Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 
Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
23.08.2020 | 11:01 Uhr
Hallo Thomas,

ja, so fühlt sich jeder dann und wann. Doch sollte es nicht zur Grundlage allen Lebens sein. Oh ja, wir machen Fehler und laden Schuld auf uns, doch gibt es auch die Dinge, die wir gut machen und Spuren die wir dann hinterlassen sind von der guten Sorte.

Wer meint es allen, jederzeit in Allem Recht und Gut zu tun, der wird verzweifeln. Doch wenn wir die Blicke auf das Ganze werfen, werden wir sehen nicht alles war schlecht. Und gerade diese Augenblicke, die Menschen denen wir ein Freund waren, die werden uns aufrecht stehen lassen in dieser letzten Stunde.

Lieben Gruß

ender

Antwort von Thomas Heinrich am 23.08.2020 | 14:40 Uhr
Hallo Martin,

auch für dieses Review danke ich Dir!

Dies ist fraglos ein sehr melancholisches Gedicht - wobei ich glaube, daß gerade meine besten Gedichte sehr oft melancholisch sind! Aber im Moment durchlebe ich gerade auch eine Phase, die sowohl von Schuldgefühlen als auch Zukunftsängsten geprägt ist, und das wirkt sich dann eben auch auf meine Werke aus.

Fraglos richtig ist, daß man nicht immer richtig handeln kann; trotzdem stellt sich dann irgendwann mal die Frage, ob die Bilanz zwischen dem, was man richtig und was man falsch gemacht hat, einigermaßen ausgeglichen ist (und da habe ich so meine Zweifel, zumindest, wenn es um mich geht).

Liebe Grüße,
Thomas
15.08.2020 | 00:47 Uhr
Hallo werter Thomas,

Ich habe mich ja bereits ein Weilchen nicht mehr mit einen Review bei dir gemeldet - und dies obwohl du in letzter Zeit einmal wieder in lyrischer Hinsicht ziemlich produktiv warst!
Naja, aber ehrlichgesagt war das Lesen dieser Texte auch nicht gerade leicht... Deine neusten Gedichte haben durchaus etwas (in verschiedenen Ausprägungen wie auch Formen) Düsteres. Da ist auch dieses ziemlich melancholische Gedicht keineswegs eine Ausnahme.

Wie dem auch sei. Themen wie der Tod, das Alter, Lebensmüdigkeit wie auch die Zeit mit so einigen anderen ihrer Begleiterscheinungen wie z.B das Ansammeln von Ballast in Form von schlimmen Erlebnissen und im Nachhinein als falsch empfundenen Entscheidungen, hast du allesamt hier einfließen lassen. Auch der Umstand, dass sich die Zeit und die vom Leben überreichten Dinge während der Kindheit noch weitaus positiver wie auch hoffnungsvoller als in den späteren, zunehmend von den Schattenseiten des Lebens gezeichneten Jahren zeigen, hast du auf recht interessante Weise Erwähnung in deinem Gedicht haben lassen.
Ich lese hier viel Schmerz und Trauer, viel Frust gegenüber dem Leben, extrem viel Hoffnungslosigkeit... und ehrlichgesagt kann ich das sehr gut nachvollziehen. Denn auch ich spüre die Stunden kriechend wie auch energiezehrend verstreichen, während zugleich in unmöglicher Geschwindigkeit die Stunden zu verlorenen Jahren eines Lebens werden, welches einst viel versprach und jetzt immer mehr ein verzweifelter wie auch anstrengender hoffnungsfreier Kampf wird, den man gut mit einen mühsamen Bergaufstieg vergleichen kann, bei dem man mit jeden Schritt mehr Gewicht aufgeladen bekommt und immer mehr auf seiner Reise verzweifelt... bis man dann zusammenbricht und schlussendlich stirbt.
Entschuldige falls dieses Review einen all zu melancholischen Ton anschlägt, aber meine Wahrnehmung gleicht einfach der deinen leider viel zu oft wie ich finde. :(

Den paradoxen Aspekt, dass die Lebenszeit rasend schnell verfliegt obwohl sie sich zugleich kriechend zieht, hättest du eventuell einbauen können. Dies nur so als Idee, welche keineswegs eine direkte Kritik darstellt, da du immerhin hier ziemlich dein Herz ausschüttest und ich definitiv nicht das Recht habe all zu kritisch auf etwas zu pochen, dass du eventuell selber nicht als wahr wahrnimmst.

