Autor: Keiraleth
Reviews 1 bis 25 (von 255 insgesamt):
09.04.2020 | 00:26 Uhr
zu Kapitel 75
Was tust du uns nur an. Was tust du IHR nur an...
LG
Nemesis
08.04.2020 | 22:37 Uhr
zu Kapitel 75
Liebe Keiraleth,

schon lange wollte ich dir, in meiner aufschieberischen Art, generell zur Timeturner-Saga, aber insbesondere zu Incarcerus ein Review schreiben, habe es aber immer wieder vertagt, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich meine vielen Gedanken und den ganzen Weg bis hierhin am besten zusammenfasse. Und das am besten auch noch ohne dass du währenddessen entweder einschläfst, oder entnervt aufgibst! Um ehrlich zu sein habe ich auch jetzt noch keine sonderlich hilfreiche Strukturierungsidee für dieses Review.. Ich hoffe einfach mal, dass es halbwegs kohärent wird und bitte um deine Nachsicht, wenn manches wirr oder langatmig erscheint.

Eigentlich bin ich schon lange überhaupt nicht mehr auf Fanfiktion.de aktiv und habe das Schreiben selbst leider auch ziemlich restlos aufgegeben, obwohl es mir immer viel Spaß bereitet hat. Zwar hatte ich nie sonderliches Durchhaltevermögen und habe es oft nicht geschafft, fixe Ideen und flüchtige Leidenschaften in langfristige Motivation umzuwandeln, aber Freude hat es mir dennoch gemacht, mir Hintergründe und Charaktere und Storylines auszudenken. Irgendwann zu dieser Zeit (ich glaube so um 2013 rum..?) habe ich Arresto Momentum entdeckt und war sofort Feuer und Flamme. Das reine Konzept aus Hermione Granger als einem meiner ewigen Lieblingscharaktere und Kindheitsidole gepaart mit dem Herrn der Ringe - viel besser konnte ein Geschichtenansatz aus meiner Sicht gar nicht werden. Doch irgendwie erreichte die Geschichte mich dann nicht. Ich hatte damals eine Idee, warum dies so war, von der ich heute weiß, dass sie grundlegend falsch und verkehrt herum gedacht war. Aufs Wesentliche heruntergebrochen: Für mich war deine Hermione eine "Mary Sue". (Hier bitte ich direkt um Entschuldigung. Ich hasse diesen Ausdruck mittlerweile, aber zumindest damals war es aus irgendwelchen antifeministischen Gründen ja leider absolut in Mode, jegliche Ausprägung von charakterstarken und selbstbewussten Attributen bei weiblichen Figuren direkt damit niederzuschreien und die komplette Geschichte in der Folge als hoffnungslos unrealistisch abzustempeln. Aus unter anderem diesem Grund kann ich mir alte Reviews von mir auch nicht mehr wirklich durchlesen, ohne dass sich meine Fußnägel aufrollen..)
Um zum Thema zurückzukommen: In meinem jugendlichen Leichtsinn (:D) fand ich es also völlig abwegig, dass sich erstmal der Reihe nach alle männlichen Haupt- und Nebencharaktere Hals über Kopf in Hermione verlieben. Dass es sich hierbei erstens nicht um "alle" handelte und zweitens diese "Liebe" zum Beispiel in Boromirs Fall überhaupt jeder romantischen Grundlage entbehrte und einen völlig anderen Kern offenbaren sollte, entging meinem Dickschädel komplett. Und aus diesem, im Rückblick extrem albernen Mary-Sue-Grund blieb Arresto Momentum zwar "für später" in meiner Favoritenliste, verschwand dann aber in den Hinterkopf und irgendwann ganz aus den Gedanken. Und irgendwann verschwand ich dann von Fanfiktion.de

Ich weiß dann wirklich nicht mehr, wie es dazu kam, aber im letzten Jahr stieß ich wieder auf diese Website, auf mein Profil und auf Arresto Momentum in meiner Favoritenliste. Und dann überzeugte mich etwas davon, die Geschichte von Neuem zu beginnen. Dieses Etwas war eine Tatsache, die ich in gleichem, riesigstem Maße bewundere und dir neide: Du hast in dieser langen langen Zeit nie aufgehört, an der Timeturner-Saga zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob ich je ernsthaft genug ausdrücken kann, was für einen Respekt ich vor dieser Leistung, dieser Leidenschaft und dieser Disziplin habe. Aber sei dir gewiss, ich habe wirklich eine Hochachtung vor dir und dieser Arbeit. Das ist ja schon ein regelrechtes Lebenswerk!
Jedenfalls fing ich von Neuem an zu lesen und diesmal erwischte mich deine Saga eiskalt und brandheiß zugleich. Diesmal war ich gefesselt von der unvergleichlichen Weise, auf die du bereits vorhandenes Material mit deinem ganz eigenen Plot verknüpfst und so ganz ohne das Gefühl von Holprigkeit oder unebenen Schnittkanten zu etwas ganz Neuem machst. Ich verschlang Arresto Momentum und alle weiteren Teile der Timeturner-Saga und bin seit ein paar Wochen endlich quasi in der Gegenwart angekommen.

Womit wir dann auch bei Incarcerus angekommen wären. À propos: Als ich heute das neueste Kapitel las (und dabei tausend Tode starb, aber dazu gleich) nahm ich zum ersten Mal so richtig den Titel dieser Geschichte in seiner Bedeutung wahr. Irgendwie hätte ich darauf kommen können und müssen, dass es irgendwann unweigerlich auf diese aktuelle Situation hinauslaufen wird. Ich hatte mich immer eher mit der Metapher einer Gefangenschaft in Konventionen und starren Hierarchien zufrieden gegeben. Leider ist es aber ja nun doch sehr wörtlich geworden.
Ich muss echt sagen, dass es bisher nur sehr wenigen Texten gelungen ist, bei mir regelrecht körperliche Reaktionen auf das Gelesene auszulösen. Beim Lesen des heutigen Kapitels hatte ich das Gefühl, ein ähnliches Wechselbad der Gefühle wie Hermione zu durchleben. Von Unglaube über Hoffnung bis hin zu Nervosität und Verzweiflung. Zwischendurch kamen immer mal wieder ganz kurze, helle Momente, in denen ich naiverweise dachte, dass sich die Situation doch jetzt aber endlich mal auflösen muss. Sei es der Besuch der besten Freunde, die “Silhouette eines Mannes”, die ich voreilig als apparierenden Erlöser erhofft hatte oder am Ende sogar einfach nur die Erwähnung von Charles vor den Tower-Mauern (Tower-Mauer ist auch mal ein schöner Reim) - irgendwie blieb bei mir ein immer stärker werdendes Gefühl von “Na, jetzt aber!”, dessen Erwartung allerdings bis zum Ende nicht erfüllt wurde. Tatsächlich hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass das Kapitel am Ende so hoffnungslos und schwarzseherisch endet.
Irgendwie bin ich durch die ganze Ränkeschmiederei und Niedertracht in diesem Zeitalter selbst schon völlig misstrauisch geworden und möchte grundsätzlich erst mal niemandem mehr irgendetwas glauben. So ist es wahrscheinlich völlig blödsinnig, aber ich kann und will dem werten Robert McLaggen partout nicht abnehmen, dass es Harry und Ron tatsächlich auch in diesen vermaledeiten Tower verschlagen hat. Irgendwie hätten sie sich doch wehren, losreißen oder in Luft auflösen müssen?
Mir fällt jetzt auch wieder ein, dass ich seit “Rubikon” und “Die Hand, die einen füttert” sogar Mary verdächtige, irgendetwas im Schilde zu führen. So weit ist es schon mit mir gekommen! An manchen speziellen Stellen hatte ich den Eindruck, ihre Gesinnung wandelt sich etwas zu Ungunsten der guten Hermione. Mir kam der Gedanke, dass Mary Hermiones Billigungen der Risiken, denen Harry sich zu ihrem Schutz zu stellen bereit war, ganz und gar nicht gefallen haben. Auch dieser kleine Hinweis, dass Mary und Cromwell sich bereits begegnet waren, nur Augenblicke bevor er Hermione die Schenkung des Königs mitteilt - ich kann mir nicht helfen und hoffe, dass das nur verschwörungstheoretischer Quatsch ist, den ich mir da zusammenreime. Am besten, ich gebe hier dir die Schuld mithilfe eines ungeschickt verpackten Lobs: Du baust Hinweise zu Beziehungen und Stimmungswandeln und Plottwists oft so subtil ein, dass man sie anfangs gern überliest, nur um dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, zu denken “Ach Mensch, natürlich!” Wahrscheinlich sehe ich deshalb nun in jedem zweiten Nebensatz eine Verschwörung :D Es macht aber auch einfach zu viel Spaß, sich diesen Gedankenspielchen hinzugeben!
Die Beschreibung von Hermiones wechselhaftem Geisteszustand und der Tortur, die sie psychisch und physisch durchleiden musste, fand ich sehr gelungen. Wie schon gesagt habe ich richtig mitgefühlt und hatte teilweise schon fast Angst, weiterzulesen. (Die Neugier hat dann natürlich doch überwogen..)
Besonders einprägsam und auch auf eine seltsame Weise total naheliegend fand ich Hermiones Gedankengang, als Kind ihre eigene Todesnachricht als Gravur in den Tower-Mauern (da sind sie wieder) gesehen haben zu können. Da lief mir schon eine ziemliche Gänsehaut über die Arme! Wieder mal fiel mir dann auf, wie weit ihre Kindheit nun schon weg ist, nicht nur rational gesehen, sondern auch im ganz erweiterten Sinne der vielen Leben, die Hermione nun schon geführt hat.

Die Idee, dass es tatsächlich Breretons Fluch sein könnte, der ihr jetzt im wahrsten Sinne das Leben schwer macht, finde ich interessant, weiß aber noch nicht, was mein misstrauisches Hirn davon halten will. Ebenso andersherum Cromwells Aussage, er glaube nicht an Hexerei. Auf jeden Fall würde fehlende Spiritualität durchaus zu ihm passen, aber vielleicht will er Hermione auch nur in falscher Sicherheit wiegen? Ihm traue ich mittlerweile alles zu.
Insgesamt frage ich mich jetzt gerade wirklich, wie sich das alles wohl wieder auflösen wird. Wie sollte Hermione, wenn sie denn irgendwie doch noch auf “legale” Weise den Tower verlassen sollte, jemals wieder am Hofe einkehren und dort in ihr altes Leben zurückfinden? Das würde ja durchaus etwas an Frodo erinnern, der sich nach den erlebten Strapazen auch Jahre nach seiner Rückkehr ins Auenland nie wieder heimisch fühlen konnte. Und bei Hermione ist es ja nicht einmal so, als hätte sie den Hof vorher großartig gemocht.
Und wie zum Teufel sollte sie dem Mann, der all dies mit ein wenig mehr Menschenverstand und etwas weniger Stolz und Selbstsucht hätte verhindern können, jetzt noch unter die Augen treten, ohne ihm gleich für dieses schwerwiegendste aller seiner unaussprechlichen Vergehen an die Gurgel zu gehen?
Ich bin wirklich zum Zerreißen gespannt, wie es nun weitergehen wird. Im Moment ist für mich noch fast alles offen - vielleicht wäre das anders, wenn ich eine schlauere Leserin wäre, die lose Enden besser verknüpfen kann, aber naja - immerhin bleibt es so extra spannend!
Ich glaube, ich fange gerade an, wirr zu werden und nur noch lose Gedankenstränge in den Raum zu werfen. Von daher höre ich jetzt mal wieder auf und schließe dieses Review mit einem riesigen Dankeschön an dich ab. Vielen Dank für so viele Wechselbäder der Gefühle, so viele spannende Stunden, für deine intensiven Recherchen und die Hintergrundarbeit, die deine Geschichten noch lebendiger und gehaltvoller machen. Ich freue mich jeden Mittwoch und Samstag auf das neue Kapitel und werde in Zukunft dann auch mal öfter meinen unstrukturierten Gedankensenf dazu geben (wenn du nichts dagegen hast natürlich!)

Ich wünsche dir alles Liebe und bis zum nächsten Mal,
Julia
08.04.2020 | 21:44 Uhr
zu Kapitel 75
Hat man sie nicht durchsucht bevor sie in den Tower kam ?
08.04.2020 | 20:32 Uhr
zu Kapitel 75
Hoffentlich hat sie es bald überstanden.... das ist echt grausam was man ihr da antut.
Wann geht es weiter?

Antwort von Keiraleth am 08.04.2020 | 21:08:41 Uhr
Hallo Schocky,

ja, es ist übel, was Hermione hier erlebt, und ich hoffe, es ist auch ziemlich klar geworden, in welcher traumatisierenden Situation sie sich jäh befindet. Das, was sie hier erlebt ist deswegen besonders schlimm, weil es Hand in Hand mit ihrem schieren Unvermögen geht, die Lage noch aus ihrer vollständig isolierten Position zu überblicken und realistisch einschätzen zu können. Zusätzlich zu Ihren körperlichen und emotionalem Qualen, sorgt das natürlich für absoluten Stress und Vertrauensverlust. Und das ist natürlich genau das, worauf diese Prozedur der Befragung und Folter setzt und auch wenn Hermione beileibe schon viel übel durchstanden hat, geschieht das hier ganz klar auf einer ganz anderen Ebene, wie sie sie bislang noch nicht erlebte.

Die Kapitel erscheinen immer Mittwochs und Samstags. Es geht also in drei Tagen weiter. So spanne ich euch ganz persönlich auf die Folter (verzeih mir das Wortspiel). ;)

Liebe Grüße,
Keiraleth
08.04.2020 | 14:59 Uhr
zu Kapitel 74
Ein sonniges Hallo

Auch wenn hier, bei Hermione, gerade so gar nichts sonnig ist. Was schief gehen kann, geht aktuell schief.
Der König kommt mir momentan eher vor, wie ein Kind im Sandkasten, dem man das Eimerchen geklaut hat, und seinen Willen über die Herrschaft darüber nicht durchsetzten kann.

Seine Beschlüsse über Hermiones Verbot den Hof zu verlassen, und die Schenkung, zeigen deutlich das er so gar nichts kapiert hat, oder kapieren will, nach ihrer lautstarken Ansprache.
Er ist so gefangen in seiner Besessenheit, Hermione besitzen zu müssen, das ihm alles andere an seinem königlichen Hinterteil vorbeigeht.

Bei all seinem Gerede, das Charles das nicht verdient hat und dergleichen, gibt er sich trotzdem verdammt viel Mühe, Hermione von ihm wegzubekommen. Ich kauf ihm das nicht ab, würde ihm an Charles tatsächlich soviel liegen wie er behauptet, hätte er gar nicht erst was angefangen mit ihr. König hin oder her, und da kann er noch soviel Hermione die Schuld zuschieben.

Die Ablehnung der Schenkung, hat leider das Fass zum Überlaufen gebracht, sie anzunehmen hätte nur dazu geführt weiter mit Henry verkehren zu müssen, und der sehr wahrscheinlichen Trennung von Charles.

Ich bin ehrlich gespannt auf was sich der Vorwurf von Hexerei und Hochverrat, begründet. Hat Cromwell viele kleine Verdächtige Momente zusammen getragen und legt sie jetzt vor? seine Anmerkung, das manche mehr altern wie andere, war doch sicher schon ein erster Hinweis.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es so gut war das Charles den Stab an sich genommen hat. Die hätten doch keinen Grund gehabt sie zu durchsuchen, falls doch, dann war es natürlich sehr geistesgegenwärtig von Charles. Harry und Ron sind zumindest noch da und können auch noch eingreifen. Hermione im Tower gefällt mir trotzdem nicht und ich hoffe sie kommt da schnell wieder raus.
Deine Schlussbemerkung macht aber jede Hoffnung zunichte, und ich ahne wirklich schreckliches.

Liebe Grüße
Tanja

Antwort von Keiraleth am 08.04.2020 | 19:27:11 Uhr
Hallo Tanja! Oh ja, es ist so wunderbar warm und sonnig, dass ich nun schon in echter Sommerstimmung bin. Hab sogar meine Sommerkleider ausgepackt und sitze hier bei weit offenem Fenster. Herrlich. :D

Nun ja, was soll ich sagen, für Hermione läuft es derzeit in der Tat nicht so prickelnd. Ein zurückgewiesener Henry Tudor, der sich seine Grenzen nicht eingestehen mag und gegen eine Wand gelaufen ist, ist eben kein allzu erfreulicher Zeitgenosse. In seiner - wie er es sieht - ergebend gnädigen Einsicht offerierte er Hermione schließlich einen großherzig spendablen Ausweg und zeigte sich voll und ganz vergebend für ihren emotionalen und sehr unhöfischen Ausbruch. Und dann weist sie auch diese Geste konsequent zurück, führt damit ihre ganze Affäre ad absurdum und trifft ganz gewaltig seinen unangebracht empfindlichen und gewaltigen Stolz. Dass das nicht im Frieden endet ... war abzusehen.

Zitat: "Seine Beschlüsse über Hermiones Verbot den Hof zu verlassen, und die Schenkung, zeigen deutlich das er so gar nichts kapiert hat, oder kapieren will, nach ihrer lautstarken Ansprache. "
Haha, richtig. Henry ist schließlich der Meinung, dass andere IHN zu verstehen haben. Seine Sicht ist die ausschlaggebende. Hermiones emotionalen Zwiespalt zu honorieren, indem er sich gönnerisch und wohlwollend unstrafend für ihre verbalen Grenzüberschreitungen gibt, ist in seinen Augen ganz gewiss schon unermesslicher Beweis seiner Gewogenheit. Das ist so viel Entgegenkommen, dass es ihn wiederum nur noch überzeugter von der "Echtheit" seiner Gefühle für sie macht. Er erstaunt sich und die Welt damit gewissermaßen selbst. Umso stärker empfindet er ihre anschließende Zurückweisung als Affront und gezielt boshaften Akt, der Cromwells wohlplatzierten Verleumdungen fruchtbaren Boden liefert, kaum dass er ihm diese ins Ohr legt. Was genau das umfasst, sehen wir auch in den nächsten Kapiteln, aber gerade mit dem Zauberwort "Hexerei" wird Hermiones Anklage natürlich zu etwas, das auch seine Zuneigung für Charles übersticht, da es in seinen Augen somit nur "rechtens" wäre, auch Charles von dem so boshaften und gefährlichen Einfluss einer Hexe zu befreien. Cromwell spielt hier also des Teufels Advokaten. Er gibt vor Henry in seiner Umwerbung von Hermione zu unterstützen, nur um als sie wie absehbar zurückweicht, Henry vor Augen zu führen, was ihre wahre Natur und Intention all die Zeit war und woher seine so rücksichlosen Gefühlen (auch gegenüber Charles) in Wahrheit gekommen sein mögen: schwarze Magie. Ein Erfolgsrezept, das schon bei Anne Boleyn griff.

Hermione wiederum hat - wie du schon richtig sagtest - gar keine andere Wahl als diese Schenkung auszuschlagen, würde sie sonst doch einen Handel mit Henry eingehen, aus dem sie sich nie wieder lösen könnte. So oder so brachte Henry sie mit dieser Schenkung in eine auswegslose Lage. In dem Moment, in dem sie in "Rubikon" die Beherrschung verlor, hatte Cromwell bereits gewonnen.

Zitat: "Ich bin ehrlich gespannt auf was sich der Vorwurf von Hexerei und Hochverrat, begründet."
Cromwell war fleißig, so viel verrate ich schon einmal. Aber ich fürchte, nicht alle Antworten wirst du schon heute bekommen.

