Autor: RamonaXX
Reviews 26 bis 50 (von 59 insgesamt):
26.11.2018 | 08:43 Uhr
Liebe Ramona!
Du bist schon mutig, was du für Reisen unternimmst, aber diese Kolumne ist sicher auch ein guter Motivator.
Mit Englisch kommt man wohl heutzutage in Touristengebieten überall durch.

Wie ich dich für dieses geschilderte Wetter beneide. Aber im August war es auch in Ö noch sehr heiß.
Das Wetter in Wien jetzt ist unterirdisch, nämlich genauso finster, feucht wie in einer Höhle, kein Himmel zu sehen, nur wärmer wäre es in einer Höhle...

Du bist fasziniert von Bergen, wir Österreicher sind fasziniert von Ebenen bis zum Horizont.
Sogar Wien im Donautal hat seine Hausberge.
Eigentlich sind das für uns Hügel, was meine Besucher als Berge bezeichnen,
wo doch die Alpen Gletscher über 3.000m haben.

Die Frage, wieso Menschen zu einer Grausamkeit fähig sind, die kein Tier besitzt,
wird man als "normaler" Mensch wohl nie verstehen können.
Refeeding war wohl nach der Befreiung noch einmal eine große Gefahr.

Ein sehr anstrengender Ausflug für dich.
Noch anstrengender das Klima dort und die bergigen Gegebenheiten für die Häftlinge/Zwangsarbeiter.
Wer nicht mehr konnte, wurde wohl getötet.
Das motiviert zum Durchhalten.

Danke fürs Teilen eines weiteren Mahnmals.
Das ist eine tolle Kolumne!
Lieben Gruß.
R ⌘

Antwort von RamonaXX am 08.12.2018 | 19:10 Uhr
Hallo Spatz,

bitte entschuldige, dass diese Antwort sich so lange hingezogen hat.
Aber ich war viel beschäftigt und komme mit dem Antworten dann einfach nicht so schnell hinterher.
Schließlich möchte ich mir ja auch Zeit für meine Leser nehmen und mehr schreiben als nur ein kurzes "Danke".

"Danken" will ich dir indes so oder so!
Es ist einfach toll von dir immer einen Rückmeldung zu bekommen, wo das Thema ja doch nicht leicht ist.

Mut gehört zweifelsfrei dazu, solch ein Projekt und die vielen Reisen in Angriff zu nehmen.
Wobei ich nicht unterschlagen möchte, dass ich - dank meines Alters - auch eine Menge Naivität im Gepäck hatte.
Ich habe wirklich keinen einzige Minute daran gedacht, was ich mir da zumute. Also an Aufwand und auch finanziell.
Schließlich musste ich nicht nur die Reisen bezahlen, sondern auch Unterkunft und Essen.
Aber das ist ein anderes Thema...

Ja, Berge sind schon irgendwie faszinierend für mich.
Habe ich halt nicht vor der Tür - im Gegensatz zum Meer. ;-)
Das Wetter an dem Tag ist mir wirklich stark in Erinnerung geblieben.
Jetzt ist es hier in Kiel auch grau-in-grau.
Seit vier Tagen haben wir Dauerregen und es wird gar nicht hell, bis die "Sonne" um 15:30 Uhr wieder untergeht.
Aber na ja, es kommen auch wieder warme, strahlende Tage...

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass dieses Jahr und damit auch dieses Projekt bald zu Ende geht.
Es ist viel Arbeit und Energie reingeflossen. Mehr als ich erwartet habe.
Aber ich lebe immer noch mit dem Gefühl, dass es sich gelohnt hat.
Neue Projekte für 2019 stehen schon am Start.
Und es geht wieder mehr in den FF-Ecke, weg von "Krieg".

Liebste Grüße und auf bald
Deine Ramona
25.11.2018 | 19:18 Uhr
Hallo Ramona, da ich ja aus Aachen (Aix-la-Chapelle) stamme, war es das Erste das ich als Kind besuchen musste, Vielleicht liegt es daran, dass ich, damals 15jährig, noch klein war, aber mir kam dieses Lager und besonders der Steinbruch viel größer vor. Wir haben in der Nähe in einenr JH übernachtet und sind dort 3Tage zur "Aufklärung und Andacht", (Besichtigung halte ich hier für den falschen Begriff) gewesen. An den Aufsatz von damals(handgeschrieben), kann ich mich noch gut erinnern. Deine Beschreibung kommt mir deshalb ,Verzeih, etwas dürftig vor. Aber jeder erlebt solche Dinge anders. Dieses Terrassen haben uns die Lehrer mehrmals hoch und runter laufen lassen. Auch daran erinnere ich mich noch. Das war für mich, der ich damals völlig unsportlich war, die Hölle. Trotzdem Danke für Deine Beschreibung und das Auffrischen meiner Erinnerungen.
Günter.
PS: in Absprache mit meinem Sohn, werde ich mit dem großen Enkel erst in zwei Jahren einmal mehrere Konzentrationslager besuchen.
Alles Liebe Günter

Antwort von RamonaXX am 27.11.2018 | 22:50 Uhr
Hallo Günter,

vielen Dank für dein Review. Auch deine Kritik ist einen Dank wert! Im Steinbruch bin ich nicht gewesen. Manche Lager sind einfach so groß, dass man in vier Stunden unmöglich alles sehen kann. (So lange brauche ich immer im Schnitt für eine Erkundung.) Dann habe ich aber auch so viele Informationen und Eindrücke aufgenommen, dass mein Hirn gesättigt ist. Das Besucherzentrum mit seiner Ausstellung über den Widerstand hat es ja zu deiner Zeit noch gar nicht gegeben. Für mich war es ein großer Magnet. Und dass ich nicht zum Haus mit der Gaskammer gegangen bin, liegt schlicht daran, dass ich mir den steilen Aufstieg auf dem Rückweg nicht zugetraut habe. Die Hitze an dem Tag hat mich echt fertig gemacht - außerdem war das Hotel eine Vollkatastrophe. Auf dem Trip kam so einiges zusammen, war der schlechteste von allen... (Hab auf der Hin- und Rückfahrt mit dem Zug je 120min Verspätung gehabt. Hast Du schon mal 11,5 statt 8,5 Stunden im Zug gesessen??) Danke für deine treue und verlässliche Rückmeldung.

Viele Grüße
Ramona

P.S. Ich finde es gut, dass Du deinem Enkel ein KZ zeigen willst. Ich hole diese wichtige Erfahrung jetzt mit Mitte Zwanzig nach.
19.11.2018 | 22:44 Uhr
Liebe Ramona,

du hättest keine passendere Worte finden können. Ich habe erst letztens wieder den ersten Band von Harry Potter gelesen und auf den letzten Seiten, wo Dumbledore Harry einen Besuch im Krankenflügel abstattet, fordert er ihn dazu auf, nicht Du-weißt-schon-wer zu sagen, sondern Voldemort. Er will nicht, dass Harry unnötig Angst vor einem Namen hat. Er will, dass Harry der Wahrheit ins Gesicht sehen kann.

Und das ist unsagbar wichtig, besonders bei einem solchen Thema. Denn du hast recht, oft wird der ganzen NS-Zeit ein "Schäme-dich"-Stempel aufgedrückt und damit ist die Sache erledigt. Aber wieso soll ich mich schämen, wenn ich nicht einmal richtig begreife, was genau passiert ist?

In der Schule beispielsweise wurde der Nationalsozialismus, der Holocaust und alles, was damit zu tun hat, behandelt, aber in einer Art, die mir nicht gefallen hat. Ich habe kaum etwas Neues dazu gelernt, das meiste hatte mir meine Mutter schon vor Jahren dazu gesagt. In meinen Augen hat die Schule sich nicht darum bemüht, aufzuklären und Verstehen zu vermitteln, sondern eher das Geschehen chronologisch wiederzugeben und mehr auch nicht. Uns wurde nicht vermittelt, wie es überhaupt so weit kommen konnte, was die Hintergründe eigentlich waren oder was Hitler vor seiner Amtszeit gemacht hat und was in KZs genau passiert ist. Man sollte doch gerade denken, dass Deutschland dieses Thema besser anpackt, eben weil es hier passiert ist.
Wir haben nicht mal eine Exkursion zu einem KZ gemacht, auch wenn wir eines recht nah bei uns hatten.

Seitdem habe ich mich nicht mehr viel mit dem Thema beschäftigt. Ich habe zwar das KZ in Dachau besucht, aber danach habe ich mich dennoch nicht weiter damit auseinander gesetzt, obwohl der Anblick erschreckend war. Das hat sich geändert, als ich auf deine Geschichten zu Band of Brothers gestoßen bin. Dann habe ich mir die Serie angeschaut und das Buch bisher zur Hälfte gelesen. Ich wusste beispielsweise gar nicht, dass die KZs erst gegen Ende des Krieges entdeckt wurden und dass teilweise nicht einmal Deutsche davon wussten.
Und dann dachte ich mir, ich muss mich endlich mal weiterbilden. Wenn die Schule es nicht geschafft hat, dann mache ich es eben selbst.

Deswegen bin ich jetzt auch hier. Ich finde es großartig von dir und auch mutig, dass du verschiedene Gedenkstätten besucht hast und nun darüber schreibst.

Liebe Grüße
Maria

Antwort von RamonaXX am 23.11.2018 | 22:02 Uhr
Liebe Maria,

jetzt hast Du mich mal wirklich überrascht. Ein Review von dir zu diesem Projekt hätte ich nun wirklich nicht erwartet!! Aber es freut mich selbstverständlich. (Um ehrlich zu sein, war ich sogar ziemlich aus dem Häuschen, als der Alert Anfang der Woche kam.)

Irgendwie scheine ich dich mit dem ganzen Kram rund um Band of Brothers / 2. Weltkrieg / Holocaust heftig angefixt zu haben. Kann das sein? *grins* Jedenfalls will ich dir nicht vorenthalten, dass es da eine große Verbindung gibt. Les mal (bis) Kapitel sechs. Da taucht Richard Winters dann sogar hier in meinem Holocaust Projekt auf. (Allerdings ist die Referenz hier zum echten Winters gesetzt – und nicht zu einer Fanfiction, die ja den freien Gesetzen der Fantasie unterliegt. Ich trenne das sehr strikt.)

Aber ich laber schon wieder zu viel, will ich mich doch eigentlich für dein Review bedanken und auf ein paar Dinge noch etwas näher eingehen.

Ist schon echt ein besonders schöner Zufall, dass Du mir gerade jetzt schreibst, wo ich seit Wochen – ach was, seit Monaten – mit diesem Projekt durchhänge und mich mit dem Weiterschreiben bzw. dem Beenden quäle. Da gibt so ein Review wirklich neuen Mut! Und was das schönste von allem ist, dass Du zum ersten bzw. zweiten Kapitel reviwet hast. In deinen Zeilen lese ich, mit welcher Energie und Kraft ich damals angefangen haben mich mit dem Holocaust zu befassen. Da brennt ein Feuer, ein Funke der auf den Leser überspringt. Und – was fast noch wichtiger ist – dass die Gedanken, die ich damals dazu gehabt habe gar nicht so ungewöhnlich sind. Mir hat das Thema in der Schule auch überhaupt nicht „geschmeckt“, oder besser gesagt die Art wie es „präsentiert“ würde. Dein "Schäme-dich"-Stempel fand ich fast noch passender als meine Worte. Es ist genau so!

Dachau habe ich auch besucht! Ist der Bericht für den November, den ich unbedingt jetzt am Wochenende anfangen muss/will zu schreiben. Ich habe immer noch den Ehrgeiz das Projekt bis zum 31.12. inklusive Nachwort durchzuziehen. Dein tolles Review gibt dazu den nötigen Mut und spornt mich an, dass diese schriftliche Auseinandersetzung immer noch einen tieferen Sinn hat...

Ich hoffe sehr Du kommst dazu die anderen Kapitel auch zu lesen. (Und ansonsten kannst Du dir ja das rauspicken was dich interessiert. Zum Beispiel die Feldscheune mit Winters. ;-)

Herzliche Grüße und einen tollen Start ins Wochenende
Deine Ramona
30.10.2018 | 07:43 Uhr
Liebe Ramona!
Nun bist du also in meiner Heimat.
Mauthausen will ich definitiv auch noch besuchen. Schande, dass ich nur in Deutschland KZ besucht habe.
Urlaube nützt man aus, in der Heimat sagt man immer: "Das läuft uns nicht weg, wird schon mal passen."
Es ist ja doch nicht ums Eck von Wien für einen Tagesausflug, sind doch 2x ca. 200 km.
Meine Kinder waren mit der Schule dort. Ich hoffe, sie haben sich nicht kritzelnd verewigt. Sicher nicht, waren ja mit Lehrpersonal.

*lacht*
Was habt ihr alle nur mit dem österr. Dialekt,
ihr habt in D ja selbst so viele verschiedene Dialekte,
und wir Ösis kommen mit jedem Einzelnen von euren deutschen z.B. im TV gut zurecht.

Tja, Ö ist ein bergiges Land, dabei sind das nicht mal noch die Alpen. Für uns ist es gerade mal ein "Hügel".
Mit dem Auto wärst du sicher näher heran gekommen?

Wir haben heute noch viele Steinbrüche in Ö, aber natürlich keine Zwangsarbeit mehr.
Maschinen sind in bergigem Gelände immer schwerer einsetzbar.
Um Mauthausen liegen auch viele stillgelegte Steinbrüche.
Die Plexiglas-Sicherung ist so typisch Ö + D. In Griechenland kann man überall z.B. bei Ruinen bis an den Rand gehen, keine Warnschilder, man vertraut den Leute, dass sie darauf achten, ob der Rand bröckeln könnte. Warum wird uns das vernünftige Denken aberzogen?

Das mit der Hitze glaube ich dir. Aber immer noch besser Besucher als die, die in der Hitze dort schuften mussten.
Und wahrscheinlich haben sie noch "dankbar" geschuftet, bedeutete das immerhin, dass sie noch weiterleben durften.
Wer es körperlich nicht mehr geschafft hat, wurde eh getötet. Schlimm...

Wie es heute noch Holocaust-Leugner geben kann, ist mir unbegreiflich.
Alles Gute!
~ Sparrow

Antwort von RamonaXX am 03.11.2018 | 09:09 Uhr
Liebe Net Sparrow,

ja, das war mein Besuch in Österreich. (Zumindest was dieses Projekt betrifft.)
Ich freue mich, dass es dir gefallen hat und Du so viele Gedanken dazu geschrieben hast.

Was das Reisen betrifft, geht es mir wohl ganz ähnlich.
Die Sachen, die "vor der Tür" liegen, sieht man sich selten(er) an.
Da müssen schon mal Leute von weiter weg kommen und davon "schwärmen".

Naja, mit dem Dialekt ist das so ne Sache...
Klar, in Deutschland gibt es jede Menge - und nein, ich komme mit den meisten nicht zurecht.
Obwohl ich hier oben im Norden groß geworden bin, spreche und verstehe ich zum Beispiel kein Plattdeutsch.
Bei Besuchen in Österreich muss ich mich immer erst ein bisschen Einhören, dann geht's.
Nur nach einer schlaflosen Nacht, morgens um 7 am Bahnhof - da hat es nicht geklappt. ;-)

Richtig, was in meiner Auffassung "Berge" sind, sind für andere "Hügel" oder sogar "Hügelchen":
Aber auch dafür mag ich dieses Projekt, es ist ja doch auch ein stumme Liebeserklärung an die Heimat.

>>Warum wird uns das vernünftige Denken aberzogen?<< Gute Frage!
Wenn man drüber nachdenkt, würden einem sicherlich noch mehr Beispiele aus dem Alltag einfallen.

Ich danke dir mal wieder für dein tolles Review und dass Du hier so fleißig mitliest!
Stammleser sind Gold wert! Ein absolutes Glück, dass das Herz des Autors mit Freude füllt.