Was zum Schluss noch den Stil und die Form deines englischen Sonetts betrifft, sagte ich einfach, dass es - wie bei dir eigentlich immer im Voraus zu erwarten - angenehm fließend und schön zu lesen war. Auch die Wortwahl wie auch die speziellen, kreativen Metaphern möchte ich an dieser Stelle kurz noch positiv hervorheben.

Ich hoffe einmal dass deine düstere, deutlich aus diesem Gedicht herauszulesende Stimmung sich zumindest ein kleines Bisschen aufgehellt hat... und das du nebenbei die Hitzewelle derzeit gut überstehst. :)

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 15.08.2020 | 14:11 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

wie schön, mal wieder ein Review von Dir zu lesen (ich wollte mich schon beschweren...)!

Es stimmt schon, daß meine letzten Gedichte nicht die fröhlichsten sind - was eben auch damit zu tun hat, daß meine Gedanken zuletzt viel mit dem Alter und dessen Schattenseiten, trüben Zukunftsaussichten (und letztlich auch dem Tod) zu tun hatten; wohl eine natürliche Folge der Ereignisse, die mein Leben zuletzt geprägt haben. Zugleich hat mich aber die Lektüre der (natürlich viel besseren) Shakespeare-Sonette auch dazu gebracht, mich mal wieder mit der von mir so geliebten Sonettform zu befassen (eine Ausnahme stellte natürlich das Gedicht zum Atombombenabwurf dar, dazu kann man kein Sonett schreiben).

Auch in diesem Gedicht geht es in erster Linie ums Altern, und wie da die Stunden dann kriechen können, habe ich ja nun selbst ausgiebig beobachten können, während eben zugleich von der Zukunft, die für Jugendliche noch verheißungsvoll sein mag, immer weniger zu erwarten ist. Schön übrigens, daß Du die Metaphern erwähnst, denn von denen lebt dieses Gedicht ja in erster Linie!

Ansonsten sieht meine Gegenwart momentan so trübe nicht aus, so lange ich nicht an die Zukunft denke. Nur daß es etwas kühler sein könnte...

Liebe Grüße,
Thomas
04.08.2020 | 08:42 Uhr
Hallo Thomas Heinrich!

Das Gedicht wirkt auf mich traurig und ein bisschen hoffnungslos. Ich dachte dabei an die derzeitige Situation bedingt durch das Virus, die Folgen und Maßnahmen.
Es sind einerseits hektische Zeiten und trotzdem fühlen sich die Tage merkwürdig zäh und auch ein bisschen mühsam an. Eine merkwürdige Stimmung herrscht. In der Großstadt mag das vielleicht anders sein, aber das Leben hat sich verändert und es gibt jetzt auch Abende „die wie müde Echsen schleichen“.

Ich hoffe es geht dir, den Umständen entsprechend, gut.

Liebe Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 04.08.2020 | 11:58 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review, das übrigens mit der Corona-Pandemie nicht das geringste zu tun hat.

Vielmehr ist es so, daß ich in der jüngeren Vergangenheit (mehr als ein Jahr) reichlich Gelegenheit hatte, über das Alter und zuletzt auch über den Tod nachzudenken, und dabei kann man recht schnell etwas trübsinnig werden. Zudem kommen eben noch unangenehme Fragen hinzu, die das Gewissen mir momentan öfters mal stellt, aber da sich jetzt ohnehin nichts mehr ändern läßt, bringen diese Grübeleien auch nicht wirklich etwas.

Von diesen etwas belastenden Gefühlen abgesehen geht es mir momentan gar nicht so schlecht.