Zitat: "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es so gut war das Charles den Stab an sich genommen hat. Die hätten doch keinen Grund gehabt sie zu durchsuchen, falls doch, dann war es natürlich sehr geistesgegenwärtig von Charles."
Sie durchsuchen Hermione bei ihrer Inhaftierung noch in diesem Kapitel. Hier wird ihr auch Aragorns Dolch abgenommen, noch während sie in diesem benommenen Schock ihrer Verhaftung schwebt.
Das alles hat einen Sinn: Mit der Abnahme von Waffen konnte man einen Selbstmord verhindern, der dem Volk und den rachsüchtigen Anklägern immerhin das blutrünstige Schaustück einer Hinrichtung rauben würde. Und da Exempel zur damaligen Zeiten zumeist das vorderste Motiv waren, um allen anderen eine Mahnung zu hinterlassen, wäre ein Selbstmord innerhalb des Towers (wie z.B. Wolsey es zum Ungemach seiner Gegner verübte) ein letzter Sieg des Inhaftierten. Das war z.B. auch der Grund, wieso viele Gefangene auch noch halbtot aufs Schafott und durch die ganze Prozedur ihrer (manchmal sehr fantasiereichen) Hinrichtung gebracht wurden. Manchmal waren sie schon tot, bevor der Henker überhaupt loslegte und trotzdem wurde das "Werk vollbracht", damit der Rest der Bevölkerung "verstand".

Nun denn, dann betreten wir mal den Tower ....

Liebe Grüße,
Keiraleth
07.04.2020 | 19:22 Uhr
zu Kapitel 74
Ich kann es gar nicht erwarten zu erfahren wie es weiter geht, endlich hab ich's geschafft die Geschichten zu lesen und das ich auf dem aktuellsten Stand bin...
Du setzt da eine Spannung ein das ist nicht zu fassen, es könnten fast komplett eigenständig ausgedachte Geschichten sein ohne Film und Serien Hintergründe, wenn du verstehst was ich meine...
Ich bin hellauf begeistert hier von und hoffe das es bald und noch lange weiter geht

Antwort von Keiraleth am 08.04.2020 | 18:51:16 Uhr
Hallo Schocky,

ein neues Gesicht!
Herzlich willkommen, ich freu mich sehr, dass es dir bis hier hin so wunderbar gefiel. Dein Lob hat mir den Tag noch um einige Grad sonniger gemacht. Ich danke dir! :D

"Incarcerus" ist bereits fertiggestellt, wird also auch komplett erscheinen. Und auch an den restlichen Timeturner Saga Teilen arbeite ich nach wie vor munter weiter. Im Moment geht es etwas schleppend mit dem Folgeteil voran (auch weil ich parallel an einem eigenen Buchprojekt arbeite und dort vor allem mit Recherchen beschäftigt bin), ich bin aber sehr bemüht, meinen ursprünglichen Schreibrhythmus wieder herzustellen, nach der etwas längeren Pause, die ich nach "Incarcerus" nun eingelegt habe. Also ja, es wird noch eine Weile mit dieser Saga weitergehen. 17 Teile sind insgesamt geplant, aber "Incarcerus" ist hierbei ganz klar einer der umfangreichsten Teile. Viele werden vom Umfang her eher in den Rahmen von "Lumos Solem" bis "Protego" fallen. Und die Grundgeschichte ist auch schon durchgeplant, es muss in dem Sinne also nur noch verschriftlicht werden. Reine Fleißarbeit. ;)

Nun fürchte ich leider, dass kein allzu sonniges Kapitel auf uns wartet. Ich wünsche dir nichtsdestotrotz weiterhin spannende Unterhaltung, rege Emotionen und stählerne Nerven!

Liebe Grüße,
Keiraleth
06.04.2020 | 08:40 Uhr
zu Kapitel 74
Liebe Keiraleth,

du hast es wirklich drauf, die Spannung ins Unermessliche zu steigern und ich schätze mal, wir sind noch nicht am Ende angelangt.. Man man man, wenn du schon andeutest, dass es von jetzt an böse wird, dann lässt das vorerst nicht viel Hoffnung zurück. Hermine musste in den vorherigen Geschichten ja auch schon sehr vieles erdulden und über sich ergehen lassen, aber bisher hat sie ja alles irgendwie überstanden... Ich gehe deshalb davon aus, dass sie auch den Tower von London überstehen wird. Charles wird nichts unversucht lassen, sie da heraus zu bekommen und wenn alle Stricke reißen gibt es ja noch Harry, der Magie einsetzen könnte (Ron wäre mit seiner Flackermagie da nicht sooo hilfreich). Ich kann nur hoffen, dass Hermine nicht auch noch gefoltert wird, denn dann könnte sie unfreiwillig magisch reagieren, was ihr Todesurteil bedeuten würde...

Bitte, lass' uns nicht allzu lange auf das nächste Kapitel warten. Der Cliffhanger ist echt gemein ;-))

Viele Grüße
Lily

Antwort von Keiraleth am 06.04.2020 | 21:23:27 Uhr
Hallo Lily,

yay, danke, um Spannung bemüh' ich mich und ein wenig Nervenkitzel ist ja selten was Schlechtes. :)

Zitat: "Man man man, wenn du schon andeutest, dass es von jetzt an böse wird, dann lässt das vorerst nicht viel Hoffnung zurück."
Ich habe mehrmals überdacht, ob ich den Kommentar so stehen lasse, habe mich dann aber dafür entschieden, weil es mir gnädiger vorkam, euch nicht ganz ins kalte Messer laufen zu lassen. Denn ja, ich denke, auch im Kommenden werden die Nerven hier und da blank liegen. Das hier ist der Scheitelpunkt, er wird vieles in "Incarcerus" verändern. Und ein wenig ist dies auch das geballte Resultat aller Entscheidungen, Erlebnisse und Konflikte, die Hermione und ihre Umgebung seit ihrer Ankunft in dieser Zeit trafen. Das Ergebnis einer langen, gewaltigen Kettenreaktion, bei der nun alle Hauptfaktoren entschieden zusammentrafen.

Und du hast ja völlig recht, Hermione hat schon viel Übel durchgestanden. Sie befand sich schon öfters in Gefangenschaft, im Feindesland und in Lebensgefahr. Das hier ist keine Premiere für sie und, ich denke, genau diese Erfahrung wird im kommenden Kapitel auch durchaus einen gewissen Platz einnehmen. Zudem mag sie vielleicht ihren Stab abgegeben haben, doch wie du schon richtig sagtest, besitzt sie noch geballte Unterstützung von außen. Ob der Tower sie nun also wirklich aus der Fassung bringen kann und wie es weitergeht, erfährst du übermorgen.

Zitat: "Ich kann nur hoffen, dass Hermine nicht auch noch gefoltert wird, denn dann könnte sie unfreiwillig magisch reagieren, was ihr Todesurteil bedeuten würde..."
Nun, das ist der leidige Haken mit der Magie, nicht?

Es ist eine kritische Situation, so viel ist klar. Und es ist auch ein geballter Schock, denn der Tower selbst hat für Hermione längst eine tragische Bedeutung. Hier hat sie Anne verraten und hier hat sie Anne auch sterben sehen für Vergehen, die sie (weitestgehend) nie beging. Und der Tower war nicht nur für sie das Ende, er war es für viele Menschen, denen Hermione entlang des Weges in dieser Zeit begegnet ist (More, Fisher, Mark Smeaton, etc.). So ein Gespinst von "Erfahrungen" ist ganz gewiss keines, das man in dieser Situation mit sich tragen möchte. Und Hermione tut es, wie schon ihre Inhaftierung in "Die Hand, die einen füttert" zeigt. Sie ist sich dessen bewusst, als sie die Mauern betritt und genau das macht einen entsetzlichen Teil ihres "Schocks" während der Verhaftung aus, nebst zu dem gefährlichen Begriff der "Hexerei". Der Tower hat längst schier persönliche Bedeutung für sie.

So, ich greife mal nichts Weiteres vorweg und wünsche dir am Mittwoch weiterhin spannende Unterhaltung,
deine Keiraleth
04.04.2020 | 17:04 Uhr
zu Kapitel 74
Hexerei.
Na brat mir doch einer nen Stroch, damit hätte ich icht mehr gerechnet. Aber wahrscheinlich wäre es besser, alles nochmal zu lesen, die losen Enden und potentiellen Disaster, die du zwischendurch gewebt hast aufzulisten und eine größtmögliche Apokalypse zu fertigen. Vielleicht könnte mich das ja darauf vorbereiten, was noch kommen wird...Ich kenn dich ja.
Gut, ich habe die Hoffnung, dass Hermione zumindest nichit gefoltert wird. Und sollte es hart auf hart kommen, kann sie ja immernoch...verschwinden. Nur wird sie das ja nicht machen, weil das Charles und Co. gefährdet. Natürlich weiß ich, dass die echte Herzogin von Suffolk eine enge Vertraute Cathrine Parrs war, aber bis wir dahin kommen, wird noch viel Wasser den Fluss hinabfließen und definitv einiges an ungewollten Treibgut mitbringen.
Ach herje. Hexerei? Wirklich? Da muss sich Cromwell ja richitg schlau vorkommen. Gut, der wirds auch nicht mehr bis zum Ende machen, aber bis dahin richtet er auch noch ganz schön viel Schaden an...
Du quälst uns ziemlich...
LG
Nemesis

Antwort von Keiraleth am 06.04.2020 | 20:56:48 Uhr
Meine liebe Nemesis,

wie kommst du nur dazu, dich in falscher Sicherheit zu wiegen? Wir sind ja gerade erst halb durch Incarcerus durch, da glaubst du doch nicht, dass ich schon mein ganzes Pulver (aka Hexerei, Gräuel und Wahnsinn) verschoßen habe? :D

Deshalb: Hexerei, yes. Lose Enden und Potentielle Disaster, OH YES. Größtmögliche Apokalypse - eine Herausforderung, jauchzend angenommen.

Zitat: "Vielleicht könnte mich das ja darauf vorbereiten, was noch kommen wird...Ich kenn dich ja."
Na, ich glaube, du hast durchaus ein gutes Gespür für meine boshaften Anwandlungen. Ob das genügt, um sich vorzubereiten ... Wir werden sehen. Fakt ist, ich habe tatsächlich (gerade im ersten Akt) sehr viel thematisches Foreshadowing betrieben. Nehmt ihr nun die Konfliktpunkte dieser ersten Hälfte des zweiten Aktes hinzu ... zeichnet sich vielleicht ein Bild, aber wer weiß? Ich hoffe doch, dass es euch dennoch eiskalt von hinten überfällt. :D

Zitat: "Gut, ich habe die Hoffnung, dass Hermione zumindest nichit gefoltert wird. Und sollte es hart auf hart kommen, kann sie ja immernoch...verschwinden."
Hermione ist ohne Zauberstab in den Tower gekommen (auch weil Charles so viel schnelle Geisteskraft bewiesen hat). Zweifellos verhinderte dies, dass die Anklage noch im Ankommen mit dem Beweis des Zauberstabs bestätigt wurde, andererseits findet sich unsere Heldin hier also in einer nachteiligen/ nicht länger selbstbestimmten Lage wieder (ist also erstmal auf Hilfe von außen bzw. Geduld angewiesen), geht sie damit doch (weitestgehend) unbewaffnet in die Gefangenschaft.

Auf der reinen Metaebene der Geschichte ist dies ein Kernproblem, das sie spätestens schon seit dem Anfang ihrer Affäre mit Henry klar abzeichnet. In ihrem Versuch, Einfluss auf den Hof zu erlangen, manövrierte sie sich zunehmend in eine erschreckend "einflusslose" Lage, die nun hier, mit ihrer Gefangennahme gipfelt, bei der sie gezwungen ist, ihre eigentlich machtvollste Waffe abzugeben, um als Hexe nicht aufzufliegen oder ihre Mission mit einem Akt des Widerstands zu torpedieren. Indem sie also Charles und ihre Mission "beschützt", gibt sie gleichzeitig einen beachtlichen Teil ihrer Kontrolle aus ihren eigenen Händen.

Was nun genau geschehen wird, ob ihre Gefangenschaft von Dauer ist, was Cromwell im Detail beabsichtigt und wie Hermione ganz allgemein weiter vorgehen wird, erfahren wir im kommenden Kapitel. Ich verrate nichts, das hier werdet ihr schon noch allein herausfinden.

Zitat: "Hexerei? Wirklich? Da muss sich Cromwell ja richitg schlau vorkommen."
Nun, er war genauso wenig tatenlos wie Charles und Hermione es zuletzt waren. Wie bereits erwähnt, hat ihre Affäre einen Wettlauf um die endgültige Macht beim König und ihm Kronrat ausgelöst. Und dass Cromwell recht clever sein kann, hat er ja schon öfters bewiesen.

Ob das alles hier also wirklich im Sinne der Geschichte erfolgt ... 3:) Oha, das ist doch die eigentliche Frage,
liebe Grüße,
Keiraleth
04.04.2020 | 07:40 Uhr
zu Kapitel 73
Einen wundervollen guten Morgen liebe Keiraleth!

Ich sage es ja nur ungern, auch, wenn ich Charles selbstverständlich für seinen Edelmut loben möchte, es war eine absolut zum Scheitern verdammte Idee, Hermione nicht vom Hof fortzuschicken. So, jetzt habe ich es gesagt.

Und ich komme einfach nicht darum herum, jetzt schon zum Kern des Geschehenes zu hüpfen, sonst werde ich noch wahnsinnig.
Vielleicht, ganz vielleicht stachelt Henry diese rüde Abweisung noch an? Eigentlich glaube ich aber, dass Charles und Hermione jetzt in Ungnade fallen werden, obwohl ich das überhaupt nicht möchte.

Du hast den Zahn der Zeit auch wieder getroffen, indem du Henry eine Mitschuld auf Hermione projizieren lässt, die es unter keinen Umständen gibt. Denn er ist der König; was er befiehlt, dem muss Folge geleistet werden. Und mal ehrlich, so zu tun, als wüsste er das nicht, spricht entweder von unfassbarer Naivität oder dramatischer Scheuklappenbetrachtung. Oder natürlich Selbstschutz, weil sonst niemand echte Zuneigung zeigen würde.

Bis heute Abend,
es knickst,
Avarantis

Antwort von Keiraleth am 04.04.2020 | 12:56:45 Uhr
Und schon wieder ist es Samstag ... Auch dir ein liebes, hocherfreutes Hallo!

Oh ja, da hast du vollkommen recht. Ist es noch Mut oder Dummheit? Nicht immer entspringt aus einer mutigen Tat auch eine vorteilhafte Handlung. Dass Charles sich entscheidet, nicht klein beizugeben und Hermione stattdessen an seiner Seite am Hof zu behalten, da er es in ihrem RECHT sieht, ist natürlich ein recht edelmütiger Akt, um allen Menschen bei Hof zu beweisen, dass er keine solche Farce auf Hermiones Rücken aufführen wird und natürlich auch, um seinen eigenen tief verletzten Stolz gegenüber Henry wieder Auftrieb zu verleihen. Aber für den Erfolg seines Plans mit Seymour und Bryan war dies natürlich Gift. Denn Bryan hatte völlig recht, als er sagte, dass Hermione Henrys Aufmerksamkeit halte, sobald sie einen Raum betrete und dass ihre Abwesenheit deshalb unabdingbar sei, wenn Henry auf jemand anderen aufmerksam werden soll. Ich meine, das kennen wir alle wohl aus Erfahrung, man geht nicht weiter auf die Suche, wenn das Objekt der Begierde bereits in Reichweite liegt. Die gepflanzte Ablenkung in Form von Catherine Howard konnte demnach - wenn überhaupt - nur fruchten, wenn Hermione nicht zugegen gewesen und möglichst auch etwas aus seinen Gedanken gewichen wäre. Und dies wäre nur mit einer längeren Abwesenheit vom Hof möglich gewesen.
Deshalb ja, Charles hat hier seinem Herzen den Vorzug vor seinem Verstand gegeben und genau das fällt ihm und Hermione sofort auf die Füße.

Hierbei spielt natürlich auch eine große Rolle, dass Charles sein gesamtes Leben bei Hof im Grunde (letzten Endes) stets bekam, was er wollte und nicht (oder nur sehr mäßig) dafür zur Rechenschaft gezogen wurde("der zweite König").

Zitat: "Vielleicht, ganz vielleicht stachelt Henry diese rüde Abweisung noch an?"
Ah, das ist hier nun die Frage, nicht? :) Auch Hermione weiß noch im selben Moment, in dem sie Henrys Gemächer verlässt, dass ihr Ausbruch eines bewirkt hat, ob nun in die eine oder die andere Richtung: Henry muss nun einen Entschluss treffen. Und er muss agieren. Die Karten liegen nun zwischen ihnen dreien auf dem Tisch, keiner kann nun mehr irgendwem etwas vormachen. So oder so, Henry muss reagieren, da die Phase des "bedächtigen Stillhaltens" hiermit beendet ist. Und die extreme Emotionalität ihrer Lage am Ende von "Rubikon" lässt in der Tat nur zwei Ausgänge zu: Entweder Henry entscheidet sich, als König zu agieren oder als Geliebter ...

Zitat: "Du hast den Zahn der Zeit auch wieder getroffen, indem du Henry eine Mitschuld auf Hermione projizieren lässt, die es unter keinen Umständen gibt."
Einer von Henry Tudors großen Makel (zumindest in seiner Person in der Serie) ist seine Gewohnheit, einen Schuldigen zu benennen, sobald er selbst sich tiefer Schuld und Reue bewusst wird. Bereut er eine Handlung oder Entscheidung wird er zumeist extrem emotional und sucht dann nach dem Auslöser seiner eigenen Handlung.
Im Falle ihrer Affäre fühlt sich Henry seiner Begierde für Hermione ausgeliefert und da er diese natürlich keineswegs "freiwillig" entwickelte (schließlich war und ist sie die Frau seines vielleicht einzigen echten Freundes), sieht er die Schuld für seine Gefühle natürlich klar bei ihr. Hermione MUSS sie ausgelöst haben, denn wie sonst wäre dies zu erklären? Und solange er der Annahme unterlag, dass sie diese Gefühle insgeheim erwidert, sah er sie beide als gemeinsam Leidtragende, fast schon eine Art romantische Verklärtheit. In dem Moment jedoch, in dem Hermione ihm deutlich macht, dass diese Affäre nur existiert, weil sie seiner Krone unterlegen ist und er sie einforderte, verliert sich diese romantisch tragische Nuance seiner Illusion und nun bleibt nur noch die Überzeugung zurück, dass Hermione seine Gefühle überhaupt erst auslöste. Das wiederum führt zu seiner drastischen Unterstellung, die aus einer nüchternen Sicht wie der unseren weder Hand und Fuß hat, da Hermione sich romantisch betrachtet nie bei ihm in irgendeiner Weise bemüht hatte, sondern - mehr noch - stets davor zurückgewichen ist.

Was hier natürlich auch klar mitschwingt, ist das Bild der Frau als Verführerin, das damals gesellschaftlich galt und auch von der Religion immer wieder vermittelt wurde. In dem Bewusstsein der damaligen Gesellschaft konnte jedwedes Interesse eines Mannes immer nur der Tatsache entspringen, dass Frauen schlussendlich diese Sünde mit sich tragen und Männer dieser nunmal unterlagen, wenn eine Frau ihre "verführerische Natur" nicht ausreichend verhüllte und - lapidar ausgedrückt - gänzlich mit ihrer Umgebung verschwamm. Sobald eine Frau also das Augenmerk eines Mannes erhaschte und sei es auch nur kurz, war dies im Grunde schon der Beweis des Aktes der Verführung, die dem Frauenbild damaliger Zeiten innewohnte. Bemerkte man sie, bemühte sie sich zu verführen.

Henry Tudors Hof war nun sicher kein Ort der Tugend, deshalb spielte dies zumeist auch keine Rolle. Affären gab es zu genüge und - wie wir ja schon besprachen - wurde damit teils sogar um Reichtümer geschachert und Positionen gefördert. Nahm eine Beziehung oder Affäre jedoch komplizierte Züge an oder endete im Unheil, blieb letzten Endes stets das Faktum stehen, dass die Frau in jedem Fall "Mitschuld" trage, schon aufgrund oben genannter Natur. Unschuldig konnte eine Frau demnach eigentlich so gut wie nie sein, ging es um fleischliche Gelüste, es sei denn es kamen noch Standesunterschiede ins Spiel, die die Frau "höher" stellten oder es handelte sich um ein eindeutiges und grausames Verbechen.

Zitat: "Oder natürlich Selbstschutz, weil sonst niemand echte Zuneigung zeigen würde. "
Und ja, ich denke, auch das ist Teil des Problems.

