Autor: Perscitia
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
20.03.2018 | 21:40 Uhr
zur Geschichte
Eine gute Geschichte, die mich wieder an meine Kindheit erinnern - es ist lange her, dass ich "Sonnenau" gelesen habe, eins der zwei "dunklen" Märchen, die ich von Astrid Lindgren gelesen habe. Es ist zwar theoretisch für Kinder, aber eben für ältere Kinder, fast schon Jugendliche, in etwas diesem Alter dürfte ich es auch gelesen haben. Genauso ist dein Märchen kein Märchen für Kinder, sondern eins für Erwachsene, aber es ist trotzdem gut - dunkel, bittersüß, aber gut.

Ich finde es schon mal genial, dass du die Gegebenheiten in "die Gänsemagd" auf den Kopf stellst und das Happy End hinterfragst. Sophie - die Dienerin - hat also mit voller Absicht Elisabeths Platz eingenommen, um sie zu schützen, was diese erst nach und nach merkt. Genauso finde ich gut, dass Elisabeth auch erst nach und nach ihren Ehemann hinterfragt und zuerst stumm leidet und glaubt, sie hätte ihren Traumprinzen gefunden.

Erst der Besuch in Sonnenau - eine Art Anderswelt, im wahrsten Sinne des Wortes - und der nachfolgende Hausarrest zeigen Elisabeth, wie falsch sie liegt. Allerdings kann sie so nicht wirklich leben und so zeigt sich das Portal nach Sonnenau bereits im Hof. Ich finde es gut, dass es fast von selbst zufällt - Elisabeth steht kurz vor dem Tod, aber die Entscheidung ist immer noch ihre Sache. So schließt sie es und ist in der Anderswelt - in Sonnenau - mit Sophie vereint.

Liebe Grüße und wirklich toll gemacht - auch wenn es nicht ganz das typische Märchen mit einem Happy-End ist -
Liana-Medea

Antwort von Perscitia am 21.03.2018 | 10:09 Uhr
Liebe Liana-Medea,
Vielen, vielen Dank für die tolle Review.
Du hast mein Märchen sehr prägnant zusammengefasst, es freut mich, dass es vermittelt hat, was ich damit erzählen wollte. Und vor allem freut mich, dass es dir gefallen hat.
Meine Beziehung zu den Grimm'schen Märchen ist nicht ganz einfach. Einerseits liebe ich die Welten, die sie aufbauen und einige der Nachrichten von Freundschaft, Liebe und Selbstvertrauen, die sie vermitteln, aber an anderen Stellen finde ich sie einfach nur unnötig brutal, gerade für Kindergeschichten und oft werden mir Menschen und Handlungen unangenehm glorifiziert, ohne, dass ich den Grund dafür sehe. Deswegen bin ich ein großer Fan von Geschichten, die Märchen umkehren und die "Guten" mal zu den Bösewichten machen, oder versuchen, den Leser die Motive der "Bösen" verstehen zu lassen. Also habe ich mich auch mal daran versucht. Es freut mich, dass es bei dir geklappt zu haben scheint.
Auch gibt es natürlich in den Grimmschen Märchen viel zu wenig gleichgeschlechtliche Beziehungen, weswegen mir auch das Projekt so gut gefällt, obwohl die Romanze zwischen Elisabeth und Sophie vielleicht nicht so im Vordergrund steht.
Danke, dass du meiner Version eine Chance und auch noch deine Meinung dagelassen gegeben hast.
Liebe Grüße,
Perscitia

PS: "Happy Ends" scheinen mir ein sehr Grimm'sches Phänomen zu sein(und die der Märchen aus Tausendundeiner Nacht). Lindgrens, Andersens und Hesses Märchen enden häufig traurig(mehr Märchenautoren sind mir leider nicht bekannt). Obwohl man auch bei Grimm über das "Happy" streiten kann. So feierlich finde ich das nicht, wenn jemand in einem Fass zu Tode gefahren wird oder auf glühenden Schuhen tanzen muss...