Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 
Reviews 1 bis 25 (von 48 insgesamt):
09.03.2020 | 09:57 Uhr
Hallo Thomas Heinrich,

mit dem Film „Melancholia“ hast du nun also deine Kolumne, zumindest vorläufig, abgeschlossen. Auch wenn ich die meisten Filme über die du geschrieben hast, nicht gesehen habe, waren deine Rezensionen trotzdem interessant für mich. Und obwohl es sich hier um einen Film des 21. Jahrhunderts handelt, kann ich mich lediglich erinnern, dass ich mal was darüber gelesen habe und mir sind einige Schauspieler und der Name des Regisseurs bekannt . Allerdings ist es auch kein Film den ich mir tatsächlich anschauen möchte, denn ich mag diese Art von Filmen einfach nicht. Natürlich ist der Tod eine Gewissheit und die meisten von uns verdrängen ihn. Es ist nicht die Unausweichlichkeit des Todes, sondern der Untergang der Menschheit, das Ende der Welt, das mich hindert Endzeitfilme anzuschauen.

Ich wünsche dir eine gute Woche
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 09.03.2020 | 17:26 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review, zu dem es natürlich inhaltlich nicht sehr viel zu sagen gibt, außer vielleicht, daß "Melancholia" mit den üblichen Endzeit-Filmen kaum etwas gemeinsam hat, denn die sind für gewöhnlich wüste Spezialeffekte-Orgien, was bei diesem Film überhaupt nicht der Fall ist.
Ich kann jedenfalls nur sagen, daß ich seinerzeit, als ich den Film erstmals im Kino sah, das Gefühl hatte, schon seit vielen Jahren auf genau diesen Film gewartet zu haben.

Ich wünsche Dir ebenfalls eine gute Woche.

Liebe Grüße,
Thomas
07.03.2020 | 19:11 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Das ist ein ziemlich neuer Film, und ich habe ihn sicher nicht gesehen.
Aber hochkarätig besetzt mit lauter tollen Schauspielern
(Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, den beiden Skarsgårds, Kiefer Sutherland, Charlotte Rampling, John Hurt, Udo Kier).

2011 war ich ganz sicher emotional nicht in der Verfassung, mir solche Endzeitfilme
mit so einem Filmende anzusehen. Und will das heute noch nicht,
egal wie künstlerisch wertvoll der Film ist, was er ohne Zweifel ist.
Trotzdem hab ich deine Rezi über diesen Film sehr gerne gelesen.

Danke für diese interessante Kolumne,
die ich sehr gerne verfolgt habe und neue Filme kennengelernt habe,
und du mich an ältere gesehene Filme von früher erinnert hast,
und dass du deine Texte hier archiviert und mit uns geteilt hast.

Einen ganz lieben Gruß
und dir alles Gute.
R ⋈

Antwort von Thomas Heinrich am 07.03.2020 | 19:17 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank für Dein (sehr schnelles) Review. Viel zu sagen gibt es hier ja nicht, da Du ihn gesehen hast und dies wohl auch nicht so bald ändern willst.

Wie schon erwähnt, gäbe es noch so einige Filme, die eine ausführliche Rezension mehr als verdient hätten, aber dazu fehlte mir irgendwo der Antrieb; weil ich aber andererseits mich immer innerlich verpflichtet fühlte, doch mal etwas zu schreiben, hat vielleicht gerade dies dazu beigetragen, daß ich zuletzt kaum mal etwas aus meinem "Filmarchiv" gesehen habe. Auch deshalb habe ich jetzt die Kolumne erst mal abgeschlossen - vielleicht sehe ich dann mal wieder mehr...

Liebe Grüße auch von mir,
Thomas
01.12.2019 | 15:36 Uhr
Du fragst dich jetzt sicher, wieso ich mich jetzt nach über einem Jahr nach Veröffentlichung dieses Textes dazu äußere - nun ich habe nun gestern den Film das erste Mal gesehen (und das, weil ich selbst das Fernsehprogramm gelesen habe - ich habe auch damit gerechnet, dass mich mein Vater wieder einmal anruft, dass ich mir den Film ansehen soll - passiert bei Highlander und die Hexen von Eastwick) und muss dir zustimmen, dass er wirklich gut ist (und das sage ich über wenige Filme und sicher nicht über viele Filme, die sogar u. a. dem Horrorgenre zugeordnet werden - falls ich die mir überhaupt ansehe, ich bin eher der schreckhafte Typ, der sich solche Filme nicht ansieht).

Genau deshalb, weil ich ein schreckhafter Typ bin, wusste ich vorher haargenau, worauf ich mich einlasse und war am Ende sogar beruhigt (ich hatte gedacht, es wird schlimmer - ich hätte nicht vergessen sollen, dass der Film eben auch schon über zwanzig Jahre alt ist, was man eigentlich nur an der damaligen Mode merkt, und dementsprechend auch nicht auf so brutale Horrorelemente setzt, wie heutige Filme).

Ich bin sicher beim mehrmaligen Sehen findet man mehr Details - vor allem, wenn man dann darauf achten kann und nicht nur der Handlung folgt - aber die, die ich bereits entdeckt habe, gefallen mir schon gut: ich mag es, wenn Sachen, die früher schon mal erwähnt wurden, wichtig werden (die Warnung, dass man gefälligst keine Kugelschreiber in die Zelle mitzunehmen hat - natürlich bleibt einer liegen und ist dann verschwunden, die Kameraführung ist da wirklich so, dass das der Zuschauer merken muss), die ständigen verschlüsselten Hinweise auf den Täter ("Schnittmuster"), die Übergänge in die Flashbacks (man merkt erst gar nicht, dass man eigentlich in der Vergangenheit ist), Übergänge allgemein (der Täter sucht sich schon das nächste Opfer, die Raupen werden verhätschelt etc. , die Leiche fällt in den Aufzug und die Täuschung wird offenbar, allerdings in einer anderen Szene) und natürlich auch die von dir erwähnte Montage, bei der das FBI das falsche Haus stürmt, man es aber erst am Ende der Sequenz merkt.

Auch die Interaktionen zwischen Clarice Starling und Hannibal Lecter haben mir sehr gut gefallen - vor allem, da man häufig nicht weiß - macht er es, weil er Spaß daran hat (und ihm in seiner Zelle langweilig ist) oder möchte er tatsächlich helfen (vermutlich ist es eine Mischung aus beidem - auch wenn es tatsächlich sein kann, dass Clarice dadurch dass sie selbst Unschuldige retten kann, weniger Probleme mit ihrem Kindheitstrauma hat).

Die Ausbruchsszene ist stilisiert, grausig, vor allem, da du eben im Hintergrund immer einmal wieder die Goldberg-Variationen hörst, das bestellte (blutige) Lammkotelett immer noch schön angerichtet auf dem Teller auf dem Boden liegt (und sicher auch einige Blutspritzer abbekommen hat - immerhin kann man dann nicht behaupten, dass es nicht blutig ist:)) und gleichzeitig findet eben das ganze Gemetzel statt.

Wie gesagt, es ist ein Film, der mir sehr gut gefallen hat und ich verstehe deshalb auch deine Filmkritik sehr gut.

Zum Abschluss noch etwas ganz anderes: Auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um zu sehen, dass du meine Märchen für die Social Media Empfehlungen vorgeschlagen hast (und das obwohl ich im Empfehlungsteam bin), freue ich mich sehr darüber.

Liebe Grüße
Liana

Antwort von Thomas Heinrich am 01.12.2019 | 18:22 Uhr
Hallo Liana,

vielen Dank für Dein Review!

Am meisten freut es mich erst einmal, daß der Film Dir gefallen hat, denn ich kenne durchaus auch Leute, die ihn nicht mögen, während ich ihm bereits beim ersten Sehen, das mittlerweile 25 Jahre her ist, so gründlich verfallen bin, daß ich ihn heute immer noch genauso toll wie damals finde. Ich habe "Das Schweigen der Lämmer" mittlerweile acht- oder neunmal gesehen und entdecke immer noch neue Details oder auch neue Interpretationsmöglichkeiten, was ich auch toll finde, denn es gibt auch solche Filme, die beim ersten Sehen fesselnd sind, aber keiner weiteren Sichtung standhalten.

Was nun Schockeffekte und dergleichen betrifft, so finde ich allerdings, daß an solchen kein wirklicher Mangel besteht - besonders Lecters Flucht ist schon recht drastisch, und gerade in solchen Momenten halte ich die Stilisierung auch für sehr wichtig. Sicherlich gibt es viele Filme, die noch um einiges weiter gehen, aber das Ergebnis ist dann für gewöhnlich eher eklig als spannend.