Es dankt wie immer,
deine Keiraleth
02.04.2020 | 16:50 Uhr
zu Kapitel 73
Oh je, das war heftig.
Ich habe schon zu Beginn des Kapitels gefürchtet, dass sich diese Entscheidung rächen wird, aber die Konfrontation war dann doch jenseits aller Erwartungen. Dass Hermione so explodiert ist sowohl überraschend, versuchte sie sich doch zu beherrschen, andererseits aber auch absolut nachvollziehbar. Es war ja bereits zu Beginn des Henry-Debakels deutlich, dass sie das nicht durchhält. Charles wird sich für seine Entscheidung ohrfeigen, die Ungültigkeit des Vertrages Henry mitteilen zu lassen.
Ich habe jetzt wirklich Angst um Hermione und die anderen, aber was hätte sie auch machen sollen. Henry hat ja angedeutet, dass er durchaus geneigt ist, Charles aus dem Weg zu schaffen...
Was machst du nur mit deinen armen Charakteren und deiner armen Leserschaft :D
Ich kenne die Serie tatsächlich nur in Ausschnitten, beziehungsweise habe sie vor sehr langer Zeit mal gesehen. Tatsächlich bin ich wohl deutlich sattelfester in der eigentlichen Historie.
LG Nemesis

Antwort von Keiraleth am 03.04.2020 | 17:49:08 Uhr
Ah, ja, hier liegt eine klassische emotionale Eskalation vor, wie ihr sie in meiner Saga schon hier und da begegnet seid ... Heftig --- trifft es.

Zitat: "Ich habe schon zu Beginn des Kapitels gefürchtet, dass sich diese Entscheidung rächen wird, aber die Konfrontation war dann doch jenseits aller Erwartungen."
Es ist gewissermaßen zu einer kleinen Kettenreaktion geworden, nicht? Erst Charles, der Henrys Neid provoziert, dann Henry, der Hermione zur Handlung und Wiederaufnahme ihres Miteinanders zwingt, dann Henrys Reue, die er ausgerechnet in einem Versprechen ausdrückt, das Hermiones Panik und Abscheu endgültig beflügelt und das emotionale Fass unkontrolliert bersten lässt. Dass Hermiones emotionaler und ausgesprochen ehrlicher Ausbruch wiederum Henry empfindlich trifft, war sozusagen dann unvermeidbar. Einem psychisch zerrütteten Menschen wie ihm solch hochemotionale und stolze Dinge vor die Füße zu werfen, ähnelt einem Attentat. Henry ist ebenfalls für sein ordentliches und ausgesprochen jähzorniges Temperament bekannt und dass unsere zwei Hitzköpfe hier aggressiv kollidieren, war also gar nicht mehr abzuwenden, nachdem er den Ring auspackte und sie sich derart undankbar und - in seinen Augen - vermessen für seinen "Lösungsversuch" zeigte und ihn dann auch noch als den Schuldtragenden ihrer Misere mit Charles brandmarkte.

Zitat: "Es war ja bereits zu Beginn des Henry-Debakels deutlich, dass sie das nicht durchhält."
Ja, das war eine emotionale Zeitbombe. Psychisch hat es sie schließlich schon von Beginn an belastet, aber sie hat die Zähne Charles zuliebe zusammengebissen, nun da sich jedoch abzeichnete, dass sie mit ihrer Entscheidung, sich Henry Tudor hinzugeben, überhaupt nichts verhindert hat, ja, mehr noch, Henrys Besessenheit vielleicht gar Tür und Angel öffnete, überkam sie natürlich die Ausweglosigkeit ihrer Lage und damit Panik, nicht nur, weil es ihre Geschichte und Welt und Charles Leben bedroht, sondern auch da es sie psychisch und seelisch belastete einer derartigen Nötigung zu unterliegen. Und wir dürfen uns nicht irren, hier in "Rubikon" erreicht die Art der Nötigung eine neue Dimension. Als Charles in Calais war, fühlte Hermione sich Henrys Macht ausgeliefert, u.a. weil er "fort" war. Nun, in "Rubikon" muss ihre gesamte Psyche begreifen, dass sogar er dem nichts entgegenzuhalten hat und stattdessen - mehr noch - darauf zählen muss, dass sie Henrys Willen entgegenkommt. Hat sie sich also zunächst insgeheim ein Stück weit "einsam" mit ihrer ausweglosen Lage gefühlt, begreift sie erst hier wirklich dass sie absolut "machtlos" dasteht und Charles diese Position mit ihr teilt - zumindest soweit sie nicht die gesamte Geschichte der Welt in Bruchstücke zerlegen und Henry mit Magie konfrontieren möchte. Das ist zu viel für ihre Fassung, selbst für eine durchaus gestählte Zeitreisende wie sie, die emotionale Opfer gewohnt ist.

Ihr Ausbruch wiederum ist natürlich unumkehrbar und damit so ziemlich das Gefährlichste, was ihr und Charles geschehen konnte.

Zitat: "Was machst du nur mit deinen armen Charakteren und deiner armen Leserschaft :D"
Na, ich komme hierfür ganz sicher nicht in den Himmel. Ich sagte ja, es wird böse. XD Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen ... irgendwann, denn in nächster Zeit werdet ihr das vermutlich nicht.

Zitat: "Tatsächlich bin ich wohl deutlich sattelfester in der eigentlichen Historie."
Na dann halt dich mal fest. :D

Liebe Grüße,
Keiraleth
02.04.2020 | 10:43 Uhr
zu Kapitel 73
Hallo Keiraleth,
oh weh oh weh.. Ob es wirklich vorbei ist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Henry den emotionalen (und absolut verständlichen und nachvollziehbaren!!) Ausbruch von Hermine so hinnehmen wird. Ein sehr spannendes und wegweisendes Kapitel, ich bin gespannt wie es weitergehen wird. Hoffentlich ohne das bald Köpfe unserer lieb-gewonnenen Charaktere rollen werden...
Viele Grüße
Lily

Antwort von Keiraleth am 03.04.2020 | 17:20:00 Uhr
Hallo Lily,

Hermione passiert in "Rubikon" einen Punkt ohne Wiederkehr, als sie Henry deutlich macht, was in ihr vorgeht, was sie von seiner Liebe und ihren Betrug an Charles hält und wie wenig seine Gefühle auf Erwiderung stoßen. Alles in allem konfrontiert sie Henry schonungslos mit der Realität, die absolut nicht so aussieht, wie er sie sich in seiner Gier und seiner erschaffenen Besessenheit gerne ausmalt. Weder kann diese Affäre weiterexistieren, ohne Charles empfindlich zu schaden, noch liebt oder begehrt Hermione ihn oder die Krone. Was Henry bis hierhin pflegte sind mehr oder minder die Träume eines Größenwahnsinnigen, der nicht akzeptieren konnte, dass er sich mit Anna und der Politik Europas arrangieren muss. Er "findet" seinen Ausweg in Hermione, in dem er eine Begierde für sie entwickelt, dasselbe mit ihr teilen zu wollen, was er Charles all die Jahre mit ihr teilen sah und was er sich vielleicht von Jane Seymour erhoffte, ehe sie unverhofft starb. Er projiziert also diesen stillen Neid und Sehnsucht ganz und vollständig auf Hermione als "Antwort" seines inneren emotionalen Konflikts - nicht sofort, sondern schleichend mehr und mehr bis er schließlich Weihnachten 1539 endgültig dieser Besessenheit nachgibt. Er deutet es auch in seinem Ausbruch Hermione gegenüber an, als er u.a. von ihrer steten Nähe an seiner Seite spricht, ihrer Freundschaft zu all seinen vergangenenen Königinnen, etc. Er sieht in ihr also gewissermaßen eine "schicksalsgegebene" Alternative, die er endlich erkannt hat und die ihm, gottgegeben, als König von England zusteht. Das alles baut auf keinerlei Logik oder Treue zu irgendwem, geschweige denn auf Menschenverstand, sondern ist ganz klar das Resultat eines psychischen Zerfalls, der mit Jane Seymours Tod und der Zwangslage mit Kleve, in die Europas Kriegsbemühungen 1539 ihn versetzen, endgültig die Macht in ihm übernimmt.
Hat er zu Beginn Hermione durchaus ehrlich geschätzt und Sympathien, vielleicht gar Bewunderung und Freundschaft für sie entwickelt, sind natürlich diese "echten" Emotionen mehr oder minder von seiner Psychose gekapert worden und haben aus ihrem steten Beisein (auch nach dem Tod seiner Königinnen) eine Konstante aus ihr gemacht, auf die er sich nun versteift hat und der er nun übermäßige Bedeutung und Begierde entgegenbringt. Es ist also eigentlich seine Gier nach Stabilität und Entscheidungsgewalt, die ihn nun so besessen von einer Liebe zu ihr macht. Und ausgerechnet das löst nun genau das Gegenteil davon aus - es versetzt seine Freundschaft zu Charles einen harschen Bruch und bringt sogar seinen eigenen Hof in eine instabile Lage, wie auch sein rationales Entscheidungsvermögen damit nur weiter von jedem Fürsten in Europa angezweifelt werden sollte.

Was ich also mit all dem sagen will: Ist es wirklich vorbei? Gewiss nicht. Was Hermione jedoch weiß, als sie nach ihrem Ausbruch sein Gemach verlässt, ist dass sie ihre Worte nicht mehr zurücknehmen kann. Ihrer aller Lage hat sich schlagartig geändert, denn für Henry Tudor hat sich die Ansicht seiner Lage ebenfalls komplett gewandelt, als Hermione ihn die Realität vor Augen führte. Was damit in jedem Fall vorbei ist, ist somit der Drahtseilakt, auf dem sie und Charles seit ihrem Geständnis Henry gegenüber verweilten. Das Theater ist vorbei. Und ja, auch Henrys Glaube, dass Hermione Wohlwollen, wenn nicht gar Zuneigung für ihn empfindet. Dass alles zusammengenommen bedeutet, dass sie nun definitiv Neuland betreten, ganz gleich, wie Henry hierauf zu antworten entscheidet. Und antworten wird er.

Hermione weiß, dass sie die Zündschnur in Brand gesetzt hat. Das ist nicht mehr umzukehren. Jetzt kann sie nur auf die unvermeidliche Detonation warten. Henry muss nun agieren, in welcher Art auch immer, das Theater, das sie alle in der Schwebe hielt, ist vorüber.

Ich denke, spannend wird es auch weitergehen. Ich bin selbst ein wenig aufgeregt, wir sind an einem emotional und handlungstechnisch sehr geladenen Punkt. ;)

Liebe Grüße und ein herzliches Danke,
deine Keiraleth
02.04.2020 | 09:37 Uhr
zu Kapitel 73
Oh Hallo..... Dass war aber mal wieder für mich ein KApitel , was seines gleichen sucht. Eine Hermione die endlich mal dem König sagt was sie meint. Aber wir alle kennen Henry und wissen dass er dass nicht alles auf sich sitzen lässt ohne nicht einen Gegenschlag zu planen... Oh was wird Charles toben...... Ob Bryan sich im Auftrag von Henry an HErmione rächen wird... oder gar Charles vergiften wird....? Apropro Bryan.... Ich hoffe mal er wird Paracelsus nicht über Hermione und Ron usw ausfragen so von Slytherin zu Slytherin und einen HAndel vorschlagen.... Oder passiert dass noch?


Alles Liebe und ich freue mich auf die nächsten kaPITEL sie sind wie immer ein Genuß


Daniel

Antwort von Keiraleth am 03.04.2020 | 16:53:38 Uhr
Hallo Daniel!

Oha, ja, dieses Kapitel hatte es schon in sich und da wir uns nun am Scheitelpunkt befinden und auch auf das Ende des zweiten Akts zusteuern, kommt da auch im Folgenden weitere Aufregung auf uns zu. ;)

Zitat: "Eine Hermione die endlich mal dem König sagt was sie meint."
Ich glaube, es hatte sich schon länger abgezeichnet, dass diese Situation nicht allzu lange gut gehen konnte und dass Hermione ihn mit der harten Wahrheit konfrontiert, war - denke ich - für uns und für sie erlösend und erschreckend zugleich. Seelisch tat es ihr sicherlich gut, ihm endlich diese abstruse Illusion zu rauben. Nicht nur, was Charles' Wissen anbelangt, sondern auch seine Ignoranz dem gegenüber, dass ihre Affäre überhaupt nur existiert, weil seine Krone sie dazu zwingt.

Deine (sehr gern gelesenen) Hypothesen kann ich dir noch nicht beantworten, da möchte ich dir die Überraschung und die Spannung ganz sicher nicht verderben. Dass Hermiones unkontrollierter Ausbruch allerdings Folgen nach sich ziehen wird, ist jedenfalls sicher. Nicht nur, weiß Henry nun, dass Charles Bescheid weiß, nein, Hermione hat auch eigenmächtig entschieden, ihn einzuweihen, ohne Henry darüber in Kenntnis zu setzen. Zudem hat sie Henry recht deutlich gemacht, was sie von ihrer Situation hält und für wie moralisch verwerflich seine vergangene Verhaltensweisen hält. Sie war hemmungslos ehrlich und hat sich zudem auch noch im Ton vergriffen, als sie begann ihn anzuschreien - ein absolutes Unding dem König gegenüber. Henrys gesamte Auffassung ihrer Situation wurde durch die ihm offenbarte Realität auf den Kopf gestellt. Das muss er erst verarbeiten und wie er darauf reagieren wird, sehen wir im morgigen Kapitel. :)

Ob Bryan in all dem verwickelt sein wird, sehen wir noch ... Aber ja, allgemein wird er noch eine große Rolle in den Ereignissen spielen, die da kommen ...

Weiterhin allerbeste Unterhaltung und ganz lieben Dank,
deine Keiraleth
01.04.2020 | 21:44 Uhr
zu Kapitel 73
Ein geschocktes Hallo

Oh Mann, das hat jetzt ja mal ganz gewaltig geknallt.
Ich habe so gehofft das Bryans Vorschlag angenommen wird, hab aber damit gerechnet das Hermione sich dagegen ausspricht, wie könnte es auch anders sein. Leicht geht hier nichts von der Bühne.

Das Henrys Besessenheit tatsächlich soweit geht, und dann auch noch Hermione die Schuld gibt, ist ja schon fast Geisteskrank.
Ich wollte Hermione schon Ohrfeigen für ihr Geständnis, das Henry dann so ausflippt war zu erwarten.
Ich denke, selbst wenn sie tatsächlich doch noch Bryans Plan umgesetzt hätte, hätte das nicht mehr viel geändert, selbst dann hätte Henry noch alle Hebel in Bewegung gesetzt um seinen Willen durchzusetzen.
Ich kann dir gar nicht sagen welche Schimpfwörter mir gerade durch den Kopf rauschen, aber du wirst es dir sicher denken können. ;)

Das wird noch ein gewaltiges Nachspiel haben, ich rechne fast damit das Henry Hermione in Ungnade fallen lassen wird, oder wird er weiter an seiner fixen Idee festhalten sie zu ehelichen? Das hat er ganz sicher andeuten wollen, als er sagte diese Situation könne beendet werden, Charles irgendwie loswerden und Hermione heiraten, verdammt nochmal, sie stecken in ganz schönen Schwierigkeiten.

Halleluja, kann ich da nur sagen, hoffentlich rollen nicht bald mehr Köpfe als sie sollten.

Herzliche Grüße
Tanja

Antwort von Keiraleth am 03.04.2020 | 15:26:02 Uhr
Hallo, meine Liebe,

ich hoffe, der Schock hat nachgelassen. Du wirst deine Nerven noch brauchen. ;)

"Rubikon" ist ein böses Kapitel insoweit, dass es gezielt mit den Erwartungen der Leser spielt, die natürlich mit Catherine Howards Auftauchen in "Kabale und Liebe" darauf setzen, dass sich die Lage in eine stabilisierende Richtung entwickelt, nur um dann genau das Gegenteil zu erleben. Und ja "es knallt" hier "ganz gewaltig".

Zitat: "Ich habe so gehofft das Bryans Vorschlag angenommen wird, hab aber damit gerechnet das Hermione sich dagegen ausspricht, wie könnte es auch anders sein."
In diesem Fall ging die vorderste Motivation tatsächlich sogar von Charles aus. Er bewies gewissermaßen Rückgrat und Stolz, als er entschied, dass er Hermione dieses Chaos nicht durch "Exil" ausbaden lässt, als habe sie es verschuldet, auch wenn es natürlich - im Anbetracht ihrer Situation - absolut konsequenter und klüger gewesen wäre, Bryans Taktik zu folgen, denn natürlich verbleibt mit Hermiones Präsenz Henrys Augenmerk nur weiter auf ihr, während die Gewissheit, dass Charles um Hermiones ominöse Affäre weiß, ihn womöglich wieder ein Stück "vorsichtiger" hätte werden lassen. Nach Bryans Taktik hätte der König gewusst, dass Charles über Hermiones Betrug informiert war, aber hätte zugleich angenommen, dass Charles nicht wisse, dass ER es war, der mit ihr diesen Betrug beging. Damit wäre es an Henry geblieben, diese Wahrheit offen zu legen oder zu beerdigen und damit auch ihre Affäre einzustampfen oder vorerst "ruhen" zu lassen. So oder so wäre die erste Aktion somit von Henry ausgegangen und hätte somit "die Macht" bei ihm belassen, was letzten Endes ja das ist, das die Situation vor einer Eskalation bewahrte. Zudem wäre mit Hermiones Abwesenheit natürlich die Chance gestiegen, dass Henry auf Catherine aufmerksam wird.
Charles überkommt in "Rubikon" aber, wie wir erleben, eine gefährliche Woge des Stolzes und natürlich auch des Bedürfnisses zu unterstreichen, dass sie seine Frau ist und nicht irgendeine Konkubine. Er kann Henry nicht offen konfrontieren, für das, was er getan hat, aber die Wut darüber nistet natürlich in ihm und wird nur noch stärker, wenn er daran denkt, dass Henry nicht einmal den Anstand zeigt, Hermione nicht vor aller Augen und in seinem Beisein so offen zu bespähen.

Ob mit Bryans Taktik sich die Wogen vielleicht geglättet hätten, werden wir hier natürlich nicht mehr erfahren. Chancen hätten bestanden, aber auch dann wäre in Henrys gegenwärtigem Zustand überhaupt nicht sicher gewesen, dass er "stillgehalten" und sich mit der Situation arrangiert hätte, wie du schon richtig sagst. Seine Besessenheit ist an einen gefährlichen Punkt gereift, wie wir im späteren Teil dieses Kapitels ja auch deutlich sehen. Als er Hermione schließlich seinen Ring als "Unterpfand" reicht, überspült auch sie die jähe Panik, dass seine Gier schon zu weit herangereift ist, um selbst vor Charles Halt zu machen, und zusammen mit dem, was schon Cromwell andeutete und ihr Unvermögen diese Affäre zwischen ihnen beiden weiter zu halten, tut sie etwas sehr, sehr Dummes und konfrontiert Henry mit der Realität. Ein Schritt, der bei einem psychisch zerrütteten Menschen und König wie es Henry an diesem Punkt ist, ein sehr gewagtes Risiko darstellt.
Für Hermione selbst ist dieser Ausbruch natürlich pure seelische Entlastung, über die sie an diesem Punkt ganz sicher keine Kontrolle mehr hatte, aber mit ihrer Wahrheit knallt sie Henry natürlich ganz ungeniert vor Augen, dass er Charles als Freund verloren hat und DAS ist ein Schlag, der ihn ganz sicher empfindlich trifft und endlich die Konsequenz seiner Besessenheit bewusst macht. Was wiederum zu seinem emotionalen Ausbruch führt.

