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Reviews 1 bis 25 (von 82 insgesamt):
04.12.2021 | 22:01 Uhr
Hallo lieber Thomas,

diesmal empfand ich das Lesen wieder runder.

Den Anfang kann ich mir wieder sehr gut auf der Bühne vorstellen (was nicht heißt, dass ich mir das beim Rest nicht vostellen kann). Wie Merlin fast schon taumelt vor lauter Entzückung und Elidorus ihn etwas ruppig wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt!
Die beiden sind ja doch sehr unterschiedlich und das bringt spannende Themen hervor. Merlin ist beleidigt, da er als Kind bezeichnet wird, was für einen 16jährigen, der meint schon alles zu wissen und zu kennen, nicht verwunderlich ist. Natürlich ist Elidorus schon abgebrühter und sieht eben auch die schlechten Dinge in der Welt. Ich glaube aber nicht nur ihre Erfahrungen, auch ihre Wesen sind da einfach verschieden und bedingen dadurch eben auch unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt. Merlin scheint alles eher positiv zu sehen, so wie er auch die Magie verteidigt und beteuert, dass er damit nur Gutes bezwecken will. Das was er da alles tun will, hört sich auch wieder sehr nach optimistischem, idealistischem Jugendlichen an.

Das mit Emrys ist auch noch mal eine interessante Komponente. Visionen, die dann real werden, stelle ich mir sehr belastend vor. Das finde ich es fast vermessen, wenn Elidorus sagt:
"Der schlimmste Alptraum kann uns zwar erschrecken,
Doch niemals stürzt ein Traum uns ins Verderben!"
Ich würde mich da schon irgendwie verantwortlich fühlen ins Schicksal einzugreifen und Schlimmes zu verhindern, und das muss doch einen großen Druck auf Merlin ausüben sollte das nicht gelingen.

Am Ende gibt sich Elidorus sehr versöhnlich. Ob er nur so schnell einlenkt, um seinen Cousin nicht vor den Kopf zu stoßen, der ihn ja auch ziemlich selbstlos aufgenommen hat? Den letzten Satz finde ich sehr schön. Jede Beziehung muss wachsen, man muss sich wortwörtlich kennen lernen. Man kann sich trotz unterschiedlicher Sichtweisen nicht nur respektieren sondern auch befreundet sein und Elidorus signalisiert Bereitschaft das zuzulassen.

Zu deiner letzten Antwort: Du hast viel geschrieben in den letzten Jahren, das sieht man schon allein daran, was du alles hier veröffentlicht hast. Da ich selbst nicht schreibe und auch sonst nicht kreativ tätig bin, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie viel Kraft das abverlangt. Aber es tut mir natürlich leid, dass dir das Schreiben im Moment schwerer fällt, vor allem, da dir das Schreiben ja viel bedeutet. Ich weiß auch nicht recht, was ich dazu sagen soll. Ich freue mich natürlich über jedes neue Kapitel vom Adrian und auch sonst lese ich deine Werke sehr gerne. Das weißt du im Grunde schon, aber meine Wertschätzung ist das einzige, womit ich mich einigermaßen revanchieren kann, also bringe ich sie gerne noch mal zum Ausdruck.

Liebe Grüße
Aida
02.12.2021 | 17:30 Uhr
Hallo lieber Thomas,

hier sind es nun vier Hebungen, das erhöht das Lesetempo bei mir und an einigen wenigen Stellen finde ich die Verse nicht ganz so geschmeidig, wie ich das bei dir gewohnt bin, da bin ich beim Lesen irgendwie drüber gestolpert. Das soll keine Kritik sein (die zu äußern steht mir sowieso nicht zu, da ich viel zu wenig Ahnung habe), nur der Eindruck, der bei mir entstanden ist und vielleicht liegt es auch an mir.
Inhaltlich gefällt mir die Szene gut, denn Merlin macht der Entschluss seiner Mutter natürlich zu schaffen, er hat es wohl auch nicht kommen sehen und muss das erstmal verarbeiten.
Merlin ist also eher naiv und Elidorus soll sein Beschützer sein. Das verspricht interessant zu werden. Merlin ist zwar gebildet, aber hat sicher nicht so viel Lebenserfahrung wie Elidorus.
Auch wenn ich mich heute nicht vor Begeisterung überschlage, mochte ich diese Szene doch gerne, ich glaube ich kann es nur nicht gut rüberbringen.

Wie geht es eigentlich beim Adrian vorwärts? Ich hoffe dir geht es gut und du und alle, die dir wichtig sind, kommen gut durch diese Zeit.

Liebe Grüße
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 03.12.2021 | 03:22 Uhr
Hallo liebe Aida,

vielen Dank für Dein Review!

Mein Dank gilt übrigens auch Deinen ehrlichen Worten - wenn Du von dieser Szene nicht SO begeistert warst, dann ist das eben so. Was die Verse betrifft, hatte ich ja schon erwähnt, daß ich da ein wenig experimentell verfahren bin, was auch für die Reimschemata gilt.

Inhaltlich hast Du das wichtigste gut zusamengefaßt: Merlin verfügt zwar über eine gute Bildung, ist aber etwas naiv und weltfremd, während Elidorus ihm da so einiges an Erfahrung voraus hat. Das wird vor allem im zweiten Akt eine große Rolle spielen.

Beim Adrian klemmt es momentan ein wenig - ich habe zuletzt eine Weile mit der Konzeption des nächsten Kapitels verbracht, aber bisher kaum etwas geschrieben, ich hoffe, daß sich das am Wochendene noch ein wenig ändern wird. Aber fertig wird es in dieser Woche ganz bestimmt nicht mehr - da ist es mir also ganz lieb, daß Du momentan ein wenig mit Merlin und Elidorus beschäftigt bist, die beiden werden hoffentlich die Wartezeit etwas verkürzen. Ansonsten geht es mir ganz gut, nur das Schreiben läuft irgendwie nicht richtig. Vielleicht habe ich mich in den letzten Jahren ein wenig übernommen...

Liebe Grüße,
Thomas
29.11.2021 | 21:21 Uhr
Lieber Thomas,

ich liebe deine Bühnenbilder! Es sind nur zwei Sätze, aber ich habe sofort alles vor meinen Augen. Daran merkt man, dass dir deine Bühnenstücke viel bedeuten oder dass du (zumindest auf literarischer Ebene) Perfektionist bist, ich schätze beides. Allerdings kenne ich ja bisher nur Till Troschak und hier zwei Szenen, da gibt es noch viel mehr, das ich erst lesen müsste, um solch ein Urteil zu fällen, aber ich wage trotzdem diese These.
Daneben bewundere ich wieder deine Leistung, alles in perfekte und passende Verse zu kleiden, die sich mühelos lesen lassen. Ich glaube aber gerne, dass sie, wie du in der Vorrede schon angedeutet hast, nicht mühelos entstanden sind.

Merlin und seine Mutter scheinen ja zur Oberschicht zu gehören und drücken sich dementsprechend gehoben aus, aber es ist ganz und gar nicht übertrieben, sondern liest sich ganz natürlich.

Jetzt muss Merlin erwachsen werden, die Mama will ihre eigenen Träume verwirklichen (der Vater ist allem Anschein nach verstorben? Habe ich das überlesen?) und stellt ihren Sohn vor vollendete Tatsachen, überlässt ihm eine große Verantwortung, nämlich Haus und Hof sowie die Sorge um Elidorus und vorbei ist es mit den Träumereien über die Zukunft. Man kann Ganieda wirklich nicht vorwerfen, dass sie eine Helikoptermutter ist. Scheinbar hat sie in ihrer Jugend nichts anbrennen lassen? Dass sie durch ihre Mutterschaft reifte ist gut nachzuvollziehen, das geht wohl jeder so, wenn auch in unterschiedlichem Maß. Dass sie dadurch aber die "Erde als Ort der Plagen" sieht, kommt mir irgendwie traurig vor, fast als ob sie ihre Rolle als Ehefrau und Mutter bereute. Aber zu Merlin scheint sie trotzdem ein liebevolles Verhältnis zu haben. Vielleicht interpretiere ich aber auch mehr hinein als da ist.
Bei Elidorus Schicksal, das natürlich traurig ist, musste ich am Ende doch etwas grinsen. Denn nach dem Tod seiner Eltern muss er sich sein Brot hart verdienen. Zunächst auf dem Feld, aber es bleibt ihm nichts erspart: Er muss sogar unterrichten! Nein so tief sollte niemand sinken müssen xD Ich bin sehr beruhigt, dass Merlin ihn aufnehmen wird.

Auch die zweite Szene hat mir also gut gefallen und ich bin gespannt wie es weiter gehen wird.

Liebe Grüße
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 30.11.2021 | 02:40 Uhr
Liebe Aida,

erst einmal vielen Dank für Dein Review!

An sich glaube ich, daß ich in erster Linie Erzähler bin, das dramatische Fach liegt mir grundsätzlich weniger (und eigentlich kenne ich mich mit dem Film deutlich besser aus als mit dem Theater). Nicht umsonst habe ich nur recht wenige Stücke geschrieben. Aber wenn ich das schon mal mache, dann will ich es auch möglichst gut machen - insofern hast Du mit dem Perfektionismus ein wenig recht, und auch damit, daß meine Stücke mir viel bedeuten (dieses besonders, aber für den Till Troschak trifft das auch zu). Meine Regieanweisungen sind nach heutigen Maßstäben allerdings eher sparsam gehalten, aber auch aus pragmatischen Gründen: da die heutigen Regisseure sich sowieso selten darum scheren, was der Autor für Intentionen halte, mache ich mir damit nicht mehr Mühe als erforderlich. Realistischerweise darf ich ohnehin nicht so schnell (wenn überhaupt jemals) mit irgendwelchen Aufführungen rechnen, meine Dramen sind bis auf weiteres also erst mal reine Lesedramen. Aber es freut mich natürlich, wenn Du meinst, daß Du trotz der knapp gehaltenen Angaben gleich alles vor Augen hast. So soll es sein.

Doch nun zur Szene: Du hast schon recht mit Deiner Einschätzzung des sozialen Status der beiden. Das merkt man letztlich schon an dem Landhaus.

Obwohl Ganieda nur nach Jahren gerechnet noch gar nicht so alt sein kann, hat sie sich nun zum Rückzug von der Welt entschlossen - aber einen solchen Schritt gehen ja manchmal sogar deutlich jüngere Menschen, und es klingt zumindest an, daß sie früher einmal durchaus lebenslustig war. Merlins Vater ist wirklich gestorben, das spricht er in einer der nächsten Szenen in einem Gespräch mit Elidorus direkt an.

Und der Lehrberuf war in der Antike nicht unbedingt der dankbarste: im Römischen Reich etwa waren häufig Sklaven dafür zuständig, die Kinder der vornehmen Leute zu unterrichten. Das Stück spielt zwar an der Schwelle der Spätantike zum Mittelalter, historisch also etwas später, aber es ist für Elidorus schon eine Erleichterung, daß er das nicht mehr machen muß.

In der nächsten Szene wird Elidorus (der übrigens meine eigene Erfindung ist, den gibt es in keiner anderen Merlin-Gechichte) persönlich auftauchen. Mehr will ich im Moment aber noch nicht verraten, ein wenig Spannung muß schließlich bleiben.