Herzliche Grüße
Ramona
01.09.2018 | 12:20 Uhr
Liebe Ramona!
Diese Bilder, die du für den letztjährigen Kalender "ausgegraben" hast, waren alle was Besonderes.
Mir gefällt, wie genau du immer hinschaust.
Ich hätte da auch auf die Führung nicht verzichtet, wenn man den Stollen anders nicht betreten darf, obwohl ich wie du auch lieber im Alleingang besichtige.

Ich glaube, diese damaligen Reden wirken heute nicht mehr, weil wir schon wissen, wie es ausgegangen ist, und weil es nicht mehr der Zeitgeist ist.
Aber es gibt nach wie vor Reden, die aus falschen Gründen Feuer anfachen, kein gutes Feuer.

Knapp außerhalb von Wien war auch eine unterirdische Fliegerfabrik, wo gebaut wurde, aber es war eine Fabrik, kein KZ.
Du warst im März dort, du hättest jetzt im August dort sein müssen, da wäre es im Stollen wohl angenehm kühl gewesen.

Ich glaube, diesmal hast du besonders emotional und persönlich geschrieben,
dich besonders tief drauf eingelassen, kommt mir vor.

Bin neugierig, was du über deinen Österreich-Besuch schreiben wirst.
Ich wünsche dir einen schönen September!
R (❁´‿`❁)

Antwort von RamonaXX am 18.09.2018 | 07:39 Uhr
Lieber Internet-Spatz,

vielen Dank für dein treues Review, auch zu diesem Kapitel.
Und bitte entschuldige, dass es momentan etwas mit dem Antworten bei mir dauert.
Privat schwimme ich seit Wochen durch meinen Alltag und warte darauf das endlich mein Urlaub beginnt...
Insofern bleibt das Pflegen von Kontakten etwas auf der Strecke.
Aber ich will nicht jammern. Am 27.09. geht's endlich los mit Urlaub.

Zurück zum Review:
Was deinen Eindruck betrifft, so denke/fühle ich ähnlich.
Der Besuch in Dora war besonders. Besonders intensiv und eben auf seine eigenen Art und Weise schön.
Andere Orte habe mich auch "geflasht" aber Dora war bei alle dem etwas "ruhiger".
Wenn ich durch die alten Kapitel blättere, bin ich manchmal erstaunt, was für "Kleinigkeiten" in die Texte eingeflossen sind.
Aber ich denke, dass "sich-drauf-einlassen" und "genau-hinsehen" macht das Herzstück dieses Projektes aus.

Wenn ich den Kopf dafür frei hätte, hätte ich gerne schon mit dem Kapitel über Mauthausen angefangen.
Durch meine Paten in Wien verbinde ich ja doch ein Stückchen Heimat mit der Stadt.
Jedenfalls fühle ich mich in Österreich nicht fremd.
Ich denke mal, dass das auch ein Stück weit in den kommen Text mit einfließend wird... ;-)

Ich freue mich auf dein nächsten Review!
(Auf dass ich die Zeit zum Schreiben finde.)

Herzliche Grüße
Ramona
31.08.2018 | 20:16 Uhr
Hallo Ramona, vielen Dank für die Empfehlung. Ich werde ihr noch in diesem Jahr folgen und Dora besichtigen. Auch für die Beschreibung Deiner Gefühle. Da ist für mich manches nachvollziehbar.
Alles Liebe und viele Grüße Günter

Antwort von RamonaXX am 03.09.2018 | 22:39 Uhr
Hallo Günter,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Es freut mich, dass in meiner Liste noch ein weiterer Ort ist,
denn Du noch nicht besichtigt hast. Schön, dass Du jetzt den Entschluss dazu gefasst hast.
Ich bin gespannt wie deine Eindrücke von Dora ausfallen werden...

Viele Grüße
Ramona
22.08.2018 | 23:19 Uhr
So, hey. Ja, ich hab’s tatsächlich mal geschafft. Denn als ich bei dir war, dachte ich mir gestern Abend, dass ich die Zeit bis zum Einschlafen ja auch zum lesen nutzen könnte, und um deine Katze nicht zu wecken, indem ich Licht mache oder Seiten blättere, dachte ich mir, ich mache das mal am Handy. Und siehe da: Es hat sich endlich ausgezahlt, dass ich mir damals dieses Projekt von dir runtergeladen habe!
Aber gut, fangen wir mal an. Schon beim Begriff war ich komplett überrascht. Selbstverständlich sagt mir das Wort „Holocaust“ etwas, und ich hatte dieses Thema auch in der Schule. Bei uns war es immer ein eher vager Begriff, ein wenig schwammig, und niemals so auf den Punkt gebracht wie hier. Aber was mich wirklich überrascht hat, war, dass es im hebräischen ein eigenes/anderes Wort dafür gibt. Davon hatte ich wirklich noch nie gehört. Darum finde ich es auch al wieder super von dir, dass du diese Bildungslücke geschlossen hast. Damit bin ich zumindest in diesem Punkt jetzt schlauer als all meine Mitschüler (und sicher auch als der ein oder andere Lehrer).

Es ist irgendwie schön zu hören, dass ich das Projekt nicht als einzige zwischendurch wochenlang ruhen lasse. Aber wie heißt es? Was lange währt wird endlich gut, richtig? Also bei deinen Kapiteln klappt das auf jeden Fall, vielleicht ja auch bei meinen Rückmeldungen. (Übrigens, Fehlerfee, du hast „ruhen lassen“ geschrieben, es müsste „ruhen lasse“ heißen.)
Und das hier war damals, bei unserem ersten Treffen, stimmt‘s? Mann ist das schon lange her … und außerdem ist es der erste Ort auf deiner Liste, den ich auch persönlich kenne. Bin schon gespannt, wie du meine Erinnerungen auffrischen, und eventuell auch meinen Blick auf andere Dinge lenken wirst, als ich damals bemerkt habe. Denn bei mir ist das inzwischen … 5 Jahre her. Mindestens. Vermutlich mehr. Also vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass ich diesen Ort nun noch ein weiteres mal „besuche“ wenn auch „nur“ in schriftlicher Form.
„Oder aber es interessiert die Leute, die hier leben nicht, was in ihrer Nachtbarschaft passiert ist.“ ← bestimmt eher so, als anders. Menschen sind eben manchmal einfach Idioten. Ich erinnere mich kaum, aber ich meine, mich auch schon damals gefragt zu haben, wie so eine nette kleine Wohnsiedlung genau neben einem solchen Ort entstehen konnte. Es ist irgendwie total absurd. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ich dort gerne leben würde. Mit dem Blick (mehr oder weniger) direkt auf Sachsenhausen …
„ohne Mobiltelefon“ ← bei mir ausnahmsweise mal mit. Aber ich brauche es zum Lesen, also lässt man es mir hoffentlich durchgehen. Und es ist ja im Flugzeugmodus, und ich konzentriere mich auf den Text und unsere Tour, also ist das sicher okay. Und das Bistro gab es damals ganz sicher noch nicht! Daran würde ich mich ganz sicher erinnern. Klingt aber nach einer Veränderung zum schlechten, also vielleicht ganz gut, dass mir (und dem Rest der Klasse) das damals entgangen ist.

„Wenn ich einem Ort zuhören will, muss es dort leise sein.“ ← absolut verständlich. Und hiermit außerdem mein Lieblingssatz. Ich mag es, wie du davon sprichst, einem Ort zuzuhören. Aber es ist auch genau das, was du tust. Oder zumindest vermittelst du mir als Leser dieses Gefühl bei deinen Texten.
„Aber da ich in der Zeit zurückgehen will, ist es aus meiner Blickrichtung der Anfang.“ ← Irgendwie hat mich das Lächeln lassen. Durch diesen Satz kreierst du eine Art Kreis, und solche … „runden“ Dinge gefallen mir wirklich gut. Darum auch dieser Satz.
Außerdem wird mir gerade bewusst, wie gut es ist, dass ich mir dir gemeinsam noch einmal diesen Ort besuche. Denn ich habe dann doch schon eine ganze Menge wieder vergessen. An die Mauer z.B. erinnere ich mich kaum, oder ich habe dem damals einfach keine Beachtung geschenkt. Was wohl auch nicht so verwunderlich wäre, immerhin haben Kinder oft andere Dinge im Kopf, auch wenn sie etwas interessant finden. Und vieles habe ich mir auch gemerkt, aber durch dich lerne ich eben doch noch einmal andere Dinge, also ist es vielleicht ganz gut, dass ich jetzt als Erwachsener die Strecke noch einmal laufe (zumindest mehr oder weniger), was ich ohne dich sicherlich nicht getan hätte.
Und dann hast du auch noch die Zeit vergessen, und wir können die Touris doch nicht mehr ignorieren. Schade eigentlich. Aber immerhin konnten wir (also du) so ein wenig den Text lesen. Da hat es sich ja vielleicht doch gelohnt.

An das Gebäude mit dem Tor erinnere ich mich wiederum gut. Also vielleicht ist mein Gedächtnis doch ganz okay. Zumindest das ein oder andere wichtige/historische kann ich mir also doch noch behalten. Sehr gut. Wobei ich damals aber nicht in dem Gebäude selbst war. Ich weiß nicht genau, warum (vielleicht war es zu umständlich), aber die Lehrer hatten da wohl was dagegen. Gut, dass ich das nun ein wenig mit dir nachholen konnte. Fand ich sehr interessant, auch wenn du ja „nur“ grob beschreibst, was es dort zu sehen gibt. Und bei den Waffen muss ich zustimmen. Friedlich aufgewachsen sind von „unserer Generation“ sicherlich die meisten. Ich habe ein wenig eine Vorstellung von Waffen, weil ich mal sehr viel für ein Projekt recherchiert habe, aber ich glaube auch ich wäre überrascht, wenn ich dann wirklich mal eine echte Waffe sehen würde. Einfach, weil meine Vorstellung davon so anders wäre, und ich in meinem Kopf ein anderes Bild zu den Waffen hätte.
Die Worte am Tor haben mir trotz der Wärme einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Eigentlich schon fast gruselig, wie „nur“ ein paar Worte eine solche Reaktion hervorrufen können. Aber hierbei wohl kein Wunder. Nicht, wenn man weiß, wo es herkommt …
„Bin ich vielleicht zu weich, zu empfindlich? Oder sind die anderen zu abgestumpft, zu teilnahmslos?“ ← Vielleicht ja weder noch. Vielleicht gehen andere Menschen mit einer anderen Einstellung an das Ganze ran. Eher ein: „Oh, ein Stück Geschichte, super!“, aber sie betrachten es eher wie ein Museum, oder eine Galerie, und du denkst dir: „Ein Stück Vergangenheit, hier kann ich lernen“ und bist damit automatisch näher an dem ganzen dran. So genau weiß ich es natürlich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass die Einstellung bei solchen Besuchen schon sehr viel ausmacht.

Teilweise lesen sich deine Kapitel/Berichte echt ein wenig wie ein Roman. Es lohnt sich auf jeden Fall, wie viel Zeit und Mühe du dir damit machst. Beim Lesen merkt man das richtig. Dass du es nicht einfach überstürzt und „irgendwie“ machst, sondern dass du da wirklich drüber nachdenkst. Ja, es braucht lange, aber ich als Leser bin dir wirklich dankbar, dass du dir diese Zeit auch nimmst.
„Denn ich fühle mich in diesem Keller der Geschichte nicht nah, ich fühle mich ihr zu nah.“ ← Danke, dass du hier einen Unterschied klar machst. Dass du darauf eingehst, dass es einen Punkt gibt, an dem man sich mit der Nähe zu Vergangenem unwohl fühlen kann. Mag ja sein, dass man die Geschichte erkunden möchte, aber es gibt eben auch Momente, in denen es zu viel werden kann. Leider habe ich das Gefühl, dass das besonders Lehrer z.B. nicht richtig begreifen. Oder zumindest bei weitem nicht alle. Schön deshalb, dass du es aufgreifst. Regt, wie ich finde, auch sehr zum Nachdenken an.
Manchmal möchte ich mich außerdem gerne vor deinen Texten verstecken können. Wie, als du die Leichenhalle beschreibst. Und nicht zum ersten Mal bin ich unglaublich froh, dass du diese Methode der Erfahrungsberichte und Ausflüge gewählt hast, um uns das Thema näher zu bringen. Und nicht, wie bei deinen Kriegsprojekten aus Sicht von jemandem dort geschrieben hast. Denn das wäre mir definitiv zu heftig gewesen. Gerade bei deinem Schreibstil, und deiner Fähigkeit, mit Worten umzugehen. Also gut, dass es so ist, und nicht anders, denn so sehr ich dich und deine Texte auch liebe, schon so ist es manchmal echt viel, und wäre es noch heftiger geworden, dann würde ich es vermutlich nicht lesen. Dafür hätte ich glaube ich nicht die Nerven. (Und an dieser Stelle auch mal großen Respekt an dich, dass du dir alleine all die KZs ansiehst. Wir Leser haben ja irgendwie immer dich dabei, und außerdem die Schutzmauer des geschriebenen Wortes zwischen uns und der Realität, aber du nicht.)

Und die Pause tut/tat mir auch gut, selbst nach dem „nur“ geschriebenen Wort. Und ich habe die Gelegenheit genutzt, und gleich mal wie du eine längere Pause gemacht. Genau genommen bis heute Mittag. Ich bin immer noch nicht zufrieden damit, dass ich ausgerechnet auf dem Hauptbahnhof weitergelesen habe (Wirklich nicht der passende Ort für deine Texte), aber ich bin froh, es überhaupt gemacht zu haben. Immerhin war so die Erinnerung an den ersten Teil des Kapitels noch frisch. Aber beim nächsten Mal werde ich es, denke ich, wieder an einem Stück lesen. Das lässt den Text einfach anders wirken. Ich habe dann eine andere Einstellung zu allem.
An die zwei Baracken erinnere ich mich außerdem auch. Nur vage, aber sie blieben mir doch im Gedächtnis. Und durch deinen Text wurde das ganze noch einmal sehr gut aufgefrischt. Dieses alte und neue gleichermaßen fand ich damals sehr irritierend. Aber nicht schlecht, man hat ja trotzdem viel lernen können, nur … merkwürdig. Und das finde ich heute immer noch, aber ich kann es natürlich verstehen. Manche Dinge muss man eben erneuern, anders funktioniert es nicht.
Die letzten beiden Sätze aus diesem Absatz haben es übrigens echt in sich. „Das hier war nicht echt. Das hier ist echt.“ Und ich sitze da, mit Jacke an, in der Sonne, und friere trotzdem. Genau das ist so einer der Gründe, warum ich froh bin, dass du deine Wortkünste hier „nur“ in dieser Form auslebst. Denn mit Worten kannst du eben wirklich umgehen.

Was das Mahnmal mit den Winkeln angeht, finde ich ist die Anzahl eine wirklich interessante Frage. Alleine hätte ich darauf niemals geachtet, aber jetzt wo du es ansprichst … hast du eine Antwort darauf gefunden, warum gerade 18? Ich war jetzt sogar so neugierig, dass ich (im Nachhinein) selbst mal geguckt habe,. Glaubst du, es liegt an den 13-18000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die dort ihr Leben lassen mussten? Denn etwas anderes, wo die 18 Winkel passen könnten, habe ich wirklich nicht finden können …
„Erschießungsgraben“ ← Und mal wieder schaffst du es mit einem einzigen Wort, dass ich eigentlich gerne woanders wäre (und das, obwohl ich es ja bin).
(Außerdem noch einmal eine kleine Fehlerfee: Bei „welchen Weg die Häftlinge, die hierher gebracht wurden zu gehen hatten.“ gehlt ein Komma zwischen „wurden“ und „zu“.)
„Auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal im Ansatz sagen könnte, wie diese Verantwortung aussieht.“ ← Das wird auch ein Lieblingssatz. Denn ich finde, es ist genau das, was man in der Schule darüber lernt. Mit dem Unterschied, dass du es praktisch in unsere Hände legst, was wir daraus machen. In der Schule wurde oft versucht, uns gleich beizubringen, worin diese Verantwortung besteht. Aber ob das wirklich so einfach funktioniert kann ich nicht sagen, und geglaubt habe ich es schon damals nicht. Weshalb ich es gut finde, dass du nicht versuchst, es in Worte zu fassen, aber genau dadurch (meiner Meinung nach) dafür sorgst, dass man selbst darüber nachdenkt, und vielleicht für sich eine Antwort darauf findet. Irgendwann zumindest. Aber du gibst die Antwort nicht vor, sondern geleitest einen nur (auf deine eigene Art und Weise) in die entsprechende Richtung.

