Autor: curuvari
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
03.11.2018 | 13:22 Uhr
zur Geschichte
Hallo Majivu,

ich feiere dich gerade so sehr! Deine Geschichte kommt genau zur rechten Zeit – nicht nur, weil gerade erst Halloween war, sondern auch weil ich mir »Hinter der Gartenmauer | Over the Garden Wall« erst vor wenigen Tagen angeguckt habe. Das nenne ich mal perfektes Timing. :)

Den Geist der Serie hast du perfekt eingefangen: surreal, rätselhaft, märchenhaft-fantastisch, ein bisschen gruselig, ein bisschen witzig. Alles in allem fühlt sich deine FF sehr canon-authentisch an.

Greg, den phantasiebegabten Jungen, der stets mit kindlicher Naivität und offenem Herzen durch die Welt geht, hast du super getroffen. Ich habe mich gefreut, Fred, das Pferd, wiederzutreffen und zu erfahren, wie es ihm seit der Begegnung mit Greg und Wirt ergangen ist. Die Information, dass Quincy Endicott, Beatrice und der Forstmann gestorben sind – weil der Winter sie irgendwann alle holt *grusel* –, hinterlässt zunächst ein beklommenes Gefühl. Am Ende der Geschichte (»Man sieht sich im Winter!«) wandelt sich diese Beklommenheit allerdings zu etwas Positivem, Zuversichtlichem.

Wenn The Unknown, wie viele Fan-Theorien sagen, für einen Ort zwischen Leben und Tod steht, steht der Winter in deiner FF vermutlich für den Tod.
Li, der »todgeweihte« Kater, hat mit seinem Leben anscheinend noch nicht ganz abgeschlossen und folgt dem Weg ins Jenseits nur widerwillig, weil er tief im Inneren spürt, dass er seine letzte Reise nicht länger hinauszögern kann. Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Aki hingegen, dessen Sanduhr mehr oder weniger abgelaufen ist, scheint mit sich und seinem Schicksal bereits im Reinen zu sein. So wirken Li und Aki wie zwei Pole, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Sie versinnbildlichen sehr schön, wie verschieden Leute mit dem Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit umgehen.

Mir gefällt, wie du die schwarzen Schildkröten in die FF eingearbeitet hast. Ich interpretiere sie als Todesboten. Analog zur Lebenszeit, die langsam, aber stetig verrinnt, schlurfen sie gemächlich ihrem Ziel entgegen und begleiten die Sterbenden auf ihrem letzten Weg. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schildkröten den Sterbenden wohlwollend gesinnt sind. Als die Schildkröte Li in einen schützenden Panzer hüllt, lese ich zwischen den Zeilen geradezu ein »Fürchte dich nicht« heraus.

Da Gregs Zeit noch nicht abgelaufen ist, darf er natürlich nicht mit in den Norden kommen. Dafür findet er ENDLICH seinen Bruder Wirt wieder. Es ist wirklich herzerwärmend, wie viel Vertrauen Greg in Wirt setzt. Man könnte sagen: Solange Wirt da ist, ist für Greg alles gut. ♥ (Schade nur, dass Wirt selbst so sehr an sich zweifelt …)

Vom Aufbau her spiegeln die 10 Drabble die 10 Folgen der Miniserie wider. So gesehen passt es ganz gut, dass jedes Drabble ein eigenes Kapitel bekommen hat. Nur fand ich es beim Lesen ehrlich gesagt sehr anstrengend, alle 100 Wörter die Kapitel weiterklicken zu müssen. Das hat den Lesefluss leider sehr gestört.
Es passiert sehr viel Handlung auf sehr wenig Raum. Man muss sich beim Lesen sehr konzentrieren, da jeder Satz bedeutungsvoll ist, die Handlung voranbringt und oftmals sogar in eine völlig neue Richtung lenkt. Ich habe oft zurückgeblättert und noch einmal nachgelesen, ob ich im vorangehenden Kapitel womöglich Hinweise übersehen habe. Deshalb habe ich mir die FF schließlich als HTML heruntergeladen, damit ich die gesamte Geschichte auf einer einzigen Seite stehen hatte. Ich weiß natürlich nicht, wie es anderen Lesern damit geht – aber vielleicht ist es eine Überlegung wert, alle Drabble in ein einziges Kapitel zu packen. Der Übersichtlichkeit wegen. ^^

Inhaltlich gibt es nichts zu bemängeln. Eine durch und durch gelungene Geschichte mit tiefgründiger Symbolik. Dafür lasse ich gerne ein Empfehlungssternchen da. ★

Cheers,
invisible ink

Antwort von curuvari am 11.12.2018 | 21:02:27 Uhr
♫ Advent, Advent, das Glöckchen brennt. Der Wochen sind's längst mehr als vier, nun (endlich) steht die Antwort hier. ♫

Vielen Dank für dein Review, und für die Empfehlung! Lob an dich; besser, als OtGW zu schauen, kann man seine Halloweenzeit nicht verbringen. <3 Ich glaube, durch Amazon und ähnliche Dienste wird für die Serie Ende Oktober jährlich immer wieder ein wenig geworben. Mir ist sie nämlich auch im Herbst empfohlen worden, allerdings schon vor zwei Jahren. Darf ich fragen, wie du sie entdeckt hast? Aus reinem Interesse.

Fun Fact: Die Katzen waren unter anderem als Anspielung auf die Tiere im Feng Shui (?) gedacht. Da die Schildkröte wohl für den Norden/Winter steht, und der Tiger für den Westen/Herbst, und im Laufe der Serie der Wandel von Herbst zu Winter zu beobachten ist, dachte ich mir, es wäre doch möglich, dass sich die schwarzen Schildkröten je nach Jahres-/Lebensabschnitt verwandeln. Während es im Unbekannten also allmählich wieder Winter wird, werden auch die weißen Katzen zu schwarzen Schildkröten. Ist das so herübergekommen, oder war die Stelle schwer nachzuvollziehen? Deine Interpretation von den Begleitern der Sterbenden gefällt mir allerdings besser. Vielleicht trifft ja beides zu: Die Katzen verwandeln sich und begleiten die Sterbenden auf ihrem Weg in den Winter/Tod.

Die Geschichte mit Aki ist tatsächlich ein bisschen verzwickter, da der Charakter sehr viel älter ist als diese FF und einen mehr oder weniger wirren Hintergrund hat. Ich wollte ihn aber unbedingt Teil hiervon sein lassen, und bin sehr froh, dass seine Rolle sich scheinbar halbwegs glatt in die Handlung eingefügt hat, und er nicht als merkwürdiger Cameo-Charakter heraussticht.

Der Umständlichkeit wegen habe ich auch lange überlegt, ob ich die Kapitel auf einmal hochstelle, aber eben gerade weil eine Parallele zu den zehn Episoden aus der Serie hergestellt werden sollte, habe ich mich dann dagegen entschieden. Ich sehe aber, was du meinst, und es wird auch das letzte Mal sein, dass ich so wenig auf eine ganze Seite packe, oder die Kapitel überhaupt so knapp werden lasse. Nach etwas Abstand muss ich dir zustimmen, es ist nicht ganz einfach, dem Inhalt zu folgen. Besonders in Drabble 5 beim Fischerfest macht sich doch sehr bemerkbar, dass zu viel Geschehen in zu wenig Worte gepresst wurde. Nun ja, es war ein Versuch. :')

Danke noch einmal für deinen ausführlichen Kommentar; ich habe mich wie immer sehr darüber gefreut. Hab eine frohe Adventszeit/frohe Feiertage! ✬