Was Henry vor Hermiones Ausbruch beabsichtigte und ob es auch hiernach noch Bestand behält, wird sich zeigen. Ob er Charles wirklich "aus dem Weg schaffen" würde, ist im Grunde die Frage danach, wie viel er ihm bedeutet und ob dies gegen seinen Wahn Bestand behält. Ich glaube nicht, dass Henry in seinem Fall die schlimmste Route wählen würde, wenn sich noch eine andere anbietet, denn dass Charles ihm nach wie vor genug bedeutet, zeigt ja schon sein Ausbruch, in dem er darauf besteht, dass Charles all das nicht verdient hat und Hermione sogar vorwirft, ihn in ihrer beider Ehe zuletzt nur Probleme und Unglück bereitet zu haben. Damit inszeniert er sich natürlich als der Mensch, der ihn wirklich liebt, im Gegensatz zu ihr und was wir hier erleben ist im Grunde ein emotionales Gerangel, in dem sowohl Hermione als auch Henry einander vorwerfen, nicht an Charles zu denken und ihn absichtlich zu verletzten. Es wäre wohl absurd komisch, wenn es nicht auch so verheerend wäre. Denn während Henry glaubt, Hermione besitzen zu müssen, bleibt er trotzdem davon überzeugt, Charles zu lieben und ihn möglichst "unbeschadet" aus dieser Situaton hieven zu KÖNNEN. Was schlicht und ergreifend in der Tat geisteskrank ist, da Hermione und Charles verheiratet sind und eine Lösung dieser Ehe zwangsläufig mit einem Opfer von Charles Seite verbunden wäre. Nach dem Erfolg mit Anna wird es natürlich ihr Ehekontrakt sein, den er zunächst anzugreifen gedenkt/gedachte (quasi die "unblutige" Variante der Aufhebung). Denn Henry ist längst an einem Punkt, an dem die vielen "aufgehobenen" Ehen in seinem Leben ihn längst skrupellos gegen jede Form von Ehe gemacht hat - ein Vertrag, der für die restliche Welt als nahezu unlösbar und damit auch weitestgehend unangreifbar angesehen wird, der Henry in seinem Größenwahn aber nicht einmal mehr ein Stocken entlockt.

Zitat: "Halleluja, kann ich da nur sagen, hoffentlich rollen nicht bald mehr Köpfe als sie sollten."
Ja, das hier ist brandgefährlich.

Liebe Grüße,
Keiraleth
01.04.2020 | 15:50 Uhr
zu Kapitel 72
Hallo

Mir gefällt wie du Hermione, in bestehende Szenen aus der Serie, so eingebettet hast als wäre das immer schon so gewesen. Ob beim Kartenspiel und Gespräch mit Bryan, oder danach mit Catherine Howard.
Als wäre Catherine geholt worden, nur um als Ersatz für Hermione zu dienen. Was ja hier der Fall ist aber ursprünglich nicht, ich hoffe du kannst mir folgen.

Die Neckereien zwischen Harry und Hermione passieren viel zu selten, es gibt aber auch leider zu wenig oft Anlass dazu.

Charles schützt mit seinem ignorieren ihres Hexendasein, nicht nur Hermione sonder auch sich selbst, schätze ich mal. Mit den, damals üblichen Ansichten über Hexen und Zauberei, auch in religiöser Hinsicht, ist es sicher nicht leicht für ihn das mit seinem Gewissen zu vereinbaren.
Aber er weiß zumindest, das Hermione gutes damit bewerkstelligen kann.

Es ist übrigens Wahnsinn wie schnell die Zeit verflogen ist, seit dem Start von diesem Teil, die Hälfte haben wir schon und ich bin gespannt was da noch kommt. Ich kann mir nicht vorstellen wie die letzte Staffel nochmal Stoff für 70 Kapitel hergeben soll. Da kommen doch sicher einige Überraschungen von dir auf uns zu. ;)

Jetzt bin ich gespannt wie es mit Anna, Catherine, Hermione und dem König weiter geht.
Mich hätte auch interessiert was beim Bogenschießen passiert ist, das Henry heimlich angesetzt hat.

Liebe Grüße
Tanja

Antwort von Keiraleth am 01.04.2020 | 17:42:06 Uhr
Hello again ...

Sagte ich schon, dass ich den regelmäßigen Austausch mit dir sehr zu schätzen weiß? Ja, ich denke schon, aber ich wiederhole es sehr gerne. :)

Zitat: "Als wäre Catherine geholt worden, nur um als Ersatz für Hermione zu dienen. Was ja hier der Fall ist aber ursprünglich nicht, ich hoffe du kannst mir folgen."
Hervorragend, so soll es sein. Im Optimalfall erfüllen unsere Freunde ja die "Korrektur" des Annullierungsfluches, was darauf hinausläuft, dass die Geschichte erfolgt, wie sie erfolgen sollte, nur dass sie selbst dabei die regulierende Wirkung spielen. Das zumindest ist der Gedanke bei all den Szenen, die ich mit ihren Auftritten "umdeute". Nehmen sie hingegen Einfluss auf Situationen, die vom Fluch nicht berührt wurde, kann das auch nach hinten losgehen und eine "bekannte" Szene in ganz andere Richtungen schwenken lassen und damit die korrekten Konsequenzen verändern, statt sie zu bewahren.
Und all das ist ein sehr guter Einstieg ins heute kommende Kapitel, denke ich, denn genau die Frage, ob Hermiones Affäre mit dem König nun eigentlich genau der "Korrektur des Annullierungsfluchs" gedient hat oder vielleicht eher letzteres der Fall gewesen ist, wird sich hier so allmählich abbilden.

Zitat: "Die Neckereien zwischen Harry und Hermione passieren viel zu selten, es gibt aber auch leider zu wenig oft Anlass dazu. "
Ja, da hast du leider recht. Im Moment haben sie eigentlich nicht viel zu lachen, umso schöner ist es, wenn ich doch einmal so eine kleine Szene einbauen/schreiben kann. Ich denke, es erinnert uns alle - eingeschlossen das Trio - daran, wer sie eigentlich ja immer noch sind und dass auch dieser Zustand mehr ein ... temporärer ist.
Was jedoch auch ein ausgesprochen wichtiger Grund ist, ist natürlich die beträchtliche Entfernung, die sich zwischen den Dreien inzwischen durch die vielen Jahre in dieser Zeit und ihre auseinander divergierenden Leben eingeschlichen hat. Hier, im England der Renaissance, sind sie zum ersten Mal eben nicht nur "auf der Durchreise", sondern dank Catherine Brookes Tod eher zeitweilig "festgesetzt".

Zitat: "Charles schützt mit seinem ignorieren ihres Hexendasein, nicht nur Hermione sonder auch sich selbst, schätze ich mal."
Ja, es ist keine allzu taktisch getroffene Entscheidung, sondern mehr aus dem Gefühl geboren, ganz gleich wie die Gesetze und die Regeln dieser Zeit lauten mögen, sie zu schützen. Denn es ist ja eines, ob er verurteilt, was sie tat/tut/ist, oder ob er es zulässt, dass die Welt sie dafür verurteilt. Insbesondere nun, da er sich gar nicht mehr sicher ist, wie "rechtens" die ihm bekannten Lehren hierzu sein können, wenn sie doch scheinbar so vieles rund um die Magie nie in Erfahrung gebracht haben oder anerkennen. Gewissenstechnisch eine sehr komplizierte Lage für ihn, die durch das "Totschweigen" und "darüber hinwegsehen" auf die simpelste Weise umgangen wird und sie beide - zumindest so lange ihr Geheimnis unter sie weilt - vor allen heimlichen Ohren schützt, als auch ihn davor, eine solche moralische Entscheidung zu treffen, zu der er sich im Grunde gar nicht mehr befähigt sieht (anders als an dem Tag, an dem er ihr Geheimnis "lüftete").

Zitat: "Ich kann mir nicht vorstellen wie die letzte Staffel nochmal Stoff für 70 Kapitel hergeben soll. Da kommen doch sicher einige Überraschungen von dir auf uns zu. ;)"
Ja, das hoffe ich doch. :D Ich freue mich und es graut mir davor zugleich.

Zitat: "Mich hätte auch interessiert was beim Bogenschießen passiert ist, das Henry heimlich angesetzt hat."
Oh, stimmt. Eigentlich war dies mehr ein Hinweis auf die "tickende Zeitbombe", die ihre zurzeit "stillgelegte" Affäre darstellt. Indem er sie also zum ersten Mal seit Charles Rückkehr aus Calais zu einem Treffen rief, bei dem Charles nicht zugegen ist, macht Henry quasi wieder den ersten Schritt auf eine aktive Annäherung zu. Und das setzt Hermione und Charles und ihre Pläne natürlich unter Druck, denn es bedeutet, dass seine Geduld mit Hermiones Zurückhaltung sich "ausdünnt" und eine baldige Wende von Nöten ist.
Bei dem Training ist also an sich nichts Verwerfliches geschehen (denn sonst hätte ich euch auch sicher darüber in Kenntnis gesetzt), aber es war ganz klar das Ende des "Stillhaltens" von Seiten des Königs, das ja ohnehin mit seinen emotionalen mehrdeutigen Ausbrüchen nur mäßig erfolgreich geblieben ist.

Wenn du auf ein Gespräch zwischen Henry und Hermione gehofft hast, bei dem Charles nicht zugegen ist - das wird dir heute, denke ich, erfüllt ...

Liebe Grüße,
Keiraleth
31.03.2020 | 14:15 Uhr
zu Kapitel 72
Hallo Keiraleth,

zunächst einmal muss ich dir ein ganz großes Lob aussprechen: Die Timeturner-Saga ist wirklich großartig! Ich habe den Tipp zu deinen Crossover Geschichten von einer Freundin bekommen und mich dann schnell an das Lesen von Arresto Momentum, Lumos Solem, Protego, Incedio und den bisherigen Kapiteln von Incarcerus gemacht und bin von allen Teilen absolut angetan! Die HdR Trilogie, die Fluch der Karibik Filme und die X-Men Filme habe ich gesehen und fand es spannend und interessant, wie du "unsere drei Helden" mit eingearbeitet hast. Troja und Die Tudors habe ich zugegebener Weise nicht gesehen, daher war bzw. ist die Entwicklung der Geschichten neu für mich und vielleicht auch deswegen noch aufregender.
Ich bin mega gespannt, wie es mit Harry & Mary, Ron, Hermine & Charles, etc. weitergeht. Aktuell bin ich ehrlich gesagt erleichtert, dass ein Weg gefunden wurde, Hermine aus den Fängen von Henry zu befreien… Da die Weltgeschichte besagt, dass Catherine Howard die fünfte Ehefrau von Henry Tudor gewesen ist, muss der Plan ja Gott sei Dank aufgegangen sein. Ich hoffe, dass das ohne allzu große Fallstricke für Charles und unser Trio geglückt ist.
Und noch ein Kompliment muss ich dir machen: Es ist fantastisch, dass du deine Kapitel so regelmäßig hochlädst, vielen lieben Dank dafür!

Mach weiter so

Beste Grüße
Lily

Antwort von Keiraleth am 01.04.2020 | 17:12:02 Uhr
Hallo Lily und willkommen bei meiner Saga!

Es freut mich ungemein, dass dir die Geschichten bis hierhin so gut gefallen haben, und fast genauso sehr freut es mich, dass du diese Saga empfohlen bekommen hast!

Besonders gern höre ich dabei auch, dass du sowohl mit den Teilen, bei denen du das grundlegende Franchise schon kanntest, etwas anfangen konntest, als auch mit denen, die "neu" für dich waren. Ich bin mir sicher, dass das zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen sind, da - wie du schon sagtest - bei "gesehenen" Filmen, der Fokus natürlich auf den "Änderungen" in den Gegebenheiten und der Verflechtung unserer Trios in die bekannte Handlung liegt, während "nicht gesehene" Filme einen die Reise unseres Trios vermutlich sehr viel mehr aus ihrer Perspektive erleben lassen, da auch unsere drei Freunde in der Regel nicht wissen, was auf sie zukommt.

Zitat: "Ich bin mega gespannt, wie es mit Harry & Mary, Ron, Hermine & Charles, etc. weitergeht. "
Ja, da kommen noch so einige Wendungen auf uns zu. Ich hoffe, ich kann diese Spannung aufrecht erhalten (und vielleicht sogar noch toppen)! :D

Inwieweit der Plan um Catherine Howard fruchtet, werden wir im heutigen Kapitel sehen. Generell dürfen wir eben nie vergessen, dass das Trio inzwischen zu einem ganz eigenen Faktor herangewachsen ist und ebenso sehr im Sinne des Zeitumkehrers agiert, wie sie auch gelegentlich "Fehleinflüsse" bilden können, wenn sie sich denn mal in ihren Annahmen oder Absichten verirren. Was von beidem bei der Affäre des Königs mit Hermione der Fall war, wird sich wohl spätestens heute herauskristallisieren. Insbesondere natürlich für diejenigen, die die Serie kennen, aber auch für jemanden, der sie bislang nicht gesehen hat, sollte sich diese Frage recht klar hiernach beantworten lassen.

Zitat: "Und noch ein Kompliment muss ich dir machen: Es ist fantastisch, dass du deine Kapitel so regelmäßig hochlädst, vielen lieben Dank dafür! "
Ah, nichts zu danken. Um ehrlich zu sein, ist das auch nur möglich, weil ich meine Geschichten zuerst fertigstelle, bevor ich sie veröffentliche. Deswegen verschiebt sich die "Wartezeit" eigentlich immer gesammelt auf zwischen den Teilen, statt zwischen den Kapiteln. Aber so ist es defintiv einfacher eine vernünftige Qualitäts- und Logikkontrolle beizubehalten und macht auch den Schreibprozess wesentlich flexibler und damit auch sehr viel effektiver.

So, ich danke dir herzlich für deine liebe Rückmeldung und hoffe, es gefällt dir auch weiterhin, wie im Guten so im Bösen, und wünsche dir weiterhin beste Spannung, Nervenkitzel, Freude und Unterhaltung!

Es wird noch eine ordentliche Achterbahnfahrt,
deine Keiraleth
29.03.2020 | 10:30 Uhr
zu Kapitel 72
Guten Morgen an diesem nicht so sonnigen Sonntag, liebe Keiraleth!

Wie immer hättest du den Titel nicht besser wählen können, um Catherine Howard einzuführen. Fantastisch. Ich hätte eigentlich seit dem Auftauchen von Culpepper damit rechnen müssen, dass sie auch noch ein Teil der Handlung sein würde. Zwischendrin, besonders seit der Sache mit Jane, hatte ich die Befürchtung, dass der Zeitumkehrer früher wieder zuschlagen würde. Was bin ich froh, dass er das nicht hat!

Ein Lob an die "knusprig frische Luft", klingt gut und weckt gleich Erinnerungen an einen Morgen, der den Winter noch nicht abstreifen konnte. Das ist gut gelungen.
Vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, die Charles und Hermione tatsächlich bleibt. Wenn er so agiert, als wisse er nicht, dass sie eine Hexe ist, dann kann ihm später niemand vorwerfen, er hätte es gewusst und zusätzlich verrät er sich nicht durch eventuelle Andeutungen gegenüber ihr oder anderen in ihrem Beisein oder ihrer Abwesenheit. Eigentlich macht Charles das ganz gut. Wenn auch bestimmt nicht aus solch rationaler Motivation heraus, wie ich schätzen möchte.

Ach ja, Harry war lange überfällig, mal wieder ein Gespräch in diese Richtung zu führen. (Dieser Satz ist ein grammatikalisches Desaster, ich bitte, dies zu entschuldigen.)
Nicht nur, dass Charles wieder über Scherze lachen kann, ich hatte zeitweise meine Zweifel, auch die langsam aufwallende Gefahr, die von Cromwell ausgeht, hat er gut gesehen und ist praktisch immer noch dabei. Ich weiß nicht, ob du darauf hinarbeitest, dass er seinen Posten übernimmt oder ob Harry dann freiwillig verzichten muss, um der Geschichte ihren geregelten Lauf lassen zu können. Wir werden sehen.
Die Sache mit den Heilern gefällt mir nicht und ich hoffe inständig, dass entweder Henry oder letztlich Cromwell selbst durch seine Entmachtung diese im Sande verlaufen lassen wird.

Ursula ist die richtige Person dafür. Kudos an Hermione und ihren wachen Geist.

Immerhin ist Charles nicht auf den Kopf gefallen. Wobei ich schon gerne, ganz im Sinne von Hermione, wissen wollen würde, was er denn noch geplant hat.
Es war eine gute Sache, dass er sie zumindest in den Teil, der sie selbst betrifft, eingeweiht hat. Ich bin allerdings nicht davon überzeugt, dass Henry Hermione danach einfach so fallen lassen wird. Er hat sie nie besessen. Er hatte sie, ohne Zweifel, aber nicht auf die Art und Weise, wie er sie hätte haben wollen.
Übrigens möchte ich dazu noch kurz anmerken, dass die Hermione vom Beginn dieser Geschichte, also ganz vom Beginn, damals, in Mittelerde, das nicht über sich gebracht hätte und ich einmal mehr von deiner wunderbaren Charakterentwicklung angetan bin. Sehr gut gelungen.

Es wirft Glitzerstaub,
Avarantis

Antwort von Keiraleth am 29.03.2020 | 19:43:44 Uhr
Es ist in der Tat nicht allzu sonnig ... Aber auch dir wünsche ich trotz allem einen gutgelaunten Sonntag!

Oh nein, wir machen uns hier noch nicht vom (englischen) Acker, so viel ist sicher. :)

Culpepper habe ich irgendwann ganz beiläufig etabliert, da er nicht einfach aus dem Himmel gefallen erscheinen sollte, Catherine hingegen wird "aktiv" von Francis Bryan an den Hof geholt und hat somit natürlich erst hier ihren ersten Auftritt. Und du siehst, Hermione ist nicht ganz unverantwortlich für ihr Erscheinen bei Hofe. Deshalb ja, hier ist mit noch tiefergehenden Verflechtungen zu rechnen.

Aber der Reihe nach.

Zitat: "Eigentlich macht Charles das ganz gut. Wenn auch bestimmt nicht aus solch rationaler Motivation heraus, wie ich schätzen möchte."
Hm, hier muss ich ganz klar zustimmen. Dass Charles ihre Hexennatur "totschweigt" hat sehr viel weniger mit rationalen Überlegungen zu tun und sehr viel mehr mit der Tatsache, dass er nach der ganzen Aktion um Henrys Erkrankung eigentlich nicht mehr recht weiß, wie er mit dieser Wahrheit umzugehen hat. Er kann sein Verbot nicht zurücknehmen - und hat es auch nicht - da Hexerei ja nach wie vor eine schreckliche Gefahr und Verbrechen darstellt und ihn damit natürlich auch seelisch rege belastet (da das Gesetz und die Religion es verteufeln). Gleichzeitig wurde er aber auch Zeuge von der "wahren" Natur ihrer Magie (sprich das, was er vielleicht "weiße Magie" nennen würde), ist sich bewusst, dass Henry nur dank ihr noch lebt, und hat zudem natürlich nun genug Zeit gehabt, ihre "Erklärungen" zumindest zu überdenken (denn er lebt nun schon anderthalb Jahre mit dem Wissen um ihre magische Natur). Er hat begriffen, dass sie mitnichten die einzige Hexe am Hof ist und dass die Hexerei sehr viel größere Ausmaße annimmt, als irgendwer vermutet. Das könnte extrem beängstigend sein und seine Abneigung nur noch mehr unterstreichen, wenn er nicht, wie schon gesagt, bislang eher die Vorteile der Magie gesehen hätte und eigentlich bislang kein Indiz auf die "Boshaftigkeit" von Magie entdecken konnte.
Sein Glaube/seine alte Überzeugung ist somit grundlegend in Frage gestellt, aber hat bislang noch zu keiner akzeptablen Antwort gefunden, und solange er somit nicht die Hexerei adressiert, ist er auch nicht gezwungen das Verbot durchzusetzen oder sich zu einer Entscheidung zu zwingen, von der er nicht länger sicher ist, ob sie überhaupt die Richtige, geschweige denn gerecht wäre.