Ich denke an Erfahrung reicher sind auch wir, wenn wir dich begleiten. Mit jedem Bericht ein wenig mehr. Und um jede Flussbiegung eine neue kleine Reise. (Eine sehr schöne Metapher, wie ich finde, sehr passend.) Ich kann aber auch absolut nachvollziehen, warum diese Erfahrung jemanden mitnimmt, und warum du danach vorsichtiger an Dinge herangegangen bist. Das kann ich wirklich nur zu gut nachvollziehen.

Und meine Notizen abzutippen und in Worte zu fassen hat jetzt doch etwas länger gedauert, weshalb ich mich, denke ich, für heute verabschiede. Ich wünsche dir noch eine gute Nacht und wir lesen uns (allerspätestens an der nächsten Flussbiegung, aber ganz sicher auch schon früher).
Liebe Grüße,
Riri

Antwort von RamonaXX am 07.10.2018 | 21:35 Uhr
Hallo liebe Riri,

ja ich weiß, ich bin spät dran. Bei nächster Gelegenheit werde ich mal ein bisschen Asche auf mein Haupt streuen…. Aber im Moment habe ich Urlaub und deshalb Zeit mich mal ohne Druck dem Schreiben zu widmen, was das Schreiben von Reviews und Reviewantworten natürlich mit einschließt.

Süß, dass Du die Katze nicht wecken wolltest und irgendwie auch lieb von dir, dass Du bei deinem Besuch auch noch nachts im Bett gelesen hast. Ich sollte mir das auch dringend mal wieder angewöhnen – also das Nachts-im-Bett-lesen. Meisten hab ich Gedanken an meine Figuren und Polts im Kopf, wenn ich mich auf die Seite lege…

Aber zurück zum Review und meiner Antwort, die deinen ausführlichen Schilderungen wahrscheinlich nicht das Wasser reichen kann, zumindest nicht was die Länge betrifft. Aber egal, ich will versuchen auf jeden Punkt ein bisschen einzugehen, schließlich hast Du dir die Mühe beim Kommentieren ja auch gemacht.

Danke für dein erstes Lob an dieser Stelle. Ich habe schon öfter die Rückmeldung bekommen, dass die Worterklärungen am Anfang eine guter Einstieg sind, einem das Thema näherbringen und zu Weilen „Bildungslücken“ schließen. Natürlich alles (von mir) in der Hoffnung richtig recherchiert zu sein.

Olee-Olee, die Fehlerfee. Auch hier sag ich artig danke und verweise darauf, dass ich den von dir aufgelesenen Fehler bereits berichtigt habe. Übrigens schon im August *Augen roll* als Du mir dieses Review geschrieben hast.

Ich reise (zumindest durch die Gedenkstätte) ohne Mobiltelefon, aber Du darfst deins natürlich herzlich gerne nutzen, um mich virtuell dabei zu begleiten. Ich habe nichts dagegen. (Und ja, dieses KZ ist genau jenes, welches ich besucht habe, bevor wir uns das erste Mal getroffen haben. Auch für mich bleibt Sachsenhausen in diesem Punkt eine besondere Erinnerung.)

„Wenn ich einem Ort zuhören will, muss es dort leise sein.“

Hey! Und wieder kopierst Du einen Lieblingssatz in dein Review. Und wieder sag ich Dankeschön. Es ist echt ein tolles Gefühl, selbst wenn es nur „kopierter Text“ ist, es verbindet Leser und Autor doch auf eine magische Weise. Wobei in diesem Fall sind wir ja sogar zusammen unterwegs. Ich meine immerhin halte ich an meinem Versprechen fest – oder versuch es zu mindestens – und nehm dich auf meinen/unseren Touren an die Hand. Und wie sich ja schon manches Mal herausgestellt hat, ist das emotional eine solide Sache.

Dass Du dich an das „Torhaus“ erinnerst, ist gut. Auch mir kommt der Ort, jetzt wo ich dein Review nochmal lese und Stück für Stück beantworte, sehr lebhaft in den Sinn. Was andere sich auf dem Gelände der Gedenkstätten ansehen, was ich mir ansehe, was ich in mein Notizbuch kritzele und was tatsächlich in diesen „Berichten“ landet, ist sehr unterschiedliche. An vielen Orten habe ich mehr Dinge mir angeschaut, als ich in die Berichte geschrieben habe. Manches war einfach nicht interessant oder aber nur sehr kurzweilig. Und andere Dinge wiederum hätten den Rahmen gesprengt. Manchmal habe ich auch die „Route“ im Text ein bisschen zu der angepasst, wie ich sie tatsächlich bei meinem Besuch gelaufen bin. Also wenn Du nicht in dem „Torhaus“ warst, ist das sicher kein tragischer Umstand.

Und was die Waffen betrifft. Nun ja, auch das gehört für mich irgendwie zu diesem Projekt dazu. Dieses leichte Abschweifen und Philosophieren. Es ist ein Teil des Ganzen und so wie ich mir über das Gewicht einer Waffe meine Gedanken gemacht habe, wirst Du in den späteren Kapiteln noch feststellen, dass ich auch eine Menge mehr Dinge mit in mein Projekt einbezogen habe.

„Bin ich vielleicht zu weich, zu empfindlich? Oder sind die anderen zu abgestumpft, zu teilnahmslos?“

Vielleicht ja weder noch. Vielleicht gehen andere Menschen mit einer anderen Einstellung an das Ganze ran. Eher ein: „Oh, ein Stück Geschichte, super!“  Danke, für diesen Gedanken deinerseits. Das hat meinem Blick doch eine gewisse Weitsicht gegeben!

„Denn ich fühle mich in diesem Keller der Geschichte nicht nah, ich fühle mich ihr zu nah.“ ← Danke, dass du hier einen Unterschied klar machst.

Bitte, bitte. Gern geschehen, kann ich da nur im Nachhinein zu sagen, wobei ich hinzufügen möchte, dass der Moment im Keller schon sehr, sehr prägend war. Jetzt wo ich sämtliche Gedenkstätten und Orte meiner Reise besucht habe, kann ich sagen, dass mir nirgendwo „der Arsch so auf Grundeis gegangen“ ist, wie in der Pathologie von Sachsenhausen. Ich war wirklich drauf und dran meinen Besuch abzubrechen. Aber ich hab dich ja an meiner Hand. Also lass und weitergehen…

Darf ich eigentlich auch einen Lieblingssatz auf deinem Review zitieren? Das wäre dann nämlich dieser hier: >> Manchmal möchte ich mich außerdem gerne vor deinen Texten verstecken können.<< Ich nehme, dass absolut als Kompliment auf, weiß ich genau was Du damit sagen möchtest.

Ob man einen Text am Stück, oder in Teil liest, ist sicher auch immer eine Frage der Zeit, der Länge des Textes und natürlich der eigenen Nerven. Ich unterbreche auch schon mal – falsch, immer! – an intensiven Stellen die Texte, die ich lese und lasse sie einen Moment wirken. In diesem Fall würde ich dazu rechnen, dass das Kapitel über Sachsenhausen auch wirklich lang geworden ist! Noch ein Grund eine Pause einzulegen.

Die 18 Winkel am Mahnmal? Nope, da bin ich ehrlich gesagt nicht noch einmal hinter. Wäre vielleicht eine Frage für einen Menschen, der sich wissenschaftlich mit dem Thema befasst oder auf andere Weise näher mit dem Ort verbunden ist. Überhaupt ist mir irgendwann mal aufgefallen, dass sehr viele Doktoren und Professoren sich dem „Holocaust“ angenommen haben. Es soll Tage geben, an denen ich mich wirklich frage, was ich da als kleiner Autor noch bewirken kann. Aber wie Du schon gesagt hast: Mit Worten weiß ich umzugehen – und dein Review bestätigt mir das einmal mehr; also dass meine Arbeit trotz „Nicht-Wissenschaftlichkeit“ wichtig und gut und richtig ist!

„Auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal im Ansatz sagen könnte, wie diese Verantwortung aussieht.“ ← Das wird auch ein Lieblingssatz.

Ich sage danke und lasse dich wissen, dass ich der Antwort in dem vergangen Jahr – ja, solange liegt mein Besuch in Sachsenhausen jetzt schon zurück – ein klein wenig näher gekommen bin. Ich denke mal, dass die Frage der Verantwortung (und vor allem was sie bedeuten und wie man sie leben kann) im Nachwort zu diesem Projekt nochmal zur Sprache kommen wird…


Wow, was soll ich abschließend sagen? (Außer mich zum hundertsten Mal bei dir zu bedanken?) Es ist wirklich toll wie viel Zeit Du dir fürs Lesen und auch fürs Review schreiben nimmst. Auch ich hab in meine Antwort bis hier über eine Stunde gesteckt. Aber es ist wertvolle und gute Zeit. Mit dir dieses Projekt und meine Reisen zu teilen, bedeutet mir wirklich viel. Und wahrscheinlich hast Du recht, wie sehen uns metaphorisch an der nächsten Flussbiegung.

Herzlichste aus dem Herbst im Kiel
deine Ramona
31.07.2018 | 22:02 Uhr
Liebe Ramona!
Da ich ziemlich lange im Spital war, war ich froh, dass du diesmal später gepostet hast.

Die Postenpflicht ist extrem menschenverachtend. Wie alles damals.
Irgendwie gruselig, auf dem Memorial-Gelände zu wohnen.
Andererseits gibt es in Wien im Schloss Schönbrunn zivile Mietwohnungen.
Zu viele Leute tags, aber nachts muss es sehr friedlich sein. Zumindest in einem Schlosspark.
Ich gehe auch nicht gerne in einer Herde, das killt jede Atmosphäre.

Buchenwald ist also ganz anders als vorige Lager.
vielleicht auch dank des schönen Sommerwetters?
Bestimmt wären an jedem Tag egal welches Wetter so viele Leute,
das sind Reise- und Busgruppen und Urlauber, die dann kommen müssen, wenn es gebucht wurde.
Die Türme, die du erst so spät zuordnen konntest, war schon sehr betroffen machend.

Du hast es wieder sehr interessant, detailliert
und voll sehr persönlicher Eindrücke beschrieben.
Und natürlich mit einem ausgezeichneten Schreibstil.
Liebe Grüße.
R (◠‿◠❀)

Antwort von RamonaXX am 01.08.2018 | 22:04 Uhr
Lieber Spatz,

da warst Du aber wieder flott mit dem Lesen!
Ich habe echt eine Ewigkeit an der Korrektur von diesem Kapitel gesessen.
Noch dazu, weil es so verflucht lang geworden ist.
Aber ich hatte nicht das Gefühl irgendeines der ca. 5.000 Worte weglassen zu können.

Ja, die heutige Nutzung von historischen Gebäuden und Bauwerken ist schon seltsam...
Noch bin ich ja nicht mit Reisen durch. Drei Gedenkstätten gilt es noch zu besuchen.
Mal sehen, was es da noch für Sonderbares zu entdecken gibt.
Aber eben für genau solche Moment mach ich das Ganze ja auch.
Es sind Dinge, die ich erst glauben kann, wenn ich davor stehe.

Meine Berichte sind ungefiltert und ungeschönt.
Wenn ich irgendwo in einer Annahme hineinlaufe,
die sich später als "nicht richtig" herausstellt,
dann schreib ich das auch genau so in die Texte.
Ist auch eine Art von Authentizität.

Danke für dein Lob und deine vielen Worte.
Stammleser wachsen einem ans Herz. :-)

Herzliche Grüße
Ramona
28.06.2018 | 23:07 Uhr
So, ich dachte mir, es wäre nun auch mal wieder an der Zeit. Ich habe heute schon so viel hinbekommen, da kann ein Kalender-Kapitel jetzt richtig schön den Abschluss bilden! Finde ich zumindest ^^
Und schon der Anfang hat mich irgendwie geschockt. Ich weiß nicht, warum, aber dass T4 eine Abkürzung für etwas derart normales ist ... wow. Irgendwie finde ich den Gedanken echt heftig. Und ich bin gleichzeitig auch froh, dass meine Kenntnisse jetzt um diesen Punkt erweitert wurden. Es ist echt toll, dass man hier auch ein wenig was lernt. Tut man ja in vieler deiner Storys, aber ... es ist einfach immer wieder schön. Einfach, weil es kein trockener, öder Unterrichtsstoff ist, sondern weil man es ... nicht mal wie nebenbei lernen kann, sondern ... es ist einfach anders. Auf eine gute Art und Weise. Und auch wenn ich hier nicht sehr oft was lerne (wohl kaum, so selten wie ich zum lesen komme, aber du meinst ja selbst, das ist okay), so lerne ich doch immer wieder ein bisschen was, und das ist echt super.

Und dann ist man ja auch schon wieder mittendrin. Ich bin nicht sicher, wie du das hinbekommst, aber spätestens, wenn ich die ersten paar Sätze deines Berichts lese, schalte ich automatisch alles andere aus, und konzentriere mich nur darauf. Und entsprechend stehe ich auch sofort neben dir, und bin bereit für "unsere Reise" falls man das so sagen kann. Es ist wirklich ganz erstaunlich, denn obwohl schon wieder mehr als ein Monat vergangen ist, seit dem letzten Beitrag, den ich gelesen habe, und ich eigentlich gerade eben noch mit etwas vollkommen anderem beschäftigt war, fällt es mir überhaupt nicht schwer, mich wieder auf einen neuen Ausflug einzulassen. Und alles, was vorher in meinem Hirn herum schwebte, ist irgendwie auf einmal verschwunden.
Und ich selbst weiß genauso wenig, wie du, was ich von einem Frauen-KZ anderes erwarte, aber sobald ich das gelesen hatte, hatte auch ich irgendwie ein anderes Gefühl bei dem Text. Ich kann nicht genau sagen, warum, ich kann nicht mal genau beschreiben, wie, aber es war definitiv anders. Und das nicht, weil dieser Fakt schrecklicher oder weniger schrecklich ist, als der von anderen KZs. Nur eben ... ja, anders.
"Der Frühling ’45 muss eine Zeit gewesen sein, in der Europa in Flammen gestanden hat." <- noch ganz am Anfang des Kapitels, und dennoch möchte ich diesen Satz vorläufig zu meinem Lieblings-Satz machen. Wer weiß, was das Kapitel sonst noch mit sich bringen wird, aber das hier ist wirklich ausdrucksstark, und als ich das gelesen habe, hatte ich sofort ein ... Gefühl im Kopf. Kein wirkliches Bild, keine Vorstellung, aber du hast es geschafft, dass ich bei diesen Worten eine ... Stimmung gefühlt habe. Oder eher mehrere. Eine Mischung aus Anspannung und ... Glück. In Ermangelung eines besseren Wortes. Aber im Zusammenhang mit dem vorherigen Absatz, und den Infos (und wieder habe ich "wie nebenbei" ein wenig was gelernt), musste ich sofort an Befreiung denken. Und doch kann die Zeit einfach unmöglich leicht gewesen sein. Und auch wenn ich nicht dabei war (und du ja eigentlich auch nicht) und ich das darum auf keinen Fall beurteilen kann, so möchte ich doch sagen, dass ich selbst, von meinem Verständnis aus, diesen Satz wirklich als sehr passend empfunden habe.

