Autor: Pamplemousse
Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
02.12.2019 | 18:19 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Pamplemousse,

ich war nicht ganz sicher, wie ich eine Geschichte zu einem Ent auffassen würde, ob dir das Kunststück gelingen würde, mich von einem Charakter fesseln zu können, den ich sonst mehr oder minder übergehe und eher von der Ästhetik fasziniert bin und mir nicht vorstellen kann, wie daraus eine gute Geschichte werden sollte oder könnte.

Was kann ich also sagen? Du hast es mit plättender Gewissheit geschafft, mich vom Gegenteil zu überzeugen und für einen kurzen Moment aus meiner städtischen Wohnung hinaus unter Laubbäume und Kiefernnadeln in den Herbstregen zu entführen.

Dein Schreibstil ist verzaubernd, beginnend mit den schmückenden Wörtern und Beschreibungen zum Wachsen und Gedeihen, als stünde ich selbst während des Lesens im Wald. Du hast die Metaphern grandios gesetzt, wundervoll ausgebaut und weiter blühen lassen. Sie haben mich ohne viel Zutun hinein in eine Welt gezogen, die ganz anders als die meine ist und trotzdem erfrischend blütenreich und einfach schön.
Natürlich wechselte dein Stil an einigen Stellen, wenn es darum ging, auf den drohenden Schatten hinzudeuten. Trotzdem ist es immer mit der schweren Sanftheit von den Ents geschrieben, bleibt treu in der charakterlichen Beschaffenheit eines Baumes und wirkt dadurch noch viel lebendiger, viel fantastischer. Besonders in Erinnerung sind mir dabei Fimbrethils knorrige Hände geblieben, die ihr Wurzelwerk ausdrücken und ich konnte nicht anders, als in stummer Sprachlosigkeit die Darstellung der Entfrau auf mich wirken zu lassen.
Sie ist wie eine alte Dame, die ihren eleganten Anzug lange schon gegen ein Haarband und Gummistiefel getauscht hat und trotzdem noch mehr Grazie und Liebe ausstrahlt, als es einer Frau mit der Schönheit der Jugend gelingen würde.

Noch dazu kommt das runde, sofortige Eintauchen in die Geschichte. Es hat einen halben Absatz gebraucht, bis ich gefesselt und geknebelt nach Mittelerde gekarrt war und selbst dann nicht mehr gegangen wäre, wenn man mich hätte zwingen wollen. Es war wunderschön.

Auch, wenn die Handlung der Geschichte eigentlich nicht so viel Wunderschönes in der Zukunft offenbaren lässt, immer wieder unterbrochen von der Vergangenheit. Die Einschübe waren gut gesetzt und ließen sich auch völlig losgelöst voneinander lesen, was wirklich gut war. Denn dadurch wurde viel deutlicher, was damit ausgesagt sein wollte und machte es ein großes Stück einfacher, dem Verlauf zu folgen.

Die Beziehung von Fimbrethil und Fangorn, zu der nicht viel bekannt ist, außer eben Fangorns Sehnsucht nach ihr (nach dreitausend Jahren verstehe ich das), ist mir vielleicht deshalb ein wenig zu unromantisch gewesen. Das ist jedoch eine reine Präferenzsache, die dem Charakterbau nicht im Weg gestanden hat. Denn Fimbrethil und Fangorn sind Bäume. Zwei Individuen, die daran angelehnt wurden, allein überleben zu können und vielleicht deshalb auch stark und unbeugsam erst ihren eigenen Willen verfolgen wollen. Das war sehr gut nachvollziehbar.

Du hast ganz leicht die Angst gestreut, die zwischen den Zeilen mehr und mehr wird, die letztendlich in einem Offenlassen des letzten Satzes endet, der den Canon wieder aufgreift. Niemand weiß, was mit den Entfrauen geschehen ist. Vielleicht sind wir alle ein wenig wie Fimbrethil, dass wir uns wünschen, dass nach der Zerstörung ihrer Gärten noch nicht alles zu spät war und sie Fangorn wieder sehen wird.