Liebe Grüße,
Thomas
03.08.2020 | 21:12 Uhr
Hallo Thomas,

Hier lasse ich mich lieber zum Formellen, als zum Inhalt aus. Nein, so ist es natürlich auch wieder nicht!

Du vergleichst das Leben mit einer schleichenden Prozession der Zeit (der Vergleich mit müden Echsen passt dann gut, wenn Dein lyrisches Ich sich selbst müde und erschöpft, beinahe erstarrt fühlt).
Ich kann die erste Strophe nicht gut nachvollziehen, da für mich das Leben schnell, ja zu schnell vorbeizieht.
In der zweiten Strophe schwindet alles, was das Sein ausmacht: Das Blühen, die Hoffnung und die Kraft, wobei die beiden ersten Strophen durch das "schröpfen" sehr schön und interessant verbunden sind.
Die dritte Strophe bringt dann auch noch eine Schuld - sogar eine wachsende, also durch das Leben verursachte Schuld - des lyrischen Ich ins Spiel, mit der das Gewissen nicht fertig wird und unaufhörlichhadert.

Mit dieser unheimlich schweren Belastung ist das Leben natürlich eine riesige, zu Boden drückende, erdrückend Last, so dass die Zeit dementsprechend quälend langsam verstreichen muss - wie Du in der Konklusion feststellst.

Nun können ja auch traurige Gedichte schön sein, aber ich glaube, noch nie ein
so hoffnungsloses Gedicht gelesen, das dennoch exzellent geschrieben ist - formell und inhaltlich.

Das zu lesen hätte mich auch gar nicht weiter betroffen gemacht - hätte ich nicht stets darüber nachgedacht, ob Du hier Deine eigenen Gedanken beschreibst oder nicht. Nachdem Du in der Vergangenheit eine Erkrankung erwähntest, kam ich eben zuletzt doch zum Schluss, dass Du damit Deine eigenen Gedanken skizzierst - obwohl ich dann total überrascht bin, wie es Dir gelingen kann, in einer solchen Phase noch so gut zu schreiben.
Dann wünsche ich Dir natürlich von Herzen, dass Du diesem Kreislauf aus Hoffnungslosigkeit, Schwäche und Schuldgefühlen möglichst bald entkommen kannst und spätestens in Deiner Lieblingsjahreszeit Herbst das Leben wieder zu schätzen weißt!

Liebe Grüße mit guten Wünschen
Norbert

Antwort von Thomas Heinrich am 04.08.2020 | 11:52 Uhr
Hallo Norbert,

erst einmal vielen Dank für Dein Review!

Ich selbst, um dies erst einmal vorwegzunehmen, bin mit diesem Gedicht recht zufrieden, vor allem, da ich nach meiner Einschäzung einige recht gut passende Metaphern gefunden habe, die nicht schon 10.000mal verwendet worden sind. Inhaltlich knüpft dieses Sonett eigentlich nahtlos an meine beiden vorangegangenen an: das vorige handelte vom Werden und Vergehen, hier geht es nahezu ausschließlich ums Vergehen, und die dritte Strophe greift dann wieder das Thema von Schuld (die aus Egoismus hervorgeht) auf, wodurch es auch eine Verbindung zum entsprechenden "Bekenntnis" gibt. Und Schuld wächst natürlich ganz unweigerlich mit der Lebenszeit immer weiter an, da wir immer wieder von Neuem falsche Entscheidungen treffen, andere Menschen verletzen (manchmal unabsichtlich, oft auch absichtlich) und dergleichen mehr. Um all dies zu vermeiden, müßte man schon ein höheres Wesen sein!

So schlecht, wie Du vielleicht befürchtest, geht es mir gegenwärtig nicht, hier kommt eher meine allgemeine Weltsicht zum Vorschein, die ja nun mal unausweichlich melancholisch ist. Im vorigen Jahr ging es mir über weite Strecken jedenfalls viel schlechter, nur daß mein Gewissen mich regelmäßig mit der Frage ärgert, ob ich bestimmte Dinge nicht anders hätte machen können (hätte ich schon, aber das wäre für mich selbst sehr schlecht gewesen), und daher plagen mich jetzt eben auch von Zeit zu Zeit Schuldgefühle, mit denen ich nun wohl leben muß. Ich weiß aber auch, daß man damit durchaus leben kann...