Liebe Grüße,
Thomas
28.11.2021 | 10:35 Uhr
Lieber Thomas,

heute beginne ich deinen Merlin. Die Vorrede habe ich natürlich auch gelesen. Für die ZDF Serie bin ich zu jung und ich habe sie auch nicht später gesehen. Auch sonst kenne ich die Artussage nur so ungefähr, aber ich lerne ja gerne dazu und wage mich trotzdem hier heran. Viel Zeit habe ich im Moment allerdings nicht, dass ich also jeden Tag Gelegenheit finde, mir ein Kapitel vorzunehmen, wie ich das sonst gerne mache bei abgeschlossenen Werken, ist eher unrealistisch.

Nun zur ersten Szene des ersten Aktes:
Die Verse sind wieder sehr professionell und sie würden sich sehr gut auf einer Bühne machen! Ist das ein besonderes Versmaß? Ich meine fünf Hebungen zu erkennen und Kreuzreime, außer bei den letzten Versen. (Ich habe gerade darüber nachgedacht, welche Wirkung die Anzahl der Hebungen jeweils hat. Ich finde Gedichte mit vier betonten Silben haben ein höheres Tempo? Und wenn ich an deine Hexameter denke, dann wirken die gemächlicher. Die Verse hier liegen dazwischen und klingen für mich zumindest natürlicher, vielleicht irgendwie vergleichbar mit dem goldenen Schnitt in der Malerei oder Architektur.)

Inhaltlich macht sich Merlin Gedanken um seine (berufliche) Zukunft. Sehr realistisch, dass er zwischen Wunsch der Mutter, Vorbild des Vaters und seinen eigenen Interessen und Vorstellungen hin- und hergerissen ist. Er weiß noch nicht in welche Richtung er gehen will und ich bin gespannt, wofür er sich entscheiden wird.

Einen schönen ersten Advent wünsche ich dir!
Liebe Grüße
Aida

Antwort von Thomas Heinrich am 28.11.2021 | 17:58 Uhr
Hallo liebe Aida,

wie schön, daß Du nun auch den Weg zu diesem Stück gefunden hast, denn "Merlins Jugend" zähle ich zu meinen Hauptwerken und halte dieses dramatische Gedicht für mein bestes Bühnenwerk (auch wenn nicht alle Leserinnen dieser Einschätzung zustimmen würden). An die ZDF-Serie kann ich mich auch nur noch ganz verschwommen erinnern; daß Du die Artussage nur wenig kennst, wird kein Hindernis darstellen, denn dieses Werk spielt ja ohnehin in der Zeit vor Artus - und außerdem gibt es unzählige Varianten der Sage, was für Erzähler natürlich recht attraktiv ist, da man da praktisch Narrenfreiheit hat.

Was die Verse betrifft, so hast Du mit den fünf Hebungen recht, man spricht auch von jambischen Fünfhebern. Wenn solche ohne Reim verwendet werden, nennt man sie auch Blankverse, hier aber wird ja nun gereimt. Das Stück hat aber kein einheitliches Versmaß und auch kein durchgänguiges Reimschema, das wechselt immer mal.

Was den Inhalt der ersten Szene betrifft: da habe ich mit Merlin wieder mal einen der nachdenklichen Jungen, die noch nicht so recht wissen, wie sie ihr Leben gestalten sollen, auf die Bühne gestellt, irgendwie habe ich ja eine Vorliebe für solche Protagonisten. Von Merlins weiterem Werdegang will ich jetzt natürlich noch nichts verraten, freue mich aber schon auf weitere Reviews.

Ich wünsche Dir auch noch einen schönen Ausklang des ersten Advents!

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
21.02.2021 | 23:59 Uhr
Hallo werter Thomas,

Muss schlafen, muss morgen früh aufstehen... will aber noch ein Review schreiben. Nur noch ein Review! *gequältes Stöhnen*

Okay, bin wach und konzentriert! Nun zur Szene: Als allererstes fällt mir natürlich auf, dass diese kurze Szene hier bereits das Ende einer Reise schildert, welche nach der letzten Szene wohl ihren Anfang fand... Dass du Merlins Reise nur als kurze Erwähnung in dein Stück eingebaut hast, erscheint mir logisch. Denn auch wenn ich Merlin durchaus mag, kann ich mir nicht so recht etwas Vorstellen, dass auf seiner Suche nach der Burg Chariot vorkommen und wirklich etwas wichtiges für die Gesamthandlung sein würde. Darum ist das "Streichen" der Reise gut. Und auch der Umstand, dass du Merlins Entdeckung der Burg wie auch seine Überquerung über den See so vage hältst, gefällt mir... Insbesondere der Umstand, dass er anscheinend über die Träume einen Weg zu diesen magischen Ort fand. Das hat nämlich einfach so etwas aus unserer realen Welt, in welcher wir auch nur über die Träume in magische Welten eindringen könnten. (Natürlich gibt es auch die Fantasie, aber im Traum ist man schon um einiges mehr "drin" in den anderen Welten...)

Gerne möchte ich hier einfach für das Protokoll erwähnen, dass ich allein beim letzten Teil der Szene lesen konnte wie ein ordentlicher Anteil meiner im vorherigen Review geschilderten Theorien sich anscheinend bewahrheiten wird. Zum einen natürlich der Aspekt mit den im Feenreich anders verlaufenden Dingen wie etwa der Zeit und wie Merlin sich dieser Gefahr wie es scheint bewusst zu sein scheint, aber darum trotzdem nicht ganz auf der sicheren Seite ist, da zum anderen noch so einiges an Verführungen sicher auf ihn zukommen werden und er noch dazu selbst eine innere Gespaltenheit im Bezug zu seiner Zugehörigkeit zur Menschenwelt hat. Der Gesang besitzt ja bereits so etwas paradiesisches und ich kann nicht anders als in Hinblick auf Merlins kurze Suche wie auch der einladenden Begrüßung die Theorie aufzustellen, dass die Bewohner der Burg ihn als eine Art Mitglied ihrer Welt ansehen und versuchen werden, ihn bei sich zu behalten. Und als weitere Theorie vermute ich einfach einmal, dass der gute Merlin hier gewisse Schwierigkeiten im Angesicht der Verführungen der Anderswelt haben wird und vielleicht sogar in seiner Mission zur Hälfte scheitern wird.

Feenwesen sind ja in ihrer ursprünglichen, mythologischen Form recht ambivalente Wesen, welche schnell ihre Gesinnung ändern und auch hilfreich wie zugleich schädlich handeln können und oftmals nicht so recht über ein komplettes Verständnis im Bezug auf die Menschen verfügen - da frage ich mich schon wie es im Innern der Burg so sein wird und wie du diese Wesen wie auch ihr Verhältnis zu Merlin schildern wirst!

Gut, dann gehe ich jetzt einmal schlafen und sehe mir morgen an, was Merlin so in der Burg Chariot erwartet!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Dies ist nun mein genau tausendstes Review auf dieser Seite und es freut mich sehr, dass es zu einem Text aus deiner geschätzten Feder ist! :)

Antwort von Thomas Heinrich am 23.02.2021 | 00:40 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

da ich gerade hier bin, will ich doch auch noch schnell auf Dein Review (für das ich mich natürlich bedanke) antworten!

Wie ich ja schon in meiner vorigen Antwort schrieb, habe ich Merlins Reise bewußt weggelassen; zum einen, weil ich sie im Stück gar nicht hätte unterbringen können, und zum anderen, um mich nicht zu wiederholen, da die Suche nach Chariot einen großen Teil meiner schon erwähnten Uwain-Geschichte in Anspruch genommen hat. (Dort wird auch noch etwas näher ausgeführt, wie schwer es ist, an diesen Ort zu gelangen, doch dies nur nebenbei...)

Mit Deinen Vermutungen lagst Du in der Tat so ziemlich richtig, das wird auch die nächste Szene bestätigen - insbesondere auch, was die Schwierigkeiten betrifft, die Merlin im Inneren der Burg erwarten.

Das war jetzt zwar eine recht kurze Antwort, mit der ich mich aber trotzdem begnügen will, um nicht mehr als nötig vorwegzunehmen.

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
21.02.2021 | 21:31 Uhr
Hallo werter Thomas,

Da Merlin der Protagonist deines Stücks ist und noch ein Weilchen zu leben hat, glaube ich einmal, dass die Reise zur Feste Chariot zumindest halbwegs gelingen wird. Für all die armen Pestkranken hoffe ich ja, dass es ein voller Erfolg wird, aber naja, es kann sicher viel passieren... Ich freue mich zumindest auf so ein kleines Abenteuer, welches in das Reich des Übernatürlichen führt. Denn so einige Phantastische Elemente gab es in deinem Stück natürlich schon, aber doch immer als "Fremdkörper" in der normalen Welt. Darum bin ich gespannt darauf zu sehen, wie es in der Welt der Feen so sein wird und welche Aufgaben Merlin dort wohl vorfinden wird. Und ich frage mich schon, was seine Beziehung zu den Bewohnern dieser Welt sein wird, da Merlin am Anfang deines Stücks ja sagte, dass er nicht genau weiss in welches Reich er gehört... und ich Sorge mich auch darum, ob er rechtzeitig mit dem Zauberpulver zurückkommt, denn ich glaube einmal nicht, dass alles perfekt verlaufen wird - oh, und vielleicht wird auch eine für Feenwelten klassische "Zeitverschiebung" hier eine Rolle spielen?
Keine Ahnung. Ich mache mir hier nur offen ein paar Gedanken, weil diesmal nicht so viel geschehen ist und thematisiert wurde, als dass ich nun viel in mein Review schreiben könnte...

Es wird nun mit sicherheit sehr interessant werden zu lesen, was Merlin so erleben wird, jetzt wo er das erste Mal richtig auf sich allein gestellt ist.

Und so beende ich einmal mein diesmal WIRKLICH vergleichsweise kurzes Review! :)

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 21.02.2021 | 23:27 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

dann will ich auch dieses Review noch beantworten.

Merlin wird recht problemlos zur Feste Chariot gelangen, damit habe ich mich gar nicht weiter aufgehalten (das habe ich dafür in "Uwain und die schwarze Dame" getan, denn Uwain muß dort auch diese Feste finden, braucht aber über zweitausend Verse dafür...).

Zu Deinen weiteren Überlegungen will ich jetzt auch nicht so viel sagen, weil ich natürlich nicht schon vorher verraten will, was in den nächsten beiden Szenen im einzelnen passieren wird.

Dann wünsche ich Dir eine gute Nacht und einen guten Start in die neue Woche!