Bei den von Dir erwähnten Details zeigt sich an vielen Stellen (wie ich es auch in meiner Rezension erwähnt habe), daß Jonathan Demme von Alfred Hitchcock und dessen Suspense-Techniken gelernt hat - trotzdem gibt es auch beträchtliche Unterschiede zu den Werken Hitchcocks, und nicht nur deshalb, weil der einer älteren Generation angehörte. Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe von Filmen, die ihre Spuren in Demmes Meisterwerk hinterlassen haben - dies aber eher in Form von stilistischen Einflüssen und nicht als Aneinanderreihung von Filmzitaten, wie man sie Quentin Tarantino etwa so häufig findet.

Aber es ist eben nicht ein reiner Regie-Film, sondern auch ein wunderbarer Schauspieler-Film, der in vielen wichtigen Szenen von Foster und Hopkins getragen wird - weshalb Du auch völlig zu Recht die komplexe Beziehung, die sich zwischen Clarice und Lecter entwickelt, ansprichst.

Zu der grausigen und großartigen Ausbruchsszene habe ich ja schon ein paar Worte gesagt...

Jedenfalls habe ich Deine Eindrücke zu dem Film gern gelesen und freue mich, daß Du hier mal vorbeigeschaut hast!

Deine Märchensammlung, um auch darauf noch kurz einzugehen, enthält nun wirklich so manche Perle, und hat ein wenig Aufmerksamkeit verdient. Sie steht ja auch schon in meinem Bücherregal, und ich habe mir zumindest vorgenommen, dort auch mal weiterzulesen, aber ich bin immer dermaßen mit Schreiben beschäftigt, daß ich viel zu wenig lese, was meine Autorenkollegen hier ins Archiv stellen.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend des ersten Advents und eine erfreuliche Weihnachtszeit!

Liebe Grüße,
Thomas
21.11.2019 | 21:29 Uhr
Lieber Thomas Heinrich!
Ich hab deine rezensierten Filme fast alle gesehen, aber es ist zu lange her für Details.
Und ich war damals noch so jung, dass ich sicher bin, ich würde sie heute mit anderen Augen sehen und analysieren.

Liv Ullmann war eine gute Schauspielerin, aber dass eine Psychiaterin so psychotisch ist, das macht eher Angst und bedient vielleicht ein bisschen zu sehr das Klischee, dass Psychiater selber alle einen Knall haben.
Stimmig war, dass jemand, der nach außen hin so stabil erscheinen kann, schon unbemerkt mit den Fingernägeln am Abgrund hängen kann.
Was passiert, wenn jemand, der Leuten mit psychischen Problemen helfen soll, selbst den Verstand verliert?

Andererseits kann ein Nervenzusammenbruch aus den unterschiedlichsten Grünen kommen, und war wohl schon vor der Vergewaltigung latent da.
Der Mann ist verreist, die Tochter auf Ferienlager, die Eltern tod und die Großeltern alt und teils dement. Das allein kann eine Krise auslösen.
Vielleicht hat Bergman da mit seiner eigenen Jugend abgerechnet.

Nun kann sie weder in der Ehe noch im Beruf funktionieren.
Auch hier war es wie in den "Szenen einer Ehe" wohl auch ein Blick auf eine gescheiterte Ehe zwischen 2 Psychiatern. Zumindestens eine Ehe in der Krise.

Mir war es mit den ganzen Wahnvorstellungen damals ein bisschen zu hektisch, zu plakativ.
Ich hätte es lieber subtiler gehabt, und ich denke, das würde ich heute noch viel mehr so empfinden.
Auch bin ich mir nicht sicher, ob man wirklich erst am Ende sein muss um zu heilen.
Liebe Grüße
und dir alles Gute!
R ◍

Antwort von Thomas Heinrich am 22.11.2019 | 20:18 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Erst einmal vielen Dank für Dein Review!

Zu dem Film kann ich mittlerweile auch nicht mehr so übermäßig viel sagen, da diese Rezension immerhin auch schon sieben Jahre alt ist, und danach habe ich den Film nicht mehr gesehen.

Die Grundkonstellation sehe ich nicht so kritisch, und für den psychischen Zusammenbruch gibt es ja durchaus plausible Gründe. Trotzdem funktioniert in diesem Film vieles, was man auch aus anderen Werken Bergmans kennt, nur bedingt. Für eine Abrechnung mit seiner eigenen Jugend halte ich diesen Film eigentlich weniger, da sind andere Werke (wie "Fanny und Alexander" etwa) in weitaus stärkerem Maße autobiographisch gefärbt.

Wenn ich mich richtig erinnere, ist allerdings "Wahnvorstellungen" nicht das wirklich passende Wort, ich würde eher von ausgedehnten Traumsequenzen sprechen. An sich finde ich so etwas immer sehr faszinierend, aber da findet man in anderen Filmen Bergmans gelungenere Beispiele.

Alles in allem habe ich den Eindruck, daß mich der Film trotz leiser Bedenken doch mehr überzeugt hat als Dich. (Andererseits bist Du da in der Gesellschaft des Meisters persönlich, der ihn ganz furchtbar fand...)

Liebe Grüße,
Thomas
24.10.2019 | 08:46 Uhr
Hallo Thomas Henrich,

den Film kenne ich nicht, aber der Regisseur ist mir ein Begriff. Ich habe den Film „Taxi Teheran“ von ihm gesehen und kann mir deshalb so ein bisschen vorstellen wie „This Is Not a Film“ gemacht wurde und auf den Zuschauer wirkt. Bei „Taxi Teheran“ war die Kamera am Armaturenbrett angebracht. Auch dieser Film ist eine Spiegelung seiner eigenen, aber auch der Lage der Bewohner des Landes, deren verschiedenen Ansichten, Verhaltens(regeln) und Lebenssituationen.
Ich finde es gut, dass du über Jafar Panahi und den Film etwas geschrieben hast.

Herzliche Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 24.10.2019 | 15:16 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

"Taxi Teheran" kenne ich wiederum noch nicht, dafür aber den zwischen "This Is Not a Film" und "Taxi Teheran" entstandenen "Parde", der auch selbstreflexive Züge hat und ein etwas sperriger, aber zugleich auch kluger und sehenswerter Film ist.

Die meisten meiner guten Texte aus meinem alten Filmtagebuch habe ich inzwischen schon in dieser Kolumne untergebracht, da wird es für mich immer schwieriger, noch etwas auszuwählen, aber diesen Text habe ich allein schon um Parnahis willen ausgesucht, denn es ist wichtig, daß seine Stimme nicht zum Verstummen gebracht wird.

Liebe Grüße,
Thomas
13.10.2019 | 18:16 Uhr
Lieber Thomas,

hier bin ich nun wie angekündigt :)
Ich bin, nach dem Lesen vom Buch, geteilter Meinung was Kubricks Verfilmung angeht. Dass Tony nicht so dargestellt wird wie im Roman, ist wirklich ärgerlich, da er doch eine tragende Rolle hat für den Verlauf der Handlung und generell ist auch Danny etwas unglücklich dargestellt worden. Da hätte man also schon mehr rausholen können. Shelley Duvall passt vom Aussehen so gar nicht in die Rolle der Wendy und ist auch charakterlich ganz anders.
Die Heckentiere wünsche ich mir im Nachhinein auch anstatt des Labyrinths und die ganze Sache mit Grady, den Zwillingen und den Blutlawinen würde ich am liebsten auch ändern.
Andererseits war der Film prägend, für mich zumindest, und ich fand Jack Nicholson in der Rolle des Jack Torrance überzeugend (zumindest mehr als seine Kollegen, wenn ich das im Nachhinein so sagen kann).
Die Spannung war beim Schauen da und ich fand den Film angenehmwas den Gruselfaktor betrifft, wenn man das mit heutigen Horrorfilmen vergleicht. Und ich denke, dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin. Der psychologische Horror des Films hat eben einen großen Eindruck in der Gesellschaft hinterlassen.

Liebe Grüße,
Luxy ovo

Antwort von Thomas Heinrich am 13.10.2019 | 18:54 Uhr
Hallo Luxy,

vielen Dank, daß Du hier mal vorbeigeschaut hast!

Daß Tony nicht direkt so wie im Buch erscheint, wäre an sich ja noch nicht so schlimm, wenn Kubrick eine passende filmische Entsprechung gefunden hätte. Hat er aber (nicht nur meiner Meinung nach) nicht. Insgesamt hat Kubrick Jack viel mehr in den Mittelpunkt gerückt, während sowohl Danny als auch Wendy deutlich kleinere Rollen als im Roman haben. Vor allem wird aber deutlich, daß Kubrick sich hier für die Figuren nicht wirklich interessiert hat, was ich schade finde.
Ansonsten finde ich eben wirklich, daß brillante Momente und totaler Murks sich in diesem Film auf erstaunliche Weise abwechseln. Die Entdeckung des Manuskripts (die so im Roman auch nicht vorkommt) ist nun wirklich gruselig, weil hier Jacks totaler Wahnsinn deutlich wird, auch mit dem Labyrinth gibt es tolle Momente, während ich den Blutströmen nicht viel abgewöhnen kann.
Sicherlich hat der Film seine Stärken, aber verglichen mit dem, was Kubrick noch so gedreht hat ("Wege zum Ruhm", "Dr. Seltsam", "Barry Lyndon" und natürlich der überragende "2001 - Odyssee im Weltraum"), finde ich diesen Film doch eher schwach und halte ihn für überschätzt.

