Autor: Bells Poetry
Reviews 1 bis 25 (von 46 insgesamt):
02.09.2020 | 12:41 Uhr
Oh mein ... oh mein Gott.
Ich fürchte, dieses Review wird ein wenig länger, aber nicht unbedingt gehaltvoller, denn in mir wirbelt gerade so vieles durcheinander, dass ich mich vermutlich erst einmal sammeln sollte, ehe ich schreibe, aber du kennst mich ja mitlerweile.

Liebe Bell,

ein letztes Mal darf ich also zum Reviewen dieser deiner wundervollen Geschichte ansetzen. Natürlich habe ich auch dein Nachwort gelesen (nachdem ich so auf die Schnauze gefallen war und entscheidende Details aus deinen Ankündigungstexten zu entnehmen versäumt habe), und ich danke dir vielmals herzlichst für deine Erwähnung. All diese Reviews habe ich im Wissen verfasst, dass du es verdienst.
Aus jedem Satz dieser Geschichte sprechen tiefe Liebe fürs Handwerk, enorme Sorgfalt bei der Recherche und großartige Fähigkeiten. Ich muss wohl nun endlich meine Arroganz offen zeigen und sagen, dass ich nur sehr, sehr selten etwas auf dieser Seite finde, dass ich als besser gemacht als meine eigenen Arbeiten ansehe - deine Geschichte aber erachte ich als eine solche; und es hat mir unglaublich große Freude bereitet, sie lesen zu dürfen.
Du meintest einmal, meine Arbeiten wären von so hoher Qualität, dass man sie bedenkenlos veröffentlichen könne - wenn das so ist, dann müssten deine es erst recht.

Nemos und Norringtons Geschichte hat mich verzaubert, geängstigt, zum nachdenken und träumen gebracht. Es ist ein wunderschönes Werk und ich habe es sicher nicht zum letzten Mal gelesen.
Dass eine Fortsetzung angekündigt ist, ist wundervoll. Ich freue mich bereits jetzt darauf, mehr von diesen beiden zu lesen; und ich wünsche mir sehr, dass ihnen ein Wiedersehen vergönnt sein möge.

Dieses letzte Kapitel macht traurig und freudig zugleich.

Bereits von den ersten Absätzen an hat man das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Weshalb verschwendet James Norrington keinerlei Gedanken an die Frau, die er liebt? Sicher, es tut gut, nach diesem wirren Fiebertraum zurück in der Realtiät zu sein - Dr Belas, Gillette, James Norrington und bald auch die restliche Besatzung lassen einen förmlich aufatmen. Alle sind sicher, allen geht es gut.
Norrington erinnert sich an den Traum, an die Angst und die reigentanzenden Gespenster ... aber kein Wort zu Nemo. Weshalb nicht?!
Sicher, er muss seine Pflichten erfüllen, sich selbst wiederherstellen und nach seinen Männern sehen. Er ist immerhin James Norrington.

Dann der Nebel. Das war aber nicht das Einzige, das wissen wir. Und all diese Männer sollten es auch wissen. Was ist hier los?
Zu hören, dass der Nebel mehrere Männer das Bewusstsein gekostet hat, ist ein erfrischendes Detail. Aber das war immer noch nicht alles. Was stimmt denn hier nicht?
Dadurch, dass du mit traumwandlerischer Sicherheit gezielt auslässt, was uns allen unter den Nägeln brennt, erzeugst du einen ähnlich unangenehmen Effekt wie im vergangenenen Kapitel. Wirklich unangenehm ...

Dass die Besatzung noch einmal in all ihrer Schrulligkeit, Buntheit und Lebendigkeit in den Fokus rückt, war wunderschön und tragisch zugleich; denn wir wissen ja, dass dies das letzte Kapitel ist, dass wir Abschied nehmen müssen, doch gerade das macht es bittersüß, all diese Leute, die uns so ans Herz gewachsen sind, noch einal fröhlich und unbeschwert zu erleben, nachdem so viel Unsicherheit und Angst die letzten Kapitel dominiert hat.
Gerade wieder diese kleinen Details wie Thomsons Singstimme machen es so herrlich zu lesen.

Dann, in der Offizierskajüte, in der du uns so unvergessliche Erinnerungen geschrieben hast, bekommt die kunstvolle Illusion ihre ersten Makel. Die Daunenfeder erinnert sofort an Nemos Anfälle, an das Kissen, das sie zerfetzt hat und an den abergläubischen Unsinn, dass sie eines der Hühner getötet haben soll - man will Norrington fast anfeuern, sofort alles auf den Kopf zu stellen; und klug wie er ist, bemerkt er weitere Spuren.
Wieder einmal glänzt du damit, wie unglaublich nahe es sich anfühlt, wenn du Norrington schreibst. Man hat wieder sofort das Gefühl, genau diesen Mann zu begleiten. Selbst in den krassesten Situationen kann er einfach nicht aus seiner Haut.
Der letztliche Moment, als er mit hilfloser Wut und Trauer auf ihr "Alles wird gut werden" mit " Was für ein Unsinn! Nichts war gut, überhaupt nichts" reagiert, hat mir unglaublich gut gefallen. Das ist ein ungewöhnlich pathetischer Moment von ihm, und so wunderbar angemessen. Es geht ihm und seiner Mannschaft gut, alles Übernatürliche ist aus seinem Alltag verschwunden - kurzum, seine schlimmsten Sorgen haben sich alle in Schall und Rauch aufgelöst, und dennoch geht es ihm schlechter als je zuvor.
Dass Nemo seine Schrift, oder besser noch, seinen Namen mit sich genommen hat, ist noch einmal so etwas wunderschönes. Sie will nicht seine kunstvolle Unterschrift, sondern nur einen simplen Namen in seiner Handschrift. Sie will ihn. Wie er ist. Schnörkellos, entspannt aber souverän, mit seinem feinen Humor und seiner formvollendeten Langeweile, Logik und Bodenständigkeit. So will sie ihn in Erinnerungen behalten, egal, was kommen mag.
Das ist so wunderschön ...

Und endlich kommen die Erinnerungen wieder. Man fühlt mit, wie er vollkommen überwältigt wird von dieser Flut aus Bildern, und wie er Nemo zugleich lobpreist und verflucht; wie er trauert und doch wieder jubiliert, weil es wahr war und es war echt und sie hat ihn tatsächlich geküsst - aber jetzt ist sie fort. So abrupt wie das Gefühlschaos begonnen hat, endet es auch wieder, und von einem Schlag auf den anderen ist James wieder auf dem Boden der Tatsachen.
Als die Alexandria endlich in den ersehnten Heimathafen einläuft, ist Norrington so weit von allem entfernt, dass man beinahe erwartet, eine physische Barriere zwischen ihm und dem Rest der Männer zu sehen. Selbst Connor, der ja gewisserweise ein Rivale für ihn war, hat Nemo vollkommen vergessen; und es ist so unglaublich passend für Norrington, diesen jungen Mann mit der Aussicht auf eine Beförderung und eine solide Laufbahn zu entlohnen für all das, was er für Nemo getan hat - auch, oder gerade weil, er sich nicht mehr daran erinnert.
Die Freude des jungen Mannes war schön zu lesen. Er hat ausgesorgt, sofern er nicht vollkommen abstürzt. Und das wird er nicht; das wissen wir genau so wie Norrington. Sonst hätte er nicht angekündigt, ihn vorzuschlagen.

Die Geschichte endet mit Norringtons eiserner Entschlossenheit und es könnte kein besseres Ende geben. Es ist tragich, romantisch, bitter und dennoch so wunderschön ... hach ... das trifft wirklich haargenau meinen Geschmack, denn nun will ich umso mehr, dass diese beiden irgendeinen Weg finden, wieder zusammenzukommen.
Ich hoffe so sehr, dass du uns dieses kleine Stückchen Kitsch gönnen wirst - aber so oder so weiß ich genau, dass es wundervoll werden wird.

Der Dank zum Schluss also gebührt dir und dir allein.
Wir werden ja alle nicht für unsere Arbeit hier entlohnt, und du hast uns selbstlos diese wunderschöne Geschichte gegeben und uns stundenlang auf höchster Qualität unterhalten. Dafür danke ich dir von Herzen; genau so wie dafür, dass du meine Qualitätsmesslatte wieder ein Stück höher gelegt hast. Ich konnte viel lernen beim Lesen dieser Geschichte, und ich hoffe, dass ich es dir mit Annie und Amycus angemessen vergelten kann.

Liebste Grüße,
und in voller Hochachtung,
deine Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 04.09.2020 | 20:38 Uhr
An dieser Stelle nochmals ein fröhliches Hallo!

Wow, ich bin wieder einmal sprachlos und kann kaum ausdrücken, was mir durch den Kopf geht. Auf jeden Fall danke ich dir für deine lieben und ermutigenden Worte, die mich nun schon durch die ganze Geschichte begleitet haben. Dass du "Nimmerfahrt" für ein Werk hältst, das man veröffentlichen könnte, rührt mich, gerade weil mir die Geschichte stilistisch gesehen so wahnsinnig viel bedeutet. Außerdem schätze ich dich als Autorin enorm, das macht dein Urteil für mich außerordentlich kostbar. Ob ich diesen positiven Erwartungen entsprechen kann, weiß ich nicht, aber ich werde mich nach Kräften bemühen!

Ach na ja, so viel Bedeutendes habe ich meistens nicht geschrieben, streng genommen war nur das Vorwort wichtig, um eine Orientierung zu haben, ansonsten hätte ein strenger Lektor mich wohl angewiesen, alle anderen Bemerkungen zu streichen (wobei mir die jeweiligen Danksagungen wichtig waren und auch wenn es manchen auf die Nerven fallen dürfte, werde ich sie beibehalten).

Erneut muss ich betonen, dass du mich durch deine Gedanken zu Nemos und Norringtons Beziehung überhaupt erst ermutigt hast, die Fortsetzung wieder aufzunehmen; vermutlich würde sie noch heute auf meinem Laptop vor sich hin schimmeln, hätte es dich nicht gegeben. Und wie es eben so ist, kommt nun die Unsicherheit, ob "Nimmerkurs" mithalten kann. Zum Glück hatte ich die Handlung vorher schon geplant und hatte etwas, worauf ich mich stützen konnte. Wie es ankommt, tja, da werde ich mich überraschen lassen.

Ha, ha, es freut mich, dass ich dich am Anfang des Kapitels irritieren konnte. Die von dir geschilderten Eindrücke wollte ich erreichen, gerade weil der Bruch zum vorigen Kapitel so enorm groß ist. Streng genommen hätte ich es dabei belassen können, sprich, er findet die Feder nicht und erhält auch die Erinnerungen nicht wieder. Hinsichtlich der Einordnung in den Canon wäre das sogar die bessere Lösung gewesen, weil es einen nüchternen, sauberen Abschluss gibt und Norrington de facto da weitermachen kann, wo er am Ende des ersten Teils aufgehört hat. Aber dieses düstere Ende hätte mein Shipperherz nicht verkraftet, außerdem hatte ich ja bereits eine Fortsetzung im Kopf, also musste ich mich für einen offenen Ausgang entscheiden, der dem Leser eine Wahl lassen würde, nämlich, ob er das Ende so akzeptiert oder doch lieber einen anderen Schluss wünscht.
Außerdem hätte ein erfolgreiches Vergessen von Nemo etc. bedeutet, dass der Feenbann auch bei Norrington wirkt. Damit wären viele zuvor beschriebenen Szenen obsolet geworden bzw. wäre ein Widerspruch entstanden, den ich nicht hätte aufklären können.

Gott, ich liebe deine Analyse, was den entwendeten Namen betrifft! Genau das ist es, was sich in dieser Geste ausdrückt und Nemo antreibt, ausgerechnet die Ecke einer Buchseite mitzunehmen. Das zeigt auch, welche Bedeutung sie einem Namen beimisst (ein Thema, das sich durch die gesamte Geschichte zieht, also auch später noch einmal aufgegriffen wird).

Es ist mir wichtig, dass Norrington immer als eben diese Figur zu erkennen ist, selbst wenn die Handlung ihn in ungewohnte Situationen drängt, die mich als Autorin vor die Herausforderung stellen, ihn angemessen reagieren zu lassen. Dir erzähle ich da nichts Neues, du musst sogar noch mehr auf der Hut sein als sich, weil das "Harry Potter"- Universum eine Fülle an bekannten Figuren bereithält, von denen die Leser authentisches Verhalten erwarten (und bei "Eibe und Stahl" werden ja zwangsläufig bekannte Figuren aufgegriffen.) Ich glaube, ich könnte es mir selbst nicht verzeihen, sollte er allzu OOC geraten, gerade weil diesen Charakter so sehr schätze. Da gehe ich das Risiko, dass manche Leser ihn zu langweilig finden und die Geschichte daher fallenlassen, gerne ein.

Alan Connor ist der eigentliche Leidtragende in dieser Geschichte (neben Dawson, dem mein aufrichtiges Mitgefühl gebührt, weil er einfach nichts richtig machen kann), daher war es mir wichtig, zumindest ihm ein gutes Ende zu gönnen. Ohne Nemo dürfte es ihm wesentlich besser gehen, vor allem mit der Aussicht auf eine Offizierslaufbahn. Für einen einfachen Matrosen eine Auszeichnung, aber auch eine große Herausforderung, denn er ist bereits Anfang Zwanzig, während viele Offiziersanwärter damals Jugendliche aus gutem Hause waren. Sicher, mit Norrington hat er einen starken Fürsprecher, aber er wird ziemlich hart arbeiten müssen, um die Anforderungen zu erfüllen. Umso besser, dass er sich nicht länger mit einer unerwiderten Liebe herum schlagen muss. ;-)

Das Lob gebe ich gerne zurück und ich gestehe freimütig, dass ich bei deiner Geschichte ebenso gelernt habe und immer noch dazu lerne. Der Realismus in deinen Liebsszenen zum Beispiel, der mich ziemlich beeindruckt. Für "Nimmerfahrt" wird es nicht passen, weil die ganze Atmosphäre ja doch eher kunstvoll und stilisiert ist, da passt die romantische Überhöhung, aber ich arbeite ja noch an anderen Projekten und da werde ich deine Darstellung beim Schreiben defintiv im Hinterkopf behalten. Und wissend, dass bei Annie und Amycus noch so viel kommen wird, was mich jubeln, fluchen und weinen lässt, bin ich fest entschlossen, den Beiden bis zum Ende beizustehen. (Natürlich auch Rookwood und Madam Pomfrey; ich kann's kaum abwarten, den Oneshot endlich zu lesen!)

Danke für dieses weitere wundervolle Review und die Ausführlichkeit, mit der du deine Eindrücke aufgeschrieben hast! Ich würde jedem Autoren auf dieser Seite eine Leserin wie dich wünschen.

Herzliche Grüße und bis ganz bald,
Bell
Lala (anonymer Benutzer)
28.08.2020 | 22:06 Uhr
Hallo Bell,
Zuerst einmal möchte ich mich für die Erwähnung in deinem Nachwort bedanken.
Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich gefreut habe zu erfahren, dass es eine Fortsetzung geben wird, denn dieses Ende hätte mich vor Neugierde ansonsten wahnsinnig gemacht. (Ja, ich bin kein großer Fan von offenen Enden.)
Gillettes Sorge um Norrington ist wirklich herzerwärmend. Ich hoffe er und der Rest der Besatzung werden auch noch in der Fortsetzung eine Rolle spielen, denn ich habe sie alle fest ins Herz geschlossen.
Über Nemo könnte ich mir wirklich die Haare raufen. Dieser Plan, alle ihre Existenz vergessen zu lassen, um sie zu schützen, mag am Anfang vielleich selbstlos und mutig erscheinen, aber unter genauerer Betrachtung, ist es einfach nur unglaublich sinnlos und dämlich. Norrington hat es treffend zusammengefasst. Ich bin der festen Überzeugung, dass Norrington und seine Mannschaft es mit Leichtigkeit mit Peter und den Piraten aufnehmen hätten können (besonders, wenn man die Austattung des Schiffes bedenkt.)
Obwohl...wenn ich die Existenz und Auswirkungen dieses Feenbanns bedenke. Danach waren alle total desorientiert und benommen, das heißt rein theoretisch könnte man das wunderbar als Kampfstrategie verwenden. Erstmal alle schwächen und dann kaltblütig ermorden...also vielleicht war Nemos Sorge doch berechtigt.
Aber dann diese Nachlässigkeit. Warum hat sie überhaupt das Buch so beschädigt? Wollte sie ein Andenken mitnehmen, oder wozu war das gut? Und falls das der Grund gewesen sein sollte, hätte sie dann nicht irgendetwas unauffälligeres mitnehmen können?
Wenigstens hat der gute Mister Connor dadurch eine Last weniger. (Sich in jemanden zu verlieben, der einen einfach eiskalt ignoriert, ist wirklich eine ziemlich verletzende Erfahrung, also gut, dass er sich daran nicht mehr erinnert.)
Norrington will sie also retten. Ich bin gespannt wie er das bewerkstelligen will. Schließlich hat er doch keine Ahnung wo genau sie sich befindet oder ob sie überhaupt noch lebt.
Ich kann es kaum erwarten, dass du die Fortsetzung hochlädst. Wird Norrington in dieser vielleicht selbst nach Nimmerland gelangen? Das könnte ich mir interessant vorstellen. Wahrscheinlich würde der arme dort auf Grund der surrealen Umstände die Krise kriegen.
Es war mir eine große Freude diese Fanfiktion zu lesen und wir werden uns ganz bestimmt in der Fortsetzung wieder lesen, denn ich werde es mir sicher nicht entgehen lassen, diese zu lesen und fleißig Reviews (kann mir eigentlich irgendwer sagen, warum diese dämliche Autokorrektur ständig "Rewiew" anstelle von "Review" schreiben will? Das Wort "Rewiew" existiert doch überhaupt nicht) zu hinterlassen.
P.S.: Ich weiß ich wiederhole mich, aber hast du "Das Lied der Krähen" schon gelesen? Ich würde wirklich gerne deine Meinung über das Buch wissen.
Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende und viel Inspiration beim Schreiben deiner wirklich tollen Fanfiktions.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 04.09.2020 | 19:55 Uhr
Liebe Lala,

zu danken habe ich, denn ich erachte regelmäßige und noch dazu ausführliche Reviews nicht als selbstverständlich. Zusammen mit Obsidiane hast du eine unglaubliche Zuverlässigkeit bewiesen, ich bin noch immer baff, wenn ich daran denke und ich hoffe – hoffe es wirklich! –, dass ich mich mit einer weiteren Geschichte bedanken kann, die an das qualitative Niveau von "Nimmerfahrt" vielleicht nicht ganz heranreicht, aber dich und auch die anderen Leser mehr als nur gut zu unterhalten vermag.

Es macht mich unfassbar glücklich, dass du die Besatzung ins Herz geschlossen hast. Ich kann dir versichern, du wirst bald wieder von ihnen lesen.

Ja, du hast recht, Nemos Aktion war gleichermaßen selbstlos wie dämlich (oder sagen wir eher: nicht sonderlich durchdacht). Norrington zu beschützen hatte oberste Priorität und die Angst vor Peters Rachsucht hat sie zweifellos daran gehindert, Vernunft über Gefühl zu stellen. Denn das ist der große Unterschied zwischen ihr und dem Commodore; er wägt ab, sie entscheidet aus dem Bauch heraus. In diesem Fall wäre es so wahnsinnig wichtig gewesen, Norringtons Urteil zu trauen, denn die 'Alexandria' war das überlegene Schiff und hätte Hooks Galeone locker versenkt. Aber Nemo hat in Hook keine Bedrohung gesehen, ihr Fokus lag allein auf Peter und allein die Vorstellung, der Junge könnte Norrington in Port Royal aufsuchen, hat ausgereicht, um sie von der Notwendigkeit eines Feenzaubers zu überzeugen. Das zeigt auch, wie sie ihren einstigen Freund sieht: Als einen übermächtigen Feind, gegen den nicht einmal ein erfahrener Offzier wie Norrington bestehen kann.

Was das Buch betrifft, sie wollte eine Erinnerung an ihn haben. Namen haben, wie du vielleicht gemerkt hast, in dieser Geschichte eine große Bedeutung, insofern war dieses kleine Stück Papier das wertvollste, was sie hätte mitnehmen können, um Norrington nicht zu vergessen. Und ich denke nicht, dass sie davon ausgegangen ist, ihm würde die beschädigte Seite sofort auffallen bzw. könnte er sofort entsprechende Rückschlüsse ziehen. Nehme ich ein Buch zur Hand, schlage ich nicht zwingend das Vorsatzpapier auf und überprüfe, ob mein Name noch drin steht. Und selbst wenn, es wäre auch möglich, dass die Seite aus anderen Gründen beschädigt wäre, immerhin schleppt er die Bücher von einem Schiff aufs andere, die haben also einiges auszuhalten. Obwohl ich absolut bei dir bin, dass Nemo die Wirkung ihrer Handlung (einmal mehr) unterschätzt hat. Und auch wenn ich das vielleicht nicht schreiben sollte, möchte ich dir trotzdem sagen, dass ich deine kritische Haltung zu ihr nach wie vor spannend finde, gerade weil du sie so völlig anders betrachtest und bewertest als ich.

Jap, Norrington steht vor einem Problem. Zugegeben, ich zittere ein bisschen, ob dir die Lösung, die ich gefunden habe, glaubhaft erscheint. Auf jeden Fall kann ich dir versprechen, dass im zweiten Teil wesentlich mehr passiert, allein schon, weil der Schauplatz wechselt.

Schreibst du die Reviews auf dem Handy? Bestimmt. Glaub mir, meine Autokorrektur steht mit mir auch auf Kriegsfuß. Es ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung, englische Sätze zu tippen oder umgangssprachlich zu schreiben. Und kaum hat man einmal nicht Kontrolle gelesen, bevor man die Nachricht abschickt, kann man sich drauf verlassen, dass die Autokorrektur noch rasch irgendein Wort verändert hat, sodass Käse herauskommt.

Es ist mir echt unangenehm, dass du schon wieder nachfragen musst! Denn inzwischen habe ich das Buch gelesen und eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, dir schon in meiner letzten Antwort dazu zu schreiben – und hab mich prompt verzettelt. Egal, du hast lange genug warten müssen und auch wenn ich echt Sorge habe, dass du mir meine Meinung übelnehmen könntest – gerade weil es dein LIeblingsbuch ist –, möchte ich ehrlich sein.
Zunächst einmal: Das Setting ist toll! Anfangs hatte ich noch befürchtet, man würde schwer reinfinden, gerade weil man als Leser ja doch ins kalte Wasser gestoßen wird, aber ehe ich es mir versah, steckte ich schon mittendrin in dieser komplexen und sehr gut durchdachten Welt. Mir gefallen die verschiedenen Magietypen, mir gefällt die düstere Steampunk-Romantik und die Konsequenz, mit der die Handlung ihre Leser voran treibt. Am Stil gibt es nichts auszusetzen, ich mochte die Beschreibungen der Orte, die facettenreichen Figuren und die Idee eines waghalsigen Gefängnisausbruchs. Und für die durchdachte Handlung mit all ihren Wendungen gebührt der Autorin aufrichtiges Lob.
Trotzdem wollte der Funke bei mir nicht überspringen und das lag ausschließlich am Protagonisten. Für mich das größte Problem dieser Geschichte. An und für sich habe ich einen Faible für schnieke Meisterdiebe, aber es wird schon schwieriger, wenn sie recht jung sind (á la Kaito Kid, da habe ich auch Probleme, den ernstzunehmen). Und Kaz ist nicht nur blutjung, er ist noch dazu allen anderen Figuren haushoch überlegen. Das reibt er jedem unter die Nase, wann immer es sich anbietet – auch dem Leser. Er ist so randvoll gefüllt mit Talent, Intelligenz und Immer-einen-Schritt-voraus-Taktik, das es mir persönlich schon in den ersten Kapiteln zu viel des Guten war. Mit zwölf Jahren die Bande übernommen – keine Jungendbande, es waren auch Erwachsene darunter –, die ganzen Geschäfte in seinem Hafensektor neu strukturiert und das natürlich absolut erfolgreich. Selbst erfahrene Geschäftsmänner, Grishas etc. unterliegen ihm zwangsläufig, nichts kann ihn wirklich überraschen und eine Niederlage gibt es sowieso nicht. Selbst wenn eine noch so unerwartete Wendung kommt, versichert uns das Buch an einer späteren Stelle, dass Kaz das vorausgesehen und entsprechend gehandelt hat, sprich, er geht schon wieder als Sieger hervor. Ich hatte echt zu kämpfen. Kaz fällt genau in die Kategorie Hauptcharakter, mit der ich einfach nicht zurechtkomme.

Dagegen mochte ich seine Bande sehr, auch deren Zusammenhalt. Inej hat mir als weiblicher Charakter wirklich gut gefallen, ihre Perspektive war mir die liebste, auch wenn ihre Vergangenheit schon recht arg war (aber damit steht sie nicht alleine da). Und ich war froh über Jesper, denn der war konstant humorvoll und zuverlässig, für mich sozusagen eine Konstante, an der ich mich neben Inej festhalten konnte.

Ich hoffe, dieses Urteil enttäuscht dich nicht allzu sehr und ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel. Aber ich wollte aufrichtig sein und unter'm Strich ist es ein gutes Buch, noch dazu im Fantasy-Bereich. Es ist mutig, nicht gerade moralisch solide Charaktere als Protagonisten zu wählen und ich ziehe meinen Hut vor Leigh Bardugo, dass sie dieses Wagnis eingegangen ist (und der Erfolg gibt ihr recht). Nebenbei, wie schön ist die Buchgestaltung? Ich bin hin und weg von dem schönen Cover, den schwarz gefärbten Seitenrändern und den Illustrationen.