Zwischen Cromwell und Harry hat sich indes nun endgültig ein Bruch vollzogen. Dass Cromwell sich bewusst wurde, dass Harry stets "in Hermiones Interessen" agierte, liegt nun schon ein Weilchen zurück, doch bislang meisterten sie trotz beidseitigem Wissen eine gewisse Koexistenz, in der der eine dem anderen vorgaukelte, es nicht zu wissen, nur um zumindest etwas Einblick in des anderen Vorgänge zu behalten. So hielten sie sich gewissermaßen beide mehr oder minder im Schach und verhinderten, dass die Situation mit offener Konkurrenz empfindlich Fahrt aufnahm. Nun, nach Hermiones Weihnachtsaffäre mit dem König, ist diese Bemühung jedoch hinfällig. Für Cromwell haben die Suffolks endgültig Öl ins Feuer gegossen und somit ist er zu handeln gezwungen, nimmt Harry sozusagen als "regulierende Bremse" aus dem Geschehen, indem er ihn nun aktiv aus den Amtszimmer der Krone auszuschließen versucht, und besiegelt damit auch endgültig seinen Bruch zu Harry.
Seines Posten kann er Harry hier natürlich lange nicht mehr entheben. Auch wenn Harry als sein Günstling und Gehilfe angefangen haben mag, ist er über die Jahre beträchtlich bei Hof aufgestiegen, hat sich sogar einen Platz im Kronrat erarbeitet und ist längst zu einem eigenen Faktor herangewachsen, der die Gunst des Königs besitzt (und der ihn zudem schon seit geraumer Zeit als fähig erachtet, die Geschäfte in den Amtszimmern erfolgreich zu handhaben). Somit muss Cromwell Harry in der Tat nicht nur als politischen Gegner, sondern sogar als möglichen Nachfolger seines eigenen Amtes betrachten, der dem König sozusagen eine Option offen lässt, in der er auch Cromwell verzichten kann.

Zitat: "Immerhin ist Charles nicht auf den Kopf gefallen."
Nein, das ist er nicht, auch wenn ihm ja immer mal wieder vorgeworfen wird, mit einer gewissen Naivität am Hof zu flanieren und sich eigentlich mehr in Henrys Gunst zu sonnen, als es eigenen Fähigkeiten zu verdanken, so weit gekommen zu sein. Fakt ist, sein großer Einfluss in gleich mehreren Umbrüchen bei Hofe sprechen für das Gegenteil und zeigen eigentlich, dass ihn der Hof im Allgemeinen trotz aller Beweise immer ein Stück weit "unterschätzt" (sowohl taktisch, als auch in Bezug auf Ambitionen) und das ist ganz klar seinem Naturell und seinen Jugendsünden verschuldet. Aber man muss hier auch ganz klar unterstreichen, dass spätestens nach der Rebellion im Norden und seiner "Beförderung" zum Ersten Minister Charles auch endgültig seine Rolle als politischer Einflussnehmer annimmt und sich von seiner "weitestgehend sorgenfreien" Natur verabschiedet.

Inwieweit du mit deinen Vermutungen bezüglich Henry und seinen Empfindungen/Zielen für Hermione recht hast, verrate ich nicht, denn das wirst du ja ohnehin mit den kommenden Kapiteln herausfinden. :)

Und ja, was Hermiones Entwicklung betrifft, ist sie als Figur natürlich keineswegs unberührt von ihrer Mission und den Erlebnissen geblieben. Wie du schon richtig sagtest, sind viele der Wagnisse, die sie eingeht, und Entscheidungen, die sie trifft, dermaßen folgenreich und teils auch gefährlich und moralisch polarisierend, dass ihre jüngere Version damit nie und nimmer klar gekommen wäre bzw. andere Wege gewählt hätte. Doch unsere heutige Hermione ist älter, hat nun mehr als Jahrzehnt mit Zeitreisen und Mission verbracht, hat eine handvoll Kriege durchstanden, seelische und emotionale Opfer gebracht und wurde durch all dies empfindlich gestählt und geschliffen. "Incendio" war dabei die Schwelle hin zu der stillen "Agentin" oder "Soldatin", die sie heute ja im Grunde geworden ist. Sie agiert intensiv im Sinne der Geschichte und des Zeitumkehrers, ist natürlich nach wie vor emotional involviert, bewertet aber vierlei Dinge mit sehr viel harscheren Kriterien, die ihre eigenen Werte minimalisieren und die der Mission priorisieren. Zudem hat sie natürlich über die Zeit einen geistigen Panzer entwickelt und begonnen die Vergangenheit "wegzuschließen", um aktionsfähig zu bleiben. Nicht umsonst lernen sie mit "Incendio" auch Okklumentik, was im Grunde ja das Kontrollieren des eigenen Geistes involviert. Hermione hat eine Fähigkeit entwickelt, sich bisweilen bösen und belastenden Situationen auszusetzen, ohne dabei empfindlich zusammenzubrechen, denn das ist es letztlich, was diese Mission erfordert: Sie muss in jeder gegebenen Situation handlungsfähig bleiben, um das Ziel der Geschichte weiter zu verfolgen. Natürlich gelingt ihr das noch lange nicht immer (bestes Beispiel ihr Ritt in den Norden). Aber insgesamt ist sie definitiv widerstandsfähiger und auch auf gewisse Art "skrupelloser" geworden. Und nicht nur sie, auch Harry und Ron, die durch dieselbe "Schmiede" gingen.
Ich bin sehr froh, wenn diese charakterliche Reise fließend von statten ging und mehr rückblickend aufgeht, statt dass es sich wie eine "schlagartige" Entwicklung anfühlt. Ich gebe mir ja auch die beste Mühe, Hermione mit dieser Saga "wachsen" zu lassen. Deshalb ein ganz großes Danke!

Und damit entlasse ich dich in einen hoffentlich entspannten Sonntagabend,
deine Keiraleth
28.03.2020 | 18:39 Uhr
zu Kapitel 72
Ach nein, dass Cathrine so ins Spiel gebracht wird, hätte ich jetzt nicht gedacht :D Aber das ist ja immerhin endlich eine Lösung für das Henry-Debakel. Also wird Hermione dann erstmal zwangsweise weggeschickt/gerettet und Cathrine nimmt ihren Weg auf, um die nächste Königin zu werden. Bin mal gespannt, wann Hermione dieser Name in den Ohren klingt. Ansonsten dürfte das eine sehr überraschende Entscheidung werden.
Und jetzt macht Charles nicht nur mit Seymour gemeinsame Sache sondern auch mit Bryan. Überraschend ist das jetzt aber auch nicht mehr, dass er sich nun definitiv gegen den König stellt.
Und mich würde dann noch interessieren, was Bryan vielleicht noch mit "besonderer Natur" meinte. Dass du "Zauberer" dazwischen gesetzt hast, deutet für mich zusammen mit dem Wissen über die Verwandschaft mit den Bolyens auf eine weitere Hexe hin. :D
LG Nemesis

Antwort von Keiraleth am 29.03.2020 | 18:14:51 Uhr
Hallo meine liebe Nemesis,

ah, ich bin mir bei dir nie ganz sicher, ob du die Serie gesehen hast oder nicht. Habe ich dich das überhaupt schon mal gefragt? (Es ist nämlich immer interessant zu sehen, aus welchem Blickwinkel das hier gelesen wird ;))

Ich hatte ja versprochen, dass Catherines erster Auftritt in nicht allzu weiter Ferne liegt und da ist sie auch schon. In der Tat handelt es sich bei ihr um eine Verwandte von Anne Boleyn/Mary Boleyn als auch von Francis Bryan (der sie schließlich auch erst ausfindig macht). Im Moment hat sicherlich niemand die Absicht aus dem Mädchen eine Königin zu machen, denn immerhin ist sie von den drei Männern tatsächlich mehr als "sexuelle Ablenkung" gedacht, was für Catherine an sich natürlich trotz allem einen gewissen Aufstieg darstellt, da sie ansonsten wohl nie auch nur einen Fuß an den Hof gesetzt hätte und zudem auch (sofern der König auf sie aufmerksam werden sollte) mit gewissen Aufmerksamkeiten rechnen dürfte, die sie auch finanziell besser stellen sollten, als sie es derzeit ist.
Dass sie (auch im Hinblick auf ihre Erziehung und Herkunft) Königin werden könnte, ist ein so abstruses Konstrukt, dass es derzeit ganz sicher niemanden auch nur ansatzweise in den Sinn kommt. Es ist ja noch nicht einmal sicher, ob dieser Plan überhaupt Früchte tragen wird ...

Allgemein betrachtet sieht es ja ohnehin so aus, dass allen drei Männern, Seymour, Bryan und Charles, bewusst ist, dass sie es bei Henry mit keiner "gewöhnlichen" romantischen Verirrung um Hermione zu tun haben, sondern mit einer sorgfältig gehegten Vernarrtheit, die nun in Besessenheit umgeschlagen ist. Eine ähnliche Besessenheit entwickelte Henry schon dereinst für Anne, nur war diese mehr auf echten Gefühlen gegründet und zu einem Zeitpunkt sehr viel größerer geistiger Gesundheit existent. Umso erschreckender ist es natürlich, sich darüber Gedanken zu machen, welche fundamentalen Umbrüche er schon für Anne in Kauf nahm. Und zu wissen, dass er heute geistig keineswegs so gesund ist, wie er es damals noch war, zwingt den Kronrat im Grunde zur Handlung, denn auch wenn es niemand Henry gegenüber aussprechen würde, wissen sie doch alle, dass diese neue Besessenheit den ganzen Hof und damit gewiss auch ganz England ins Chaos stürzen könnte, sollte Henry sich entscheiden, diesen Weg einzuschlagen, den schon Cromwell andeutete.
Seymour, Bryan und Charles versuchen hier also gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen: Den Hof und England vor einem erneuten instabilen Umsturz zu schützen UND Cromwell durch eine Lösung von Kleve zu entmachten. Und genau darin birgt sich auch ihrer aller Motivation: Ihrer Abneigung zu Cromwell, die sie alle drei teilen, und ihre Bemühungen in einem stabilen England wichtige Machtpositionen auszufüllen. Gerade für letzteres fühlt sich ja auch ganz besonders Bryan verantwortlich.
Für Charles kommt dann natürlich noch ganz entscheidend seine persönliche, emotionale Absicht hinzu, Hermione zu schirmen und diese Affäre auszumerzen.

Zitat: "Aber das ist ja immerhin endlich eine Lösung für das Henry-Debakel."
Das hängt ganz von dem Erfolg ihres Plans ab. Und von Cromwells Aufmerksamkeit.

Zitat: "Und mich würde dann noch interessieren, was Bryan vielleicht noch mit "besonderer Natur" meinte."
In diesem Fall meint er tatsächlich nur ihre "unrühmliche" Herkunft, über die sie ja auch sprechen. Ein Mädchen wie Catherine besaß damals nicht allzu große Chancen eine gute Partie bei ihrer Ehe zu finden, gleichzeitig blieb sie aber ein Nachkomme einer großen und einflussreichen Familie. Das machte sie quasi prädestiniert für eine solche marionettenhaften Rolle, wie sie die drei Männer hier anstreben. Ihre "Entehrung" durch eine nichteheliche Liebschaft war in dem Sinne mit keiner finanziellen Einbuße verbunden (da man mit ihr nicht politisch relevante Ehen anstrebte) und durch eine Liebschaft mit dem König besaß sie sogar Chancen ein wenig Gunst zu erringen, die sie in Zukunft finanziell absichern mochte. Als eines von vielen Mündel der Norfolks besaß sie zudem ohnehin kaum Mitspracherecht, da man ja eigentlich "froh" war, wenn gewisse hochstehende Höflinge sich ihrer annahmen.

Moralisch natürlich alles sehr fragwürdig, da auch hier erneut deutlich wird, dass Frauen oft mehr als Wertgegenstand gehandelt wurden und - wie in diesem Fall - höheren Absichten unterlegen waren. Wie Hermione schon anmerkt, besitzt auch Catherine hierbei keine große Wahl und findet sich eigentlich in derselben Situation wieder, wie Hermione selbst als Henry entschied, eine Affäre mit ihr zu beginnen, nur dass für sie diese höheren Mächte Charles Brandon, Francis Bryan und Edward Seymour darstellen, weshalb bei Hermione auch so empfindliches Unbehagen aufkommt, denn einerseits sehnt Hermione ja inständig eine Lösung herbei, um einer Fortführung dieser ungewollten Affäre zu entgehen, zwingt damit aber mehr oder minder eine (aus unserer Sicht) Minderjährige in dieselbe fernbestimmte Situation, der sie ja unbedingt zu entgehen versucht.

Na dann, genug für heute zu all den Ränkespielen. ;)

Liebe Grüße und einen wunderbaren restlichen Sonntag,
deine Keiraleth
28.03.2020 | 13:31 Uhr
zu Kapitel 71
Hallo meine Liebe

Ein weiteres mal ein herzliches Dankeschön, für deine ausführliche Antwort zu meiner Frage. Damit kann ich was anfangen. Ich wünschte ich könnte einige Autoren, von meinen Lieblingsbüchern auch fragen warum sie manche Sachen so geschrieben haben,wie sie sie geschrieben haben.
Naja, man kann nicht alles haben. ;)

Ich kann sehr gut verstehen, daß Hermione die Abwesenheit von Charles, des Nächtens, aufgefallen ist/ aufgeweckt hat. Nach allem was vorgefallen ist, hätte es mich gewundert wenn ihr Unterbewusstsein nicht darauf reagieren würde.
Und dann schmiedet er auch noch gemeinsame Pläne mit Seymour, und das Charles da vielleicht auch noch, in eigener Sache wegen Henry, was vorhat kann ich mir gut vorstellen. Hoffentlich macht er aber diesbezüglich keine Dummheiten.
Aber ich muss ihm, wenigstens ein klitzekleines bisschen, recht geben das manches mit Hermiones Aktionen und Entscheidungen zu tun hat, auch wenn es natürlich unfair ist, ihr direkt die Schuld dafür zu geben.

Ich glaube Henry ist es nicht einfach nur "ernst" mit Hermione, nein, ich denke das grenzt schon an Besessenheit, vielleicht geschuldet durch die Jahre, in denen er noch Skrupel hatte, die Frau seines besten Freundes ins Bett zu zehren.

Ich bin auch sehr neugierig, ob uns Lady Bryan, hexentechnisch, auch was zu sagen hat. Eine Hexe ist sie ganz sicher, Sir Francis ist Slytherin gewesen, die waren bis auf wenige Ausnahmen immer Reinblütig.

Die Erinnerung an Legolas war wieder äußerst bittersüss, ich wünschte, auch wenn es irrational ist, wir könnten ihn wiedersehen, und nicht nur aus der Ferne.

Ich finde es super das Hermione sich so um Anna kümmert, und wenn man bedenkt das Hermione, zu dem Zeitpunkt die Dreißig schon überschritten und einges an Lebenserfahrung, zusammen gesammelt hat, macht das ganze den Eindruck als würde sie mit einem Teenager das Gespräch führen. Was wahrscheinlich sogar stimmt, ich kann mich grad nicht erinnern wie alt Anna hier sein sollte.

Ich mag übrigens gar nicht was Cromwell hier andeutet, hoffentlich kommt er zu keinen Aktionen mehr bevor sein Kopf rollt, soviel Glück werden unsere Helden aber nicht haben fürchte ich.


Liebe Grüße
Tanja

Antwort von Keiraleth am 28.03.2020 | 17:46:55 Uhr
Hi Tanja,

ich tausche mich so schrecklich gerne mit euch aus, dass ich gar nicht weiß, was ich tun werde, wenn ich mal - sollte es wirklich klappen - meine eigenen Bücher herausbringe und dabei nicht eine solche Plattform nutzen kann (bzw. wenn es der Zeitrahmen mal nicht mehr gestatten sollte). Nun gut, aber ich bin ohnehin sehr diskussionsfreudig, das wissen meine Liebsten am allerbesten. Mich davon abzuhalten, wird schwierig. :)

Es ist ein wenig als würde man Behind-the-Scenes Material teilen, so direkt aus dem Schreibprozess und der "Produktion", und da man sich so viele Stunden damit beschäftigt hat, schwellt da natürlich eine Menge an Hintergedanken zu all den Abschnitten mit und natürlich auch zu den Entscheidungen, die man traf. Es macht Freude sich darüber auszutauschen, da Schreiben ja - in seinem Kern - ansonsten recht einsam vonstatten geht. Abgesehen von meinen fleißigen Recherchehelfern, natürlich. :D

So, dann mal ran an den Speck.

Es ist eine recht interessante Situation, in der Charles und Hermione sich derzeit beziehungstechnisch befinden. Ihre Beziehung zu einander entwickelt sich ja ohnehin seit Beginn an stetig und kommt eigentlich seitdem nicht recht zum ruhen. Hier summieren sich natürlich eine Menge Vorerlebnisse, addieren sich auf und führen damit zu den Entscheidungen und dem Verhalten, die sie nun zeigen. Und für Charles ist an diesem Punkt klar, dass Hermione diese Affäre nicht beabsichtigt hat, aber auch nie eine kleine Rolle am Hof gespielt hat (abgesehen von den vielleicht ersten Monaten nach ihrem Erscheinen). Er kennt zudem ihre Eigenarten (lange auch schon ihre problematischen) und all dies führt ihn zu der Überzeugung, dass sie an diesem Punkt einzuweihen bedeuten könnte, weiteren Problemen Tür und Tor zu öffnen. Er wirft ihr in dem Sinne nicht vor, die Affäre durch ihr Verhalten verschuldet zu haben, aber er weiß auch, dass Hermione - wenn sie denn eine sehr viel weniger auffallende Rolle all die Zeit gespielt hätte - dem König vermutlich gar nicht derart ins Auge gefallen wäre - und auch nicht Cromwell. Es ist ein Resultat dessen, was er ihr all die Zeit ans Herz legte und schließlich sogar zum Gebot machte: sich partout aus der Hofpolitik herauszulassen. Nun gut, wir wissen und er weiß auch, dass dieses Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Und auch wenn Hermione sich zuletzt klar zurückgenommen hat, ist sein Stillschweigen nur ein weiterer Versuch, sie möglichst in den "Hintergrund" der allgemeinen Aufmerksamkeit sinken zu lassen, denn nur wenn Hermione nicht weiß, was vor sich geht, kann sie sich auch nicht unverhofft einmischen.
Ob er hierbei all die richtigen Entscheidungen trifft, sei mal dahingestellt (und wird sich ja auch noch herausstellen), aber wichtig ist hierbei zu wissen, dass er Hermione nicht außen vor lässt, weil er ihr grollt oder sie in irgendeiner Form zu strafen versucht, noch weil er ihr wirklich vorwirft diese ganze Situation erst begünstigt zu haben (das hat sie zwar durchaus in gewisser Art und dessen sind sie sich eigentlich auch beide bewusst, aber das spielt für ihn nun keine Rolle, da er sich gewiss auch eine Portion Mitschuld an allem gibt). Nein, Charles hält sie außen vor, weil er sie nach den ganzen unliebsamen Entwicklungen nicht noch mehr zur Zielscheibe des Hofes machen möchte. Er versucht die Situation für sie beide zu lösen und sie dabei möglichst nicht noch tiefer in das Drama zu verstricken.
Dass das jedoch auf Dauer nicht funktionieren wird, weiß jeder, der Hermione kennt. Denn genau seine strikte Heimlichtuerei sorgt für sie an dieser Stelle für noch größere Sorgen. Und darin steckt der ganze aktuelle Konflikt vergraben, der sich zwischen ihnen hält und für Hermione ein Gefühl des "Im Stich gelassen werdens" und "ausgespielt werdens" auslöst, wo er sie doch eigentlich "abzuschirmen" gedenkt.

Zitat: "Aber ich muss ihm, wenigstens ein klitzekleines bisschen, recht geben das manches mit Hermiones Aktionen und Entscheidungen zu tun hat, auch wenn es natürlich unfair ist, ihr direkt die Schuld dafür zu geben."
Wie oben gesagt, stimme ich dir da völlig zu. Das schöne an beiden ist ja, dass niemand von ihnen "unproblematisch" ist und hier immer viele Faktoren zu den einzelnen Geschehnissen führen, sodass am Ende gar nicht mehr klar bestimmt werden kann, wer nun die eigentliche Schuld trägt und DAS eigentlich auch gar nicht die Frage ist. Es sind viele gesammelten Auslöser, die hier oftmals zu einem Resultat führen. So auch im Fall von Henrys Besessenheit mit Hermione.

Denn ja, auch hier gebe ich dir voll und ganz recht. Was Henry Tudor seit der "Weihnachtsaffäre" entwickelt hat, ist in der Tat eine Form von Besessenheit, die von der jahrelangen "Zurücknahme" seines Interesses resultiert und natürlich gerade jetzt extremst aufblüht, da er sich psychisch ohnehin mehr und mehr im freien Fall befindet, Hemmungen quasi sämtlichst abstreift und mit einer Ehe konfrontiert ist, die er "verabscheut". So wie er seine Gefühle gegenüber Anna ins unausgeglichene negative Extrem schnellen lässt (ebenfalls absolut überzogen), tut er dasselbe mit Hermione auf der Gegenseite. Annas Präsenz ist somit nur ein Katalysator für seine zunehmende Versessenheit auf Hermione.

Lady Bryan wird keine allzu große Rolle in "Incarcerus" spielen, aber schon die Tatsache, dass sie Francis Bryans Mutter ist, macht sie ganz gewiss zu einem besonderen Element. Ja, sie ist eine Hexe, das hast du richtig schlußfolgert, und damit eine Hexe, die schon SEHR lange bei Hof ihr Dasein und ihre Gunst fristet, schließlich ist sie sogar die Gouvernante des Thronfolgers.

Zitat: "Die Erinnerung an Legolas war wieder äußerst bittersüss, ich wünschte, auch wenn es irrational ist, wir könnten ihn wiedersehen, und nicht nur aus der Ferne."
Genauso wenig wie Hermione Legolas vergessen hat, habe natürlich auch ich ihn nicht vergessen. Es ist sehr viel Zeit vergangen, aber ihre Beziehung war derart intensiv und "echt", dass es sie natürlich nie losgelassen hat, selbst nachdem sie sich entschieden hat, ihn loszulassen und sein Leben über ihr Glück zu stellen. So oder so bleibt er eine allmächtige Konstante in ihrem Leben. Und ihre Geschichte wird nicht vorbei sein, nicht solange Hermione atmet - das wusste schon Logan. Fang damit an, was du willst. :)

Da Anna sich gegenwärtig in einer Art geistigem Reifestadium befindet, wie es Hermione etwa in Arresto Momentum besaß (wenn auch wesentlich aufgeklärter), war das natürlich der absolute Triggerpunkt für ihre eigenen sorgfältig weggepferchten Erinnerungen an Mittelerde und den Erlebnissen dort. Anna ist hier zwar in etwa Mitte zwanzig, aber ihre arg "zurückgezogene" Lebensweise in Kleve hat nicht zwingend für ihre eigene Reife gesorgt. Sie ist in dem Sinne erfahrungstechnisch tatsächlich noch mehr eine Teenagerin (und das nicht nur was die Sexualität betrifft, sondern im Grunde alle Bereiche des Lebens). Sie hat nie eigenständige Entscheidungen getroffen, wurde quasi wie eine möglichst regungslose Pflanze hochgezogen mit der Bestimmung früher oder später einem Handel zum Opfer zu fallen und auf einem anderen Fenstersims zu landen. Eigentlich war sogar Hermione schon vor ihrem Aufbruch in diese Zeitreise autarker und erfahrener denn sie (schon allein Voldemorts Krieg verschuldet). Und somit ist es natürlich eine große Kluft der Erfahrungswerte, die hier zwischen den zwei Frauen vorliegt, die aus ihnen im Grunde auf einen Schlag "Mentorin" und "Schützling" machen, da Anna im Grunde einem noch unbeholfenen Welpen gleicht, der in ein Rudel Wölfe geworfen wurde.

Dass nun natürlich Cromwell auch noch in Annas Rücken steht und ihre Ehe mit dem König vehement festzuschmieden versucht, ehe der Pakt mit Kleve doch noch brechen und damit seinen eigenen Sturz besiegeln könnte, macht ihre Situation nicht gerade "sicherer". Der Druck, der von seiner Seite als vermeintliche "Unterstützung" erscheint, aber eigentlich ebenfalls ganz und gar eigennützigen Zielen dient, macht Anna nur noch gefährdeter.

Nun, und Cromwell und Hermione - diese Lawine ist längst im Rollen begriffen.

Bleib gesund und munter,
deine Keiraleth
26.03.2020 | 07:27 Uhr
zu Kapitel 71
Guten Morgen liebe Keiraleth!

Ich mochte deinen Einleiter für dieses Kapitel. "Wo rauch ist, da ist Feuer." Das lässt mich doch gleich bittersüße Qualen erdenken, die im Folgenden auf uns zukommen müssen. Da bin ich ganz kribbelig.

Mir fällt jetzt, durch Charles Abwesenheit, auf, dass du in fast der ganzen Geschichte zuvor immer beschrieben hast, wie nah er Hermione ist, beziehungsweise, dass er schlicht und ergreifend da ist. Selbst durch die Probleme, die die beiden unweigerlich zu haben hatte, war er zumindest morgens neben ihr im Bett. Daher trifft diese Einleitung noch umso mehr. (Nicht einmal während der Rebellion hast du seine Abwesenheit mit dieser Präsenz beschrieben. Hello, das Stilmittel winkt!)

Es ist einfach zu lange her, dass ich die Serie gesehen habe. Wirklich. Ich kann mich nicht an Seymour erinnern. Also, ein klitzekleines bisschen, dass es ihn gegeben hat, aber dann hört der gute Wille meines Gehirns auch wieder auf. Andererseits ist das ziemlich toll, denn dadurch ist diese Geschichte voller Exklusivität. Und manchmal wundere ich mich über die Zitate, die du einbringst, weil ich mir immer denke "huh, das hätte aber auch so in die Stimmung und die Szene gepasst, kann ja gar nicht sein". Das war ein ungeschicktes Lob, ich hoffe, du konntest das herauslesen.

Ein Gewissenskonflikt, der sich hier einmal mehr anbahnt. Was ist wichtiger, die durch Raum und Zeit geknüpften Freundschaftsbande? Oder der Verlauf der Geschichte? Zu dumm, dass ich mich nicht erinnere, was mit Seymour und Charles passiert.
Sein Einlenken und die Bekundung seiner Liebe für Hermione fand ich eigentlich sehr glaubhaft; er möchte auf keinen Fall streiten und ihr damit versichern, dass er sie mit diesem komplottähnlichen Zustand nicht in Gefahr bringen möchte. Doch es unterstreicht auch, dass er, vielleicht unbewusst, kein hundertprozentiges Vertrauen hat. Oder überinterpretiere ich?
Ah, nein, tue ich nicht, hier ist es geklärt, durch Hermiones flinken Gedankengang. Wunderbar.

Ich mag Ursula immer noch nicht. Habe ich das mal irgendwo erwähnt?
Ich weiß nicht, ob es der Zeitgeist ist, doch ich glaube, ich selbst würde nicht einmal mit Magie etwas gut Gesticktes zusammenbekommen. Nicht einmal, wenn man mich zwingen würde. Daher sende ich natürlich auch Anerkennung an Hermiones Zauberkunst und weiß Marys Kompliment ebenso zu schätzen.
Das mit Bryans Mutter hatte ich auch vergessen. War sie auch diejenige, die abends am Feuer Aufklärungsunterricht für die Königin betrieben hat?
Eigentlich ist die Sache auch wenig mit Humor gespickt, auch, wenn Hermione mir sicher widersprechen würde, wenn ich es in ihrer Gegenwart erwähne. Sie hat nämlich nichts gemacht. Und wie Harry so schön angesprochen hat, weiß Henry das auch. Dass er Hermione eben nicht besitzt und vermutlich nicht besitzen kann. Das stachelt selbstverständlich den Kampfgeist an, gerade bei einem Charakter, wie Henry ihn zur Schau stellt. Mich interessiert jetzt übrigens, wie er mit Charles umgeht, wenn Hermione nicht da ist. Ist er kein bisschen reumütig?

Anna ist erfrischend naiv. Ich bin gespannt, wie lange sie das noch bleiben wird. Oder bleiben möchte. Wer weiß das schon.
Die vage Erinnerung an die vorangegangen Königinnen fand ich gut eingebaut. Ich meine... sie sind nicht mehr relevant, aber ein kleiner Schatten von ihnen bleibt wohl für immer in den Gemäuern und in der Geschichte zurück.
Um Gottes Willen, Cromwell kann doch nicht wirklich glauben, dass Hermione Königin werden will? Obwohl, nach deiner Ausführung zu meinem letzten Review kann er das vermutlich schon. Er kennt die Motive im Hintergrund ja nicht. Es wäre spannend zu erfahren, was Francis Bryan darüber denkt.

Diese Form der Aufklärung fand ich viel besser, als das stockend routinierte aus der Serie. Sehr gut, dass Hermione das übernommen hat.
Und, dass sie sich hier an Legolas erinnert war... richtig. Es war die Wahrheit durch all die Zeit und das erneute aufflammen von echter, aufrichtiger Liebe, die alle Zeiten überdauern kann.
Ich fühle mit Anna. Zum Glück geht ihre Geschichte glimpflich aus.

Es winkt und verbeugt sicht,
Avarantis

Antwort von Keiraleth am 27.03.2020 | 23:10:06 Uhr
Hello Avarantis,

nachdem ich mich hier mit Vertragsgeschichten herumgeschlagen habe, nun endlich zu deinem Review, was sehr viel mehr Freude macht. :)

Das Kapitel heißt tatsächlich nicht ohne Grund "Wo Rauch ist, da ist Feuer". Die bittersüßen Qualen, von denen du schon eine seichte Vorahnung verspürt hast, sind tatsächlich auf dem Vormarsch und wenn man sich dieses Kapitel rückblickend noch einmal ansieht, erkennt man vielleicht sogar an wie vielen Stellen der Rauch aufkam. ;) Und es freut mich natürlich wie bolle, dass der Titel gefiel.

Ich muss schon sagen, du bist defintiv eine von den ganz Aufmerksamen, was Segen und Fluch zugleich ist, denn einerseits freut man sich als Autor extrem, wenn auch die kleinen Bemühungen, Hinweise und Andeutungen aufgeschnappt werden (quasi das feine Beiwerk) und andererseits beweist es nur einmal mehr, wie verteufelt vorsichtig ich sein muss, wenn ich nicht zu viel verraten möchte. Es ist eine verdammte Gratwanderung, haha.

Deswegen ja, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, ich betone hier tatsächlich Charles' Abwesenheit. Sein Komplott mit Seymour führt zu einer gewissen strikten und damit auch ausgrenzenden "Geheimnistuerei" seinerseits. Das ist Punkt 1, der sich eher auf Handlungsebene bewegt. Punkt 2 ist ein wenig dezenter, denn er hat mehr metaphorische Bedeutung: Als Hermione sich mit dem Weihnachtsfest jäh Henrys Annäherung ausgeliefert sah, war er "abwesend". Diese Abwesenheit führte vordringlich zu der Auswegslosigkeit, in der sie sich letztlich wiederfand und "alleine" mit dieser verfahrenen Situation fertig werden musste. Natürlich hat Charles sie nicht absichtlich im Stich gelassen, denn wie wir ja wissen, hatte er nicht den blassesten Schimmer, aber letztlich ist diese Affäre im letzten Zug nur entstanden, weil er zur gefragten Zeit nicht an ihrer Seite stand und sie in London "zurückließ". Es ist also kein Wunder, dass ausgerechnet nun dieses Gefühl fehlender Nähe für Hermione aufkommt und sie gar aus dem Schlaf holt. Gerade jetzt, da sie seine Nähe ganz entschieden bräuchte, um die Erlebnisse für sich zu verarbeiten, entsteht jedoch durch seine geheimen Bemühungen nur ein verschärftes Gefühl außen vor gelassen zu werden und damit weiterhin "allein" dazustehen, mit dem Erlebten und dem was sie nun emotional belastet. Denn, was dieses Gefühl eigentlich symbolisiert, ist das Nachbeben das Ausgeliefertsein, in dem Hermione sich insgeheim immer noch wähnt - denn die Erlebnisse der Weihnacht stecken ihr in den Knochen und mit Charles weiterem Alleingang im Verborgenen empfindet sie sich natürlich nur noch sehr viel stärker als bloßer Spielstein zwischen ihm und dem König (etwas, das sie bis zu diesem Punkt nie tat).
Also, sehr gut aufgepasst.

Dass du dich an Seymour aus der Serie nicht allzu gut erinnerst, kann ich nachvollziehen. Bevor ich "Incarcerus" geschrieben hatte, hatte ich auch einige Figuren der Serie mehr oder minder aus meinem Gedächtnis gebannt und erst als ich mich "aktiv" für das Schreiben wieder mit ihr auseinandergesetzt habe, habe ich teils verblüffend erkannt, wie tief verzweigt manche der Figuren in die Handlung waren und wie entscheidend sie sie mitgestalteten, obwohl ich mich beim besten Willen nur mager an sie erinnern konnte. Und dann haben manche von ihnen auch noch historische akute Relevanz. Nun, ich habe nichts dagegen, wenn du Seymour und Co. mit "Incarcerus" neuentdeckst. Im Gegenteil, ich finde es spitze.

Das Lob habe ich natürlich vergnügt zur Kenntnis genommen! Ich spiele sehr gerne mit den "Originalszenen" herum, sodass ihre ursprüngliche Bedeutung sich zu meiner neuen Ausführung wandelt, ohne dass es die gesprochenen Worte groß beeinflusst. Da merkt man auch oft, wie viel eigentlich die Atmosphäre und die Art, wie etwas gesagt wird, Einfluss auf die wahre Bedeutung von Worten und ihren untergründigen Botschaften hat. Ich sehe es schon fast als Herausforderung solche Szenen einigermaßen erfolgreich "umzudeuten" . :)
Darin sieht man aber eigentlich auch mal wieder, wie schwierig die Filmkunst an sich ist, denn oft hat der Schnitt und die Reihenfolge von Kameraeinstellungen erheblichen Einfluss auf die Atmosphäre der Geschichte. Es kann ganze Botschaften verändern, Szenen anders zu "betonen", sprich den Fokus von Figuren zu verschieben. Und deshalb habe ich auch den größten Respekt vor den fleißigen Menschen, die Filme schneiden und editieren. Das ist eine ganz eigene Kunst.

Zitat: "Was ist wichtiger, die durch Raum und Zeit geknüpften Freundschaftsbande? Oder der Verlauf der Geschichte?"
Eine sehr wichtige Frage. Ich hatte es auch schon in der Reviewantwort vor dieser zum aktuellen Kapitel erwähnt, dass die persönlichen Motive unserer drei Freunde mit jedem Jahr, das sie länger an diesem Ort verbringen, auch mächtiger werden. Es sind persönliche Rückschläge, Erlebnisse und Verflechtungen, die eigene Wünsche und Bedürfnisse mehr und mehr in ihnen nähren. Je länger sie an einem Ort leben, desto schwieriger wird es dem "Zeitumkehrer" zu folgen, da der Lauf der Geschichte oft wenig mit ihrer persönlichen Zerwürfnissen und Empfindungen zu tun hat. Je tief verwurzelter sich ihr Leben an diesem Ort entwickelt, desto mehr rücken ihre persönlichen Bestrebungen in den Vordergrund und desto größer wird der Konflikt Herz und Verstand.

Die Anfangsszene, bei der Hermione Charles und Edward im mitternächtlichen Zwiegespräch aufgreift, findet zum Großteil genauso in der Serie statt (da natürlich mit Catherine). Während Catherine in der Serie sich jedoch seit der Rebellion im Norden von Charles durch seine fragwürdigen Entscheidungen zugunsten des Königs zunehmend entfremdet fühlt (und ihm hier vorwirft, seine "gute" Natur verloren zu haben), wandelt sich die Szene bei mir an eben diesem Punkt, da Hermione dank ihres eigenen Weges seine Entscheidungen bestens nachempfinden kann. Hermione sieht Charles "gute" Seiten als auch die, die der Hof von ihm abverlangt. DAS ist es nicht, was sie ihm ankreidet, und das ist es auch nicht, was zwischen sie tritt. Nein, für Hermione ist an dieser Stelle entscheidend, dass er die "Bereinigung" ihrer Situation in die eigenen Hände nimmt und sie dabei nicht mit einbezieht. Dass er es als nötig erachtet, diesen Komplott aufzunehmen, ohne sich mit ihr darüber auszutauschen - denn wir erinnern uns: Bis an diesen Punkt machte Charles nie große Geheimnisse aus seinen Zielen und seinem Vorgehen vor ihr. Tatsächlich vertraute er sich in der Regel sowohl in guter als auch in schlechter Absicht ihr an. Und das macht nun einen entscheidenden Unterschied. Natürlich ist Hermione ihm bestens vertraut durch ihre eigenen Alleingänge, aber es ist hier das erste Mal, dass er wirklich und konsequent versucht, eine Sache, die sie beide empfindlich betrifft, eigenständig zu lösen, ohne dass er ihr Einblicke hierbei gewährt und sie zum stummen und unwissenden Ausharren zu zwingen versucht. Und genau das macht Hermione ganz besonders Angst, denn dafür gäbe es nur zwei Gründe: Entweder vertraut er ihr nicht länger oder das, was er plant, ist so gefährlich, dass er es aus gutem Grund sogar vor ihr verborgen hält.

Zitat: "Ich mag Ursula immer noch nicht. Habe ich das mal irgendwo erwähnt?"
Na, sie ist ja auch ein sehr grauer Charakter. Ambitioniert, scharfzüngig, bisweilen fast diabolisch und dann aber auch erschreckend effizient, leidenschaftlich, einsatzbereit und charmant, wenn sie es will. Ich persönlich habe es geliebt sie zu schreiben (ähnlich wie Francis Bryan), aber ich kann sehr gut verstehen, dass sie ordentlichen Argwohn am Leben erhält und sich damit nicht nur Sympathien einholt.

Zitat: "Ich weiß nicht, ob es der Zeitgeist ist, doch ich glaube, ich selbst würde nicht einmal mit Magie etwas gut Gesticktes zusammenbekommen. Nicht einmal, wenn man mich zwingen würde. "
Ich habe es schon mal erwähnt, ich kann tatsächlich aus bester Erfahrung sagen, dass ich selbst unter Prüfungszwang und mit monatelangen Versuchen keine auch nur ansatzweise vorzeigbare Stickerei vorweisen kann (noch Häkelei oder Strickerei). Gott, bin ich froh, dass ich im 20. Jahrhundert geboren wurde. XD Ich glaube, was das betrifft, sind wir zwei verwandte Seelen.

Zitat: "Das mit Bryans Mutter hatte ich auch vergessen. War sie auch diejenige, die abends am Feuer Aufklärungsunterricht für die Königin betrieben hat?"
Jep.

Zitat: "Mich interessiert jetzt übrigens, wie er mit Charles umgeht, wenn Hermione nicht da ist. Ist er kein bisschen reumütig?"
Was in Henrys Kopf diesbezüglich vor sich geht, darauf möchte ich jetzt noch nicht so genau eingehen. Wir werden da noch eintauchen und das möchte ich lieber noch unberührt lassen, da es auch (hoffentlich) viel mit den kommenden Szenen macht, sich seine eigenen Überlegungen zu seinen Empfindungen Charles und Hermione gegenüber zu machen, bis wir sie wahrhaftig auf den Tisch bringen. ;) Ich möchte hier nichts verderben.
Allgemein gestaltet sich die Situation gerade so, dass er natürlich nicht weiß, dass Charles eingeweiht ist und sich der gewaltigen Bandbreite seines Betrugs bewusst ist. Was auch immer er ihm gegenüber wegen der Affäre empfindet, es beruhigt ihn derzeit zu wissen, dass Charles "ahnungslos" ist, denn das war es letztlich, wofür er versucht hatte zu sorgen, als er ihn mit allen Ehren zum Empfang von Anna nach Calais schickte.

Zitat: "Anna ist erfrischend naiv."
Ja, erst mit Anna wurde mir beim Schreiben auch wieder bewusst, wie ähnlich sich die ganzen Höflinge in ihrem Kern an Henrys Hof sind bzw. mit der Zeit zwangsläufig werden. Sie alle bewegen sich schon viel zu lange in diesem Mahlwerk, um nicht eine gewisse Überlebenshaltung erlernt zu haben, die sich eigentlich bei allen gleicht. Anna ist da noch ganz unberührt.