Liebe Grüße auch von mir,
Thomas
03.08.2020 | 16:45 Uhr
Lieber Thomas,

das klingt ja gruselig, trotz der - wie immer - perfekten künstlerischen Form.
Ich möchte es aber nicht unbedingt bestätigen. Denn erstens: Die Stunden kriechen nicht, sie rennen; je älter ich werde, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen, und man muss sich schon anstrengen, wenn man ab und zu noch was Sinnvolles damit anfangen will.
Zweitens: Es stimmt schon, dass man selbst irgendwann anfängt, zu kriechen. Aber man kann auch wieder aufstehen, und so lange es geht, soll man das auch tun.

Und fang bloß nicht vom Alter an, sonst verrate ich dir meines. Laut deinem Profil bist du nach meiner Ansicht noch recht jung.

In einer Hinsicht hast du recht: es sammelt sich eine Menge Falsches an, das man in seinem Leben getan hat. Aber auch das gehört zum Menschen - dass er Fehler macht.

Ich hoffe, demnächst wieder etwas gemäßigt Optimistisches von dir zu lesen ...

Antwort von Thomas Heinrich am 03.08.2020 | 17:17 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Dein Review!

Also manchmal kriechen die Stunden schon ganz fürchterlich - an Tagen, an denen man darauf wartet, daß es endlich Abend wird, damit man zu Bett gehen kann, etwa. Und das Aufstehen wird eben auch jedesmal etwas schwieriger. Ich selbst bin zwar noch nicht so weit, aber ich habe schon Leute gesehen, die noch nicht mal mehr richtig kriechen konnten.

Und was all das Schlechte betrifft, das man getan hat oder noch tun wird: da verlängert sich die Liste leider unaufhörlich...

Liebe Grüße,
Thomas
03.08.2020 | 15:14 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Solche Worte kenne ich von dir eigentlich kaum.
Deine Zeilen deprimieren mich gerade noch mehr,
erwischen sie mich in einer Phase, wo es mir gerade nicht gut geht, körperlich und seelisch.
Trotzdem kriegst du natürlich den wohlverdienten Stern.

Es ist wohl ein Sonett, wenn ich das richtig erkannt habe.
Bei dir weiß ich, dass es immer lupenrein sein wird.
Aber du weißt ja, ich lese Gedichte immer nur mit dem Herzen und dem Bauch,
und ich achte eher darauf, wie sie mich fühlen lassen.

Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben,
sondern den Jahren mehr Leben zu geben.
Seneca sagte: Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Pass auf dich auf!
Es klingt gar nicht danach, als ob es dir gut ginge.
Diese Zeiten sind nicht einfach und sie machen was mit uns allen.
Ich wünsche dir, dass du wieder Lebensmut und Freude irgendwann empfindest.
R ⋈

Antwort von Thomas Heinrich am 03.08.2020 | 16:00 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Dieses Gedicht ist in der Tat ein Sonett (in der englischen Form, es gibt auch noch die italienische Form, die hat ein anderes Reimschema), und es handelt vom Altern, aber auch von persönlicher Schuld, und beide Dinge nehmen zur Zeit in meinem Denken einen recht großen Raum ein, wobei das eine mit dem anderen recht eng zusammenhängt. Darum dieses Gedicht, das ansonsten für sich selbst sprechen soll.

Daran, dem Leben mehr Jahre zu geben, bin ich übrigens gar nicht interessiert; ich fürchte vielmehr kaum etwas mehr, als daß es zu viele Jahre sein könnten. Wie schlimm gerade die späten Jahre sein können, habe ich in der jüngeren Vergangenheit ausgiebig miterleben müssen, und dies wirkt immer noch nach, während dieses Gedicht mit der Pandemie rein gar nichts zu tun hat.

Liebe Grüße,
Thomas
 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast