Autor: RamonaXX
Reviews 51 bis 59 (von 59 insgesamt):
29.01.2018 | 21:16 Uhr
Hallo Ramona XX,
heute habe ich das erste Kalenderblatt dieses besonderen Kalenders gelesen. Mehrmals, muss ich gestehen. Für mich, der ich mehr als 40 Jahre älter bin als Du(Ich benutze die vertrauliche Anrede, weil es hier scheinbar Usus ist), ist die Beschreibung dessen was Du gefühlt und was sich Dir eingeprägt hat sehr ehrlich. Das solltest Du als Kompliment verstehen. Als ich zum ersten Mal mit der Schulklasse 1960! Bergen Belsen besuchen musste! hatte ich ähnliche EIndrücke wie Du heute. Als ich die dann in einem Aufsatz wiedergegeben habe, vielleicht etwas direkter, durfte mein Vater beim Direx antreten. Damals habe ich geglaubt der Fehler läge bei mir, weil alle immer tief betroffen und , und mit Entsetzen usw. Durch meinen Beruf bin ich später viel gereist. Dabei habe ich, ohne das, was meine Großeltern und Urgroßeltern in dem zweiKriegen und dem Rassenwahn der Welt angetan haben relativieren zu wollen, festgestellt: Jede Nation hat irgendwo in ihrer Geschichte solch eine dunkle Zeit. In Asien waren es zum Beispiel die Greueltaten Japans auf dem Festland , oder die der Briten und Franzosen in Nordafrika usw. Irgendwann habe ich für mich festgestellt: Man kann solche Sachen einfach nicht nachvollziehen, wenn man sie oder ähnliches nicht selber erlebt hat. Und das wünsche ich Niemandem. Trotzdem find ich es wichtig jede Generation daran zu erinnern wohin Kriege und Rassenwahn führen, denn in jeder Generation gibt es solche Verblendeten. Durch die Erinnerung kann man verhindern das diese Menschen Macht bekommen.
Fazit: Ich finde Deinen Bericht als ehrlich und gut und werde auch die anderen Kalenderblätter lesen.
Als Abschluss: Vielen Dank für die Arbeit und meine Hochachtung.
Günter.

Antwort von RamonaXX am 30.01.2018 | 21:23 Uhr
Hallo Günter,

ja, mit dem „Du“ läuft hier jeder in der Tasche rum – ganz unabhängig vom Alter. Ist aber alles kein Problem, schließlich tauscht man sich ja über ein konkretes Thema aus und es geht hier nicht um Smalltalk im Fahrstuhl.
Ich freu mich immer wieder wenn ich Reviews von Leser bekomme, die ich nicht kenne. Wobei ich selbstverständlich keinen meiner Stammleser missen möchte. Man wächst halt über die Zeit auf dieser Plattform schon ein echtes Stück zusammen. Aber kommen wir zum Thema…
Arbeiten tue ich am meinem „Holocaust-Projekt“ schon über ein halbes Jahr, auch wenn’s jetzt erst das erste Kapitel davon zu lesen gab. Es ist sicherlich mein schwierigstes Projekt bisher, aber ich merke mit jedem Review, das hier eintrudelt, dass sich die Arbeit lohnt. Es ist wohl ohne Zweifel das schönste Gefühl, wenn Leser einen nicht nur loben, sondern ihre eigenen Geschichten beisteuern und dem Autor (also in diesem Fall, mir) erzählen, wo sie sich im Text wiedergefunden haben, was für Erfahrungen sie gemacht haben. Dafür möchte ich dir danken. Und natürlich auch für die Mühe ein Review zu schreiben. (Ist nicht für alle, die hier unterwegs sind selbstverständlich…)
>>Jede Nation hat irgendwo in ihrer Geschichte solch eine dunkle Zeit.<< Damit bringst Du ohne Zweifel etwas wichtiges zur Sprache. Mögen beispielsweise die Amerikaner sich gerne als Siegermacht des WW2 darstellen, muss man nur mal genau auf deren Vergangenheit schauen, um ähnliche absurde Rassentrennung mit „schwarz“ und „weiß“ zu finden. Also, ja, keine Nation hat eine weiße Weste. Da gebe ich dir vollkommen Recht. Und hier stehe ich nun, und begutachte nach über 75 Jahren die verwaschenen Flecken auf der „Deutschen Weste“. In diesem Sinne, danke für deine Zeit und dass Du das Projekt weiter verfolgen möchtest.