Eindeutig ganz tief im Mahlwerk drin sind Cromwell und Hermione. Auf deine Frage: Ja, er kann und er - wagt es zumindest - es zu glauben. Cromwell spricht seine Mutmaßung, dass ihr Ziel zur Krone selbst aufgestiegen sein mag, klar aus, auch weil er der Meinung ist, dass sie nun eindeutig an dem Punkt von "Andeutungen" vorbeigezogen sind und die Karten zwischen ihnen klar auf den Tisch legen sollten. Er kann nicht sagen, ob Hermione dieses Ziel all die Zeit im Auge gehabt hatte oder ob ihre unverhoffte Lage sie jäh auf "den Geschmack" brachte, aber sieht all die Anzeichen, die dereinst auch Anne zur Königin machten ("das Vermächtnis" von dem er spricht). Denn dass Hermione ihn als Feind erachtet, erklärt für ihn ja nicht, was ihr eigentliches Ziel in all dem Hofgeschacher war. Und wegen ihrer bereits bewiesenen Loyalitätsbrüche kann er nicht einmal mehr sagen, zu welch großem Loyalitätsbruch sie noch im Stande wäre (sprich, Charles).
So oder so, ihre Affäre mit dem König zum Zeitpunkt seines eigenen beachtlich sinkenden Sterns fasst Cromwell ganz klar als Angriff auf. Ob nun von ihr persönlich oder von ihr und Charles in gemeinsamer Absicht, aber er ist überzeugt, dass sie ihn wie Harry bereits sagte "aufs Schafott" bringen wollen. Und leider beabsichtigt Charles dies ja in der Tat, wie sein Komplott mit Hertford beweist.

Zitat: "Es wäre spannend zu erfahren, was Francis Bryan darüber denkt."
Oh, er hat die begangene Affäre zwischen Hermione und dem König natürlich bereits ebenso auf dem Schirm (und anders als Cromwell hat er sie auch schon ein ganzes Stück vorher von Seiten Henrys kommen sehen wie auch Hermiones wachsendes Unbehagen). Deshalb versichere ich dir, er durchschaut zumindest diesen Punkt sehr viel besser als Cromwell, da er zumindest auch ihr "magisches" Geheimnis und das ihrer Herkunft kennt. Wir kommen noch dazu.

So, das war ein sehr langes und inhaltsreiches Review von deiner Seite für das ich mich nur herzlich bedanken kann. Es war eine große Freude.
Allerbeste Unterhaltung morgen mit dem nächsten Kapitel und nun erst einmal einen schönen Freitagabend,
deine Keiraleth
26.03.2020 | 00:26 Uhr
zu Kapitel 71
Divorced, beheaded, died/divorced, beheaded, survived.
welche schöner Reim. Zumindest für 4 der 6 :D Bevor ich zum Kapitel komme eine Musical-Empfehlung. "Six" thematisiert die 6 Frauen, die hinter dem Reim stehen auf eine humorvolle und moderene Art. Und Techno-Greensleeves hat schon etwas.
Aber zurück zum Kapitel: Charles und Seymore machen also gemeinsame Sache, soso. Na wenn das nicht nach hinten losgeht. Ich hoffe im Übrigen, dass unsere drei Helden Seymore noch drankriegen. Joans Tod will noch gerächt werde.
Ich mag Anna. Sie ist wirklich herzensgut und irgendwie erleichtert es mich, dass sie Henry am Ende noch überleben wird. Das kleine Aufklärungsgespräch mit Hermione war auch sehr amüsant. Was mich aber zu einem weiteren Punkt bringt: Hermione hat jetzt auch schon so viele Jahre gesehen, dass sie dieses Gespräch faktisch auch mit ihrer Tochter hätte führen können...Es ist manchmal etwas verwirrend, wie lange sie schon unterwegs ist. Im übrigen auch eine sehr schöner, sogar zu Tränen rührender Rückblick auf Legolas.
Oh man, Legolas. Den werden wir wohl nie wieder sehen, oder? Ich habe letzte Woche zum ersten Mal seit langem die Filme wieder gesehen (und zur Belustigung meines Freundes mitgesprochen). Lang lang ists her, da wird man doch ein wenig nostalgisch....apropo, ich wollte dir mal eine Zusammenfassung für meine Post-Korrektor-Planung schicken, die ich noch nciht getippt habe. Ich habe ja jetzt Zeit.^^
LG
Nemesis

Antwort von Keiraleth am 27.03.2020 | 19:03:00 Uhr
Ah, von "Six" hab ich schon hier und da was aufgeschnappt, aber es noch nicht geschafft selbst mal reinzuschauen. Vielleicht mach ich das bei Gelegenheit mal. :D

Zitat: " Charles und Seymore machen also gemeinsame Sache, soso."
Ich fürchte, so sieht's aus. Frei nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Natürlich weiß Charles zwar nicht, welche ausschlaggebende Rolle Seymour in den blutigen Zwischenfällen des Frühjahr 1538 gespielt hat (und damit auch in Joans Tod), die damals klar darauf abzielten, dass Charles und Cromwell sich möglichst zerfleischten und ihm freie Bahn ließen, aber natürlich gab es diesen einen kalten Bruch zwischen ihnen nach Jane Seymours Tod, in dem Edward Seymour von jetzt auf gleich eine Mauer zwischen ihren zuvor befreundeten Familien hochzog, um den Prinzen möglichst unter seine Kontrolle zu bringen und damit seine Position bei Hof zu behalten und zu erweitern. Das hat Charles natürlich nicht vergessen und er ist sich ebenso bewusst, dass Seymours Vorgehen die Zwistigkeiten im Kronrat damals derart anheizten, dass sich überhaupt ein solches Chaos entfalten konnte.
Doch wie Hermione schon richtig bemerkt, würde ein Wissen um seine damals "tödlichen" Absichten jeden Pakt noch im Keim ersticken. Es ist eben eine Sache, ob man jemanden vehement vom Thronerben abzuschirmen versucht oder ob man Intrigen spinnt, um jemanden zu stürzen, und dabei auch willkürliche Todesopfer in Kauf nimmt.

Charles weiß also zwar, dass Seymour ihm zuletzt nicht gewogen war und dieser neue Pakt mehr dem Sturz ihres gemeinsamen Kontrahenten dient, ist sich aber keineswegs bewusst, wie unverzeihlich er seiner Familie tatsächlich mitgespielt hat. Und Hermione sagt es ihm nicht, weil sie sich bewusst ist, dass er Seymour damit die Feindschaft erklären würde und damit den Kronrat, der sich jüngst erst ganz hinter Charles gestellt hat, wieder in ein empfindliches Zerwürfnis zwingen würde, das ihn vielleicht seinen nun möglichen Sieg gegen Cromwell kosten würde. Es wäre demnach riskanter ihn über Seymours Kaltblütigkeit aufzuklären als ihn vorerst im Unwissen darüber zu belassen.
Und deshalb setzt diese sich heimlich vollziehende Verschwörung Hermione natürlich ganz besonders zu.

Zitat: "Ich hoffe im Übrigen, dass unsere drei Helden Seymore noch drankriegen."
Hm, das glaub ich dir. Seymour hat es sich mit unseren Freunden auf jeden Fall verspielt. Und Joans Tod ist noch lange nicht vergessen, er wird hier noch einige Motivation befeuern und sorgt nun natürlich auch für ganz persönliche Interessen unseres Trios, das für gewöhnlich ja eigentlich versucht nach dem Willen der Geschichte und des Zeitumkehrers zu agieren. Überhaupt wachsen die persönlichen Interessen unserer Freunde je weiter wir in "Incarcerus" voranschreiten. Wo zu Beginn noch ganz klar die korrekte Geschichte ihr Hauptmotiv bildete, wurde es mit jedem verfließenden Jahr schwieriger und schwieriger allein darauf zu setzen, denn immerhin treibt auch das persönliche Schicksal und all ihre Schicksalsschläge ihre Motivation an. Und inzwischen sind diese persönlichen Interessen derart scharf erwachsen, dass sie sich mit ihrem Hauptmotiv bisweilen arg ins Gehege kommen und damit natürlich für ganz besondere Konflikte sorgen (kurz ausgedrückt der Konflikt Herz gegen Verstand).

Zitat: "Ich mag Anna."
Gut, wir alle sollten sie mögen. :D Das hat sie nur verdient. Nein, Scherz beiseite, sie hat ja derzeit ein wenig was von einem hilflosen, aber drolligen und herzensguten Welpen. Da weckt sich bei Hermione natürlich ganz klar das Bedürfnis ihr zu helfen.
Und mit deinem Kommentar zu dem "Auklärungsgespräch" stimme ich völlig mit dir überein. Es ist eine Szene, die uns allen wohl sehr deutlich macht, wie viel älter Hermione bereits ist denn am Startpunkt dieser "Saga" und wie viel Erfahrungswerte sie bereits mit sich herumträgt. Sie ist längst in einer Position, in der sie das Gefühl entwickelt jungen Menschen beizustehen und aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen und damit - automatisch - sich selbst nicht mehr dieser Gruppe Mensch zugehörig zu fühlen. Immerhin empfindet sie selbst sich ja auch schon seit einigen Jahren als Mutter von Charles' Sohn und es sind in der Tat schon einige Jahre ins Land gezogen. Und das alles hat nicht nur mit romantischen Gefilden zu tun, ich denke, Hermiones gesamter Blick auf die Welt, die sie umgibt, hat sich inzwischen ein ganzes Stück gewandelt, in dem Sinne, dass dieser Blick auch merklich ernüchtert ist, aber zugleich Freude aus den kleinsten Dingen zu ziehen vermag, weil die Wertschätzung für diese kleinen Momente des Glücks durch ihre Erlebnisse beträchlich gereift ist. Das Böse in der Welt überrascht sie nicht mehr kaltblütig und das Gute erscheint ihr sehr viel kostbarer, wann immer sie ihm begegnet.

Ja, man mag fast sagen, sie hat sich mit ihrer Situation und ihrem Leben/ihrer Bestimmung arrangiert und versucht das Beste daraus zu machen. Und dieser emotionale Zustand - so viel verrate ich schonmal - wird nun hart auf die Probe gestellt.

Zitat: "Es ist manchmal etwas verwirrend, wie lange sie schon unterwegs ist."
Ja, ein wenig unwirklich, nicht? Das überkommt mich auch oft. Ich führe es vor allem darauf zurück, weil für unsere drei Helden immer wieder der "Restart"-Knopf gedrückt wird, da sie ja eigentlich nicht altern, aber zugleich das "Altern" gar nicht aufhalten können, denn irgendwo beginnt es ja im Kopf - und dieses Paradoxon ist nicht nur ein kleiner Effekt für uns als Leser und Autor, sondern auch ein Problem, das zunehmend an Macht gewinnen wird (als kleiner Ausblick auch auf die restliche Saga ;)).
So, falls es dich interessiert: An diesem Punkt der Geschichte (Januar 1540) sind unsere drei Freunde bereits mehr als 12,5 Jahre seit Start der Saga in anderen Zeiten unterwegs (den beträchtlichen Großteil davon hier im Tudor England = ca. 8,5 Jahre). Ein kleines bisschen Statistik als Dessert. XD

Zitat: "Oh man, Legolas. Den werden wir wohl nie wieder sehen, oder?"
Sag niemals nie. 3:)

Die Hobbit- und Herr der Ringe-Filme habe ich letztes Jahr tatsächlich auch einmal nach SEHR langer Zeit endlich wieder gesehen und deshalb kann ich voll und ganz verstehen, von welchem aufkommenden nostalgischem Gefühl du sprichst (vor allem bei den Herr der Ringe Filmen). Ich war 11 als 2001 "Die Gefährten" rauskam und damals tatsächlich im Kino und irgendwie ist das Ganze inzwischen ziemlich unwirklich weit weg, aber meine Liebe zur Reihe hat mich bis heute nicht verlassen. :)

Liebe Grüße,
Keiraleth
25.03.2020 | 16:49 Uhr
zu Kapitel 70
Hach, ich bin erleichtert, dass Charles verstanden hat, wieso Hermione sich von Henry missbrauchen lässt. Das hätte auch ziemlich nach hinten losgehen können. Ich fürchte aber, dass das noch Konfliktpotenzial zwischen Charles und Henry bereit hält, so wie Henry die ganze Zeit Andeutungen macht.
So seltsam das jetzt klingt, aber durch Charles Verständnis für die Umstände dürfte die Beziehung zwischen Hermione und Charles wieder auf eine ganze andere Ebene kommen. Die beiden sind nun endgültig gemeinsame Spieler geworden. Vorher hat Charles und eigentlich auch Hermione noch in Henrys Sinn agiert, aber jetzt gibt es da doch einen Bruch und sie sind zu einem Duo geworden. (Harry und Ron, die mit Hermione noch ganz andere Absichten haben natürlich ausgenommen).
Ich fürchte auch, dass es nicht einfach für Hermione wird. Bis zu Cathrine Howard dauert es noch bis in den Frühling hinein. Allerdings freue ich mich schon sehr auf die "Beziehung" zwischen Cathrine und Hermione. Ich gehe offengestanden nicht davon aus, dass Anna sehr viel Bedeutung erfahren wird. Dafür war sie zu unbedeutend. Sie wird ja auch nach sechs Monaten wieder verschwinden. Aber Cathrine und Hermione, das wird was. Hermione wird sie zweifelsohne nicht wirklich ernst nehmen können, ähnlich wie Mary Tudor nichts mit ihrer "Stiefmutter" anzufangen weiß. Mhm, das wird lustig.
Stellt sich nun natürlich die Frage wie es mit Bryan weitergeht. Der ist ja voll im Bild. Aber du wirst uns sicher zur gegebenen Zeit auch diesen Handlunsgstrang weitererzählen.
Liebe Grüße,
Nemesis

PS.: Ich hoffe dir geht es weiterhin gut und du und deine Lieben sind gesund. Es hat ja durchaus ein wenig apokalyptisches Feeling.

Antwort von Keiraleth am 25.03.2020 | 20:23:52 Uhr
Hallo Nemesis, :)

dass Charles verletzt sein würde, haben wir wohl alle erwartet (alles andere wäre ja auch Humbug), aber ja, er versteht Hermiones Lage in der Tat besser denn ihm lieb ist, schließlich offenbart es ihm mit diesem Verständnis auch wie schändlich er von Henry "hintergangen" wurde. Und ich denke, Charles ist ebenso bewusst, dass er zwar den Betrug emotional zu verwinden hat, Hermione aber ebenso die besagten Erlebnisse, schließlich war eine Affäre ganz und gar nicht in ihrem Sinne. Ich glaube, dies vertieft nur den Groll und die Enttäuschung, die er gegen Henry nun empfindet, schließlich hat dieser Hermione in diesem Sinne ebenfalls emotional verletzt und zudem in eine unsägliche Zwangslage zwischen ihnen beiden gezwungen. Und das nachdem Hermione am Hof ja durchaus schon einige Schicksalsschläge verwinden musste.

Zitat: "Ich fürchte aber, dass das noch Konfliktpotenzial zwischen Charles und Henry bereit hält, so wie Henry die ganze Zeit Andeutungen macht. "
Nun, ich fürchte, Henry sieht die ganze Angelegenheit noch gar nicht als so "stillgelegt" an, wie Hermione es sich wohl gerne wünschte. Natürlich will Henry zum einen nicht, dass Charles ihre Affäre aufdeckt und ist deshalb auf Hermiones Begehr eingegangen, die Liebschaft in seiner Gegenwart nicht weiter auszuleben, aber zugleich ist er nun natürlich getrieben von Lust, denn er hat einen gewissen Narren an der "verbotenen" Situation zwischen ihnen gefressen und glaubt zudem nun, in Hermione eine recht gute Ergänzung seiner selbst gefunden zu haben (zumindest sehr viel besser denn Anna), was natürlich für den Versuch, Frieden zu bewahren, mehr als verheerend ist. In seiner wachsenden Besessenheit um Hermione, die durch ihre begonnene Affäre keineswegs verpufft ist, sondern sich mehr gefestigt hat, birgt sich natürlich eine herbe Gefahr, da mit dieser auch eine wachsender Kontrollverlust bei Henry einher geht (das haben wir ja schon häufig genug erlebt).

Zitat: "So seltsam das jetzt klingt, aber durch Charles Verständnis für die Umstände dürfte die Beziehung zwischen Hermione und Charles wieder auf eine ganze andere Ebene kommen."
Da liegst du gar nicht so falsch. Sein Bruch zu Henry hat natürlich Einfluss auf seine Beziehung zu Hermione. Dass sie beide in erweitertem Sinne von Henry "hintergangen" wurden, als er über ihrer beider Köpfe hinweg entschied, dass diese Affäre entstehen musste, schweißt sie natürlich in einer besonderen Art weiter aneinander. Ein Betrug, der sonst einen herben Vertrauensbruch nach sich gezogen hätte, hat nun eigentlich mehr einen Vertrauensbeweis dargestellt, da Hermione sich seiner anvertraute und auf sein Verständnis setzte. Genau genommen waren sie hier ein "gemeinsames Opfer" von Henrys Entscheidungsgewalt.

Deinen Ausblick zu Catherine Howard fand ich sehr interessant. Ich verrate natürlich nicht, inwieweit du recht hast, das wirst du ja noch selbst erfahren, aber ich glaube, ein wenig was erleben wir hierzu schon bald.

Zitat: "Ich gehe offengestanden nicht davon aus, dass Anna sehr viel Bedeutung erfahren wird. "
Wir lernen sie im neuen Kapitel etwas näher kennen und setzen uns außerdem auch etwas mit der Situation auseinander, in die Henry Hermione mit ihrer "Affäre" rückte.

Von Bryan erfahren wir auch beizeiten noch was. Aber alles der Reihe nach, es wird ganz gewiss aufregend genug, in den baldigen Kapiteln.

Liebe Grüße und bleib gesund (denn ja, es wirkt im Moment wirklich alles ein wenig surreal apokalyptisch, während ich hier gelassen meine Kapitel poste XD),
Keiraleth
25.03.2020 | 13:56 Uhr
zu Kapitel 70
Hallo

Oje, ich hoffe du wirst schnell wieder gesund. Bei uns ist es "noch" überschaubar, und unsere Gemeinde "noch" Infektionsfrei, ist aber leider nur eine Frage der Zeit.

Mir tat Anna in der Serie schon so unfassbar leid, diese Ablehnung hatte sie absolut nicht verdient. Henry ist einfach nur ein egoistisches Arschloch, und gerade verabscheue ich ihn wie schon lange nicht mehr.
Noch kann Charles vernünftig handeln, die Frage ist wie lange noch.

Das Cromwell glaubt, Hermione hätte das alles so geplant um ihn zu stürzen, fand ich ehrlich gesagt doch etwas lustig, aber ich befürchte auch hier wird das noch zu Schwierigkeiten führen.

Mir fiel übrigens beim schauen der ersten Staffel auf, dass sich Charles und seine Frau, immer mit "du" ansprechen und irgendwie vertraulicher miteinander umgehen. Warum bist du bei Hermione und Charles bei der förmlicheren Variante geblieben, auch nach Jahren ihrer Ehe?
Generell fiel mir auf, das in den eigenen vier Wänden mehr zum "du" geneigt wird. Oder ist das eher der Synchro geschuldet? Im Englischen gibt es ja eigentlich diese Unterschiede nicht oder?

Viele liebe Grüße
Tanja

Antwort von Keiraleth am 25.03.2020 | 20:02:45 Uhr
Hallo Tanja,

hmm, das mit dem gesund werden klingt super. Ich probiere das mal die nächste Zeit aus. ;) Im Moment geht es, aber es geht auch besser.