"In gewohnter Ausstattung ohne Zeitgefühl" <- dem möchte ich mich an dieser Stelle einmal anschließen. Vielleicht bin ich damit alleine, aber du schaffst es wirklich, dass ich bei deinen Berichten die Zeit vergesse. Was mir auch vorher schon aufgefallen ist, aber jetzt gerade besonders, denn als ich zu lesen begonnen habe, war bei uns im Hof noch eine Party, und jetzt ist es alles ganz leise. Und ich habe es nicht mal richtig mitbekommen. Beim Lesen (oder eher bei der "Tour") scheint einfach alles andere plötzlich ganz weit weg. Es gibt nur noch dich, und mich, und die Umgebung, die du mir zeigst. Das bekommst du echt super hin.
Und irgendwie fühle ich mich beim lesen wie ein kleines Kind. Ein wenig ehrfürchtig, aber auch neugierig, und gespannt, was es noch so zu entdecken gibt. Und natürlich auch froh darüber, dass mich jemand an die Hand nimmt, und man mich nicht einfach alleine stehen lässt. Denn damit wäre ich auch beim reinen Lesen schon komplett überfordert. Was ich glaube ich auch in den Anderen Kapiteln schon genannt habe, aber es ist wahr. Ich habe bei deinen Beschreibungen sofort die Bilder im Kopf, spüre die Sonne auf meiner Haut, sehe den großen Platz, habe den Geruch des Holzes in der Nase, höre die Treppe knarzen, und wenn ich mir vorstelle, da alleine zu stehen ... ich denke, es ist wirklich gut, dass ich dich als Begleitung habe.
Besonders, weil ich dann auch keinem Phantom aus der Vergangenheit alleine gegenüber stünde. Denn alleine durch die Erwähnung einer "Zeitreise" hat sich das Bild in meinem Kopf schon ins etwas düsterere verändert. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, einen sehr lebendig geschriebenen Roman zu lesen, und keinen Erlebnisbericht. Denn tatsächlich waren vor meinem inneren Auge plötzlich Leute unterwegs, oder standen in den Ecken der Räume, und haben alles genau beobachtet. Und auch als du dann von der Ausstellung schreibst, ändert sich das nicht wirklich. Auch wenn ich vor meinen Augen eine Ausstellung sehe, mit Infotafeln, und Bildern, die gut erleuchtet ist, und wo man alles genau nachlesen kann, so blieb in meinem Hinterkopf dennoch noch immer die Atmosphäre, und der Raum mit den drei großen Fenstern wollte mich einfach nicht in Ruhe lassen. Entsprechend warst du wohl nicht die einzige, die die Atmosphäre beeindruckend fand. (Oder in meinem Falle das, was du davon wiedergegeben hast.)
Auch fand ich beeindruckend, dass es hier trotz allem doch ... harmonisch zuging. Nicht damals, nicht in dem Lager an sich (natürlich nicht), sondern die Tatsache, dass hier nicht alles von der Neuzeit verdrängt wurde. Ich denke beim lesen immer noch manchmal an deinen ersten Bericht, an den Januar, und daran, wie wenig an einigen Orten geblieben zu sein scheint. Und hier ist es einfach ganz anders. Hier geht es selbst beim lesen so ineinander über, dass ich teils das Gefühl hatte, die beiden Welten würden einfach ... übereinandergelegt existieren. Beide gleichzeitig, am gleichen Ort, und das absolut ohne Komplikationen.

Ich war so überrascht, als du plötzlich von weiteren Leuten berichtet hast. Mir kam bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht der Gedanke, dass irgendjemand (egal wer) noch da sein könnte. Wie auch, bei unserer kleinen Zeitreise? Spätestens das hat mich dann endgültig in die Gegenwart zurück gerissen. Was glaube ich gar nicht so schlecht war, denn der ständige Gedanke, dass irgendwo am Rande meines gedanklichen Sichtfeldes ein Offizier dasteht, und zu uns rüberstarrt, ist nicht unbedingt der gemütlichste.
Auch wenn es danach ja auch nicht viel gemütlicher wurde. Was ich selbstverständlich auch nie gedacht hätte, aber ich bin doch ein wenig überrascht, wie düster ich es fand. Nicht deinen Text an sich, aber aufgrund deines Textes hatte der ganze Ort, dieser "öde Landstich" wie du ihn nennst, ungefähr die Anziehungskraft einer Wüste. Und auch ungefähr den Grad an Erdrückung, den ich mir bei einer Wanderung durch eine solche vorstelle. Auch wenn das Bild in meinem Kopf mit einer Wüste absolut nichts gemein hatte, so war ich doch automatisch irgendwie ... bedrückt. Nicht erschöpft oder so, aber als wäre um mich herum einfach nur absoluter Stillstand, als wäre die Zeit stehengeblieben, an einem Ort, an dem ich eigentlich gar nicht sein möchte, und dann kann ich noch nicht einmal etwas dagegen tun, weil ich mich wegen der angehaltenen Zeit nicht richtig bewegen kann ...

Der Gärtner war mir danach eine wirklich willkommene Abwechslung. Auch, wenn es nicht so lange anhielt, weil es danach ja sofort weiter ging, aber es war dennoch schön, für einen kurzen Moment, eine "Verschnaufpause" von allem zu haben, und für einen Satz einem Gärtner beim arbeiten zusehen zu können.
Auch wenn danach dann sofort der nächste Schlag kommt. Denn die Inschrift hat es echt in sich. Und nachdem ich es auch mehrmals gelesen hatte (es braucht eine Weile, wirklich) kommt dann von dir noch die Frage nach: "Warum ist dann nicht jeder Mensch frei?" Und drückt gleich noch mal so richtig schön drauf. Vermutlich könnte man darüber stunden nachdenken, und diskutieren. Ich muss zugeben, jetzt gerade hätte ich diesen Text wirklich gerne im Geschichtsunterricht gehabt. Wir wären eine voll super Truppe gewesen, um hierüber zu reden. Denn darüber lässt sich reden. Und wie. (Und die Diskussion über die Kraft und Stärke einer Frau könnten wir dann auch gleich noch hinterher schieben, denn dazu wäre uns sicher auch nicht gerade wenig eingefallen.)
Und dann wird dein Text wieder etwas leichter, bietet einem einen kurzen Moment pause, und kaum genießt man die Sicht über den See, kommt mir auch schon die Gänsehaut bei der nächsten Station. Dass ich zum letzten mal in einer Gedenkstätte war und einen Verbrennungsofen in echt sehen konnte, ist fast fünf Jahre her, und dennoch kam mir hierbei sofort wieder der Raum von damals in den Sinn. So etwas vergisst man eben nicht so leicht. Besonders nicht, wenn man daran erinnert wird. Entsprechend kann ich auch (denke ich) ziemlich gut nachvollziehen, wie du dich in dem Moment gefühlt hast. Auch wenn es bei mir schon her ist. Aber das hast du ja mit deinen Worten ganz schnell wieder aufleben lassen.

Wow, und dann hast du mich am Ende deines Berichtes doch tatsächlich wieder zum schmunzeln gebracht. Nicht sofort natürlich, zuerst war ich beschäftigt mit der Tatsache, dass dort ein scheinbar nettes kleines Häuschen steht, in dem es ganz friedlich zuging, denn das will auch ich irgendwie nicht so recht verstehen, aber dein Kommentar mit dem Bagger? Es ist keineswegs lustig, es ist tragisch, eigentlich ist es schrecklich, und vielleicht sollte man uns allen einfach die Schaufeln wegnehmen, aber in dem Moment hast du es trotzdem geschafft, dass mir trotz der Ernsthaftigkeit irgendwie ein wenig leichter wurde, nach all den anderen bedrückenden Erfahrungen, die ich in deinem Text sammeln konnte.

Was mir jetzt zum ersten mal richtig klar wurde (oder ich hatte es schon wieder vergessen) ist die Tatsache, wie gut die Fakten am Ende doch tun. Nicht, weil es schöne Fakten sind, sondern eher, weil es eben Fakten sind. Kein emotionaler Erlebnisbericht, keine Gefühle, keine Bilder, und doch ist es noch immer zum Thema. Ich bin ein wenig überrascht, wie sanft einen das von dem Ausflug zurückholt. Ich werde nicht einfach losgelassen, und wieder in die Welt geschickt, sondern für einen kurzen Moment kann ich ausruhen, mich ein wenig von allen Emotionen entfernen, und trotzdem noch ein wenig am Thema festhalten. Besonders nach dem Text jetzt scheine ich das irgendwie gebraucht zu haben.

"Es gibt Dinge, die kann man erst glauben, wenn man sie gesehen hat." <- Und wieder einmal kann ich dir nur zustimmen. Ich weiß nicht, wie dieser Text auf mich gewirkt hätte, hätte ich keine eigenen Erfahrungen bei dem ein oder anderen Besuch in einem KZ gemacht, aber so weiß ich, dass es wirklich Sachen gibt, die man einfach nicht vergessen kann. Und es zu sehen reicht dabei manchmal schon aus. Was mir dann wiederum auch ein wenig klar macht, wie verdammt schwer es doch die Leute haben müssen, für die es eben nicht nur ein Denkmal ist, oder eine Gedenkstätte, sondern für die ein KZ mit Erinnerungen verbunden ist ...

Und an dieser Stelle möchte ich mich nun für den Ausflug bedanken. Und dafür, was für eine gute Begleitung du doch wieder einmal warst.
Es war wir immer ... schön mit dir, auch wenn das mal wieder ein verdammt schlechtes Wort ist, bei dem Thema, aber ich bin mir sicher, du verstehst es.
Und damit verabschiede ich mich dann auch schon wieder. Wir werden sehen, wann ich mich das nächste mal von dir auf einen Ausflug einladen lasse.
Ich wünsche dir noch eine gute Nacht und liebe Grüße,
Riri

Antwort von RamonaXX am 29.06.2018 | 15:10 Uhr
Liebe Riri,

wie heißt doch gleich das grau-weiße Zeug, das man sich auf die Stirn schüttet? …Asche?
Ich hätte es in diesem Fall wohl eben so sehr verdient, wie Du. Immerhin, es mussten fast zwei Monate ins Land gehen, ehe ich dazu kommen, dieses wunderschöne Review zu beantworten; denn das haben deine vielen Zeilen auf jeden Fall verdient und ich habe es dir ja auch mehrmals versprochen, dass ich das nicht aus den Augen verloren habe. Also fokussiere ich mich jetzt mal ganz bewusst darauf:

Das Wort „Nationalsozialismus“ kurz und bündig zu differieren, ist mir alles andere als leicht gefallen, glaub mir. Ich habe mehrere Anläufe genommen und bin echt froh jetzt zu hören, dass es gut „angekommen“ ist, bzw. dass sich jedem positiv über meine Begriffserklärungen im Allgemeinen äußert. >Adolf Hitler war böse.< ist natürlich auch kurz und bündig, aber etwas „fachlicher“ wollte ich es dann noch halten, schließlich sind meine Leser erwachsen. ;-)

Es freut mich zu hören, dass meine Reise durch die einleitenden Sätze auch ein bisschen zu „deiner“ Reise wird. Mit geht das ja auch so, wenn ich unterwegs bin. Ich versuche auch mich auf den Ort den ich besuche im Vorfeld etwas einzustellen.
Genau, man hört von den Orten, kann sich vielleicht auch verschiedene Dinge vorstellen, aber wenn man die Überreste des Holocaust vor der eigenen Haustür entdeckt, ist das irgendwie echt gruslig. Alle kennen sie die großen Lager, wie Dachau, Auschwitz-Birkenau oder Buchenwald. Aber bei Neuengamme und Hamburg zucken die meisten ahnungslos mit den Schultern.
Du saßt mit mir im Auto? – So, so. Wusste ich doch, dass ich nicht allein bin. Schöne Vorstellung.

Danke, dass Du wieder zum Zitat gegriffen hast! („es ist diese erzwungene Lebensfeindlichkeit des Ortes, die sich mir binnen kürzester Zeit tief ins Gedächtnis einbrennt“) Mich hat dieser erste Eindruck des Geländes ein wenig an eine schwarze, versteinerte Vulkanebene erinnert. So wie wenn nach dem Ausbruch die heiße Magma abgekühlt ist und nicht mehr glüht, sondern diese schwarz-grau Farbe annimmt. Ich weiß, es ist vermutlich ein seltsames Bild für eine KZ-Gedenkstätte, aber genau das hatte ich bei > erzwungene Lebensfeindlichkeit< im Kopf.
Auf meinen Besuchen sehe ich ja immer viel mehr, als ich in den Texten verarbeiten kann. Und selbst meine Notizbücher – die Dingen sind mir inzwischen heilig, und ja, es sind mittlerweile zwei Stück – fassen mehr Einträge, als ich tatsächlich in den Text mit einfließen lasse. Die Trauerweide war einer der Punkt, die ich unbedingt mit drin haben wollte – auch so ein bisschen als Ruhepunkt nach dem aufwühlenden Anfang.

>> Okay, ich habe jetzt ungefähr 4 Mal mit einem Kommentar über den Absatz „Zwangsarbeit, Neuzeit und Kommandantenhaus“ begonnen<< Ehrlich?? Ich danke dir für deine Mühe und Ausdauer. Tapferes Mädchen! Dass nicht das dabei rumgekommen ist, was Du dir vorgestellt hast, ist für mich kein Problem. Im Gegenteil, ich musste an der Stelle beim Lesen deines Reviews wirklich leicht schmunzeln, weil ich deine Zerstreutheit echt gut nachvollziehen konnte. Also mach dir nicht zu viele Gedanken, wenn Du mir schreibst, dass dir die Worte fehlen. Dass ist ein absolutes Kompliment für mich.
Als ich so durch den Sonnenschein und den „Park“ geschlendert bin, das Umspannwerk im Rücken, ist mir auch leichter ums Herz geworden. Es war eine gute Pause zum Durchatmen und ein so entlegener Winkel des Geländes, dass ich auch wirklich ganz allein an der Gartenpforte stand und über die Leute nachgedacht habe, die da einst ein- und ausgegangen sind. Die Kinder mit eingeschlossen.

>> Und ich finde, egal ob das dein Ziel war oder nicht, dass dieses „Es“ außerdem sehr stark verdeutlicht, wie wenig die Menschen damals als genau das gesehen wurden: als Menschen.<< Da hast Du tatsächlich voll ins Schwarze getroffen, zumindest auf eine gewisse Weise. Viele Sätze entstehen bei mir durch ausprobieren von Formulierungen. So war das auch mit dem „Es“. Ich wollte nicht abwertend oder entwürdigend klingen, aber ich hatte – als mir die Idee kam und ich den Satz laut vor mich hingesagt habe; mache ich sehr oft beim Schreiben – einfach das Gefühl das „Es“ hier an dieser Stelle zu der Skulptur passt.
Du weiß, ich schätze deine offene und ehrliche Meinung. Und auch hier kann ich dass nur noch mal wiederholen. Es ist schön – und ja, ich setzte das jetzt nicht in Anführungsstriche! – dass Du wieder eine Lieblingssatz bennat hast. Für mich war der Rundgang durch das "Haus des Gedenkens" vor allem überwältigend, also im positiven Sinne. Angst oder Beklemmung habe ich da kein bisschen gespürt, dafür aber die Grenzen meiner Vorstellungskraft erfahren.
Dein Vergeleich mit den Leichentüchern, löst übrigens bei mir ein zustimmendes Nicken aus.

