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Autor: iitsvicy
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
13.06.2020 | 21:40 Uhr
Hallöchen!

Hoffentlich erschrecke ich dich nicht mit meinem langen Text, doch ich wollte einfach alles ansprechen, was mir beim Lesen der ersten fünf Kapitel auffiel. Das war gar nicht mal wenig und bei den meisten Aspekten hoffe ich, dir vielleicht auch noch ganz passable Tipps geben zu können, um all das, was jetzt vielleicht noch nicht ganz perfekt ist, immer besser machen zu können.

Die Grundidee oder zumindest das, was ich aus deiner Kurzbeschreibung habe herauslesen können, klingt gar nicht mal so übel. Zwar decken sich viele Aspekte dort mit den üblichen Fanfictions, allerdings sorgte der Abschnitt „Dinge, die noch nicht passiert waren“ dafür, dass ich deine Geschichte anklickte. Denn in dieser Art und Weise habe ich noch nichts hier gefunden, wenn ich mich recht entsinne, und ich denke, dass man daraus erstaunlich viel herausholen kann. Nicht zu vergessen die Gründe, die hinter Lias Aufenthalt auf der Lichtung noch alles stecken können. Der Boden der Fanfiction steht also und ist gar nicht mal schlecht.

Das Lesen deiner Geschichte gestaltet sich jedoch ab und an als ziemlich schwierig, auch wenn viele Fehler automatisch von einem korrigiert werden. Allerdings hast du ziemlich viele Wortverdreher wie „schrieben“ statt „schreiben“ oder „Ably“ statt „Alby“, bei denen die Bedeutung zwar klar ist, die jedoch einem flüssigen Lesen im Weg stehen. Hinzu kommen viele Kommafehler, da diese meistens fehlen und sich deine Geschichte stockend und holpernd lesen lässt. Außerdem fehlen Buchstaben, die Leerzeichen vor den Gänsefüßchen sind ebenfalls verloren gegangen und besonders die Wortwiederholungen stören den Lesefluss ziemlich stark. Alles in allem ist es schwierig, deinen Text zu lesen und ihm zu folgen. Hier wäre es deutlich hilfreich, den Text vor dem Hochladen noch einmal langsam und bestenfalls laut vorzulesen oder einem anderen zu zeigen, damit dieser dann die Fehler ausmerzen kann. Als Autor ist man bekanntermaßen betriebsblind und übersieht sowas schnell, doch dann haben die Leser leider das Vergnügen, sich damit herumplagen zu müssen.

Doch wenn wir nun diese Fehler, wie auch ein falscher Satzbau oder dein Wechsel der Zeitformen, beiseiteschieben, fallen noch weitere Tatsachen auf. Dein Text basiert hauptsächlich aus kurzen Hauptsätzen, die aneinandergereiht wurden und möglichst schnell ein bestimmtes Ereignis abhandeln – logisch, schließlich möchte der Autor nicht auf den ersten Szenen sinnlos lange herumeiern und liebend gern zu den romantischen Szenen kommen. Sind die Sätze dadurch prägnant und knackig? - Ja. Kommt dadurch ein schöner Lesefluss auf und es freut einen, die Geschichte zu lesen? - Eher weniger.

Du legst den Fokus meines Erachtens ganz klar auf deine Lieblingsszenen. Als Autor weißt du, was als nächstes geschehen wird und welche Szenen davon besonders schön sind, sodass du diese gerne in ihrer ganzen Ausführlichkeit präsentieren willst. Das Mittagessen dazwischen, die Gespräche mit anderen, das Verschwinden der Angst sind zwar alles Ereignisse, die vorhanden sein müssen, aber du hältst dich damit kaum auf. Zu wenig, würde ich sogar meinen. Es ist, trocken gesagt, eher ein loses Aneinanderreihen von Zuständen und Lieblingsszenen, zwischendurch gespickt von Notwendigem. Es geht mehr darum „was“ geschieht und nicht „wie“ es das tut.

Und diese Tatsache führe ich jetzt noch einmal klarer auf. Ganz am Anfang kommt dieser Satz in deiner Geschichte vor und leitet die ganze Handlung, die sich in der Box während des Hochfahrens abspielt, ein: „Ich hatte Angst und schrie nach Hilfe.“ Der Leser weiß nun, was geschieht, nämlich, dass Lia angsterfüllt schreit. Allerdings ist das bloß ein Zustand und löst im Leser selbst nichts aus, er ist bloß irgendein Leser, der irgendeine Geschichte liest in der irgendein Mädchen schreit. In ihm kommen keine Gefühle auf. Wenn du willst, dass eine bessere Identifikation möglich ist, musst du das „wie“ einbringen und jeden deiner Sinne nutzen. Schreibe nicht, dass sie sich fürchtet, beschreibe es! Schlottern ihre Knie und drohen nachzugeben, während sie die Augen zusammenkneifen muss und die Fäuste ballt, bis ihre Knöchel weiß hervorstechen? Liegt dort etwas Schweres in ihrer Kehle, dass sie partout nicht herunterschlucken kann und es wird immer schwerer und schwerer, bleiern schwer, bis sie fürchtet, daran zu ersticken?

Vielleicht sind nicht alle Szenen wichtig. Vielleicht hat man Lieblingsszenen und möchte am Liebsten ganz schnell zu ihnen kommen. Aber es nützt keinem, alle anderen Szenen in zwei Sätzen abzuhaken. Das Problem, das dadurch entstehen kann, ist unter anderem keine emotionale Entwicklung – bei Lia ebenfalls. Am Anfang ist sie furchterfüllt, ängstlich, kauert sich zusammen und alles ist fremd. Bereits drei Kapitel später möchte sie Läuferin werden und sich waghalsig und aufopferungsvoll in einen möglichen Tod stürzen für Jungen, die sie kaum kennt. Mir fehlt ein wenig die Entwicklung. Natürlich kann dazwischen ein großer Zeitraum liegen – aber was sorgte dafür, dass sich Lia derartig entwickelte? Deswegen möchte man lesen, um zusammen mit dem Protagonisten die Ängste zu überwinden.

Wenn Newt nicht das Objekt ihres Begehrens wird, bin ich überrascht. Ansonsten wäre die Liebesbeziehung ziemlich vorhersehbar und prompt, was dafür sorgt, dass beim Leser selbst kaum Gefühle auftauchen. Man möchte sich zusammen mit dem Protagonisten verlieben, gleichzeitig! Aber das funktioniert nicht, wenn die beiden bereits beim fünften Kapitel hochrote Köpfe haben und permanent umeinander besorgt sind. Und das ist schade, denn eigentlich könnte man aus dem ganzen Liebeszauber in einem Labyrinth so viel machen. Auch hier sind wir wieder bei dem bekannten „Es geht zu schnell“, ich meine, da kommt man als namenloser, angstzerfressener Waschlappen aus der Box bei fremden Halbstarken, sieht einen gutaussehenden Jungen und viele Probleme werden verdrängt. Kritisch. Zwar neigen Menschen dazu, sich in Bedrängnis und unter Todesangst deutlich schneller zu verlieben, aber das hier bricht beinahe meinen imaginären Rekord.

Nach der Fluchtszene im Wald, die ziemlich stark an dem Film orientiert ist, war ich mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Die Szene an sich möchte ich nicht kritisieren, denn wie stark man sich an Buch und Film orientiert bleibt schließlich dem Autor selbst überlassen. Lia nimmt wohl Thomas Platz ein und ich bin mir ziemlich sicher, dass man daraus noch viel machen könnte. Allerdings hoffe ich, dass sie Thomas nicht unwichtig macht und seine ganze Rolle bloß mit Lia als weibliche Figur besetzt wird.

Im Verlauf der Kapitel konnte ich übrigens noch zwei weitere Male fragend den Kopf schieflegen. Vielleicht habe bloß ich ein seltsames Verständnis davon, ich würde es jedoch weitaus angenehmer finden, auf dem Boden zu schlafen, anstatt auf einem Stuhl oder neben einer wildfremden, stark verletzten Person. Aber womöglich wäre die Szene dann einfach nicht romantisch genug. Kurz danach, als Minho wieder verschwindet und auch Newt loszieht, um Essen zu besorgen, musste ich den Absatz mehrmals lesen und war verzweifelt auf der Suche nach einem Satz. Dass ich ihn überlesen habe, denke ich nicht – aber musste Lia nicht ganz dringend auf die Toilette?

Und der dritte und erstmal letzte Punkt, bei dem du dir jedoch gleich wieder den Angstschweiß von der Stirn wischen kannst, denn du bist kein Einzeltäter: Warum müssen Läufer bloß schnell sein? In den Büchern waren es die Besten, physisch und psychisch, mit emotionaler Stabilität und Tapferkeit und Loyalität und jeder von ihnen hat sich das Vertrauen aller Lichter errungen. Lia ist neu, ängstlich, braust ziemlich schnell auf und verfügt über wenig Wissen im Bezug auf die Lichter und ihre Bewohner. Zwar ist sie schnell – aber nur aus diesem Grund würde ich sie nicht als Läufer wählen. Aber vielleicht hattest du noch weitere Eigenschaften im Kopf, die für ihre Ernennung sprechen, doch aufgeschrieben hast du sie nicht. Das kann natürlich vorkommen, die Betriebsblindheit habe ich schließlich schon angesprochen.

Ganz schön viel Kritik, nicht wahr? Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich deinen Text so zerpflücke und versuche, alles herauszuholen, dass man noch irgendwie verbessern kann. Denn die Grundidee ist wirklich nicht schlecht, bloß das Drumherum könnte hier und dort noch eine Verbesserung vertragen. Schließlich möchte man aus seinem Geschreibsel stets das Beste machen und deswegen habe ich einmal wirklich alles benannt, was noch irgendwie anzumerken wäre. Ich hoffe sehr, dass meine Worte hilfreich waren und du etwas mit ihnen anfangen konntest.

Man liest sich. Und noch viel Freude beim Weiterschreiben.

Liebe Grüße
Kritzelmotte
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