Übrigens: Die Blümchen als Sinnabschnittsteiler waren wundervoll! <3

Vielen Dank für deinen Beitrag,
es grüßt, knickst und verbeugt sich vor dem Vorhang,
Avarantis

Antwort von Pamplemousse am 07.12.2019 | 13:33:16 Uhr
Liebe Avarantis,

vielen Dank für dein wundervolles Review. (Ich schwöre, es ist eleganter formuliert als die Geschichte selbst.) Alle eure Reviews sowie die Assoziation und Stimmungen, die ihr beschreibt, haben mich in sprachloses Staunen versetzt.

Hm, ich kann dich verstehen. Es ist sehr ungewöhnlich, aus der Perspektive eines Ents zu lesen. Deshalb bin ich froh, dass du der Geschichte letztendlich doch etwas abgewinnen konntest. Besonders freue ich mich, dass du die Naturbeschreibungen mochtest. Das Beschreiben von Natur und Umfeld ist etwas, das ich wirklich genieße, und hier konnte ich mich so richtig austoben. Metaphern, die weiter blühen. Das an sich ist ein wunderschönes Bild. Danke.
Es ist schön zu hören, dass der Stil für dich zur „charakterlichen Beschaffenheit eines Baumes“ passte. (Das gefällt mir übrigens. Die charakterliche Beschaffenheit eines Baumes… Allein diese Phrase klingt schon fantastisch, finde ich.) Das ist etwas, das ich als Schreiber oft schwer einschätzen kann. Bis zu einem gewissen Grad ist es wahrscheinlich auch Geschmackssache. Umso mehr freue ich mich, dass du es als stimmig empfunden hast.
Oh, das Bild der alten Dame mit Haarband und Gummistiefeln anstelle eines Anzugs gefällt mir sehr gut. Du hast recht, das ist eine andere Art der Schönheit. Ein wenig…weicher, vielleicht. Danke für diesen Gedanken. (Irgendwie habe ich jetzt Lust eine Geschichte über eine solche menschliche Frau mit Haarband, Gummistiefeln und Grazie zu schreiben.)

Solange du bei der freiwilligen Entführung heil geblieben bist, will ich mich nicht darüber beklagen sondern mich darüber freuen.

Ja, Fimbrethils Zukunft sieht nicht gerade rosig aus. Allerdings gibt es im Canon, wie du weißt, auch kein definitives tragisches Ende. Das hat mich immer schon fasziniert. Ich bin froh, dass man die Einschübe auch ohne den Gegenwartsteil lesen und verstehen konnte. Daran, wo und wie ich sie setzen sollte, habe ich eine Weile getüftelt, muss ich sagen.

Hm, im ersten Moment hat es mich gewundert, dass dir die Beziehung von Fimbrethil und Fangorn zu unromantisch war, weil ich befürchtet hatte, manche Szenen könnten schnulzig wirken. Aber wenn ich jetzt auf die Geschichte zurückblicke, glaube ich zu verstehen, was du meinst. Es gibt nur wenige Momente, in denen die zwei wirklich glücklich miteinander sind. Die meisten ihrer Vergangenheits-Szenen werden von drohenden Gefahren überschattet. Außerdem hatte zu diesem Zeitpunkt schon die räumliche Trennung zwischen ihnen stattgefunden. Ich weiß nicht, ob das eine bewusste Entscheidung war oder sich einfach langsam so ergeben hat. Vielleicht haben sie anfangs beide gehofft, irgendwann genauso natürlich wieder zueinander zu finden?

Ja, genau. Ich wünsche es den beiden von ganzem Herzen. Das Schöne an diesem offenen Ende ist doch irgendwie, dass wir uns unsere eigene Version davon ausdenken können.

Die Blümchen waren wirklich eine wundervolle Idee, die ich Sternentod zu verdanken habe. Sie war mir eine große Hilfe bei der Absatzgestaltung. Bei all den Wörtern und Formulierungen hatte ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und die Form ziemlich vernachlässigt. Gut, dass es Betaleser gibt.

Noch einmal vielen Dank für dein Review und die lieben Worte, Avarantis. Ich weiß zu schätzen, wie viel Zeit und Überlegung du hineingesteckt hast.