Ja, ja… der Rasen. Ich finde auch, dass der kleine Lacher da gut reinpasst. Ich selbst habe amüsiert geschnaupt als ich da oben stand. Humor kann auch eine Art sein, sich dem Ganzen anzunähern. Und ich denke es ist bei weitem nicht die schlechteste Sache. Traut man sich erst Mal über eine schreckliche Sache (in angemessener Weise) zu lachen, kann das auch Hemmungen abbauen sich ernsthaft(er) mit der Thematik zu befassen.
Mies? Ja, das trifft es wohl. Mir haben auch irgendwie die Worte gefehlt, als ich das mit der JVA erfahren habe und versucht habe mir das auf irgendeine Art vorzustellen. Echt verstörend. Und tatsächlich will das auch immer noch nicht in meine Birne rein… So was ist echt schwer zu fassen. Aber auch das habe ich inzwischen bei meinen vielen Reisen gelernt: es sind immer die Sachen, die einen erschrecken, auf die man nicht vorbereitet ist.

Mich hat die Hauptausstellung am Ende auch echt überfordert, in ihrer Informationsflut und Größe. Wahrscheinlich wäre ich da auch früher gelandet, wenn mein kleiner Faltplan mich dorthin gelotst hätte. Aber auch das – also die „Informationsfreundlichkeit“ für die Besucher – wird in jeder Gedenkstätte anders gehandhabt.
Nun ja, ich hab dann den Bogen eingeschlagen und mich wieder Richtung Ausgang gewandt. Und ja, dieses letzte Bild mit der Windkraftanlage ist mir wirklich genau so im Gedächtnis hängengeblieben. Schön, dass Du darin noch einen Lieblingssatz gefunden hast. Ich glaube anteilig habe ich den sogar noch im Auto verfasst, bevor ich mich auf den Rückweg gemacht habe…

Ich habt tatsächlich lange überlegt ob ich dass von Bullenhusener Damm mit reinnehmen soll, oder nicht. Dagegen hat gesprochen, dass das Töten von Kindern – sorry, dass ich das hier so drastisch schreibe – etwas ist, was die Menschen nicht hören wollen, um sich vor dem Schmerz und dem Kummer zu schützen, den sie dabei empfinden. Und es ist gewiss nicht meine Absicht diese Gefühle jemanden (einem Leser) unvorbereitet aufzuzwingen. Jedoch sprach dafür, dass ich all diese Dinge selbst empfunden habe. Das Leugnen. Die Betroffenheit. Die Bestürzung. ICH musste davon wieder loskommen und so habe ich es mir „von der Seele“ geschrieben und es nach langer Überlegung doch mit in die Faktenliste aufgenommen.

So… war doch gar nicht so schwierig. *Ramona wirft einen Blick zur Uhr* Wow, bin jetzt seit über einer Stunde damit befasst dein Review nochmal durchzulesen und Absatz für Absatz zu beantworten. Aber hey, die Zeit ist gut investiert und es freut mich wirklich wahnsinnig, dass ich dich als Begleitung auf meiner Reise – oder besser gesagt meinen Reinen – mit dabei habe. ;-)
Dass das Ganze etwas zeitverzögert ist, macht überhaupt nichts. Wahrscheinlich sitzen wir hier im Sommer 2019 und unterhalten uns über das Dezember-Kapitel meines Holocaust-Projektes 2018. *hihi* Ich würde es eine lustige Begebenheit nennen, wenn es so kommt. Etwas (zeitlicher) Abstand zu den eigenen Texten schafft immer eine neue Perspektive!

Liebe Riri, ich danke dir für all deine Wort – in dem Wissen wie viel Zeit da drin steckt! Ich werde jetzt gleich mal schauen, was Du zu Ravensbrück geschrieben hast. Und dass gesichert auch nicht erst in 2 Monaten beantworten!

Liebste Grüße
Ramona
17.06.2018 | 18:20 Uhr
Liebe Ramona!
Du hast den Beginn dieses Kapitels, die Stimmung der Natur, fast poetisch geschrieben.
Wie grausam, was in der Scheune passiert ist. Die, die erschossen wurden, hatten einen gnädigeren Tod.

Cry ist wirklich sehr passend.
Ich mag den engl. Text auch lieber. Deutsch klingt es aggressiver.

Ich glaube, man kann das nicht verstehen.
Nicht als normal denkender Mensch. Es waren aber normale Menschen.
Die Frage für mich ist: Was ist mit einer ganzen Gesellschaft passiert?
Und auf deine Frage, wer die Befreier waren: Wohl auch nur ganz normale Menschen.

Wieder ausgezeichnet geschrieben.
Gute Besserung wünsche ich dir.
R (✿◠‿◠)

Antwort von RamonaXX am 23.06.2018 | 19:50 Uhr
Hallo Spatz,

auch hier möchte ich dir wieder danken, dass Du mit mir gehst - dir die Gedenkstätten zeigen lässt.
Dass ist sicher nicht einfach. Ich merke es von Zeit zu Zeit beim Schreiben.
Und ich bin mir sicher, beim Lesen fühlt man es auch; gerade wenn man ein sensibles Gespür für Menschen hat.

Ich kenne mich mit der deutsch-deutschen Teilung so gut wie gar nicht aus.
(Bin ja auch nach der Wende geboren worden.) Aber ich kann mir schon vorstellen,
dass der Text deshalb "aggressiv" wirkt, weil aus der DDR-Zeit stammt.

Ich finde es hin und wieder doch eine recht spannenden Frage.
Viele Menschen sind heute offen für das Leid der Opfer, sind interessiert(er) und hören zu.
Aber nur die allerwenigsten wollen etwas von den traumatisierten Tätern wissen.
Ich weiß, dass ist dünnes Eis - wie man so schön sagt. Aber ein gewisse Neugier spüre ich da doch in mir...

Danke wie immer, für deine offenen und ehrlichen Gedanken.
Ich bin stets bemüht meine Texte anspruchsvoll zu gestalten.

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Danke auch für die Genesungswünsche. Hat gewirkt. :-)
17.06.2018 | 17:42 Uhr
Hallo Ramona,
auch in dieser Scheune bin ich 1992 gewesen. Allerdings im Frühjahr. Deine Beschreibunge ist wie immer sehr gefühlvoll und auch sehr persönlich. Aber wie Du auch schon zum Schluss erwähnst überfordert es viele Menschen sich die Facetten eines Krieges vorzustellen. Deshalb, und weil ich ja auch Dein Alter kenne, nötigt mir Deine Arbeit doch gehörigen Respeckt ab.
Ganz liebe Grüße Günter.
PS Meine persönlichen Gefühle zu diesen Ereignissen werde ich Dir in einer PN schicken. Ich finde es einfach besser, das so zu handhaben, da mein Blickwinkel auf diese DInge doch etwas anders ist als der vieler anderer Menschen. Und ich möchte nicht missverstanden werden. G.

Antwort von RamonaXX am 23.06.2018 | 19:37 Uhr
Guten Abend Günther,

so rum betrachtet, hätte ich mir eher vorstellen können, dass Du schon mal in Flossenbürg gewesen bist, aber noch nie an der Scheune. Interessant, dass es genau andersherum ist...
Wie schon so oft, muss ich mich auch hier für dein großartiges Lob bedanken. Ich geben zu, dass mir inzwischen immer öfter die Motivation abhanden kommt, an dem Projekt weiter zuarbeiten. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage, aber der Aufwand wird mit jedem Mal, das ich mich an meinen Schreibtisch setze, um solch einen Text zu schreiben größer. Da tragen Reviews wie deine viel dazu bei, neue Kraft zu schöpfen und sich doch von Neuem dem Thema entgegenzustellen. Vielen Dank dafür.

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Deine PN beantworte ich selbstverständlich auch noch.
16.05.2018 | 12:53 Uhr
Liebe Ramona!
Der Bau des Konzentrationslagers flossenbürg wurde vor der Bevölkerung nicht geheim gehalten.
Arbeit macht frei... steht also auf allen KZs.
Offiziell waren sie ja Arbeitslager. Die SS begann eigene wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Billigste rechtlose Arbeitskräfte sollten profitabel in den eigens zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaften ausgebeutet werden.

Ein neuer Name - ja der Arzt hat seine gerechte Strafe bekommen. Wie viele solche Ärzte mag es gegeben haben auch in Krankenhäusern "draußen"?

Die Gedächtniskapellen in den KZs wurden nachträglich für die Gedenkgottesdienste erbaut.
Ziemlich allein zu sein wäre mir lieber als in Menschenmassen und unter Reisegruppen. Ganz allein ist vielleicht auch ein bisschen gruselig.

Wie immer erschütternd. Und sehr persönlich.
Eine monatliche Erinnerung an etwas, das wir nie vergessen sollen.
Lieben Gruß.
R ㋡

Antwort von RamonaXX am 26.05.2018 | 11:59 Uhr
Hallo Net Sparrow,

Was Karl Brandt betrifft, so glaube ich nicht an eine gerechte Strafe durch den Tod.
Niemand sollte für seine Verbrechen getötet werde.
Das widerspricht einfach im Kern meiner Wertvorstellung von Leben.
Dass das "Wegsperren" aller Straftäter ein ökonomisches Fiasko darstellt, ist mir auch klar.
Also eine "Lösung" habe ich auch nicht auf der Hand. Aber gegen die Todesstrafe bin ich trotzdem.

Nichtsdestotrotz ist Krieg eine grausame Episode, und untrennbar mit dem Tod und dem Töten verbunden.
Ich weiß, das Menschen fähig sind grausame und böse Dinge zu tun.
Aber ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es Menschen gibt, die so geboren werden - von Natur aus "böse".

Was schreibt man als zum Tode verurteilter Vater seinem 12-Jährigen Sohn vor der Hinrichtung?
Und welches Bild bleibt dem Sohn nach dem Abschiedsbrief von seinem Vater erhalten?
Schwierige Frage, finde ich. Sehr schwierig.

Aber vielleicht ist da das nächste Kapitel genau das richtige.
Passend zur Halbzeit mit der 6. Gedenkstätte wechselt mein Schreibstil ein bisschen,
und es gibt ein erstes Zwischenresümee, dabei wird auch noch mal die Rolle der Alliierten beleuchtet...
Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung und finde es nach wie vor toll, dass Du die Kraft aufbringen magst dich hier durchzulesen.

Viele Grüße und bis bald
Ramona

P.S. Nächstes Wochenende bin ich in Mauthausen.
15.05.2018 | 21:29 Uhr
Hallo Ramona, diesmal gibt es zwei Rückmeldungen. Erst mal zur öffentlichen: Dieses Lager hatte ich gar nicht auf meiner Liste.(Asche auf mein Haupt) Ich werde dieses Lager jetzt ebenfalls in diesem Winter gesuchen. Deine Beschreibung Deiner Gefühle ist, wie bisher auch, exzellent. Diesmal kann ich erst mal keine Bewertung abgeben. Wichtig ist: Deine Analysen und die Beschreibung Deiner Gefühle ist außergewöhnlich. Aber ich werde Dir meine Eindrücke im Januar oder Februar schreiben.
Ganz liebe Grüße Günter.
Die anderen Erkenntnisse, die ich bereits vorher, als ich Deine Beschreibungen des Vietnam-Kriegs las, vermutet habe, werde ich Dir per PN schicken. Da ich das ganz genau ausarbeiten muss wird das ein paar Tage daueren. Ich hoffe Du bist mir deshalb nicht böse. G.

Antwort von RamonaXX am 26.05.2018 | 11:43 Uhr
Hallo Günter,

ich habe mich wie immer sehr über deine Zeilen gefreut. Besonders, weil ich dich doch noch mit einem Ort überraschen konnte, den Du noch nicht kennst. Es lohnt sich wirklich nach Flossenbürg zu fahren. Zumindest bereue ich die Fahrt kein bisschen. Und auch nicht das Geld, das ich für Zugticket und Hotel ausgegeben habe. Da kommt (leider) ganz schön was zusammen, wenn ich alle 6 bis 8 Wochen für ein Wochenende quer durch Deutschland brause... Irgendwie amüsiert mich die Vorstellung, dass mir das mal einer ersetzt - weil mein Holocaust-Projekt gedruckt und verlegt wird. Aber das ist nur Wunschdenken. *schmunzel*

Ich würde mich sehr freuen, wenn Du dich zu einem späteren Zeitpunkt bei mir meldest und mir von deinen Eindrücken in Flossenbürg berichtest.

Viele Grüße an dieser Stelle
Ramona
04.05.2018 | 19:09 Uhr
So, ich auch mal wieder. Sogar mit Jubiläums-Review. Wird aber auch Zeit. Tut mir echt leid, dass ich immer so unglaublich langsam mit dem Lesen und Reviewen bin. Aber ich habe irgendwie die Hoffnung, dass ich die drei Kapitel bis April noch vor dem 15 aufholen kann, denn spätestens dann hinke ich ganz sicher wieder hinterher. Eventuell schaffe ich es ja, meinen Rückstand zumindest (vergleichsweise) gering zu halten … aber egal kommen wir zu dem (längst überfälligen) Review zu … Februar. Im Mai *seufz* (Aber ich kenne dich ja, du verzeihst mir die Verspätung ganz sicher.)

Nun gut. Also als erstes Mal finde ich es wirklich interessant, dass du auch einen so bekannten Begriff wie „Nationalsozialismus“ erklärst. Ich persönlich habe es bisher immer irgendwie als Allgemeinwissen eingeordnet, weil das ja in der Schule nicht gerade wenig besprochen wird, aber ich glaube, ich habe noch nie eine so kurze und bündige Definition davon gesehen/gelesen. Mag merkwürdig klingen, aber es ist so. Und gerade so kurze Bemerkungen sind ja manchmal die besten. Mir hat heute ein 6-jähriges Kind erklärt, wer Adolf Hitler war. In wenigen Sätzen, kindlicher Sprache, und „böse“ war das heftigste Wort, dass in der ganzen Erklärung vorkam. Aber es war genau auf den Punkt gebracht, und ich selbst bin an der Aufgabe, das zu erklären, gescheitert. Da ist mir so richtig klar geworden, dass es manchmal reicht. Manchmal brauchst du nicht dreihundert Seiten Erklärung für etwas. Manchmal reichen nur so wenige Worte, um anderen klar zu machen, worum es geht. Umso besser finde ich es, dass du auch den Begriff „Nationalsozialismus“ in deinem Kalender noch einmal aufgefasst hast, und das in nur einem einzigen knappen Absatz.

Und hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich es total toll finde, dass seine Texte bereits beim Hinweg beginnen? Denn irgendwie gehört das natürlich dazu, aber andererseits ist es auch ein wenig außergewöhnlich. Finde ich zumindest. Aber ich mag es, denn alleine durch die wenigen Sätze dazu, stellt man sich als Leser (oder zumindest ist es bei mir so) automatisch auf diesen Gedenkstättenbesuch ein. Und das auf eine ruhige Art. Man hat praktisch (genau wie du) auf der Hinreise Zeit, sich noch einmal zu überlegen, worin man da gerade unterwegs ist, und warum. Das finde ich echt super.
Und dass du erstaunt warst, wie nah du dem ganzen bist, kann ich absolut nachvollziehen. Oft merkt man gar nicht, wie nah diese Dinge eigentlich sind. Man hört im Unterricht von verschiedensten Orten, man spricht darüber, aber erst wenn man nach dort unterwegs ist, fällt einem auf: Das ganze ist gerade einmal eine Stunde von dir entfernt. Es ist gleich um die Ecke. Die gleiche Stecke wie zwei mal zur Schule/Arbeit, und teilweise sogar näher als der ein oder andere gute Freund. Was ich am erschreckendsten daran finde, ist, dass man es oft eben wirklich nicht weiß, und das man nicht einmal auch nur auf die Idee kommt, wie nahe ein KZ ist. Irgendwie wirkt es immer ganz weit weg, auch wegen der (für mindestens uns jüngere Menschen) ganzen vergangenen Zeit seitdem, aber so weit ist es gar nicht.
Und es ist vermutlich Zufall, das weiß ich, aber ich finde irgendwie, dass man das Wetter beim lesen schon bemerkt, bevor du es überhaupt erwähnst. Denn genau einen solchen Sommertag hatte ich vor Augen, als ich da mit dir im Auto saß, und mich auf den Weg gemacht habe. Wie gesagt, vermutlich Zufall, aber irgendwie trotzdem cool.