Anna hat, wie ich finde, ein besonders unschönes Los gezogen, da sie ja schon mit all den "bekannten" Geschichten um Henry an den Hof kam, als völlige Fremde und mit anderen Sitten und Gebräuchen und vor allem einer gänzlich anderen "Ausbildung" zur Dame, als es irgendwer in England von ihr erwartete. Sie sprach (in der Realität) sogar die Sprache kaum und verstand somit vermutlich nicht einmal, wozu ihr vielleicht wohlwollende Seelen rieten. Und dann gab Henry ihr ja eigentlich von Beginn an keinerlei Chance. Schon als sie eintraf, war er eigentlich fast gewillt, den eingegangenen Vertrag mit Kleve wieder zu brechen. Sie stand quasi schon von Beginn an auf verlorenem Posten, noch zudem in einem Land, das sie nicht kannte, ohne Vertraute und allein mit dem Wissen, dass keine andere Dame dieses Ehegesuch angenommen hatte (aus Furcht vor seinem Image). Eine wirklich beängstigende Situation, wie ich es mir vorstelle.

Zitat: "Henry ist einfach nur ein egoistisches Arschloch, und gerade verabscheue ich ihn wie schon lange nicht mehr."
Yup, im Moment zeigt er sich nicht gerade von seiner Schokoladenseite. Und ich fürchte, er wird uns im Kommenden nicht unbedingt sympathischer.

Zitat: "Noch kann Charles vernünftig handeln, die Frage ist wie lange noch."
Ich nenne das hier den persönlich Stresstest seiner Hofmaskerade. Haha. Nein, Spaß beiseite, das hier ist natürlich eine extrem gefährliche und belastende Situation, da er mit Henry natürlich dem einzigen Menschen auf dieser Erde gegenüber steht, dem er seine berechtigte Wut nicht vorhalten kann und zudem auch noch gezwungen ist, Unwissenheit vorzugeben. Ah, eine extrem angespannte Lage, die nicht auf Dauer funktionieren kann, wie du vollkomen recht hast.

Zitat: "Das Cromwell glaubt, Hermione hätte das alles so geplant um ihn zu stürzen, fand ich ehrlich gesagt doch etwas lustig, aber ich befürchte auch hier wird das noch zu Schwierigkeiten führen."
Aus unserer Sicht mag das so wirken, aus Hermiones Sicht ist es absurde Paranoia, doch tatsächlich hat Cromwell eigentlich allen Grund von einer solchen "skrupellosen Sabotage" seiner Bemühungen mit Kleve auszugehen. Er sah Hermione Anne Boleyn verraten, trotz einer offensichtlichen emotionalen Bindung und ohne sein aggressives Einwirken. Er sah Hermione den König jahrelang "umgarnen", um Einfluss zu gewinnen und er sah wie Charles den inzwischen geballten Kronrat hinter sich brachte. Dass die beiden nun seinen letzten ausgespielten Versuch, seinen eigenen Wert vor dem Sturz zu bewahren, aggressiv zu demontieren versuchten, um ihm - nach all dem bösen Blut während der Rebellion und danach - den entscheidenden Stoß zu versetzen, ist aus seiner Sicht der Dinge somit gar nicht derart abwegig, insbesondere da er Hermiones "Geheimnis" um ihre Motive, ihre Verbindungen zu den Boleyns und auch ihrer Absichten nie entschlüsselt hat (anders als Bryan). Er schätzt sie einflussreich und teils skrupellos taktierend ein, weil sie es bisweilen IST, sein MUSSTE, und genau das macht sie nun zu einer Ränkeschmiedin in seinen Augen, die er nicht zu unterschätzen wagt.
Was er also tatsächlich in ihrer Weihnachtsaffäre sieht, ist ein klug terminiertes Attentat auf den geschlossenen Vertrag mit Kleve (den Cromwell unbedingt braucht, um am Hof zu überleben). Und dann hängt ihm da noch das Gespinst nach, nicht zu wissen, was sie eigentlich all die Zeit beabsichtigte, als sie sich aktiv in die Politik einzumischen begann ...

Zitat: "Warum bist du bei Hermione und Charles bei der förmlicheren Variante geblieben, auch nach Jahren ihrer Ehe? "
Ah, das war kompliziert. Ehe ich mit "Incarcerus" begonnen hatte, habe ich ja zunächst einige Monate mit viel Recherche verbracht, um ein generelles Gefühl für die damalige Zeit, die Gegebenheiten, die sozialen Verhaltensweisen, Moral, Ansichten, etc zu entwickeln, weil es den Schreibprozess letztlich SEHR vereinfacht, sich nicht in jeder einzelnen Szene zu fragen, ob dies denn nun so "realistisch" sei. Insbesondere da ich in diesem Teil sehr viel mehr Eigenanteil einfließen lassen musste, da ich ja mehr um die Kernszenen herumschreibe, um zu ihnen zu kommen. Was zwangsläufig dabei entstand, waren natürlich Differenzen zur "Serie". Da dies hier aber eine Zeitreisegeschichte ist und ich in "Incarcerus" ja ohnehin einen eher düsteren Ton anschlage, wollte ich es dann doch etwas realistischer halten, auch um das Gefühl "anderer Zeiten" zwischen den Teilen deutlicher zu unterstreichen.
So, nun tatsächlich war es so, dass es im Englischen dereinst tatsächlich eine Unterscheidung wie im Deutschen zwischen "Du" und "Ihr" existierte. Und dabei stellte das [übersetzte] "Du" eine eher herabwürdigende Anrede dar, die man entweder seinen Untergebenen oder bisweilen auch seinen Kindern entgegenhielt. Ein "Ihr" war die respektvolle, aber vor allem wertschätzende Anrede damaliger Zeiten und das hatte auch weniger mit unserem "formellen" Empfinden von heute zu tun, sondern mehr mit Achtung. Es kam zwar durchaus vor, dass innerhalb von Familien Gebrauch vom "Du" gemacht wurde, aber gerade in den gehobenen Familien, war das eher selten und eigentlich auch mehr verpönnt (da es wie gesagt "geringschätzig" oder "autoritär" genutzt wurde und sich keineswegs in einer so positiven, vertrauten Form bewegte). Deshalb entschied ich mich dafür, Charles und Hermione in dem "Ihr" zu belassen, da es tatsächlich sehr stark von ihrer innigen Achtung zueinander zeugt. :)
Das fällt natürlich unter einige der Dinge, die ich der Historie zugunsten an der Serie änderte. Zudem kommt hier natürlich noch hinzu, dass sich mit der Synchronisation weitere Inkonsistenzen einschlichen und auch mehr für die "gewohnten Ohren" des Publikums synchronisiert wurde, die ja immerhin ein "Du" als vertraute Art wahrnehmen.
Außerdem konnte ich so auch noch einmal eine kleine Differenz zwischen magischen Familien und Muggelfamilien ziehen, denn in der magischen Gesellschaft gab es ja in dem Sinne keine "Hierachien", womit ich hier mit einem schlichten "Du" arbeiten konnte, das hier eine ganz "unrichtende" Bedeutung besitzt. Deshalb Duzen sich z.B. auch die Boleyns untereinander. :D

Du sieht, in dem Gebrauch vom "Du" birgt sich hier oft auch eine Botschaft über die autoritären Verhältnisse oder manchmal auch die magischen. ;)

So, genug zu all dem Duzen und Euchen. Ich wünsche dir viel Spaß mit dem kommenden Kapitel!

Wie immer alle lieben Grüße zurück,
deine Keiraleth
24.03.2020 | 19:58 Uhr
zu Kapitel 70
Hello und auf ein Zweites an diesem Abend, liebe Keiraleth!

Eigentlich habe ich mich genau das gleiche gefragt, als ich die Serie damals gesehen habe. Eigentlich ist die Schauspielerin von Anna von Kleve nämlich kein Stück unattraktiv. Vielleicht ein wenig unscheinbar, aber keinesfalls... abstoßend. Was selbstverständlich auf Henrys Gemütsverfassung zurückzuführen ist, doch diese nagende Ungerechtigkeit mag einfach nicht verschwinden, wenn ich daran denke.

Cromwell wackelt sehr auf seinem dünnen Eis herum. Eigentlich hat sich das schon im letzten Kapitel angekündigt, aber hier bricht noch ein bisschen mehr von seinem letzten Kleinod, das ihn vor der eisigen Tiefe bewahrt, weg. Natürlich habe ich jetzt auch schon zuende gelesen und mir ist ziemlich deutlich bewusst, dass es einen Schlag gegen die Stirn verdient hat, wenn Cromwell wirklich glaubt, Charles würde Hermione für seinen Fall opfern. Wieso neigen Menschen dazu, Liebe zu unterschätzen oder sie als ein weniger wichtiges Gut als Macht zu sehen, wenn sie sie selbst noch nicht erlebt haben? Es wird mir für immer ein Rätsel sein.

Charles, Hermione und Henry in einem Raum ist eine wirklich unausstehliche und ausgesprochen peinliche Situation. Henry hätte sich wohl nicht in sie begeben, wenn er wissen würde, dass Hermione Charles eingeweiht hat. Andererseits war das auch für mich eine Überraschung, von daher kann ich nicht leugnen, dass sein Verhalten rein egozentrisch auf ihn fixiert selbstverständlich Sinnhaftigkeit birgt.
Und Charles ist mit einem Mal beinah kämpferisch gegen Henry gerichtet. Wenn das mal nicht eine explosive Mischung wird, dann weiß ich auch nicht.

Es grüßt durch eine Atemmaske und wünscht viel Desinfektionsmittel in diesen unruhigen Zeiten (mit einem leichten Augenzwinkern),
Avarantis

Antwort von Keiraleth am 25.03.2020 | 19:26:12 Uhr
Schauen wir mal ...

Oh, ja, die Ungerechtigkeiten, denen Anna von Kleve begegnete. Die Arme tat mir ebenfalls in der Serie, aber auch in der Geschichte sehr leid. Ich denke, ein großer Teil von der Ablehnung, die ihr entgegen schlug, gründete tatsächlich mehr auf ihren ausländischen Gepflogenheiten und ihrer Unkenntnis der englischen Sprache und Sitten. Sie war "anders" und damit hatte sie es eigentlich von Beginn an ungemein schwer, Fuß am Hof zu fassen und dann auch noch in einer Situation, in der Henry ohnehin nicht ganz wusste, was er eigentlich wollte und der Kronrat aggressive Ränke schmiedete.
Natürlich redete Henry sie auch so derb nieder, weil er sich unbedingt vor dieser Eheschließung zu bewahren versuchte, die er ja eigentlich mehr auf Drängen von Cromwell und fehlender Alternativen überhaupt in die Wege geleitet hatte. Es mag also durchaus auch eine gewiefte Portion "Panik" vor seiner eigenen Entscheidung gewesen sein, die Henry Tudor zu so üblen Verleumdungen getrieben hat. Alles in allem nicht sehr gentlemen-like, da stimmen wir wohl alle überein.

Wie es Anna dabei geht, das sehen wir auch ein wenig im kommenden Kapitel. ;)

Nun ja, wem diese unrühmliche Ehe auch keineswegs bekommt, ist, wie du schon richtig sagtest, Cromwell. Anna von Kleve war ein sehr riskantes Manöver, insbesondere auf diese Eheschließung zu setzen, aber es war eben auch ein wenig der aggressive Zug eines Strategen, der ihm entweder Sieg oder Niederlage versprach bei einer Partie, die er bereits zu verlieren drohte (denn wir erinnern uns, Henry verlor schon eine ganze Weile seinen Respekt und sein Interesse a Cromwell und begann ihn schon während der Rebellion massiv zu bedrohen). Dieser "ungewisse" Zustand seiner Stuation zieht sich somit schon ein paar Jahre und verstärkte sich zuletzt nach Jane Seymours Tod und Henrys seichter Kehrtwende in der Religion zurück zu altbewährten Traditionen der Kirche. Cromwell sah all diese Zeichen und er sah auch, wie nah seine Feinde Henry nach wie vor standen, während er selbst ferner und ferner rückte. Er MUSSTE handeln und er sah in der Allianz mit der Portestantischen Liga natürlich seinen einzigen Ausweg auf einen Schlag wieder an Wert zu gewinnen und zugleich die Reformation wieder ein Stück zurück an Bord zu holen (und damit seine politischen Feinde auszubooten). Ein riskanter Zug, denn er konnte nur funktionieren oder schief gehen. Wir werden sehen, wie sich dies in "Incarcerus" bewähren wird.

Dass er nun verdächtigt, dass Hermione und Charles gegen ihn vorgehen, ist nach all den Steinen, die er ihnen insbesondere während der Rebellion in den Weg legte, gar nicht so abwegig. Als klar denkender Mensch muss er sich bewusst sein, dass sie seine Feinde darstellen und dass sie einen tiefen Groll gegen ihn hegen. Und als Höfling weiß er zudem, dass die mächtigsten Männer bei Hof zu den skrupellosesten Taten greifen, wenn es um die Frage des Überlebens geht (schließlich tut er selbst nichts anderes). Aus seiner Sicht - und das kann wohl keiner abstreiten - beobachtete er wie Hermione sich umgehend nach Annes Sturz, den sie schließlich "skrupellos" im letzten Zug entegegn ihrer vorigen Loyalitäten unterstützte, zu einer Vertrauten des Königs hocharbeitete, wie sie mehr und mehr engen Kontakt zu ihm pflegte und Charles zudem politisch "beeinflusste". Er beobachtete, wie sie sogar mit Fehltritten wie bei der Rebellion weitestgehend straflos davonkam und der König ihr dies zudem nicht einmal wirklich nachtrug. Und dann begann sich Charles KLAR und offen gegen ihn im Kronrat zu positionieren und ihm die Unterstützung all der Ratsmitglieder zu entziehen.
Natürlich glaubt er, dass die beiden gegen ihn vorgehen. Und demnach kann er in der Affäre von Hermione ausgerechnet zum Zeitpunkt seines letzten Trumpfes (Anna von Kleve) eigentlich nur vom Schlimmsten ausgehen und sich keineswegs die Fehlannahme erlauben, dass es sich dabei um einen "dummen Zufall zum falschen Zeitpunkt" handelt.

Das ist eine äußerst kritische Verwicklung, wie du siehst, und sie wird Folgen haben.

Nun ja, das Dreieck Charles-Henry-Hermione wird uns nun daneben natürlich noch eine Weile übel beschäftigen, aber eigentlich hängt alles in sich zusammen bis hin zu Cromwell, Anna und dem ganzen Rat. Wenn man von einer verhängnisvollen Liebschaft reden kann, dann wohl von dieser, die Hermione so unfrewillig einging, ohne ganz zu verstehen, wie hoch die Wellen sich türmen würden. Eine explosive Mischung, du sagst es.

Bleib in jedem Fall gesund, pass auf dich auf und belass den (restlichen) Wahnsinn ruhig am Henrys Hof ... ;)

Deine Keiraleth
24.03.2020 | 19:50 Uhr
zu Kapitel 69
Hello liebe Keiraleth!

Reichlich spät, doch ich kam zum Lesen deiner nächsten zwei Kapitel.

Die Überraschung als erstes: Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass Hermione Charles von der Affäre erzählt. In diesem Zusammenhang muss ich auch leider kurz beichten, dass ich es, ebenso wie sie, als absolut ungerecht empfinde, dass er Teile der Schuld eindeutig bei ihr sieht. Denn würde Charles kurzzeitig über seine verletzten Gefühle hinwegsehen, wäre ihm auch klar, was eine Verweigerung von Hermiones Seiten für Auswirkungen auf ihn haben würde. Wobei er vielleicht in dieser einen Sache blauäugig durch die Gegend läuft, da er immer noch von seiner unerschütterlichen Freundschaft zu Henry überzeugt ist.

Natürlich war es bei einem zweiten Nachdenken nur richtig von Hermione, Charles einzuweihen. Früher oder später hätte auch ihn der Hofklatsch erreicht und ich weiß nicht, wie viel seine Nerven in dieser Hinsicht ertragen hätten.

Bis gleich,
Avarantis

Antwort von Keiraleth am 25.03.2020 | 18:58:31 Uhr
Ein herzliches Hallo zurück, meine gute Avarantis!

Für Reviews ist es nie zu spät, also wie immer mein größter Dank für deine Mühe.

Tja, was soll ich sagen, Hermiones Geständnis hat hier einige überrascht, wie ich sehe. Nun, ich fürchte, die Realität ihrer Gefühle zu Charles haben ihr Gewissen arg belastet und es aus diesem Grund fast unmöglich gemacht den Betrug und zugleich auch die entsetzlich belastende Zwangslage zu verbergen, in der sie sich befindet/befand. Es ist so gesehen also ihre Schuld UND ihr Bedürfnis nach Hilfe, die sie hier so schnell über die Klippe springen und die Karten auf den Tisch legen lassen. Außerdem war ihr ja mit jeder Stunde bei Hofe mehr klar, dass ihr "Geheimnis" alles andere als ein Geheimnis ist, damit stieg natürlich auch der entsetzliche Druck auf ihr Stillschweigen, da es absehbar keineswegs erfolgreich bleiben konnte.

Zitat: "In diesem Zusammenhang muss ich auch leider kurz beichten, dass ich es, ebenso wie sie, als absolut ungerecht empfinde, dass er Teile der Schuld eindeutig bei ihr sieht."
Yes. Charles unterstellt ihr im ersten Schritt tatsächlich mit "Berechnung" vorgegangen zu sein, denn aus seiner Sicht war es zunächst absolut absurd davon auszugehen, dass Hermione - ausgerechnet Hermione, die sich schließlich keiner Sache zu beugen pflegt, die ihr widerstrebt - tatsächlich "ausgeliefert" sein mochte. Es ist ein erster Reflex, geboren aus verletzten Gefühlen, aber auch einer herangewachsenen Grundhaltung zu ihr, die ja an und für sich gar nicht schlecht ist: Er hält sie für ausgesprochen willenstark und autark. Aber in diesem Moment unterstellt es ihr natürlich eine gewagte Mitschuld, die so gar nicht vorlag. Natürlich ist Hermione mit einem gewissen Motiv an diese Sache gegangen, aber es war geboren aus der Not, dieser Situation nicht mehr zu entkommen, und nur das eine, ihn zu schützen. Und genau das haut sie ihm dann ja um die Ohren. Denn Fakt ist, gerade an diesem Punkt, war sie tatsächlich höheren Gewalten ausgeliefert.

Er rudert ja auch ungemein schnell zurück (wenn auch nonverbal), kaum dass er seinen brachiale Falschannahme erkennt. Es ist ein verletzender, aber kurzer Vorwurf, den er ihr hier entgegen wirft und den er quasi sofort wieder verwirft, kaum dass sie in Tränen ausbricht und er sich erinnert, dass sie vielleicht eine Hexe ist, aber vor allem eine in die Ecke gedrängte Frau.

Zitat: "Wobei er vielleicht in dieser einen Sache blauäugig durch die Gegend läuft, da er immer noch von seiner unerschütterlichen Freundschaft zu Henry überzeugt ist."
Bis zu diesem Punkt, sicher. Doch kaum, dass sich bei ihm die Einsicht setzt, dass Henry Hermione zu einer Liebschaft genötigt hat, denke ich, vollzieht sich in ihrer beider Freundschaft und vor allem in Charles Vertrauen zu Henry durchaus eine markante Erschütterung. Wie tief diese geht, bildet sich ja zunächst schonmal in seiner veränderten Verhaltensweise im darauffolgenden Kapitel etwas ab. Wir werden noch mehr davon erleben. :)

Ich hüpf mal munter weiter zum zweiten Review ...
22.03.2020 | 11:11 Uhr
zu Kapitel 70
Anna von Kleve, man kann sagen sie hatte am meisten Glück.sie ist die einzige die länger lebte als der König.

Antwort von Keiraleth am 25.03.2020 | 18:33:46 Uhr
Hallo Karadramos,

ich kann sehr gut verstehen, woher dieser Gedanke kommt, auch wenn der Hof dies im Moment sicher ganz anders wahrnimmt. Von Glück kann hier (noch) keine Rede sein.
Übrigens: Tatsächlich haben in der Historie sogar zwei seiner Königinnen den guten Henry VIII überlebt. Auch Catherine Parr, seine letzte Königin, schaffte es. ;)

Wie es Anna allerdings in "Incarcerus" ergehen wird, sehen wir im Folgenden. Weiterhin beste Unterhaltung!