Autor: Arduinna
Reviews 1 bis 3 (von 3 insgesamt):
02.08.2018 | 07:58 Uhr
zu Kapitel 1
Hallo Arduinna,

diese kleine Prosaperle habe ich schon vor einiger Zeit über 10 Ecken entdeckt, komme aber erst heute endlich einmal dazu dir meine Meinung zu deinem gelungenen Text dazulassen. Zum Wettbewerb an sich kann ich nicht viel sagen, wenn in dessen Verlauf jedoch so ansehnliche und interessante Werke wie das deine entstehen, sollte ich vielleicht einmal öfter einen Blick in diese Rubrik riskieren.

Der Titel hat mich direkt angesprochen und neugierig gemacht und gleich der einleitende Absatz deiner kleinen Geschichte war dann so tiefgründig und zutiefst menschlich, dass ich vom Fleck weg bezaubert war. Der Traum vom Fliegen, der Wunsch einfach loszulassen, ist wohl in uns allen ganz fest verankert und wer im Sommer die Schwalben und Mauersegler bei ihrem wilden Flug durch den Himmel beobachtet oder im Dämmerschein den Fledermäusen bei ihrer Luftakrobatik zuschaut, dem gehen wohl häufig ähnliche Gedanken durch den Kopf wie deiner Protagonistin. Echt toll, wie du die Gedankenwelt und Neugierde des jungen Mädchens beschreibst und ihren nächtlichen Ausflug zu den Fledermäusen am nahegelegenen See. Auch schön, dass du die nächtlichen Jäger von Anfang an mit positiven Eigenschaften besetzt, denn wie viele Menschen gibt es wohl, die diese faszinierenden Tiere als furchteinflößend oder zumindest abstoßend bezeichnen würden? Deine Protagonistin kennt solche Vorurteile nicht und stört sich vielmehr an viel kleineren Blutsaugern, die von den Fledermäusen mit waghalsigen Flugmanövern in der Luft erbeutet werden. Hier entfaltet sich auch direkt dein so bildhafter und stimmungsvoller Schreibstil, der sich dann angenehm flüssig durch die nachfolgenden Absätze schlängelt. Ganz toll gemacht!

Der nachfolgende Teil beschreibt wohl einen Halloween-Abend der mittlerweile neunjährigen Protagonistin und - wie könnte es auch anders sein - ihre Kostümwahl fällt natürlich auf Batmans kleine Freunde - wieder sehr schön in knappe doch treffende Bilder von dir gegossen.
Auch der darauffolgende Absatz ist dir sehr gut gelungen, hier begeistert mich sehr, dass die Welt des Mädchens nach der Scheidung ihrer Eltern Kopf steht und du sie dabei beschreibst, wie sie es den Fledermäusen gleichtut und sich auch von einem Baum herabhängen lässt, um diese verkehrte Welt auf deren Weise zu erleben. Da passen Inhalt und Form auf ganz wundervolle ja fast schon poetische Weise zusammen, wirklich ganz große Klasse!
Erst im nächsten Teil der Geschichte erfahren wir, dass der Abschied vom Haus endgültig war, dass das Mädchen dort seine Kindheit und Freiheit zurückgelassen hat, am Ufer des kleinen Teichs, im herrlichen Garten, beim lustigen abendlichen Spiel der Fledermäuse. Die Stadt aus Beton und Aspalt ist nun ihre Welt, eine kleine, dunkle Wohnung engt sie und ihre kindliche Fantasie zusehends ein. Man kann die Sehnsucht und den Schmerz zerbrochener Träume sehr gut in jeder deiner Zeilen nachempfinden. Vor allem der bildhafte Vergleich "ein Mädchen ohne Flügel" war ganz wunderbar melancholisch und schön zugleich, so wie deinem gesamten Text eine gewisse Melancholie anhaftet, die sich im nachfolgenden Absatz auf traurig-bedrückende Art ins Depressive auswächst. In Mirmians Herz ist der Winter eingezogen und die Kälte und Trostlosigkeit bedecken auch die Natur, die du so gekonnt als Spiegelbild der innern Seelenlandschaft deiner jungen Protagonistin in Szene setzt, mit Eis und Schnee. Der Fund der Fledermaus, ihres Seelentieres, die im Wasser einen eisigen Tod gefunden hat, bannt dieses Gefühl von Weltverdruss und tiefer Hilflosigkeit dann sehr behutsam in ein erschütterndes und dennoch auch verstörend-friedliches Bild. Spätestens ab diesem Zeitpunkt macht man sich Sorgen um Miriams seelische Gesundheit.

Aber dann kehrt der Frühling zurück in die Welt und die milde Jahreszeit erfasst auch das Herz unserer Protagonistin, die es einmal mehr ihren Lieblingstieren gleichtut. Das erste Kennenlernen von Miriam und Laura hast du dann sehr authentisch und herzerwärmend dargestellt, die richtigen Worte und Gesten an der richtigen Stelle. Einfach nur schön diese Szene so mitzuerleben, denn jedem Anfang liegt ein Zauber inne und so sind die zarten Anklänge an eine innige Freundschaft Balsam für Herz und Seele und wundervoll versöhnlich nach den eher düsteren Passagen deiner Geschichte. Mit dem letzten Absatz rundest du deine gelungene kleine Erzählung über den Wunsch nach Freiheit, den Rausch des Fliegens und die Verbitterung im grauen Alltag aus Beton und zerbrochenen Träumen im ewigen Winter der Seele sehr hoffnungsvoll und feinfühlig ab. Man wünscht Miriam, dass sie in Laura eine Seelenverwandte gefunden hat, eine Freundin fürs Leben, einen Menschen, der sie beflügelt, mit ihr gemeinsam wild und frei und lebendig sein kann.