Viele Grüße
Ramona
20.01.2018 | 01:18 Uhr
Hey,
ja, ich schaffe es jetzt auch endlich mal. Zumindest etwas. Denn dein erstes richtiges Kapitel wurde ja bereits geschrieben, aber das lese ich dann doch erst später. Ich habe nur leider das Gefühl, dass wenn ich nicht jetzt zumindest schon zu den ersten beiden Texten etwas sage, dann wird das nie etwas. Und dabei "freue" ich mich schon auf dieses Projekt, seit du mir zum ersten Mal von deinem Plan erzählt hast.
Nun ja, auf jeden Fall kommt darum nun Review zu Geleitwort und Prolog.
Zum Geleitword deshalb, weil ich es wirklich schön geschrieben fand. Ich hätte es auch so gelesen (bin ja nicht umsonst einer deiner Stammleser), aber ich fand es wirklich gut, dass du jedem noch einmal erklärt hast, was genau du mit diesem Projekt vorhast, und worum es dir dabei geht, bzw. um was genau es gehen wird, und um was nicht. Darauf wusste man mehr, worauf man sich einlässt, und ob man sich auch wirklich darauf einlasse oder von dem Thema abschrecken lassen möchte. Außerdem mag ich den Gedanken, dass du uns "an die Hand" nimmst, und wirklich jeden Schritt begleitest. Und also nicht einfach in irgendeine Situation hinein wirfst, und uns dann da alleine lässt.
Und natürlich fand ich auch den Prolog sehr gut gelungen. Ich wusste ja von dem "Vergleich", den du vorhattest (und auch wenn das Monate her ist, habe ich es keine Minute lang vergessen), war allerdings sehr gespannt, wie genau du das umsetzen würdest. Denn man kann natürlich nicht einfach nur irgendetwas daraus machen. Und ich finde das wirklich gut gelöst von dir. Erst das Wiedergeben der Szene, und dann die ausführlicheren Gedanken dazu, bzw. eben die Begründung, was das mit deinem Plan diese Jahr zu tun hat. Ein wenig hatten wir uns ja bereits darüber unterhalten, aber ich möchte gerne erneut sagen, dass ich es gut finde, dass du all diese Fragen darüber stellst, warum das ganze nun einmal so ist. Mein Geschichtsunterricht war wie gesagt anders aufgebaut, bei uns wurde tatsächlich nichts totgeschwiegen, und uns wurden auch keine Schuldgefühle aufgezwungen (zumindest nicht von unserem "guten" Geschichtslehrer), aber ich kann mich dennoch sehr gut in all diese Fragen hineinversetzen, denn es sind genau die, die mein Geschichtslehrer auch gestellt hat. Nun gut, ein wenig anders formuliert, aber dennoch ein sehr ähnlicher Inhalt: "Solltet ihr die Verantwortung und Schuld von damals auf euch nehmen?" Und die Antwort war für uns alle "damals" sehr klar: Nein. Man sollte sich unbedingt mit dem Thema beschäftigen und darüber nachdenken, lernen, verstehen, wissen, aber es war damals nicht unsere Schuld. Und einer der wichtigsten Punkte: wenn man immer alles totschweigt und nicht darüber spricht, was hindert uns dann daran, dass es wieder passiert? Wenn niemand wirklich Bescheid weiß? Bzw. wenn niemand wirklich lernt, wie man damit umzugehen hat, oder was damals (schwach gesagt) "schief gelaufen" ist?
Entsprechend finde ich natürlich, wie ich dir bereits sagte, diesen (vermutlich mehr mehr als weniger) aufklärenden Kalender eine wundervolle Idee. Das ist genau das, wie man mit der Situation umgehen sollte. Sehen, lernen, verstehen, weitergeben, sich damit beschäftigen. Und nicht totschweigen, oder wie du es sagst: "wahre Anteilnahme erfordert nicht, dass man den Kopf senkt und stillschweigend auf die zwei Punkte vor seinen Füßen starrt" genau so ist es. Darum an dieser Stelle ein großes Lob, dass du dich an dieses Thema herangewagt hast, und dass du deine "Erfahrungen" dieses Weges mit uns teilen möchtest.
Ich bin bereits gespannt, was das erste Kapitel mit sich bringen wird. Geschrieben und hochgeladen ist es ja von dir schon, aber das mit dem Lesen wird bei mir wohl noch einmal eine ganze Weile dauern. Aber ein bisschen habe ich ja auch noch, bevor dann der Februar-Text kommt.
Und ich denke das war es an dieser Stelle von mir. Es ist ja leider nicht viel (bzw. fehlt zu dem eigentlichen Januar-Text eben noch was), aber ich habe dich auf jeden Fall nicht vergessen, und wenn ich wieder mehr Zeit zum Lesen finde, dann lesen wir uns hier auf jeden Fall wieder.
Und nun gute Nacht und noch ein schönes Wochenende,
deine kleine Schreibschwester