Ich kann mir irgendwie richtig gut vorstellen, wie du vor diesem riesigen Appellplatz gestanden hast, und dann doch lieber zuerst die anderen Dinge angesehen hast. Geht mir beim Lesen irgendwie genau so. Ich finde es sowieso immer einschüchternd, auf so … offenen Plätzen zu stehen. Man ist von allen Seiten ungeschützt, und wirklich etwas dagegen tun kann man nicht. Entsprechend wäre wohl auch ich erst einmal in die Baracken gegangen.
Wo ich es sehr interessant finde, dass offenbar auch hier wieder die Schritte langsamer werden. Es ist natürlich erst der zweite Text, den ich lese (leider), und selbst war ich auch nicht in vielen KZs, aber es ist doch bemerkenswert, dass man aus irgendeinem Grund immer ein wenig gebremst wird. Ich meine nämlich, mich zu erinnern, dass es in Auschwitz das gleiche war. Man hat also praktisch kaum die Möglichkeit, einfach so durch die Gedenkstätten hindurch zu rasen. Man muss es langsam angehen, und entsprechend wohl auch auf sich wirken lassen.
„es ist diese erzwungene Lebensfeindlichkeit des Ortes, die sich mir binnen kürzester Zeit tief ins Gedächtnis einbrennt“ ← Bei diesen Worten lief mir echt ein kalter Schauer über den Rücken. Und das nicht, weil es in meinem Zimmer kalt ist, daran bin ich inzwischen gewohnt. Aber ich konnte irgendwie richtig spüren, wie ich da weg will. Ich meine, ich bin ja nicht da, aber irgendwie fühlt es sich trotzdem kalt an, neben dir zu stehen, während du das erlebst …
Und der einzige Baum, das einzige Grün, ist eine einzelne, alte Trauerweide, die alles miterlebt und gesehen hat … irgendwie trägt das echt zur Stimmung des Textes bei. Und vermutlich auch zu der des Ortes. Schaurig …

Okay, ich habe jetzt ungefähr 4 Mal mit einem Kommentar über den Absatz „Zwangsarbeit, Neuzeit und Kommandantenhaus“ begonnen, und es ist am Ende doch nichts dabei herausgekommen. Was ja irgendwie auch schon ein Kommentar für sich ist. Nur leider einer, bei dem ich es nicht belassen will. Ich finde du stellst sehr gut dar, wie schrecklich es gewesen ist. Es sind nur wenige Absätze, bevor du von dem Umspannwerk abgelenkt wurdest (und oh Mann, damit habe auch ich nie im Leben gerechnet), und die sind auch nicht besonders böse formuliert, aber ich finde, auch die Sagen schon durchaus etwas aus. Wenn schon das Herstellen von Waffen die beliebteste Arbeit ist, war auch der Rest nicht leicht. Also, ich meine, war er natürlich ohnehin nicht, das weiß ich, aber … ach, mir fehlen gerade einfach die Worte. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, und eventuell verstehst du ja trotzdem irgendwie, was ich sagen will. Auch wenn ich dazu gerade scheinbar selbst nicht in der Lage bin.
Interessant, dass das Gelände dann so umschlägt, und scheinbar sogar wie eine Art Park erscheint. Hat irgendwie dazu geführt, dass ich mich wieder etwas wohler gefühlt habe, beim Lesen des Textes. Und dennoch blieb das bedrückende Gefühl weiterhin. Vielleicht auch wegen deinem „ohne Blumen“-Kommentar. Denn Blumen verbinde ich mit etwas positivem, fröhlichen, und wenn Blumen fehlen … nun ja, der Ort bleibt einer, der schon viel Schreckliches gesehen hat, und diese Stimmung wird in deinem Text ziemlich gut aufgefangen.
Auch wegen dem dann erwähnten kleinen und idyllischen Häuschen. Gerade die Bemerkung mit den spielenden Kindern hat mich in dem Moment extrem abgeschreckt. Ein solcher Ort, und dann gibt es Leute, die dennoch glücklich weiter ihrem Leben nachgehen? Natürlich wissen wir beide nicht, ob dort wirklich Kinder gespielt haben, aber … irgendwie ein grauenhafter Gedanke. Zumindest für mich.

Das Mahnmal und die Skulptur waren wirklich heftig. Gerade die Skulptur hatte ich sehr gut vor Augen, auch wenn sie vermutlich nicht dem gleich kommt, wie sie wirklich aussieht. Lediglich zusammengewürfelt auf Bildern und Fotos, die auch ich schon zu Gesicht bekommen habe. Dieses „Es“ im Zusammenhang damit fand ich sehr … ich kann es nicht einmal sagen, aber es macht so unglaublich deutlich, wie menschenunwürdig damals dieser Ganze Ort aufgebaut war. Wie menschenunwürdig die Häftlinge behandelt worden sind. Und ich finde, egal ob das dein Ziel war oder nicht, dass dieses „Es“ außerdem sehr stark verdeutlicht, wie wenig die Menschen damals als genau das gesehen wurden: als Menschen. Nicht im Sinne von, du siehst es auch so, natürlich nicht, sondern eher als eine Art … Weckruf. Denn auch diese Skulptur, oder das, was sie abbildet, ist ein Mensch. (Auch wenn damals manche Teile der Bevölkerung scheinbar nicht in der Lage waren, das zu erkennen.)
Und dann ein Friedhof aus Trauerbekundungen. Ja, der kalte Schauer ist definitiv zurück. Aber eine … nun ja, ich denke zumindest irgendwo doch … „freundliche“ Geste. Es ist das falsche Wort, definitiv, ganz sicher, aber ich denke, während man nicht alle Schuld auf sich laden sollte (wir hatten das Gespräch ja schon), man durchaus Mitgefühl ausdrücken sollte. Zeigen sollte, dass es nicht einfach spurlos an einem hinübergegangen ist. Denn das ist es ja (in den meisten Fällen) nicht.
Und ich friere wieder. Erneut nicht wegen den Temperaturen meines Zimmers. Aber der Abschnitt mit dem „Haus des Gedenkens“ war wirklich … heftig. Ich war nie dort, also vielleicht stelle ich es mir total falsch vor, aber so ein dunkler Raum mit lauter weißen Bannern, die für mich gerade genauso gut Leichentücher sein könnten … ja, mir ist definitiv eisig.
Und der Vergleich mit den Leichentüchern ist, wie ich finde, gar nicht so unpassend. Denn wie du auch selbst geschrieben hast: „Jeder Name ein Mensch. Jeder Mensch ein Leben. Und jedes Leben, in diesem Haus ein Toter.“ (Und ja, das ist in diesem Kapitel mein „Lieblingssatz“, denn ich finde da steckt so viel tiefe drin, dass ich ihn einfach nicht aus dem Kopf kriegen möchte.)

Auch gut fand ich den Satz „Entschlossen Kontakt mit diesem faszinierenden Ort aufzunehmen, erklimme ich die Stufen.“ Oder eher den Teil davon, in dem du „Kontakt mir dem Ort“ aufnimmst. Denn es ist mir irgendwie bis dahin nicht klar gewesen, aber das ist irgendwie genau das, was du tust. Und wobei du uns mitnimmst. Du nimmst Kontakt auf. Kontakt zur Vergangenheit. Und wir dürfen dich dabei begleiten, wie du langsam immer mehr über die Orte kennenlernst, und was sie schon alles erlebt haben. (Auch wenn dir das ein oder andere ein Rätsel bleibt, z.B. wer den Rasen mäht, danke übrigens für diesen eventuell unpassenden kleinen Lacher.)
Und das mit dem Gefängnis fand ich irgendwie verstörend. Nicht, dass alles andere es nicht wäre, aber … wow, das ist echt … mies, sage ich mal. Und … verblendet. Das ist ein wirklich gutes Wort dafür, dass du da gefunden hast, denn genau das ist es. Verblendet. Unfähigkeit, sich etwas ordentliches Einfallen zu lassen. Und dämlich aus. Wie meinte Einstein so schön? Die Dummheit des Menschen ist unendlich. Gut, kein wortwörtliches Zitat, aber hierzu passt es wie die Faust aufs Auge. Und damit meine ich nicht nur das Gefängnis, sondern auch all das, was davor passiert ist. „Damals“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Denn hätten wir (und damit meine ich die Menschen im allgemeinen) uns nicht so dumm angestellt, dann wäre das alles nicht passiert. Oder vielleicht rede ich mir das auch nur ein, wer weiß.

Ich gebe zu, ich bin etwas überrascht, dass die Hauptausstellung am Ende kam. Bzw. war ich überrascht, dass sie überhaupt noch kam. Denn irgendwie hatte ich beim Lesen über alle anderen Sinneseindrücke hinweg komplett vergessen, dass es so etwas wie eine Hauptausstellung ja überhaupt gibt. Entsprechend kann ich auch nur zu gut nachvollziehen, dass es wohl auch für dich ziemlich überwältigend war, und du dir entsprechend vielleicht eher (vergleichsweise) wenig von der Hauptausstellung gemerkt hast.
Ich nehme das mit dem Lieblingssatz oben übrigens zurück. Bzw. nicht wirklich, aber dieser erste Platz was das angeht darf sich nun geteilt werden. Denn der letzte Satz deiner „eigentlichen“ Reise, gehört definitiv auch dazu: „Nach 75 Jahren überstrahlt der Schein der Neuzeit selbst den dunkelsten Schatten der Vergangenheit, ohne ihn jedoch ganz wegwischen zu können…“ ← Ich kann nicht einmal sagen, warum genau, aber dieser Satz ist als „Abschluss“ so gelungen (auch wenn danach noch mehr kommt), dass er sich mir als „Lieblingssatz“ praktisch aufzwängt.

Okay, wow. Die Fakten sorgen gerade dazu, dass ich tatsächlich leicht zittere. Die ersten zwei sind schon heftig, aber der Dritte macht mich gerade besonders fertig. Vielleicht weil ich mit Kindern in genau dem Alter arbeite, und ich daher (auch wenn ich diese gerade glücklicherweise nicht vor Augen habe) ziemlich darauf fixiert bin, gerade so zerbrechliche kleine Wesen zu beschützen, aber eventuell auch einfach, weil es derart … menschenunwürdig ist. Ich könnte nicht mal in Worte fassen, wie sauer ich gerade bin, wenn ich welche hätte und es zu mir passen würde, zu fluchen. Was es nicht tut. Leider. Denn gerade hätte ich echt gerne gemeinere Worte, als „Verdammt!“ und „Mist!“ zur Verfügung …

Und wie immer (dämliches Wort, es ist immerhin erst das zweite mal) finde ich es schön, dass du am Ende erneut eine kurze Zusammenfassung deiner Gedanken von ein paar Monaten später hinzufügst. Das „Haus des Gedenkens“ wird auch mir ganz sicher noch lange im Gedächtnis bleiben, wobei ich auch den Rest hier vermutlich nicht so schnell vergessen habe. Denn während ich den Erlebnisbericht von Januar wirklich gut fand, kann ich dir dennoch sagen, dass dieser hier mir wesentlich spannender vorkam. Es gab mehr zu sehen und zu erleben, auch für uns Leser, und alles in allem kann ich sagen, dass ich diese kleine Reise wieder sehr genossen habe. (Wenn auch ein paar Monate zu spät, wie ich finde, aber vielleicht kriege ich das ja auch irgendwann auf die Reihe.)

So, und hiermit verabschiede ich mich nun vorerst wieder. Ich danke für die tolle Führung durch Neuengamme, und wir sehen uns dann (hoffentlich) demnächst bei der März-Reise wieder.
Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende und liebste Grüße,
Riri

Antwort von RamonaXX am 04.07.2018 | 23:14 Uhr
Liebe Riri,

nachdem wir ja festgestellt haben, dass ich ein wenig beschränkt in manchen Dingen bin – zum Beispiel was das Kopieren meiner Antwort unter das richtige Review betrifft – hier nun also die Antwort zu deinem Review von „Ravensbrück“ (unter dem Text von „Neuengamme“). *Augenroll*

Aber lassen wir diese kleine Unstimmigkeit mal für einen Augenblick außer Acht und konzentrieren uns auf das Wesentliche: Es hat mich (wie bei allen anderen Texten auch) wahnsinnig gefreut, dass Du dir wieder die Zeit genommen hast so viel zu schreiben. Das ist echt klasse und macht mich super glücklich, denn so lange und ausführliche Reviews sind wirklich ein Seltenheit. (Und das war jetzt ganz allgemein gesagt.)

Es tut gut zu hören, dass ich dich mit der Worterklärung am Anfang (wobei eigentlich steht sie ja sogar VOR dem Anfang) wieder etwas weiterbilden konnte. Für mich sind/waren all diese Begriffe ja auch neu und gerade deshalb finde ich das Erklären auch so wichtig, wenn ich dass schon nicht weiß, wie sollen dass dann andere in meinem Alter wissen? Danke übrigens an dieser Stelle für den Lob bezüglich des „Anders-seins“, ich weiß das sehr zu schätzen.

Ist echt spannend für mich zu lesen, dass der Text ein solche Sogwirkung auf dich hat, dass Du dabei deine Umgebung vergisst. Aber vielleicht hat das auch tatsächlich etwas mit der Art zu tun, wie diese Berichte geschrieben sind. Man kommt an, man ist da, man geht wieder weg. Es beinhaltet einfach alle Schritte, die zu einer Reise dazugehören und das, so danke ich, macht es wohl um ein vielfaches „erlebbarer“.
Es ist so ganz nebenbei das schönste Lob von allen, wie Du immer wieder diese Sache mit „der Reise“ aufgreifst. Als ich das ins Vorwort geschrieben haben, tat ich das mit der Absicht, die potenziellen Leser nicht abschrecken zu wollen, bzw. ihre Skepsis etwas auszubremsen. Dass es sich zu einer so reißfesten „Sicherheitsleine“ entwickelt, hätte ich wirklich nicht gedacht. Aber ich hoffe sehr, dass Du dich immer sicher mit mir an deiner Hand fühlen wirst – auch in Anbetracht welche Ort ich dir noch zeigen möchte.

Hey, wer hatte das gedacht? Schon gleich am Anfang gibt es einen neuen Lieblingssatz! Mir geht es übrigens genauso wie dir (oder geht es dir so, weil ich mich so beim Schreiben gefühlt habe?). Auch ich empfinde bei dem Stichwort „Frühling 45“ ein Stimmung. Es ist gar nicht mal etwas ganz Konkretes, aber es ist präsent, lässt an Sinne in mir aufhorchen… Irgendwie so.

>> Und natürlich auch froh darüber, dass mich jemand an die Hand nimmt, und man mich nicht einfach alleine stehen lässt. Denn damit wäre ich auch beim reinen Lesen schon komplett überfordert.<< Jetzt musste ich dich mal zitieren, denn was Du hier schreibst, ist genau der Grund, warum ich keine Geschichte mit fiktiven Figuren zum Holocaust schreibe. Ich glaube auch, dass es den Lesern überfordern würde. Und – dass möchte ich auf keinen Fall von der Hand weisen – ich bin davon überzeugt, dass es langfristig auch MICH überfordern würde.

Und noch ein kleines Zitat: >> habe den Geruch des Holzes in der Nase, höre die Treppe knarzen, und wenn ich mir vorstelle, da alleine zu stehen ... ich denke, es ist wirklich gut, dass ich dich als Begleitung habe.<< Gern geschehen, „kleine“, mutige Riri. Ich begleite dich von Herzen gerne.

Ja, ich hab die Leute auch gesehen, auf den Fluren und in den Räumen. Und ich war sehr froh, dass sie mich nicht beachtet haben. Aber, ja. Sie waren da. Schon irgendwie ein unheimliches Gefühl, ich weiß, was Du meinst.