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
21.02.2021 | 20:41 Uhr
Hallo werter Thomas,

Ein im Sterben liegender Pestkranker gleich in Hörreichweite der Protagonisten dieser Szene: "Was reden und philosophieren diese Kerle, die zu unserer Rettung gekommen sind, verdammt nochmal noch so rum? Ich sterbe hier während die über das Doppelwesen des Menschen plaudern..."
Entschuldige diesen kleinen, gemeinen Scherz. Ich habe manchmal eben einfach einen tiefschwarzen Humor... :)

Wie auch immer! Jetzt zu dieser Szene: Diesmal war alles recht kurz und man erwartet sicher nicht so eine recht philosophische und auch theologisch stark durchzogene Rede als Begrüßung, aber als Verbindungsstück zwischen der letzten Szene wie auch der harten Arbeit, die sicher in den nächsten Szenen folgen wird, fügt sich diese Szene durchaus gut ein. Es ist meiner bescheidenen Meinung nach nicht gerade eine Szene, welche - wie die meisten in deinem vortrefflichen Stück - in mir eine grosse Begeisterung hervorruft, aber sie ist okay und wenn es nicht eine Szene aus deiner Feder wäre, würde ich sie wahrscheinlich weitaus mehr loben. (Siehst du? Das kommt davon wenn du deine Leserschaft all zu sehr mit höchster Qualität verwöhnst!)
Mein Hauptproblem hier ist wahrscheinlich, dass die Ausführungen des Bischofs durchaus gut darin sind seine Ansichten zu schildern und sein (ganz im Gegensatz zum Hassprediger) vernünftiges Wesen zu charakterisieren, aber doch meiner Meinung nach darin etwas scheitern, hinter all den schönen und interessanten Worten wie auch Gedanken eine genaue Erklärung für den Hass zu liefern, der an unsere Protagonisten hier gerichtet wurde, obwohl sie eigentlich nur helfen möchten... Dies nur nebenbei. Vielleicht war dies auch dein Plan, da Taliesin und insbesondere Merlin anscheinend auch ähnlich wie ich darauf reagieren. Glaube ich zumindest... Denn das Doppelwesen des Menschen hast du hier gut beschrieben und natürlich auch passend zur Weltanschauung deines Bischofs (Nebenbei: Schön wie du das Christentum in diesem Stück durch diverse Leute in verschiedenen dunklen, grauen und hellen Seiten darstellst!). Der Mensch hat das Potential zu positiven wie auch negativen Handlungen und während guter Zeiten, wo es einfach ist "gut" zu sein, neigt der Mensch auch - teilweise ohne viel darüber nachzudenken - zu einem "guten" Verhalten. Erst wenn es schwer wird und die Zeiten schlimmer, offenbart sich die Schwere des Erhalts eines "guten" Wesens und auch, ob ein Mensch dem treu bleibt - und leider zeigt sich der Mensch oftmals eher von seiner dunklen Seite während schwerer Zeiten! Gleichzeitig gibt es sie aber trotzdem, die Lichter in der Dunkelheit, welche auch in den finstersten Zeiten "gut" sind oder gerade in solchen Zeiten in herausragender Grösse zeigen, zu welcher Grösse der Mensch fähig sein kann.
Entschuldige dass ich da insgesamt nicht so zufrieden war. Deine Arbeit war aber trotzdem gut und mir gefiel deine hier präsentierte Wortgewandtheit! Es ist nur so, dass irgendetwas fehlte... Wobei ich aber der Ehrlichkeithalber zugeben muss, dass ich bei einem recht grossen Teil menschlichen Verhaltens an sich keine logische Erklärung parat habe.

Was noch Taliesin und dem Bischof betrifft, glaube ich durchaus ein gewisses Verhältnis zwischen diesen beiden älteren Männern herauszulesen. Vielleicht liegt das an deiner Reviewantwort, aber irgendwie sehe ich schon einen gegenseitigen Respekt zwischen zwei ebenbürtigen Individuen. Der Bischof vertraut ganz klar auf Taliesin, verhält sich ihm gegenüber offen, weiss um dessen Kompetenz, und scheint sich und ihn bei der Kommunikation vom Wert der Meinung her auf dieselbe Stufe zu stellen. Wie hier: "Es könnte dir jetzt sicherlich Taliesin so gut wie ich Die Gründe für die Wut so vieler nennen, Da wir schon alt sind und die Menschen kennen."
Man merkt schon eine vergangene Geschichte zwischen ihnen.

Zum Schluss noch eine Sache: Mir persönlich gefiel die Sache mit dem "Blütenkelch der Niedertracht" eigentlich sehr. Es wirkt einfach wie ein interessantes Oxymoron und auch wie ein schlichtweg ziemlich poetisch anmutendes Wortbild. Darf ich das eventuell eines Tages auch verwenden, wenn es mir in einen Text passt? (Nur natürlich sofern du dich nicht daran störst!)

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Ja, meine Applaus-Empfehlung war ein kleiner Scherz... der Nebenbei auch eine Anspielung auf all diejenigen sein sollte, welche während dieser Krise sehr wichtig waren (und sind) wie auch unter viel Druck litten (und noch immer leiden). Ich erwähnte mich als Verkäufer, doch dachte ich da eher an wichtigere Leute wie Krankenpfleger und Ärzte, bei denen alle immer von "wahren Helden" und "Applaus an sie!" schwafeln, dann aber wieder schnell zurück kriechen, wenn es um Formen der Wertschätzung geht die auch die Brieftasche betreffen.

Antwort von Thomas Heinrich am 21.02.2021 | 23:22 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

dann will ich doch noch zu später Stunde Deine Reviews beantworten, bevor ich wieder in meinem Bett verschwinde, in das ich mich eigentlich schon zurückgezogen hatte!

Erst mal bedanke ich mich auch für diese beiden Reviews, wie sich das gehört. Natürlich finde ich es etwas schade, daß Dich diese Szene nicht so angesprochen hat, zumal auch roseta sie nicht besonders mochte - aber wenigstens konnte ich mit dem "Blütenkelch der Niedertracht" bei Dir punkten, der gefiel ihr nämlich gar nicht! Natürlich kannst Du den auch mal verwenden, das ist dann ja wie ein Zitat, und wenn man nur oft genug zitiert wird, gilt man schließlich irgendwann als Klassiker.

Bei der Erklärung des menschlichen Verhaltens habe ich mir eigentlich alle Mühe gegeben, trotzdem fand auch Deine Vorrednerin die Erläuterung unbefriedigend - das könnte ein Zeichen dafür sein, daß die Szene wirklich nicht so gut ist, ich habe aber wenig Lust, sie nachzubearbeiten. Man könnte vielleicht noch (wenn man an die Gegenwart denkt) ergänzen, daß für die Leugner, die alles nur für einen großen Schwindel der Mächtigen halten, natürlich auch die Helfer und Ärzte Bestandteil der großen, und gaanz, gaanz bösen Verschwörung sind - wobei ich eigentlich davon ausging, daß es nicht nötig wäre, dies in der Rede des Bischofs noch mal eigens auszuführen, da die vorige Szene ja schon gezeigt hat, wie einige Leute ticken.

Zu Taliesin und dem Bischof muß ich ja eigentlich nichts mehr schreiben.

Dann noch bis zu Deinem nächsten Review!

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
21.02.2021 | 15:40 Uhr
Hallo werter Thomas,

Diesmal nur ein kurzes Review, weil diese Szene mir in mehrerer Hinsicht unangenehm war und es an sich auch nicht viel zu sagen gibt... Die Kürze dieses Reviews soll dich aber ja nicht zum Glauben verführen, dass ich dieses Kapitel nicht mochte! Nein, an sich mochte ich es vom Stil und der Handlung her sehr. Es war gut geschrieben, hatte interessante Elemente, weckte diverse Emotionen und war noch dazu eine wirklich perfekte Darstellung menschlichen Verhaltens im Angesicht von Epidemien oder Pandemien... Wirklich sehr aktuell und zugleich uralt das Thema. Du hast die derzeitige Lage gut mit deinen bereits zuvor geplanten Plänen für die Handlung verschmolzen!
Ich glaube auch, dass sich Menschen schon immer aufgrund von Hilflosigkeit, Dummheit, Wut, Frustration und Verzweiflung zu solchen Verhaltensweisen haben verführen lassen. Was gerade geschieht ist eigentlich nichts Neues, wenn man sich die Geschichte so ansieht: Da gibt es unzählige Fälle von Krisen (auch krankheitsbedingte), wo die Menschen sich wie Idioten verhalten wie auch nach Schuldigen suchen... und in der Geschichte des westlichen Abendlandes (wobei das östliche Morgenland da nicht gerade viel besser war und ist) zieht sich seit vielen Jahrhunderten das Feindbild der Juden als angebliche Brunnenvergifter, Kindermörder, Dämonen, Diebe, Lügner, Kannibalen, Manipulatoren...etc. Wenn etwas Schlimmes geschieht, kann man mit Sicherheit sagen, dass da eine grosse Menge an Leuten die Schuldigen in den Juden suchen werden. Sei es während der mittelalterlichen Pest oder der Weltwirtschaftskrise - oder auch dem Coronavirus! Am Ende sind die Juden schuld... Natürlich lassen sich heutzutage weitaus mehr Feindbilder wie etwa Kommunisten, Wissenschaftler und so finden, aber doch gibt es noch heute eine in rechten Kreisen durchaus blühende Menge an Judenhass, der mit Freuden mit der jeweils aktuellsten Krise wie auch abstrusen "Theorien" mit allen Mitteln "gerechtfertigt" wird.
Okay, ich höre auf bevor ich zu gereizt bin!

Merlin hat am Ende so gehandelt wie sicher viele von uns gerne handeln würden. Schlau war es nicht gerade, weil Merlin hier wiedereinmal Magie als schnelle Lösung gebrauchte und nun wahrscheinlich die Position der Spinner gestärkt wird, da irgendwelche Drittpersonen das Märchen weben werden, dass da ein versteckter Jude mit "jüdischer Magie" gute Christen zum Schweigen bringt, damit sie nicht länger die "Wahrheit" verkünden... Bäh. Zum anderen denke ich ja, dass es keine richtige Lösung per se war, da Merlin sich nur Ruhe verschafft hat und das Gedankengut noch immer frei existiert wie auch gedeiht.

Kurz noch etwas: Klatschen wir doch bitte alle kurz mit den Händen für den Gardisten, dessen Leid ich als Verkäufer leider nur zu gut nachfühlen kann! *Klatscht mit den Händen*


Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Wusstest du bereits, dass es zu Shakespeares Zeiten bereits so etwas wie einen "Lockdown" wegen der Pest gab? Und das es Schriften von ihm gibt, wo er erwähnt, wie das Theater wegen der Pest geschlossen ist? Ich wollte dir das nur sagen, weil ich es letztens aufgeschnappt habe und mir dachte, dass dir dieser Fakt gefallen könnte.

Antwort von Thomas Heinrich am 21.02.2021 | 18:47 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

dann will ich doch auch noch Dein "kurzes" Review beantworten, das genauso lang wie das vorige ausgefallen ist...

Wie ich ja schon erwähnt hatte, nahm der sehr alte Gedanke, ein Merlin-Drama zu schreiben, schon 2019 in meinem Kopf sehr konkrete Gestalt an, und bereits zu dieser Zeit war eine Pest-Episode geplant - das hatte ich ja auch schon erzählt. Aber die Gelegenheit, den unerträglichen Verschwörungsschwurblern unserer Tage eins auszuwischen, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Ich könnte jeden Tag vor Wut in meine Tischkante beißen, wenn ich lese, was diese geistigen Brandstifter (und einer ganz besonders...) Tag für Tag verbreiten!
Zugleich aber ist diese Szene auch durchaus historisch, denn gerade bei Pestausbrüchen wurde im Mittelalter in trauriger Regelmäßigkeit den Juden als angeblichen "Brunnenvergiftern" die Schuld in die Schuhe geschoben; der Antisemitismus zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte des Christentums hindurch - und war doch nur ein trauriges Vorspiel auf den Terror der Nazis. Und auch heute ist der Antisemitismus noch lange nicht verschwunden, sondern vor allem bei den extrem Rechten und den Verschwörungsideologen (wobei die beiden Gruppen ohnehin eine große Schnittmenge haben) immer noch sehr lebendig.
Immer bei großen Seuchen breitet sich solcher Mist dann besonders schnell aus - Dummheit ist eben noch ansteckender als Viren oder Bakterien. Und das war eben schon früher so: wie Gesellschaften auf Epidemien reagieren, läßt sich sowohl in Alessandro Manzonis Roman "Die Brautleute" als auch in Albert Camus' "Die Pest" nachlesen.