Antwort von RamonaXX am 26.01.2018 | 18:09 Uhr
Liebe Riri,

na, was sagt man dazu? Ich habe ja schon so einige Reviews von dir bekommen – und jedes einzelne ist wertvoll für mich – aber das hier kommt dann doch in die Ecke zu den ganz Besonderen. Ich glaube ehrlich, dass es das längste ist, was Du mir bis jetzt geschrieben hast und es mehrere Male durchzulesen, hat tatsächlich auch seine Zeit gedauert. Aber ich musste es einfach mehrmals lesen, weil es so viele tolle Anmerkungen und Lob enthält.

Es ist echt großartig, zu dem Geleitwort und dem Prolog ein gesondertes Review zu erhalten. Für mich ist das gerade wichtig, weil ich ja schon so ein bissen das Gefühl hatte, das Projekt „begründen“ zu müssen. Außerdem wollte ich halt klarstellen, dass es sich um eine sensible Auseinandersetzung mit dem Thema handelt und nichts, vor dem man zurückschrecken muss. Deshalb auch das symbolische „an-die-Hand-nehmen“. Nein, jemanden unbedarft in das Thema reinzuwerfen, halte ich für keine gute Idee und würde ich auch nie unterstützen. Deswegen wird es auch nie fiktive Geschichten von mir zu diesem Thema geben. Dass sollen dann doch denen vorbehalten sein, die tatsächlich dabei waren und darüber Schreiben (müssen), um ihren eigenen Heilungsprozess voran zu bringen. Der einzige, der sich hier in den Holocaust wirft, bin ich mich selbst. Und dass halte ich (im richtigen Maß) für legitim. Wie gesagt, was es hier zu lesen gibt, sind meine Gedanken, meine Erfahrungen, meine Sicht der Dinge. Keine ausgedachte Geschichte.

Ich gebe zum, was den „Vergleich“ – der ja ausdrücklich keiner sein soll :-) – angeht, war auch ich gespannt, wie das ankommt. Ich hätte ehrlich erwartete, dass da mehr offene Meinungsäußerungen zu kommen. Aber nun gut, beschwert hat sich auch keiner. Also muss ich wohl mit meiner These auf dem richtigen Weg sein. In dieser Hinsicht ist es unglaublich schön, dass Du unser Gespräch darüber so lange im Kopf behalten hast und es nicht vergessen konntest. Ich kann sagen, dass ich heute (immerhin habe ich den Prolog vor sechs Monaten geschrieben – in der Zeitrechnung von uns Autoren ist das ja eine halbe und dreiviertel Ewigkeit) immer noch zu meinem Wort und meiner Überzeugung stehe. Und inzwischen weiß ich, dass ich bei weitem nicht die Einzige bin, der man Schuldgefühle „eingeimpft“ hat. Insofern hattest Du es da echt gut, einen Geschichtslehrer zu haben, der euch so offen an das Thema herangeführt hat. Irgendwo schon beneidenswert.

Wir haben zwar erst Januar, aber da in dieses Projekt viel Abreit fließt und ich nicht unbegrenzt Zeit habe, habe ich jetzt schon 6 von 12 Gedenkstätten besucht und 4 von 12 Texten fertig geschrieben. Gelernt habe ich dabei eine Menge, und auch viel nachgedacht und mich intensiv mit der Thematik beschäftigt, sogar aus verschiedenen Gesichtspunkten. Ob es in diesem Kalander wirklich eine Antwort darauf geben wird, wie man einen zweiten Holocaust in Europa verhindern kann, weiß ich nicht. Ich denke, aber dass die Kapitel langfristig einen anderen Weg einschlagen werden. Natürlich will ich nicht meine eigenen Texte spoilern, aber wenn ich mir mein zu letzt geschriebenes Kapitel über Sachenhausen so ansehen, dann denke ich, dass mein Projekt mehr Fragen in den Raum – und damit in die Köpfe der Leser – wirft, als Antwort gibt. Die sollte dann doch jeder in sich selbst suchen und sich fragen, was ihm sein Leben, mit dem Wissen um den Holocaust, wert ist.

>>wahre Anteilnahme erfordert nicht, dass man den Kopf senkt und stillschweigend auf die zwei Punkte vor seinen Füßen starrt<< Hihi. Ohne mich mit Ruhm bekleckern zu wollen, aber auf den Satz bin ich besonders stolz. Er steckt für mich so voller Energie. Es ist genau die Art von Energie, mit der ich mich in dieses Projekt hineingeworfen habe. Und ich habe kein Problem zu sagen, dass es hier und da wirklich Kraft kostet. Nicht das Besuchen der Gedenkstätten, sonders das Aufarbeiten und das Verfassen der Texte. Das ist echt nicht leicht. Rückmeldung zu bekommen und in seinem Kraftaufwand bestätigt zu werden, ist da eine verdammt wichtige Sache.

Ich danke dir noch mal für deine ausführlichen Worte zu Einführung. Lass dir mit dem Lesen ruhig Zeit. Es kommt gewiss nicht mehr als ein Kapitel pro Monat. ;-) Und ja, ich bin auch sehr gespannt, was Du zu deiner ersten richtigen „Reise“ sagen wirst.

viele, liebe Grüße
deine große Schreibschwester
17.01.2018 | 20:50 Uhr
liebe Ramona,

ich weiß gar nicht so recht, was ich dir als review schreiben soll. Mit der Thematik selbst, möchte ich mich jetzt nicht auseinandersetzen, denn darum geht es hier wohl auch nicht. Ich meine, was jeder von uns für eine Meinung zu dem Ganzen hat und wie er damit umgeht, dass das Geschehene Teil unserer Geschichte ist.
Ich möchte dir nur sagen, dass ich beim lesen überrascht war. Es las sich gut und fühlte sich für mich so an, als würdest du einer Blinden erzählen, was du gesehen hast. Die Blinde, das bin ich, denn ich war noch nie in einem ehemaligen KZ. Ich habe es aber nun durch deine Augen gesehen und bin dir dankbar - dankbar dass du mich an die Hand genommen und mit mir diesen Spaziergang gemacht hast, ohne Groll, ohne Scham, mit offenen Augen und ungefilterten Eindrücken. Diese Art zu schreiben ist eine ganz andere, als du sonst hast. Du schreibst was du selbst erlebt hast und es hat mir sehr gut gefallen. Deshalb werde ich dich auch weiterhin begleiten und mir von dir unsere Geschichte ein bisschen persönlicher nahe bringen lassen.

ganz liebe Grüße
Maggie

Antwort von RamonaXX am 22.01.2018 | 19:55 Uhr
Liebe Maggie,

vielen Dank für dein Review. Tja, manchmal ist das so. Ich kenne das auch. Da sitze ich vor einem Text und weiß gar nicht so recht, was ich dem Autor ins Review schreiben soll. Hin und wieder ist das wirklich eine schwere Aufgabe, gerade wenn es um schwierige Themen geht - so wie hier. Umso mehr freut es mich, dass dir doch noch ein paar Worte eingefallen sind.