Mit einem Gegengruß und Standing Ovations
Pamplemousse
17.11.2019 | 18:45 Uhr
zur Geschichte
Hallo Pamplemousse,

ich hab wohl den passenden Zeitpunkt ausgesucht, deine Geschichte zu lesen. Draußen ist es dunkel, neben mir ist eine kleine Lampe an, der Tee dampft in seinem Becher und auf dem Sidebord flackert eine Kerze. (Und hinter mir trocknet die Wäsche, aber die lassen wir mal aussen vor).
Jedenfalls ist deine Geschichte eine, die man gut lesen kann, wenn die Wrlt ein wenig ruhiger zu werden scheint. Sie lässt mich nachdenklich und ein wenig traurig zurück, aber da ist auch ein kleines bißchen Hoffnung und etwas Freude. Freude, dass Fimbrethil bei allem, was sie in der Gegenwart erleben muss, doch auf ein bisheriges Leben zurückblicken kann, dass erfüllt war. Und die Hoffnung, dass sie und ihre Schwestern irgendwo einen sicheren Platz gefunden haben, wo sie wieder einen Garten anlegen können.
Irgendwie habe ich mir die Entfrauen immer als Obstbäume oder Birken, Buchen und Weiden vorgestellt. Ich weiß nicht genau, wieso. Aber die Art, wie du Fimbrethil zeichnest, gefällt mir auch sehr gut. Sie hat etwas weiches, beständiges, hegendes und irgendetwas von ihr fühlt sich in meinem Kopf wie eine fröhlich plätschernde Quelle an. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

Jedenfalls hast auch du, wie die meisten Teilnehmer, einen Charakter gewählt, der eine ziemliche Herausforderung war. Aber es ist dir gut gelungen, dass die Ents nicht wie verkappte Menschen wirken.
Besonders gut gefallen hat mir die Szene, in der Baumbart ihren Namen auskostet. Sie zeugt von einer tiefen Zuneigung, der Name der Entfrau ist nicht nur ein Name, sondern ein Teil des Wesens, welches er liebt. Mir gefällt auch, das beide deutlich unterschiedlich Charakterzüge haben, deine Figur also kein Abziehbild von Baumbart ist.
Ich wusste gar nicht, dass die "Braunen Lande" ursprünglich die Gärten der Entfrauen gewesen sind. Oder hast du dir das ausgedacht?

Dein Schreibstil ist bemerkenswert, du kannst mit Worten malen. Die Bilder von Vergangenheit und Gegenwart waren sehr deutlich unterschiedlich in meiner Vorstellung. Die lernenden und lachenden Elben und Menschen sah ich im strahlenden Sonnenschein auf einer blühenden Wiese voller Leben, dahinter ein goldgelbes Feld und dazwischen einige Entfrauen, die mitlachen.
Der langsam sterbende Garten in der Gegenwart war erfüllt von einem Zwielicht, dass nicht sanft, nicht heimelig war, sondern die unterschwellige Botschaft von einer lange Zeit voller Kälte und Unbeständigkeit, in der man wachsam sein muss, mit sich brachte. Schattenrisse von kahlen Bäumen und Büschen, ein verlassenes Nest, verwelktes, moderndes Laub und dazwischen der Klageruf eines Käuzchens und huschende Gestalten, in der Ferne die drohende Lichterschlange, von der man weiß, so etwas bringt nur der Krieg hervor.
Ähm, ich schweife ab. Ich lass das hier mal so stehen.
Auf jeden Fall ein toller Beitrag, den ich sehr inspirierend finde. Und wie gesagt - die Hoffnung bleibt....
LG,
Lyssa

Antwort von Pamplemousse am 19.11.2019 | 17:33:40 Uhr
Hallo Lyssa,

vorab gleich ein dickes Dankeschön für dein langes Review. Hach, Reviews sind etwas Wunderbares.
Wow, das ist ein wirklich stimmungsvolles Bild, das du zeichnest. Das perfekte Lesesetting, jetzt im Herbst/Winter. (Hinter mir trocknet auch gerade Wäsche. Was man nicht sieht…)
Hm, man weiß vorher nie, wie Texte letztendlich tatsächlich auf andere Menschen wirken. Umso mehr freue ich mich, dass die Geschichte so bei dir angekommen ist. Diese Mischung aus Gefühlen war genau, was ich mir gewünscht hatte. Die Geschichte sollte traurig sein und eine gewisse Schwere haben, aber mit hellen Momenten und ein wenig Hoffnung. Das stimmt, Fimbrethil kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken, was an sich schon ein Trost ist.
Obstbäume, Birken, Buchen und Weiden passen sehr gut zu den Entfrauen, finde ich. Wenn man bedenkt, dass Tolkien Fimbrethil unter anderem mit „Schlankbirke“ übersetzt hat, ist das sogar sehr passend. Das Schöne ist, dass unserer Fantasie bei den Entfrauen kaum Grenzen gesetzt sind. Hm, eine fröhlich plätschernde Quelle. Diese Assoziation gefällt mir und ich bin sicher Fimbrethil würde sie auch mögen.