Wie schon in vergleichbaren Situationen hat Merlin wieder impulsiv und menschlich verständlich, aber nicht unbedingt klug gehandelt; insofern dürfte Taliesins freundliche Mahnung auch durchaus angebracht sein.

Was den Gardisten betrifft, so brächte ihm eine Gehaltserhöhung sicherlich mehr als ein wenig Applaus, der ja nichts kostet - aber ich nehme mal an, Deine Applaus-Empfehlung war wohl auch eher ironisch gemeint.

Da ich ein Buch von Hans-Dieter Gelfert über Shakespeare habe, war mir der "Pest-Lockdown" durchaus bekannt - ich hatte das vor ein paar Tagen sogar selbst im Coronavirus-Auskotzthread erwähnt.

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
21.02.2021 | 14:59 Uhr
Hallo werter Thomas,

Eine höchst interessante wie auch relativ traurige Szene, in welcher Unheil und Hoffnung gleichermaßen jeweils einen eigenen Platz wie auch ein organisches Zusammenspiel gefunden haben, präsentierst du uns Lesern hier in wie immer vorhandener Wortgewandtheit.
Auch wenn dieser Part hier nun nicht sehr lang war, geschah durchaus sehr viel und für viele andere Dinge in zukünftigen Szenen wurden hier bereits das eine oder andere neue Fundament gelegt...

Sehr sichtbar ist in diesem Kapitel insbesondere Taliesins immer näher rückender Tod, dessen Vorzeichen nun auch Merlin und Elidorus erkennen. Das Alter nagt an ihm und ich denke einmal, dass der Kampf gegen die Pest ihm so sehr seine letzten Kräfte abverlangen wird, dass dann sein Schicksal endgültig besiegelt sein wird. Und selber weiss es der alte Seher, wie ja aus seinem letzten Satz hier deutlich wird, und geht nun wissend seine letzte Reise. Noch immer finde ich diese Vorstellung mit dem Wissen um den eigenen Tod unheimlich - insbesondere wenn man davon weiss und sich so dem Schicksal kampflos fügen muss! Aber deine eine Reviewantwort ergibt schon Sinn: Taliesin hatte Jahre um sich auf diese letzte Reise vorzubereiten und ist somit ein "gut vorbereiteter Geist", der sich sicher nicht mehr so sehr vor dem Ende fürchtet.
Ein lob muss ich dir hier noch kurz für den Umstand geben, dass du im Laufe deines Stücks mehrmals gewisse Anzeichen für Taliesins Tod eingebaut hast! Nicht einfach so ein "Er ist der Mentor und so stirbt er nun einfach so plötzlich, weil wir in weg haben müssen"-Ding, sondern durchaus mehr etwas besser geschriebenes... das am Ende wahrscheinlich immernoch dasselbe ist, aber weitaus besser und glaubhafter ausgeführt. :)

Gut, dann wäre noch Cailan, dessen Rückkehr in dieser Szene für mich durchaus eine interessante wie auch angenehme Überraschung darstellte, nachdem er bei seinem letzten Auftritt in deinem Stück einen ziemlichen Eindruck hinterließ. Es ist immer wieder eine schöne, kleine Freude erneut auf einen interessanten Charakter zu treffen und einmal einfach zu sehen, was aus ihm geworden ist. Und für Cailan schien es das Schicksal anscheinend so gut gemeint zu haben, wie es etwa für einen Menschen möglich ist, der zu den Opfern des barbarischen Systems der Sklaverei gehört.
Natürlich wäre es schöner gewesen, zu lesen wie er zu einen freien Mann geworden ist, aber seien wir realistisch: So etwas kam nicht so oft vor, wie es uns diverse fiktive Werke sehr gerne weismachen wollen! Darum ist wohl das mit dem sehr guten Herrn und der Ehefrau wohl das beste für Cailan mögliche Schicksal und auch wenn ich dabei trotzdem noch einen unangenehmen Beigeschmack verspüre, freue ich mich für den Jungen.

Was nun die Pest betrifft, war das nach Merlins prophetischen Traum nun wirklich keine Überraschung. Auch der Umstand, dass unser seltsames Trio in diese ganze Sache als Helfergruppe involviert sein wird, überrascht mich nicht. Wenn es schon einen Pestausbruch in diesem Stück gibt, sollen die Protagonisten ja gut und gerne tief im Geschehen sein!
Interessant fand ich aber schon, wie der Bischof sich an Taliesin wendet... Anscheinend ist da ein symbiotisches Verhältnis vorhanden, bei dem Taliesin den Christen hilft und dafür in Ruhe gelassen wird. Passt ja sehr zu dem Rat, denn der alte Druide Merlin gab.

Dann bis gleich!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 21.02.2021 | 18:28 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

vielen Dank für Deine beiden Reviews, auf die ich nun antworten werde!

Der Hauptzweck dieser Szene besteht natürlich darin, die Ereignisse des vierten Aktes vorzubereiten, und dazu gehört eben auch der Tod Taliesins (der sich ja schon in einem Traum Merlins abzeichnete, als Taliesin selbst noch gar nicht in Erscheinung getreten war). Sicherlich folge ich damit einem vergleichsweise verbreiteten Schema, aber es kommt ja in erster Linie darauf an, ob ein solches mit Leben erfüllt wird oder nicht.

Was wiederum Cailan betrifft, so hatte ich schon recht früh (nämlich während der Arbeit am zweiten Akt) entschieden, ihn auch später noch einmal auftreten zu lassen, wobei sich meine Pläne im Detail dann ziemlich verändert haben, worauf ich aber nicht näher eingehen will, da letztlich das zählt, was ich wirklich geschrieben habe. Zumindest läßt sich also festhalten, daß der Junge es mit diesem Herren verlgleichsweise gut getroffen hat - so wie der Bischof auch insgesamt ein wenig eine Gegenfigur zu dem geifernden Prediger ist, dessen Bekanntschaft Merlin und Elidorus ja auch schon machen mußten. Und da ich gerade beim Bischof bin, kann ich hier noch erwähnen, daß dieser in der zweiten Szene des vierten Aktes seinen eigentlichen Auftritt haben wird - ich habe mir beim Schreiben vorgestellt, daß er und Taliesin alte Bekannte sind, die sich vielleicht schon von diplomatischen Missionen kennen; ganz klar wird das in der genannten Szene zwar nicht, aber es läßt sich zumindest erahnen, denke ich.

Und sicher, überraschend ist die sich abzeichnende Entwicklung erst mal nicht, aber ich bin ja nun ohnehin nicht gerade der größte Fan von Plottwists - die wirken nämlich fast immer nur einmal, während die wirklich interessanten Werke in Literatur und Film nur selten auf Plottwists zurückgreifen.

Dann bis gleich.

Liebe Grüße,
Thomas
07.02.2021 | 05:02 Uhr
Lieber Thomas,

ich muss mich noch entschuldigen für einen eigenen Lapsus: Ich hatte tatsächlich vergessen, was im Personenverzeichnis zu Emrys stand. Im Ganzen habe ich auch den Eindruck, dass er nicht sehr häufig in Erscheinung getreten ist (vielleicht irre ich mich schon wieder), sodass ich ihn vielleicht irgendwie unterschätzt habe. Aber nach dieser letzten Szene steht ja auch fest, dass er nicht mehr erscheinen wird - seine Rolle ist zu Ende.

Merlin hat also eine Vision vom Ende seiner Laufbahn, und es ist ein glückliches Ende: er findet endlich sein Glück bei einer Frau (die Viviane gleicht, aber wohl nicht sie ist) und wird wieder jung, sodass er es auch genießen kann.
Ich kenne auch mehrere Versionen, in denen diese letzte Liebe sein Unglück ist und seinen Tod verursacht. Du hast hier die freundlichere Variante gewählt, was mir als Happy-End-Fan sehr entgegenkommt.

Auch für Elidorus gibt es einen gücklichen Ausgang: er findet endlich eine Heimat, wo er bleiben kann. Ich erinnere mich deutlich an seine Klage, als er mit Merlin uf Reisen gehen sollte, wo er doch lieber Ruhe und Frieden finden wollte; das hat er jetzt erreicht.

Du hast aus dieser oft bearbeiteten Vorlage wieder etwas völlig Neues gemacht. Herzlichen Glückwunsch zum guten Gelingen.

roseta

Antwort von Thomas Heinrich am 07.02.2021 | 17:57 Uhr
Liebe roseta,

dann will ich auch Dein Review zur letzten Szene noch beantworten!

Deinen Lapsus halte ich für absolut nachvollziehbar, da es zehn Monate her ist, daß ich die erste Szene hochgeladen habe, und wer schaut schließlich schon ständig ins Personenverzeichnis?
Emrys taucht tatsächlich nur recht sporadisch auf, aber trotzdem ist seine Rolle wichtig, nicht nur wegen seines letzten Auftritts. Aber da der gereifte Merlin nicht mehr länger vor dem Blick in die Anderswelt zurückschreckt, braucht er seinen "Freund" in dieser Sphäre auch nicht mehr.

Die Version, in der Nimue Merlins Unglück ist, kenne ich natürlich auch, es ist die verbreitetere Variante der Sage und auch die, die in Thomas Malorys Artus-Roman erzählt wird. Ich habe mich dagegen mehr an der bretonischen Variante der Sage orientiert.

Was Elidorus betrifft, so fand ich, daß der sich eine "Belohnung" am Ende einfach verdient hat, schließlich hatte er es ja schon im Vorfeld der Handlung schwerer als Merlin, und Merlin, der ja ein ziemlich "anstrengender" Cousin war, hat es ihm auch danach nicht immer leichtgemacht - jetzt findet er endlich die Ruhe, die er gesucht hat.

Es freut mich natürlich, daß Du (trotz aller Detailkritik!) mein Drama für gelungen hältst, zumal ich es selbst für eines meiner besten Werke halte, nicht zuletzt auch deshalb, weil Merlin zumindest nach meiner Selbsteinschätzung der wohl komplexeste Charakter ist, den ich bislang erschaffen habe.

Liebe Grüße,
Thomas
07.02.2021 | 04:46 Uhr
Das ist also das Ende der Beziehung zwischen Merlin und Viviane - wenn man es denn eine Beziehung nennen kann.

