Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt) für Kapitel 1:
16.10.2018 | 18:09 Uhr
zu Kapitel 1
Als ich den Film vor ein paar Wochen gesehen habe, fand ich es schon ein wenig schade, dass Farriers Schicksal offen gelassen wurde. Natürlich kann man sich selber einiges ausmalen, was nach seiner Gefangennahme mit ihm passiert und mich hätte das durchaus interessiert. Entsprechend habe ich mich gefreut, dass du dazu auch einen OS geschrieben hast.
Ich finde von der Atmosphäre her könnte sich diese Szene nahtlos in den Film einfügen. Ich hatte gleich wieder die im Film vermittelte Stimmung im Kopf, die bedrohliche Musik in den Ohren usw. Die vielen kleinen Details, die du hier reinbringst, fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Der Wendepunkt der Geschichte war zweifelsfrei die Hinrichtung des Belgiers. Es war spürbar, wie dieser Moment den Kampfgeist in Farrier weckt und wie du seine anschließenden Gedanken beschrieben hast, fand ich sehr gelungen. Der unbedingte Wille, das zu überleben, sich nicht brechen zu lassen und nach Hause zurückzukehren. Und zumindest scheint er am Ende schon mal zwei Verbündete unter seinen Mitgefangenen gefunden zu haben. Zu gerne hätte ich gewusst, was für einen Plan sie schmieden und ob die Flucht tatsächlich gelingt...

Liebe Grüße, Silvana
05.03.2018 | 16:22 Uhr
zu Kapitel 1
Hey Forbidden to Fly,

ich freue mich gerade so, dass in deiner wunderbaren Dunkirk-Texte-Sammlung nun auch eine Weiterführung zu Farriers Verbleib zu finden ist :-D ich war völlig aus dem Häuschen als ich nach den ersten Zeilen realisierte um wen es dieses Mal gehen wird, juhu. Christopher Nolan mag es ja offenbar sehr, gewisse Einzelschicksale in seinen Filmen offen enden zu lassen, von daher DANKE dass du eines davon nun weiter spinnst … und dann auch noch so gut. Dir gelingt es wieder mal eindringlich und nachvollziehbar, eine Atmosphäre und Grundstimmung zu schaffen, die uns Lesern die ganze Situation unglaublich nahe bringt. Mag auch nicht viel passieren – das was passiert ist in seiner Knappheit vielfach realistischer und greifbarer als seitenlange Ausschweifungen.
Nun zu deinem Text: Der Transport in diesem Lastwagen ist schon beim Lesen zermürbend, du erschaffst sehr schnell eine drückende Atmosphäre, diese erschöpfte bis halbtote Ruhe der Mitgefangenen, die unverständlichen Befehle der deutschen „Aufseher“, das Ruckeln des Wagens durch die Schlaglöcher, … mir gefiel sehr, wie du das alles aus Farriers Wahrnehmung heraus beschreibst, wie wir als Leser nur das sehen und hören, was auch er nur sieht und hört. So etwa die unterschiedlichen Sprachen, deren Worte für Farriers Ohrne unverständlich bleiben, sodass nur noch die Tonalität (vage) Rückschlüsse ermöglicht – bezeichnend war die Feststellung, dass militärische Befehle wohl überall auf der Welt gleich klingen. Richtig gut ist dir auch (wieder einmal) die Charakterzeichnung eines jeden Einzelnen gelungen, sei er nun aktiv oder passiv in dem Geschehen involviert – das Kopfkino bedankt sich. Farriers Charakterzüge, so wie ich meine ihn im Film als Mensch „verstanden“ zu haben, bringst du grandios rüber – seine nüchterne, abwägende, rekapitulierende Art die Situation und seine eigenen Möglichkeiten realistisch zu erfassen ist gerade in seiner Lage sicher viel wert, auch wenn es sicher Kraft erfordert sowohl nicht dem ersten Impuls zu folgen als auch nach außen hin ruhig zu bleiben. Zumal Farrier ja bereits einiges über die Gefangenenlager der Deutschen zu Ohren gekommen zu sein scheint – ich rechne es ihm einmal mehr an, dass er sich diesem Ordnungssystem fügt, indem er schnell begreift wie es funktioniert und was das für ihn als RoyalAirForce Offizier bedeutet. Es sind alles in allem keine positiven Aussichten, die ihn erwarten o.o er wird abwarten müssen, bis er diese eine Möglichkeit zur Flucht wird nutzen können … und mir gefällt sehr, wie du ihm diese Überzeugung zugestehst, diese feste Überzeugung, dass er kein (willkürliches) Opfer der Deutschen sein wird. „Er würde fliehen, er würde nach Hause kommen, bevor dieser Krieg vorbei war und er würde wieder fliegen, er würde diesen ganzen verdammten Krieg überleben und irgendwann, irgendwann später als alter Mann in seinem ganz eigenen Bett sterben. Aber nicht in diesem Krieg und schon gar nicht als Gefangener!“ ich kann kaum mehr hinzufügen, all deinen Worten um diesen Kern der Überzeugung drumherum liegt so eine intensive Kraft zugrunde, das reißt einen richtig mit und man hofft so sehr, so so sehr, dass Farrier irgendwann zurückblicken kann, mit der Gewissheit, der Gefangenschaft entflohen zu sein... dass Überzeugungen keine Flügel verleihen ist aus Farriers Sicht bitter, doch im Hinblick auf die Deutschen mit ihren eigenen Überzeugungen wiederum tröstlich … womöglich hatte der arme Belgier ähnliche Gedanken und Hoffnungen wie Farrier, womöglich war er im Geiste ebenfalls so stark – um dann aufgrund einer verd**** Schusswunde (und als Exempel?) dann doch sterben zu müssen. Diese Szene las sich übrigens noch beklemmender als die Transportfahrt (eine kaum für möglich gehaltene Steigerung) – ich hab als Leser ebenso wie Farrier und die anderen Insassen auf diesen einen Schuss gewartet, es ist furchtbar auf so etwas Unvermeidlichen warten zu müssen, und doch zuckt man zusammen, wenn dieser eine Schuss dann die Stille durchbricht, ehe diese doppelt so schwer wiegt als noch zuvor … Das hast du mit wenigen Worten unglaublich nah vermittelt.
Ebenfalls nah ging die zweite Transportfahrt, mit den knappem, ungehörtem Wortwechsel zwischen Wadham und Farrier und dem stummen Initiator Lieutenant Blackwell. Das war großes Kino, ich weiß kaum was ich dazu sagen kann, und es ist erstaunlich wie wenige Worte doch plötzlich eine Verbundenheit schaffen können.
Einen Kritikpunkt hätte ich: warum hört die Geschichte an diesem Punkt auf? ;-) ganz ehrlich, ich würde zu gern wissen wie es mit den RoyalAirForce Gefangenen weiter geht, …

ich danke dir seeeehr für diesen wunderbaren Text. DANKE