Das stimmt, Fimbrethil ist keine menschliche Figur, und ich gebe zu, an die Unterschiede anfangs gar nicht gedacht zu haben (wobei sie mir beim Schreiben dann natürlich bewusst geworden sind). Es freut mich sehr, dass das anscheinend nicht schief gelaufen ist und kein verkappter Mensch aus ihr wurde. Das wäre schade gewesen.
Das ist auch eine meiner liebsten Szenen, muss ich sagen. Ich freue mich, dass du sie auch magst.
Die Lage ihres Gartens ist nicht ausgedacht. Baumbart erzählt den Hobbits im zweiten Band: „…während alle Gärten der Entfrauen verwüstet sind: Die Menschen nennen sie jetzt die Braunen Lande.“ Vor dem Wettbewerb wusste ich das auch nicht.

Danke für das Lob. Das ist zum Teil auch Sternentod zu verdanken, der beim Betalesen noch einige stilistische Dinge aufgefallen sind. Es klingt so, als könntest du dich sehr gut einfühlen in Geschichten und Beschreibungen. Besonders schön finde ich, wie du das beschreibst, diesen Unterschied in Stimmung, Farben, Lichtverhältnissen. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, dass du dir das so gut vorstellen kannst.
Genau, die Hoffnung bleibt. :) Noch einmal vielen Dank für dein Review und die lieben Worte!
LG
Pamplemousse
04.11.2019 | 11:56 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Pamplemousse,

oh, eine Liebesgeschichte zwischen zwei Ents! Wie wunderschön! Du hast die Besonderheiten der beiden sehr schön beschrieben, ihr Verhältnis zu den Bäumen und ihren Umgang miteinander, der sich von der menschlichen Zweisamkeit unterscheidet – oder auch wieder nicht. Wie er ihren Namensteil langsam ausspricht und alle Höhen und Tiefen auskostet... ja, das kann man sich klanglich direkt vorstellen, ebenso wie seinen Gesichtsausdruck dabei.

Selbst zur Zeit der Vergangenheit ist die Welt für die beiden Ents schon alt. Du schaffst da eine sehr schöne Tiefe – nicht allein durch die Tatsache, sondern durch die Art, wie du sie beschreibst. Gefällt mir sehr gut.

Fimbrethil ist entzweigerissen zwischen ihrer Liebe zu ihren Gärten und zu Fangorn – man spürt ihren inneren Kampf und in den Gegenwartsteilen auch ihre Einsamkeit und Angst. Du schaffst es, ihre Gefühle so packend zu beschreiben und fortzuführen, bis hin zu dem Moment, da sie sich für ihre Rückkehr entscheidet. Wird sie Fangorn wiederfinden? Ich hoffe auch, daß es noch nicht zu spät ist! Eigentlich hatte ich ja bis zuletzt gehofft, daß du dieses Wiedersehen noch erzählst! Vielleicht gibt es das ja noch als Epilog? Würde mich sehr freuen!

LG
Ith

Antwort von Pamplemousse am 05.11.2019 | 19:41:14 Uhr
Liebe Ith,

„…der sich von der menschlichen Zweisamkeit unterscheidet – oder auch wieder nicht“. Ich glaube, was du hier beschreibst, habe ich beim Schreiben erlebt. Natürlich sind Fimbrethils und Baumbarts Verhalten und Beziehung an Menschen angelehnt – irgendeinen Ausgangspunkt braucht man ja. Allerdings habe ich versucht, die möglichen Unterschiede ein wenig miteinzubringen. Vieles hat sich auch einfach beim Schreiben ergeben, wie die Szene, in der Baumbart ihren Namen sagt. Jedenfalls freut es mich, wenn das halbwegs stimmig war.