Hab ein angenehmes Wochenende und fühl dich herzlich gegrüßt von deiner
Bell
Lala (anonymer Benutzer)
20.08.2020 | 18:35 Uhr
Hallo Bell,
Das mit deiner Urlaubsplanung tut mir leid, aber ich hoffe du hattest trotzdem eine schöne Zeit.
Das neue Kapitel war ziemlich...abstrakt und teilweise leicht verstörend.
Um ehrlich zu sein hatte ich nicht damit gerechnet ein ganzes Kapitel über einen wirklich schrägen Traum zu lesen. (Welche Droge haben sie Norrington während seiner Bewusstlosigkeit verabreicht?)
Nicht das ich es schlecht finde, es war nur so anders und unerwartet.
Ich glaube, dass ich noch eine weile darüber nachdenken muss, was genau die Bedeutung dieses Traumes ist. (Es ist beinahe so, als wäre ich im Deutschunterricht und hätte ein wirklich schwer zu interpretierendes Gedicht vor mir.)
Kurz gesagt es war interessant, aber dennoch würde ich mich freuen, wenn das nächste Kapitel wieder etwas "normaler" wäre.
Als Peter sagte: "Wir können sie nicht beide haben", musste ich sofort an die Szene der 2003 Verfilmung denken, in der er genau das selbe über Wendy zu ihrer schlafenden Mutter sagt. (Ich nehme mal an, dass du dich teilweise davon inspirieren hast lassen.)
Das war auch schon alles, was ich dazu zu sagen habe.
Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel und ich wünsche dir noch viel Spaß beim schreiben.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 28.08.2020 | 13:14 Uhr
Halli hallo, liebe Lala,

was soll ich sagen, diese Gefühle hervorzurufen war schon eine gewisse Absicht. Mir war schon beim Schreiben des Kapitels bewusst, wie abstrakt und, nun ja, verstörend dieser Fiebertraum ist und ich hab's irgendwie genossen, so etwas Schräges zu verfassen. Auch in Filmen mag ich solche abgedrehten Sequenzen, bei denen man als Zuschauer nicht weiß, in welcher "Parallelwelt" (wie meine andere liebe Reviewerin es ausgedrückt hat) man nun eigentlich gestrandet ist. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt, als ich diese Geschichte schrieb, keine Veröffentlichung im Sinn und so stand ich, als ich wirklich begann, sie hier hochzuladen, vor der Frage, wie diese Szene auf einen anderen Leser wirken muss und ob ich mir wirklich einen Gefallen tue, wenn das Kapitel, so wie es ist, erscheint. Ich hätte es rauslassen können, das wäre kein allzu großes Problem gewesen, sofern ich das nachfolgende Kapitel etwas umgeschrieben hätte, aber letztlich ist diese Sequenz, so abgedreht sie erscheint, ein fester Bestandteil dieser Geschichte, den einzubringen ich von Anfang an geplant hatte. Ich kann dich aber beruhigen, fortan bewegen wir uns wieder in ruhigeren und vor allem auch realistischeren Fahrwassern. ;-)

Du liegst absolut richtig, das Zitat ist ein Verweis auf den Film aus dem Jahre 2003. Ich mochte diese kleine Szene sehr, auch, dass Peter das Fenster schließen wollte und betroffen war, als Wendys Eltern sich gegen dieses Vorhaben gewehrt haben. Es geht eben nicht immer alles nach seinem Trotzköpfchen, aber die Hilflosigkeit und kindliche Naivität, die in dieser Geste gesteckt hat, fand ich unglaublich rührend. Und der Satz "Wir können sie nicht beide haben" ist natürlich großartig, ich konnte gar nicht anders als Peter ähnliche Worte in den Mund zu legen, denn im Grunde befindet er sich mit Norrington hinsichtlich Nemo in einer ähnlichen Situation. Schon etwas besitzergreifend, der gute Junge.

Ich danke dir für dein Review! Nun ist auch diese Geschichte fast vorbei und dass du mich bis hierher begleitet hast, macht mich sehr glücklich. Lieben Dank und bis zum letzten Kapitel von "Nimmerfahrt"!
Herzliche Grüße,
Bell
20.08.2020 | 13:37 Uhr
Guten Tag, liebe Bell,

da ich meine Zeit sinnvoll nutzen möchte, schreibe ich dir schnell, ehe meine Kandidatin ins Bewerbungsgespräch geht.

Dieses Kapitel schließt nahtlos an die unglaublich dichte Atmosphäre an, und nach wie vor ist die Zusammenkunft von Elementen aus Peter Pan und Fluch der Karibik nicht nur unglaublich detailverliebt, sondern auch noch glaubwürdig, realistisch und handwerklich einwandfrei gemacht. Ich kommt mir zwar vor, als würde ich immer nur wieder dieselben Punkte auf meiner Liste abhaken, allerdings machst du immer wieder dasselbe richtig - also, deine Schuld ;)

Dieses Kapitel war allein durch seinen Inhalt natürlich eine große Abweichung von den anderen - es ist sehr abstrakt und schwer zu fassen, dennoch hast du alles sehr plastisch und anschaulich beschrieben, sodass man einerseits ein genaues Bild vor Augen hat, andererseits genug Interpretationsspielraum. So könnte ich dir zwar aufzeichnen, was ich da gelesen habe, allerdings würde sich meine Zeichnung wohl drastisch von der des nächsten Lesers unterscheiden.
Da dies genau der Erzählstil ist, den ich am liebsten mag, wollte ich es hier noch einmal loben: perfekt inkonkret, sozusagen.

In Begleitung mit dieser eiernden Musik hat dieser beschriebene Reigen etwas arg, arg verstörendes. Es ähnelt diesen dämonischen Jahrmärkten, wo die fröhliche Musik weiterläuft, während von gemalten Gesichtern die Farbe abblättert und bereits erste Schreie über den Platz gellen.
Es wirkt alles sehr surreal und dennoch so greifbar, dass man sich fragt, wo der Traum aufhört und wo die Wirklichkeit anfängt.
Allein, dass all diese lieben und dennoch fernen Charaktere anwesend sind, legt einen Fiebertraum nahe, allerdings ist alles bis ins kleinste Detail beschrieben. Dabei denke ich besonders an Details in der Kleidung der Charaktere, so wie die genauen Schilderungen ihrer Mimik und Bewegungen. Norrington greifen außerdem ganz reale Ängste, Zweifel und Verwirrung, und in sein langsamer Weg von Überforderung und Unbehagen bis zu nackter Panik ist packend geschildert.

Peter ist das Highlight dieses Kapitels. Endlich tritt er persönlich auf, und wow. Was für ein Auftritt. Allein seine Beschreibung sowie die Tatsache, dass alles in dieser merkwürdigen Parallelwelt (denn dass es alleine eine Phantasie ist, macht irgendwie auch keinen Sinn ... dafür wirkt alles viel zu plastisch; selbst wenn es nicht wahr sein kann.) auf ihn zu hören scheint.
Er ist ebenso verzogener, egozentrischer Bengel wie tyrannischer König, und diesen Widerspruch zu sehen, ist wirklich beunruhigend. Sein einziger Satz passt perfekt in diesen Widerspruch hinein: redet da ein eifersüchtiger Liebhaber, ein besitzergreifender Herrscher oder ein quengeliges Kind, das sein Spielzeug nicht hergeben will?

Sein Charakter wurde ja in seiner Abwesenheit aufgebaut - mit den schrecklichsten und schönsten Assoziationen, und dieser sein erster Auftritt hat geliefert.
Ich weiß nicht einmal, warum genau mir die Haare so sehr zu Berge stehen, wenn ich von ihm lese.
Aber huff ... ich würde ihm wirklich nie begegnen wollen. Schlimmer noch als Hook. Wirklich.

Dass Nemo Norrington aufzufangen scheint, ihm versichert, alles würde gut werden ... einerseits will ich ihr glauben, andererseits befürchte ich, dass es nur schlimm ausgehen kann, wenn die beiden gegen Pan antreten müssen.
Ich kann es kaum erwarten, weiterzulesen, und freue mich schon wahnsinnig auf das nächste Kapitel.

Wie immer: vielen herzlichen Dank fürs Schreiben und Teilen.
Liebste Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 28.08.2020 | 13:00 Uhr
Bon jour, meine Liebe,

puh, was bin ich froh, dass du dieses Kapitel positiv aufgenommen hast! Ehrlich gesagt empfinde ich es als das strittigste der gesamten Geschichte, gerade weil es so aus dem Rahmen fällt. Tatsächlich war dieser abgedrehte Traum von Anfang an Teil der Geschichte, allerdings hatte ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, das Kapitel für die Veröffentlichung auf dieser Seite zu streichen. Es ist, wie du richtig sagst, abstrakt und ohne die dazu passende Musik (die ich beim Schreiben auf Dauerschleife gestellt habe,) dürfte man als Leser einige Schwierigkeiten haben, sich die Abläufe vorzustellen. Tänze zu beschreiben ist immer sehr schwierig und auch wenn ich Tanzszenen außerordentlich liebe - sie stehen bei mir gleich hinter Wahnsinnsszenen -, hat mich diese vor eine echte Herausforderung gestellt. Gefühlt ist diese Traumsequenz etwas zu lang, aber ich habe das Kapitel inzwischen mehrmals gelesen und finde keine Stelle, die ich wirklich und wahrhaftig kürzen möchte, also habe ich für mich beschlossen, mit diesem Zweifel zu leben.

Deutungsmöglichkeiten gibt es einige und das war mir sehr wichtig. Dass der Eindruck entsteht, Norrington könnte durch den Feenbann in eine Art Parallelwelt geraten sein, freut mich sehr. Für mich mutet das Ganze irgendwie wie ein ungeheurer Drogentrip an, also eine Erfahrung, die ein Mann wie Norrington niemals durchleben wird. Insofern ist seine wachsende Beklemmung verständlich, auch, weil er die Geschehnisse vermeintlich bewusst erlebt.

Oh ja, Peter! Dieser Auftritt war mir wichtig; er ist eine Figur, die ich wahnsinnig gerne schreibe, obwohl (oder gerade weil) sie mich vor große Schwierigkeiten stellt. Von ihm habe ich ein klares Bild im Kopf, trotzdem fällt es mir schwer, ihn richtig zu greifen und seine Persönlichkeit so aufs Papier zu bringen, wie sie in meiner Vorstellung existiert. Es gibt nur wenige Figuren, die sich so mit mir streiten. Obendrein ist er eine Gratwanderung, ich hab den Eindruck, bei ihm kann Faszination beim Leser schnell in "Gott, was für ein nerviges Kind!" kippen und da ich bei der Lektüre von Barries Roman ja ähnliche Gefühle hatte, bin ich entsprechend vorsichtig. Aber dir hat sein Auftritt anscheinend gefallen, das freut mich; auch, weil ich genau dieses düsteren, unheimlichen Eindruck vermitteln wollte. Wo immer Peter auftaucht, erhebt er sich automatisch und souverän über alle anderen. Selbst in einem Traum, der ihm nicht gehört, übernimmt er die Kontrolle.

Ich denke, bei einer direkten Konfrontation mit Peter würden Norrington und Nemo verlieren. Der Umgang mit diesem Jungen ist unglaublich schwer, zumal ihm mit vernünftigen Argumenten nicht beizukommen ist. Peter scheint mir da eher der archaische Typ zu sein: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und muss sterben." Er selbst hätte also keine Skrupel, auf die beiden loszugehen, vor allem auf Norrington. Der ist zwar ein guter Duellant, aber ob er fähig ist, ein Kind zu töten, steht auf einem anderen Blatt. Und Nemo, sie ist hin- und hergerissen, allein das nimmerländische Blut in ihr dürfte sie davon abhalten, Peter umzubringen und es dürfte sie ihre ganze Willenskraft kosten, sich über diese natürliche Grenze hinwegzusetzen. Ob sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt bereit wäre, so weit für Norrington zu gehen, wage ich nicht abzuschätzen. Sich selbst auf den Opferaltar zu legen ist etwas anderes, als eine andere Person zu opfern und zu Peter pflegt sie ja seit jeher eine sehr eigenwillige, enge und in gewissem Sinne auch vergiftete Beziehung.

Lieben Dank für deine Rückmeldung! Jetzt haben wir's fast geschafft, ich kann's noch immer nicht fassen, dass du mich wirklich den ganzen Weg über begleitet hast. <3
Ich hoffe, deine Kandidatin hat ihr Bewerbungsgespräch mit Erfolg absolviert. Ist sie so etwas wie deine Azubi oder eine Praktikantin? Vermutlich bin ich wieder zu neugierig, aber du scheinst ein recht interessantes Berufsleben zu haben.

Ganz liebe Grüße auch von dieser Stelle aus und nun wirklich: Einen guten Start ins Wochenende dir und auf ganz bald!
18.07.2020 | 12:59 Uhr
Hach, ein Review direkt zum aktuellen Kapitel. Dass ich das noch erleben darf ...

Guten Tag, liebe Bell,

nun kann ich endlich direkt meine Gedanken zum aktuellen Kapitel mit dir teilen! Ich freu mich.

Dass die Crew der Jolly Roger so nonchalant reagiert, gibt einem sofort ein mulmiges Gefühl, allerdings bietet es wieder mal eine sehr schöne Gelegenheit, die Alexandria und ihre Mannschaft als ein Zerrbild des anderen Schiffes und seiner Besatzung darzustellen. Dieses Mittel, das ja die letzten Kapitel häufiger Anwendung fand, wirkt allerdings nie überzogen oder verzweifelt. Es ergibt sich einfach sehr schön aus dem Fluss der Geschichte.

Was ich hier ebenfalls sehr poetisch finde, ist das Machtgefüge zwischen Hook, Nemo und Norrington. Norrington gleitet zusehends die Kontrolle über die Situation aus den Fingern, und Nemo hilft tatkräftig mit, indem sie immer wieder seine Beschlüsse untergräbt und ihr eigenes, kleines Süppchen kocht. So viele Kräfte und Interessen sind hier am Werk, dass wir wirklich nur zusehen können, wie alles zusehends schief läuft.
Man möchte sich wirklich pausenlos die Hand vor die Stirn schlagen, als man hört, dass Nemo fortläuft ...

Gleichzeitig aber wirkt Norrington ebenfalls verloren, denn hier sind Mächte zugange, die er nicht einmal ansatzweise begreift, und die Nemo und Hook sicher navigieren können. Über allem liegt einfach die üble Gewissheit, dass Nemo und Hook auf eine Weise verbunden sind, die Norrington nie wird erreichen können - und er wird Nemo nie so verstehen wie Hook.
Damit kommen wir auch direkt zum nächsten Negativspiegelbild, das sich vollkommen unaufdringlich anbietet: Hook, der Nemo kennt und versteht, hat nichts als Verachtung für sie übrig, während Norrington, dem sie ein Rätsel ist, sie aufrichtig liebt.

Die Abschiedszene der beiden ist unglaublich rührend, und Nemos Worte treffen zielsicher genau in all die Emotionen, die hier unter der Oberfläche schon brodeln. Norrington muss sich so verraten fühlen, auch wenn er weiß, dass sie ihr Bestes tut, um Gefahr und Schmerz abzuwenden. Dass sie jetzt seinen Vornamen sagt - besser hättest du es nicht einweben können.

Dieser Kapitel ist mit Abstand das Gemeinste, denn es wirft viel mehr Fragen auf, als es beantwortet. Du machst einem die Wartezeit wirklich nicht einfach.

Liebste Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 22.07.2020 | 13:05 Uhr
Liebe Obsidiane,

wie ein Kind an Weihnachten hab ich gestrahlt als ich dein Review gesehen habe - und deine ersten Worte treffen den Nagel auf den Kopf, denn dasselbe habe ich auch gedacht! xD
Du hast allerdings ein straffes Tempo vorgelegt, um nun in Echtzeit bei den letzten Kapitel dabei zu sein, an dieser Szelle noch einmal großen Respekt und herzlichen Dank dafür, gerade weil es so gar nicht selbstverständlich ist.

Das stimmt, die beiden Besatzungen sind Kontrast pur, obwohl ich das gar nicht bewusst so angelegt hatte. Es ist teilweise der Funktionalität geschuldet, denn es passiert mit Hooks Erscheinen so viel zwischen den Hauptfiguren, dass es schlichtweg unmöglich gewesen wäre, auch noch detailliert auf das Verhalten beider Mannschaften einzugehen. Ich hasse es, wenn in Geschichten und Filmen gefühlt die Zeit aussetzt und man irgendwie so tut als würde die gesamte Umgebung reglos verharren, während die Protagonisten ein wichtiges Gespräch o.ä. führen, daher wollte ich nicht gänzlich beide Besatzungen ausblenden, musste aber Gründe für ihre Passivität suchen. Daher lag es nahe, die Mannschaft von Hook als einen etwas demotivierten Haufen einzuführen, der mit Hooks Zwang zur ausführlichen Selbstdarstellung eben bestens vertraut ist und sich entsprechend aufs Abwarten, halbherziges Zähnefletschen und Wetten abschließen beschränkt. Damit liefern sie Norringtons Mannschaft genügend Gründe zur Verwunderung und Irritation, sodass sie gar nicht anders können als abzuwarten und zu beobachten. Dennoch braucht es nur einen Befehl und sie stehen sofort Gewehr bei Fuß. Hier zeigt sich auch, wie unterschiedlich Norrington und Hook als Schifssführer agieren: Der eine hat seine Mannschaft fest im Griff, dem anderen ist es so ziemlich egal, was die hinter seinem Rücken treiben, solange sie ihm nicht durch irgendeine Dummheit dazwischen funken.

Ja, Nemo strapaziert in diesem Kapitel jeden Geduldsfaden. Schon beim Schreiben dachte ich "Mädel, komm mal klar...", beim Korrekturlesen habe ich dann erneut die Augen verdreht. So gut ihre Absichten sind - und hier geht es ihr ausschließlich darum, Norrington zu beschützen -, letztlich trägt sie durch ihr Handeln Schuld, dass die Konfrontation so aus dem Ruder läuft. Das hat ein bisschen was von Selbsterfüllender Prophezeiung und das macht es auch tragisch.
Mir gefällt der Satz, den du über Norringtons und Hooks Beziehung zu Nemo schreibst, wirklich, wirklich gut. Er fasst es perfekt zusammen, wobei ich bei Hook sagen würde, dass er Nemo nicht nur verachtet. Das Verhältnis der Beiden ist recht ambivalent und ich würde an dieser Stelle so gerne mehr dazu schreiben, kann es aber nicht, weil ich damit unweigerlich den Ausgang der Geschichte verrate. Vielleicht kann ich das später nachholen.

Als du in einem deiner früheren Reviews geschrieben hast, wie schön es wäre, wenn Nemo ihn einmal beim Vornamen nennt, musste ich mir so auf die Zunge beißen, um nichts auszuplaudern. Dieser Moment ist so wichtig und auch wenn es vielleicht etwas kitschig ist, wollte ich ihn unbedingt schreiben Es zeigt einfach, wie sich Nemos Einstellung zu Norrington verändert hat, von ihren Gefühle gar nicht zu reden.

Das Ende hat ein bisschen was von einem Cliffhanger, das stimmt schon. Aber er ist bei Weitem nicht so arg wie der beim Finsterhunde-Finale. ;-)
Vielen Dank für dein Review! Ich staune immer, wie gut du die Figuren analysierst und dazu noch so treffende wie mitunter auch poetische Worte findest.

Wir lesen uns ganz bald wieder, ob bei E&A oder deinem ersten Oneshot zu den Carrows!
Bis dahin alles Gute sowie eine angenehme Restwoche wünscht dir,

Bell
Lala (anonymer Benutzer)
17.07.2020 | 14:48 Uhr
Hallo Bell,
Ich danke dir für die Erklärung der "Treppen-szene". Ich glaube jetzt habe ich es verstanden. Ich habe ganz einfach übersehen, dass Norrington ebenfalls auf der Treppe stand.
Du hast mich keineswegs zugetextet. Von mir aus könnten deine Antworten auch 3 Seiten oder mehr umfassen und ich würde sie trotzdem mit großem Interesse lesen.
Ich bin froh, dass du nicht bei der ursprünglichen Version mit der "Emanzen Mary-Sue auf Rachefeldzug" geblieben bist, denn das wäre wirklich schrecklich gewesen. Es gibt fast nichts was ich mehr hasse als Mary-Sues und das schlimmste daran ist, dass es gar nicht so leicht ist, eine zu vermeiden. (Sowohl als Leser als auch als Autor).
Kommen wir zum neuem Kapitel:
Mister Thomson kann sich freuen. Er hat zwar keine Nixe gesehen, aber dafür eine waschechte Fee und diese hat dann auch noch seinen Vorgesetzten bewusstlos geschlagen. (Irgendwie eine lustige Vorstellung: Tinkerbell, die nicht mal die Größe einer "Polly Pocket" hat schlägt einen erwachsenen Mann nieder.)
Doch was genau haben Nemo und Hook jetzt vor? Wollen sie mit Hilfe von Feenstaub von dem Schiff nach Nimmerland fliegen?
Aber die weitaus wichtigere Frage ist: Was ist ein "Feenbann"?
Ganz ehrlich als Nemo dieses Wort rief war ich genauso verwirrt wie Dawson. Der einzige Gedanke in meinen Kopf war: "Wie bitte? Was will sie?"
Ich habe wirklich keine Ahnung, was das sein soll. Ich vermute mal auf Grund des Namens, dass es sich dabei um eine Art Zauber handelt, der von einer Fee ausgeführt wird. Aber was genau bewirkt dieser Zauber?
P.S.: Hast du schon damit begonnen "Das Lied der Krähen" zu lesen? Falls ja: Wie findest du es bis jetzt? Mir fällt gerade auf, dass das jetzt ziemlich so klingt, als würde ich dich dazu drängen wollen, es zu lesen, aber das ist natürlich nicht meine Absicht. Ich frage nur aus Neugierde.
Ich bin schon gespannt auf das nächste Kapitel und auf deine Antwort.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und viel Inspiration beim Schreiben.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 22.07.2020 | 12:35 Uhr
Halli hallo, liebe Lala,

schön, wieder von dir zu lesen! Und du bist echt zu lieb, dass du meine Bedenken bezüglich der langen Textwände auf eine so charmante Weise beruhigst. <3
Offen gestanden hatte ich gedacht, du würdest Nemo jetzt gerne den Kopf abreißen, weil ihr Verhalten in diesem Kapitel auch mich persönlich vor Herausforderungen stellt, aber sie scheint glimpflich davon gekommen zu sein. Und du hast Recht, die frühere Variante von ihr war ein wahres Grauen, wie es nur der Kopf einer Jugendlichen produzieren kann, die es nicht besser weiß. Vielleicht mag ich Nemo daher so gerne, sie ist vermutlich die Figur mit der größten Entwicklung, die ich in meinem Repertoire vorzuweisen habe. Und ich bin froh, dass ich sie nicht auf die Müllkippe jugendlicher Peinlichkeiten geworfen, sondern kontinuierlich an ihr gearbeitet und gefeilt habe.

Feen hat der gute Thomson vermutlich gar nicht auf dem Schirm gehabt, schade eigentlich, dass er Tinker Bell nur als Lichtkugel zu sehen bekommt und nicht in ihrer tatsächlichen Gestalt. Wäre sicherlich interessant zu erfahren, was dieser Anblick auslösen würde, obwohl ich glaube, dass der Mann viel zu eingeschossen auf seine Nixen ist, um sich für etwas anderes zu begeistern.
Was das Niederschlagen angeht, jap, eigentlich ist es schon etwas peinlich für Norrington, aber so eine Fee hat durchaus Kraft, insbesondere, wenn sie mit Magie nachhilft. Und zu seiner Verteidigung: Den Schlag hat er unmöglich vorhersehen können, das war ein gemeiner Überraschungsangriff. Hook, der sowas ja kennen dürfte, war sicherlich ganz froh, dass er diesmal nichts zu befürchten hatte.

Was ein Feenbann genau ist, klärt sich noch, keine Sorge. Ich musste übrigens breit grinsen als du geschrieben hast, du wärst ebenso verwirrt wie Dawson gewesen, denn genau das hatte ich gehofft. Der Leser sollte denken: "Was zur Hölle hab ich da eben gelesen?" und das scheint gelungen zu sein. Es war mir wichtig, dass der Leser in diesem Moment genau dasselbe erlebt wie die Matrosen.

Keine Sorge, du drängst mir die Geschichte nicht auf, ich finde es sogar schön, dass du nachfragst, weil es zeigt, dass du meine Einschätzung wirklich gerne hören würdest. Das Buch habe ich bisher nicht bekommen können, in der Bibliothek war es nicht vorhanden und wegen Corona und Kurzarbeit war ein Kauf erst einmal nicht drin, aber wenn alles gut geht, bekomme ich es im August in die Hände und werde dir dann ausführlich berichten. Ich hab's nämlich nicht vergessen, es steht gerade ganz oben auf meiner "Need to read"-Liste.

Danke für dein Review und die guten Wünsche! Bin sehr gespannt, was du zum nächsten Kapitel sagst, denn ich glaube (oder hoffe es jedenfalls), das, was da kommt, würde niemand erwarten.
Hab eine angenehme Woche, lass es dir gut gehen und genieße den Sommer!

Herzliche Grüße übersendet dir,
Bell
17.07.2020 | 11:53 Uhr
Hi
Ein wirklich schönes Kapitel.
Bin gespannt wie es weitergeht.
LG

Antwort von Bells Poetry am 17.07.2020 | 12:26 Uhr
Hallo Nessi00,

hast du meine Antwort auf dein Review gelesen und falls ja, verstehst du, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte? Ich freue mich, dass du auf diese Geschichte aufmerksam geworden bist, (sofern du sie mit echtem Interesse liest,) aber möchte keine Reviews dieser Art erhalten. Wenn du was Handfestes zum Inhalt sagen möchtest, sehr gerne, aber wenn du nur kommentierst, um den ersten Platz in der Rangliste zu halten, bitte ich dich, meine Geschichten nicht mehr zu reviewen.

Also, keine derartigen Reviews mehr, zumindest nicht unter meinen Fanfictions.

Danke,
Bell
16.07.2020 | 09:27 Uhr
Liebste Bell,

nun habe ich endlich die Ehre und Freude, auch dein aktuellstes Kapitel reviewen zu können. Besonders wichtig ist mir das, weil sinnlose Spam-Reviews von Leuten, die nachweislich nicht lesen, sich zur Zeit immer weiter verbreiten, und leider auch dich erreicht haben.
So etwas hat niemand verdient, du aber am allerwenigsten.

Dass Nemo in diesem Kapitel erst einmal recht grob angegangen wird, ist ihr selbst zuzuschreiben - auch wenn sie von den Männern an Bord der Alexandria Unterstützung erfährt, so lehnt sie diese ab, wohl, um vor Hook nicht noch den letzten Rest ihrer Stärke und Selbstständigkeit und damit auch ihrer Würde und ihrer Angriffskraft in diesem Machtspiel zu verlieren. Dass Nemo leidet, nicht nur körperlich, ist wundervoll eingefangen, und dass Norringtons boshafte Schadenfreude ob seines verletzten Stolzes ihn davon abhält, ihr bereits jetzt beizustehen, macht die Situation umso ärger, ihn aber irgendwo doch wieder menschlich und nahbar.

Zudem offenbart Nemo Züge an ihr, die wir nicht kennen - bisher haben wir sie gemeinsam mit der Alexandria als rätselhaft, wankelmütig und bisweilen exzentrisch, aber immer hals harm- und arglos erlebt. Sie war keine Gefahr, was Thomsons Nixentheorie um so lachhafter wirken ließ. Nun aber muss man sich fragen, ob ihre magische Abstammung auch Auswirkungen haben könnte, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere gefährlich sein könnten ...

Dass Norrington außerdem immer wieder spöttisch als Nemos Beschützer, ihr Wachhund oder ihr Held bezeichnet wird, gibt all dem, was wir in den vergangenen Kapiteln erlebt haben, einen schalen Beigeschmack - denn er tritt tatsächlich als ihr Gönner, als ihr Ritter und ihr Beschützer auf. Hooks Spott trifft da, wo es wehtut. Seine guten Manieren lässt er an der Garderobe beim Eingang zurück, sobald es ihm nicht mehr in den Kram passt - ein weiterer Gegensatz zu Norrington, der seine Ehrbarkeit selbst dann nicht ablegen könnte, wenn er wollte und sollte.

Aber ja, Hooks Worte treffen - und Nemo rennt mitten hinein in sein Netz. Er ist ein großartiger Redner, und ein bösartiger Widersacher. Nemos verzweifelte Suche nach Antworten und Gewissheit, nach dem kleinsten Hinweis auf den Ausgang ihrer Nimmerfahrt, lässt sie unvorsichtigerweise direkt in die aufgestellten Fallen laufen.

Norringtons abschließende Szene ist unglaublich stark. Man bekommt Gänsehaut beim Lesen. Das ist Norrington, wie er hätte sein sollen im zweiten Film: befehlsgewohnt, selbstsicher bis hin zur Arroganz, aber jedoch stets kontrolliert und daher umso gefährlicher.

Wirklich grässlich, dass man wieder auf das nächste Kapitel warten muss ;) Aber gut, da bekomme ich wohl meine eigene Medizin zu schmecken, wenn ich meinen Lesern glauben darf.

Vielen Dank für dieses grandiose Kapitel.

Mit besten Grüßen,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 17.07.2020 | 11:31 Uhr
Halli hallo, liebe Obsidiane,

gleich vorweg ein Geständnis: Ich war sehr gespannt auf deine Einschätzung zu diesem Kapitel und bin gerade richtig, richtig froh, sie lesen zu dürfen. <3
Absolut richtig: Nemo wählt hier den Alleingang als Kampfmethode und fällt damit richtig auf die Nase – aber sie kämpft, anstatt wie sonst davon zu laufen. Klar, auf einem Schiff kann sie schlecht entfliehen, aber sie hätte sich natürlich hinter Norrington verschanzen und ihn machen lassen können. (Man stelle sich Hooks Gesichtsausdruck vor. Natürlich hatte ich mir das Was-wäre-wenn mal kurz vorgestellt, obwohl das nie eine echte Option war und musste dabei an diesen genialen Moment im Finale der ersten Staffel der "Sherlock"-Serie denken, wo Moriarty auf Sherlocks Frage, was wäre wenn er jetzt schießen würde, sinngemäß antwortet: "Dann würdest du einen Ausdruck der Verblüffung auf meinem Gesicht sehen" und diese Bemerkung mit entsprechender Miene unterstreicht. Meine liebste Folge der Serie, vielleicht auch die beste, denn was uns nach der zweiten Staffel vorgesetzt wurde ... egal, jedenfalls muss ich bei der Konfrontation zwischen Hook und Norrington immer an diese Szene denken. Könnte eins zu eins von Hook kommen.)

Was man bei Nemo in allen vorangegangenen Kapiteln gerne ausgeblendet hat, ist die Tatsache, dass sie als nimmerländisches Wesen eben jene Charakterzüge aufweist, die sie bei Peter benennt und beklagt. Während sie sich dessen völlig bewusst ist, ist man geneigt, bei ihren Beschreibungen von den "Zuständen", die ihre Gönnerin entsetzt haben, ausschließlich an den Anfall in der Kapitänskajüte zu denken, sprich, die melancholische Heimweh-Variante, wo sie zu einem jammernden Kind wird. Dass sie ebenso rachsüchtig und mörderisch sein kann, hat sich an manchen Stellen vage angedeutet, kommt hier aber zum ersten Mal wirklich zum Ausdruck. Eine Leserin schrieb, sie würde wie eine Psychopathin wirken, weil sie den Untergang eines ganzen Landes herbei wünscht, um Genugtuung für das an ihr begangene Unrecht zu erfahren. Ich hatte bisher nie die Gelegenheit, diese blutrünstige Facette von ihr wirklich zu beleuchten (aber ich arbeite daran), aber es ist gar nicht so abwegig, wenn man a) an ihre Herkunft denkt und b) sich Barries Bescheibung von Elfen ins Gedächtnis ruft: Kleine Körper, in denen nur Platz für jeweils ein Gefühl ist, was ihre starken Emotionen erklärt. Nemo ist wesentlich größer, aber auch sie neigt dazu, ins Extrem zu verfallen –leidenschaftlich weinend oder leidenschaftlich hassend. Sie steigert sich ebenso in ihr Heimweh hinein wie sie sich Norrington nahezu aufdrängt, indem sie ständig in seiner Nähe verweilt, wenn sie von Nimmerland spricht, dann nur mit starken Empfindungen. Natürlich gibt es dankbarerweise mehr als zwei oder drei Gefühle bei ihr, sonst wäre sie unausstehlich und Norrington hätte sie nie und nimmer faszinierend gefunden, dennoch ist diese starke Neigung zur Übertreibung fester Bestandteil ihres Charakters.
Lange Rede, kurzer Sinn, hier offenbart sich einen Moment lang der düstere Zug ihres Wesens und es war mir wichtig, ihn zu zeigen, auch auf die Gefahr hin, dass Nemo die Sympathie der Leser verliert.

Deine Einschätzung von Norringtons Auftritt am Schluss des Kapitels wärmt mir das Herz. Das ist einfach so ... ich finde keine Worte, es ist einfach ein wahnsinnig großes Kompliment, das mir viel bedeutet.

Oh ja, die Pille musste jetzt schlucken. xD
Ich erinnere mich gerne daran, wie ich nach dem Finale mit den Finsterhunden mit abgekauten Fingernägeln da saß und dachte: "Nein! St. John!" und du ganz nüchtern meintest, vorerst würden wir nichts über sein Schicksal erfahren. Das war mal ein gemeiner Cut! (Auch wenn diese wunderbare Szene zwischen Annie und Amycus mehr als tröstlich war; die hätte ich nicht missen wollen. Trotzdem war's nicht nett, die St-John-Fangemeinde so in der Luft hängen zu lassen.)

Heute geht es munter weiter bei Norringtons Nimmerfahrt, die nun endlich in die Zielgerade einbiegt. Bin mir nicht sicher, ob ich damit jemanden überraschen kann, denn letztlich nimmt das neunzehnte Kapitel den Ausgang bereits vorweg. Ich warte einfach mal ab.
Hab einen herzlichen Dank für dein Review und komm gut in dieses hoffentlich erholsame Wochenende!

Ganz liebe Grüße übersendet dir,
Bell
15.07.2020 | 12:34 Uhr
Hi
Bisher gefällt mir die Geschichte gut.
Bin gespannt wie es weitergeht.
LG

Antwort von Bells Poetry am 17.07.2020 | 10:55 Uhr
Hallo Nessi00,

danke für dein Review. Sofern du echtes Interesse an dieser Geschichte zeigst und echte Eindrücke schildern möchtest anstatt zwei Sätze anzubringen, die du stets unter das erste Kapitel jeder beliebigen Fanfiction kopierst, würde ich mich freuen, wieder von dir zu lesen. Falls nicht, unterlasse bitte zukünftig weitere Kommentare dieser Art zu meinen Geschichten.

Mit freundlichen Grüßen,
Bell
06.07.2020 | 15:03 Uhr
Uuund weiter ...

Gemeinsam mit Norrington möchte man sich wirklich eine Hand vor den Kopf schlagen. Nemos Impulsivität ist wirklich sehr charaktertypisch, und umso unangemessener in dieser Situation. Dass Dawson wieder einmal versagt hat, ist ein schönes, kleines Humorelement im Angesicht all des Dramas und der Ernsthaftigkeit, die hier von Statten geht. Allerdings ist mir eine Kleinigkeit aufgefallen: du verwendest hier wieder Zentimeter. " ... immerhin hatte er sich wirklich keinen Zentimeter von dem Platz fortbewegt, der ihm zugewiesen worden war."

Nemos Interaktionen mit Hook sind wiederum sehr schön umgesetzt. Im Gegensatz zu Norrington verbinden diese beiden nicht ihre Taten und ihre Einstellungen, sondern ihre Herkunft und ihr Wesen - man hat sofort das Gefühl, hier zwei vor sich zu haben, die einander besser kennen, als ihnen lieb ist. Hooks herablassende Freundlichkeit und Nemos verschreckte Reaktionen verleihen dem ganzen noch dazu einen sehr unangenehmen Beigeschmack.
Und als Norrington mit all seiner Autorität einschreitet, wechselt Hook plötzlich das Terrain zu dem, was ihn und Nemo verbindet, was Norrington so fremd ist und was uns Leser nach wie vor vor Rätsel stellt.

Die mysteriösen Elemente dieser Geschichte handhabst du ganz wunderbar, denn wir haben stets das Gefühl, keinen Schimmer zu haben und gleichzeitig doch zu wissen, wovon gesprochen wird. Heimweh, Fieber, nach jemandem zu rufen und jemanden zu hören sind alles Phrasen und Worte, die uns bekannt sind, und zu denen wir feste Bedeutungsbilder haben, doch in diesem deinem Kontext verleihst du ihnen eine weitere, magische, unzugängliche und verwirrende Bedeutung, die wir nicht greifen können. Selbst das, was uns nach und nach erklärt wird, bleibt weiterhin nebulös und abstrakt.

Norrington versucht noch, Nemo davon abzuhalten, in ihr verderben zu Rennen, doch sie dreht ihm den Rücken zu. Seine Vernunft ist nicht mehr genug für sie beide, nun, da Nemo die Verbindung zu ihrer Heimat so offensichtlich und lebendig vor sich hat. Es muss ihm wie ein furchtbarer Verrat vorkommen, denn im Grunde genommen ist es genau das. Sie hat ihm ihr Vertrauen und ihren Respekt geschenkt, nur, um ihn dann im entscheidenden Moment wieder zurück zu ziehen.

Dass Nimmerland und andere Elemente einer Kindergeschichte so brutal und unbarmherzig hier eingebaut werden, muss man wirklich loben. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass Peter Pan so gruselig und grausam klingen kann ...

Ich weiß, dass ich das am Ende fast jeden Kommentares erwähne, aber auch dieses Kapitel war toll. Es setzt die Spannung würdig fort und bringt vieles weiter, sodass man es kaum erwarten kann, weiter zu lesen.

Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 09.07.2020 | 21:11 Uhr
Hello again,

hätte ich mal die Wörtersuche in OpenOffice bemüht, danke dir für den Hinweis bezüglich des verflixten "Zentimeters"! Ich hab's geändert und bin beruhigt. Noch einmal sollte das Wort (hoffentlich) nicht auftauchen, aber ich bin froh, dass du aufpasst.

Ja, Nemo taucht auf und schon wird's gefährlich. Man muss sich da nichts vormachen, wäre sie in der Kajüte geblieben, hätte Norrington die Sache auf seine Weise gehändelt - mit Erfolg. Hook wäre entweder in Ketten gelegt worden oder mit seinem Schiff untergegangen, in jedem Fall hätte sich der Fall erledigt. Aber weil Nemo (wie du ganz richtig angemerkt hast) eben nicht so vernünftig ist wie der Commodore, treiben wir plötzlich zielgerichtet auf eine Eskalation zu. Dabei unterstelle ich ihr sogar, dass sie helfen möchte, weil ihre Sorge um Norrington aufrichtig ist, aber sie ist einfach viel zu unbeherrscht und kann Hook nicht so gut durchschauen wie sie behauptet.

Ich freue mich immer wie ein Kind an Weihnachten, wenn du meine Intentionen beim Schreiben so prägnant wiedergibst. Nimmerland schwebt seit Beginn der Geschichte als das große Unbekannte über allem und ist nicht nur für Nemo, sondern auch Hook letzlich entscheidender Motivator für ihr Handeln. Selbst Norrington gerät mit dieser Macht in Berührung, wenn auch nur durch Nemo. Da ich sehr konkrete Vorstellungen von Nimmerland und seinen Bewohnern habe, ging das Schreiben recht gut, aber mir ist aufgefallen, welche Gratwanderung diese düstere Version von Barries Kindertraum eigentlich ist. Inzwischen habe ich eigentlich alle Geschichten über Peter Pan hier auf dieser Seite gelesen (sind auch nicht allzu viele) und es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich Nimmerland überall dargestellt ist. Peters abgründige Facette ist anscheinend canon, vermutlich, weil das auch den Reiz der Figur ausmacht (und manche natürlich an den Peter aus "Once Upon a Time" denken, der ja recht gut ankam, weil älter und schnieke etc.), aber an Nimmerland scheiden sich die Geister. Schon interessant.

Dieses Kapitel und auch das nächste sind für mich übrigens diejenigen, in denen ich nicht nur Nemos, sondern auch Norringtons Verhalten für strittig erachte. Gut, bei Nemo wundert man sich nicht, sie hat hinlänglich bewiesen, dass sie unberechenbar und wankelmütig ist, gerade, wenn es um ihr gespaltenes Verhältnis zu ihrer Heimat geht, aber Norrington begeht hier meiner Meinung nach einen entscheidenden Fehler, indem er der Enttäuschung über Nemos undankbares Verhalten zu viel Raum gibt und Hook dadurch die Gelegenheit gibt, manipulativ auf Nemo einzuwirken. Ziemlich gefährlich und auch etwas nachlässig, aber leider auch menschlich. War schließlich nicht das erste Mal, dass eine Frau, die Norrington etwas bedeutet hat, "Verrat" begeht (vor allem an seinen Gefühlen).

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Gedanken mit mir zu teilen!
Wir lesen uns wohl ganz bald bei Annie und Amycus wieder, ich freue mich schon drauf!

Herzliche Grüße übersendet dir,
Bell
06.07.2020 | 14:38 Uhr
Guten Tag, liebe Bell,

nach wie vor bin ich noch redlich bemüht, endlich aufzuholen - vielleicht schaffe ich es ja heute endlich, dir auch zum aktuellen Kapitel meine Gedanken mitzuteilen ^^

Dass Hook die Bestie ist, die Nemo solche Angst macht und für die du wirklich die schönsten, schrecklichsten Worte gefunden hast, passt wunderbar. Gerade nach dem zweiten Film denkt man bei Monstern in Piratenfilmen stets an irgendwelche Meeresungeheuer mit sehr, sehr vielen Fangarmen, doch nach wie vor ist das grässlichste Untier der Welt der Mensch - noch dazu passt es herrlich mit dem zusammen, was wir von Norrington wissen, für den ja die Piraterie die Mutter aller Verbrechen und aller Unzulänglichkeiten des Menschen gilt.

Norrington und Hook als negative Spiegelbilder voneinaner darzustellen ist ein bärenstarkes, narratives Bild! Ich hatte es vor mir - beide Schiffe gleichauf, beide Männer auf dem erhöhten Achterdeck, beide stolze, befehlsgewohnte Erscheinungen; und dann Norrington mit seiner weißen Perücke, der weiß-blauen Offiziersjacke und dem Hut mit den weißen Federn, Hook in Blutrot und Schwarz.
Ganz ohne große Worte zu bemühen schafft das Assoziationen und spielt wundervoll mit den bereits etablierten und den erst noch vermuteten Gegensätzen beider Figuren.
Hooks Beschreibung ist zudem detailliert, prägnant und wieder einmal unglaublich authentisch - denn er wird bewertet aus der Sicht eines Zeitgenossen und eines Seefahrers; ich als Person hätte Hook vollkommen anders beschrieben, und auch Nemo oder gar jemand, der überhaupt nichts mit der damaligen Zeit oder der Seefahrt am Hut hatte, würde andere Worte finden. Bei deiner Beschreibung aber höre ich Norringtons Stimme.

Auch, dass Hook mit diesem dramatischen und lebensgefährlichen Auftritt sofort einen entsprechenden Eindruck hinterlässt, trägt weiterhin zu seiner Charakterisierung bei. Nemos Worte zu der "Bestie" waren ein schöner Einstieg, doch dass du diesem Einstieg auch noch Taten und konkrete Dinge folgen lässt, ist ganz großes Kino. Denn das ist ein Punkt, an dem viele etablierte Autoren kläglich versagen.
(Falls ich den Vergleich bemühen darf: Rowling bequemt sich, uns zu erzählen, dass Todesser furchtbare, furchtbare Leute sind - aber abgesehen von ein paar Flüchen (im Krieg! In Gefechten!) oder einer hässlichen Bemerkung hier und da machen sie einem eigentlich kaum Angst. Dein Hook dagegen wird als etwas Fruchterregendes vorbereitet, aufgebaut und sein letztendlicher Auftritt übertriff all das noch.)

Dass Norrington hier einmal mehr als starke Autoritätsperson auftritt, ist ebenfalls ein herrliches Schauspiel. Wieder sehe ich ihn alleine, hoch aufgerichtet und äußerlich vollkommen gefasst durch die Reihen seiner glotzenden Männer schreiten, die zu ihm aufschauen und sich von ihm Führung, Sicherheit und Zuversicht erhoffen - und es auch bekommen. Dass die Atmosphäre weiterhin angespannt bleibt und alle Zeichen auf Konfrontation und Gewalt stehen, lässt die Atmosphäre weiterhin dicht bleiben.

Hooks und Norringtons erste Worte sind ebenso perfekt wie der Rest ihres Verhaltens. Wo Hook extravagant, pathetisch und übertrieben jovial auftritt, bleibt Norrington sarkastisch, kühl und sachlich. Erneut sind die Gegensätze beider Männer meisterlich herausgearbeitet und gegeneinander aufgestellt, ohne dass du uns mit dümmlichen Erklärungen vollmüllst (in etwa "diese beiden waren so weit entfernt wie Feuer von Wasser" oder andere dröge Vergleiche und Umschreibungen).

Hooks Höflichkeit und sein Humor sitzen vor seinem wahren Gesicht als eine bizarre Maske, und ich saß beim Lesen wirklich mit den Fingerknöcheln im Mund da, weil ich jeden Moment darauf gewartet habe, dass er das falsche Lächeln ablegt und es gleich zur Eskalation kommt. Man fühlt sich schon körperlich unwohl, so genau wie du seine affektierten Manieren und seinen aalglatten Duktus beschreibst.
Norringtons eisernes Rückgrat muss hier wirklich, wirklich gelobt werden. Kaum einem anderen wäre es gelungen, Hook derartig gegenüberzutreten, und beide Männer scheinen auf die ihnen eigene Weise zu ringen und zu kämpfen. Es ist ein Spiel von Autorität und Machtlosigkeit, von Respekt und Verachtung, das unglaublich packend erzählt ist. Jeder weitere Hieb gegen die Würde des einen oder die Integrität des anderen folgt prompt, und dass die Situation nicht sofort eskaliert, sondern durch Nemos auftreten nur auf die nächste Stufe der Brenzligkeit gehoben wird, ist ein gebührender Abschluss für dieses Kapitel.

Für mich war es bisher zweifelsohne das packendste und spannendste dieser Geschichte. Ich habe es wirklich sehr gerne gelesen.

Liebe Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 09.07.2020 | 20:51 Uhr
N'Abend, meine Liebe,

da ich morgen nicht zum Schreiben kommen werde, habe ich zur Abwechslung mal heute Abend vorbei geschaut und freue mich wirklich sehr, wieder von dir zu lesen - lieben Dank auch für deine Antwort auf die Mail; ich bin froh, dass du meine Emotionalität so gelassen siehst! Dann muss ich keine Versprechen geben, die ich womöglich gar nicht einhalten könnte, gerade weil ich bei Annycus immer so mitfühle. Du gibst einem einfach eine Menge mit auf den Weg.

So wie der gute Hook, nur hat man von dem nichts Gutes zu erwarten. Nie. Ich muss sagen, Dustin Hoffman hat mich da wirklich geprägt und ich halte seine Darstellung bis heute unerreicht. Wann immer ich von Hook lese habe ich sein Bild vor Augen. Vermutlich der Grund, warum ich mit Barries Piratenkapitän so große Probleme habe, ihm fehlen einfach das Charisma, die Bedrohlichkeit, aber auch die Würde; es ist ein bisschen wie mit den Todessern bei Rowling - übrigens ein toller Vergleich! - es wird gesagt, wie furchtbar er ist, aber letztlich tut er kaum etwas Schreckliches. Gut, er entführt Tiger Lily und will sie ertränken, aber das Warum wird lediglich vom Erzähler erwähnt, Hook äußert sich dazu nicht und wird in der nächsten Szene auch sogleich von Peter der Lächerlichkeit preisgegeben. Gerade weil er Peter wirklich immer unterliegt, kommt er einem wie eine Witzfigur vor und nicht wie ein ernstzunehmender Antagonist. Mir war sehr wichtig, diesen Eindruck gar nicht erst entstehen zu lassen, daher machen mich die Worte, die du für diesen Hook findest, überglücklich.

Norrington und Hook sind natürlich Gegensätze, auch wenn ich das nur begrenzt ausgespielt habe. ("Wie Feuer und Wasser" ist gut, so wunderbar klischeehaft, das merke ich mir! xD) Ehrlicherweise hat der Pirat gerade auch einen großen Nachteil, denn während Norrington mit seiner 'Alexandria' auftrumpfen kann, schimmelt Hook der Kahn unterm Hintern weg. Daher blieb ihm vielleicht auch gar nichts anderes übrig als mit so einem Manöver für Eindruck zu sorgen. Ob er sich damit allerdings einen Gefallen erwiesen aht, ist die andere Frage, denn Norringtons Reaktion zeigt, dass er nun ganz Wachsamkeit und Argwohn ist. Hook muss also in die Offensive gehen, denn sein Gegner wird ihn nicht mehr unterschätzen.

Persönlich liebe ich diese Art von Hook; interessant, dass er ebenso herablassend ist wie Norrington, nur äußert sich dieser wenig angenehme Charakterzug anders. Wo Norrington mit Understatement arbeitet, erscheint Hook mutwillig aufgesetzt. Trotzdem besitzt er einen gewissen gesellschaftlichen Schliff, drückt sich wesentlich gebildeter aus als man es von einem Piraten kennt und legt großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Von letzterem Abgesehen erinnert er durchaus an Barbossa und ich hatte beim Entwurf von "Nimmerfahrt" sogar überlegt, beide Piratenkapitäne aufeinander treffen zu lassen. Ich glaube, ich habe dir schon einmal erzählt, dass dieses Crossover bei mir mit einem RPG angefangen hat und da hatten es Hook und Barbossa tatsächlich zu einer Allianz gebracht. Das war ziemlich spannend und ich glaube wirklich, es könnte funktionieren, solange keiner den anderen über den Tisch ziehen will.

Es freut mich ungemein, dass dieses Kapitel Spannung erzeugen konnte, obwohl letzlich gar nicht so viel passiert. Das ist ein großes Lob, danke! <3

Wir lesen uns gleich wieder, bis dahin liebe Grüße!
Lala (anonymer Benutzer)
03.07.2020 | 18:14 Uhr
Hallo Bell,
Deine letzte Antwort ließ mich in der Tat noch verwirrter zurück als ich es zuvor war, deshalb bin ich sehr gespannt auf deine Erklärung.
Doch kommen wir zum neuem Kapitel:
Kennst du dieses Gefühl, wenn man einen Antagonisten so gut geschrieben findet, dass man sich einfach auf jede Szene freut, in der dieser vorkommt? Nun eben dieses Gefühl habe ich bei deiner Darstellung von Hook. Er ist einfach so gerissen und die Art und Weise wie er auftritt und spricht ist wirklich genial.
Anders ist es mit Nemo. Ich muss zugeben, dass sie noch nie einer meiner lieblings Charaktere war, aber in den letzten Kapiteln hat sie zunehmend meine Sympathie verloren. Sie wirkt wie ein ziemlicher Psychopath. Ganz besonders in folgender Szene: "Ihr boshaftes Lächeln und das unheilvolle Funkeln in ihren Augen enthüllte einen Wesenszug, den sie bisher erfolgreich vor der Besatzung der ,Alexandria' verborgen hatte. Offenbar neigte auch sie zur Rachsucht und wähnte den Tag der Abrechnung gekommen. Ihr Feind hatte ihr bereitwillig Macht in die Hände gelegt; Sie könnte ein ganzes Land ausbluten lassen, wenn es ihr nur gelang, ihr Versteckspiel weiterhin aufrecht zu erhalten. Der Untergang ihrer Heimat erschien als angemessener Preis für das ihr zugefügte Leid, für all den Schmerz und Kummer, die ihr unglückliches Leben begleiteten. Sie war weder zur Versöhnung bereit noch konnte sie verzeihen. Vergeltung!, schrien ihr brennender Blick und ihre zuckenden Hände. Unwillkürlich fragte sich Norrington, ob sie auch seinen Tod fordern würde, sollte er sie jemals enttäuschen."
War es beabsichtigt, dass sie komplett wahnsinnig erscheint? Ich kann nachvollziehen, dass sie Rache will und ihre Abneigung gegenüber den Piraten ist auch verständlich, aber in Nimmerland leben auch noch viele andere Lebewesen und die können doch nicht alle so schrecklich zu ihr gewesen sein, dass ihr der "der Untergang ihrer Heimat" als angemessener Preis erscheint und sie das "ganze Land ausbluten lassen" will. Ich meine das ist doch ein wenig extrem (es erscheint mir allerdings des öfteren so als würde sie nichts außer Extreme kennen) und die Frage, die sich Norrington stellt ist angesichts dessen gar nicht so weit hergeholt. Das macht irgendwie, dass ich mir wünsche, dass Norrington und Nemo keine Beziehung eingehen, denn er hat etwas besseres verdient.
Die Szene als Norrington sein Schwert zieht und Hook bedroht fand ich wirklich spannend und ich möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Ich hoffe ich bin dir mit meiner Ansicht gegenüber Nemo nicht zu nahe getreten und ich wünsche dir ein schönes Wochenende und freue mich darauf wieder von dir zu lesen.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 04.07.2020 | 11:02 Uhr
Halli hallo, liebe Lala,

Schande über mich, dass mir so ein dummer Fehler passiert ist, daher bin ich froh, ihn jetzt korrigieren zu können. Ich hatte dir ja beim letzten Mal geschrieben, dass ich die Szene mehrmals überarbeitet habe und wie es eben so ist, habe ich mich (anstatt sofort nachzulesen, was das Gescheiteste gewesen wäre,) auf mein Gedächtnis verlassen á la "Na, ich werde doch wohl meine eigene Geschichte kennen!" und die Szene aus dem Kopf beschrieben. Mit dem Ergebnis, dass ich die erste Version geschildert habe. Zwei, drei Stunden, nachdem ich die Antwort abgeschickt hatte, kamen mir Zweifel und ich hab doch noch einmal nachgelesen, nur, um mich schrecklich zu schämen.

Also, hier die Korrektur: Norrington steht unten in der Nähe des Treppenaufgang bei seinen Offizieren, Nemo nutzt die Unaufmerksamkeit, um a) die Kajüte zu verlassen und b) sich hinter den Offizieren vorbei zu schleichen, um auf die Treppe zu treten. Als Norrington sich vor sie stellt, löst er sich also von Gillette und Groves und tritt auf die Treppe. Nemo schiebt ihn beiseite, er landet also ein, zwei Stufen Richtung Achterdeck, sie wiederum tritt Richtung Oberdeck, nähert sich also Gillette und Groves ohne die Treppe zu verlassen. Folglich kann Hook mit ihr sprechen und sie letztlich auch hinunter befördern (er muss sie dafür lediglich aus dem Gleichgewicht bringen und das ist leicht, da sie zwar mit einem Hieb rechnet, die Wucht aber unterschätzt). Norrington wiederum bleibt da, wo er ist (nämlich auf dem oberen Teil der Treppe) und beobachtet das Geschehen ohne Einzugreifen.
Ich hoffe, jetzt ist es klarer.

Was Nemo betrifft, störe ich mich überhaupt nicht an deiner Meinung, im Gegenteil, schon als ich ihren Charakter entworfen habe, war mir klar, dass sie eine durchaus streitwürdige Figur ist und folglich nicht allgemein beliebt. In B&F kann sie ihre nimmerländischen Züge wesentlich besser unterdrücken, was sicherlich der Gesellschaft von Jillian und Leila geschuldet ist, während sich ihre Flicht aus Nimmerland in dieser Geschichte generell wesentlich dramatischer ausnimmt und sie daher auch entsprechend prägt. Ohnehin ist ihr Wesen hier etwas düsterer und Hook schafft es, ihre schlechte Seite zum Vorschein zu bringen. Du hast Recht, ihr Rachedust ist extrem, wenn nicht sogar übertrieben, aber genau das macht ihre zweite Natur aus. Denk an Peter in B&F, der ebenso leidenschaftlich Rache schwört, als er merkt, dass Nemo ihm entgleitet. "Fluch der Karibik" ist ein Fantasy-Setting, in dem Aztekenflüche Menschen zu Untoten machen, mal eben eine Meeresgöttin erscheint und von Davy Jones Mannschaft will ich gar nicht erst anfangen. Da passen die etwas drastischeren Rachegelüste von Nemo ganz hervorragend hinein, allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass Denken und Handeln zwei verschiedene Dinge sind. (Du wirst lachen, aber in ihrer ursprünglichen Version kehrte Nemo tatsächlich nach Nimmerland zurück, um es zu zerstören. Sie war besessen von diesem Gedanken und ihr Verhalten Norrington gegenüber war von einer Art, die ich als Jugendliche anscheinend ganz reizvoll fand, mich bereits wenige Jahre später aber anwiderte. Du weißt schon, diese selbstherrlichen Frauenfiguren, wie man sie häufig in Mary-Sue-Fanfictions findet. Brr, schrecklich!)

Nemo hatte ja bereits zu Beginn der Geschichte schreckliche Angst vor der Begegnung mit Hook, insofern bedeutet der Umstand, ihm nun leibhaftig gegenüberzustehen, für sie eine schwere emptionale Erschütterung. Entsprechend schwankt sie zwischen ihrem menschlichen und nimmerländischen Wesen, wobei letzteres in stark aufwühlenden Momenten zuverlässig hervor bricht. Wie gesagt, Hook weiß, welche Knöpfe er bei ihr drücken muss. Also ja, dieser leicht wahnsinnige Zug war Absicht.
Ich kann dir aber versichern, dass ich beim Schreiben auch mit Nemos Verhalten gehadert habe, gerade weil sie so unvernünftig und Norrington gegenüber auch undankbar reagiert. Mir war klar, dass sie Sympathien einbüßen könnte, aber ihr Charakter ist nun einmal so, wie er ist und darum blieb mir nichts anderes übrig als dies in Kauf zu nehmen.

Es freut mich übrigens riesig, dass dir Hook gefällt, denn ich hatte so viel Spaß an seinem Auftritt. Dass du dich auf jede Szene mit ihm freust, ist ein großes Kompliment! Für manipulative Figuren habe ich generell was übrig und Hook und Nemo pflegen ohnehin eine recht eigenwillige, ambivalente Beziehung zueinander, die ich bisher nicht ausreichend beleuchten konnte (für dich vielleicht gar nicht so schlecht, da du ohnehin mit ihr haderst und dir derartige Szenen möglicherweise nicht gefallen könnten).

Norrington und Nemo, hach ja, da gibt es sicherlich einige strittige Punkte, die gegen eine Romanze sprechen. Nicht nur bei Nemo, auch Norringtons Frauenbild halte ich da für ungünstig, denn selbst wenn es etwas werden sollte mit ihnen, würde Nemo an der Rolle der braven Hausfrau, die sich zum Tee einladen lässt oder irgendwelche Zierdecken bestickt, während ihr Mann auf See verweilt, zerbrechen. Eine schwierige Beziehung, für die auf beiden Seiten Opfer gebracht werden müssten, damit sie funktioniert. Gerade darum reizt sie mich seit nunmehr über einem Jahrzehnt; selbst wenn ich mich manchmal monatelang mit anderen Figuren beschäftige, kehre ich letztlich immer wieder zu ihnen zurück. Wenn das keine Liebe ist! ;-)

Danke für deine ehrlichen Worte (das schätze ich sehr) und verzeih bitte, falls ich dich zugetextet habe. Momentan stecke ich wieder mittendrin in einer Norrington/Nemo-Phase, das macht mich leider sehr beredt.
Hab ein schönes Wochenende und komm gut in die neue Woche!

Herzliche Grüße,
Bell
03.07.2020 | 11:06 Uhr
Hey!

Oh Mann, ich bin immer wieder begeistert, wie gut du diese zwei Welten miteinander verschmelzen lassen kannst!

Das ist irgendwie ein fieser Cliffhanger, den du dort gemacht hast, ich will jetzt nämlich unbedingt wissen wie es weiter geht!!

Ich hoffe, du verlierst niemals niemals niemals deine Motivation und schreibst mit Freuden noch 100 andere FFs, denn du bereicherst diese Plattform enorm!

Mit freundlichen Grüßen! Und bleib gesund!

Antwort von Bells Poetry am 03.07.2020 | 11:52 Uhr
Liebe Jamie,

danke für dein aufmunterndes und vor allem bestärkendes Review!
Wenn man ehrlich ist, passt die Interpretation von Dustin Hofmanns Hook perfekt in die Piratenwelt von "Fluch der Karibik", daher ist es nicht mein Verdienst, dass er sich so wunderbar einfügt, aber ich habe großen Spaß, über ihn zu schreiben. Er ist eine bemerkenswerte Figur und weiß zu manipulieren. Wobei Nemo natürlich ein dankbares Opfer ist, denn er kennt sie gut und braucht daher nur den ein oder anderen Knopf zu drücken.

Freut mich, dass ich Spannung erzeugen konnte, immerhin befinden wir uns mitten im Finale und ich wäre echt betroffen, wenn du als Leserin die Stirn runzelst oder (noch schlimmer) mit den Schultern zuckst, weil dich das Ganze nicht mitnimmt.

Dein letzter Satz macht mich sprachlos, ich bin gerührt und danke dir sehr!

Hab einen angenehmen Freitag und komm gut in dieses hoffentlich sommerliche Wochenende.
Liebe Grüße übersendet dir,
Bell
29.06.2020 | 12:00 Uhr
Guten Morgen,

und munter weiter im Text ^^

Dieses Kapitel fühlt sich vom ersten Satz an hektisch und bedrohlich an. Ich weiß nicht einmal genau, warum; deine Sätze werden länger und komplexer statt wie so oft bei solchen Effekten kürzer und abrupter, aber Wortwahl, Tempo und Inhalt ziehen beachtlich an. Auch dass Norrington, den wir ja bisher immer vollkommen ruhig und besonnen erlebt haben, derartig hektisch wird, dass er "bellt" und Nemo durch die Gegend schubst, ist ein schlicht und ergreifender Beunruhigungsfaktor für den Leser.

Dass Theorien um ein Geisterschiff, zusammen mit allen taktisch-militärischen Überlegungen Norringtons auch noch vorgebracht werden, trägt weiter zur Verdichtung der bedrohlichen Atmosphäre bei. Die Beschreibungen des fremden Schiffes und die Unruhe an Bord der Alexandria sind wirklich toll eingefangen.

Außerdem bleibst du deinem detailverliebten, unverkenntbar authentischen und realistischen Stil treu und merkst Umstände wie die Seetauglichkeit oder die Beflaggung des Schiffes als valide Anhaltspunkte an, nach denen Norrington und seine Männer sich ein Bild des angreifenden Schiffes zu machen versuchen. Auch Norringtons Überlegungen, die sehr schnell sehr düstere Ausgänge annehmen, sind alles andere als hoffnungsvoll ...

Ein durch und durch nervenzerreißendes Kapitel, das handwerklich einwandfrei gemacht ist.
Wie so oft will man unbedingt weiterlesen.

Liebe Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 03.07.2020 | 11:25 Uhr
Hallöchen, liebe Obsidiane,

jap, Norrington ist nicht immer so beherrscht, wie er gerne wäre und gerade in solchen Situationen dürfte er äußerst angespannt sein. Mir war wichtig, das aufzuzeigen, damit nicht der Eindruck entsteht, er wäre über jede Gefahr erhaben. Ohnehin zeigt er in den nächsten Kapiteln auch den ein oder anderen weniger erfreulichen Charakterzug, kein Mensch ist vollkommen.

Da ich inzwischen wieder einen marinehistorischen Roman lese, (oder mich jedenfalls in unregelmäßigen Abständen von Kapitel zu Kapitel hangele,) musste ich wieder mal feststellen, wie unzureichend die ganzen Bescheibungen sind und ich hab an manchen Stellen in der Geschichte bereits kleine Korrekturen vorgenommen, wie die Ansprache der Matrosen mit Nachname plus "Du", was mir echt schwer gefallen ist, da sich das für mich irgendwie falsch anfühlt. Bei Connor und Thomson habe ich allerdings die Anrede so, wie sie ist, gelassen, auch wenn es historisch gesehen wohl ein faux pas wäre. Zu Thomson pflegt Norrington ja ohnehin ein eigentümliches Verhältnis, bei dem sich Wertschätzung und Verachtung irgendwie die Waage halten und bei Connor biege ich mir das mit einer Stellung als Maat zurecht, obwohl darüber kein Wort fällt. Die Freiheiten eines Schreiberlings. ;-)

Da ich mich schon als Jugendliche und später auch als Studentin mit Fachliteratur über Piraten und deren Geschichte auseinander gesetzt habe, wusste ich recht früh, dass das vermeintlich überraschende Auftauchen von Schiffen in der Realität so nicht funktioniert hat. Der Ausguck ist ja nicht umsonst ständig besetzt und Schiffe wurden bereits sehr früh gesichtet, sodass man mitunter einige Stunde Zeit hatte, sich auf die Begegnung vorzubereiten. Ist in Filmen und Geschichten natürlich nicht sonderlich spannend, aber ich konnte das hier in gewissem Sinne aufgreifen, denn zwischen Sichtung der "Jolly Roger" und dem Bemühen, ihr auszuweichen, liegt eine gewisse Zeitspanne, wenn auch keine zwei oder drei Stunden. (Ein weiterer Grund, warum der Nebel auftauchte.) Wenn man sich also vorstellt, dass die Männer an Bord der "Alexandria" gezwungen sind, etliche Minuten mitanzusehen, wie ein Schiff auf sie zuhält, dem sie kaum ausweichen können, verstärkt das meiner Meinung nach das Grauen der Szene. Ein Zusammenstoß hätte für den Großteil beider Besatzungen einen grausamen Tod bedeutet und die Entscheidung, vor der Norrington sich sieht, ist daher schon ein moralisches Dilemma. Ich kann nur wiederholen, dass ich kaum Ahnung von Seefahrt etc. habe, aber mir scheint, wenn ich mich einem Schiff auf Kollisionskurs gegenüber sehe, dessen Mannschaft nicht auf meine Warnzeichen hört, bin ich genötigt, es mittels Gewalt zum Einhalten zu zwingen. Jedenfalls waren das meine Überlegungen während des Schreibens und ich glaube, hätte Hook nicht beigedreht, hätte Norrington einen Feuerbefehl erteilt, um den Schaden für die eigene Mannschaft möglichst gering zu halten.

Tja, was für Gedanken einen manchmal umtreiben, gell?

Danke dir für dein Review und ganz liebe Grüße,
Bell
25.06.2020 | 17:15 Uhr
Guten Abend, liebe Bell,

da ich nach wie vor fest entschlossen bin, aufzuholen, und daher geht es munter weiter im Text.

Im Gegensatz zu der eher abstrakten und leidenschaftlichen Beschreibung des Kusses wirkt der Nebel umso nüchterner und realistischer. Abermals sehen wir wieder alltägliche Gefahren, Pflichten und Mühen einer Seereise des 17. Jahrhunderts vor sich, und so, wie du es in Worte fast, hat es wirklich eine beklemmende Atmosphäre. Gilette ist ein Charakter, der mehr in Nebensätzen oder zur Komik verwendet wird, doch es ist nie so, dass er stumpf oder unrealistisch erscheint.
Zum Beispiel würde ich sagen, dass der Leser im Anbetracht der bedrückenden Nebelwand eher mit Gilette als mit Norrington mitfühlt, der das alles doch recht abgebrüht hinnimmt. Ich weiß nicht einmal, wieso, aber schon beim ersten Lesen hat der Nebel mich sehr, sehr misstrauisch gemacht - vielleicht einfach, weil es schon viel zu lange viel zu gut lief, für deine Verhältnisse.

Allein schon, dass der Titel der Nimmerfahrt hier wieder aufgegriffen wird und die Alexandria tatsächlich kurz vorm Einlauf in den Heimathafen nahezu orientierungslos da steht, verleiht ein mulmiges Gefühl ...

Nun, jedenfalls ein Genuss zu lesen, dass du so etwas wie Nebelglocken und Navigation recherchiert hast. Man bekommt wie immer das Gefühl, mitten in einer authentischen Situation zu sein. Das bis jetzt erste und einzige, was mir da auffällt, ist, als Thomson anmerkt, Nemo würde sich "keinen Zentimeter weit" rühren. Zentimeter? War das damals wirklich eine gebräuchliche Maßeinheit?
Eine kurze Recherche hat ergeben, dass die Maßeinheit des Zentimeter als Teil des 1832 vorgeschlagenen CGS-Systemes von Gauss ist, welches wiederum 1874 von der British Association for the Advancement of Sciene eingeführt wurde.
Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich das schnell versucht habe, nachzuschlagen, aber es kam mir irgendwie so ... fehl am Platz vor? Vielleicht liege ich aber auch falsch, du wirst das bestimmt ja auch untersucht haben.

Dass Norrington zwanghaft schon nach Auswegen aus der Situation sucht und sich auch noch tatsächlich darauf hinausredet, Nemo trüge die Verantwortung für eine weitere Annäherung/das Gespräch darüber, scheint fast schon komisch. Norrington ist wirklich dermaßen verschreckt von Nähe und Zuneigung, dass Nemo diejenige ist, die einem leidtun muss. Aber auch Norrington hat es nicht leicht - als Mann seiner Zeit muss er sich Gedanken über die sozialen Implikationen einer Beziehung machen, und eine wildfremde, verrückte, ausländische Frau wird wohl kaum dazu beitragen, sein Ansehen in Port Royal zu steigern.
Seine Unsicherheit setzt sich sogar fort, als er Miss Nemo anspricht, und zumindest kurz in Erwägung zieht, sie könnte den gestrigen Kuss bereuen ...

Dass der Nebel und Nemos Verhaltensänderung die passenden Einleitungen für die Bestie darstellen, passt wunderbar - es ist sehr stimmungsvoll und wirkt zu keiner Zeit gestellt oder melodramatisch. Wieder einmal schaffst du es ganz ohne Cliffhanger, dass man es nicht erwarten kann, die nächste digitale Seite umzublättern ^^

Liebe Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 26.06.2020 | 13:34 Uhr
Aloha,

und auf zur letzten Runde für heute. An dieser Stelle wiederhole ich mich und sage dir noch einmal, wie beeindruckt ich bin, dass du in den letzten Tagen gleich vier ausführliche Reviews verfasst hast. Wow!

Mit der Nebelszene eingangs habe ich mich tatsächlich schwer getan; ich wusste, was ich beschreiben wollte, aber es fiel mehr schwer, die richtigen Worte zu finden. Es sollte nicht allzu aufgesetzt wirken, aber der Leser sollte sich dennoch fragen, ob dieser Nebel möglicherweise nicht ganz natürlichen Ursprungs ist. Und jetzt, wo du es sagst, fällt mir auch auf, dass er die eigentliche Stimmung der ganzen Geschichte nochmals aufgreift: Alles ist ein bisschen schwebend, orientierungslos und ungewiss.
Man könnte meinen, ich würde Gillette nicht mögen, weil er ja meistens doch eher ungeschickt dargestellt wird oder (wie du absolut richtig schreibst) Zwecken der Komik dient. Tatsächlich ist der eigentlich ein fähiger Mann, sonst wäre er nicht Norringtons Erster Offizier, darüber hinaus mag ich ihn sehr gerne – gerade weil ihm das, was er besonders gut machen möchte, meistens nicht gelingt. Er ist nicht so schrullig wie Thomson, aber er hat leichte Tendenzen in diese Richtung, darum nutze ich auch jede Gelegenheit, die sich bietet, um entsprechende Züge aus ihm herauszukitzeln. Und im Film ist er ja auch nicht ganz ernstzunehmen, auch wenn er sich wirklich viel Mühe gibt, ernsthaft zu erscheinen.

Danke für den Hinweis mit dem Zentimeter! Das ist auf jeden Fall ein faux pas und ich bin froh, dass dir aufgefallen ist, woran ich tatsächlich nicht gedacht habe. Hab es gleich geändert.

Norrington stellt sich hier eindeutig selbst ein Bein. Ich bin ja schon froh, dass er keine Reue spürt und auch von Nemos Seite her nicht wirklich mit Reue rechnet. Hatte beim Schreiben auch überlegt, ob ich den Satz stehen lassen oder doch lieber rausnehmen sollte, weil ich Sorge hatte, es könnte der Eindruck entstehen, er würde wie ein Teenager denken. Aber die Zweifel und der schwierige Umgang mit Gefühen bei ihm fordert eigentlich eine solche Überlegung, obwohl er natürlich weiß, dass sie beide alt genug sind und sie ihn willentlich geküsst hat. Daher hab ich's bei einem bösen Stimmchen belassen.
Weißt du, was ich mich seit Längerem frage? Ob Elizabeth ihn bei ihrer Heimkehr in Port Royal bzw. während der Verlobungszeit geküsst hat. Wäre ja an und für sich möglich und in einem Rahmen, in dem sogar Herr Commodore das zulassen würde. Und würde sie seine Nähe meiden oder Ausflüchte suchen, könnte ich mir vorstellen, dass es irgendwann auffallen würde. Wenn nicht Norrington, dann ihrem Vater. Natürlich gibt der Film keine Auskunft darüber und für mich persönlich habe ich da ohnehin eine Entscheidung getroffen, aber es ist dennoch ein interessantes Gedankenspiel.

Wir lesen uns in Kürze bei Annie und Amycus wieder. Ich freu mich schon riesig darauf!
Hab einen angenehmen Tag heute und einen schönen – nicht allzu heißen – Start ins Wochenende!
Herzliche Grüße,
Bell
24.06.2020 | 21:19 Uhr
Guten Abend, liebe Bell.

Nach Vorfreude kann man sich kaum davon abhalten, direkt weiterzulesen - zumindest ging es mir bis jetzt jedes Mal so, nur, dass ich letztes Mal nicht mit meinem Review fertig geworden bin und dann mittendrin abbrechen musste. Sehr ärgerlich.

Nun, aber direkt zum Kapitel. Der erste Kuss ist immer etwas besonderes, und ich hoffe wirklich, dass er bei mir einigermaßen erträglich ist - deiner hier gefällt mir aber ejdenfalls ausnehmend gut! Allerdings gehe ich auch überlicherweise der Reihe nach vor, da will ich heute nicht mit den Konventionen brechen.

Dass dieses Kapitel nahtlos an die intime, intensive Atmosphäre des vorherigen anknüoft, hast du wunderbar gestaltet. Dass Norrington all die Veränderungen an ihr registrert, und dass er sie abermals in den Rahmen einer wohlerzogenen, englischen Dame zu bringen versucht, ist sehr typisch für ihn; er kann einfach nicht anders, denn das ist seine Idealvorstellung einer Frau, und das ist das, was er bisher sein ganzes Leben zu begehren glaubte; und wohl auch tatsächlich begehrt.

Dass er Nemos Perspektiven in London derart realistisch sieht, ist nicht nur ein Eingedenk seines Pragmatismus, sondern auch seinem bevorzugten Kurs für sie. Dass Nemo allerdings wohl ähnliche Zweifel hat, scheint wirklich nur logisch; immerhin ist sie doch intelligent und weiß, wie es ihr damals ergangen ist. Zudem hat das Heimweh und die Hoffnung sie schon einmal in große Gefahr gebracht.
Allerdings wäre wohl wirklich nur Norrington fähig, über das gottverdammte Klima zu reden, wenn die Frau, in die er verliebt ist, sich nach seiner Heimat (und daher auch nach ihren Möglichkeiten dort) erkundigt. Und er redet doch tatsächlich von Port Royal, als wolle er für einen Touristenführer schreiben ... Allerdings sind wir da wieder bei seinem unglaublich anständigen Wesen. Er macht ihr nichts vor, er will sie nicht mit falschen Versprechungen locken - nicht einmal unbeabsichtigt, schon gar nicht willentlich.
Dein James Norrington wirkt so unglaublich sympathisch; da er seine doch sehr intensiven Gefühle stets zu verbergen versucht, seine Unsicherheit und seine Selbstsicherheit sich imemr wieder die Klinke in die Hand geben, und er schlicht und ergreifend versucht, ein guter Mann zu sein.

