Autor: RoterPanda
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
18.04.2018 | 08:03 Uhr
zu Kapitel 1
Hi,

eine wirklich nachdenklich stimmende Geschichte. Du hast die Oberflächlichkeit deiner Protagonistin durch ihre ständiges Fixiertsein auf ihr Äußeres, Mode, Parties und dann eben auch durch ihre unfreundliche, ablehnende Haltung dem alten Mann gegenüber sehr schön gezeigt. Aber es besteht ja noch Hoffnung für sie, wie man an dem Ende der Geschichte merkt. Das fand ich genial, wie ihr Spiegelbild in der Autoscheibe für sie eine bildliche Darstellung dessen wird, wie ihr Inneres aussieht. Doch, ich denke, sie wird nie mehr jemanden ignorieren, der vielleicht einfach nur mal jemanden zum Reden braucht. :)
Die Geschichte war auch sonst sehr angenehm zu lesen, die detaillierten Beschreibungen der nächtlichen Stadt, die ganz natürlichen Dialoge zwischen Julia und Eva, der Gesprächsversuch des alten Mannes - da hat wirklich alles gepasst und hat mir sehr gut gefallen. :)

LG
Sinaida
16.04.2018 | 20:36 Uhr
zu Kapitel 1
Hallo,

ein gelungener Text. :) Hier meine Eindrücke:

Bei "die Penner" habe ich das erste Mal gestutzt (geradezu empört), aber im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Sache klar. Es ist dir super gelungen die Protagonistin und ihre Einstellungen schon durch die Art wie du schreibt, die Wörte, welche du benutzt und die Schilderung ihrer Gedanken herauszustellen. Sie ist mir richtig unsympathisch. Damit erzeugst du bei mir im Nachhinein ein - wenn man das so sagen kann - wunderbares Dilemma. Ich denke "Wer den Bachelor guckt und so oberflächlich auf seine Äußeres achtet, und so unfreundlich zu dem Mann ist, der ist mir unsympathisch, den mag ich nicht". Wobei ja gerade dieses Gefühl / dieser Gedanke, den deine Geschichte bei mir erzeugt, wieder ein Vorurteil ist! - dieses Mal gegen die Protagonistin. Letztendlich ist die Botschaft, die ich persönlich für mich aus deiner Geschichte mitnehme: Man sollte Menschen nie als ganzen Menschen verurteilen, man kann zwar anderer Meinung sein und kritisieren was sie tun oder nicht tun, aber eine Wertschätzung / Respekt / ein gewisser Wohlwollen sollte ihnen dennoch immer entgegen gebracht werden. Du siehst - dein Text hat mich zum Nachdenken angeregt! Beim zweiten Lesen fallen mir z. B. vor allem die Stellen auf, an denen am merkt, dass Eva doch nicht so kalt ist wie erst gedacht: Die warmen Gefühle ihrer Freundin gegenüber und natürlich ihre eigene Erkenntnis am Ende machen sie menschlich.

Irritiert haben mich hin und wieder Bindestriche in Worten, die sich glaube ich fälschlicherweise da eingeschlichen haben, wie "Glas-scheibe, ab-getragen, stu-diert, ver-schwindet" . :D
"Naja" wird - ich habe es gerade selbst noch einmal nachgeguckt :D - auseinander geschrieben, also "na ja".
Da du aus der Ich-Perspektive der Figur schreibst, benutzt du z. T. Umgangssprache, was auch okay ist und zu dieser Protagonistin passt. Ich persönlich finde es schöner z. B. statt "In dem Moment" -> "In diesem Moment" zu benutzen oder bei "Zum Glück steige ich bei der nächsten Haltestelle ja aus" auf das "ja" zu verzichten. Aber das ist nur mein Geschmack, du kannst das natürlich so machen wie du es lieber magst. :)

Bemerkenswert finde ich - sieht man nicht in vielen Geschichten - deine detaillierten (soweit ich das beurteilen kann sehr akuraten) Ortsbeschreibungen von Mannheim. Entweder du kommst von dort oder du hast gut recherchiert. :D

Besonders gut finde ich, dass am Ende nicht die Begegnung mit dem Mann die unangenehme Situation ist / bleibt, sondern das eigene Bildnis, die Scham falsch gehandelt zu haben!
Besonders gut finde ich außerdem den Dialog bzw. Monolog (- sagt man das so? -) den du dem Mann in den Mund gelegt hast. Ich finde du hast hier sehr schöne Worte gefunden: banal, freundlich, höflich.