Hm ja, die Welt ist alt für sie. Das hast du schön gesagt.

Es freut mich sehr, dass Fimbrethils innerer Kampf und ihre Gefühle für dich so spürbar und spannend waren. Was will man als Schreiber mehr? ^^
Du bist schon die Zweite, die gerne wüsste, wie es weitergeht. Ich werde das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Allerdings weiß ich nicht, ob ich mich wirklich festlegen will, was danach geschehen ist. Falls es einen Epilog geben sollte, werde ich dir jedenfalls Bescheid geben.

Vielen Dank für dein Review. Bei mir stehen die restlichen Wettbewerbsbeiträge auch noch auf meiner Review-Liste. Mal sehen, wann ich dazu komme. :)

LG
Pamplemousse
23.10.2019 | 08:58 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Pamplemousse,

Eine ungewöhnliche Wahl über Ents zu schreiben und dann auch noch über die Entfrauen!
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir über sie wenig Gedanken gemacht habe, umso cooler ist es, dass du darüber schreibst. :)
Durch diesen OneShot zieht sich eine traurige Erinnerung Fimbrethils, die die komplizierte, bittersüße Liebe zwischen Fangorn und ihr beschreibt.
Mir gefällt es, dass die Erinnerung immer wieder den Gegenwartsteil durchbricht. Erstens wirkt das realistischer, weil man selten komplett am Stück eine Erinnerung durchlebt und zweitens entsteht dabei das Gefühl von Langsamkeit. Nicht falsch verstehen, ich finde das super, weil es für mich das Denken Fimbrethils gut charakterisiert.
Durch den gesamten Text zieht sich neben Wehmut, doch auch das ungute Gefühl von Angst vor der sich ankündigenden Gefahr.
Es ist schön und herzzerreißend zugleich, wie Fimbrethil im Abgleich von Erinnerung und Gegenwart erkennt, dass sie ihre Gärten verlassen muss. Nichtsdestotrotz hofft man mit ihr, dass sie einen sicheren Ort finden, auch wenn sie Fangorn nie erreicht haben.

Vielen Dank für diese bittersüße, wirklich zauberhaft geschriebene Geschichte!
LG Elenoriel

Antwort von Pamplemousse am 24.10.2019 | 18:26:12 Uhr
Liebe Elenoriel,

Wenn ich ehrlich bin, wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, aus der Sicht eines Ents oder einer Entfrau zu schreiben, wenn da nicht der Wettbewerb gewesen wäre. Es geht mir bei vielen der anderen Figuren genauso wie dir bei Fimbrethil. Über Elwing hatte ich mir zuvor auch nicht wirklich Gedanken gemacht. :)
Interessant, dass du das ansprichst. Keine Angst, ich verstehe vollkommen, was du meinst. So in etwa war das auch gedacht. Ich hatte mir ein wenig überlegt, wie Ents wohl Zeit empfinden. Es wird ja immer wieder erwähnt, dass die Hobbits für Baumbart viel zu „hasty“ sind. Da kann ich mir gut vorstellen, dass für Ents lange Zeiträume schnell vergehen können und sie die Vergangenheit auch mal näher empfinden, als sie tatsächlich ist. Daher passte es für mich ganz gut, dass das ein bisschen ineinanderfließt, vor allem weil es nicht um konkrete Zeitpunkte in Vergangenheit und Gegenwart geht sondern mehr um Zeitspannen.
Ja, das ist wirklich traurig. Dennoch wollte ich das Ende gerne offen lassen und nicht etwa ihren Tod beschreiben. Sonst wäre mir das Ganze wohl selbst zu tragisch geworden.

Vielen Dank für dein Review, über das ich mich wie immer riesig gefreut habe. Es ist so schön, zu hören, wie der Text ankommt. :)
LG Pamplemousse
22.10.2019 | 12:04 Uhr
zu Kapitel 1
Hallo Pamplemousse,

Ich muss zugeben, dass ich mich normalerweise mit Geschichten, die nicht aus Menschen oder Menschenähnlicher Perspektive geschrieben sind, oftmals ein bisschen schwer tue, aber deinen Beitrag über Fimbrethil fand ich wunderschön.
Zu meiner Schande ist mir gleich in den ersten Absätzen klar geworden, dass mir gar nicht bewusst war, dass Fimbrethil weiblich ist (es ist zu lange her, dass ich den Herr der Ringe gelesen habe...), doch, dass sich die Geschichte um die Entfrauen dreht und tatsächlich auch mal aus deren Perspektive geschrieben ist finde ich super interessant.