Ich muss gestehen, dass Merlin mir hier sehr kaltherzig vorkommt. Viviane ist erschüttert durch den Verlust des Grals (obgleich erklärt wird, dass der "Diebstahl" nicht in böser Absicht geschehen sein kann, da der Dieb sonst umgekommen wäre - ein sehr kluger Schachzug von dir!) und da kommt gleich die nächste kalte Dusche für sie: Merlin war nicht bei ihr, weil er "zur Liebe nicht bereit" war, und nun verabschiedet er sich gar abrupt. Als "Trost" und als Entschädigung hinterlässt er das Schwert Excalibur, und die Szene endet einigermaßen versöhnlich.

Bei mir bleibt trotzdem der Eindruck, dass Merlin Viviane schlecht behandelt. Kann er ihr denn nicht erklären, dass und warum er den Gral genommen hat? Offenbar ist er der Meinung, dass sie es nicht verstehen würde. ("Geliebte Frau, wie ahnungslos du bist!") Vielleicht ist es doch ganz gut, dass es nicht zu einer ernsthaften Beziehung kam - obwohl ich Vivianes Klage ("Ich werde nie mehr lieben können") sehr berührend finde.

Ich bin wahrhaftig keine Feministin, eher das Gegenteil. Aber diese Szene erinnert mich doch an viele Geschichten, literarische und banale, die ich gelesen habe - in denen der Held sein edles Ziel verfolgt, unbeirrt seinen Weg geht, und die Frauen, denen er auf diesem Weg begegnet, sind nur eine Stufe seiner Entwicklung.

Jetzt habe ich doch wieder rumgemeckert, ich finde halt immer ein Haar in der Suppe. Aber ich habe es schon öfter gesagt: das soll nicht heißen, dass ich finde, dass irgendetwas an der Szene falsch ist. Ich gebe lediglich wieder, was ich beim Lesen empfunden habe.

Dann mal zur letzten Szene ...

Antwort von Thomas Heinrich am 07.02.2021 | 17:41 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Deine letzten beiden Reviews, die ich nun nacheinander beantworten werde!

Ich kann Deinen Einwand durchaus nachvollziehen, wobei ich aber sagen möchte, daß nicht so sehr Merlin es ist, der hier Viviane kaltherzig behandelt, sondern ich als Autor bin es! Das habe ich auch deutlich gespürt, und so habe ich jetzt gerade noch - als lyrischen Nachtrag zu diesem Drama - ein kleines Gedicht verfaßt, in dem Viviane als lyrisches Ich viele Jahre später auf diese Episode zurückblickt. Das ist dann zwar auch ein eher melancholisches Werk, aber irgendwie wollte ich mich von ihr nicht einfach so abwenden.

Was aber Merlins Verhalten betriffen, so erklärt sich sein Verhalten nicht so durch Kälte, sondern schlichtweg daraus, daß er Angst davor hat, die Wahrheit zu sagen: zum einen fürchtet er, für die Entfernung eines so bedeutenden Heiligtums womöglich sogar hingerichtet zu werden, und er fürchtet außerdem, selbst in dem Fall, daß er heil davonkäme, doch Vivianes Liebe und vielleicht auch ihre Achtung für immer zu verlieren. Er handelt also ein wenig feige, aber kalt ist er nicht - und daß er (trotz des Fehlens einer böser Absicht) ein schlechtes Gewissen hat, ist zumindest spürbar (oder sollte es wenigstens sein).

Auch Deinen Einwand, daß die Frauen "nur eine Stufe seiner Entwicklung" wären, halte ich für durchaus berechtigt - das ist eigentlich der einzige Punkt, in dem ich mit meinem Drama nicht so ganz zufrieden bin, aber irgendwie fand ich keinen überzeugenden Weg, wie ich das hätte umgehen können.

Bis gleich,
Thomas
03.02.2021 | 18:52 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Ein Coming-of-Age-Drama. Der junge Merlin ist gereift und sich seiner Gabe bewusst.
Wie es mit ihm weiter geht, weiß man aus den Legenden.

Ein sehr schönes Ende zu einem ausgezeichnet gedichteten Theaterstück.
Großes Kompliment zu deinem Talent.
Herzliche Grüße.
R ⋈

Antwort von Thomas Heinrich am 03.02.2021 | 20:11 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Deine letzten beiden Reviews zu diesem Stück. Da das zur vorigen Szene ja recht kurz ist, beantworte ich einfach beide Reviews auf einmal.

Die Idee mit Excalibur ist mir erst sehr spät gekommen, aber sie fügte sich (zumindest empfand ich es so) gut ins Gesamtkonzept ein. Den Schluß hatte ich dagegen schon lange in dieser Form geplant: Merlin zieht weiter durch die Welt, um sich auf seine Aufgabe, die er nun kennt, vorzubereiten, während sein Cousin sich nun endlich ein wenig Ruhe gönnen darf und sicherlich sehr verständig mit seinem neuen Wohlstand umgehen wird.

Ich bin einerseits sehr froh, daß ich dieses dramatische Gedicht jetzt abgeschlossen habe, und andererseits auch sehr zufrieden, denn ich glaube, daß das eines meiner besten Werke überhaupt ist.

Vielen Dank für's Lesen und Deine regelmäßigen Kommentare!

Liebe Grüße,
Thomas
03.02.2021 | 18:49 Uhr
Lieber Thomas!
Jetzt ist auch Excalibur erklärt und es geht aufs Ende zu.
Schönen Abend!
R ღ
02.02.2021 | 19:48 Uhr
Lieber Thomas,

nun hat also Emrys seinen großen Auftritt und wir erfahren, wer und was er ist: Merlins zweites Ich.

Ich muss gestehen, dass er bisher so selten aufgetreten ist, dass ich mich gefragt habe, ob er überhaupt notwendig ist; dazu kam, dass er zweimal (Burg Chariot und Avalon) Merlin aus einer angenehmen Situation sozusagen herausgerissen hat. Ich fing schon an, ihn nicht zu mögen (ähnlich wie Viviane).

Aber er ist offenbar ein Teil von Merlin und untrennbar mit ihm verbunden. Er sagt ihm die Zukunft voraus (oder ist der Teil von ihm, der die Zukunft voraussieht).

Merlin hat also auch den Auftrag, den Gral zu verbergen, damit er das Ziel der Ritter wird, das sie zur Vollendung ihres ritterlichen Lebens führt (oder so ähnlich). Die ganze Gralsidee ist so vielschichtig, dass das Thema wohl hier nur angeschnitten werden kann. (Was mich betrifft, so klebe ich in dieser Hinsicht fest an Richard Wagners, den du nicht leiden kannst, Parsifal und Lohengrin.)

Wirst du auch Merlin noch sein Ende vorhersehen lassen? Der Sage nach wurde ihm ja die Liebe zu einer Jungfrau zum Verderben. Aber das liegt natürlich noch in weiter Ferne.

Bis zum nächsten Mal viele Grüße.
roseta

Antwort von Thomas Heinrich am 02.02.2021 | 22:24 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Dein Review!

Offenbar hast Du (wie übrigens auch Deine Vorrednerin) das Personenverzeichnis nur flüchtig gelesen (oder es nach zehn Monaten vergessen, was auch verständlich wäre), da steht nämlich drin, daß Emrys Merlins zweites Ich ist.

Aber diese Szene war von Anfang an fest in meinem Konzept vorgesehen, auch wenn sie eine etwas andere Gestalt angenommen hat als ursprünglich geplant. Eigentlich hatte ich anfangs vorgehabt, die auftretenden Ritter auch sprechen zu lassen, aber so recht wußte ich nicht, was sie eigentlich sagen sollen, also habe ich mich doch dagegen entschieden.

Was den Gral betrifft, habe ich dagegen einige Entscheidungen erst kurzfristig getroffen. Der Auftritt der Gralssucher war zwar schon lange geplant, denn am Ende meines "Uwains" heißt es ja, daß Uwain zusammen mit Galahad und Parzival den Gral gesucht und gefunden hat - damit habe ich an der Version von Sir Thomas Malory orientiert, nur daß ich Sir Bors bei Malory durch "meinen" Uwain ersetzt habe. Hier wollte ich also einen Bezug des Merlin-Stückes zu meinem Ritterepos herstellen, das Problem war allerdings, daß der Gral dafür ja erst mal aus Avalon verschwinden mußte. Ein wenig folge ich hier der Version, die in "Die Nebel von Avalon" nachzulesen ist, wo der Merlin den heiligen Kelch entfernt - aber wie natürlich deutlich wird, weiche ich zugleich auch stark von dieser Version ab, da bei mir der Gral schon lange vor Artus' Geburt Avalon verläßt. Ich hatte, kurz gesagt, wirklich schwer mit dieser Szene zu kämpfen.

Aber hör mir mit Wagners "Parsifal" auf, das Vorspiel fand ich schön, den Rest aber ziemlich öde, und auch inhaltlich gefällt mir Wolfram von Eschenbachs "Parzival" viel besser. Ich muß jedoch zugeben, daß ich "Lohengrin" fast gemocht habe...

Was Merlins Ende betrifft, so gibt es ja auch verschiedene Varianten. Merlin wird in der letzten Szene Elidorus einen Traum erzählen, aus dem ungefähr deutlich werden wird, wofür ich mich entschieden habe.

Vorhin habe ich übrigens die vorletzte Szene hochgeladen, ich bin jetzt sicher, daß ich in wenigen Tagen fertig werde, denn die Schlußszene soll eigentlich nicht besonders lang ausfallen.

Liebe Grüße,
Thomas
31.01.2021 | 21:10 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Emrys... was für eine Überraschung.
Wenn das jetzt nicht metaphorisch gemeint war, dann hab ich damit nicht gerechnet.
Schönen Abend.
R இ

Antwort von Thomas Heinrich am 31.01.2021 | 21:26 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Da ja schon im Personenverzeichnis Emrys als "Merlins zweites Ich" aufgeführt wird, nahm ich eigentlich an, daß die Entwicklung dieser Szene nicht so vollkommen überraschend wäre...
Letztlich habe ich mich beim Verhältnis Merlin/Emrys ein wenig an Stephen Kings "Shining" orientiert, denn dort sieht der hellseherisch begabte Junge Danny auch einen etwas älteren Jungen namens Tony (Dannys zweiter Vorname ist Anthony), den außer ihm niemand sehen kann und der ihn vor allerlei schrecklichen Dingen warnt. Das fand ich immer hoch interessant und habe mich ein wenig daran orientiert; wobei Emrys in meinem Stück sicherlich noch "mächtiger" als Tony ist.

Jedenfalls steht mein Stück nun kurz vor dem Abschluß. Merlin kennt nun sein Schicksal (und damit auch den Sinn seines Lebens), die letzten beiden Szenen dienen nur noch einem runden Abschluß.

Liebe Grüße,
Thomas
30.01.2021 | 22:03 Uhr
Lieber Thomas,

zu dieser Szene sind mir wieder mal teilweise recht unpassende Dinge eingefallen, aber ich will sie nicht verschweigen.

Viviane hat also Elidorus‘ Abneigung bemerkt – und ich musste sofort an Faust und an Gretchens Aversion gegen Mephisto denken! Und dabei ist Elidorus eher das Gegenteil von Mephisto und Viviane hat keine Ähnlichkeit mit Gretchen. Aber es ist auch eine Erfahrung des normalen Lebens, dass „beste Freunde“ und neue Partner/Partnerinnen sich oft nicht sympathisch sind, weil sie in einer gewissen Konkurrenz zueinander stehen.

Überrascht hat mich zunächst auch die Erwähnung des Grals, denn der gehört ja ins Gebiet der christlichen Religion, während Viviane der heidnischen Göttin dient. Aber rechtzeitig fiel mir noch ein, dass es in den „Nebeln von Avalon“ eine Szene gibt, in der Morgaine das heilige Gefäß der Göttin erscheinen lässt und die anwesenden Ritter es für den Gral halten. So werden die beiden Religionen symbolisch zusammengeführt.

Aber dass Emrys unter Blitz und Donner erscheint und sich als Spielverderber betätigt (entschuldige den despektierlichen Ausdruck), das habe ich nicht ganz verstanden. Was hätte dagegen gesprochen, dass Merlin und Viviane das Sonnwendfest zusammen „in traditioneller Weise“ begehen? Dass sie nicht zusammenbleiben können, steht auf einem anderen Blatt.

Und gar nicht verstanden habe ich, was die Geburt von Lanzelot damit zu tun hat. In den „Nebeln“ wird Viviane erst sehr viel später seine Mutter, da ist sie schon nicht mehr jung. Und er ist das Kind einer rituellen Verbindung mit dem König der Bretagne. Wer ist denn in deiner Geschichte sein Vater?

Jetzt habe ich dich wieder mit Fragen zugetextet. Aber bis jetzt hast du mir immer geduldig geantwortet …

Viele liebe Grüße
roseta

Antwort von Thomas Heinrich am 31.01.2021 | 04:57 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Dein Review!

Die eine oder andere bewußte Anspielung auf den "Faust" gab es fraglos schon in diesem Stück, aber in dieser Szene hatte ich keine solche im Sinn, die von Dir erwähnten Parallelen sind wohl einfach durch die Figurenkonstellation zustandegekommen - denn wie Du selbst schon schreibst, ist Elidorus ja geradezu das genaue Gegenteil von Mephisto, und hier hat Merlin wohl zum ersten Mal so klar ausgesprochen, was er an seinem Cousin hat.

Was den Gral betrifft, so ist der wohl eher keltischen Ursprungs und später in die christlichen Interpretationen der Sage inkorporiert worden, so steht es zumindest in meinem Mythologie-Buch; laut Meyers Lexikon ist seine Herkunft nicht eindeutig geklärt. Es erschien mir also als durchaus plausibel, ihn auf Avalon unterzubringen. Es wird übrigens auch nicht bei dieser einen Erwähnung des Grals bleiben, soviel kann ich schon mal verraten, der wird nämlich auch in der nächsten Szene noch mal eine Rolle spielen.

Die nächste Szene spielt übrigens in der kürzesten Nacht des Jahres (sehr witzig, so etwas dann Ende Januar zu schreiben...), und da wird Emrys sich dann mit Merlin etwas ausführlicher unterhalten; kurzum, Merlin wird in dieser Nacht wichtigeres zu tun haben, als sich mit Viviane zu vergnügen...

Wer in meiner Geschichte Lancelots Vater ist? Ehrlich gesagt habe ich nicht die leiseste Ahnung. Aber mir ging es auch eher darum, daß Merlins Avalon- Aufenthalt sich jetzt auch schon wieder unaufhaltsam seinem Ende nähert - so wie auch seine Lern- und Jugendzeit im engeren Sinne, und damit kündigt sich nun auch das Ende dieses Stücks an. Wenn es gut läuft, bin ich am Ende der nächsten Woche fertig, die nächste Szene ist noch mal schwierig, die letzten beiden werden voraussichtlich recht kurz sein. Und ich werde tief durchatmen, wenn dieser Kraftakt vollbracht ist...

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
27.01.2021 | 13:58 Uhr
Hallo werter Thomas,

Hier bin ich wieder und nerve auf ein Neues mit einer (diesmal kürzeren) Rückmeldung! :)

Zuerst einmal muss ich loswerden, dass mir dein kreatives wie auch fantasievolles Bühnenbild sehr zusagt. Die Beschreibung gefiel mir und hatte etwas Magisches... auch wenn ich mich nun ehrlichgesagt frage, ob sich so ein Bühnenbild gut in der Realität umsetzen lässt? Ich bin da definitiv kein Profi, aber ich weiss zumindest, dass die visuelle Umsetzung gewisser Dinge im Theater weitaus schlechter geht als nun etwa beim Film. Nur so ein Gedanke nebenbei, der aber deiner Szene keineswegs einen Abbruch tut!

Es freut mich, dass Emrys endlich einmal wieder vorkommt! Wie lange war es überhaupt her seit seinem letzten Auftritt? Wenn ich mich nicht täusche, gab es bisher nur eine Szene mit ihm, oder? (Ja, auch mein Gedächtnis kann manchmal Lücken aufweisen...)
Eine prophetische Traumszene, die ein ganzes Kapitel für sich einnimmt, hat in deinem Stück noch gefehlt, das weiss ich aber zumindest. Jetzt ist aber so eine Szene in deinem Stück und ich empfinde sie als ziemlich interessant wie auch reizvoll. Diese Szene gefiel mir sogar so sehr, dass ich es ein wenig schade finde, dass sie nicht länger ist... Hihihi, wirklich lustig, wie einer meiner häufigsten Kritikpunkte an deine Werke eigentlich immer mit meiner Gier nach mehr guten Text zu tun hat. Hahahaha!

Gut, zwei grosse Botschaften teilt Emrys mit Merlin. Die erste ist sehr kryptisch, aber ich glaube durchaus sagen zu können, dass sie sich auf unsere moderne Zeit bezieht und du hier (wie bei so einigen deiner jüngeren Texte) deine Gedanken wie auch Ängste im Angesicht des politischen Weltgeschehens in deine Kunst hast einfließen lassen, um auch deine Leser/Zuschauer zu warnen. Ich sehe da Krieg, Populismus, ein Wiederaufkommen politischer Despoten, Umweltkatastropgen und andere Dinge die sich insgesamt in dieser Richtung bewegen - liege ich da vielleicht richtig? Du kannst mir das liebend gerne per PN verraten, sofern dir dies wohler ist.
Die zweite Botschaft ist weitaus klarer und für Merlins Gegenwart bedeutender: Die Pest ist ins Land gekommen oder wird in Kürze ins Land kommen... Sofern ich mich richtig entsinne, kündigte sich der baldige Pestausbruch bereits im ersten Akt an, als Elidorus doch betrübt über das Weltgeschehen war und von der Pest berichtete, welche im Festland wütet?

Nebenbei: Das Design der Pest war recht cool, wobei ich sie mir aber noch ergänzend mit durch Make-up hingezauberte Pestbeulen vorgestellt habe, weil es mir einfach passend wie auch machbar erschien... Die Drohung der Pest war dann nicht gerade aufmunternd und ihre begeisterten Sprünge erschienen auf eine groteske Art kindisch.

Dann bis zum nächsten Review!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 27.01.2021 | 18:51 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

dann will ich doch auch auf dieses Review noch schnell antworten!

Ein Profi bin ich ja selbst nicht, aber letztlich machen die Regisseure am Theater heute ohnehin, was sie wollen - daher habe ich mich auch gar nicht so intensiv damit beschäftigt, wie gut sich mein Stück praktisch inszenieren ließe (schwieriger als "Faust II" dürfte es kaum sein). Insofern dienen die Regieanweisungen und Bühnenbildbeschreibungen im Moment mehr den Lesern, damit sie sich das vorstellen können - aber sicherlich merkt man hier, daß ich viel mehr Filme als Theateraufführungen gesehen habe!

Dies ist tatsächlich erst der zweite Auftritt von Emrys (der aber im vierten und fünften Akt auch noch in Erscheinung tritt). Was die Bedeutung seiner Botschaft betrifft, habe ich ja in meiner PN ein wenig erklärt, was ich mir so gedacht habe. Die Warnung vor der Pest ist dagegen ganz klar (und Du erinnerst Dich richtig, die wurde schon im ersten Akt erwähnt). Interessanterweise war eine Pestepisode von Anfang an vorgesehen, schon als ich gerade erst mit dem Gedanken an ein Merlin-Stück zu spielen begann. Die Pest ist also nicht durch Corona in mein Stück gekommen, aber natürlich passen die entsprechenden späteren Szenen dann ganz gut zur Gegenwart (auf die ich dann an manchen Stellen auch bewußt angespielt habe).

Vielen Dank nochmal für Dein umfassenden Reviews!

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
27.01.2021 | 09:48 Uhr
Hallo werter Thomas,

Nach der vorherigen Szene, welche lang und spektakulär war, kommt nun passenderweise als eine Art Ausgleich eine kürzere, ruhigere Szene in welcher der Frühling und Hypatia wie auch der sich immer weiter nähernde Tod Taliesins im Vordergrund stehen... und ich muss leider zugeben, dass ich Hypitia nur vage den Namen nach kenne und nach dem lesen deiner Szene hier kurz nachgoogeln musste, um mir einen genaueren Reim auf sie machen zu können. Nach dem was ich gelesen habe, scheint sie ja eine sehr intelligente Frau gewesen zu sein - auch wenn wir nichts genaueres von ihren leider nicht erhalten gebliebenen Werken wissen können. Ich finde es immer wieder spannend etwas über die beeindruckenden Frauen der Geschichte zu lesen, insbesondere eben deswegen, weil es in der fast ausschließlich patriachal dominierten Weltgeschichte sicher schwer für solche Frauen war und ihre Lebensgeschichten darum auch immer wieder sehr interessant sind. Und wenn ich an diese Beispiele von Frauen denke, welche beweisen, dass Männer und Frauen verschieden sein können aber keiner minderwertiger oder hochwertiger als der andere ist, frage ich mich immer wieder wie viele weibliche Einsteins, Shakespeares, Da Vincis, Aristotelese, Beethovens, Hippokratese... usw. Nur wegen sexistischer Machtstrukturen im Laufe der Geschichte verloren gegangen sind, weil sie es nicht schaffen konnten, ihr Potential völlig zu nutzen... Generell ist die Menschheitsgeschichte sicher voller verlorener Genies und Talente, egal ob männlich oder weiblich. Auch heute noch, denn vielleicht ist der Mensch, der eventuell mit seiner Genialität es geschafft hätte, unsere Welt in Zukunft auf eine bessere Bahn zu bringen, irgendein ertrinkendes Flüchtlingskind oder ein auf der Straße liegender Junkie oder eine zwangsverheiratete Kindbraut?
Entschuldige meinen ausschweifenden Gedankengang...

Ich empfand es als ein gutes Zeichen, dass der werte Merlin sein blindes Handeln als gefährlich einsieht. Es ist ja bereits mehrmals vorgekommen, dass Merlin in diesem Stück einen Fehler macht und danach den Fehler einsieht und aus ihm lernt. Er ist also fähig zum Wachstum.
Elidorus lobte nun seine Leistung und ich finde das persönlich nicht schlimm, da Elidorus und Merlin ein anderes Verhältnis als Merlin und Taliesin haben. Erstere Beziehung erlaubt es, dass auf Merlins tat auch ein offenes Lob folgen kann. Letztere eher nicht, da Taliesin als Mentor eine deutliche Autoritätsfigur darstellt und Merlin zu formen hat...

Irgendwie bin ich traurig wegen Taliesins bevorstehenden Tod... Auch wenn er noch nicht wirklich lange Teil dieses Stücks ist, mag ich ihn ziemlich. Desweiteren erscheint es mir sehr tragisch daran zu denken, dass er sich als Seher seines Todes bewusst ist. Und das wie lange schon? Stell dir vor, du wüsstest bereits Jahre zuvor den genauen Zeitpunkt deines Todes! Das währe sicher verstörend. In Taliesins Fall glaube ich auch, dass da eine gewisse Angst vorhanden sein muss, auch wenn er sich bestimmt durch Zeit wie auch Weisheit darauf vorbereitete...

Zum Schluss noch eine Frage, die ich wahrscheinlich noch nicht gestellt habe: Basiert dein Taliesin zufälligerweise auf den britannischen Barden? Wenn ja, währe dies eine weitere interessante Parallele zu Merlin, der ja selbst teilweise seine Wurzeln bei einem (höchstwahrscheinlich) historisch realen Barden hat.

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

Antwort von Thomas Heinrich am 27.01.2021 | 18:41 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

dann will ich doch auch Dein nächstes Review beantworten (und mich zuerst natürlich dafür bedanken)!

Von Hypatia habe ich erstmals in der Fernsehreihe "Unser Kosmos", die von Carl Sagan präsentiert wurde, gehört - und danach immer mal wieder. Viel weiß man über sie und vor allem ihr Werk ja leider nicht.

Deinen Ausführungen über höchst begabte Menschen, deren Genie sich niemals entfalten konnte, schließe ich mich vollständig an: genau so ist es! Traurigerweise.

Was Taliesin betrifft, so folge ich ja letztlich der Tradition, daß der Mentor/Ausbilder des Protagonisten im Verlauf der Handlung stirbt (ich sage nur Obi-Wan Kenobi oder Dumbledore); so groß ist Taliesins Angst vermutlich nicht, da er, um mit Dumbledore zu sprechen, "ein gut vorbereiteter Geist" ist.

Ansonsten habe ich mich einfach bei den Sehern der britischen Sagen umgesehen und da fand ich eben Taliesin, wobei dieser in manchen Artus-Versionen ja sogar mit Merlin identifiziert wird (was für mich natürlich nicht in Frage kam).

Liebe Grüße,
Thomas
Jonathan Ghost (anonymer Benutzer)
27.01.2021 | 00:46 Uhr
Hallo werter Thomas,

Da ich jetzt gerade nicht so gut mit meinem Merlin-Text vorankomme, lese und reviewe ich einfach bei dir ein wenig weiter. Denn zum einen hinke ich bereits ziemlich viele Szenen hinterher, da ich wie du weißt einfach nur sehr langsam wie auch etwas faul beim Verfolgen eines so hochwertigen Stücks in schriftlicher Form bin, und desweiteren könnte mich dein Merlin-Stück ja ein wenig in kreative Stimmung versetzen... Aber dann will ich itzo nicht länger um den heissen Brei herumreden!

Bereits seit du mir davon erzählt hast, dass du dir ein Buch über Stonehenge und eines über die Druiden zugelegt hast, war ich recht aufgeregt auf diese Szene. Und nachdem du vor einem Weilchen in einer deiner Reviewantworten meintest, dass diese lange Szene hier auch etwas spektakulärer als die vorherigen Szenen sein würde, war bei mir schon die Neugier gross. Und auch wenn ich damals sagte, dass mir eine Stonehenge-Szene zur Wintersonnenwende gefallen würde, muss ich nun der Richtigkeit halber zugeben, dass deine Verwendung hier von Stonehenge keineswegs schlecht ist. Nein, ganz sicher hast du diese großartige Kulisse keineswegs verschwendet, sondern verstandst sie gut zu nutzen wie auch sogar zu preisen! Vielleicht benutze ich solch lobende Worte manchmal etwas inflationär in meinen Reviews zu gewissen deiner Werke, aber mir ist das ziemlich egal, da ich weiss dass es meine ehrliche Meinung ist. Also: Ich liebe diese Szene und fand sie großartig! Dein Schreibstil war wie immer toll, die Dialoge waren interessant, die Kulisse irgendwie sehr passend (mystische Stonehenge-Romantik lässt grüßen!), die phantastischen Elemente spannend und was es hier bezüglich den Charakteren zu lesen geboten gab... Bitte, versprich mir, dass du irgendeine Anstrengung machst, um dieses Stück zu veröffentlichen! Ich weiss ja nicht viel über dramatische Stücke, aber ich glaube trotzdem, dass dieses Werk von dir qualitativ hochwertiges Material darstellt.

Wie aber auch immer. Der Anfang mit Taliesin, Elidorus und Merlin gefiel mir sehr, auch wenn ich der Ehrlichkeit halber sagen muss, dass man hier durchaus sehr stark den Autor dieses Stücks durch die Charaktere sprechen sieht. ;)
Doch dies ist keineswegs schlimm, denn obwohl dieses Loblied von Seiten der drei Herren offensichtlich deine Faszination widerspiegelt, kann auch gesagt sein, dass du hier deine Charaktere gleichzeitig aus den Herzen vieler anderer sprechen lässt. Ich persönlich war leider nie bei Stonehenge, doch da du von meinem Interesse wie auch gewissen Respekt für Geschichte und alte Kulturen weißt, verwundert es dich wohl eher nicht, wenn ich folgendes sage: Jedem einzelnen von Taliesin, Merlin und Elidorus als Einstieg zu dieser Szene gesprochene Wort stimme ich voll und ganz zu!

Weißt du, seit ich als ganz kleiner Junge das erste Mal "Avatar – Der Herr der Elemente" gesehen habe und so liebgewonnen habe, dass ich diese Serie fast jedes Jahr aufs Neue schaue, bin ich jedes Mal ziemlich aufgeregt wie auch fasziniert wenn jemand die wissenschaftlich gesehen nicht gerade logische, aber in dramatischer/symbolischer/magischer Hinsicht schlichtweg extrem potentialreiche wie auch epische Lehre von den vier Elementen aufgreift... So nebenbei: Zu welchem der vier Elemente würdest du dich selbst charakterlich am ehesten zuordnen? Ich währe am ehesten Erde, glaub ich, auch wenn ich Wasser mag und gewisse Symboliken davon teile. Ja, Erde die manchmal zu Schlamm wird, das passt. Hihi.

Etwas dass ich bei Taliesin bemerkt habe: Wie es scheint bezieht er Wissen aus mehreren Quellen? Das ist ein meiner Meinung nach faszinierendes Detail, da dies seine Weisheit unterstreicht.
Mir gefiel nebenbei seine Erläuterung der vier Elemente und auch, wie er die symbolischen Eigenschaften so gut rüberbrachte. Die Hervorhebung eines gesunden Ausgleichs, empfand ich auch als sehr weise.

Interessant war es für mich, wie Merlin sich in diesem Kapitel von seiner ungeduldigen, unvorsichtigen und auch übermütigen Seite zeigt. Dies zeigt ganz deutlich, dass der werte Merlin trotz seiner Kräfte und seines Talents im Lernen der Magie auch nur ein fehlerhaftes, menschliches Wesen ist und am Ende des Tages auch noch nur ein Junge, welcher noch weit gehen muss, um der weise Merlin aus den Mythen zu werden. Das nennt man das Schreiben eines Charakters, der mächtig und talentiert, aber keineswegs eine Mary Sue ist!
Gefallen hat mir nebenbei auch ziemlich wie Elidorus in der Runde als vollwertiges Mitglied behandelt wird, auch wenn die Welt von Taliesin und Merlin nicht die seine ist und wegen seiner magielosigkeit auch nie sein wird. Ich finde das angenehm, denn irgendwie neigen Leute in Geschichten mit Zauberkräften/Superkräften oft dazu, die Normalos irgendwie als "weniger wert" darzustellen und sie im Angesicht von Individuen mit Fähigkeiten sogar regelrecht infantilisiert werden...

Die Geisterbeschwörung erschien mir wie eine interessante Prüfung, aber ich muss ehrlich sagen, dass du schon etwas mehr aus dem Teil mit der Undine hättest machen können - und dies ohne sie als all zu gefährlich darzustellen. Irgendwie fehlte da nämlich schon was. Ich verstehe natürlich warum du den Konflikt mit der Undine nicht all zu dramatisch und lang gestalten wolltest, da du hier eine gewisse Vorarbeit leisten wolltest, bei der Merlin - genauso wie der Leser - etwas unbefriedigt von der Prüfung ist... und darum erst auf die Idee kommt, den Salamander (nebenbei: Tolle Kostümidee!) zu beschwören, der dann im Angesicht der zuvor etwas "unmotivierten" Undine wie eine anständige Bedrohung, eine andere Liga, wirkt.

Das Ende ist dann ein passender Abschluss. Es ist schön, dass Merlin die Dummheit seiner Tat erkennt, merkt in welcher Gefahr er schwebte, und aus einer schreiberischen Perspektive hallte ich es für weise, es so zu schildern, dass Merlin seine Probleme im Kampf gegen den Feuergeist hatte und keineswegs völlig okay aus der Sache raus gekommen ist.

Ich kann Taliesins Standpunkt verstehen. Zum einen ist Merlins Leistung beeindruckend, aber nichtsdestotrotz wurde diese Leistung aus einer dummen Entscheidung geboren und so währe es unklug, sein Verhalten mit Lob zu belohnen und ihm somit das Gefühl zu geben, als währen seine Handlungen nicht all zu schlimm gewesen. Merlin in solchen Dingen zu ermutigen, währe sicher unratsam wie auch schlecht für seine Entwicklung.

Es erscheint mir sehr logisch, weder Sylphen noch Gnome zu beschwören, da Luft und Erde dort allgegenwertig sind... aber Waser. Was ist mit Luftfeuchtigkeit? Denke ich mir dabei gerade viel zu viel?

Dann noch viel Glück beim Weiterschreiben!

Mit freundlichen Grüssen
Jonathan Ghost

P.S: Bei den Chinesen hat es lustigerweise keine Vier-Element-Lehre, sondern eine Fünf-Element-Lehre bestehend aus Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser! Nur so als kleiner Fakt.

Antwort von Thomas Heinrich am 27.01.2021 | 18:32 Uhr
Hallo lieber Jonathan,

vielen Dank für Dein (wie gewohnt ausführliches) Review!

Diese Szene ist ja die bisher längste, was sie vermutlich auch bleiben wird - insofern ist sie schon einer der Höhepunkte des Stückes. Beim Schreiben habe ich versucht, ein wenig von den Informationen, die ich in den beiden Büchern gefunden habe, einfließen zu lassen, aber alle dabei zurückbleibenden Lücken mit meiner Fantasie aufgefüllt. Was ja so einigermaßen geklappt zu haben scheint.

Ich denke mal, dem Beginn der Szene ist es anzumerken, daß ich Stonehenge auch gern einmal mit eigenen Augen zu sehen bekäme! Und für die vier Elemente habe ich ebenfalls eine Schwäche, zumindest als Dichter und Schriftsteller (Du kannst Dich ja sicherlich noch an die vier Drachenarten in "Die Krone von Dargaros" erinnern); wenn ich die Naturwissenschaftler-Brille aufsetze, dann klinge ich natürlich ganz anders! Aber welches Element "meins" wäre, kann ich nicht sagen, darüber habe ich noch nie so recht nachgedacht.