>> dass ich teils das Gefühl hatte, die beiden Welten würden einfach ... übereinandergelegt existieren.<< Das ist ein sehr schöne Formulierung und das Bild, dass sich dazu in meinen Kopf formt, passt genau zu dem, was ich vor Augen gehabt habe als ich durch die Räume und auch durch die Zeit geschlichen bin… Wir scheinen uns sehr gut als Team zu ergänzen, fällt mir gerade auf.

Ganz ehrlich? Dein Review ließt sich wie eine eigener Erfahrungsbericht (und dass obwohl, Du doch gar nicht physisch da warst, sondern nur mit mir in deinem Kopf…)

Jipp, die Inschrift bracht seine Zeit um zu wirken, dass ging mir ganz genauso. Ist nix, was man mal eben ließt und dann „zu den Akten“ legt. Ich habe auch lange daran rumgesessen und verzweifelt nach deinem Punkt in meinem Kopf gesucht, an den ich das anknüpfen konnte. Da ist mir dann die Textstelle aus dem Roman „Matterhorn“ eingefallen. So ist das da reingekommen.

*Hihi* Verzeih mir das kleine, verlegenen Lachen. Aber der Satz mit dem Bagger, ist auch mein ganz persönliches Highlight. Frag mich bitte nicht, wie ich darauf gekommen bin, ich weiß es nicht. Dass sind diese Produkte, die im Schreibprozess einfach entstehen – nichts, was man als Autor plant oder vorhersehen kann. Irgendwann ist es einfach da. Und bei mir bilden solche Sätze häufig den Abschluss eines langen Arbeitstages am PC und an meinen Texten.

Tja, ich kann mich ehrlich gesagt nur für meine Intuition entschuldigen – Äh, Moment! Habe ich dass gerade wirklich geschrieben? Naja, auch gut. Löschen und neu schreiben ist mir gerade zu aufwendig. Also fahre ich fort. Dass die Fakten ein gutes „Outro“ bilden, freut mich. Aber es war nichts, dass ich von vorne herein mit eingeplant hatte. Also die Fakten an sich schon, einfach weil ich es wichtig fand auch Wissen mitzugeben. Aber was ihre Wirkung betrifft, bin ich wirklich baff erstaunt. Nichts davon hatte ich vorhergesehen, es war einfach Bauchgefühl, eben Intuition.

Freut mich zu hören, dass dir der Ausflug am Ende doch gefallen und so viel gegeben hat. Es war mir wie immer Ehre dich führen und dir den Ort zeigen zu dürfen. Und ihn jetzt mit deinem Review noch einmal zu besuchen, ist auch für mich ein wunderbare Rückblick bzw. Abschluss. Also danke, dass Du mit mir gehst.

Ich wünsche dir eine schöne Restwoche und dass das Wochenende dir alles bringen mag, was Du dir wünscht. Wir lesen uns sicher ganz bald. (Vielleicht ja auch bei der Geschichte von Speirs und Lipton und dem Brief von Abby?)

Liebste Grüße
Ramona
15.04.2018 | 18:12 Uhr
Hallo Ramona ich bin von der Beschreibung Deiner Gefühle beeindruckt.
L. G. Günter
PS Alles andere was ich Dir dazu sagen will sende ich Dir ein einer PN Weil, ich möchte dort nicht von Anderen missverstanden werden. G.

Antwort von RamonaXX am 17.04.2018 | 16:19 Uhr
Hallo Günter,

tja, das Kapitel war schon "anders" als die anderen.
Ich danke dir für dein Lob und auch für die PN.
Beides hat mich sehr gefreut.
Auf dass wir uns im Mai hier wieder lesen...

Viele Grüße
Ramona
15.04.2018 | 17:39 Uhr
Liebe Ramona!
Ich bewundere, wie du jedes Kapitel mit einer perfekten Mischung
aus Beobachtungsgabe, Information und persönlicher Betroffenheit schreibst,
und jedes KZ immer wieder anders und neu.

Wir sind auch immer gerne zeitig unterwegs, ich kann nicht so gut mit zu vielen Menschenmassen um uns herum.
Die Schwingungen, die jene aussenden, die nehmen dem Ort seine eigenen Schwingungen.

Das Tor mit genau der gleichen Inschrift und dem Durchgang erinnert mich an Dachau.
Aber nach diesem 1. Prototyp wurden ja so gut wie alle KZs nachgebaut.

Du hast dein Unwohlsein gut beschrieben.
Natürlich darf man überall reingehen, wo der Zugang nicht abgesperrt ist.
Wir "dürfen" reingehen, andere "mussten".

Man spürt, dass dich dieses KZ besonders angegriffen hat.
Ich spüre sehr wohl deine Emotionen und die Kraft, die es dich beim Schreiben kostet, das macht diesen Kalender so gut.
Ich will mich beim Reviewen nicht ganz so emotional verausgaben, das muss ich als Reviewer auch nicht, aber das macht meine Reviews lau, gerade bei so einem Thema. Sorry..
Trotzdem lese ich aufmerksam und lasse auch deine Gefühle bei mir ankommen.
Herzliche Frühlingsgrüße.
R ☼

Antwort von RamonaXX am 18.04.2018 | 18:29 Uhr
Liebe Net Sparrow,

nun komme ich dazu auch dieses schöne Review zu beantworten.
Ich habe eine Menge Respekt davor, dass Du dich mit so viel Elan durch meinen "Stoff" liest.
Dass ist sicher nicht einfach und gerade bei diesem Projekt spüre ich immer wieder, dass es viel Ausdauer erfordert.
Bei Sachsenhausen ist es mit das Schreiben besonders schwer gefallen.
Aber wieder einmal bekomme ich bestätigt, dass es sich lohnt.
Dass, das was ich zu sagen habe, ankommt, die Menschen bewegt...

Mag das System damals überall gleich gewesen sein, sind die heutigen Gedenkstätten sehr unterschiedlich.
Ich habe schon Skurriles, Sonderbares und Absurdes entdeckt.
Aber eben auch immer wieder die gleichen Spuren vergangener Grausamkeit.
So kommt es wohl zu dieser Zusammensetzung aus Betroffenheit und Information.
>> immer wieder anders und neu<< gefällt mir besonders gut. Vielen Dank.

Der "Blindflug" in die Pathologie war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.
Hoffe ich zumindest. Denn es sind solche Momente, die einen wirklich sensibilisieren.

Aber nein, ich finde deine Reviews ganz und gar nicht "lau".
Klar weiß ich aus anderen Geschichten, wie es klingt, wenn Du aus vollem Herzen ein Review schreibst.
Sich hier nicht zu verausgaben, ist ein guter Selbstschutz. (Reicht ja wenn ich das mache... ;-)

>>Trotzdem lese ich aufmerksam und lasse auch deine Gefühle bei mir ankommen.<<
Daran habe ich überhaupt keine Zweifel!!

Liebste Grüße und der Frühling kommt nun auch endlich im Norden an!
Ramona
Jojodaydreamer02 (anonymer Benutzer)
09.04.2018 | 15:17 Uhr
Liebe Ramona,
mich hast du auf deiner Reise durch unsere Vergangenheit noch nicht verloren. Ich habe jedes deiner Kapitel sorgfälltig gelesen und war überrascht, wie gut ich es mir vorstellen konnte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mit meinen gerade mal 15 Jahren schon 2 Konzentrationslager besucht habe  (Buchenwald und Dachau) und ich mir besser vorstellen konnte, was du da gesehen hast. Am Ende jedes Kapitels habe ich mir immer die eine Frage gestellt: "Warum?" Warum haben die Menschen damals so etwas getan? Nur weil manche Menschen anders aussehen, anders glauben oder anders fühlen, hat doch kein Mensch das Recht einem anderen Menschen seine Freiheit zu nehmen oder ihn zu töten. Wir haben doch alle einen Platz auf dieser wunderschönen Erde verdient oder etwa nicht? Der Anblick eines Konzentrationslagers löst bei mir immer ein bestimmtes Gefühl aus: "Ich schäme mich. Ich schäme mich für diese Taten und ich schäme mich für mein Land".
Ich persönlich bin der Meinung, dass jeder mal ein KZ besucht haben sollte, damit wir mit offenen Augen durch das Leben gehen, die Augen nicht vor Dingen wie Rassismus oder Krieg zu verschließen und damit wir diesen Fehler nicht nochmal begehen.

Ich bin schon sehr gespannt auf das nächste Kapitel, welches mich nach Sachsenhausen bringen wird, sowie ich mich entsinnen kann.
Liebe Grüße Deine Jojo.

Antwort von RamonaXX am 15.04.2018 | 09:08 Uhr
Hallo Jojo,

auch hier möchte ich mich ganz herzlich für dein Review bedanken. Es freut mich, dass Du die Texte so aufmerksam gelesen hast und sie sich mit deinen eigenen Erfahrungen decken. In Buchenwald bin ich auch schon gewesen - Bericht dazu kommt im Juli. Und Dachau schaue ich mir Ende des Jahres an. Es ist schon interessant, wie sich so die Puzzleteile zusammensetzen, wenn man mehr als ein Konzentrationslager besucht. Man bekommt ein anderes Gefühl für das Ausmaß. Dass jeder einmal in seinem Leben eine Gedenkstätte besuchen sollte, sozusagen als Pflichtprogramm auf dem Lehrplan in der Schule, lehne ich ab. Befürworter sagen immer man muss die Leute für das Thema sensibilisieren. Was ich hingegen festgestellt habe, ist, dass viele hundert Menschen jeden Tag fröhlich schnatternd durch Gedenkstätten laufen und sich von dem Ort gar nicht berühren lassen. Nicht jeder lässt sich dort auf das Thema wirklich ein.

So.... und jetzt muss ich mich an die Korrektur von dem Bericht für Sachsenhausen machen. Sonst geht der heute nicht mehr online. ;-)

Viele Grüße
Ramona
16.03.2018 | 21:13 Uhr
Liebe Ramona!
Frühling 1945 war sicher eine einschneidende Zeit.
Man sagt immer, dass erst alles schlechter wird, bevor es besser wird.

wieder schöne Beschreibungen, sehr detailliert.
Auch dazu sehr persönliche Eindrücke, wie es auf dich gewirkt hat.
Man kann richtig mit dir über das Gelände spazieren.
Irgendwie sind alle KZs ähnlich, und doch anders, und das arbeitest du schön heraus.

Ein Mahnmal zu Ehren der Mütter - das fand ich richtig schön!
Auch in der Heimat haben die Frauen und Mütter viel gestemmt alleine, während die Männer im Krieg waren oder schon gefallen.
Zum Glück hat das Tausendjährige Reich keine tausend Jahre gehalten.

Leider müssen diese Zeitzeugnisse wie Museen heute bewacht werden.
Hier ist es weniger Diebstahl als Schändung.

Diesmal hattest du eine weite Reise.
MacPom, hab ich gehört, nennt ihr das?

Gerne folge ich dir auch nach Sachsenhausen im April. (Achtung 's' fehlt!)
Liebe Grüße.
R ☆

Antwort von RamonaXX am 17.03.2018 | 23:22 Uhr
Guten Abend Net Sparrow,

guter Satz von dir. Aber sind wir gerade in der Zeit, in der alles schlecht wird oder besser?

Danke für dein Lob. Ich weiß das sehr zu schätzen.
In den Texten steckt viel Arbeit und es fällt mir oft nicht leicht,
die vielen Gedanken in treffende Worte zu fassen.
Das Projekt bindet viel Zeit und Kapazität.
(Von den Reisekosten für Benzin, Übernachtung und Verpflegung mal abgesehen.)
Dennoch merke ich immer wieder, dass sich die investierte Energie lohnt.
So viele Leser finden diese Texte und das ganze Projekt lesens- und lobenswert.
Dass freut mich immer wieder und lässt mich weitermachen.

Ja stimmt. Hier oben heißt das MacPom. ;-)
Wobei soweit war die Reise ja auch nicht.
Wenn ich dran denke, dass ich dieses Jahr noch bis Linz und Straßburg will...

Und nochmal Ja - jedes Konzentrationslager ist anders und doch gleich.
Es wiederholt sich. Aber das wird einem erste bewusst, wenn man mehrere sieht.
Es ist ein wichtiges Bewusstwerden und ich binde es gerne in meine Schreibarbeit mit ein.

Danke fürs aufmerksame Lesen! Das Fehlerchen habe ich gestern schon ausgebessert.
Ich freue mich auf dein Kommentar zu Sachsenhausen im April.

Viele Grüße
Ramona
16.03.2018 | 20:35 Uhr
Hallo Ramona,
auch ich war vor ungefähr 16 Jahren, in Ravensbrück. Da ich aus Aachen stamme konnte ich damals dieses Lager nicht besuchen. Als ich dann es endlich konnte, lagen dazwischen Jahre die ich in Asien ( Miamar, Kambotscha, China und Japan) gewesen war. Dort haben mir die Menschen mit denen ich gearbeitet hatte soviele Grausamkeiten gezeigt, dass dieses Lager auf mich nicht mehr diesen Eindruck gemacht hat. Du beschreibst, wie auch schon früher, in bewegten Bildern Deine Gefühle. Bitte versprich mir, dass Du diese Intensität Deiner Gefühle behälst. Mir ist sie im Laufe meines Lebens etwas abhanden gekommen. Für mich war Ravensbrück nur ein nicht so bedeutendes Stück (un)menschlicher Handlungen. Zu Deiner Überlegung über die Freiheit kann ich Dir nur das: Freiheit muss man sich immer täglich neu erkämpfen. Auch wenn Du das vielleicht jetzt nicht so siehst wirst Du bald merken, dass es viele Möglichkeiten gibt die Deine Freiheit einschränken. Glaube mir Google, Faceboock u. a. sind auch Möglichkeiten Deine Freiheit einzuschränken. Wir haben hier bis jetzt das Glück gehabt nicht direkt verfolgt zu werden. Aber nichts gilt ewig wenn man nicht darum kämpft.
Zum Abschluss noch eine Rezension:
EIne sehr einfühlsame Beschreibung einer jungen Frau über ihre Gefühle beim Besuch in einem Skavenlagers. Dieses Lager diente ja in erster Linie dazu die deutsche Witschaft zu unterstüzen.
L. G. Günter

Antwort von RamonaXX am 17.03.2018 | 23:08 Uhr
Hallo Günter,

mit dem kurzen Abriss aus deiner Vergangenheit, erscheint es mir einleuchtend, dass Ravensbrück vergleichsweise "harmlos" auf dich gewirkt hat. Kambodscha klingt nicht gut. Wenn ich Phnom Penh höre, sind meine Gedanken bei Peter Scholl-Latour, dem Buch "Der Tod im Reisfeld - 30 Krieg in Indochina" und bei der Roten Khmer und den Killing Fields. (Hast Du mal den Film "Killing Fields" mit John Malkovich von 1984 gesehen? Sehr bewegend.) Wer glaubt, dass der letzte Genozid im dritten Reich stattgefunden hat, der irrt gewaltig. Der Völkermord in Kambodscha war etwa 30 Jahr später. Also deutlich näher. Zeitlich gesehen. (Weitere Beispiele spare ich mir jetzt mal.)

Wobei ich auch sagen muss, dass sich die Gedenkstätten über die Zeit zum Teil sehr verändert haben. Ich kann das natürlich nur an Hand von Bildern im Vergleich zum Zeitpunkt meines Besuches sagen, aber es ist wahr. Hier und da ist schon einiges an Umgestaltung vorgenommen worden. Eigentlich war Ravensbrück auch nicht sooo beeindruckend für mich, aber irgendwie hat der Erfahrungsbericht beim Schreiben seine eigene Intensität entwickelt. Vermutlich ist es das, was Du die "Intensität meiner Gefühle" nennst. Ich bin gespannt, wie viele der Orte, die ich für diesen Kalender besuche, Du schon gesehen hast? Hoffentlich nicht alle.