Liebe Grüße,
Thomas
11.07.2019 | 20:51 Uhr
Lieber Thomas!
Es mag eine Kurzkommentar sein, relativ für deine Kolumne,
aber ich denke, du hast den Inhalt gut angedeutet ohne zu spoilern,
und einige interessante Aspekte dazu herausgefunden.
Herzliche Grüße und einen schönen Abend!
R ❁

Antwort von Thomas Heinrich am 11.07.2019 | 21:01 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank für Dein (übrigens sehr schnelles) Review!

Die meisten Texte in meiner Kolumne sind fraglos länger, und natürlich hätte auch dieser Film eine weitaus umfassendere Betrachtung verdient, doch zu einer solchen werde ich vermutlich nicht so schnell kommen, und daher sagte ich mir, daß ich dann lieber einen knapp gehaltenen, aber doch recht dichten Text hochlade als gar nichts über den Film gesagt zu haben.
Eine Ergänzung wäre übrigens noch, daß Wilder eigentlich einen anderen Anfang des Films gedreht hat: in der ursprünglichen Version begannen sich Leichen in einem Leichenschauhaus gegenseitig zu erzählen, wie sie ums Leben gekommen waren. Dieser Anfang wurde aber bei Testvorführungen mit Hohngelächter quittiert, so daß Wilder schweren Herzens darauf verzichtete und statt dessen eine komplett neue Eröffnungsszene drehte, die dann aber großartig gelungen ist. (Ich persönlich habe die Leichenschauhausszene leider nie gesehen, will aber einfach nicht glauben, daß die Szene wirklich schlecht war - ich glaube eher, daß sie für das amerikanische Publikum von 1950 wohl zu surrealistisch war und deshalb durchfiel.)
Ich wünsche Dir auch noch einen schönen Abend.

Liebe Grüße,
Thomas
07.07.2019 | 17:10 Uhr
Lieber Thomas!
Den Film kenn ich auch trotz Horror
Jack Nicholson ist ja echt irre. Kannst du dir jemand anderen in dieser Rolle vorstellen?
Ja, DU kannst sicher, aber dieser Film ist noch aus einer Generation der Horrorfilme, die ich gut ausgehalten habe und die wirklich sehenswert und auch intelligenter waren.
Heute sind sie viel übertriebener. Entweder hab ich mich verändert oder die modernen Filme.
Und auch Shining hab ich wohl bei seiner Erscheinung gesehen, als ich 20J. alt war. Da er mir aber noch sehr präsent ist, muss er wohl Eindruck hinterlassen haben.
Und wann immer ich an Nicolson denke, sehe ich ihn in diesem Film, obwohl er andere Filme weit dezenter gedreht hat. Und die gruseligen Zwillingsmädchen...

Stephen King war angeblich nicht glücklich mit der Filmversion.
Wenn man das Buch vorher kennt und sich sein eigenes Kopfkino gemacht hat, ist das immer schwierig,
aber noch mehr verliert ein Buch umgekehrt, wenn man dann schon die Protagonisten des Films immer vor sich sieht beim Lesen.
Und als Autor vermutlich überhaupt, vor allem wenn kein Mitspracherecht.
Danke für deine interessante Rezension!
Liebe Grüße.
R ◍

Antwort von Thomas Heinrich am 07.07.2019 | 18:51 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Ich habe mich ja schon daran gewöhnt, mit meiner Meinung bei diesem Film so ziemlich allein dazustehen (allerdings nicht völlig allein, da einer meiner Bekannten von kino.de und den filmforen es sehr ähnlich gesehen hat).
Was Nicholson betrifft, so fand ich ihn hervorragend in "Einer flog über das Kuckucksnest", auch in "Chinatown", ebenso in "About Schmidt" und bestimmt noch ein paar anderen Filmen - aber eben nicht in "Shining".
Als ich "Shining" das erste Mal gesehen habe, war ich übrigens 21 und schon damals nicht wirklich beeindruckt von dem Film. Ich habe ja geschrieben, daß er ein paar richtig starke Momente hat, aber eben auch viele Augenblicke, die ich schwach oder sogar albern finde. Ich finde heute noch, daß Kubrick nicht der richtige Regisseur dafür war, weil er sich nicht im geringsten für die Figuren interessiert hat. Polanski hätte die übersinnlichen Zutaten vermutlich noch stärker reduziert, dafür aber mehr Gespür für die psychologischen Aspekte mitgebracht. David Lynch hätte andererseits die bedrohlichen Visionen weitaus eindrucksvoller umsetzen können und die surreale Seite der Geschichte noch deutlich stärker zur Geltung gebracht. Beide hätten also sehr verschiedene Filme gemacht, aber ich glaube, beiden wäre ein besserer Film gelungen.

Stephen King war nicht nur angeblich, sondern definitiv nicht zufrieden mit dem Film. Er war sogar federführend an einer späteren Fernsehverfilmung beteiligt, für die er das Drehbuch geschrieben hat, die allerdings trotz guter Darstellerleistungen filmisch auch nicht wirklich interessant und vor allem viel zu lang (viereinhalb Stunden!) ist. In dieser Fernsehfassung kamen dann auch Kings heißgeliebte Heckentiere vor, die aber eben nur im Buch funktionieren, nicht jedoch im Film - egal ob auf der großen Leinwand oder auf dem Fernsehbildschirm.

Was Romanverfilmungen ganz allgemein betrifft, so habe ich im allgemeinen die besseren Erfahrungen gemacht, wenn ich eine Verfilmung zuerst gesehen habe - so bin ich auf einige Bücher aufmerksam geworden, die ich sonst vielleicht gar nicht gelesen hätte. Wenn man das Buch kennt, hat es der Film in den meisten Fällen schwerer, da wären bei mir ein gutes Beispiel die "Herr der Ringe"-Filme Peter Jacksons, die überall gelobt werden - aber nicht von mir!

Liebe Grüße,
Thomas
02.05.2019 | 21:58 Uhr
Lieber Thomas!
Ich mag keine Horrorfilme.
Aber die früheren, alten Horrorfilme waren schon gut.
Und Rosemaries Baby gehört sicher zu den besten, hat mir sehr gefallen.

Allerdings habe ich ihn gesehen, noch bevor ich Mutter war, ich weiß nicht, wie ich heute auf diesen Plot emotional reagieren würde.
Also damals war ich noch ein kleines Kind, ich hab das dann irgendwann im TV gesehen.
Nicht von Polanski, aber aus dieser Zeit und für mich irgendwie ein Nachfolgerfilm wäre "Das Omen", das ich als Teenager dann schon im Kino sehen durfte.
Harold und Maude, den du erwähnst, war auch ein ganz toller Film übrigens!

Mir gefällt natürlich, dass der Horror hier lange auch nur Rosemaries Paranoia sein könnte, was der werdende Papa ja auch annimmt.
Umso schlimmer, dass sie niemand findet, der ihr glaubt.
Und auch der werdende Papa für die Zuschauer immer mehr ins Zentrum der Verschwörung rutscht.

Der Schluss ist dann besonders gruselig, aber sehr gut und nachvollziehbar.
Damit rutscht alles wieder in die Realität.

Eine wieder gute Rezension,
die Erinnerungen wachruft,
Nicht-Kenner neugierig macht
und trotzdem nicht zu viel verrät.
Liebe Grüße.
R ❀

Antwort von Thomas Heinrich am 03.05.2019 | 02:10 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Zunächst will ich mich für Dein Review bedanken. Ich finde grundsätzlich das Horrorfilmgenre sehr interessant, wobei es da natürlich auch ein paar wüste Exzesse gegeben hat. Aber allein schon die Abgrenzung zu anderen Genres ist gar nicht so einfach, und ob man einen bestimmten Film zu dem Genre dazurechnet, hängt stark davon ab, wie man einen Horrorfilm definiert. Aber vielleicht schreibe ich ja mal, wenn ich Zeit dafür habe, einen kleinen Essay über das Genre für diese Kolumne (denn ich habe eben keinen alten Text, auf den ich zurückgreifen könnte).

Nach diesen Abschweifungen aber zurück zu "Rosemaries Baby": an dem schätze ich gerade, wie das Grauen auf leisen Sohlen dahergeschlichen kommt. Allerdings würde ich ihn vermutlich keiner (Hoch)schwangeren vorführen...
"Das Omen" habe ich übrigens auch mal gesehen, ein nicht ganz so raffinierter, aber gut gemachter und spannender Film, auf den dann leider zwei recht doofe Fortsetzungen folgten. Und "Harold und Maude" ist wirklich ein wunderbarer Film, so ungemein komisch und zugleich so melancholisch - und allein schon dieses Paar!