Und als er wieder einmal bereit ist, sie gehen zu lassen, um sie glücklich zu machen, da offenbart sie ihm, dass er es ist, der sie glücklich macht - das ist eine unglaublich schöne Wendung und eine furchtbar romantische Geste, wenn man sich vor Augen führt, wie genau dieselbe Haltung der Geduld, Zurückhaltung und des Verständnisses bei Elizabeth ausgegangen ist. Dass er davon vollkommen überwältigt ist, hast du ebenfalls wunderbar eingewoben.
Dass Nemo ausdrücklich sagt, dass sie, die so menschenscheu, ungesellig und unkonventionell ist, sich bei ihm wohlfühlt; dass sie seine Autorität und Sicherheit und all das schätzt, was James Norrington eben zu James Norrington macht, ist so undenkbar für ihn, dass er sich weiterhin einredet, es wäre nichts weiter als zweckmäßige Dankbarkeit - das ist wirklich schon tragisch und traurig, dass er sich selbst für so der Liebe unwürdig hält, die sie ihm entgegen bringt.
Dass er meint, eine Ritterrüstung würde er nicht stehen, und im nächsten Atemzug das ritterlichste, edelste und selbstloseste anfügt, was man sich denken könnte, ist so unglaublich Norrington, dass ich es gar nicht anders beschreiben kann: diese kurzen Momente vor dem Kuss sind so bezeichnend für all das, was wir bisher von diesen beiden Charakteren gelesen ahben. Es ist quasi die Quintessenz der beiden, die da endlich zusammenfindet.

Und endlich kann auch er nicht mehr wiederstehen.

Die Beschreibung des Kusses hat mir gefallen; sie geht weit über das Physische hinaus, gerade die Anklänge von Nimmerlang, die Nemo ihm da einflößt, verleihen alledem eine übernatürliche, ätherische Atmosphäre. Ich hätte mir fast schon ein bisschen mehr Realität, ein wenig mehr Velegenheit oder Körperlichkeit (im Sinne von Berührungen etc.) gewünscht, aber - und das ist das Aber, dass all die Kritik eigentlich nichtig macht: deine ganze Geschichte glänzt mit einem Realismus, der mitunter gnadenlos ist, und hier einmal aus dem gewohnten Muster auszubrechen und eben tatsächlich etwas abstrakt zu werden, verleiht dem Kuss eine weitere, wunderschöne Bedeutung.

Dass James ihr damit vollkommen verfallen ist, lässt außerdem mein Romantikerherz höher schlagen <3

Ich würde mir zudem wirklich wünschen, dass sie ihn eines Tages einmal James nennt ... denn ich bin vollkommen einig mit dem, was du zur Macht der Verwendung von Namen in der damaligen Gesellschaft und besonders in den Kreisen Norringtons geschrieben hast.

Ein wirklich schönes Kapitel, das den ersten Kuss der beiden wunderbar darstellt, untermalt, und platziert.

Liebste Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 26.06.2020 | 13:16 Uhr
Hello again,

ärger' dich nicht, vielmehr freue ich mich, dass du dich trotz eines engen Zeitfensters rangesetzt hast, um ein Review zu verfassen! Und weißt du, wie breit mein Grinsen wurde als ich den Hinweis auf deine Kusszene zwischen Annie und Amycus gelesen habe? Darf ich daraus schließen, dass du sie bereits geschrieben hast? Auf diesen Moment fiebern wir doch alle hin, zumal ich bei dir unglaublich gespannt auf das Wann, Wo und Wie bin. Kann da nämlich so gar nichts abschätzen, aber ich weiß, es wird eine wunderbare Szene werden.

Du hast Recht, Norrington hat eine feste Vorstellung von einer idealen Dame und an dieser hält er fest. Und wie vorhin schon erwähnt, passt Nemo da so gar nicht hinein, das ist das große Problem dabei und er hat noch immer keine Lösung zur Hand. Vorauszusetzen, dass ein Mann mit derart gefestigten Grundsätzen innerhalb von drei Wochen mit allem bricht, ist natürlich so unrealistisch wie Schnee im Hochsommer; so etwas braucht Zeit, viel Zeit und es setzt eine gründliche Auseinandersetzung mit sich selbst voraus. Da Nemo aufgrund der Gegebenheiten ständig in seiner Nähe ist, fehlt ihm die Distanz, um in Ruhe und frei von ihrem Einfluss nachzudenken. Daher auch diese ständige Unsicherheit und das Zweifeln.

Ich mag's ja, dass Norrington gleich den Reiseführer gibt bzw. sich in diese Rolle flüchtet, weil er den Gedanken, was ihr neuer Entschluss bedeuten könnte – ob seine Person ihn möglicherweise beeinflusst hat – auf diese Weise verdrängen kann. Gleichzeitig ist es einfach so Norrington, dass keine andere Antwort möglich war. Es ist bemerkenswert, dass ein derart erfolgreicher Marineoffizier, der immerhin die Piraterie und Schmugglerei in der Karibik zurückgedrängt hat (wird im ersten Film wenigstens gesagt, im zweiten und dritten Teil sieht man ja nix mehr davon), so unfähig ist, seinen eigenen Gefühlen auf den Grund zu gehen.

Hu, es macht mich unfassbar glücklich, dass dir der Unterschied zu Elizabeth aufgefallen ist! Genau das wollte ich zeigen: Mit dem Verhalten, dass Miss Swann verprellt hat, kann er Nemo für sich einnehmen. Natürlich sind die Gründe dafür bedenklich, aber es war für mich von Anfang an ein wichtiger Teil ihrer Beziehung. Ganz salopp gesagt: Nemo braucht jemanden, der sie mittels Vernunft und Nüchternheit erdet, Norrington wiederum benötigt etwas mehr Temperament und da er selbst keins besitzt, muss es auf anderen Weg in sein Leben gelangen. Wenn man vorher gezweifelt hat, merkt man in diesem Kapitel deutlich, dass jeder Schritt der Annährung von Nemo ausgeht. Norrington wäre nie im Traum eingefallen, diese Grenze zu überschreiten, sie dagegen tut es ohne groß nachzudenken, einfach, weil sie ihrem Gefühl folgt. Wären die beiden in einer fester Beziehung, wäre Nemo eindeutig (und fast ausschließlich) der aktive Part, selbst wenn man sie in eine andere, modernere Zeit setzen würde. Ich habe wenige Pärchen, wo dies der Fall ist, vielleicht ein weiterer Grund, warum ich immer wieder auf die Beiden zurückkomme und sie mich schon seit Jahren faszinieren.

Freut mich, dass dir der Kuss nicht kitschig vorkam, owbohl es da viel Geflirre und Glockengeläut gibt. Wann immer Nemo starke Emotionen beherrschen, meldet sich dieses Nimmerland-Gen oder was auch immer es ist. Persönlich mag ich das sehr, aber es ist natürlich Geschmackssache. Aber gerade weil Norrington so nüchtern und realistisch ist, kam es mir folgerichtig vor, die wenigen tieferen Gefühlsmomente in dieser Geschichte herauszuheben, quasi zu entrücken. Bei den Zweien kann ich auch wenig anderes, muss ich gestehen, irgendwas zwingt mich dazu. Allerdings glaube ich, würde Norrington sich mit ihrem ungezügelten nimmerländischen Wesen konfrontiert sehen, wäre er nicht nur heillos überfordert sondern auch reichlich verstört. xD

Aww, das hast du so schön geschrieben, dass ich gerührt bin. Da es ab dem nächsten Kapitel ja bergab geht, haben sie sich diesen intimen Moment mehr als verdient.

Ihn beim Vornamen zu nennen, ich male mir gerne aus, was das in und mit ihm anrichtet. Vermutlich würde es ihn einen erheblichen Schritt weiter bringen, was die vorhin erwähnte Entwicklung betrifft. Und es wäre wohl auch etwas, womit sie ihn später immer kriegen würde. (Sowas liebe ich bei Geschichten und Filmen ja sehr.)

Danke für diesen wunderbaren Kommentar, ich fühle mich gerade ganz beseelt!
22.06.2020 | 11:21 Uhr
Guten Tag, liebe Bell,

da ich noch aufzuholen gedenke, ehe diese Geschichte zu Ende ist, muss ich mich ranhalten ;)

Dieses Kapitel ist kaum kürzer als das vorherige, doch ihm haftet eine ganz andere Atmosphäre an: die Vorfreude der Mannschaft bringt den Fokus des Lesers wieder mehr auf das gesamte Schiff anstatt nur auf Norrington und Nemo. Unser Sichtfeld wird erweitert, unsere Perspektive korrigiert. Die Menschen an Bord freuen sich über die baldige Heimkehr, ihre Ausgelassenheit wird spürbar und wir fühlen uns wieder einmal als Teil der Besatzung, wenn du uns so mitnimmst durch die Messe, die Kajüten und über das Deck, wo wir einzelne, lieb gewonnene Charaktere kurz begleiten dürfen.

Dass wir aber direkt wieder zurückkehren und Nemo als Ankerpunkt für die getrübte Vorfreude dreier Männer nehmen, ist wieder einmal elegant gelöst. Dass die Männer ebenfalls in ihrer Wichtigkeit gestaffelt werden und wir von oberflächlicher, kaum ernstzunehmender Enttäuschung aufgrund der fehlerhaften Nixentheorie über Mister Connors hoffnungslose Liebe bis hin zu Norringtons Gefühlswelt kommen, die mittlerweile vollkommen Kopf steht, ist ein weiterer Kniff, den Fokus schön weiter einzuengen, bis wir in der Offizierskajüte stehen zusammen mit den beiden.

Wieder einmal muss ich deine konsequente Charakterisierung loben, denn Norrington freut sich nicht etwa über die Zeit alleine mit Nemo, er fühlt sich unwohl - sie löst nach wie vor Dinge in ihm aus, die ihm selbst nicht ganz geheuer sind; er fürchtet um sein Ansehen und um seine Selbstbeherrschung, und um sein Herz. Dass Nemo gezielt seine Nähe sucht und diese beinahe schon einfordert, indem sie klar macht, dass sie ihn nicht vertreiben wollte und er bitte sitzen bleiben möge, verunsichert ihn dermaßen, dass er beinahe schon panisch wirkt.
Dabei wissen wir alle ganz genau, was er für sie empfindet ...

Von wegen Vorfreude ;)

Wirklich toll gemacht mit dem Spannungsbogen, der seinen Höhepunkt genau zum Ende des Kapitels erreicht, ohne dass du mit abgedroschenen Klippen-Szenarien arbeiten musst.

Bis zum nächsten Kapitel,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 26.06.2020 | 12:42 Uhr
Moin,

bei deinem Tempo haste längst zum aktuellen Kapitel aufgeholt, bevor das nächste kommt. ;-)

Persönlich mag ich Nebencharaktere viel zu sehr, um sie nicht immer mal wieder ins Schlaglicht zu rücken, gerade Mister Thomson ist mir mit seiner Nixen-Obsession (die sich erst mit der aktiven Arbeit an dieser Geschichte geformt hat) richtig ans Herz gewachsen. Aber auch Wright, der Angst hatte, dass Nemo ein Huhn für irgendeinen Voodoo-Zauber getötet hätte, gehört zu meinen geheimen Favoriten. Es ist so schwer immer die richtige Dosis zu finden, damit man nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig schreibt. Das Figuren-Arsenal soll schließlich auch nicht Überhand nehmen.

Da ich mich dank deiner tollen Auseinandersetzung mit "Nimmerfahrt" selbst noch einmal gründlich mit den Figuren auseinander gesetzt habe, musste ich feststellen, dass Alan Connor vielleicht besser als Norrington geeignet wäre, Nemo in Port Royal Halt zu geben. Klar, der Herr Commodore würde ihr behilflich sein, eine Anstellung zu finden, aber ob er das Risiko wirklich eingehen würde, die Bekanntschaft so aufrecht zu erhalten wie sie auf der "Alexandria" begonnen hat? Da bin ich mir echt nicht sicher, bei Mister Connor dagegen habe ich keinen Zweifel, dass er Nemo gegen alle Widerstände und Vorurteile verteidigen würde. Er entspricht für mich mehr dem Bild eines Ritters, während Norrington im entscheidenden Moment möglicherweise zaudern würde. Ich glaube, da hat er tatsächlich noch Entwicklungsbedarf. (Interessanterweise ist das etwas, dass deine Annie ihm voraus hat. Du wirst lachen, aber ich habe sie beide tatsächlich mehr als einmal miteinander verglichen, gerade weil sie hinsichtlich ihrer eigenen Gefühle ja eher zurückhaltende Menschen sind, aber durchaus bereit, sich für andere aufzuopfern. Nur ist Annie bereit, für Amycus ihre eigenen Grenzen zu überschreiten, während Norrington zögert, ob er einen solchen Schritt wagen soll und was dies für Risiken birgt. Ich würde mir sehr wünschen, dass er Gelegenheit erhält, sich damit auseinander zu setzen bzw. gezwungen wird, es zu tun.)

Ich denke, bei Norrington spielt hinsichtlich seiner Überlegung, die Kajüte wieder zu verlassen natürlich wieder einmal gesellschaftliche Konvention eine Rolle. Zu später Stunde mit einer Frau allein in seiner Kajüte – nicht auszudenken, was das für Gerede gibt und was man über ihn denken könnte! Da ist er einfach mal ein richtiger langweiliger Spießer und in solchen Momenten kann ich Elizabeth dann irgendwie doch sehr gut verstehen.

Bis gleich! :-)
22.06.2020 | 10:19 Uhr
Guten Morgen,

dann hatte ich ja leider doch recht - zweiundzwanzig Kapitel sind geplant. Leider nur zweiundzwanzig. Immerhin hat sich meine eine Befürchtung nicht bewahrheitet, aber ich bezweifle auch, dass all das hier einen rein guten Ausgang haben wird.
So, nun aber genug zum aktuellen Geschehen, denn dazu komme ich später noch.

Dieses Kapitel fährt fort mit dem ernsten und dennoch sehr intimen Gespräch zwischen Nemo und Norrington. Dass die Leser nun endlich mehr über Nemos rätselhafte Krankheit erfährt, ist sowohl klug als auch elegant gelöst. Nicht nur bekommen wir endlich etwas konkretes, nein, es bleibt auch gleichzeitig rätselhaft und mysteriös genug, dass wir mehr erfahren wollen. Sowohl Nemos Heimweh als auch ihre Verbindung zu Peter bleiben nebulös, schwer zu fassen und dennoch hat man das Gefühl, ein ganzes Stück weitergekommen zu sein, was Nemos Hintergrund angeht.
Für Nemo hast du eine sehr weiche, unkonkrete und dennoch informative Stimme gewählt; sie steht wieder einmal vollkommen im Gegensatz zu Norrington, indem die Worte, die sie nutzt, häufig eine diffusere Bedeutung haben: ihre Anfälle sind Zeichen der dunklen Seite ihres Wesens, ihr Gebrechen ist das Heimweh, und Peter ein Freund aus Kindertagen - all das könnte jeweils auf vielfältige Weise interpretiert werden, und wir stehen bei ihr immer wieder vor neuen Fragen, während Norrington versucht, Klarheit zu schaffen und zu konkretisieren.

Die Gegensätze zwischen Nemo und Norrington sind so fließend harmonisch und dennoch unüberbrückbare Klüfte, und du setzt sie wirklich mit aller Konsequenz um; es ist nicht einfach nur ein netter Widerspruch auf dem Papier, sondern etwas, das deine Charaktere voll und ganz ausmacht, erfüllt, aus ihren Augen scheint und aus ihren Worten spricht.
Wenn ich für Annie und Amycus schriebe, hoffe ich immer, dass es genau so rüberkommt; denn wir haben hier in deiner Geschichte tatsächlich zwei Menschen, die grundverschieden sind, und sich dennoch (und deswegen) zueinander hingezogen fühlen. Mindere Autoren hätten wohl einfach nur einen kleinen Fetzen dessen genommen, ihre Charaktere daran aufgehängt wie kleine Duftbäumchen, und dann das Gefühl gehabt, sie hätten zu genüge charakterisiert. Bei dir allerdings hast du ein Gewächs gepflanzt auf gewissem Grund, und je weiter wir lesen, desto kräftiger und mit mehr Ästen wächst diese Pflanze heran.
Für Nemo etwas verschlungenes, sanft grünes mit Blüten in schönen, schrecklichen und unmöglichen Farben - Für Norrington etwas schlankes, gerades, hoch aufragendes mit wenig Laub aber umso mehr Widerstandskraft.

Dass Nemo und Peter mehr als nur dieselbe Heimat verbindet, scheint absolut sinnvoll, nach allem, was wir bereits erfahren haben. Dieses Gespräch, oder viel mehr ihr Verhalten während desselben deutet an, dass eine sehr enge Freundschaft oder sogar mehr diese beiden verbindet. Dass Norrington entsprechend wenig begeistert ist, passt wunderbar zu seiner bisherigen Zuneigung zu Nemo; ebenso wie der Umstand, dass er das Thema tatsächlich fallen lässt, nachdem sie klar macht, nicht darüber zu sprechen zu wünschen.

Peter generell ist bisher eine sehr fazinierende Figur in dieser Geschichte, auch wenn wir ihn noch gar nicht kennen gelernt haben. Durch das, was wir aus Nemos Munde von ihm erfahren, ist er ähnlich wie sie, und dennoch ganz anders. Wo Nemos Verbindung zu ihrer Heimat etwas Träumerisches, Sanftes und Wunderschönes anhaftet, so wird es bei ihm zusehends schrecklich, unheimlich und abartig.
Er tritt auf als Schreckgespenst, Tyrann und dennoch als Kind, launisch, unberechenbar und gefährlich. Brutal.
Dass er sein Temperament weder zügeln kann noch will, macht ihn zu einem wilden Tier, dem genau so viel Menschliches anhaftet, dass es unheimlich ist.

Dass auch Nemos Flucht von ihrer Heimatinsel beschrieben wird, und wir endlich erfahren, was es mit "ihr" und diesem Fass auf sich hat, rundet diesen ersten Teil der Geschichte schön ab, und da bereits weitere Elemente, die zu Beginn eingeführt wurden, sich nach und nach zu Ende bringen, drängt sich mir die Assoziation mit einem Muster aus ineinandergreifenden Ringen auf - ich bin mir nicht sicher, ob diese Struktur beabsichtigt war, jedenfalls wirkt sie auf mich sehr stimmig und elegant.

Dass Nemo nach alledem anbietet, sich fortan von Norrington fern zu halten, spricht für ihre Integrität - doch natürlich kann und will Norrington nicht einfach beiseitewischen, was ihn so anzieht; mir hat sehr gut gefallen, wie ihr Lächeln zum Schluss ihn trifft, und wir nach all diesem Schrecklichen und Unnatürlichen doch wieder zu der zarten Verbindung dieser beiden zurückkehren. Es hat fast schon etwas erdendes.
Dass Norrington ihr außerdem anbietet, in Port Royal zu bleiben und bei der Etablierung ihrer Existenz zu helfen, ist ein großer Schritt für ihn. Er ist nicht länger bereit, Port Royal zu erreichen und zu hoffen, dass sie vor ihm fliehen würde, so wie er vor Elizabeth geflohen ist - sondern er möchte ihr einen Ausweg und einen sicheren Heimathafen anbieten, in den sie zum Ende ihrer Nimmerfahrt einkehren kann. (Entschuldige den Pathos, ich konnte nicht anders.)
Es ist ein wirklich großer Schritt für ihn, wie gesagt, denn er nimmt hier weit größeren Anteil, als er müsste, und ihr seine Unterstützung zuzusichern bedeutet von einem Mann wie James Norrington unglaublich viel. Dass er damit außerdem seine Schuld der letzten Tage eingesteht, sie um Verzeihung bittet und zugleich die Hand für einen gemeinsamen, weiteren Weg reicht, ist nicht zu übersehen.

Dass er Nemo ihren Freiraum lässt und nicht in Richtung der einen oder anderen Entscheidung drängen möchte, muss man ihm ebenfalls zugutehalten. Nun, da er von Nemos Sehnsucht nach Freiheit gehört hat, und sie ihm so viel ihres rätselhaften Wesens dargelegt hat, ist nicht nur seine Zuneigung zu ihr noch einmal gewachsen, sondern er hat auch neuen Respekt für sie gefunden, wie es scheint.

Ein wirklich schönes und sehr, sehr wichtiges Kapitel, das Handwerklich in der obersten Liga mitspielt.

Auf bald,
und liebe Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 26.06.2020 | 12:20 Uhr
Liebe Obsidiane,

wow, ich bewundere deinen Fleiß und danke dir aus ganzem Herzen für die Zeit, die du dir regelmäßig für meine Geschichte und mich nimmst! Das ist so lieb, ich bin jedes Mal aufs Neue gerührt und weiß kaum, wie ich dir das danken kann.
Übrigens war ich beim letzten Mal unter Zeitdruck und hab daher vergessen, dir zu schreiben, wie sehr mich dieses Bild, das du von Norringtons Haltung während der Hühnerjagd gezeichnet hast, amüsiert hat! (Hab mich die ganze Woche geärgert, dass ich das nicht erwähnt habe in meiner Antwort.) Genauso würde er da stehen und seinen Männern zuschauen. Du hast es perfekt getroffen.

Tatsächlich hatte ich bei dem Kapitel Sorge, dass es zu monologlastig ist und es erleichtert mich, dass du es anscheinend nicht so empfunden hast. Peters und Nemos Beziehung ist eigenwillig und ziemlich ungesund. Aus ihrer Darstellung lässt sich das zumindest in Ansätzen erkennen, vor allem, weil ihr das tyrannische Wesen des Jungen inzwischen gut bekannt ist, weil sie dank ihrer Zeit in London und der damit einhergehenden Distanz zu Nimmerland begriffen hat, was in ihrer Heimat schief läuft. Trotzdem war mir wichtig, dass Peters Faszination bestehen bleibt, denn natürlich empfindet Nemo widersprüchlich für ihn. Sie liebt ihn gleichermaßen wie sie ihn fürchtet.

Mir gefällt dein Vergleich mit den Gewächsen unheimlich gut, ganz davon abgesehen, dass er herrlich poetisch ist! Und ja, genauso würden die Pflanzen wohl aussehen. Natürlich sind die Gegensätze bei den Beiden schon sehr stark und ich habe mich nicht umsonst lange davor gedrückt, eine Geschichte über die Beiden in der "Fluch der Kairibik"-Welt zu schreiben. In AUs kann ich bestimmte Schranken aufheben, aber die gesellschaftlichen Konventionen zu dieser Zeit (ausgehendes 18./ beginnendes 19. Jahrhundert, ich werde mich immer vor einer konkreten Einordnung drücken, ebenso, wie es der erste Film tut,) sind rigide und jemand wie Nemo hätte keine Chance in der höheren Gesellschaft. Darum ist Norrington zu diesem ständigen Kampf mit sich selbst verdammt; er hat ein ideales Bild vor sich, was eine Ehefrau betrifft und sieht sich mit einer Frau konfrontiert, die diesem nicht entspricht und ihn trotzdem anzieht. Das dürfte für seine Vernunft eine unmögliche Herausforderung sein. ;-)

Über allem schwebt so eine leichte Melancholie. Man wünscht den Beiden, dass sie zueinander finden, aber man weiß nicht so recht, wie das geschehen soll. Was sie gerade haben ist etwas sehr fragiles und sie wissen beide nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. Klar, Nemo hätte zustimmen können, in Port Royal zu bleiben, aber ihr Wunsch nach London zurückzukehren zeigt eben, dass sie noch sehr in ihrer Vergangenheit verhaftet ist. Sie wird hier eher von einem nostalgischen Gefühl beherrscht und weniger von einer möglichen Zuneigung zu Norrington. Ich glaube, dieses zögerliche umeinander schleichen gehört bei denen einfach dazu. Immerhin hat Nemo ja kurz vorher bewiesen, dass sie ziemlich entschlossen vorgehen kann, wenn sie etwas erreichen will. Ich glaube, sie hat hier noch nicht wirklich realisiert, was es bedeuten würde, in Port Royal zu leben. Das wird ihr erst klar als sie über dieses Gespräch nachgedacht hat und begreift, dass es eine Chance auf einen Neuanfang wäre.

Danke für deine ausführlichen – und vor allem tiefgründigen! – Gedanken. Es macht so viel Spaß zu lesen, wie du auch aus kleinen Gesten oder Worten die richtigen Bedeutungen herausliest. Das bestätigt mir, was mir auch beim Lesen von deiner Geschichte immer wieder auffällt: Welche Bedeutung Details haben und welchen Reichtum sie einer Erzählung schenken, wenn der Leser bereit ist, sich darauf einzulassen.