Ich selbst muss sagen, dass das Schreiben Anfang auch eine Umstellung für mich war. Ich habe noch nie aus der "Ich-Perspektive" geschrieben. Bei Martin und Bike war es ja das ganz besondere "Du". Aber hier war von vorne herein klar, dass das nicht geht. Und das einfach "man" war mir auch nicht gut genug. Vielleicht ist es dir aufgefallen - oder fällt dir bei den zukünftigen Texten auf - ich habe bewusst überall das "man" rausgehalten, bzw. durch ein "ich" ersetzt. Es ist eben wirklich meine ganz persönliche Erfahrung und Meinung und Wahrnehmung. Das möchte ich niemanden aufnötigen, aber allen zeigen, die sich dafür interessieren. Deswegen auch der Vergleich mit dem an-die-Hand-nehmen. Es freut mich, dass das so gut angekommen ist. Das ist wirklich sehr wertvolles Feedback, zu wissen, dass sich Leser darauf einlassen (können).

Viele Grüße
Ramona
15.01.2018 | 20:44 Uhr
Liebe Ramona!
Du hast das sehr persönlich und anschaulich und pietätvoll beschrieben.
Ich war ja letzten Sommer in Dachau, der Reisebericht fehlt noch bei mir.

Du hast es wirklich sehr gut beschrieben, detailreich, mit Fingerspitzengefühl.
Ist ja wirklich ein schwieriges Thema.
Es sollte uns immer eine Mahnung bleiben.

Auf jeden Fall begleite ich dich gerne weiter durch das Jahr.
Liebe Grüße.
R ◆

Antwort von RamonaXX am 19.01.2018 | 21:21 Uhr
Guten Abend Net Sparrow,

vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
"Persönlich" ist diese Reise in jedem Fall. Es sind alles meine wahren Erlebnisse.
Fingerspitzengefühl ist bei dem Thema ohne Frage angebracht.
(Zum Mal es das Regelwerk von FF.de auch so vorsieht.)

Ich hoffe, ich mache mich weiter so gut in der Aufarbeitung dieses Themas.
Morgen und Übermorgen bin ich mal wieder unterwegs und besuche ein weiteres Denkmal.
Das ist dann mein sechstes. Also so eine Art Halbzeit-Marke.

Viele Grüße und bis demnächst
Ramona
15.01.2018 | 17:10 Uhr
Hallo liebe Ramona!

Jetzt geht es also richtig los. Zuerstmal muss ich sagen, war ich noch nie in Bergen Belsen, somit ist das auch für mich Neuland. Hab bisher als waschechte Thüringerin nur Buchenwald (wovon ja auch nicht wirklich wahnsinnig viel übrig ist) und natürlich Dachau - bereits 2x- (weil es gerade eine gute halbe Stunde von hier entfernt ist) gesehen, wobei ich Dachau als wirklich sehr beeindruckend (im Sinne von, es hat auf mich eingewirkt, wenn man das so sagen kann, ohne dass es in dem Zusammenhang komisch rüberkommt).

Ich finde es wirklich gut, wie du allen voran deine eigenen Eindrücke von der Aura, die Bergen-Belsen ausstrahlt, beschrieben hast. Wie du dich gefühlt hast. Mir ging es in Dachau ähnlich. Wenn man Gedenkstätten und die dazugehörigen Ausstellungen und Filme sieht kommt es einem manchmal so unwirklich vor, als sei es tatsächlich "nur" ein Film, nur Bilder und nicht der Albtraum, der sich wirklich und wahrhaftig im Leben dieser vielen tausenden Menschen abgespielt hat. Vielleicht will man es sich auch am liebsten nicht vorstellen, dass solche Gräueltaten wirklich von Menschen begannen worden sein können. Aber es ist nun mal wahr und man kommt gar nicht umhin, dass das Gefühl von Schuld sich einstellt und das obwohl man selbst nicht direkt damit zu tun hatte, man es nicht getan hat und obwohl man all die fruchtbaren Dinge selbst zutiefst verurteilt. Ich gebe zu, ich habe mich schuldig gefühlt ... trotzdem! Vielleicht auch, weil uns diese Schuld vererbt wurde über viele Jahrzehnte hinweg. Und wir werden sie wohl auch noch laaaange mit uns herumtragen.