Mir gefällt auch, daß es sehr lange in der Schwebe bleibt, ob echte Teufeleien im Gange sind oder Rosemarie sich vielleicht doch nur alles einbildet. Bis dann der Schluß für Gewißheit sorgt...

Auf alle Fälle ein echter Höhepunkt des Genres!

Liebe Grüße,
Thomas
14.04.2019 | 13:02 Uhr
Hallo Thomas,

hier kommen gleich zwei brillante Komponenten zusammen: einmal eine Romanvorlage von Daphne du Murier und die dazu in Szene gesetzte Verfilmung von Alfred Hitchcock. Was will man mehr? Großartige Schauspieler (Tippi Hedren), die diesen Film zu einem unnachahmlichen Unikat machen.

Interessanterweise ist mir nie aufgefallen, dass am Ende kein THE END steht … Tja, wie soll man dieses offene Ende nehmen? Einerseits enttäuscht es ein bisschen, andererseits bleibt das Phänomen erhalten. Vögel, die plötzlich und aus nicht erkennbaren Gründen angreifen. Der Stoff aus dem die Alpträume sind. Doch genau die können wahr werden. Ich bin als Kind von nur EINEM Vogel (Rabe!) angegriffen worden … das hat gereicht.

Auch hier habe ich eine Szene, die ich besonders hervorheben möchte: die Minuten, als Melanie vor der Schule wartet und raucht. Die Kinder singen im Klassenzimmer und im Hintergrund füllt sich das Klettergerüst allmählich mit den potenziellen, geflügelten Angreifern.

Das mögliche Ende mit den Vögeln auf der Golden Gate Bridge hätte mir gefallen. Mit den heutigen Möglichkeiten, wäre dies sicher machbar.

Grüße,
Roxy

Antwort von Thomas Heinrich am 14.04.2019 | 17:26 Uhr
Hallo Roxy,

vielen Dank für Dein Review!

Hitchcock hatte ja schon in früheren Jahren zwei Vorlagen von Daphne du Maurier verfilmt, wobei ich "Jamaica Inn" noch nie gesehen habe und "Rebecca" atmosphärisch großartig, im Gesamtergebnis aber trotzdem nicht ganz überzeugend ist, da eine inhaltlich völlig unsinnige Abweichung von der Romanvorlage dem Film sehr schadet (was aber weder die Schuld von Hitchcock noch die des Produzenten Selznick ist, sondern vielmehr die der Zensurstellen, die damals in Hollywood ihr Unwesen trieben). In "Die Vögel" hat Hitchcock (ich glaube, dies auch im Text erwähnt zu haben) dagegen von der Erzählung nur die Grundidee übernommen, auf diese Weise aber eines seiner größten Meisterwerke geschaffen.

Ich finde das offene Ende eigentlich sehr überzeugend: es fällt in eine der Ruhephasen, doch man ahnt, daß nicht mehr viel Zeit bis zur nächsten (und vermutlich tödlichen) Attacke vergehen wird - auf alle Fälle sehr beklemmend!

Die Szene, die Du konkret anspricht, finde ich auch großartig. Sie ist auch gerade deshalb wirkungsvoll, weil Hitchcock nur die ersten Vögel, die sich auf das Gerüst setzen, bei ihrem Anflug zeigt - das genügt, um zu verdeutlichen, was geschieht. Wenn das Gerüst dann das nächste Mal zu sehen ist, ist es bereits vollkommen besetzt - allein diese Szene ist ein kleines Meisterstück!

Mit den heutigen Möglichkeiten wären sicherlich auch die Dreharbeiten deutlich einfacher gewesen - Hitchcock betrat seinerzeit in so mancher Hinsicht Neuland, aber er fragte sich gar nicht: "Kann man das überhaupt drehen?", sondern er fragte sich: "Wie kann man das drehen?" Auch eine solche Herangehensweise zeichnet wohl einen Meister aus.

Liebe Grüße,
Thomas
07.04.2019 | 15:56 Uhr
Hallo Thomas,

einer meiner absoluten Lieblingsfilme … ever ...ever … ever …

*lach* ich entstamme einer Generation, die auch noch s/w Filme kennt … und liebt …

Was soll ich sagen? Inzwischen gibt es eine Serie "Bates Motel" auf Netflix … übrigens sehr zu empfehlen !!!

Nichts geht jedoch über das Original.

Ich möchte mal eine Szene besonders herausheben: der Mord an Marion ist vollzogen und Norman reinigt das Zimmer mit der Nummer 1. Ich glaube, die ganze Szene geht etwa 10 Minuten, in denen Norman Bates einfach nur die Spuren des Verbrechens verwischen versucht. Frage: wann war eine solch "banale" Szene so großartig ???(ja … ich finde sie großartig, weil sie sich ohne Worte abspielt)
Der Film fixt mich noch immer an. Ich habe ihn mindestens 10 mal gesehen und Anthony Perkins als Norman Bates ist unschlagbar. Man beachte seine Gestik und Mimik.

Zurückkommend auf die Serie "Bates Motel" hat Freddie Highmore einen adäquat und für die Neuzeit qualitativ guten Norman abgegeben. Mal gesehen? Wie gesagt: ich kanns nur empfehlen …
Es gibt einen zweiten Teil von Psycho … er spielt 20 Jahre danach und er ist in Farbe. Er ist eine logische Fortsetzung, aber er hat nicht die Qualität des ersten Films. s/w kann noch immer überzeugen - Psycho sei Dank.

Liebe Grüße,
Roxy

Antwort von Thomas Heinrich am 07.04.2019 | 16:48 Uhr
Hallo Roxy,

vielen Dank für Dein Review!

"Psycho" ist - wie sich schon dem Text entnehmen läßt - auch einer meiner Lieblingsfilme (den ich auch schon etliche Male gesehen habe, das Dutzend ist auf jeden Fall schon voll, ich glaube aber, es ist bereits überschritten).

Von der Serie "Bates Motel" habe ich die ersten zwei (oder drei?) Folgen mal gesehen, sie dann aber nicht weiterverfolgt.

Die von Dir herausgehobene Reinigungsszene ist wirklich großartig - hier zeigt sich auch, daß Hitchcock seine Laufbahn noch in der Stummfilmzeit begonnen hat. Ein besonders prägnantes Detail ist der Moment, in dem das Auto im Sumpf einen Moment lang steckenbleibt, bevor es endgültig versinkt.
Perkins ist in der Rolle perfekt (die sich allerdings für ihn allmählich zu einer Art Fluch entwickelte, weil er später fast nur noch als Psychopath besetzt wurde...). "Psycho II" habe ich auch mal gesehen, so wie auch "Psycho III" - was soll ich zu diesen Filmen sagen? Man kann sie sich ansehen - muß aber nicht...

Liebe Grüße,
Thomas
02.04.2019 | 09:08 Uhr
Lieber Thomas!

Mir geht es ähnlich wie Net Sparrow. Ich weiß, dass ich mindestens zwei Filme zu Effi Briest gesehen habe. Vermutlich den mit Ruth Leuwerik, später dann den von Rainer Werner Fassbender mit Hanna Schygulla. Da ich auch das Buch von Fontane gelesen und viele Jahre in meinem Bücherregal stehen hatte, ist mir zwar die Handlung noch bekannt, aber ich kann heute nicht mehr sagen wie mir die Filme gefallen haben.
Die Schygulla wird mir vermutlich in der Rolle gefallen haben, da das meistens der Fall war.
Daran, dass Auszüge aus dem Buch gelesen wurden, kann ich mich noch erinnern.

Aber wie schon bei den anderen Filmen unschwer zu erkennen ist, achte ich nicht so sehr auf die Details. Sicher muss man Filme mehrmals anschauen, dass einem diese auffallen können.

Schöne Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 03.04.2019 | 00:35 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

Inhaltlich kann ich jetzt nicht sehr viel Substanzielles sagen, da Du ja selbst erwähnst, daß Deine Erinnerung ein wenig unscharf ist.

Übrigens habe ich diesen Film auch nur einmal gesehen (aber die Urfassung dieses Textes eben auch schon sehr kurz danach geschrieben), wobei ich Filme auch ein wenig anders sehe als vermutlich die meisten Zuschauer, das ist auch ein wenig Erfahrungssache. Richtig ist aber, daß einem bei wiederholten Sichtungen mehr Details auffallen.

Liebe Grüße,
Thomas
29.03.2019 | 12:22 Uhr
Lieber Thomas!
Ich weiß jetzt nicht, ob ich diesen Film gesehen habe, vor allem den von Fassbinder, es gibt ja mehrere Verfilmungen.
Fontanes Effi Briest ist mir tatsächlich inhaltlich viel präsenter als visuell in Erinnerung, weil ich es auf jeden Fall in der Schule gelesen habe.
Ich kann mich so gut an den Inhalt erinnern, bestimmt mussten wir damals auch eine Analyse schreiben.
Leider hab ich alle Aufsätze von mir von damals nicht mehr.