Eine ganz besondere, wunderschöne und zugleich nachdenkliche kleine Geschichte ist dir hier gelungen. Großes Kompliment an deine Schreibkunst, noch dazu absolut fehlerfrei und in schönem Layout hier präsentiert. Einen Favoriteneintrag hast du ja bereits. Außerdem gab es schon vor einiger Zeit das wohlverdiente Sternchen, das so gut zu Miriam, der Fledermausfreundin, passt.

Liebe Grüße und noch viele weitere so herrliche Ideen
Askaja

Antwort von Arduinna am 03.08.2018 | 13:56:51 Uhr
Hi,
Wow, ich kanns irgendwie nicht fassen, dass dir dieser Text derart gut gefällt :D Wenn man bedenkt, dass das am Anfang nur Stücke waren, die ich zusammengeklebt habe ...
Es freut mich wirklich sehr, dass er dir so gut gefällt. Ich finde Fledermäuse wirklich spannende Tiere und sie kamen mir sofort in den Sinn, als es in der Vorgabe hieß, die Welt soll sich auf den Kopf stellen. Gemeinsam mit dem Umzug fand ich das passend.
Ich bin begeistert, dass der Text so gewirkt hat, wie ich es gehofft hatte, die Freiheit, Leichtigkeit und auch die Schwermütigkeit und Traurigkeit ihren Teil getan hat. Vor allem beim Ende habe ich ein bisschen gekämpft, aber ich bin sehr froh, dass es authentisch wirkt.

Vielen lieben Dank für dein ausführliches Review und dein riesiges Lob!

LG Ari
24.06.2018 | 18:16 Uhr
zur Geschichte
Heyho Arduinna!

Aww, das ist eine wundervolle kleine Geschichte. Es kann sein, daß sie mir so gut gefällt, weil ich selber Fledermäuse sehr mag. ^^

Insgesamt hat die Geschichte eine ganz tolle Atmosphäre. Besonders die Absätze, in denen die verschiedenen Lebensabschnitte von Miriam beschrieben werden, lassen einen ihr Leben, ihre Gedanken und ihre Gefühle unglaublich gut nachvollziehen.

Ich weiß nicht, ob du es beabsichtigt hast, oder der Effekt durch Zufall entstanden ist, aber beim ersten Lesenhabe ich mich gefragt, ob die Geschichte gut ausgehen wird. Es gibt so ein/zwei Situationen, in denen ich mir nicht sicher war, ob Miriam selbst vom Leben loslassen würde - sich einfach fallen lassen und fliegen… Um so schöner (vor allem, weil ein bißchen unerwartet) ist das Ende, als sie Laura kennenlernt, und der Begriff Fliegen und Freiheit mit Freundschaft verknüpft wird. Eine unheimlich tolle Botschaft!

Wunderschön geschrieben und umgesetzt, und nicht zuletzt alle Vorgaben richtig klasse eingebracht!

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Wettbewerb! Du hättest den ersten Platz dieser Runde verdient! ♥

HerzLeeche Grüße,
Lee

Antwort von Arduinna am 24.06.2018 | 19:31:26 Uhr
Hi,
Oh, es freut mich, dass die Geschichte gefällt, vor allem, da ich zu dem Zeitpunkt auch unter ner kleinen Schreibkriese gelitten habe. Auch, wenn es bei mir nicht die Wortanzahl war, sondern die Abkürzungen ^^
Dieser Effekt, den du beschreibst, ist tatsächlich Zufall, zumindest hatte ich es nicht geplant, aber ich finde so Zufälle sehr schön, erlebt man dann doch selbst noch eine Überraschung.

Vielen lieben Dank für dein liebes Review und das Lob!
LG Ari
20.06.2018 | 08:50 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Arduinna!
Ein schöner, fast poetischer Text.
für mich eine Interpretation von "die Freiheit beginnt im Kopf".

Die 2 Mädchen Laura und Miriam erinnern mich ein bisschen an Astrid Lindgrens (der Autorin von Pippi Langstrumpf) Rat an alle Mädchen/Frauen:
"Sei wild und wunderbar!"

Du hast die Fledermäuse sehr schon hineingebracht als Gegensatz zum Gefühl des Eingeengtseins.
Hat mir sehr gut gefallen.
Liebe Grüße aus Wien.
R ㋡

Antwort von Arduinna am 21.06.2018 | 10:36:30 Uhr
Hi,
Das Astrid Lindgren diesen Rat gegeben hat, wusste ich gar nicht. Aber ich denke, es ist ein guter.
Vielen Dank für dein liebes Review!

LG Ari