Autor: robinie
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
23.04.2018 | 23:51 Uhr
zu Kapitel 1
Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. :) Ich lese deine FF gerade zum zweiten Mal und jetzt, wo ich die Pointe schon kenne, erscheinen viele Dinge einem völlig anderen Licht:

Aldens Erinnerungen, an Lorena, Dorffeste, das Fangen spielen am Meer, das Verstecken in Tante Lucilas Obstgarten, später dann die Zeit in der Villa der alten Eule ... Tamera, an die Alden eigentlich absolut nicht mehr denken wollte, schon gar nicht an diesem Tag. Beim ersten Lesedurchgang wirkten diese Szenen noch sehr unverfänglich. Wie eine Ausschmückung, die hauptsächlich dazu da ist, den Text lebendiger zu machen. Erst beim zweiten Mal offenbarte sich mir dann, dass Alden hier sein gesamtes Leben noch einmal Revue passieren lässt. Toll gelungen!

Ich mag deine Metaphern, eigentlich gefallen mir alle in diesem OS, aber diese hier hat es mir besonders angetan:

Textauszug
Woran denkt man, wenn man weiß, dass man gleich sterben wird? Jetzt stellte er fest, dass man an alles und an nichts dachte. Seine Gedanken waren ruhelos, wirbelten kreuz und quer durch seinen Kopf. Wie Bälle, die man in einem engen Raum gegen die Wand schmetterte und die von der einen auf die andere Seite sprangen. Unaufhaltsam.

Schönes Bild. Sehr anschaulich und einprägsam. :)

Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich Aldens Geschichte glaube oder ob ich ihn für verrückt halte. Nun … ich muss sagen, ich bin geneigt, ihm zu glauben. (Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich beim Lesen grundsätzlich an das glaube, was der Autor mir erzählt, zumindest dann, wenn ich einen Roman lese. Da lehne ich mich gerne zurück und lasse mich in eine andere Welt (ent)führen. ^^)

Ich verstehe aber auch, wieso die Dorfgemeinschaft den Gedanken, dass die Geflüster real sein könnten, lieber von sich wegschiebt und Alden als Mörder verurteilt. Es ist nur natürlich, dass das Unbekannte und Unverständliche Angst macht. Dadurch, dass die Menschen die Geflüster als Hirngespinst und Alden als Verbrecher abstempeln, gibt es für all das, was zuvor noch so diffus und furchteinflößend war, plötzlich eine rationale Erklärung. Das Übernatürliche verliert seinen Schrecken - und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, muss Alden selbstverständlich nach irdischen Maßstäben gerichtet werden. Tragisch. Aber als Szenario durchaus realistisch.

Liebe robinie, ich freue mich von Herzen, dass du es unter die Gewinner dieses bunten Wettbewerbs geschafft hast. Du hast es dir redlich verdient. Deine Texte reißen mich jedes Mal aufs Neue vom Hocker. Bitte hör niemals auf zu schreiben!

ink ❤

Antwort von robinie am 10.05.2018 | 21:33:44 Uhr
Liebe invisible ink :-)

Ich habe während des Lesens deines Reviews unentwegt lächeln müssen. Vielen lieben Dank für deine lieben und motivierenden Worte ^__^ Du weißt hoffentlich inzwischen, wie viel Wert ich auf deine Meinung lege, und es macht mich unglaublich stolz, dass du diese Kurzgeschichte gelungen findest.

"Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich Aldens Geschichte glaube oder ob ich ihn für verrückt halte. Nun … ich muss sagen, ich bin geneigt, ihm zu glauben."

Soll ich dir was sagen? Obwohl ich selbst es war, die diese Geschichte geschrieben hat, habe auch ich darüber nachgedacht, ob ich Alden glaube oder nicht ;-) Die Wahrheit hat für mich im Prinzip keine Rolle gespielt, weil Alden nämlich für sich selbst weiß, dass er niemanden umgebracht hat, und ich habe ja aus seiner Sicht geschrieben. Wie dem auch sei, ich tendiere jedenfalls auch dazu, ihm zu glauben. Wenn so etwas jedoch hier direkt in der Realität in meiner Nachbarschaft passiert wäre, hätte ich ihm die Sache mit den Geflüstern aber nicht abgenommen. Und in der Welt, in der diese Geschichte stattfindet, ist Übernatürliches/Fantastisches eben auch nicht ... alltäglich und normal, wie bei Harry Potter oder Game of Thrones, das darf man eben auch nicht vergessen. Deshalb hätte ich es vermutlich auch komisch gefunden, wenn ein Gericht Alden Glauben geschenkt hätte. Aus diesem Grund finde ich es auch verständlich, dass die meisten Leute ihm vorwerfen, zu lügen.

"Ich verstehe aber auch, wieso die Dorfgemeinschaft den Gedanken, dass die Geflüster real sein könnten, lieber von sich wegschiebt und Alden als Mörder verurteilt. Es ist nur natürlich, dass das Unbekannte und Unverständliche Angst macht. Dadurch, dass die Menschen die Geflüster als Hirngespinst und Alden als Verbrecher abstempeln, gibt es für all das, was zuvor noch so diffus und furchteinflößend war, plötzlich eine rationale Erklärung. Das Übernatürliche verliert seinen Schrecken - und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, muss Alden selbstverständlich nach irdischen Maßstäben gerichtet werden. Tragisch. Aber als Szenario durchaus realistisch."

Deine Erklärung leuchtet mir ein. Im Grunde muss Alden als Sündenbock hinhalten ... und so etwas passiert leider viel zu häufig in der Welt. Das hat schon zu Kriegen und Millionen Ermordungen geführt.

Abschließend nochmals vielen Dank und zwar für ALLES! :-) Du bist echt ein Schatz. <3

Allerliebste Grüße

robinie