Mich hat diese Tragödie sehr berührt beim Lesen.
Bei Literaturverfilmungen stört mich ein gelesener Text aus dem Off gar nicht, gefällt mir sogar, wenn er atmosphärisch stimmig dazu passt.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
R ✿

Antwort von Thomas Heinrich am 29.03.2019 | 13:06 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank für Dein Review zu diesem kurzen Text, den man wohl kaum als wirkliche Rezension bezeichnen kann. "Effi Briest" ist sicherlich eines der Meisterwerke Fontanes, wenn auch nicht unbedingt derjenige seiner Romane, den ich am liebsten lese - da greife ich dann eher zu "Der Stechlin" oder "Frau Jenny Treibel", weil das Lesevergnügen dann größer ist. Wobei ich natürlich größten Respekt vor "Effi Briest" und dem künstlerischen Rang des Romans habe.

Von den diversen Verfilmungen habe ich nur zwei gesehen, zum einen eben Fassbinders sperrigen Schwarzweißfilm, zum anderen den entsetzlichen Edelkitsch mit der Leuwerick, von dem ich nur sehr entschieden abraten kann.

Normalerweise stört mich gelesener Text aus dem Off bei Literaturverfilmungen schon, weil das ganze schnell unfilmisch wird, aber dies ist eben eine der Ausnahmen von der Regel.

Dir wünsche ich ebenfalls ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,
Thomas
07.03.2019 | 20:20 Uhr
Hallo Thomas Heinrich,

Vielen Dank für diese Rezension!
Ja, diese Szene dort in der Bar ist sicherlich eine der " grusligsten" dieses Films. Sicher aber der fiesesten, (zusammen mit Onkel Charlies Mordversuchen), für mich aber auch irgendwie eine der Traurigsten. Es gibt ja anschliessend die Szene, wo sie zusammen nach Hause gehen und als Charlie dann einen Moment alleine auf der Terrasse ist, anfängt zu weinen. Ich weiss noch, dass es mir beim ersten sehen dabei selber fast das Herz "zerriss".
Wie Nat Sparrow schon geschrieben hat, ist die Familie Newton wirklich skurril . Besonders gefällt mir immer Emma Newton ("Wenn's weiter nichts Ist"! Anne, du sollst dir nicht immer was hinters Ohr stecken!")
Oder Herb Harwkins, der Nachbar, welcher immer beim Essen stört ( " Der kommt aber auch immer wenn wir gerade essen!") und mir Joe Newton über Krimis und Triller diskutiert. (" Dauernd sprecht ihr davon, wie man Leute umbringt!")
Oder auch Anne Newton, die immer scharf aufs Lesen ist. In diesen Szenen hat der Film immer fast etwas Komödiantisches und man kann einfach nur lachen.
LG Fanni

Antwort von Thomas Heinrich am 07.03.2019 | 21:55 Uhr
Hallo Fanni,

vielen Dank auch an Dich für Dein Review!

Letztlich mußte ich an meinem Filmtagebuch-Text nur den ersten Satz umschreiben, um ihn für diese Kolumne verwenden zu können, und so konnte ich Deinen Wunsch dementsprechend schnell erfüllen.

Die Szene in der Bar ist ohne Zweifel auch eine der eindringlichsten überhaupt. Trotz der von Dir erwähnten komischen Momente ist es doch ein insgesamt recht düsterer Film (als ich mal eine Dokumentation über Hitchcock sah, in der zahlreiche andere Regisseure zu Wort kamen, stammten die klügsten und treffendsten Kommentare fast durchweg von Jonathan Demme, der auch zu diesem Film einige Worte zu sagen hatte und besonders auf den Aspekt hinwies, wie schrecklich es sein muß, in einem geliebten Menschen, dem man nahesteht, einen Mörder erkennen zu müssen - diesen Gesichtspunkt habe ich dann ja auch in meine Filmbesprechung einfließen lassen).

Liebe Grüße,
Thomas
07.03.2019 | 19:34 Uhr
Hallo Thomas!

Das ist ein Film an den ich mich noch ein bisschen erinnern kann. Vielleicht weil ich am Ende bestürzt und ratlos, in Bezug auf den Jungen jedoch auch etwas hoffnungsvoll, war. Verstanden hatte ich ihn jedoch nicht wirklich. Aber wer hat das damals schon. Irgendwo habe ich mal gelesen „ ein Film zwischen Kunst und Kitsch“ oder „Denunziation der Unmoral“. Der Film war auf jeden Fall sehr umstritten. Wie man ihn wohl heute beurteilen würde?
Deinen Text dazu habe ich jedoch mit viel Interesse gelesen.

Einen schönen Abend
wünscht
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 07.03.2019 | 21:42 Uhr
Hallo herbstlady,

auch Dir will ich für Dein Review danken!

"Das Schweigen" ist sicherlich ein recht beklemmender und zugleich vieldeutiger, wohl auch ein wenig geheimnisvoller Film - und einer, über den auffallend viel Blödsinn geschrieben worden ist, wie ich versucht habe deutlich zu machen.
Eigentlich war der Film schon sehr modern und seiner Zeit ein wenig voraus. Ich finde auch, daß er sich gut gehalten hat, während manch andere Werke, über die früher viel gesprochen wurde, inzwischen doch reichlich veraltet wirken.

Dir wünsche ich auch noch einen schönen Abend!

Liebe Grüße,
Thomas
07.03.2019 | 19:12 Uhr
LieberThomas!
Joseph Cotton hat natürlich ideal gepasst für einen Serienmörder, die die Witwen ja ermordet hat um sie auszurauben, in der Maske eines Biedermanns, die sogar über seinen Tod hinaus von der Familie aufrecht erhalten wurde.
Damals waren ja die Bösen böse und die Guten gut, die Bösen ritten im Western der 1950er Rappen, die Helden Schimmel usw.. Hichcock hat sich etwas getraut, was heute zunehmend modern ist, dass Serienkiller faszinierend und charismatisch sind (z.B. in den Serien "Dexter" und "You" usw.)

Die Familie ist sowieso sehr skurril, insgesamt ist es auch eine amerikanische Kleinstadt-Milieustudie.
Nicht Onkel Charlie stand im Mittelpunkt des Films sondern die junge Charlie, die Unschuld eines Teenagers, die lernen muss, dass die Welt böse ist, und das bis in ihr Haus hinein. Es hat schon sexuelle und inzestiöse Untertöne, in Bezug auf die damaligen, behüteteren Teenager fast pädophil.
Im Grunde hat Onkel Charlie der jungen Charlie - mental - die Unschuld geraubt.

Übrigens war die Filmmusik wirklich gut.
War eine weitere sehr gute Rezension.
Lieben Gruß.
R ㋡

Antwort von Thomas Heinrich am 07.03.2019 | 21:31 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank erst einmal für Dein Review. Joseph Cotten zeigt hier in der Tat eine Glanzleistung - zudem im starken Kontrast zu seinen Rollen in "Citizen Kane" und "Der dritte Mann".

Die Familie ist in der Tat ein wenig skurril, aber dabei auch sehr liebevoll und humorvoll geezichnet. Was die beiden Charlies betrifft, so würde ich sagen, daß sie beide gemeinsam im Mittelpunkt stehen (und in beiden finden sich auch Züge von Hitchcocks eigener Persönlichkeit, worauf Donald Spoto in seiner Biographie hingewiesen hat) - man könnte auch von den verschiedenen Seiten einer Persönlichkeit sprechen.

Deine Gedanken zu dem Film sind aber auch recht interessant.

Liebe Grüße,
Thomas
02.03.2019 | 18:42 Uhr
Lieber Thomas!
Es geht um Einsamkeit und fehlende Liebe.
Sex in der Öffentlichkeit, mit Fremden, die Masturbationszene kann das hier ausdrücken,
vor allem eben in der damaligen sexualfeindlicheren Zeit. Heute kein Aufreger mehr.
Man sah keine Nackten, nicht mal beim Sex, und man sah einmal Brüste: *Schnappatmung*.
Bei Hitchcock (North by Northwest, glaube ich?) fuhr metaphorisch der Zug in den Tunnel, hier gewaltiger ein Panzer.

Ich denke, Schmähschriften (heute würde man Shitstorm sagen) waren damals schon ein gutes Werbemittel, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Er war nicht der einzige Künstler, der das so gemacht hat selbst.
Ingmars Zitat in seiner Autobiographie fand ich bildgewaltig für einen Pastorensohn.
Mich hat von den Bergman-Werken am meisten "Szenen einer Ehe" in der Langfassung berührt.

Wieder sehr interessant geschrieben.
Ich mag solche Denkspiele.
Als Film hat mir die emotionale Kälte, ja fast Hass zugesetzt.
Liebe Grüße.
R ☆

Antwort von Thomas Heinrich am 03.03.2019 | 02:46 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank für Dein Review!

Die kurzen "Sexszenen" waren damals (das war ja noch vor meiner Zeit) wohl ein Riesenaufreger, sorgten aber auch dafür, daß dies Bergmans größter Kassenerfolg war - im Rückblick ein eher erheiterndes Mißverständnis. (Übrigens hast Du recht, der Zug, der in den Titel fährt, ist das Schlußbild von "North by Northwest".)

"Szenen einer Ehe" kenne ich bislang nur in der Kinofassung, so wie übrigens auch "Fanny und Alexander" (wobei ich diese schon sehr eindrucksvoll finde, der Film ist definitiv einer meiner Favoriten bei Bergman). Unglaublich intensiv finde ich "Schreie und Flüstern", womöglich Bergmans bester Film - allerdings müßte ich zu dem erst einen Text schreiben, in meinem Filmtagebuch gab es nämlich keinen.

Liebe Grüße,
Thomas
09.02.2019 | 20:48 Uhr
Lieber Thomas!
Uhrwerk Orange hab ich in meiner Jugend gesehen in dem studentischen Cineastenklub,
und vor gar nicht so langer Zeit noch mal im TV.
Also ist das eine Rezi von dir, die ich noch ziemlich gut beurteilen kann auch als Erwachsene.
Ich hab die Kubrick-Filme alle gesehen, aber alle (bis auf diesen!) eben schon vor Jahrzehnten.

Es ist eine sehr ausführliche und reflektierte Rezi, die mich sehr beeindruckt hat.
Interessanterweise empfinde ich diesen Film teilweise anders.
Nicht zum ersten Mal bei dir, und das macht es ja - hoffentlich auch für dich - spannend ;)

Ich bin ja ein Sensibelchen, gerade was Gewalt angeht, aber fand ihn beide Male Anschauen durchaus erträglich.
Die Musik ist toll und sie triggert mich auch nicht.
Ich seh derzeit ziemlich schwarz, was die Entwicklung der Menschlichkeit und Umwelt angeht,
aber solange das, was wir in dem Film gezeigt bekommen, wir auch heute fast 20 J. später noch als schmerzhaft empfinden, habe ich Hoffnung.

Ich würde dir gerne noch erklären, warum ich persönlich die Gewalt hier verglichen zu Actionfilmen geradezu erträglich gefunden habe:
Um mich zu berühren, muss das vordergründig Gezeigte mit den nonverbalen Signalen oder den Schwingungen, die Menschen und ihre Stimmungen und Aktionen aussenden, übereinstimmen. Darum berühren mich die Schauspieler, die ihre Rollen "leben".
Hier ist Gewalt bewusst inszeniert durch die Musik, die "Ballett"-Szene, selbst der Mord und die Vergewaltigung sind geradezu chorographiert, durch die Musik wird der Eindruck noch verstärkt. Es wird Brutalität gezeigt, aber kein offener Hass. Es wird gequält, aber Musik dominiert über die Angst der Protagonisten.
Also weckt es auch keine realen Ängste in mir. Hier passiert nichts, was in meiner realen Welt auch passieren könnte.
Konnte ich das verständlich erklären?

Deinen philosophischen Gedanken, dass Alex das Ur-Gefühl auslebt, finde ich ja sehr interessant, auch wenn ich nicht daran glaube.
Denn so wie Kinder niemals böse geboren sind und immer neugierig aufs Lernen sind, so ändert sich das erst mit den Jahren, letzteres mit der Schule.
für mich ist das Ur-Gefühl Liebe. Angst, Ausgrenzung, usw. lernt man nach meinem Weltbild erst im Leben von der Gesellschaft.

Wenn ich mich aber auf deinen Gedanken der Ur-Gewalt einlasse, dann empfinde ich die Musik als die eigentliche Urgewalt.
Ncht aggressiv, sondern positiv gewaltig wie eine Meereswelle, die nicht zu stoppen ist, bis sie ausläuft.

Filmmusik kann alleine stehen, da gibt es viele Beispiele. Z.B. Ennio Morricone.
Wenn man also grandiose Filmmusik komponieren lassen kann, die weit über den Film hinaus Erfolg hat, wieso dann nicht auch umgekehrt.
Außerdem haben viele neuere Filme einfach schon bekannte Hits als Filmmusik unterlegt, da wird nichts mehr komponiert, nur ein paar Tantiemen bezahlt.
Wie schon erwähnt, mich triggert der Film nicht bei dieser Musik, ich habe die klassischen Stücke in ihrer auch hier genossen.

Ich fand es einfach großartig, eben auch aus erwähnten Gründen, weil es die Gewalt "künstlich" macht für mich.
Wenn die Musik hier Gewalt hervorruft, ist sie eher für mich eine stilistische Metapher, als wenn er sich Drogen eingeworfen hätte.
Also wieder ein bewusstes Stilmittel, das eben nicht real ist, und mich dadurch weniger verstört als wenn er wesentlich realer was einwerfen würde.

Ich frage mich, ob Kubrick Beethoven und Rossini gehasst hat, dass er sie dafür "missbraucht" hat, ob er eine gewalttätige Komposition in ihnen gesehen hat.
Oder weil die Musik einfach "gewaltig" ist.
Ich erinnere mich, bei Kubricks "2001" war es Strauß.

Weißt du übrigens, dass Hitler u.a. Beethoven und Wagner als systemkonform umgedeutet hat. Hitler war ein großer Opernfreund.
Beethoven hatte eine Bedeutung in der Nazi-Ideologie. Zitat: „In Beethovens Musik erlebt das deutsche Volk über seine staatlichen Grenzen, Weltanschauungen und sozialen Schichten hinweg die heroische Form seines eigenen Wesens.”
Vielleicht hat Kubrick das einmal gelesen und es künstlerisch verarbeitet.

Wir haben ja schon in der Schule die literarischen Klassiker zerpflückt, und ich frage mich oft - auch wieder, wenn ich hier auf FF.de weit weniger literarische Höhenflüge analysiere und oft Dinge herauslese, über die sich die Autoren niemals so den Kopf zerbrochen haben - ob wir hier nicht auch mehr hineindeuten als Kubrick gedacht hat, der vielleicht wirklich nur einen stylishen Film machen wollte?

Aber vor allem ist es ein sehr intelligenter Film, der heute, wo die Medien mehr Macht als jemals haben, fast noch aktueller ist als zu seiner Entstehung.
Oder ich bin reifer, um es zu erkennen ;)

Ob jetzt verherrlichend oder anprangernd, ich möchte das für mich auf 1 Satz zusammenfassen:
Es ist ein Film, über den man herrlich nachdenken/diskutieren kann,
und damit hat er seinen Zweck voll erfüllt!

Ich hoffe, du konntest mit meiner kontroversen Review was anfangen.
Wie gesagt, deine Rezi war ganz große Klasse und viel Food for thought.
Liebe Grüße.
R ₪

Antwort von Thomas Heinrich am 09.02.2019 | 22:17 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review, auf das ich allerdings nicht so ausführlich antworten werde, wie es eigentlich angemessen wäre - einfach deshalb, weil ich schon bei kino.de und später noch auf anderen Seiten unglaublich ausufernde, letztlich aber stets ergebnislose Diskussionen über diesen Film geführt habe. Da diese Filmkritik (wenn man sie denn so nennen will) einen wichtigen Platz in meinem alten Filmtagebuch einnahm, gehörte sie auch irgendwie in die Kolumne hinein, aber an die früheren Diskussionen denke ich mit Schrecken zurück und plane nicht, diese hier fortzuführen.

Halten wir also einfach fest, daß wir uns hier hochgradig uneinig sind! Mich stört eben vor allem, daß der Film selbst den Zuschauer konditioniert (bei mir zumindest hat er das getan, und es hat Jahre gedauert, bis der Effekt nachgelassen hat!), damit aber nehme ich ihm die ganze "Kritik" an den Konditionierungspraktiken, wie sie gezeigt werden, auch nicht mehr ab.

Daß Wagner und auch Beethoven von den Nazis mißbraucht wurden, ist ja nun allgemein bekannt, wobei es da einen großen Unterschied gibt: der Antisemit Wagner, der auch vor giftigen Pamphleten wie "Das Judentum in der Musik" nicht zurückschreckte, hat wirklich alles dafür getan, um mißbraucht zu werden, während man dies von Beethoven keineswegs behaupten kann. Die beiden sollte man daher auf keinen Fall in einen Topf werfen.

Aber letztlich will ich hier gar nicht all meine alten Argumente noch einmal vorbringen. Es ist inzwischen (und glücklicherweise) 15 Jahre her, daß ich den Film zum zweiten und zugleich letzten Mal gesehen habe, und ich werde dies ganz bestimmt kein drittes Mal tun - dafür hasse ich ihn viel zu sehr, und so sehr ich die meisten anderen Werke Kubricks auch zu schätzen weiß, werde ich ihm diesen Film wohl niemals so ganz verzeihen können.

Dir wünsche ich noch einen schönen Sonntag.

