Autor: LeaW
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
11.04.2020 | 21:51 Uhr
Liebe Lea,

Das Lied der Krähen sowie das Gold der Krähen hat auch mich verzaubert. Leider ist das deutschsprachige Fanfiktion-Fandom doch recht klein, mit seinen gerade mal neun Geschichten.

Da dies deine erste Geschichte ist, die du veröffentlicht hast, und bisher noch kein Review bekommen hast, wollte ich dir eines schreiben. Ich muss zugeben, ich habe im Buch wirklich gebibbert, weil ich nicht wollte, dass jemand stirbt und als Jesper gegen den Khergud gekämpft hat, hatte ich wirklich angst um ihn. Da liegt es natürlich nahe, dass es anderen ebenso geht, und man sich ausmalt, was wohl passiert wäre, wäre er gestorben.

Dass Jesper kurz vor seinem Tod noch einmal seine spielerische Seite zeigt, mit dem Kommentar „…niemand wird je so mutig, tapfer und fantastisch sein, wie der unerschütterliche Jesper Fahey“ kann ich mir sehr gut vorstellen. Das passt zu seinem Charakter, zu dem, wie wir ihn im Buch erlebt haben und es macht auch einen großen Teil seines Charmes aus. Er gibt sich selbstbewusst, aber wir lernen ihn auf so viele verschiedene Weisen kennen, dass man ihn als Leser lieben lernt. Ihn mit seinen Stärken und seinen Schwächen.

Ich schreibe selbst sehr gerne und habe mich viel auch durch Reviews verbessert. Dadurch, dass ich um Textkritik gebeten habe. Und es gibt etwas, das ich dir gerne ans Herz legen möchte. Dialoge in Geschichten sind wichtig, sie bringen eine gewisse Dynamik in sie und zeigen uns, wie die Charaktere miteinander sprechen. Aber ebenso wichtig ist es, den Lesern zu zeigen, was zwischen diesen Dialogen passiert. Wie sich die Umgebung verhält, was passiert. Du als Autor hast das Bild im Kopf, wie Jesper dort an der Wand lehnt und blutet. Seine Wunden, etc. Um der ganzen Geschichte ein wenig Geschwindigkeit zu nehmen und das Ausmaß der Lage zu zeigen, kann es positiv sein, die Dialoge immer mal wieder zu unterbrechen, für Zwischeneinschübe, die erklären, wie sich ein Charakter fühlt, was er sieht, etc. Am Besten immer nur aus der Sicht des Point-of-Vew-Charakters. Du machst dies auch an bestimmten Stellen, trotzdem wirkt die Geschichte durch die vielen aneinandergereihten wörtlichen Reden sehr schnell. Das mag für eine Kampfszene sehr gut sein, aber für eine traurige Szene, in der es um Gefühle gehen soll, würde ich persönlich mehr Ruhe einbringen. Ebenso hilft es, ein kräftiges und aussagekräftiges Bild im Leser zu erzeugen, z.B. indem man die Umgebung miteinbringt. Ich möchte dir einfach einmal ein Beispiel zeigen:

|„Jesper? Jesper!“, jetzt achtete Wylan schon gar nicht mehr auf seine Lautstärke, rannte auf Jesper zu und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen. „Hey… Krämerlein…“, begrüßte Jesper ihn mit leiser und rauer Stimme, die sogar Kaz‘ Konkurrenz machte, „ich habe mir das hier irgendwie anders… vorgestellt. Pass auf dich auf… okay?“. „Hey, hey Jes. Nein. Ich…ich rufe einfach Nina… und… und…“, flüsterte Wylan atemlos und wollte gerade wieder auf die Füße springen, als er von Jesper mit ungeahnter Kraft wieder zurück auf den Boden gezogen wurde.|

<<< Diesen Absatz deines Textes nehme ich und möchte ihn ein wenig in die Länge ziehen, um mehr Ruhe und Bildkraft einzuarbeiten. Das ist natürlich nur ein Vorschlag und ein Beispiel, um zu veranschaulichen, was ich meine. Den Dialog werde ich komplett gleich lassen. Vielleicht fällt dir auf, dass die zwei Passagen anders wirken:

|„Jeper?“, zunächst hauchte Wylan nur den Namen seines Freundes, denn mehr brachte er nicht heraus. Jesper lehnte an der Kirchenmauer, die weißen Steine waren in tiefes Rot getränkt. Überall war Blut, wohin Wylan auch sah. „Jesper!“, jetzt achtete er nicht mehr auf seine Lautstärke, rannte auf Jesper zu und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen. „Hey Krämerlein...“, nichts in Jespers Stimme zeugte von der Energie, die sie sonst immer verströmte. Sie war leise und rau und wollte so gar nicht zu Jespers typischer Fröhlichkeit passen. „Ich habe mir das hier irgendwie anders vorgestellt“, sagte er und spuckte Blut. Immer wieder musste er seine Worte unterbrechen, um zu husten. „Pass auf dich auf, okay?“
„Hey, hey, Jes“, Wylan versuchte seine Gedanken zu sortieren. Was konnte er machen, um Jesper zu helfen? Er sah schlimm aus. Sein ganzer Körper wies Schnitte und Prellungen auf, sein Arm war merkwürdig verdreht und wenn Wylan sich nicht irrte, mussten seine Rippen gebrochen sein. Seine Schulter wirkte ausgekugelt und an Jespers rechtem Unterarm klaffte eine Wunde, die rotes Muskelfleisch hervor scheinen ließ. „Nein. Ich... ich rufe einfach Nina... und...“ Die rote Lache auf dem Marmorboden wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Wylan durfte keine Zeit verlieren.
Gerade als er aufstehen wollte, wurde er jedoch von Jesper mit ungeahnter Kraft wieder zurück auf den Boden gezogen.|

Ich hoffe ein Unterschied ist erkennbar. Dadurch, dass die einzelnen Dialogteile weiter auseinandergezogen sind und durch das, was der Hauptcharakter sieht, ergänzt wird, ergibt sich ein ganz anderes Gefühl für die Zeit und die Szene. Der Leser kann mehr abtauchen, sieht selbst, wie schlecht es um Jesper steht und bekommt mehr Raum und Zeit für seine eigene Trauer um Jesper.

Da ist schon viel vorhanden: Gute Grammatik, Wortwahl (dass Jesper Wylan sogar in diesem Moment Krämerlein nennt beispielsweise) und Rechtschreibung. Kleinere Fehler sind zwar da, aber auch die werden mit der Zeit geringer, wenn man an sich arbeitet.

Ich hoffe, dass du am Schreiben deine Freude haben wirst, denn es ist eine tolle Leidenschaft, mit der man sich selbst und die eigenen Gefühle toll ausdrücken kann.

Liebe Grüße,
QW