Ich muss zugeben, Dachau ist vermutlich (wenn ich hier nix überlesen habe) mit mehr Gebäuden erhalten. Gaskammer, Krematorium, Einzelarrestzellen, Baracken mit Schlafsälen, Waschräumen etc. aber du sagtest ja, das kommt auch noch, will hier nichts vorgreifen. Wenn man sowas sieht, dann spürt man natürlich noch deutlicher, ES IST WIRKLICH wahr.
Wie gesagt, ich fand besonders deine Gefühle sehr beeindruckend geschrieben. Ein schweres Thema, das du bisher sehr feinfühlig und vor allem auch mit all deinen Emotionen beleuchtet hast. Mach weiter so.
Ganz liebe Grüße Susann

Antwort von RamonaXX am 23.01.2018 | 19:35 Uhr
Hallo Susann,

so nun kommt auch dieses wunderschöne Review zu seiner verdienten Antwort. (Steh gerade ein bisschen unter Schulstress und versuche mich täglich von dem Gefühl zu lösen, dass mir alles über den Kopf wächst. Sich ans Klavier zu setzen, wirkt da echte Wunder, wenn ich mich denn so wie heute dazu überwunden kann...) Aber zurück zum Thema.

Ja, hier in dem Kapitel ging's jetzt richtig los. Und die anderen werden alle im ähnlichen Stil verfasst sein. Aber es ist halt jedes mal eine andere Gedenkstätte. Und was sicher auch noch durchkommen wird - und was Du ja auch schon erwähnt hast - nicht jede Gedenkstätte ist gleich erhalten. Bergen-Belsen erinnert doch sehr an eine Parkanlage. Da war Neuengamme (kommt im Februar) schon eine echte Überraschung für mich. Buchenwald steht selbstverständlich auch noch auf der Liste. Da fahre ich als nächsten (so um Ostern rum) hin. Bin mal gespannt was es da zu sehen gibt, oder auch nicht, wenn ich deine Worte lese.

Es so super persönlich zu schreiben, war am Anfang gar nicht meine Absicht. Aber inzwischen hat sich das so eingependelt und ich komme mit diesem "neuen" Schreibstil wirklich gut zurecht. Mitlerweile hab ich ja schon etwas mehr auf dem Kerbholz, was die besuchten Gedenkstätten betrifft. Bergen-Belsen war lange nicht so intensiv wie die danach folgenden. Am "schlimmsten" war für mich bis jetzt Sachsenhausen. Da habe ich mich wirklich mit dem Text schreiben gequält. Aber auch der Bericht ist letztes fertig geworden. Ich denke es ist nicht schlecht, dass der Einstieg so "soft" war. Erstens habe ich dann noch Luft nach oben - wie es so schön heißt - und zweites überfordert man die Leser nicht gleich. Es wird, denke ich, noch um einiges intensiver werden, aber wenn man das Stück für Stück steigert, hoffe ich das möglichste viel Leser dabei bleiben.

Es ist halt schon ein besonderes Projekt. Das merke ich gerade jetzt, wo ich mich seit einem halben Jahr damit beschäftige. Berichte über ein KZ findet man überall im Netz, von Schulkassen oder auch etwas wissenschaftlicher aufbereitet. Aber so ein gesammeltes Werk mit den größten Konzentrationslagern in Deutschland ist schon was anderes. Es ist das, was ich bisher als stärkste Nachwirkung meiner vielen Reisen beschreiben würde. Der Holocaust hat nicht an einem Ort stattgefunden, sondern ÜBERALL. Aber dieses Bewusstsein rieselt erst so langsam durch, wo ich quer durch Deutschland fahre und diese Orten eben ÜBERALL finden und sehe.

Ich freue mich auf dein nächstes Review!
Und will am WE noch deine kürzlich eingestellte Geschichte lesen!!

Viele Liebe Grüße
Ramona
07.01.2018 | 13:49 Uhr
liebe Ramona,

das scheint eine sehr interessante neue Reihe zu werden, die du uns da ankündigst. Ich bin sehr gespannt darauf. Es ist ein Thema, was wirklich Mut erfordert und Entschlossenheit. Das schätze ich an Menschen sehr. Ja, du hast dich schon viel mit dem Thema Krieg, Soldaten, Kameradschaft, Tod und allem, was sich noch damit verbinden lässt beschäftigt. Deshalb glaube ich, dass du auch dieses neue Thema hervorragend beleuchten wirst, dass du uns teilhaben lässt an deiner Wahrnehmung und uns einmal wieder die Augen öffnest für das, was war, um es nie zu vergessen. Ja, auch ich fühle mich nicht schuldig, auch wenn ich schon eine Generation älter bin als du. Doch es war damals schon genauso bei uns in der Schule. Man war irgendwie beschämt, ein Sohn oder eine Tochter derer zu sein, die den Krieg miterlebt haben, einfach nur, weil wir Deutsche sind. Auch ich habe das nie akzeptiert und versucht, die Dinge, die waren als das zu sehen, was sie sind - unsere Geschichte. Es gab auch sehr viel Gutes zu dieser Zeit, mutige, entschlossene Menschen, die sich für Menschlichkeit eingesetzt und dabei ihr eigenes Leben riskiert haben. Das waren auch Deutsche, also warum sollte man sich schämen, ein Deutscher zu sein? Nichts davon wissen zu wollen, oder es zu verneinen was war, dafür sollte man sich schämen.
Ich weiß, du wirst es gut machen, deshalb habe ich gleich meine Favoritenliste aktualisiert und dir ein Sternchen geschenkt.

ganz liebe Grüße
deine Maggie

Antwort von RamonaXX am 12.01.2018 | 14:29 Uhr
Liebe Maggie,

wie schon so oft freut es mich, dass Du als Leser in ein Projekt von mir mit einsteigst und gewillt bist, mir und meinen Worten zu folgen und zu lauschen. Und noch mehr bewegt mich, dass ich mit meinen „verdrehten“ Erfahrungen nicht alleine bin. Von meinen Eltern weiß ich auch, dass man ihnen in der Schule Verschwiegenheit und Scham über das Thema gepredigt hat. Dass ist kein guter Ausgangspunkt um sich mit der Deutschen Geschichte zu beschäftigen…
Dass mein zweiter Kalender wieder auf das Thema Soldaten, Krieg und Militär zurückführt, war irgendwie zu erwarten, nicht? Ich hatte kurzfristig auch Gedanken an ein nicht „kriegerisches“ Projekt, aber irgendwie fühle ich mich auf eine gewisse Art in diesem Thema Zuhause und es bestärkt mich immer wieder in meiner Arbeit, dass Menschen zu mir kommen und mir auf die Schulter klopfen. Oft sind es Menschen, die keinen Bezug zu irgendeinem dieser Themenbereiche haben – aber sie bedanken sich häufig für die neuen Blickwinkel, die sie in meinen Texten gefunden haben. Und gelegentlich sind auch Soldaten, die zu mir kommen und sich dafür bedanken, dass sich jemand ihrer Geschichten annimmt.
Ich bin wirklich gespannt, wie dieser Kalender mit seinen Kapitel ankommen wird. Denn es sind wirklich eine Menge unterschiedlicher Blickwinkel und Ansichten zusammengeflossen. Wie bei den Bilder aus dem Vietnamkrieg, möchte ich mich nicht mit einer „so-ist-das“-Meinung hinstellen, sondern frei interpretieren – wobei mitERLEBEN und nachSPÜREN, wohl deutlich besser passt. Ich bin sehr gespannt auf deine nächsten Review.

Liebe Grüße zum Start ins Wochenende
Ramona
02.01.2018 | 06:23 Uhr
Guten Morgen liebe Ramona!

Neues Jahr, neue Geschichte, diesmal von Anfang an, werd aber sicher auch deinen 2017er Kalender noch lesen. Das Thema ist wie immer schwere Kost und diesmal auch mit "unserem" eigenen Schuldgefühl behaftet. Das ist so eine Frage, die ich mir auch heut noch stelle. Ich finde auch oft, dass falsch an das Thema rangegangen wird. Schämen bringt in dem Fall rein gar nichts, auch die seit Jahrzehnten aufdiktierte Schuld, die sich seit dem über Generationen weitervererbt. Aber das Bewusstsein schulen, dafür, wie es dazu kam und wie es nie wieder kommen kann, das fände ich wichtig.