Liebe Grüße,
Thomas
08.02.2019 | 14:03 Uhr
Hallo Thomas,

Audrey Hepburn habe ich als Jugendliche und junge Frau sehr gern gesehen.
Deshalb kenne ich nicht nur diesen, sondern auch noch einige andere Filme mit ihr:
Ein Herz und eine Krone, My Fair Lady, Sabrina, Krieg und Frieden, Frühstück bei Tiffany,
Geschichte einer Nonne..... Ob mir „Ariane“ besonders gut gefallen hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Es war eine typische Billy-Wilder- Komödie, mit viel Witz, anders als die Komödien heute. Audrey Hepburn war nicht nur eine Stilikone, ich habe sie als gute Schauspielerin in Erinnerung und sie war , soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, ein großartiger Mensch.

Da ich selten einen Film mehr als einmal anschaue, sehe ich nicht so sehr die Details und manchmal stört oder fehlt mir etwas und ich weiß auch am Ende des Films noch immer nicht was es ist. Dein umfangreiches Wissen ist bemerkenswert und ich finde sehr interessant auf was du alles achtest.

Schreibst du auch was zu deutschen, österreichischen oder englischen Filmproduktionen neueren Datums?

Liebe Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 08.02.2019 | 15:15 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank auch für dieses Review!

Ich kenne auch so einiges an Audrey-Hepburn-Filmen (mir fallen auf Anhieb ein: "Ariane", "Sabrina", "Charade", "Frühstück bei Tiffany", "Funny Face", dessen deutscher Titel "Ein süßer Fratz" lautet, "Ein Herz und eine Krone", "Wie klaut man eine Million?", "Infam" und "Sie haben alle gelacht" - dazu kommt noch "Warte, bis es dunkel ist", den ich zu meiner Schande anfangs vergessen hatte); meine beiden Favoriten sind "Ariane" und "Charade". Fraglos war sie eines der charmantesten Wesen, die jemals vor einer Filmkamera standen.

Filme, die mir wirklich gefallen, sehe ich gern auch mehr als einmal, bei manchen liegt die Zahl der Sichtungen schon im zweitstelligen Bereich. Abgesehen davon schreibe ich (so nehme ich es an) am besten über die Filme meiner Lieblingsregisseure, weil ich bei denen ganz gut weiß, was das besondere an ihrem Stil ist und wodurch sie sich von anderen Regisseuren abheben. Und ich habe eine ganze Reihe von Filmbüchern in meinem Regal - die liefern zum einen viele Hintergrundinformationen und helfen auch dabei, den Blick zu schulen.

Ich greife ja in meiner Kolumne in erster Linie auf mein alten Tagebuch, das ich bei den filmforen einst führte, zurück, und da waren deutsche, österreichische und englische Filme neueren Datums kaum vertreten. Ab und zu schreibe ich ja mal einen ganz neuen Text, aber auch dann wird es in den meisten Fällen oder um ältere Filme gehen, und dazu kommt noch, daß ich mich mit österreichischen Filmen kaum auskenne und wiederum wenig Motivation habe, über deutsche Filme zu schreiben, da ich ungefähr 95% aller deutschen Filme, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, zum Sterben langweilig finde.

Liebe Grüße,
Thomas
07.02.2019 | 18:39 Uhr
Guten Abend,

zu meiner Überraschung ein weiterer Film den ich gesehen habe. „Psycho“. Aber eben auch schon mehr als 40 Jahre her.. Damals fand ich den Film sehr brutal. Wirklich begeistert war ich, nach meiner Erinnerung, nicht. Wie ich es heute empfinden würde, weiß ich natürlich nicht. Beeindruckend fand ich jedoch die Musik zu den Szenen. Oft verstärkt sich ja das was wir sehen sehr durch die Musik. So ging es mir in diesem Film wohl auch. Die Geschichte ansich war mir nicht mehr so ganz im Gedächtnis. Ich habe mich deshalb gefreut, dass du hierüber eine sehr ausführliche Rezension mit vielen Zusatzinformationen geschrieben hast.

Liebe Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 07.02.2019 | 19:56 Uhr
Hallo herbstlady,

auch auf dieses Review, für das ich mich ebenfalls bedanke, will ich nun antworten. "Psycho" gehört zu den Filmen, die fast jeder schon mal gesehen hat, und wenn er heute auch nicht mehr die Schock-Wirkung wie zu seiner Entstehungszeit ausübt, ist er doch immer noch sehr interessant - und einer meiner persönlichen Favoriten.
Was die Musik betrifft, so stimme ich Dir vollkommen zu - die steigert die Wirkung an vielen Stellen beträchtlich und war fraglos auch stilprägend für den Horrorfilm insgesamt, denn Herrmanns schrille Klänge wurden nicht weniger oft kopiert als die vielen inszenatorischen Raffinessen Hitchcocks.

Liebe Grüße,
Thomas
07.02.2019 | 08:37 Uhr
Hallo Thomas,

ich bin heute Nacht mal die Filme durchgegangen über die du hier schreibst. Einige Titel sind mir zwar bekannt aber ich weiß nicht ob ich die Filme tatsächlich gesehen habe.

Der erste, vielleicht auch der Einzige, den ich mit Sicherheit kenne ist „Die Vögel“. Es ist jedoch schon sehr lange her, als ich diesen Film angeschaut habe. Ich fand die Filme von Hitchcock zwar gut, aber auch immer grauslig, düster und unheimlich. An die Handlung kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern aber einige Szenen sind mir sehr im Gedächtnis geblieben. Vor allem natürlich die Vogelangriffe und die unwahrscheinliche Ruhe ( vor dem 1.Angriff oder nach dem letzten Angriff?) kann ich mich auch noch erinnern. Danke für die vielen Informationen rund um den Film.

Durch deine Rezension habe ich nun Lust bekommen ihn nochmals anzuschauen.

Herzliche Grüße
herbstlady

Antwort von Thomas Heinrich am 07.02.2019 | 19:49 Uhr
Hallo herbstlady,

vielen Dank für Dein Review!

"Grauslig, düster und unheimlich" beschreibt sicherlich viele (nicht alle) Hitchcock-Filme treffend; aber vermutlich ist genau das ein Hauptgrund dafür, daß ich sie mag, denn bei Filmen habe ich eine gewisse Vorliebe für düstere Werke. Mit der "unwahrscheinlichen Ruhe" meinst Du vermutlich die Phase, die dem letzten großen Angriff vorausgeht, diese Szenen sind auch wirklich äußerst beklemmend inszeniert.

Liebe Grüße,
Thomas
04.02.2019 | 07:25 Uhr
Lieber Thomas!
Das Ganze erinnert am ehesten an die Gemälde der Surrealisten.
Die Bildsprache von David Lynch ist eindrucksvoll,
umso mehr als ja auch einen großen Teil des Films überhaupt nicht gesprochen wird.
Jedenfalls ist dir eine sehr gute Rezension und vor allem Interpretation zu einem sehr schwierigen Film gelungen.
Liebe Grüße.
R ◆

Antwort von Thomas Heinrich am 04.02.2019 | 15:36 Uhr
Liebe Net Sparrow,

vielen Dank für Dein Review!

Der Vergleich mit den Gemälden der Surrealisten ist sicherlich passend, und Lynch wollte ja auch ursprünglich Maler werden.

Mit der Rezension bin ich selbst allerdings nicht so richtig zufrieden: zu viel Beschreibung, zu wenig Interpretation bzw. Analyse für meinen Geschmack, ein paar Hintergrundinformationen hätten gut getan, und auf die zahlreichen Querverbindungen zu anderen Filmen Lynchs bin ich fast gar nicht eingegangen. Aber nachdem ich neulich erst geschrieben hatte, daß ich bestimmt etwas zu "Eraserhead" schreiben würde, wenn ich ihn mal wieder zu sehen bekäme, wollte ich nun auch umgehend Taten folgen lassen, doch ich hätte mir vielleicht etwas mehr Zeit dafür nehmen sollen. Es ist allerdings auch verflixt schwierig, etwas über diesen Film zu schreiben.

Liebe Grüße,
Thomas
20.01.2019 | 14:30 Uhr
Hallo Thomas-Heinrich!

Melde mich auch mal wieder, da Audrey Hepburn wohl in der Kategorie" weibliche Lieblingsstars" immer den Spitzenplatz einnehmen wird!
Leider ist es auch bei mir schon ewig her, dass ich" Ariane" gesehen habe!
"Sabrina" war und ist noch immer da Favorit unter den Filmen mit ihr, und jeden Komödie neueren Datums muss sich daran messen lassen!
Apropos: Kennst du " Miss Pettigrews grosser Tag"? Frances McDormand und Amy Adams.
Der ist echt super! Falls du ihn kennst, würde ich gerne auch mal über ihn eine Rezension lesen!
LG Fanni

Antwort von Thomas Heinrich am 20.01.2019 | 18:11 Uhr
Hallo Fanni,

vielen Dank für Dein Review!