Taliesin ist sicherlich nicht nur ein Druide, Seher und Magier, sondern auch ein Gelehrter, vermutlich einer der besten seiner Zeit.

Merlins übermütige Seite schlägt ja immer wieder mal durch, so wie auch seine Annahme, alle Probleme ließen sich mit Magie lösen. In beiden Belangen wird er allmählich vernünftiger, aber eben nicht von einem Moment zum anderen, sondern es gibt immer wieder mal Rückfälle. Ein solcher Prozeß erscheint mir auch psychologisch am glaubwürdigsten.

Ich stimme zu, daß der Auftritt der Undine hätte länger ausfallen können (aber diese Szene war so schon so wahnsinnig anstrengend zu schreiben!); schwieriger hätte die Aufgabe dagegen kaum sein dürfen, da ich ja aus Merlin den Entschluß, sich gleich anschließend auch noch mit dem Salamander anzulegen, herauskitzeln wollte. Und da Merlin trotz seiner überragenden Begabung noch nicht richtig ausgebildet ist, hätte ich es als unpassend empfunden, ihn diesen (zweiten) Kampf ganz lässig gewinnen zu lassen.

Und über Taliesins Lob, das nur Elidorus zu hören bekommt, denken wir ja ganz ähnlich!

Bis gleich,
Thomas
26.01.2021 | 16:18 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Eine lange Szene mit vielen interessanten Kanten, die mir besonders gut gefallen hat.
Merlin kommt hier dem Gral sehr nahe.
Das althochdeutsche „itzo“ hat mir gut gefallen, es stach heraus und passt aber auch. Ja, ich kenne das Wort und es ist wohl allen klar, was es bedeutet.

Ob Elidorus nur eine bessere Menschenkenntnis hat, was Viviane Betrifft, nicht von ihr geblendet ist?
Jedenfalls spürt Viviane, dass er nicht hingerissen von ihr ist. Merlin wirbt um Sympathie und auch, dass Viviane Elidorus entgegenkommen sollte ein Stück.
Der Kuss wurde ihm dann von Emrys verwehrt.
Wie auch immer, es wird für Merlin eine unglückliche Liebe.

Ich dachte, Viviane hat Lancelot als Baby geraubt. Sie war meines Wissens nicht seine biologische Mutter?
Was für tolle Reime wieder,
ehrfurchtsvolle Grüße.
R ஜ

Antwort von Thomas Heinrich am 26.01.2021 | 17:51 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Ich würde nicht unbedingt sagen, daß Merlin von Viviane "geblendet" ist - jedenfalls auch nicht mehr als sie von ihm. Letztlich haben hier zwei an sich recht gut passende junge Menschen zueinander gefunden, denen aber "das Schicksal" eine andere Bestimmung zugedacht hat. Doch was ist das Schicksal eigentlich? Jedenfalls wäre Merlins Leben ohne all diese Visionen wohl um einiges einfacher.

Was die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren der Artussage betrifft, so hängt das immer auch davon ab, zu welchem Buch bzw. welchem Autor man greift. In "Die Nebel von Avalon" etwa ist Viviane sehr wohl Lancelots leibliche Mutter, wenn ich mich richtig erinnere (dafür gibt es in diesem Roman Merlin gar nicht als Person, sondern "Merlin" ist dort ein Titel, der von verschiedenen Personen getragen wird...). Was Lancelots Abkunft betrifft, folge ich also dem Roman Marion Zimmer Bradleys, in wesentlichen anderen Punkten wiederum nicht. Letztlich gibt es so viele Versionen der Sage, daß man da große Freiheiten hat.

Liebe Grüße,
Thomas
21.01.2021 | 15:55 Uhr
Lieber Thomas,

meine Frage nach Elidorus ist damit wohl beantwortet: Er ist in der Tat nur der "Begleiter", im Sprachgebrauch des klassischen Dramas der "Vertraute", der nur dazu da ist, dem Protagonisten als Partner zum Gedankenaustausch, gelegentlich auch als Widerpart zu dienen. Kein Wunder, dass er eifersüchtig ist (was der klassische "Vertraute" gewöhnlich nicht ist). Ob seine Rolle sich vor dem Finale noch ändert? Es wäre eine angenehme Überraschung.

Seine Skepsis, was die Verliebtheit Merlins und Vivianes angeht, teile ich allerdings nicht, denn (wenn es nach den "Nebeln von Avalon" geht) ist Viviane frei, sich einen Gefährten zu wählen, aber sie wird sich nicht binden - und daher auch Merlins Laufbahn nicht im Weg stehen.

An der Stelle, wo Merlin von ihrer Schönheit schwärmt, aber auch ihre geistigen Vorzüge hervorhebt, habe ich tatsächlich die Verse gezählt: sind die beiden Motive im Gleichgewicht? Sie sind es ... obwohl das Lob der Schönheit doch deutlich schwärmerischer klingt, sodass es mir ein gemurmeltes "Männer!" entlockte.

Aber zusammenfassend möchte ich meinen, dass wir in Bezug auf Merlins Standpunkt mal wieder beim Altmeister Goethe angelangt sind "Das ewig Weibliche zieht uns hinan" (oder so ähnlich).

Viele liebe Grüße
roseta

Antwort von Thomas Heinrich am 21.01.2021 | 16:08 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Dein Review!

Es stimmt schon, Elidorus spielt letztlich in meinem Stück nur die zweite Geige; deshalb hielt ich es für angebracht, zumindest auch mal sein Innenleben ein wenig zu betrachten, und daß er ein wenig eifersüchtig ist, erschien mir als fast zwangsläufig - er müßte schon ein Engel sein, wenn er es nicht wäre.

Ohne schon allzu genau vorauszugreifen, kann ich ja schon verraten, daß es zwischen Merlin und Viviane zu nicht mehr als einer kleinen Romanze kommen wird. Was Merlins schwärmerische Worte über Viviane betrifft, so sind diese 14 Verse formal (mal wieder) ein englisches Sonett, von denen ich ohnehin schon etliche in diesem Stück untergebracht habe, und ich habe hier in der Tat ganz bewußt auf die letzuten beiden Verse des "Faust"-Dramas angespielt und freue mich, daß Du die Anspielung erkannt hast (womit ich allerdings auch fest gerechnet hatte).

Es fehlen jetzt noch vier Szenen, dann ist dieses dramatische Gedicht fertig.

Liebe Grüße,
Thomas
19.01.2021 | 21:09 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Hoffentlich kommt eine Frau bzw. die Liebe bzw. Viviane jetzt nicht zwischen die Freundschaft Merlins mit Elidorus.
Eine sehr reflektierte und lange Szene.
Lieben Gruß.
R ⌘

Antwort von Thomas Heinrich am 19.01.2021 | 21:22 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Wie es mit Merlin, Viviane und Elidorus weitergehen wird, will ich natürlich noch nicht preisgeben (wäre ja kontraproduktiv mit Blick auf die letzten Szenen), aber ich hatte das Gefühl, auch Elidorus' Innenleben mal wieder ein wenig beleuchten zu müssen. Eigentlich hatte ich gar keine so lange Szene geplant, aber das hat sich beim Schreiben so ergeben.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend!

Liebe Grüße,
Thomas
14.01.2021 | 17:14 Uhr
Lieber Thomas,

offenbar hast du die Absicht, die Beziehungen der bekannten Gestalten ein bisschen neu zu ordnen: Merlin und Viviane? Verspricht interessant zu werden.

Die Schilderung der blühenden Apfelbäume weckt die Sehnsucht nach Frühling (und draußen liegt noch ziemlich viel Schnee). Wieder einmal, wie schon so oft, unterstreicht deine Schilderung der Natur die Fortschritte der Handlung: blühende Bäume und die erste Liebe - denn dass es dazu kommt, halte ich für ausgemacht.
Merlin strebt zwar in erster Linie nach Erkenntnis ("dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält"), aber andere Dinge, die ihn vielleicht auch weiterbringen, stellen sich offenbar auf diesem Weg von selbst ein.

Ob Elidorus auch interessante Dinge hier erlebt, oder spielt er weiterhin nur die Rolle des treuen Begleiters und Gesprächspartners?

Bis zum nächsten Kapitel bzw. zur nächsten Szene viele Grüße.
roseta

Antwort von Thomas Heinrich am 14.01.2021 | 17:31 Uhr
Liebe roseta,

vielen Dank für Dein Review!

Es freut mich sehr, daß Du Dich auch mal wieder zu meinem Stück äußerst, das jetzt doch schon mit Riesenschritten dem Ende entgegengeht, denn immerhin sind wir mittlerweile im fünften Akt. Und natürlich liegst Du ganz richtig damit, daß nun eine zarte Romanze ansteht (was für mich übrigens eine ziemliche Herausforderung darstellt, da mir nur wenige Szenen dafür zur Verfügung stehen werden).

Interessant, daß Du Elidorus ansprichst! Die nächste Szene beginnt nämlich mit einem Monolog, den er hält; an diesem Monolog habe ich heute schon geschrieben, bin aber nach zwanzig Versen nicht mehr weitergekommen. Ich hoffe, daß ich es schaffe, in dieser Woche mit der Szene fertigzuwerden, aber versprechen kann ich nichts (und dann muß ich auch immer hoffen, daß mein altersschwacher Monitor noch durchhält).

Also hoffentlich bis bald!

Liebe Grüße,
Thomas
12.01.2021 | 18:28 Uhr
Lieber Thomas!
Adam und Eva als "Sage".
Avalon erinnert wirklich an Eden.
Merlin ist jedenfalls sehr angetan, hier und mit/von Viviane zu lernen.
Schönen Abend!
R ><(((°>

Antwort von Thomas Heinrich am 12.01.2021 | 18:35 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Da Merlin ja schon in der ersten Szene des gesamten Stücks durchblicken ließ, daß er zur Bibel (und zum Christentum insgesamt) eine eher distanzierte Haltung einnimmt, ist es nur konsequent, daß er auch den Mythos von der Schöpfung und dem Sündenfall als genau das betrachtet: als einen Mythos.
Dafür steht die Begegnung mit Viviane am Beginn einer für ihn neuen Erfahrung, von der die nächsten Szenen handeln werden.

Ich wünsche Dir auch einen schönen Abend.

Liebe Grüße,
Thomas
29.12.2020 | 20:26 Uhr
Lieber Thomas!
Nach all den Aufregungen einmal Durchschnaufen für Merlin und Elidorus.
Sehr aufwendig ist diese Szene mit dem Boot gestaltet, ich stelle mir das schön vor im Theater.
Und natürlich hat mir auch die schwärmerische Lyrik mit den Schwänen gefallen.
Schönen Abend.
R ◍

Antwort von Thomas Heinrich am 29.12.2020 | 20:34 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Da ich mir Avalon als sehr schönen (und zugleich geheimnisvollen) Ort vorstelle, war es mir wichtig, diesen Schlußakt des Stücks in einem lyrischen Ton einzuleiten. Ich denke mal, die Sache mit dem Boot dürfte gar nicht so schwer umsetzbar sein, auch nicht viel schwieriger als der Schwan in "Lohengrin"...

Ich wünsche Dir ebenfalls noch einen schönen Abend.

Liebe Grüße,
Thomas
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