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Autor: neonnichts
Reviews 1 bis 4 (von 4 insgesamt):
29.07.2020 | 10:08 Uhr
Hallo,

ich bin gerade über dein Gedicht gestolpert und kann dir mitteilen, dass du meine vollste Zustimmung hast. Es ist genau diese von dir thematisierte Oberflächlichkeit in der Politik, wie auch in der Bevölkerung, die mich einerseits unheimlich aufregt und andererseits mit einem hilflosen Gefühl des Unmuts zurücklässt. Über kaum ein Thema - wenn nicht sogar über gar kein Thema - wird langfristig nachgedacht. Stattdessen wird jeden Monat, mit unkritischer Unterstützung von Seiten der Medien und Social-Media-Influenzern, die eigentlich nicht wirklich Ahnung von der Sache haben und diese vielmehr für ihre eigene Selbstdarstellung ausnutzen "eine neue Sau durchs Dorf getrieben." Auch wenn es sich dabei um wichtige Themen, wie z.B. den Klimaschutz, die Flüchtlingskrise oder aktuell die Rassismus-Debatte, handelt, währt das aufrichtige Interesse in Politik und Gesellschaft dafür nur kurz. Über Wochen hinweg gibt es dann kein anderes Thema mehr in den Medien, fieberhaft wird oft unausgewogen darüber diskutiert, ohne dass gute Ergebnisse dabei herauskommen, da die Diskussionen überwiegend zum Zweck der Selbstprofilierung angesehen werden und nicht als Baustein, um auf Grundlage eines vernünftigen Konsens eine nachhaltige Lösung zu erarbeiten und diese auch umzusetzen.

Oder, um es kurz zu sagen: Geredet wird viel, die Bereitschaft, dem ganzen Taten folgen zu lassen, wofür es tatsächlich notwendig wäre die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken, hält sich in den Grenzen. Flaut das Interesse an einem dieser Themen ab, ist eh das nächste an der Reihe, alles, was davor als wichtig erschien, gerät ins Hintertreffen.
Dies alles gilt m.E. nicht nur für unsere Politiker, die sich in den abendlichen Talkshows gerne selbst reden hören, sich aber oft erschreckend wenig mit den wissenschaftlichen Hintergründen der jeweiligen Thematik auskennen, sondern auch für große Teile der allgemeinen Gesellschaft. Viel zu viele Personen in Deutschland zeigen ein absolutes Desinteresse, gepaart mit Unkenntnis an Politik und politischen Fragestellungen, dennoch hat jeder eine Meinung. Und dennoch wird ständig gejammert und genörgelt, aktiv dagegen ansteuern und die Initiative ergreifen tun dann doch nur die Wenigsten. Zugegeben, es ist auch sehr schwer, etwas zu verändern und sich ein Gewicht innerhalb einer Debatte aufzubauen, aber das ist ein anderes Thema...

Ein weiterer Punkt, den du in deinem Gedicht ansprichst, ist dieser zunehmender Egoismus in unserer Gesellschaft. Jeder schaut nur noch auf seine eigenen Interessen, was an sich nicht mal verkehrt ist, allerdings ohne andere zu berücksichtigen. Desweiteren scheint man stets unzufrieden mit allem sein zu müssen und neigt gerade in Deutschland zu Übertreibungen. Bsp. Corona-Krise: trotz mehrfachen Hinweisen, dass ein massiges Anlegen von Vorräten nicht nötig ist, wurde gehamstert was das Zeug hält. Es war natürlich nicht möglich, ein bisschen mehr zu kaufen als üblich, nein, ganze Regalfächer wurden ausgeräumt. Aktuell die Meldung, dass viele Kliniken in Deutschland Kurzarbeit angemeldet haben und schon beschweren sich in den Kommentaren Menschen darüber, wie das denn sein könne, dass das doch ein eindeutiger Hinweis darauf sei, dass es keine Krise gäbe und alle bis dahin getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise absolut unnötig gewesen seien. Man stelle sich vor, es wären keinerlei Maßnahmen getroffen worden und die Kliniken vollkommen überfordert und überbelegt. Anstatt froh darüber zu sein, dass wir keine Zustände wie in den USA, Brasilien oder Italien haben bzw. gehabt haben und die Kliniken große Kapazitäten aufbauen konnten, um im Falle einer zweiten Welle gut vorbereitet zu sein, regt man sich auf. Es ist dieses Jahr einmal nicht möglich, in den Sommerurlaub ins Ausland zu fahren? Katastrophe! Die Welt geht unter... Diese Beispiele waren jetzt alle coronabezogen, aber es sind eben gerade die aktuellsten Meinungen, die ich so aufschnappe und die mich regelmäßig zum Kopfschütteln bringen.

Da das Review jetzt schon viel länger ist, als geplant, halte ich an dieser Stelle damit ein und wünsche dir einen schönen Sommertag.

LG RoxanaQuerini

Antwort von neonnichts am 01.08.2020 | 15:36 Uhr
Liebe RoxanaQuerini,

also – wow! Das ist das längste, detaillierteste Review, das ich jemals zu einem Gedicht bekommen habe. Vielen Dank für deine Zeit und deine Mühe!