Schließlich bleibt zu sagen: Dein Text lässt mich irgendwie mit gemischten Gefühlen zurück. Ehrlich gesagt kann nicht einmal genau sagen ob er mir gefällt oder nicht. - Aber nicht falsch verstehen! Ich finde ihn auf jeden Fall gut gemacht und er ist auf seine Art sehr genial, eben auch, da er in mir solch Widerwillen der Protagonistin gegenüber auslöst.

So. Die paar Kleinigkeiten, die ich anzumerken hatte, seien dir verziehen. :D Wenn ich richtig gelesen habe, hattest du nicht gerade viel Zeit deinen Text zu schreiben... Also Hut ab.

Liebe Grüße

Antwort von RoterPanda am 16.04.2018 | 21:08:52 Uhr
Hey hey! :)

Vielen vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Das hat mich wahnsinnig gefreut, zu hören, was mein Text bei Lesern auslöst! Ich habe tatsächlich lange an der Darstellung der Protagonistin gefeilt. Die Idee dafür habe ich seit vier Wochen im Kopf und konnte deshalb lange daran arbeiten, bevor ich dazu kam, sie umzusetzen. Mir ging es beim Schreiben ähnlich wie dir. Ich war immer wieder hin und her gerissen zwischen meinen Gefühlen für die Protagonistin. Ich habe selbst ihr Verhalten kritisiert, konnte aber einfach auch nicht glauben, dass sie per se ein schlechter Mensch ist. Das hat einfach nicht in meine Vorstellung von ihr gepasst. Es war wirklich eine sehr eigenartige Situation während des Schreibens...

Schwierig war auch das Schreiben im Präsens, was mir sonst nicht so schwer fällt. Vielleicht, weil ich in der Kombination mit der Ich-Perspektive die starke Neigung hatte, mich mit der Protagonistin zu identifizieren, was ich aber aufgrund ihres Verhaltens nicht wollte. Die Umgangssprache war auch Absicht, tat aber manchmal fast schon weh und ich war immer wieder kurz davor, es anzupassen :D Trotz allem Danke für deine Hinweise!

Ich habe einige Jahre in Mannheim (<3) studiert und habe diese Stadt einfach lieben gelernt. Die Strecke, welche die Protagonistin gefahren ist, bin ich in meinen letzten drei Jahren dort fast täglich gefahren und konnte deshalb einfach die Augen zu machen und mir die Strecke vorstellen. Auch im Paradeplatz-REWE war ich - besonders während der Examenszeit kurz vor Mitternacht - oft einkaufen. Die Examenskandidaten in der Bahn war ich auch 1 1/2 Jahre xD Ich habe mich sogar ein paar Mal mit älteren Fahrgästen in der Bahn unterhalten - das ist irgendwie alles Mannheim für mich :) Vielleicht habe ich mit der Geschichte auch ein bisschen indirekt das Ende meiner Studienzeit  verarbeitet - wer weiß.

Danke für den Hinweis auf die unpassenden Bindestriche - ich habe in Word immer die automatische Silbentrennung an und Fanfiktion.de hat diese Striche wohl übernommen... ich passe das sofort an! Das war so auf jeden Fall nicht gewollt.

Nochmals herzlichen Dank für die ausführliche und ehrliche Rückmeldung! Ich weiß das sehr zu schätzen!
Liebe Grüße
RoterPanda