Bis gleich!
Lala (anonymer Benutzer)
20.06.2020 | 00:03 Uhr
Hallo Bell,
Natürlich gebe ich dieser Geschichte eine Chance, denn nur weil sie mir nicht ganz so gut gefällt wie deine andere Fanfiktion, heißt das noch lange nicht, dass sie schlecht ist. Alleine dein Schreibstil, die Art wie du Norrington darstellst und die Tatsache, dass du sogar jedem Nebencharakter seine eigene und wirklich menschliche Persönlichkeit gibst (das ist bei einer Fanfiktion wirklich nicht der Standard. Bei den meisten sind die Nebenfiguren so unwichtig, dass sie überhaupt keine nennenswerten Eigenschaften haben und man sie relativ schnell vergisst), machen diese Geschichte lesenswert.
Doch kommen wir zum neuem Kapitel:
Die armen Crewmitglieder müssen sich ja jetzt schon langsam fragen, ob Wahnsinn ansteckend ist. Immerhin hat aus deren Sicht gesehen nicht nur Nemo gewaltig einen an der Waffel, sondern auch Hook.
Nemos verhalten hätte mich, wenn ich dazu in der Lage wäre, in der Tat dazu veranlasst sie zu schütteln, da sie sich wirklich ziemlich undankbar verhält.
Eine Sache in diesem Kapitel ist mir sehr stark aufgefallen. Du musst wissen, dass ich mir immer alles recht bildlich vorstelle und so kam es, dass ich wegen der Orte an denen Nemo stand extrem verwirrt war. Ich zeige mal kurz auf, was ich meine: Zuerst steht sie am Aufgang zum Achterdeck(wie genau ist sie da eigentlich hin gekommen?), das bedeutet sie steht unten vor der Treppe, dann zieht sie sich zurück und zieht sich am Treppengeländer hinauf, während sie jede Bewegung der anderen Personen beobachtet, das heißt, dass sie die Treppe rückwärts hinauf geht, denn ansonsten könnte sie die anderen, die ebenfalls unten stehen, nicht im Blick haben (es sei denn sie dreht den Kopf, was aber komisch wäre, da sie sich ja bedroht fühlt und deshalb Hook wohl kaum den Rücken zudreht).
Anschließend ist sie so schockiert über Hooks Worte, dass sie sich auf Norrington stützt (wäre das Treppengeländer nicht die nähere und bessere Wahl gewesen?). Zu diesem Zeitpunkt steht Norrington aber immernoch unten, weshalb Nemo die Treppe also wieder runtergegangen sein muss, denn ansonsten könnte sie sich nicht wirklich stabil auf Norrington stützen. Norrington, der genau zwischen Nemo und Hook steht, wird nun von Nemo unsanft zur Seite gedrängt. Jetzt kommt der irritierende Punkt: Wieso ist das Treppengeländer zwischen Nemo und Hook? Sie steht doch gar nicht mehr auf der Treppe und nichts und niemand steht zwischen Hook und Nemo, da dort zuvor noch Norrington stand, der ja zur Seite geschoben wurde. (Ok, ich weiß das ist jetzt wirklich ziemlich pingelig, aber es macht für mich einfach keinen Sinn).
Ansonsten habe ich nicht viel mehr zu sagen und freue mich schon auf das nächste Kapitel.
P.S: Das kommt jetzt vielleicht ziemlich unerwartet, aber ich wollte dir schon seit längerem mein Lieblingsbuch empfehlen. Ich weiß selber nicht genau warum, aber irgendwie bin ich ziemlich neugierig, ob es dir gefallen würde. Also empfehle ich es dir einfach. Es heißt: "Das Lied der Krähen" von Leigh Bardugo.
Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende und noch viel Spaß beim Schreiben.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 26.06.2020 | 11:40 Uhr
Hallöchen, liebe Lala,

gleich vorweg, ich habe mir eben eine Rezension zu "Das Lied der Krähen" durchgelesen und werde ich nächster Zeit nach dem Buch Ausschau halten, denn es klingt ziemlich interessant. Daher lieben Dank für die Empfehlung! Sobald ich es gelesen habe, lasse ich es dich wissen. :-)

Und ich freue mich, deinen Eindruck zum neuen Kapitel zu lesen. Zugegeben, es ist das schwierigste Kapitel, was Nemo betrifft, weil sogar ich beim Schreiben das Gefühl hatte, sie würde viel verspielen, was sie dem Leser möglicherweise sympathisch gemacht hat. Ja, sie ist undankbar, keine Frage und ich finde ihr Verhalten Norrington gegenüber unmöglich. Letztlich tut sie sich keinen Gefallen damit, aber ich glaube, sie versucht hier mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einen Kampf zu verhindern. Sie weiß, dass Hook nur ihretwegen da ist und sie wünscht kein Blutvergießen. Übrigens etwas, das ich bei ihr bemerkenswert finde, denn Norrington hätte durchaus die Möglichkeit, die "Jolly Roger" (ohnehin arg angeschlagen) gen Meeresgrund zu schicken. Hier offenbart sich anscheinend einmal mehr, dass Nemo nicht viel von Schiffen versteht und sie darauf reduziert, dass sie diese nicht mag und sich auf ihnen unwohl fühlt. Hook nutzt das kaltblütig aus und schafft es, sie zu manipulieren. Wir werden sehen, wohin das führt.

Du wirst lachen, aber ich hatte mit der Treppe und ihrer Position auch meine Schwierigkeiten. Vielleicht ist es deswegen auch verwirrend, denn ich hatte da ein-zweimal Änderungen vorgenommen. Also, sie kommt auf Deck – das Wie ist bewusst nicht erklärt, aber da du B&F gelesen hast, weißt du ja, dass Nemo verschlossene Räume verlassen oder betreten kann, wenn sie denn wirklich möchte –, und zieht sich Richtung Achterdeck zurück, sprich, auf die Treppe, die hinauf führt. Vielleicht ist das in meiner Vorstellung auch falsch, aber Hook nähert sich ihr frontal, sprich, er steht zwischen ihr und dem Geländer, während Norrington am Treppenabsatz bleibt. Nemo hätte also links von sich zum Achterdeck hin freie Bahn, Norrington steht von ihr aus gesehen rechts und ist somit in Griffweite. Dass sie sich an ihm festhält und nicht am Geländer geschieht unbewusst – was Hook ihr offenbart, ist ein Schlag und es zieht sie als sie Halt sucht, zu Norrington. Ich hatte beim Schreiben die Szene aus dem ersten "Fluch der Karibik"-Film vor Augen, wo Elizabeth und Sparrow auf die "Dauntless" gebracht werden und man Norrington auf der Treppe sieht. Daran habe ich mich orientiert, auch wenn ich unsicher bin, ob es wirklich funktionieren würde, dass Hook sie über das Geländer hinweg gut zu greifen bekommt. Wahrscheinlich müsste die Treppe dafür etwas niedriger sein, aber die "Alexandria" ist kleiner als die "Dauntless", daher hab ich einfach beschlossen, dass es geht. ;-D

Danke dir für dein Review und die kritische Anmerkung!
Hab ein angenehmes sommerliches Wochenende und ganz liebe Grüße,
Bell
15.06.2020 | 18:55 Uhr
Guten Abend, liebe Bell,

nun kann ich mich endlich einem weiteren Review widmen ^^ Du erwähnst hier im Ankündigungstext, dass bereits Halbzeit ist - darf ich das so verstehen, dass die Geschichte zweiundzwanzig Kapitel haben wird? Das würde ja heißen, dass wir bereits mit großen Schritten auf das Ende zugehen. Und da bereits deine bisherige Erzählung sorgfältig getaktet und das Tempo gut abgestimmt war, würde das bedeuten, dass nicht mehr allzu viele, große Veränderungen stattfinden - auch wenn natürlich in fünf Kapiteln noch viel passieren kann - und da die Lage unserer beiden gerade wirklich nicht rosig aussieht, mache ich mir ernsthafte Sorgen ...

Aber der Reihe nach.
In diesem Kapitel lernen wir eine andere Seite von Nemo kennen - plötzlich kann sie wirklich penetrant, ja sogar nervig sein; zumindest, wenn wir Norrington Glauben schenken. Immerhin ist er ja mindestens genau so halsstarrig, wie er ihr vorwirft zu sein. Dass er außerdem Connor als Abstandshalter, Schranke und Sündenbock zugleich missbraucht ist zwar aus praktischer Sicht naheliegend, doch da Norrington um seine Gefühle für Nemo weiß, könnte man ihm hier durchaus auch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit zuschreiben. Immerhin merkt er deutlich, dass Connor wiederholt verletzt wird.

Die kurze Episode mit dem entkommenen Brathähnchen (die übrigens vor trockenem Humor nur so glänzt! - Wirklich, so, wie es geschrieben wird, sehe ich Norrington mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und hoch aufgerichtet aber reglos dastehen, während die halbe Mannschaft an ihm vorbei stürmt wie eine Herde Vieh, und nichts regt sich an ihm außer dass der Windzug kurz an der Offiziersjacke zupft, und sobald sie dann vorbei sind, setzt der Kommodore leidlich entnervt seinen Weg fort, als wäre nichts gewesen ... ) hatte ich zunächst für eine weitere unterhaltsame Anekdote vom täglichen Leben an Bord der Alexandria gehalten; dass jedoch diesmal mehr daraus wird und dass Nemo das Tohuwabohu nutzt, um Norrington ein weiteres Mal in die Enge zu treiben, hat mich ebenso unerwartet erwischt wie ihn.
Es passt einfach so elegant zusammen mit dem Huhn, dem Logbuch und dann steht da plötzlich Nemo.

Norringtons unglaublich stoische Ruhe wird nur übertroffen von seiner schneidend kalten Ablehnung, die er hinter guten Manieren und einer betonten Geschäftsmäßigkeit versteckt. Mit einem Mal sehen wir auch an ihm einen Zug, den wir bisher nur selten gesehen haben - es wirkt fast wie Arroganz und Überheblichkeit, auch wenn wir die wahren Gründe für seine Ablehnung kennen.
Umso schöner ist es dagegen zu sehen, dass sie bloß seinen Namen aussprechen muss, um ihn in seinem Widerstand doch wieder zu brechen - denn sie hat ja tatsächlich diese unheimliche Macht über ihn, ob er das nun will oder nicht. Was sie davor rettet, boshaft oder übermäßig sexualisiert zu wirken, ist der Umstand, dass es ihr scheinbar nach wie vor unbewusst ist und dass sie es nicht in böswilliger Absicht ausnutzt.

Dass Norrington entsprechen kalt und abweisend bleibt, passt hervorragend zu ihm und verleiht der Beziehung der beiden wieder diese wunderbar realistische Dynamik. Wie so oft angemerkt: mindere Autoren würden wohl Norrington sofort zur Fußmatte degradieren oder anderweitig etablierte Charaktere und Verhaltensmuster bei der ersten Gelegenheit über Bord werfen. Wortwörtlich, in diesem Fall ...

Dass Nemo sich hier endlich voll und ganz öffnet, und das auch noch unter dem Vorsatz, sie wolle Norringtons Hass und seine Ablehnung ertragen, nachdem sie ihm einen Blick auf ihr wahres Wesen gewährt, sind zugleich herzerwärmend und schaurig. Die hier von Nemo umrissene Hintergrundgeschichte ist so faszinierend und facettenreich, dass man beinahe schon nach einer weiteren FF Ausschau halten will, in der all das erzählt wird - viel besser jedoch ist es, zu hören, wie Nemo hier versucht, nichts zu beschönigen oder auszulassen, und dennoch einen schnellen Überblick zu bieten.
Man hat wirklich das Gefühl, sie bemüht sich um eine korrekte, umfangreiche und effektive Kommunikation mit Norrington.
Dass sie auch andeutet, sich um Gesellschaftstauglichkeit bemüht zu haben, was er mit Unglauben quittiert, lässt mich beinahe vermuten, dass er gerne einmal diese "entschärfte" Version von ihr zu Gesicht bekommen würde - und sei es nur, um sich zu vergewissern, dass diese Eigenschaften und seine Nemo tatsächlich zugleich auftreten können.

Norringtons Introspektion kommt etwas unerwartet, und hier sehen wir wieder die wahre Größe dieses Mannes (wirklich du hast ihn so idealistisch gestaltet, dass er schon unglaubwürdig wirken müsste, aber durch seine Schwächen und sein Innenleben ist er doch rund und authentisch): er reagiert mit Demut im Angesicht ihres schweren Lebensweges und ihrer ... nun, aus seiner Sicht müsste es eine geistige Krankheit sein, und er fasst für sich selbst den Beschluss, dass diese Absonderlichkeiten Nemo nicht weniger liebenswürdig (im Sinne von: der Liebe würdig) machen.
Sein Entschluss mag nobel sein, doch im Angesicht seiner Persönlichkeit und seines ganzen Wesens muss man sich fragen, ob es nicht vielleicht ein Entschluss ist, den er nicht erreichen kann.

Liebste Grüße,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 19.06.2020 | 11:18 Uhr
Einen schönen guten Morgen,

(ist zwar fast halb Elf, aber das mag gerade noch so angehen, zumindest bei meinem Berufsschlag); jap, diese Geschichte hat zweiundzwanzig Kapitel und wie du richtig vermutest, wird sich das Erzähltempo nicht ändern. Bei der Geschichte hatte ich mich schon zu Beginn für einen linearen Handlungsverlauf entschieden, der letztlich ohne große Überraschungen oder spektakuläre Effekte auskommen muss. Wenn wir ehrlich sind, passieren nur zwei einigermaßen aufregende Dinge: Nemo stürzt sich beinahe ins Meer (und zerrupft Kissen) und die 'Alexandria' kollidert beinahe mit einem schimmeligen Kahn. Wäre für Captain Jack Sparrow vermutlich nichts weiter als eine Vormittagsübung. ;-)

Du hast Recht, in diesem Kapitel zeigt Nemo ihre widerborstige Seite und Norrington ist erwartungsgemäß nicht gerade angetan, ringt sich jedoch dazu durch, ihrer Beharrlichkeit Respekt zu zollen. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch im Unterschied zum Beginn ihrer Bekanntschaft eine Veränderung auf: Während Norrington sie anfänglich zum Reden bringen wollte, ist er es nun, der die Vermeidungsstrategie anwendet, um sich einem Gespräch zu entziehen. Er geht dem Konflikt aus dem Weg, Nemo dagegen hat für sich eine Entscheidung bezüglich ihrer Beziehung getroffen und handelt entsprechend. Ich denke, mit Blick auf die späteren Kapitel dürfte klar sein, warum sie hier so energisch auf eine Unterredung besteht.

Und ja, Norrington hat diesen kaltschnäuzigen, mitunter herablassenden Zug auf jeden Fall und ich stehe ihm ebenso kritisch gegenüber wie du. Sofern er eine Person geringschätzt oder sich in eine Situation gedrängt fühlt, die ihm nicht behagt, wird er arrogant. Das sieht man im Film sehr gut bei seiner Begegnung mit Captain Sparrow, unmittelbar nach Elizabeths Rettung. Oder als Will ihn am Morgen nach dem Überfall angeht; da setzt er ihn kurzerhand vor mehreren Zeugen verbal herab. An anderer Stelle in deinem Review sprichst du's direkt an: Ich habe ihn ziemlich idealisiert, was Haltung, Führungsstil und Opferbereitschaft angeht, das gebe ich zu, aber diese offensichtlichen Mängel in seinem Charakter erden ihn glücklicherweise wieder. Vermutlich würde ich ihn sonst schwer erträglich finden.

Und ja, Nemo hat eine ihr nicht gänzlich bewusste Macht über ihn, allerdings beruht dies auf Gegenseitigkeit – was wiederum Norrington nicht bewusst ist. Andernfalls hätte sie kaum seine Nähe gesucht und würde jetzt, wo sie sozusagen überzeugt ist, dass diese Nähe ihr gut tut, nicht so verbissen für den Erhalt ihrer Bekanntschaft kämpfen.
Es gibt ja Menschen, die auf gewisse stärker Dinge wirken als andere und ich glaube, Norrington ist jemand, der (gerade weil er so auf Förmlichkeit und Haltung bedacht ist,) darauf anspringt, wenn sein Name von der Person ausgesprochen wird, für die er etwas empfindet. Damit orientiere ich mich auch ein wenig an der damaligen Zeit; man denke an Mister Rochester in "Jane Eyre", der konkret einfordert, ihn beim Vornamen zu nennen. Oder Ehepaare, die einander nur beim Nachnamen nennen oder sich sogar noch siezen. Es gibt eine Szene, die es nicht in den ersten Teil geschafft hat und die Norringtons Charakter noch einmal sehr gut aufzeigt. Du kennst sie möglicherweise; es ist der Moment, nachdem Elizabeth seinen Antrag angenommen hat. Er nimmt sie beiseite und gesteht, dass er ernste Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Zusage hat und fragt, ob es falsch ist, zu erwarten, dass sich ein Ja nicht an eine Bedingung knüpft. Elizabeth redet sich raus und schließt mit "You're a finde man, James", worauf er erleichtert und erfreut-verlegen reagiert. Klar, vielleicht rührt ihn das Kompliment, ich habe den Moment allerdings von Anfang an so gedeutet, dass er auf die Vertraulichkeit reagiert, immerhin spricht sie ihn hier zum ersten Mal mit seinem Vornamen an. Entsprechend habe ich das für meine Geschichte übernommen. Sicher, Nemo nennt ihn beim Nachnamen, aber den hat sie bisher auch eher selten in den Mund genommen. Hinzu kommt dieser leichte Akzent, den sie hat, das dürfte auf ihn entsprechend gewirkt haben.

Wäre Nemo nicht in Nimmerland aufgewachsen, sondern in der Gesellschaft und noch dazu unter richtiger Anleitung, wäre sie sicherlich eine hervorragende femme fatale geworden. Wobei ich denke, dass Norrington diesen ungezähmten Zug, den sie aufweist, ebenso kritisch wie reizvoll findet, wenn auch nur unterbewisst. Er hat 'nen Hang, sich Frauen auszusuchen, die eigentlich nicht dem entsprechen, was gesellschaftlich von ihnen erwartet wird. Elizabeth bringt ja immerhin noch ein Vermögen und gute Beziehungen mit, aber Nemo? Ich glaube, das könnte er selbst bei der größten Zuneigung nicht vollständig ausblenden.

Nemos positivste Eigenschaft ist ihre Aufrichtigkeit. Sie schweigt lieber, anstatt zu lügen. Sich derart offen zu äußern, mag rührend sein, auf der anderen Seite könnte der Schuss aber auch tüchtig nach hinten losgehen – womit sie sogar halb rechnet, denn sie geht davon aus, in Norringtons Meinung zu sinken, wenn er sie Wahrheit über sie erfährt. Gleichzeitig manövriert sie sich unbewusst ins Aus, denn mit dem, was sie hier preisgibt, zeigt sie Norrington eigentlich auf, warum sie beide keine Zukunft haben, weder in London noch in Port Royal. Die gesellschaftlichen Schranken erscheinen da letztlich doch unüberwindlich. Dass er sich zumindest dazu entschließt, es auf einen Bersuch ankommen zu lassen, ist löblich, aber ich denke, hier spielt durchaus auch etwas Scham mit hinein, denn natürlich vergleicht er sich unwillkürlich mit Nemos Förderin und festzustellen, dass er gleich bei der nächstgrößeren Hürde aufgeben wollte, während sie sich trotz aller Widrigkeiten eines Kindes ohne Herkunft und Status angenommen hat und entschlossen war, ihr Bestes für Nemo zu tun, hat ihn schon getroffen. Er war bereit, Nemo zu verurteilen, während ihre Ziehmutter verbissen gegen eben diese Vorurteile angekämpft hat.

Wieder einen großen Dank, dass du deine Gedanken mit mir geteilt hast! Dieses Kapitel und auch das nächste sind doch ziemlich monologlastig, daher freut es mich, dass es dich trotzdem unterhalten konnte.

Hab einen angenehmen Tag und ganz liebe Grüße übersendet dir,
Bell
Lala (anonymer Benutzer)
11.06.2020 | 14:19 Uhr
Hallo Bell,
Ich habe nun alle Kapitel, die bis jetzt hochgeladen wurden, gelesen und ich muss sagen, dass mir die Geschichte zwar gefällt, aber dass ich persönlich "Blood and Fairydust" ein wenig besser fand.
Ein Grund dafür ist, dass die Ereignisse in dieser Geschichte ein bisschen zu vorhersehbar sind. Ich meine in B&F gab es Mordfälle bei denen man sich fast die ganze Geschichte lang den Kopf darüber zerbrochen hat, wer sie begangen hat und warum. Es gab mehrere Antagonisten, welche alle verschiedene Ziele hatten. Nemos Vergngenheit war am Anfang auch ein Rätsel über das ich viel nachgedacht habe.
Und naja in dieser Fanfiktion ist Nemos Vorgeschichte fast genau die selbe wie in B&F (jedenfalls soweit wie man das bis jetzt erfahren hat), deshalb hat es mir die Spannung ein wenig weggenommen. Dazu kommt, dass ich die Entwicklung der Beziehung von Norrington und Nemo ein bisschen zu schnell fand. Ich meine sie kennen sich doch eigentlich gar nicht und sind trotzdem schon ineinander verliebt? (Zugegeben das war in B&F auch ein wenig schnell, aber hier passiert es ja noch schneller)
Bitte verstehe mich nicht falsch, es ist trotzdem eine gute Geschichte und vielleicht würde ich sie besser finden, wenn ich nicht zuvor schon B&F gelesen hätte, da die beiden Fanfiktions sich einfach in Bezug zur Vogeschichte zu sehr ähneln.
Etwas, was mir an dieser Fanfiktion sehr gefallen hat, sind die Nebencharaktere. Diese sind einfach wunderbar geschrieben und bereichern die Geschichte ungemein.
Auch die Art und Weise wie Norrington und Hook miteinander umgehen fand ich sehr ansprechend. Diese leicht sarkastische Schlagfertigkeit ist etwas wirklich unterhaltendes.
Wir lesen uns beim nächsten Kapitel wieder und ich wünsche dir noch viel Spaß beim Schreiben.
Liebe Grüße,
L.

Antwort von Bells Poetry am 11.06.2020 | 19:15 Uhr
Hello again,

danke für deine Offenheit und die ehrliche Einschätzung! Um ehrlich zu sein, dachte ich mir schon, dass diese Geschichte nicht ganz dein Fall sein wird, nicht allein, weil sich Nemos Hintergrundgeschichte nur leicht von der in B&F unterscheidet, sondern weil dieses Setting hier eben nicht mit den zahlreichen Möglichkeiten aufwartet, die Worthy Cross geboten hat. Von den Mordfällen gar nicht zu reden.
Tatsächlich ist der Verlauf von "Nimmerfahrt" bewusst eher lineal gehalten, sprich, es gibt keine großen Überraschungen und die soll es auch gar nicht geben, weil der Schwerpunkt auf den Figuren liegt. Nemo berichtet gleich zu Beginn, sie würde verfolgt werden, also ist klar, dass die "Bestie" früher oder später auftauchen wird. Im Grunde steht sogar das Ende der Geschichte bereits zu Beginn fest. Hinzu kommt, dass ein Schiff, noch dazu mitten auf dem Meer, kaum Abwechlung ermöglicht. Die täglichen Abläufe wiederholen sich, dieselben Menschen hocken wochenlang aufeinander, noch dazu auf engstem Raum. Daher habe ich mich hier weniger auf abwechslungsreiche Handlung konzentriert, sondern auf Charakterstudien. Das soll den Mangel an Spannung nicht entschuldigen, aber erklärt ihn vielleicht.

Die Anziehungskraft zwischen Norrington und Nemo ist von Anfang an vorhanden, das war in B&F schon so und wird es wohl in jeder anderen Geschichte, die ich zu den beiden schreiben würde, sein, weil sie das entscheidende Fundament ihrer Beziehung bildet. Gerade weil sie von ihren charakterlichen Anlagen her keine Frau ist, für die Norrington sich im normalen Leben entscheiden würde, muss es etwas geben, das seine Aufmerksamkeit auf sie lenkt. Und das ist eben jene, ihm unerklärliche Kraft, die ihn zu ihr zieht.
Was die rasche Verliebtheit angeht (die ich zumindest auf Seiten von Norrington mit einiger Vorsicht so nennen würde), so mag dies zwei Umständen geschuldet sein. Erstens der Mangel an Distanz, der auf dem Schiff vorherrscht und Norrington daher keine Möglichkeit bietet, Abstand zu suchen, sprich, es wird ihm beinahe unverschämt einfach gemacht, sich tagaus, tagein und beinahe jede Stunde mit ihr auseinander zu setzen. Sogar, wenn er das gar nicht möchte. Außerdem spielt diese Geschichte zu einer Zeit, in der ein gefälliges Äußeres und ein solides Vermögen ausreichten, um einen Antrag zu erhalten. Weder im 18. noch im 19. Jahrhundert war es üblich, den zukünftigen Partner über Wochen ausgiebig kennenzulernen, sondern der Kontakt beschränkte sich auf Bälle, kurze Besuche und gelegentliche Spaziergänge. Wen man geheiratet hatte, erfuhr man oftmals erst in den ersten Monaten der Ehe. Zum Zeitpunkt des ersten Kusses kennen sich Nemo und Norrington sechzehn oder siebzehn Tage. In Anbetracht der engen räumlichen Nähe und der Zeit, die sie miteinander verbringen, kommt mir das nicht allzu übereilt vor.
Was ich sagen möchte: Es mag dir schnell erscheinen, entspricht jedoch der damaligen Zeit. Zumal ich hier nicht von Liebe sprechen würde. (Was vielleicht auch auf die jeweilige Definition ankommt, denn Verliebtheit ist bei mir "Schmetterlinge im Bauch" und das Aufkommen des Wunsches, betreffende Person besser kennenzulernen, während "Liebe" tief empfundene Gefühle sind.) Norrington gewiss eine Zuneigung entwickelt, aber ob sie reichen würde, um Nemo gegenüber so aufzutreten wie zum Schluss von B&F wage ich zu bezweifeln. Bei Nemo sieht die Sache anders aus, ihr sitzt die Zeit im Nacken, darum wird sie versuchen, die Frist, die ihr bleibt, zu nutzen, um zu klären, was das zwischen ihr und dem Commodore ist.