Ich finde durch deinen ganzen Oneshot zieht sich eine wunderschöne, sanfte Poesie, die aber nie zu dick aufgetragen wirkt - "Wann ist die Stille so laut geworden?" ist ein wunderschöner Satz, der im falschen Kontext total schmalzig wirken könnte, aber bei dir perfekt passt und etwas in Worte fasst, dass sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt... ok man sollte mich wirklich nicht über Lyrik reden lassen...

Das Bild, das du den ganzen Oneshot über malst finde ich unfassbar schön und traurig zugleich - die wunderschönen Gärten der Entfrauen über die ein Schatten fällt. Die Kriegszüge, die sich einen Weg bahnen und durch das Land strömen. Das Wasser und die Sonne die fahl werden...

Außerdem hast du es geschafft Fimbrethil als einen extrem nachempfindbaren Charakter zu beschreiben. Sie ist hoffnungsvoller und neugieriger als Baumbart. Und die Liebe zwischen den beiden ist so bittersüß! Ich finde es sehr gelungen wie du den Unterschied zwischen den beiden beschreibst - Baumbart als Pessimist/Realist, der sieht, dass ihre Gärten wachsen und sterben, und daher die großen, alten Bäume liebt, da sie länger überdauern. Und Fimbrethil, die versucht das Gute in Allem zu sehen, die hoffnungsvoll ist, und die kleineren Gewächse liebt, die zwar sterben, aber deren Samen sich trotzdem von neuem aussäen und wiederwachsen.
Und auch ihr Verhältnis zu den Menschen und Elben finde ich sehr schön beschrieben - ihre tiefe Freude darüber, dass sie von ihr Lernen möchten und das Glück, dass sie über das Lachen der Elben empfindet...
Die Szene in der ihr die Elbin einen Namen gibt ist so süß - ich will mehr davon!

Du beschreibst sehr nachvollziehbar, wie die Fimbrethils Erinnerungen ihre Entscheidung beeinflussen ihre Länder zu verlassen und ich finde es sehr gelungen, dass du es offen lässt und nur andeutest, dass sie sich auf den Weg in den Fangorn machen. (Trotzdem hätte ich soooo gerne eine Fortsetzung!! Ich will wissen was passiert ist, und was sie davon abgehalten wieder mit den Entmännern zusammenzutreffen.)

Auch wenn der OS generell eine sehr traurige Stimmung einfängt, finde ich trotzdem, dass man ein Körnchen Hoffnung finden kann (oder einen Samen, wie Fimbrethil wahrscheinlich sagen würde) - die Entfrauen müssen ihre Heimat zwar verlassen und wir wissen, dass es in naher Zukunft kein Wiedersehen mit Baumbart gibt, aber trotzdem sind die Frauen noch am Leben, sie sind rechtzeitig geflohen; sie brauchen nur einen Ort an dem sie ihre Samen neu ausbringen können (und ich würde zu gerne wissen wo das ist...^^)

Vielen Dank für diese wunderschöne Geschichte
Liebe Grüße
Lupadora

Antwort von Pamplemousse am 24.10.2019 | 18:21:59 Uhr
Hallo Lupadora,

Es freut mich sehr, dass du die Geschichte mochtest, obwohl du sonst mit Texten, die nicht aus menschenähnlicher Perspektive geschrieben sind, nicht viel anfangen kannst (was ich verstehen kann). Für mich war es auch eine große Herausforderung.
Das ist keine Schande, finde ich. Viele der Wettbewerbsfiguren sind Nebenfiguren oder kommen nur am Rande vor wie Fimbrethil. Da ist es kein Wunder, wenn man den einen oder anderen Namen nicht mehr kennt oder ihn falsch einordnet. Das ging mir auch so. Aber deswegen ist der Wettbewerb ja auch so interessant.