Ich bin sehr gespannt und neugierig, wie du dieses schwere Thema anpackst. Hab vollstes Vertrauen in dich.
Bis zum nächsten Kap, ganz liebe Grüße Susann

War letztes Jahr mit Eni auch erst wieder in Dachau

Antwort von RamonaXX am 04.01.2018 | 10:02 Uhr
Hallo Susann,

schön zu hören, dass ich für mein Projekt noch einen Leser an Bord habe! Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Texte ankommen werden. Sie sind alle in einem bestimmten "Stil" geschrieben, den ich so allgemein gar nicht recht umschreiben kann. Sollen lieber die Texte für sich selbst sprechen... >>wie es dazu kam und wie es nie wieder kommen kann<< darum geht es aus meiner Sicht eher weniger. Insgesamt ist das Thema ja unglaublich mächtig im Umfang und ich hab mir bewusst nur einen kleinen Aspekt davon rausgepickt. Poltische Zusammenhänge zum zweiten Weltkrieg lassen sich in Geschichtsbüchern nachlesen - ich will von dem erzählen, was dort nicht steht...

Ich freue mich auf deine zukünftigen Kommentare!
Viele Grüße
Ramona

P.S. Bis wir uns über Dachau austauschen können, wird es noch eine Weile dauern.
Es ist die vorletzte Station (sprich November 2018) meiner Reise.
01.01.2018 | 19:48 Uhr
Liebe Ramona!
Ja, da bist du deutlich jünger als meine Kinder.

Ich verstehe, was du meinst, und ich bin schon sehr gespannt,
was du mit deiner gewohnten Feinfühligkeit aus diesem Kalender machen wirst.
Prosit Neujahr!
R ♪ ♫ ♪♪

Antwort von RamonaXX am 01.01.2018 | 21:57 Uhr
Hallo Net Sparrow,

ich bin auch schon sehr gespannt, wie dieser Kalender ankommt.
Es steckt (wie bei anderen Autoren auch) viel Herzblut in dem Projekt.
Wobei hier noch dazukommt, dass es NICHT fiktiv ist.
Alles was ich schreibe, habe ich auch wirklich erlebt.

Danke für deinen Kommentar.
Viele Grüße
Ramona
01.01.2018 | 16:04 Uhr
Liebe Ramona!
Wir waren im letzten Sommerurlaub in Ausschwitz und ich war sehr berührt.
Der dazugehörige Reisebericht fehlt immer noch.
Ich freu mich sehr, dass du auch heuriges Jahr wieder einen Kalender postest.
Hab schon weiter gelesen, Review folgt noch, Sternchen hab ich schon geschickt.
Was bedeutet 14f13?

Icb wünsche dir auch hier für 2018 Glück, Liebe, Gesundheit, schöne Augenblicke,
und dir und uns allen ein Jahr, das wir gut bewältigen können
mit Menschen, die unser Herz berühren.
Ich wünsche dir und uns allen Frieden, persönlichen und den in der Welt.
Und natürlich weiterhin viel Spaß beim Schreiben.  
R ♡

Antwort von RamonaXX am 01.01.2018 | 16:36 Uhr
Liebe Net Sparrow,

tausend Dank für die Glückwünsche!!
Ich baue fest darauf, dass 2018 für mich ein gutes Jahr wird.
Ich habe viel vor und wünsche mir die Energie meine Pläne zu verwirklichen.

Was dein Review betrifft....
...so freue ich mich, dich wieder an Bord zu haben.
...und hoffe, dass ich dich nicht vorweg gleich zweimal enttäusche.
Auschwitz steht nicht auf meiner Reiseroute.

Und was deine Frage betrifft:
Wenn es dir unter den Nägel brennt, dann google es ruhig.
Ansonsten gedulde dich bis zum 15., dann kommt das erste Kapitel.
Und auch der Name des Projektes ergibt dann einen tieferen Sinn.
(14f13 ist der erste Begriff, der erklärt wird.)

Viele Grüße
Ramona