Danke für das Kompliment bezüglich der Nebenfiguren, das freut mich riesig! Sie sollten keine Pappaufsteller sein, sondern Persönlichkeiten und dies ist anscheinend gelungen.
Und ja, für Hook habe ich eine kleine Schwäche, das merkt man vermutlich. Bei B&F konnte ich ihn nicht ganz so herausarbeiten, wie ich gerne wollte, das hat das Szenario nicht hergegeben, aber hier darf er das sein, was er ist: Ein ziemlich hinterlistiger Dreckskerl und obendrein noch Pirat. Für Norrington vermutlich die denkbar schlimmste Kombination. ;-)

Vermutlich wird dich die weitere Entwicklung der Geschichte ein wenig enttäuschen, trotzdem danke ich dir an dieser Stelle, dass du dennoch bei "Nimmerfahrt" dabei bist! Im Übrigen wprde ich's dir auch nicht übelnehmen, solltest du die nächsten Kapitel nicht weiter verfolgen. Geschichten sind schließlich Geschmackssache und wenn dir diese nicht zusagt, ist das vollkommen in Ordnung.

Liebe Grüße,
Bell
07.06.2020 | 08:35 Uhr
Guten Morgen,

da ich wieder ein wenig Zeit aus meinem Tag kratzen konnte, kommt hier ein weiteres Review (Ja, ich weiß, es ist ärgerlich, dass ich immer noch nicht aufgeholt habe und dem aktuellen Geschehen weit hinterher hinke, aber ich möchte wirklich versuchen, chronologisch zu reviewen - auch wenn ich natürlich das neue Kapitel sehr genossen habe. Und falls ich mir erlauben darf, zu sagen: HA! Wusste ich doch, wer da die Verantwortung für das Schiff auf Kollisionkurs hat ... )

Es ist eine schöne Abwechslung zu sehen, dass die Mannschaft selbst nach dieser krassen Episode mit Nemo so gelassen reagiert und Norrington weder Meuterei noch Mord und Totschlag an Bord der Alexandria fürchten muss. Du hast das richtige Gleichgewicht aus Aberglauben und Furcht sowie Bodenständigkeit und Gleichgültigkeit gefunden; denn es wäre einfach, die Mannschaft ins Lächerliche zu ziehen oder als die tumben, bösen Bauern darzustellen, die viel zu beschränkt und hysterisch sind, um das einzig Wahre, Gute und Richtige zu verstehen. (In diesen Prediger-Unsinn verfallen erschreckend viele Autoren, wenn es nur Schwarz und Weiß geben darf ... )
Mit Connor lernen wir zudem einen sympathischen, jungen Mann kennen, der sich Nemo annähert, und zwar mit Vorsicht, Fürsorge und Sorge, und das, ohne gruselig oder unangemessen zu wirken. Er scheint wirklich sein aufrichtig Bestes versucht haben, sie in SIcherheit zu halten und die Lage nicht eskalieren zu lassen. Seine Gewissensbisse und Befürchtungen spielen gut mit Norringtons abgeklärter Ruhe und Belas' tröstenden Theorien zusammen.
Ich habe übrigens Tränen gelacht, als ich Belas' Worte gelesen habe "Keine Frau ist perfekt; diese mag ein wenig geistesgestört sein, dafür hat sie keine faulen Zähne". (Übrigens eine sehr elegante Art, die Szene mit Connor zu beenden und zu dem vertrauteren Gespräch zwischen Schiffsarzt und Commodore überzugehen.)

Norringtons Gedanken zu Connors Verliebtheit sind genau so spitzfindig, scharfzüngig und ironisch wie stumm. Trotz seines Kalküls haben wir den Eindruck, er würde dennoch mit einem gewissen Unbehagen auf diese mögliche Verbindung sehen, und dass er beinahe reflexartig und wie zur eigenen Beruhigung all die Arten aufzählt, auf die Nemo ihr mangelndes Interesse bereits zeigt hat, scheint auch verdächtig ...

Norringtons Zweifel sind sogar so stark, dass er sie gegenüber Belas äußert.
Sehr ungewöhnlich für ihn, der doch den Teufel tun würde, seine wahren Gefühle in Worte zu fassen.

Belas wird die Wand, gegen die Norrington einen Ball wirft, der immer wieder zu ihm zurückprallt. Belas haftet hier eindeutig ein therapeutischer Zug an, denn ich erkenne eine Gesprächsmethode wieder, für die ich zur Zeit eine Fortbildung durchlaufe; diese Methode kommt aus der Suchtbehandlung und zielt darauf ab, dem Ratsuchenden die eigenständige Auseinandersetzung mit seinem Problem zu ermöglichen und ihn dabei zu unterstützen.
Ganz ähnlich hört Belas sich Norringtons Bedenken an, unterstützt seine praktischen Überlegungen und führt seine Gedanken weiter, sodass Norrington selbst die Konsequenzen aus seinen eigenen Worten ziehen kann - mögen sie ihm auch noch so wenig gefallen. Pollard setzt noch einen drauf und erinnert daran, dass all das hier lediglich ein Arrangement auf Zeit ist, und dass sowohl für Norrington als auch Connor die Zeit auf dem Schiff, in der Nemo allein durch die Situation in ihre Nähe gezwungen wird, bereits abläuft.

Das weitere Geplänkel mit dem Rest der Besatzung, das von schlechten Zähnen über eine persönliche Blutsfehde zwischen Arzt und Koch bis zu Schwarzer Magie reicht, ist dir wie immer herrlich gelungen und ein wahrer Genuss zu lesen. Dass berechtigte Zweifel an Nemos Geisteszustand aufkommen, ist nur realistisch, und die Männer haben alles Recht, zumindest zu fragen. Immerhin waren sie nicht wie wir in der ersten Reihe, um die Ausmaße und die Einschätzungen Belas' mitzubekommen.
Dadurch, dass du sehr effektive Dialoge setzt und mehr auf die Männer als auf die Tatsachen eingehst, die wir schon kennen, wird es auch nicht im geringsten langweilig.

Der folgende Part mit Norringtons Introspektion ist eine gelungene Abrundung. Wir haben bereits mitbekomen, wie stark seine Zweifel und Ängste sind, nun breitet er es nochmals vor uns aus: er ist hin und her gerissen. Einerseits sehnt er die Ankunft in Port Royal herbei, um vor seinen Gefühlen, seinen Problemen und damit auch Nemo wegzulaufen, andererseits wird allein durch seine Wortwahl deutlich, dass er es Connor durchaus missgönnen würde, sollte dieser tatsächlich Nemos habhaft werden. Gleichzeitig wurde er viel zu tief verletzt, um selbst die Initiative zu ergreifen und zu versuchen, Nemo für sich zu gewinnen. Zu Groß ist seine Frucht vor einer erneuten Blamage, ganz zu schweigen vor der Frucht der Zurückweisung.

So wunderbar das Gespräch der Seemänner zu Nixen und Wahnsinnigen auch in den Kontext passt, so hat es noch zusätzliche Funktionen. Bei mir weckt es tatsächlich Assoziationen, denn ist denn nicht Nemo eine Sirene, die so wunderschön und schrecklich singt, dass Norrington in Erwägung zieht, in sein eigenes Verderben zu rennen? Sie hat ja tatsächlich eine übernatürliche Anziehungskraft auf ihn, und vollkommen menschlich und irdisch ist ihr Wesen nicht.
Dass Norrington irgendwann den Schlussstrich zieht und die Diskussion beendet, passt gut zu ihm - einerseits hat er diesen Unsinn schon viel zu lange geduldet, andererseits könnte es ihn sogar kränken, dass niemand auch nur in Erwägung zieht, eine Verbindung zwischen ihm und Nemo wäre irgendwo denkbar. (Nicht, dass ich ihn für einen solchen Trottel halte, etwas derartiges hören zu WOLLEN, aber dennoch reicht es verdächtig nah an alte Wunden, und seine barsche Reaktion scheint meinen Verdacht noch zu untermauern.)

Dass er seine Verwirrung, Anspannung und seine gekränkten Gefühle sowie seinen angeknacksten Stolz an Nemo auslässt, ist menschlich vollkommen verständlich. Selbst er muss doch irgendwann an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen - und nicht nur hat er eine schlaflose Nacht, eigene Zweifel, Eifersucht und reißerische Gerüchte ertragen müssen, jetzt will Nemo auch noch weiterhin an seiner ausgezehrten Kraft zerren; auch wenn sie es nicht einmal beabsichtigt (was ihn natürlich nur noch mehr reizt.
Und Norrington ist so ein wunderbarer Mann, dass er sofort instinktiv weiß, dass er gerade diejenige bestraft hat, die am allerwenigsten etwas für dieses ganze Schlamassel kann.

Dieses Kapitel glänzt mit unglaublicher Charaktertiefe.

Bis hoffentlich bald,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 12.06.2020 | 10:14 Uhr
Moin, moin,

ärgerlich, von wegen! Deine Reviews bedeuten mir sehr viel und ich empfinde es vielmehr als Privileg, dass du jedes einzelne Kapitel besprechen möchtest und überhaupt wäre es ziemlich unverschämt, dir vorzuschreiben, zu welchem Kapitel du dich äußern sollst. Übrigens finde ich es echt toll, wie du dir neben einem kleinen Hund, der sicherlich viel Aufmerksamkeit möchte, einem Privatleben und einem zeitaufwändigen Job immer wieder ein bisschen Zeit frei schaufelst, um auf dieser Seite zu lesen und zu kommentieren. Ich glaube nicht, dass ich das konsequent so hinbekommen könnte, weil ich gerade in arbeitsintensiven Wochen dann doch irgendwann bei Netflix oder auf Youtube lande. Aber ich bin entschlossen, mir an dir ein Beispiel zu nehmen!

Ja, dieses Dramalama á la "Oh, die Frau ist böse und wenn der Commodore sie nicht über Bord wirft, meutern wir!" hätte ich niemals vor mir selbst verantworten können, zumal ich die Mannschaft für insgesamt recht vernünftig halte. Sie hatten auch genügend Zeit, sich an Nemo zu gewöhnen und ihr merkwürdiges Verhalten zu akzeptieren, daher war ihr Auftritt sicherlich ein großer Schrecken, aber sie waren letztlich schon darin übereingekommen, dass sie nicht alle Sinne beisammen hat. Noch dazu hat Norrington durch sein Einschreiten deeskalierend gewirkt und wenn der seinen Männern am nächsten Morgen sagt, dass die Sache unter Kontrolle ist, glauben sie ihm das. Hätte Nemo vor Ende der Fahrt einen weiteren Anfall vor den Augen aller Beteiligten erlitten, dann wäre Norringtons Glaubwürdigkeit wohl gefährdet – mal ganz davon abgesehen, dass er sie in einem solchen Fall wirklich ans Bett hätte fesseln lassen, weil alles andere grob fahrlässig gewesen wäre.

Es wäre zu einfach, Alan Connor als den typischen Rivalen zu präsentieren, der Grenzen überschreitet, um das zu bekommen, was er will. Zum einen hätte Nemo das sofort dem Commodore gemeldet, zum anderen hätte der vermutlich schon vorsorglich Maßnahmen ergriffen, um Connor nicht in die Nähe der Frau zu lassen. Nach mehreren Wochen auf engstem Raum kennt man seine Pappenheimer und es wäre für ihn ausgeschlossen gewesen, einen übergriffigen Mann unbeobachtet zu lassen.
Offen gestanden tut mir Connor wirklich leid, gerade weil er sich bemüht und Nemo ihm nichts, gar nichts zurückgibt. Es muss verletzend sein, sich für jemanden aufzureiben und dafür nur Gleichgültigkeit zu ernten. Zumal er objektiv betrachtet eine wesentlich passendere und zudem wahrscheinlichere Partie für sie wäre. Er würde sich um sie kümmern, ihr mit Nachsicht begegnen, an ihrem Bett wachen, wann immer es erforderlich ist und ihr ein einfaches, aber ruhiges Leben bieten, ohne dass sie Gerede oder Spott befürchten müsste. Norrington weiß das und auch wenn ihn zunächst die falschen Gründe dazu treiben, Connor in Nemos Nähe zu bringen, gibt er ihm damit dennoch eine Chance, sie für sich zu gewinnen. Was einmal mehr diesen selbstlosen Zug offenbart, der Teil seines Charakters ist, obwohl er natürlich Eifersucht verspürt, da bin ich absolut bei dir. Aber sind wir ehrlich: Bei seiner gesellschaftlichen Stellung würde ihn die Heirat einer Frau von dubioser Herkunft nicht nur sozial herabsetzen, sondern seine Person in Verruf bringen. Nemo erkennt das nicht – wie auch? Ihre Gönnerin hat ihr zu verstehen gegeben, dass sie mit der richtigen Erziehung durchaus gesellschaftsfähig ist. Sicherlich war sie bestrebt, ihren Schützling vorteilhaft unter die Haube zu bringen, aber ihr dürfte selbstredend klar gewesen sein, dass ein Mann wie Norrington außerhalb der realistischen Möglichkeiten liegt, es sei denn, der will sich auf Teufel komm raus ruinieren.

Du hast meine Intentionen bei Belas durchschaut, ganz genau so funktioniert seine Rolle. Und jetzt, wo du es sagst, erkenne ich, dass er wirklich etwas von einem Therapeuten hat, auch wenn ich das nicht bewusst eingebracht habe. Ich wollte jemanden, der nicht so in Mustern denkt wie Norrington, sondern ihm auch mal andere Betrachtungsweisen aufzeigt. Das kann der arme Mann gut gebrauchen.

Ach ja, diese Gespräche zwischen manchen Besatzungsmitgliedern haben mir riesigen Spaß gemacht und ich konnte nicht anders als sie hin und wieder einzubringen. Bei Pollard bin ich zwiegespalten, aber Thomson mag ich, gerade weil er jedem seine Nixentheorie aufnötigt und sich wirklich jedes Ereignis so zurechtbiegt, das dahinter eine Nixe stecken könnte. Ich glaube ohnehin, dass der ne ganz ungesunde Obsession pflegt, die ich lieber nicht näher beleuchten wollen würde, aber an und für sich hat er dennoch einen verträglichen Grad von Schrägheit.

Deinen Gedanken hinsichtlich Nemos Wirken als Sirene finde ich hochinteressant! Das kam mir gar nicht in den Sinn, aber es trifft durchaus zu. Wobei ich denke, dass es in diesem Fall vor allem Alan Connor getroffen hat, denn ich bin sicher, der würde sich für sie in jedes Schwert stürzen, solange er sie damit retten könnte. Connor ist ein absoluter Romantiker und noch dazu äußerst ritterlich. Norrington hingegen hat sich damit arrangiert, dass eine ihm unverständliche Kraft ihn zu Nemo zieht, würde zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, ihr einen Antrag zu machen. Das ist sein Problem: Er fühlt sich zu ihr hingezogen, weiß jedoch, dass diese Verbindung keine Zukunft hat. Er ist viel zu vernünftig, um die Fakten zu ignorieren, aber leider nicht entschlossen genug, die Sache aufzuhalten, solange er noch kann. Das merkt man später (und glücklicherweise spoilere ich da nicht, weil du das bereits weißt,) als er Nemo anbietet, ihr bei einem Neuanfang in Port Royal zu helfen anstatt sie darin zu bestärken, nach England zurückzukehren. Er weiß, dass ihr Umgang in Port Royal wesentlich eingeschränkter erfolgen würde und sie Schwierigkeiten hätte, dies hinzunehmen, aber er kann den Gedanken, sie endgültig zu verlieren, nicht hinnehmen. Also entscheidet er sich für eine halbgare Variante, die ihnen beiden nicht wirklich etwas einbringen würde, ihm aber immer noch besser erscheint als sie in England zu wissen.

Thomson treibt es ziemlich weit in dem Gespräch mit Gillette und Pollard, weiter als der Anstand es erlaubt, zumal da eine ziemlich derbe Andeutung bezüglich der Verführung seines Vorgesetzten anklingt, die Norrington nicht dulden kann. Ich glaube, das war seine primäre Motivation, das Gespräch zu unterbinden, bevor Thomson etwas wirklich Dummes sagt, das Norrington zwingt, ihn wegen Respektlosigkeit entsprechend zu bestrafen. Aber deine Überlegung dürfte auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen sein, denn natürlich ist es kränkend, dass Connor als romantische Seele deklariert wird, während man in ihm den knochentrockenen Schiffsführer sieht, der zu keiner Leidenschaft fähig ist.

Norringtons Verhalten in Bezug auf Nemos Wunsch, mit ihm zu reden, hast du wunderbar erklärt! Letztlich ist er gezwungen, sich mit der Erkenntnis auseinanderzusetzen, dass diese Beziehung (die so noch nicht einmal existiert) zum Scheitern verurteilt ist, während Nemo beharrlich daran festzuhalten versucht. Sie hat ihn im ungünstigsten Moment aufgesucht, enstprechend fiel seine Reaktion aus. Er hat seine Grenze erreicht, da hast du vollkommen recht.

Großen Dank für deine tolle und ausführliche Analyse! Ich liebe es, deine Gednaken zu den jeweiligen Figuren zu lesen!

Übrigens finde ich deine Fortbildung ziemlich spannend und ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg dabei!
Einen angenehmen Freitag und einen guten Start ins Wochenende wünscht dir,
Bell

P.S.: Ich freue mich auf morgen! Annycus ahoi!
06.06.2020 | 18:07 Uhr
Da bin ich wieder!,

...

und ich weiß nicht, wie ich anfangen soll....
Ich versuche es mal..

In den letzten Stunden hast du mich auf eine Reise mitgenommen, die ich einfach sehr genossen habe.
Ich musste ganz oft Schmunzeln, einige Male sogar herzhaft Lachen, da du es geschafft hast, in diese Mysterie auch noch einen bestimmten Witz miteinzubauen. Großes Lob dafür!

Norrington gehört für mich auch auf meine persönliche Favoritenliste (ist bei mir sofort hinter Jack, also auf Platz 2) und deine Geschichte ist die aller erste, die ich jemals über James gelesen habe und sehr wahrscheinlich auch noch die Beste. Es wird schwer werden, eine vergleichbare zu finden (also, von einem anderen Autor :D)

Besonders gut hat mir gefallen, dass wir stets nur James Gedanken und Gefühle gelesen haben und unsere kleine Miss Nemo somit aus den Augen des Commodores kennen lernen durften... Das ist so spannend! Wir wissen sozusagen genau so viel (oder auch wenig) über Nemo wie er. Eine super gelungene Idee!

Ich weiß mich einfach nicht richtig auszudrücken, weil meine Gefühle so durcheinander sind!
Es ist, als hätte ich gerade geträumt und wäre gerade aufgewacht.
Wirklich. Du hast mich total eintauchen lassen.
Dieses ständige innerliche Ringen mit sich selbst, das Abwägen und letzt endlich doch das Nachgeben (auch wenn ich damit gerechnet habe, dass James früher oder später dem Zauber unterliegt, hast du mich trotzdem überrascht), war so aufregend!
Mein Herz klopfte ganz schnell, als Nemo plötzlich am Schreibtisch von James lehnte und als sich die Beiden das aller erste Mal ganz nahe gekommen sind... AH!, habe ich gejubelt *lach*
(Auch wenn ich mir gewünscht hätte für James, dass etwas mehr passiert als ein Kuss *kreisch* Verzeihe mir, aber ich gehöre zu den Lesern/Schreibern die es Extrem mögen hahaha, dennoch passt es zu Nemo,- du hast alles mehr als richtig gemacht und es knistern lassen! Meine Wohnung brennt hahaha)

Die Hintergrundgeschichte über Peter hat mich etwas schockiert (positiv!), weil sie einfach komplett ab vom Pott ist, also etwas komplett neues als das 0815 ,,Getue" (Verzeih' mir diesen Ausdruck)
Es ist Jahre her, wo ich in der Nische von Peter Pan unterwegs war, aber die FF's die ich dort gelesen habe, (waren allesamt sehr gut!), dennoch war Peter immer der Liebe.
Du hast den Spieß jetzt einfach mal umgedreht & es hat mir total gefallen!
Schade, dass Peter (wahrscheinlich) keinen Auftritt bekommt... Wobei, halt, stop, jetzt wo ich überlege, scheint mir das sogar besser zu gefallen... So bleibt dieser düstere ,,Touch".
Ach Mensch... Alles was du schreibst, gefällt mir!!

Weiter geht's...

Jetzt sind sie kurz vor dem Ziel und dann taucht Hook auf...
Ich habe diese letzten Kapitel VERSCHLUNGEN.
Ich war mir erst nicht sicher, wie du Hook wohl schreiben würdest, aber du hast mich begeistert.
Es ist unglaublich wie präzise du den Charakter beschrieben hast. Nicht ein einziges Mal ooc (noch nicht mal bei James!!)
Ich muss mich wirklich entscheiden, wie ich nun zu Hook stehe, weil du seinen Witz, seine Arroganz aber auch seine Grausamkeit so super schreiben konntest, dass ich nicht will, dass er so schnell wieder verschwindet, oder doch?! KEINE AHNUNG *lach*

Jedenfalls bin ich gespannt, wie es weitergehen wird.... und sehr niedergeschlagen, dass diese Geschichte bald zu Ende gehen wird...
Vor allem bin ich mir bei dir nicht sicher, wie das alles ausgehen wird (darauf stehe ich total:D), du bist nämlich nicht vorhersehbar.

Puh...
Jetzt heißt es warten...
Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel!

Ich habe dir zwei Sternchen gegeben (Geschichte und als favorisierte Autorin und das ist wirklich das aller erste Mal das ich das mache), weil du mich einfach begeistert. Punkt.
Es gibt nichts, wirklich nichts, was ich dir raten könnte... Was sagte ich zu meiner Mum?
Du schreibst so gut, wie eine erfahrene Autorin (meiner Meinung nach).
Ich wünschte ich wäre schon an dem Punkt wo du bist (das meine ich Ernst)

Ich bin jetzt dein großer Fan und werde alles was du veröffentlichen tust, lesen, einfach, um für einen kleinen Moment die Realität zu vergessen.

Ich hoffe du bleibst gesund!,

Ganz liebe Grüße,

Jess

PS: Deine Antwort auf mein Review war wirklich sehr niedlich! Ich habe mich sehr gefreut, dass du sogar meine FF angesehen hast.

Bis auf ein Wiederlesen!♡

Antwort von Bells Poetry am 12.06.2020 | 11:05 Uhr
Liebe Jess,

wow, ich bin wirklich gerührt von deinen lieben Worten und es freut mich wahnsinnig, dass ich dir einige aufwühlende Stunden mit dieser Geschichte bescheren konnte, denn das ist letztlich genau, was sich jeder Autor wünscht. Norringtons Reise nimmt dich mit, das ist für mich ein ganz wunderbares Lob und ich möchte dir an dieser Stelle ausdrücklich dafür danken, dass du deine Gedanken und Empfindungen so offen mitgeteilt hast!

Tatsächlich schreibe ich ausschließlich aus der Perspektive einer Figur und das stets in Form eines Erzählers, der praktisch daneben steht, immer mit betreffender Figur mitläuft und ihr über die Schulter schaut. Bei Norrington ist das eine kleine Herausforderung, weil er so schrecklich vernünftig ist und seine Gedankengänge einem da nur einen bestimmten Raum lassen. Kurzsichtige oder kopflose Aktionen wird es bei ihm nie geben. Anstatt sich auf Nemos mysteriöses Wesen einzulassen, zieht er ausschließlich sachliche Erklärungen heran, man stelle sich vor, was ich alles schreiben könnte, wäre die Geschichte aus der Sicht von Gillette, Alan Connor oder Mister Thomson geschrieben. (Insbesondere letzteres stelle ich mir gleichermaßen interessant wie verstörend vor.) Aber klar, da wir Nemo nur durch Norringtons Sicht erleben, bleibt es spannend. Genau das wollte ich bezwecken. ("Kleine Miss Nemo", mit diesem Ausdruck hast du mich übrigens voll gerkiegt. <3)

Ja, mehr als einen Kuss hat es da nicht gebeben, das stimmt. Und wenn wir ehrlich sind, wäre der auch nie zustande gekommen, hätte Nemo nicht die Initiative ergriffen. Ich denke, hätte sie mehr gefordert, wäre Norrington auf Abstand gegangen bzw. hätte sie deutlich zurückgewiesen. Zum einen, weil es seinem Charakter nicht entsprechen würde, sich körperlich auf eine letztlich fremde (und obendrein möglicherweise ein wenig verrückte) Frau einzulassen, zum anderen, weil wir uns zeitlich gesehen in einem Jahrhundert befinden, indem Frau und Mann nicht allein spazieren gehen durften, es sei denn, sie sind verlobt oder verheiratet. Schon der Kuss dürfte für Norrinton arg verwegen und höchst strittig gewesen sein, aber da hat sie ihn im denkbar günstigsten Moment erwischt und so hat es geklappt. Auf mehr würde der sich ohne vorherige Eheschließung jedoch nicht einlassen.