Mir ist "Ariane" eigentlich noch lieber als "Sabrina" - aber sie sind ja beide von Billy Wilder, insofern ist das wohl nur eine Frage der persönlichen Präferenz, welchen man nun vorzieht.
"Miss Pettigrews großer Tag" kenne ich übrigens nicht. Ich werde mich bei den weiteren Rezensionen wohl noch bei meinem alten Filmtagebuch bedienen, wobei ich vermutlich an dem einen oder anderen Text Detailänderungen vornehmen werde, und dann vielleicht mal etwas zu Filmen aus meinem persönlichen Videoarchiv schreiben; dafür muß ich dann aber die Zeit und Ruhe haben, was im Moment nicht so der Fall ist, wie ich mir das wünschen würde.

Liebe Grüße,
Thomas
20.01.2019 | 11:59 Uhr
Lieber Thomas!
Ob der Funke nicht übergesprungen ist, das kann ich nicht mehr sagen, das ist schon sooo lange her, dass ich den Film gesehen habe.
Audreys Funke ist immer auf mich übergesprungen. In "Ein Herz und eine Krone" war sie da natürlich supersüß.

Das sind alte Filme, die ich überwiegend als Jugendliche gesehen habe.
Wir haben einen Fernseher bekommen daheim, als ich 12 war, und anfangs haben meine Eltern das Fernschauen für mich limitiert auf 2x pro Woche Hauptabendprogramm. Ganztags wurde damals sowieso nicht ausgestrahlt in Ö, vor den Nachrichten gab es eine Stunde Kinderprogramm, nicht mal Soap Operas. Und wir haben nur 2 österr. Sender gehabt, dt. Sender haben wir noch gar nicht empfangen können. Obwohl es natürlich damals schon längst Farbfilme gab, waren die TV-Geräte nur schwarz-weiß noch, zumindest leistbare und unser Fernseher.
Die meisten deiner Klassiker hab ich also im Alter von 15-20 gesehen. Als ich schon fernsehen konnte, durfte und noch keine eigene Familie hatte.
Das ist lang her, und ganz sicher hab ich sie damals anders wahrgenommen als ich sie heute würde.
Leider sind es bei dir keine Filme, die man gerade wo anschauen kann, sonst würde ich oft anhand deiner Rezis gerne noch mal reinschauen.
Obwohl ich heute froh sein muss, wenn ich im TV die neuen Filme und ein paar Serien, die wir gerne schauen, schaffe, vieles rutscht mir sogar da noch durch.

Eben gerade zum aktuellen Kapitel zu Audrey Hepburn, die für mich immer noch eine der schönsten Frauen ist:
Leider wurde sie in einigen Filmen (wie eben auch Tiffany) sehr zickig dargstellt. Bei Frauen bin ich kritischer als bei Männern.
Aber mit 16 waren sowohl Cary Grant als auch Gary Cooper (der damals fast 60 war) alte Männer für mich und in Bezug auf die in der Realität weniger als halb so alte, im Film sehr mädchenhafte Ariane, die bestenfalls einen väterlichen Charme hatten (heute seh ich das mit den Männern schon anders *lacht*). Als Vater (Maurice Chevalier, ebenfalls ein Charmeur) wäre ich nicht begeistert, wenn ein unschuldiges Mädchen ausgerechnet einem "skrupellosen Schützenjäger" (deine Worte) verfällt.

Aber vor allem stimme ich dir zu, dass diese Komödien einen Wortwitz, eine leichte Frivolität hatten, eloquente Dialoge, die man heute leider nicht mehr so sieht in Filmen.
Und ich bin sicher, ich würde alle Rezensionen anders schreiben, nachdem ich alle Filme deiner Kolumne heute mit reiferen Augen noch mal gesehen hätte, außerdem vergisst man viel in 40 Jahren.
Im übrigen gilt es hier ja nicht die Filme zu reviewen für deine Leser sondern deine Rezis,
und die sind immer und bei allen Filmen gelungen.
Liebe Grüße.
R ♪ ♫ ♪♪

Antwort von Thomas Heinrich am 20.01.2019 | 18:42 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Dann will ich doch noch auf Dein weiteres Review eingehen. Meine Bemerkung über den Funken, der nicht übergesprungen ist, ergab sich einfach aus dem Eindruck, den Dein Review bei mir hinterließ - und das hörte sich für mich nicht so an, als ob Du "Love in the Afternoon" sonderlich schätzen würdest, was ich wiederum schade fand, weil ich den Film zum einen sehr mag und er zum anderen sehr im Schatten anderer Wilder-Filme steht (und anderer Hepburn-Filme: die meisten Leute halten ja "Frühstück bei Tiffany" für den ultimativen Hepburn-Film, während ich den zwar auch mag, aber nicht so hin und weg bin wie die meisten).

Übrigens kann ich mich auch noch an Zeiten mit fünf Sendern (ARD, ZDF, drittes Programm, d.h. SFB, und die beiden DDR-Kanäle, auf denen auch der berüchtigte "Schwarze Kanal" lief!) erinnern, und neben einem Farbfernseher gab es bei uns auch noch Schwarzweißfernseher, was dazu führte, daß in meiner Erinnerung manche Filme zu Schwarzweißfilmen mutierten, weil ich sie auf diesem Gerät gesehen hatte).
"Ariane" lief übrigens gerade erst vor kurzem in 3sat, auch sonst werden zumindest einige der von mir vorgestellten Filme öfters mal gezeigt. Viel schwieriger ist da schon ein Fall wie David Lynchs "Eraserhead", den ich auch ganz toll finde, aber nur einmal gesehen habe, was auch schon sehr lange her ist, so daß ich mich nicht traue, nur aus dem Gedächtnis etwas zu diesem Film zu schreiben. Ich hoffe wirklich inständig, daß ich den noch mal zu sehen bekommen, dann würde ich auch ziemlich sicher anschließend in die Tasten greifen, weil der einfach eine kaum beschreibliche Seherfahrung ist.

Was nun "Ariane" betrifft, so sehe ich bei diesem Film, aber auch bei anderen, insbesondere natürlich den Werken von Lubitsch, einfach Qualitäten, die den heutigen Komödien, in denen ich immer mit der Lupe nach der Komik suchen muß, einfach völlig abgehen. Wobei das aber auch etwas damit zu tun hat, wie sich der Geschmack des breiten Publikums entwickelt hat, und da kann ich leider nur sagen: nicht zum Guten hin. Heute ist eher Holzhammerkomik gefragt.

Liebe Grüße,
Thomas
18.01.2019 | 13:51 Uhr
Lieber Thomas!
Audrey Hepburn und ausnahmsweise nicht Cary Grant. Aber dafür Maurice Chevalier.
Gary Cooper verknüpfe ich immer noch mehr mit Western, Cary Grant ist der bessere Lebemann.
Letztlich waren eh beide immer zu alt für sie.
Audrey Hepburn macht alle ihre Filme zu einem Genuss, egal ob sie süßes Mädel, Unschuld, Tussi, Femme Fatale war oder Zicke, sie war immer liebenswert und nie nervend. Und so hübsch.
Wer könnte ihr je widerstehen?

Lustig, dass zu einer Zeit, wo Frauen noch unberührt in die Ehe zu gehen hatten, Ariane ihren Frank gerade deswegen erobert, weil sie "Erfahrung" vortäuscht.
Eigentlich will Frank das Mädel ja sein lassen, weil er ihr nicht weh tun will.
Aber wie gesagt: Wer könnte ihr je widerstehen?

Irgendwie fragt man sich schon, ob sie nicht jemand vor allem jüngeren, besser zu ihr passenderen Mann hätte finden können,
ein bisschen ist ihre Schwärmerei schon sehr naiv, aber das macht sie ja so süß.
Gary Cooper war wirklich schon ein bisschen alt für so ein Mädel. Aber so ist das ja heute noch mit den reichen Männern und dem jungen Gemüse an ihrer Seite.

Die große Liebe kaufe ich Ariane und Frank nicht wirklich ab,
nicht mal als Film.
Nicht mal in Paris.
Herzlichst.
R ♡

Antwort von Thomas Heinrich am 18.01.2019 | 17:02 Uhr
Liebe Net Sparrow!

Vielen Dank für Dein Review, auch wenn es natürlich aus meiner Sicht sehr schade, daß bei Dir der Funke bei diesem Film ganz offensichtlich nicht übergesprungen ist, wie Dein Review in fast jeder Zeile deutlich macht.
Objektiv betrachtet war Cooper natürlich zu alt, aber war das nicht bei den meisten Filmpartnern Audrey Hepburns so? Man denke nur an Fred Astaire in "Funny Face", auch an Humphrey Bogart in "Sabrina" und selbst an Cary Grant in "Charade" - daher hat mich dasin diesem Fall nie so gestört. Ich liebe an diesem Film vor allen jenen ausgesprägten Lubitsch-Touch, den ich im Text angesprochen habe (Wilder fragte sich, wenn er vor einem Probelm stand, ja immer: "Wie hätte Lubitsch das gemacht?").

Liebe Grüße,
Thomas
 Anzeigeoptionen  Review schreiben Regelverstoß melden Sortieren 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast