obwohl man sich innerlich noch wie "halb tot" fühlt, weil man traurig (wegen dem Verlust des Altbekannten und Geliebten) ist oder eben einfach noch überfordert ist von den ganzen Veränderunge? Verstehst du, was ich meine? Wie immer hoffe ich, du verstehst mich :) Also für mich liest ich dieses unbehagliche Gefühl von "neu" oder auch der Wunsch danach, sich weiterzuenwickeln, ein bisschen wie der Gefühlszustand nach dem Ende einer Beziehung oder Freundschaft.

xx

PS: Ich war diesmal so schlau und habe zwar die anderen Reviews, aber nicht die Antworten gelesen, damit ich auch ja nicht weiß, was du dir dabei gedacht hast :D

Antwort von neonnichts am 19.10.2020 | 14:58 Uhr
Huhu du :)

Das ist ja mal wieder ein krasses Review, vielen Dank! :)

Also, ich für mich brauche die zwei letzten Verse schon, um die Strophen alle als klanglich passend zu empfinden, aber wieder mal finde ich es sehr cool, dass du auch ganz frei sagst, was dir nicht so gefallen hat, ohne dabei entweder pampig zu werden oder dich gar für deine Meinung zu entschuldigen (was ich echt schon gelesen habe).

»diese fälschliche Annahme, dass man sich durch äußerliche Attribute als neuer Mensch präsentieren kann« – doch, genau das meinte ich! Neue Frisur, neuer Style, diese Creme, neues Smartphone, neues Auto, dorthin in Urlaub und Fotos posten – was immer man selbst, die Werbung oder irgendwelche Influencer gerade als unbedingt habens- und herzeigenswert empfinden. Die Leere (oder die Unzufriedenheit mit sich selbst), die viele Menschen damit zu übertünchen versuchen, kann aber nichts davon wegzaubern, und oftmals macht gerade diese Jagd auf das neueste Ding, das uns glücklich machen soll, erst so richtig müde. Ein bisschen so, wie ich die sozialen Medien empfinde. Süchtig machende Algorithmen, die zwar kurzfristig diffuse Glücksgefühle generieren, langfristig aber eher für ein Gefühl der Leere sorgen. Darauf war mein »halb tot« bezogen – also, dass einem dieses Was-darstellen-Wollen und alles, was man dafür auf sich nimmt, irgendwie die Persönlichkeit kaputtmacht. Die Geschichte, die man da über sich zu spinnen versucht, kann eigentlich in den Müll. Also, so für mich.

Ich hab diesmal ein paar Anläufe gebraucht, um deine Interpretation zu verstehen – auf die Sozialisierung und das »halb tot« bezogen. Finde ich aber sehr spannend und eigentlich schade, dass mir das nicht eingefallen ist. :D Also, jetzt weißt du, dass das, was ich mir gedacht habe, auf jeden Fall eine Ecke langweiliger ist. :D

Alles Liebe!
A. C.
13.10.2020 | 20:04 Uhr
Hallo

Ich tippe dann auch mal auf einen Friseurbesuch und das berühmt-berüchtigte Hochglanzmagazin. *lach* Denn gerade an diesem Ort, kriegt Frau das doch recht schnell in die Hände. Aber eben, letzten Endes ist das auch nur alles Schau und Rauch. Von daher nicht weiter verwunderlich, wenn es schon bald nicht mehr weiter wichtig ist.

Das Gedicht ist wirklich amüsant.^^

LG Ursula

Antwort von neonnichts am 15.10.2020 | 16:14 Uhr
Hallo liebe Ursula,

zwar war ich selber schon seit dem Beginn der Pandemie nicht mehr beim Friseur, aber ich finde die Assoziation damit sehr stimmig. Auch wenn im Gedicht nur die Frisur direkt genannt wird, hab ich beim Schreiben an eine Art Rundumerneuerung gedacht – neuer Style, neueste technische Errungenschaften, alles so neu und trendig wie irgend möglich, weil uns Werbung und/oder Mitmenschen einreden, wir bräuchten das alles, um die bestmögliche Version von uns selbst zu sein. Unter anderem sind Influencer da in meinen Augen ein ganz großes Problem – deren Kanäle dürften reihenweise in den Müll, wenn es nach mir ginge.

Dass all diese Neuerungen nicht fähig sind, innere Leere und Sinnlosigkeit zu füllen, ist wahrscheinlich eine Erfahrung, die jeder für sich selbst machen muss. Neulich hab ich die Berufsbezeichnung »Influencer-Psychologin« gelesen – das spricht vermutlich für sich. :D

Vielen Dank für dein Review und ganz liebe Grüße!
A. C.
13.10.2020 | 12:49 Uhr
Liebe Autorin,

launige Zeilen in harten Zeiten schenken kurze Momente des Vergessens.
Nein, das Neue ist nicht immer besser, nicht immer schöner, Veränderungen lassen oftmals fremdeln...
Ich mag die Assoziationen an einen Friseurbesuch, die die zuvor kommentierenden Damen hatten.
Mir kamen allerdings zunächst die neuesten Bilder und Äußerungen des amerikanischen Präsidenten in den Sinn, der sich für seine „Auferstehung“ von seiner Anhängerschaft feiern ließ.
Ja, die Pandemie verändert meinen Zugang zu Texten und ich bin mir sicher, dass dies zwar neu, aber nichts Gutes ist.

Gern gelesen, vielen Dank und alles Liebe - Mara

Antwort von neonnichts am 15.10.2020 | 16:00 Uhr
Liebe Mara,

oh je, jetzt hab ich fast das Bedürfnis, mich bei dir zu entschuldigen, weil du wegen des Gedichts an Trump denken musstest. Das geht ja beinahe als Körperverletzung durch, es tut mir leid! D:

Tatsächlich ging es mir in diesem Gedicht mehr um Äußerlichkeiten, sei es die neue Frisur, der neue Style, das neue Smartphone/Tablet oder das neue Auto – all diese Dinge, die wir angeblich brauchen, um eine bessere Version von uns selbst zu werden. Die Leere, die viele Menschen empfinden, kann aber nichts davon füllen, und oftmals macht gerade diese Jagd auf das neueste Ding, das uns glücklich machen soll, erst so richtig müde. Ein bisschen so, wie ich die sozialen Medien empfinde; süchtig machende Algorithmen, die kurzfristig diffuse Glücksgefühle generieren, langfristig aber eher für ein Gefühl der Leere sorgen.

Tausend Dank für dein Review und herzliche Grüße!
A. C.
13.10.2020 | 12:06 Uhr
Liebe A.C.!
Da ich inzwischen schon Herbstladys Review gelesen habe, hab ich jetzt ihr Bild selbst im Kopf,
und mir fällt danach nichts anderes mehr ein. Ihre Review war inhaltlich sehr passend.

Ich bin die, die sich nach dem Schneiden nie eine Frisur föhnen lässt, weil es mir auch zu unnatürlich ist. Cut & Go.
Und ich geh nicht an Tagen zum Frisör, wo ich was vorhabe, das ist mir dann zu stressig.
Ich gen nicht gerne zum Frisör, als entspannend empfinde ich das nicht.
Da ich daheim keine solchen Zeitschriften habe oder lesen würde, ist es schon lustig, sie beim Frisör durchzublättern.
Beneiden tu ich niemand von den Promis oder Adeligen.
Liebe Grüße.
R ♪ ♫ ♪♪

Antwort von neonnichts am 15.10.2020 | 15:50 Uhr
Huhu liebe R,

zwar war ich selber schon seit Beginn der Pandemie nicht mehr beim Friseur (und ich bin so eine Kandidatin, die sich zum Lesen ihren eigenen E-Book-Reader mitbringt), aber ich fand herbstladys Interpretation auch sehr passend! :D

Ich hatte beim Schreiben zusätzlich noch so ein Bild einer Rundumerneuerung im Kopf – Frisur, klar, aber auch allgemein neuer Style, neue Luxusgüter (Smartphone, Tablet, Auto etc.); all die Dinge eben, die wir laut der Werbung und so manchem Mitmenschen angeblich brauchen, um eine bessere Version von uns selbst zu werden. Dabei entfernt man sich durch so eine Show eher von sich selbst als umgekehrt, finde ich.

Uh, also ich beneide die Promis und Adeligen schon – um ihr Geld. :D Ansonsten würde ich mit denen auch nicht tauschen wollen und schalte auch immer genervt weg, wenn im Radio oder Fernsehen mal wieder ein Promi eine übergroße Portion Aufmerksamkeit bekommt.

Als noch keine Pandemie war, bin ich immer zusammen mit dem Veilchenvogel zum Friseur gegangen und wir waren zu zweit meistens in circa 45 Minuten fertig. Bisschen nervig, hinzugehen, aber zeitlich schon in Ordnung. :D

Vielen Dank für dein Review und liebste Grüße!
A. C.
13.10.2020 | 08:59 Uhr
Liebe A.C.!

Bei diesem Gedicht war mein Gedanke, dass du beim Friseur warst und dort in den Magazinen „Klatsch & Tratsch“ geblättert hast, wo mit Hochglanzfotos über die Schönen und Reichen dieser Welt berichtet wird. Manche Frauen fühlen sie da mittendrin in der High-Society und Sternchen-Welt. Erleben als Teil der Promiwelt Glitzer und Glamour. Wenn sie dann nachhause kommen werden sie schnell mit der Realität konfrontiert. Und manche waschen nochmals die Haare weil die Frisur ihnen doch nicht gefällt.

Schöne Grüße
herbstlady

Antwort von neonnichts am 15.10.2020 | 15:39 Uhr
Hallo liebe herbstlady,

zwar war ich selber schon seit Beginn der Pandemie nicht mehr beim Friseur (und ich bin so eine Kandidatin, die sich zum Lesen ihren eigenen E-Book-Reader mitbringt), aber die Interpretation finde ich toll! :D

Tatsächlich habe ich so in diese Richtung gedacht – ergänzt noch durch allgemeines Sich-Einreden, wenn man nur dies und das und das auch noch an sich verändert, könne man ein neuer Mensch werden. Neue Frisur, allgemein neuer Style, diese Creme, neues Smartphone, neues Auto – und oftmals ist das alles nur ein Versuch, zu übertünchen, wie leer man eigentlich ist. Da kann kein Accessoire helfen. Schlimmer noch, wenn man sich diese Neuerungen von anderen aufzwingen lässt, um »mal was aus sich zu machen.«

Lieben Dank für dein Review und herzliche Grüße!
A. C.
 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast