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Cornaille (anonymer Benutzer)
04.08.2020 | 19:54 Uhr
Huhu,

danke für diesen Text, der im Grunde auch meine Gedanken zusammenfasst.

Ich weiss nicht, ob jeder Mensch so denkt, ob jeder in dieses Grundeinkommen so viele philosophische Gedanken hineingibt. Nein, ganz sicher nicht jeder. Aber einige schon. Wer einmal HIV-Empfänger war, weiss, wie erniedrigend das ist und wie sehr der Staat gerade hier drauf und dran ist, die Existenz eines Menschen zu brechen, ihn herabzuwürdigen, klein zu machen. Einige mögen das nicht so empfinden, andere wieder haben sich damit abgefunden. Dieses Gefühl des Nichts-Wertsein - grausam, kann sogar die Jobsuche beeinflussen, knabbert am Selbstwertgefühl. Insofern kann das Grundeinkommen wirklich helfen, Menschen wieder "aufrecht" gehen zu lassen. Sie wissen, dass sie etwas haben, dass sie erst einmal nicht leiden müssen. Finanziell ist für sie gesorgt. Doch ist der Wert eines Menschen tatsächlich am Geld zu bemessen?

Aber das, was du über die Bildung schreibst - das sollte nicht nur Ideal, sondern die Möglichkeit eines jeden sein. Gerade wer jung ist und nicht schnurstracks geradeaus denkt, wer sich umtun will, bedarf dieses Geldes, um sich allseits bilden zu können. Ich hätte da auch noch viel mehr zu meiner Zeit tun können - war schliesslich in der Philosophie unterwegs und in der Altorientalistik. Ich erhielt BAföG, stand ständig unter Druck. Aber damals, als ich studierte, gabs noch nicht diesen strikten Studienverlaufsplan, da konnte man sich noch umschauen, ausserhalb des eigenen Fachs. Und ein oller Prof. sagte meiner Freundin mal: "Studieren Sie so lang, wie sie können ..." Universität heisst nicht umsonst Universität. Man lernt sich in diesen Hallen selber besser kennen und wenn man hinausgeht, dann mit sehenden Augen.

Reisen, ja auch die. Sie sind ein hohes Gut.

Umweltschutz - das ist eine ziemliche Gedankenkette: das Grundeinkommen, vom Staat ausgezahlt, kann dafür sorgen, dass der Einzelne umweltbewusster lebt? Hmmm, möglich ...

Aber weisst du, obwohl ich all deine Gedanken nachvollziehen kann - deine Argumentation kommt von intellektueller Seite her. Ob dieses GE wirklich das Mittel ist, um diese Welt zu verbessern - ich hege da meine Zweifel. Für die einen wird es sicher eine Hilfe sein, anderen wird es als Hängematte dienen. Und von diesen Händematten-Leuten kenne ich so einige.

Allerdings drängt sich doch auch die Frage auf, ob wir nicht anders zu denken versuchen sollten. Wir sind im Grunde alle auf Effizienz und Profit getrimmt. Ein Menschenleben wird nach seiner Leistung beurteilt und nicht nach dem, was es ist, ein Menschenleben. Dass unsere Würde unantastbar sei, da wir alle Menschen sind, steht zwar so in unserer Verfassung, aber das System, in dem wir leben, sagt eben anderes. Und dies dominiert, so meine ich, ob bewusst oder unbewusst, doch unser Denken. Wenn wir davon abkommen könnten, dass der Mensch nur als Mensch betrachtet wird, so lang er etwas für die Gesellschaft Nützliches tut und das Nützliches nicht schon beim Menschsein beginnt - oder anders: der Mensch muss nicht nutzen, er hat zu leben ... Also, wenn wir uns von diesem Effizienz-Denken befreien könnten, wäre das schon ein grosser Erfolg. Ich persönlich tue mich damit jedoch schwer, ganz ehrlich.

Also, das GE ist für mich bisher eher eine Frage, wie wir den Menschen - und mithin uns selbst - nun nehmen wollen.

In diesem Sinne - und da mir gerade die Finger sehr kalt sind - beende ich mein "Statement" an dieser Stelle.

Dein Text ist gut, regt zum Nach-Denken an. Danke dafür.

LG
Cornaille

Antwort von Gwendolyn Godwin am 04.08.2020 | 20:37 Uhr
Hi Cornaille,

vielen Dank für deinen langen Kommentar und deine differenzierte Meinung. Ich finds super, wenn man aus der eigenen kleinen Blase rausgeholt wird.

Also- ich denke mal in Ruhe über dein Feedback nach!

Liebe Grüße, Gwen
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