Das Gefühl, das du beschreibst – sich einerseits unheimlich aufzuregen, andererseits aber auch hilflosen Unmut zu empfinden –, kenne ich sehr gut. Manchmal wechseln meine Empfindungen da mittlerweile mehrmals täglich oder gar stündlich. Fassungslosigkeit, Zorn, dann aber auch wieder dumpfe Resignation.

»[…] da die Diskussionen überwiegend zum Zweck der Selbstprofilierung angesehen werden und nicht als Baustein, um auf Grundlage eines vernünftigen Konsens eine nachhaltige Lösung zu erarbeiten und diese auch umzusetzen.«

Ganz genau so sehe ich das auch. Ob hochrangiger Politiker, Social-Media-Star oder ein Hobbyautor, der auf Twitter seine Ansichten in die Welt hinausposaunt – es wird immer durchschaubarer, wie wenig die Betroffenen meist hinter ihren aufgebauschten Aussagen stehen und wie wenig sie sich eigentlich damit auseinandergesetzt haben, denn sobald sich Volk und Follower einem anderen Thema zuwenden, ändern auch sie wieder ihre Strategie.

Auch allem anderen, was du geschrieben hast, stimme ich vollkommen zu, ganz besonders auch bei den Corona-Beispielen. Da verzweifle ich allmählich, wenn ich die kruden Aussagen mancher Menschen höre. Was um alles in der Welt ist an Maske, Abstand und Hygiene denn so unzumutbar? Wir haben hier im Land eigentlich alle Bonbons in der Hand, aber weil diverse Vollzeitindividualisten keinen Funken Verstand und Empathie in sich zu tragen scheinen, wird diese privilegierte Situation gerade verspielt.

Ich danke dir wirklich sehr; es war total bereichernd, dein Review lesen zu dürfen!

Ganz liebe Grüße
A. C.
03.07.2020 | 17:08 Uhr
Hey,
ich glaube ich kann dein Gefühl nachvollziehen. Ich habe auch lange die selbe Wut über die große Ungerechtigkeit in der Welt gehabt und kann dein Gefühl und deinen Text daher verstehen. Ich persönlich sehe die Dinge jetzt allerdings etwas anders. Ich habe mich von Politik und so weiter etwas distanziert weil ich um ehrlich zu sein den ganzen Haufen ziemlich heuchlerisch finde... Ich beobachte das allgemeine Geschehen in den Medien etwas und kann dir nur zustimmen was leere Slogans auf Twitter und heuchlerische Gesten angeht. Das ist einer der Gründe, warum ich mich etwas aus dieser Welt voller aggressiver Meinungen zurückgezogen habe. Ich sehe so viele große Gesten, dabei trägt all das nichts zur eigentlichen Situation bei. Wem nützt denn das knien und schwarze Bilder auf Social Media posten? Ich persönlich lebe meine Werte und Grundsätze weiterhin im Umgang mit meinem Umfeld und behandel jeden gleich aber ich halte mich mittlerweile von großen Kampagnen und dergleichen fern.
Danke für den Denkanstoß auf jeden Fall!

Antwort von neonnichts am 05.07.2020 | 18:47 Uhr
Hallo und vielen Dank auch an dieser Stelle! :)

Ich finde, du hast es genau richtig gemacht. Im eigenen Umfeld auf Fairness und Gleichberechtigung schauen, auch ruhig mal mit sich selber kritisch umgehen, aber dem Aktivismus im großen Stil fernbleiben, weil da eben auch ganz viel Selbstdarstellung und mitunter sogar Aggression gegen komplett Unbeteiligte mit im Spiel sind – das ist in meinen Augen ein guter Weg. :)

Alles Liebe
A. C.
22.06.2020 | 07:54 Uhr
Liebe A.C.

Traurig, es ist jedoch so. Aber auch Frauen werden gerade unsichtbarer in der Arbeitswelt, denn Home-Office führte dazu, dass Frauen mehr Haushalt, Pflege und Kinderbetreuung übernehmen mussten. Allgemein wird es so sein, dass vielen Menschen nicht nur der Verlust ihres Arbeitsplatzes sondern ein sozialer Abstieg droht.

Aber es ist wohl nicht möglich im Vorfeld alles zu bedenken. Morgen sind wir schlauer als heute.

Herzliche Grüße
herbstlady

Antwort von neonnichts am 22.06.2020 | 11:34 Uhr
Liebe herbstlady,

natürlich könnte man noch unzählige andere Missstände aufzählen, aber in diesem Gedicht wollte ich mich auf jene beschränken, die ernstlich existenzbedrohende oder gar lebensgefährliche Auswirkungen haben. Letzten Endes richtet sich das Gedicht gegen Heuchelei und Doppelmoral. Bei schicken sozialen Themen, die online viele Likes und Aufmerksamkeit bringen, gibt es in den sozialen Medien viel Beteiligung – auch und vor allem von Menschen, denen das Elend anderer sonst gleichgültig ist und die weniger prestigeträchtige Themen nicht unterstützen.

Danke für dein Review und liebe Grüße
A. C.
21.06.2020 | 15:32 Uhr
Liebe A.C.!
Ja, ja und noch einmal ja. Da kann ich dir nur zustimmen
und deinem Gedicht einen Stern anheften.
Drück dich.
R ⌘

Antwort von neonnichts am 22.06.2020 | 11:10 Uhr
Dankeschön, du Liebe! ♡

Viele herzliche Grüße
A. C.
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