Als Kind erschien mir Peter Pan noch als gute Figur (allein schon wegen Robin Williams' Darstellung in "Hook"), aber bereits im Jugendalter änderte sich meine Ansicht dazu. In dem Animationsfilm von Disney klingt es bereits an, dass Peter möglicherweise nicht ausschließlich gut ist, wenn auch nur in seiner Eingangsszene, als sein Gesicht von Tinker Bell erhellt wird und wir sein gar nicht so freundliches Lächeln sehen. ich habe die Theaterfassung bisher weder gelesen noch gesehen – ein Stück, in dem ausschließlich Kinder besetzt sind, ist so gar nichts für mich –, aber in Barries Romanfassung erscheint Peter entgegen anderer Behauptungen äußerst ambivalent. Er tötet ohne Skrupel erwachsene Menschen, lässt Verlorene Jungen verschwinden, sobald sie zu wachsen beginnen (auf welche Weise er das tut, das verschweigt uns der Autor) und führt sich generell wie ein ziemlich gewissenloses, äußerst egoistisches Subjekt auf, das unfähig ist, stabile Bindungen einzugehen. Barrie erklärt das mit seiner ewigen Kindlichkeit. Ich meine, es wird ausgesagt, er hätte noch "alle seine Milchzähne", also wie jung mag der sein? Auf jeden Fall viel zu sehr Kind und Barrie hat ihn tatsächlich mit allen schönen und schrecklichen Eigenschaften ausgestattet, die Kinder ausmachen. Ehrlich gesagt fand ich ihn im Roman unerträglich, nicht nur wegen seiner Willkür, sondern auch weil Barrie ihn zum Superhelden erklärt hat: Alles gelingt ihm, niemals schwebt er ernsthaft in Gefahr und überhaupt ist er ein ganz, ganz toller, wunderbarer Junge, selbst wenn seine Sozialkompetenz mit unterirdisch noch wohlwollend umschrieben ist.
Was ich eigentlich sagen wollte: Peter ist bereits bei Barrie eine Figur mit düsteren Zügen und die Verfilmung von 2003 hat der Figur eine Komplexität verliehen, die mich schwer beeindruckt hat. (Mal ganz davon abgesehen, dass Jeremy Sumpter die Idealbesetzung für die Rolle ist.) Auch für mich ist Peter defintiv eher ein Dämon als ein Engel, allein schon, weil er Kinder dazu verführt, ihr Zuhause zu verlassen und ihm in ein ziemlich gefährliches Land zu folgen. Neben Peter habe ich mich auch eingehend mit Nimmerland beschäftigt und schließlich entstand daraus das Konstrukt, von dem du in "Nimmerfahrt" lesen kannst. Sofern ich über Peter und seine Heimat schreibe, wird es immer auf diese düstere Variante hinauslaufen.

Hach, Captain Hook. Ich bin so froh, dass ich Dustin Hoffmans Interpretation der Rolle gesehen habe, bevor ich das Buch las. Damals war ich fünf oder so und ich erinnere mich noch genau, welchen Eindruck diese Rolle auf mich gemacht hat. Entsprechend habe ich immer Hoffman vor Augen, wenn ich Hook schreibe und auch wenn ich sein Ende im Film für OOC halte, ist es immer noch um ein Vielfaches besser als Barries Variante, wo er hoffnungslos lächerlich gemacht wird und sein Charakter insgesamt eher ein Scherenschnitt als eine echte Persönlichkeit ist. Hook ist bei mir nicht nur böse, weil er Peters Erzfeind ist, sondern er hat tatsächlich triftige Gründe, dem Jungen den Tod zu wünschen. Bei Barrie ist es Peters Kindlichkeit und die damit verbundene Respektlosigkeit, mit der er nicht zurechtkommt (mit der abgeschlagenen Hand kann er leben, weil sich mit 'nem Haken eh besser morden lässt), das hat mir persönlich aber nicht ausgereicht.
Auf jeden Fall liebe ich ihn sehr und schreibe ihn außerordentlich gerne. Die Szenen mit ihm, insbesondere die Gespräche mit Norrington haben einfach Spaß gemacht, daher freue ich mich natürlich, dass dir sein Auftritt ebenso gefällt. Hoffentlich werden die nächsten Kapitel dich nicht enttäuschen!

Apropos Enttäuschung, das ist ja sowieso so eine Sache, die mich gerade beschäftigt. Ich befürchte nämlich, dass du und die anderen großartigen Reviewer mich kielholen werdet für das, was da noch kommt. Gerade mit Blick auf das Ende bin ich etwas besorgt, aber dennoch gespannt, was du dazu sagst. Vielleicht bereust du dann, mir den zweiten Stern gegeben zu haben – was mich übrigens unfassbar glücklich macht! Lieben Dank dafür, auch wenn es den Druck erhöht, denn nun muss ich mich redlich bemühen, keinen Mist abzuliefern. ;-D

Echte Autorin, ha, ha, schön wär's! Ich hab zwar schon einen Roman geschrieben, aber der ist unveröffentlicht und wird es vorerst wohl auch bleiben. Dennoch bedeutet mir dieses Kompliment sehr viel, glaub mir, ich weiß das wirklich zu schätzen! Überhaupt kann ich kaum fassen, welche Rückmeldungen ich auf diese Geschichte bekomme. Ist ja doch eher ein Nischenprodukt, umso schöner ist es zu wissen, dass ihr mein Geschreibsel lest und dass du obendrein sogar noch sagst, du vergisst beim Lesen die Realität. Einfach nur Danke, ein größeres Lob kann sich wirklich niemand wünschen.

Hab einen angenehmen Start ins Wochenende!
Herzliche Grüße übersendet dir,
Bell
05.06.2020 | 13:55 Uhr
Hi! Na endlich hast du weiter geschrieben! :D ich habe sehnsüchtig gewartet!
Ich bin sehr gerührt, dass ich erwähnt wurde, danke auf jeden Fall!

Das Kapitel hat mir mal wieder gut gefallen, ich weiss gar nicht was ich sonst sagen soll^^ du bleibst dem Treu, was mein erster Eindruck von dir war und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht!

Liebe Grüße

Antwort von Bells Poetry am 12.06.2020 | 11:10 Uhr
Moin, moin,

jap, den Tadel hab ich absolut verdient! Ich schäme mich auch ganz schrecklich dafür, dass ich den Upload um zwei ganze Wochen verpennt habe, das passiert mir nicht noch einmal! Und gerne, ich halte Reviews nicht für selbstverständlich (insbesondere bei solchen Nischengeschichten) und möchte sie daher entsprechend würdigen.

Puh, gut, dass ich den ersten positiven Eindruck nicht zunichte gemacht habe! Ich bin mir nicht so sicher, ob das weiterhin der Fall sein wird, wenn ich darauf blicke, was demnächst noch folgt, aber ich freue mich sehr, dass du weiterhin mit an Bord bist!

Einen angenehmen Start ins Wochenende dir und liebe Grüße,
Bell
04.06.2020 | 12:19 Uhr
Guten Tag, liebe Bell,

als ich anmerkte, dass die anderen beiden Kapitel meine Favoriten wären, hatte ich das hier nicht bedacht! Alles, was ich bei Mondsucht so zu schon zu schätzen wusste, kommt in diesem Kapitel wieder, und sogar noch stärker als zuvor.

Zunächst halte ich es aber für einen klugen Schachzug von dir, diese kurze Episode mit Belas und Norrington einzuschieben - ein kurzes Aufatmen von Vernünft und Sachlichkeit, von Informationen und Klarheit, ehe es mit all dem Unkontrollierten und Unkontrollierbaren weitergeht. Aus Gründen der Abstumpfung durch weitaus schlechtere Werke fand ich es wundervoll zu lesen, dass Nemo schwer ist - man kann ja Norrington zugute halten, dass er ein kampferprobter Offizier und langjähriger Seemann ist, aber 45 bis 65 Kilo Mensch ohne Körperspannung ist nun mal schwer, besonders, wenn er sie vor sich auf den Armen trägt.
Dass Belas sich nicht zu Spekualtionen oder vorschnellen Urteilen hinreißen lässt, spricht für seine Professionalität und Bescheidenheit. Zudem in dieser Zeit noch die Psychologie ein eher wenig erkundetes Gebiet war, sofern ich mich nicht irre. Auch die kurze Begegnung mit der nachlässigen Wache ist wunderbar konsequent - Norrington wird ihm die Hölle heiß machen, und das wissen alle drei Männer ganz genau.

Die Beschreibung von Norringtons verwüstetem Arbeitszimmer ist dir ebenso wundervoll gelungen wie die Reaktionen von Belas und Norrington. Du hast eine Art und Weise, die historisch-realistische Atmosphäre des ersten FDK-Filmes einzufangen, dass ich sofort die Schauspieler in ihren Kostümen und eine Szenerie ganz ähnlich der des Filmes vor mir sehe.
Dass Norrington und Belas mit Vorsicht und Verstörung auf das sich ihnen bietende Bild reagieren, passt ebenfalls zu deinem wunderbaren Realismus. Besonders Norrington, der ein sehr geordnetes und strukturiertes Leben pflegt, ist erschrocken.

Belas' Gelassenheit und seine Unerschrockenheit (die hervorragend zu seiner blutigen, harten Vergangenheit auf den Schlachtfeldern Europas passt) helfen, die ganze Situation etwas weniger surreal wirken zu lassen. Du hast immer wieder diese erdenden Momente, in denen alles nochmals zum Greifen nahe wirkt; und die Balance in einem dramatisch-ernsten Moment wird dadurch wiederhergestellt, dass Belas Norrington ein Beruhigungsmittel anbietet. Das Gesicht des Commodores musst du dazu nicht einmal beschreiben, um Belas' Angebot zu rechtfertigen.

Die Momente mit Norrington und Nemo ganz alleine, abgeschottet vom Rest des Schiffes, sind absolut wundervoll. Es ist die erste Zeit, in der sie quasi unerreichbar sind; und nicht damit rechnen müssen, in ein paar Minuten gestört oder von neugierigen Augen und Ohren umgeben zu sein. Die Einleitung für diese intime Situation bietest du mit Norringtons nun sehr klaren, konkreten Gedankengängen - dass er an Nemo, an sich selbst und seinen Entscheidungen zweifelt, ist im Angesicht dieser Geschehnisse absolut nachvollziehbar und normal. Und er bricht uns und sich selbst bereits jetzt das Herz, indem er entscheidet, dass, welche Gefühle auch immer er für Nemo hat, seine Mannschaft und die Sicherheit der Menschen unter seinem Kommando Priorität hat.
Danke, dass du die Schlacht bei der Isla de Muerta erwähnst. Auch wenn wir durch Disney kein Blut gesehen haben, so war es doch irgendwo hart und brutal, all diese Navy-Soldaten gemeuchelt zu sehen, während Barbossas Mannschaft sich über Deck gestohlen hat. Wir hatten keinerlei Verbindungen und noch weniger Empfindungen für diese Soldaten, und Norrington, der dutzendfach Tod und Leid unter Männern verursacht hat, die ihm vertraut haben und für die er verantwortlich war - unvorstellbar, wie sehr ihn das gequält haben muss. Und all das für Missy Swanns egoistische, unsinne Anwandlung, die sie grausamerweise auch noch dadurch erschlichen hat, dass sie seine Gefühle für sie ausgenutzt und missbraucht hat.
James Norrington ist die Sorte Mensch, die sich selbst anzünden würden, um andere warm zu halten ...

Und selbst, als Nemo erneut wach wird und ihm ihre Nähe anbietet, kann er sich einfach nicht überwinden, das zu begrüßen.

Stattdessen bekommen wir diese wundervolle, intime Szene mit einem ungetrübten Blick in Nemos Hintergrund und Herkunft. Wer (wie ich damals) nicht die Ankündigungstexte gelesen hat, hat dennoch sofort eine bunte, lebendige, magische Welt vor Augen, die Nemo durch ihre Worte wiederbelebt. Ihre unterwürfige aber dennoch anschmiegsame Haltung direkt zu seinen Füßen steht im krassen Gegensatz zu dem, was Norrington gerade eben noch erlebt hat, und es wäre beinahe, als wolle Nemo ihm ohne Worte sagen "Ich bin nicht gefährlich, bitte, lass mich bei dir sein".
Dass sie gleichzeitig seine Welt vollkommen auf den Kopf stellt, ihn auf Granit beißen und gleichzeitig Hochgefühle erleben lässt, passt wunderbar zusammen. Norrington scheint auch instinktiv zu spüren, dass ihr etwas Übernatürliches anhaftet, und du verdienst wirklich viel Lob dafür, es so offensichtlich und dennoch mysteriös zu machen.

Nemo überschreitet so viele Grenzen und zeigt sich so verletzlich wie noch nie, und Norrington ist viel zu überfordert und verwirrt, um genauer darauf zu reagieren. Allerdings erzählt sie ihm von ihrer Heimat, von ihren glücklichsten Momenten und wünscht sich sogar, er könne all diese wundervollen Zeiten mit ihr gemeinsam erleben - sie sagt sogar, dass sie mit ihm zusammen leben könnte!
Wie sich das alles für Norrington anhört, können wir uns wohl nicht einmal ansatzweise vorstellen. Und so schnell dieser schwärmerische Traum aufgekommen ist, so schnell ist er wieder zerschmettert.

Dennoch wird es beinahe unheimlich, als sie erklärt, dass ihre Heimat zu weit entfernt ist, und in zu fremden Gewässern, um dorthin zu segeln, dass Peter es verhindern würde und dass der Versuch Norrginton das Leben oder noch mehr kosten würde - und sie könnte das nie im Leben verantworten. Nicht nur hat sie sich Gedanken darüber gemacht, wie es wohl irgendwie zu bewerkstelligen wäre - Nein, in gewisser Weise erinnert sie hier an Norringtons eigene Einstellung, denn sie würde lieber auf ihn verzichten, anstatt ihn in Gefahr zu bringen.

Dass du übrigens Peter Pan und FDK kreuzt, sollte irgendwo abstrus sein - aber alle Dämonen der Hölle sollen mich holen, wenn du es nicht meisterlich umsetzt! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass Peter Pan ein derartig fantastisches, furchtbares und mächtiges Konzept sein könnte; denn so, wie Nemo von ihm und ihrer Heimat spricht, muss man faszinierend und von Grauen erfüllt sein.
Es passt so wunderbar zusammen, und während die Idee seltsam auf dem Papier klingen mag, sie ist die Umsetzung umso perfekter gelungen.

(Ich höre mich wirklich wie ein schwärmerisches Kind an, aber ich bin einfach so begeistert. Verzeih.)

Das alles ließe sich wohl so zusammenfassen, dass du eine unvergleichliche Mischung aus Süß und Bitter, aus Realität und Traum, aus Blut und Honig schreibst. Eben noch erklärt Nemo entrückt von ihrer Sehnsucht, im nächsten Moment wirkt wie wie wahnsinnig und kratzt sich die Fingernägel bis aufs rohe Fleisch herunter in dem Versuch, sich in einem verzweifelten Fluchtversuch aus dieser fremden Welt umzubringen.

Alles wirkt so lebendig in diesem Kapitel, und ich sehe Norrington vor mir, der Nemo an sich geklammert hält, während sie sich wie eine Furie wehrt, vollkommen von Sinnen vor Schmerz und Sehnsucht. Deine wortgewaltigen Dialoge (bzw. in Nemos Fall ihre Monologstücke) katapultieren all das andere noch mal eine Ebene nach oben.

Dass das Kapitel mit Erschöpfung endet, passt wunderbar zu der eben durchlebten Achterbahnfahrt durch alle menschlichen Emotionen auf einmal.

Es fällt mir schwer, ein tatsächliches Lieblingskapitel zu finden, doch vermutlich ist es das hier. Denn all das, was in Mondsucht bereits stattgefunden hat, ist hier noch viel roher, kraftvoller und bedrohlicher.

Ich danke dir ein weiteres Mal fürs Schreiben und Hochladen.

Mit liebsten Grüßen,
Obsidiane

Antwort von Bells Poetry am 05.06.2020 | 12:06 Uhr
Liebe Obsidiane,

heute muss ich dir zuerst auf dein zweites Review antworten, es drängt mich dazu und vermutlich bin ich auch gerade in einer Stimmung, bei der du wenig Vernünftiges erwarten kannst. Der Grund: Deine Worte haben mich tüchtig aufgewühlt. Im positiven Sinne. Ich bin so gerührt, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es kommt dir vielleicht lächerlich vor, aber ich hatte beim Blinzeln wirklich Tränen in den Augen. Nur kurz, aber sie waren da. Alles, was du zu diesem und auch zum letzten Kapitel beschreibst, trifft jede Empfindung, die ich selbst beim Schreiben empfunden habe – und ich habe diese beiden Kapitel tatsächlich beinahe rauschartig verfasst, weil ich auf diese Szene hingefiebert hatte. Seit dem ersten Kapitel, dem ersten Wort. Keine Nemo ohne Wahnsinnsszene und ein Norrington, der damit konfrontiert wird. Das eine kann nicht ohne das andere. Diese beiden Kapitel sind für mich die bedeutsamsten der gesamten Geschichte und (neben diesem einen absolut schrägen Kapitel, von dem ich dir schon einmal geschrieben habe,) meine liebsten. Dass sie dir ebenso gefallen, bedeutet mir unendlich viel. Und noch mehr berührt mich, wie du zu Norrington und Nemo stehst. Du behandelst Nemo nicht wie einen handelsüblichen OC, der mal wieder mit einem Film- oder Seriencharakter zusammen geworfen wird; du gibst ihr nicht nur eine Chance, du hast sie bereits als festen Bestandteil der Geschichte akzeptiert und zeigst bei jeder ihrer Szenen Anteilnahme. Auf eine Weise, für die ich große Dankbarkeit empfinde und die mich wirklich glücklich macht. Vielleicht, weil ich weiß, wie lange diese Figur brauchte, um sich zu einem komplexen, vollwertigen Charakter zu entwickeln, weil ich ihr zu lange keine echte Möglichkeit dazu gelassen habe.
Du behandelst Norrington und Nemo gleichwertig und du lässt dich auf ihre (doch recht ungewöhnliche) Romanze ein. Wenn du über die beiden schreibst, die kurzen Berührungen registrierst und die Absichten und Gedanken hinter ihrem Handeln, ihren Worten aufdeckst – ich finde keine Worte, was mich das empfinden lässt. Bis auf eine Ausnahme hatte ich nie jemanden, mit dem ich über dieses Ship schreiben konnte, der sich in ähnlicher Form dafür erwärmt hat. Und auch die andere Person, die mir wirklich viel bedeutet, hat sich nie auf eine solche herzerwärmende und einfach wunderbare Weise geäußert wie du es tust. Darum Danke! Das wird meinen Gefühlen nicht ganz gerecht, aber ich glaube, du verstehst, wie viel mir dieser Gedankenaustausch mit dir bedeutet.

Nun versuche ich ein wenig gefasster auf deine Anmerkungen einzugehen. Mal schauen, ob's gelingt.

Ja, Dawson hat versagt und er wird dafür büßen müssen. Nicht durch Auspeitschen, das hat Norrington gar nicht nötig, bei dem genügen ein Blick und ein paar gut gesetzte Worte zum richtigen Zeitpunkt. Und das wird fortan Dawsons Schicksal sein, bis das Schiff im Hafen einläuft. Offen gestanden kommt mir das etwas zu streng vor, aber es zeigt auch auf, dass Norrington eben doch ein hartes Regiment an Bord führt, auch wenn es auf mitunter nicht so scheinen mag. Irgendwo ist er doch ein Kind seiner Zeit und Nachlässigkeiten verzeiht er ohnehin nur schwer. Auch sich selbst nicht.

Belas ist und bleibt eine wertvolle Stütze für Norrington. Die Zusammenarbeit funktioniert, weil beide Männer scharfsichtig genug sind, die Fehler des jeweils anderen zu erkennen, den Charakter aber nicht danach zu bewerten. Ich denke, Norrington würde keinen anderen Schiffsarzt mehr an Bord lassen, selbst wenn ein Vorgesetzter wie Beckett es ihm naheliegen würde.
Und du hast vollkommen recht: Belas' großer Vorteil ist seine Abgeklärtheit, anders hätte er all das, was er zu Kriegszeiten erlebt und gesehen hat, auch nicht verarbeiten können. Persönlich mag ich an ihm auch, dass er kaum Geltungsbedürfnis hat. Er kennt seine Kompetenzen und er überschreitet sie nicht. Dahinter steckt ein großes Verantwortungsbewusstsein seinen Patienten gegenüber und zeigt, dass Beruf und Berufung bei ihm ein und dasselbe sind. (Wie bei Madam Pomfrey, fällt mir gerade auf.)

Im Film hat mich der Umstand, dass man bei der Schlacht vor Isla der Muerta zwar ganz viel Brutalität, aber kein Blut zeigt, ziemlich gestört. Klar, man wollte eine möglichst niedrige Altersfreigabe bekommen, aber für einen gelungenen Kompromiss halte ich das nicht gerade. Und weil du darauf anspielst, lass mich noch kurz anmerken, dass mich das an den Folgeteilen auch gestört hat. Nämlich, dass Norrington Elizabeth niemals einen absolut berechtigten Vorwurf gemacht und sie sich auch nie für ihre Berechnung entschuldigt hat. Es ist wie bei der Zerstörung des Todessterns in "Krieg der Sterne": Luke tötet auf einen Schlag tausende Menschen – und niemanden interessiert's. Die Beiläufigkeit, mit der die Opfer übergangen werden, ärgert mich, zumal ein verantwortungsbewusster Mensch wie Norrington tatsächlich damit zu kämpfen hätte.

So drastisch sie ist, gefällt mir deine Bemerkung, er würde sich anzünden, damit andere nicht frieren. Schiffsführer Norrington in a nutshell.

Diese Übernatürlichkeit, die Nemo in solchen Momenten anhaftet, mag ich sehr gern. Ihre Person ist zweigeteilt, das ist wesentlicher Bestandteil ihres gesamten Charakters. Und ich denke, eben dieser Umstand bringt einen reinen Vernunftmenschen wie Norrington dazu, sich von ihr angezogen zu fühlen. Er kann es nicht erklären, er will es begreifen und das bringt ihn in ihre Nähe.
Ich musste schmunzeln als du geschrieben hast, man würde mir in diesen beiden Kapiteln die klassischen literarischen Vorbilder anmerken. Jap, stimmt genau. Insbesondere die Szene in der Kajüte hat deutliche Parallelen zur Wahnsinsszene von Cathy in "Sturmhöhe". Die Federn, der rasche Stimmungswandel, das scheinbar zusammenhanglose Gerede. Wobei ich zugebe, dass ich mich auch am Wahnsinn von Lucia du Lammermoor orientiere. Ist nicht sonderlich realistisch, sondern mal sowas von düstere Romantik. Ich kann's nicht ablegen, möchte es auch gar nicht, auch wenn es schon sehr nahe an der Grenze zum Klischee entlang spaziert. An solchen Momenten habe ich mehr Spaß als vermutlich gut für mich ist. ;-)
Wobei mir wichtig war, dass Norrington eben nichts Herrliches oder Romantisches an ihrem Wahnsinn findet, sondern wirklich beunruhigt, wenn nicht sogar verstört ist. Obwohl sie objektiv betrachtet sicherlich ein schönes Bild bietet, wie sie inmitten von hunderten Federn liegt, kann er keine Schönheit darin sehen, sondern nur eine völlig erschöpfte Frau in einem besorgniserregenden Zustand. So toll man solche Szenen inszenieren kann, für die Beteiligten muss es schrecklich sein. Und Norringtons Verhalten im nächsten Kapitel wird dies auf jeden Fall belegen.

Bei deinen Worten, was dieses Crossover und dessen Umsetzung angeht, möchte ich schon wieder schniefen vor Rührung. Ich wiederhole mich, aber: Danke, danke, danke!
Ja, Peter ist bei mir eine düstere Figur, ebenso ist Nimmerland keine Insel, auf der sich Verlorene Jungen und Piraten fröhlich jagen. Schon bei Barrie fließt echtes Blut und die Beiläufigkeit, mit der er darüber scheibt, zeigt auf, wie krank das Leben auf dieser vermeintlich wunderbaren Insel tatsächlich ist. Vielleicht war Barrie nicht bewusst, was er da geschaffen hat. Man könnte sein Buch durchaus als Horrorfilm umsetzen, zumindest aber als Thriller. Die Gleichgültigkeit, mit der er einige Szenen beschreibt, insbesondere Richtung Finale, wenn die Piraten nacheinander von Peter getötet werden, ist unerträglich. Ich hab das Buch inzwischen schon mehrmals gelesen und habe immer noch erhebliche Schwierigkeiten mit seinen Figuren. Darum kann ich nur immer wieder auf die Verfilmung aus dem Jahr 2003 verweisen, wo Peter wesentlich komplexer dargestellt wird. Er ist Kind und Dämon zugleich. Ich liebe diese Züge an ihm und könnte tatsächlich ständig darüber schreiben, seinen Charakter ausloten. Ich glaube, er könnte dir gefallen. ;-D

Gerade weil du dich in deinen Reviews (und ganz besonders in diesem und dem vorherigen) so äußerst, wie du es tust, habe ich mit Blick auf das Ende der Geschichte nun wirklich Sorge. Ich will nichts vorwegnehmen, aber uh, ich glaube, da kann ich mich auf was vorbereiten.

Nochmals großen Dank für diese beiden Reviews. Inzwischen bin ich ruhiger und kann mich an die Beantwortung des anderen machen.
Und mal wieder das nächste Kapitel hochladen. Fast ein Monat vergangen, Schande über mich, denn ich habe das wirklich nicht bemerkt!

Fühl dich an dieser Stelle einfach mal umarmt von mir.