Für mich ist es ein großes Kompliment, dass du den Schreibstil als poetisch empfindest. Ich mag Poesie, wobei ich dir voll und ganz recht geben muss, dass sie viel zu schnell schmalzig, übertrieben oder unecht wirken kann. Umso mehr freut es mich, dass es für dich in diesem Text gepasst hast. (Du darfst gern über Lyrik reden, bloß mit Reimgedichten bin ich überfordert. :D)

Ja, der Text ist ein bisschen trauriger geworden als anfangs geplant. Das Ganze hat sich einfach so entwickelt, als ich mir beim Schreiben Gedanken darüber machte, was den Entfrauen wichtig sein könnte und was sie verloren haben. Natürlich waren es schlimme Zeiten für die Menschen und Elben, aber auch die Natur und deren Geschöpfe haben darunter gelitten.

Das freut mich sehr. Es war mir ein Anliegen, diesen Unterschied zwischen ihr und Baumbart miteinzubringen, weil ich mich immer gewundert habe, dass sie sich so zu lieben scheinen und da trotzdem diese räumliche Trennung zwischen ihnen ist. Schön, wie du die zwei beschreibst. Das hast du sehr treffend in Worte gefasst.
Haha, die Szene mit der Elbin entstand ehrlich gesagt ganz spontan aus einem Namensproblem. Ich musste Fimbrethil mit ihrem elbischen Namen benennen, weil man ihren entischen nicht kennt – außerdem bezweifle ich, dass er in geschriebener Form gut rüberkäme. Aus diesen Überlegungen entstand der Gedanke, zu zeigen, woher sie ihn hat und warum er ihr wichtig ist. (Das sind so die Probleme mit nicht menschenähnlichen Figuren. Wie empfinden sie Zeit? Wie beschreibt man ihre Sprache? Zum Beispiel hatte ich zuerst „…als wollte er jede Silbe auskosten“ geschrieben, bis mir klar wurde, dass Ents wahrscheinlich keine Silben haben, sondern nur Laute. Aber ja, das sind unwichtige Details. :D)

Ganz ehrlich, ich würde auch gerne wissen, was mit den Entfrauen geschehen ist. Das hatte ich mich schon gefragt, als ich den Herrn der Ringe zum ersten Mal gelesen habe. Auf der anderen Seite macht es diese Ungewissheit gerade so spannend. (Das freut mich sehr. Ich habe mir selbst noch gar keine Gedanken darüber gemacht, was danach geschehen sein könnte. Aber falls ich jemals eine Fortsetzung schreibe, werde ich es dich wissen lassen.)
Das hast du erneut sehr schön in Worte gefasst. Ein Same Hoffnung, ja. Dazu kann ich gar nichts mehr hinzufügen. :)

Vielen, vielen Dank für das Lob und dein wundervolles Review. Ich freue mich über jedes einzelne.
Liebe Grüße
Pamplemousse
16.10.2019 | 22:06 Uhr
zu Kapitel 1
Hui, das ist wirklich zauberhafte, schwere, traurige Kost.
Du fängst die graue Atmosphäre wirklich sehr bildlich ein und obwohl ich mich nie großartig mit den Ents und ihren Frauen beschäftigt habt, stimmt mich dein Text wirklich traurig.
Es wirkt einfach so unendlich hoffnungslos und dabei doch so gefühlvoll und fein. Man möchte irgendwie ständig betroffen seufzen.
Ein wirklich bittersüßer Beitrag.
Vielen Dank dafür.
Liebe Grüße
Die Rena

Antwort von Pamplemousse am 17.10.2019 | 20:49:44 Uhr
Guten Abend Rena,

Wow, du warst wirklich flink mit dem Reviewen. Danke für die Rückmeldung und die lieben Worte. Ich freue mich sehr darüber.
Hm, ja. Der OS ist absichtlich traurig und schwer gehalten, wobei ich ehrlich gesagt zwischenzeitlich Zweifel hatte, ob er nicht schon zu schwer ist. Umso erleichterter bin ich, dass du ihn nicht als rein bitter empfunden hast. Viel weiß man von den Entfrauen nicht, aber Baumbarts Lied über sie fand ich immer schon bittersüß. Wie schön, dass diese Melancholie im Beitrag rüberkommt.
Noch einmal vielen Dank für dein Review, Rena.

Liebe Grüße
Pamplemousse