Nächstes Wochenende bin ich wieder unterwegs, dann geht es nach Buchenwald und Mittelbau-Dora. Ich danke dir an dieser Stelle noch mal sehr für dein Review und dass Du meinen Weg als Leser begleitest. Es ist gleich ein ganz anderes Gefühl wieder los zuziehen, wenn ich weiß, dass da so viele eifrigen Leser in Hintergrund sind und mir in meiner Arbeit den Rücken stärken.

Viele Grüße
Ramona
04.03.2018 | 18:21 Uhr
Liebe Ramona,

nein, du hast mich nicht verloren, doch ein bisschen kennst du mich ja schon. Ich lese deine Beiträge nicht flüchtig nebenbei und schreibe dann ein belangloses Review. Eher warte ich auf den richtigen Moment, wenn ich Zeit und Ruhe habe, alles in mich aufzunehmen, was du geschrieben hast, denn das sind deine Texte allemal wert. Wieder durfte ich dich bei deinem Besuch in einem KZ begleiten, von dem ich nicht mal wusste, dass es existierte und heute eine Gedenkstätte ist. Das allein beschämt mich schon etwas. Es ist, wie su sagst: Der Holocaust war nie weit weg. Er war direkt vor unserer Haustür.
Was mich sehr stark beeindruckt hat, war deine Beschreibung der Skulptur des gefallenen Häftlings, welche ich mir sofort ansehen musste. Es ist nicht zu fassen, wie treffend du sie beschrieben hast und wie tief einen der Anblick dieser "Figur" berührt. Auch ich habe in diesem Moment den fröstelnden Schauer wahrgenommen, der mir über den Rücken fuhr, obwohl ich im warmen Wohnzimmer sitze. Vieles, was du geschrieben hast, hat mich stark berührt, aber die Beschreibung dieser Skulptur wohl am meisten.
Nun will ich nicht auf alles im Einzelnen eingehen, dir nur sagen, dass du es mal wieder hervorragend geschrieben hast und ich mir wie ein Begleiter vorkam, der alles mit ansehen durfte. Natürlich wäre ein persönlicher Besuch dieser Gedenkstätte etwas ganz anderes, aber du hast mich zumindest dafür sensibilisiert, an so etwas nich uninteressiert vorüber zu gehen.
Ich danke dir für deinen Besuch in Neuengamme und deine Betrachtungen des Gesehenen und Erlebten. Ich bin sehr beeindruckt von dem, was du tust und bin dankbar dafür, deine Berichte darüber lesen zu dürfen.

ganz herzlich grüßt dich
deine Maggie

Antwort von RamonaXX am 19.03.2018 | 20:04 Uhr
Liebe Maggie,

dich als Leserin zu haben, ist wirklich ein Geschenk! Mich beeindruckt immer wieder, wie stark, berührend und zum Teil auch gewaltig meine Texte ankommen. Mir selbst fehlt da doch etwas der Blick für. (Klassische Form von "Betriebsblind".) Ich meine, ich habe schon ein Gefühl dafür, wann ich bewegend und wann erschütternd schreibe. Aber dass es dann auch wirklich so ankommt - und vor allem im Detail - WAS beim Leser ankommt, ist immer wieder eine Überraschung für mich. Du bist ein wunderbare Spiegel, was diese Sache angeht.

Auf eine gewisse Weise freut es mich, dass Du dich nach einem Bild der Häftlings-Figur auf die Suche gemacht hast. Das allein zeugt schon von Interesse und Mut. Also kein Grund zur falschen Bescheidenheit, oder wie in deinem Fall Beschämung. Ich hab's ja schließlich auch nicht gewusst, wie nah und flächendeckend das Ganze war/(ist). Was meine größten Momente in Neuengamme waren, steht ja im Kommentar, somit brauche ich es hier wohl nicht zu wiederholen.

Stattdessen danke ich dir einfach nochmal, dass Du meine Arbeit in so hohen Tönen lobst und mir damit den Ansporn gibst weiterzumachen. Dass meine Texte kein "Zwischendurchlektüre" für die kurze Busfahrt sind, macht mich besonders stolz. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass sich Leser bewusst für die eigenen Texte Zeit nehmen, sie nicht nur konsumieren, sondern aufnehmen und in sich wirken lassen. Eine wundervolle Art Menschen zu bewegen.

Danke, dass Du dich bewegen lässt.
Ramona
03.03.2018 | 20:42 Uhr
So, endlich etwas Zeit. Und da ich schon kommen sehe, dass die demnächst wieder knapper wird, widme ich mich jetzt endlich einmal dem Januar. Was ich eigentlich schon im Januar hätte tun wollen, und nicht erst März, aber besser spät als nie, richtig?
Den Aufbau des ganzen hattest du uns ja bereits erklärt, aber ich war dennoch ein wenig überrascht, wie gut das ganze funktioniert hat. Erst ein Begriff (der mir wirklich neu war, mit Kürzeln haben wir uns im Unterricht soweit ich mich erinnere nie befasst) und damit verbunden die Fakten, aber das ganze „nur“ kurz. Kein unnötiges darum herum Gerede, sondern wirklich nur das wichtigste, was ich sehr gut fand. Denn so sehr ich viele Fakten manchmal auch zu schätzen weiß, manche Dinge gehen dabei wirklich gerne unter, und das war hier nicht der Fall. Es war kurz und einprägsam, und ich weiß auch nach dem langen Text (mit weiteren interessanten und Einprägsamen Informationen und deinem meiner Meinung nach sehr gut geschriebenen Erlebnisbericht) noch, was 14f13 bedeutet.
Dann deine kurze Einleitung. Es sind deine eigenen Gefühle und Gedanken, und auch Zweifel, und genau darum finde ich auch diese so gelungen. Ich habe mich wirklich „an die Hand genommen“ gefühlt. Denn dadurch, dass du uns Lesern gezeigt hast, dass es auch für dich eine neue Erfahrung ist, standen wir (finde ich) nicht alleine da. Wir Leser haben all diese „Erfahrungen“ gemeinsam mit dir gesammelt.

Dadurch, dass du keine Geschichte geschrieben hast, sondern wirklich aus deiner Sich das was du siehst und was du erlebst, so mit allem drum und dran, wurde es zumindest für mich auch nicht zu viel. Abgesehen davon, dass ich es ohnehin schwierig fände, über ein solches Thema Geschichten zu schreiben, als wäre man selbst dabei gewesen, obwohl man es nicht war, bin ich mir sicher, dass du das so authentisch hinbekommen hättest, dass es mindestens einige von uns dann doch ziemlich fertig gemacht hätte. Du hast ja einfach diese Art, mit ein Paar Worten lauter Gefühle in einem hervorzurufen, und gerade bei einem solchen Thema? Ich weiß nicht, ob das bei allen Lesern gut gelaufen wäre. Daher Daumen hoch für diese mir von dir gänzlich unbekannte Art zu schreiben, indem du einfach „nur“ Erlebtes wiedergibst. Aber auch das reicht hier schon. Ich war nie selbst in Bergen-Belsen, aber du hast es dennoch geschafft, dass ich mir zumindest einbilde, mich dort jetzt ein wenig besser auszukennen, indem du uns wirklich alles beschrieben hast. Von Ankunft bis Ende. Es war ein wirklich gut strukturierter Bericht, bei dem man deine Gefühle mit dir teilen, und durch deine Augen sehen konnte, was dort ist. Und das, obwohl du auch nicht zu Detailreich geworden bist. Du hast uns nicht jedes Wort der Interviews mitgeteilt, und nicht jede Einzelheit beschrieben, aber es war genug um sich ein Bild zu machen.
„der Blick in ihre faltigen Gesichter verzerrt meine Vorstellungskraft, schafft eine seltsame Art von Distanz.“ ← Ich konnte es nie in Worte fassen, aber ich glaube genau das ist es. Wir haben in unserer Schulzeit das ein oder andere Interview mit Zeitzeugen gesehen, aber man hat immer deutlich gemerkt, dass es in der Klasse doch oft unmöglich ist, sich das ganze vorzustellen. Wir alle wussten, dass es wahr ist, unsere Lehrerin hat uns oft genug Vorträge darüber gehalten, aber es war in solchen Momenten eben doch zu weit weg. Besonders, wenn man nur in einem Klassenraum sitzt. Sicher, es ist und bleibt rührend, so wie auch du das geschrieben hast, aber wir haben kaum einen – bis gar keinen – Bezug zu damals, und dann in diese Gesichter zu sehen? Es ist wirklich schwer, da nicht diese Art von Distanz zu spüren.

Dein weiterer Bericht über das Außengelände war wieder etwas ganz anderes. Nichgt vollkommen anders natürlich, aber während bei der ersten Beschreibung, über den beständigen Zufluss an Informationen in einem sterilen weißen Raum wirklich eher das faktische übermittelt wurde, war hier nun das auch für mich als Leser teils bedrückende Gefühl gut zu spüren. Man merkt den Unterschied. Beides gehört zusammen . Sowohl die Infos, als auch das Gefühl, aber es ist wie auch mir bei meinen wenigen KZ-Besuchen aufgefallen ist: Das Gefühl schleicht sich oft erst dann ein, wenn man herumläuft, wenn man es sich selbst ansieht, wenn man es selbst entdeckt, und nicht während man die Informationen auf den verschiedenen Tafeln liest.
„Hier kommen keine Menschen her, um sich zu informieren. Hier kommen Menschen her, um zu gedenken und zu trauern.“ ← Mein „Lieblingssatz“ dieses ganzen Textes. Ich würde eigentlich ungerne einen nennen, weil dein Erlebnisbericht ja eigentlich als Gesamtwerk dasteht, und ich es auch ein wenig merkwürdig finde, mir bei diesem Thema einen Lieblingssatz zu suchen (ich kann nicht einmal sagen, warum, bei deinem letzten Kalender hat es mich nämlich komischerweise nicht so beschäftigt), aber es ist dieser. Denn ich finde er beschreibt wirklich wundervoll, was (so denke ich) eigentlich jeder feststellt, der ein KZ besucht. Es gibt eben beide Seiten. Und aus irgendeinem Grund existieren sie eher nebeneinander, als miteinander. Informationen kriegst du kaum dort, wo du gedenkst, wo du trauerst, und wo sich die Gefühle spiegeln, und umgekehrt ist es genau dasselbe.

Deine Beschreibung des 6 Kilometer Weges war dann wieder etwas komplett anderes. Ich muss zugeben: ich hätte nicht gedacht, dass es das wirklich gibt. Dass es so genau dort, wo es passiert ist, so „einfach“ weiter geht. Ich bin wirklich niemand, der denkt, wir sollten die Schuld auf uns nehmen oder das bereuen, was wir nicht getan haben, aber ich dachte immer, dass man zumindest ein wenig … nun ja, „Rücksicht“ auf unsere Geschichte nehmen sollte? Wir – wir heute – müssen uns dafür nicht schämen, aber ich hätte nicht gedacht, dass all das einfach so … anders genutzt wird. Vielleicht bin ich auch von meinem Besuch in Auschwitz ein wenig verwöhnt, was das angeht, wo man wirklich überall gemerkt hat, dass es eben doch noch eine große Rolle spielt, aber ich war wirklich geschockt, als ich gelesen habe, dass man sich „der Geschichte und ihren Ereignissen nirgends so fern fühlt“ wie dort. Was ja nichts mit dir zu tun hat, sondern eher mit dem Umgang mit der ganzen Sache, aber es ist … heftig. Irgendwo.

Ich danke für die drei zusätzlichen Fakten am Ende. Insgesamt hast du ja sehr viele Fakten verbaut – vielleicht nicht unbedingt nur Zahlen, aber ich weiß nach deinem Bericht durchaus mehr, als vorher – aber ich finde es gut, dass diese Fakten einzeln stehen. Es ist gut, dass das nicht in dem Text untergegangen ist. Wobei es das ja vielleicht nicht wäre, aber es ist, wie ich auch am Anfang schon sagte, und manche Fakten sollten besser alleine Stehen, damit man sie auch wirklich verarbeiten (und vielleicht auch gut erkennen) kann.

Und zuletzt: es ist schön, dass du uns auch noch ein „aktuelleres“ Kommentar geschenkt hast. Es wäre natürlich nicht nötig gewesen, aber ich finde es dennoch sehr interessant, zu lesen, wie du das nach dem (beinahe) halben Jahr empfunden hast. Und der Schräge Fußboden lässt mich auch schmunzeln. Ist aber (das muss man zugeben) eine wirklich schlaue Idee, das so zu machen. Da wäre zumindest ich nie drauf gekommen.

So. Und jetzt denke ich, werde ich mich vielleicht wieder meiner Außenwelt zuwenden, die ich ähnlich wie du bei deinem Besuch, auch bei meinem Besuch „ausgeschlossen“ habe. Manche Texte liest man eben besser ohne Störungen und Zwischenfälle.
Ich wünsche dir noch einen wundervollen Abend, und wir lesen uns hoffentlich recht bald beim Februar,
Riri

PS: Ich muss nach dem ganzen Rest aber auch einmal kurz Fehlerfee spielen. Ganz am Anfang: „Obwohl die Themen Nationalsozialismus und Holocaust lang und breit im Geschichtsunterricht durchgekaut worden ist, blieb sie doch über all die Zeit visuell in den Geschichtsbüchern haften.“ Es müsste sein: „durchgekaut worden sind, blieben sie doch“. Aber nun endgültig bis irgendwann~!

Antwort von RamonaXX am 18.04.2018 | 22:41 Uhr
Liebe Riri,

Asche auf mein Haupt. Ich hab diese Reviewantwort nicht vergessen – gewiss nicht! Nein, ich hab sie einfach nur die ganze Zeit vor mir hergeschoben. Und das – wenn ich gerade Mal auf den Kalender schaue – auch fast satte 2 Monate. Autsch! Aber ich hoffe mir wird vergeben? Und das am besten gleich doppelt, weil ich nicht glaube, dass ich es heute Abend hier schaffe in voller Länge zu antworten. Also noch mal Sorry, sollte meine Antwort etwas kurz ausfallen.

Die Worterklärungen am Anfang fand ich wichtig, aus zwei Gründen: Erstens, weil es ja doch eine Menge Begriffe aus dieser Zeit gibt und ich mir nicht vorstellen kann, dass die allen so geläufig sind. Und zweitens, weil ich ja auch den Titel des Kalenders irgendwo pfiffig einbinden wollte. Das alles scheint mir gelungen zu sein. *freu* Ebenso freut es mich, zu hören, dass das „an-die-Hand-nehmen“ geklappt hat. Ich will ja niemanden einfach so in das Thema reinwerfen. Dafür ist das Ganze viel zu heikel, aber mit dem Autor bzw. Leser an der Hand kann man das, denke ich, bewältigen.

Sicher, so sehe ich das auch. Gewiss hätte ich das Talent zum Thema Holocaust auch eine Fiktionale Geschichte zu schreiben, aber es wäre mit großer Wahrscheinlichkeit zu intensiv. Und ich will mit diesem Projekt ja niemanden abschrecken oder Alpträume schenken. Es geht darum den Lesern etwas zu zeigen, was die vielleicht noch nie „so“ gesehen haben. Deshalb ist mir die Struktur in den Texten auch so wichtig. Es gibt nicht nur einen Wiedererkennungswert, es schafft auch den Eindruck von „professioneller Distanzen“ – Ich weiß nicht wie ich das sonst nennen soll.

Oh, Du darfst dir gerne wieder Lieblingsätze rausuchen! Ich sehe ja an deinem ganzen Review, dass Du meinen Text als Gesamtwerk auffasst. Und mal ehrlich, die schönsten Reviews sind doch die, wo die Leser ihre Lieblingsstellen reinkopieren und erklären, warum es ihnen gerade DIESER Satz angetan hat. Herrlich.

Ja, das Stück an den Bahngleisen wird heute tatsächlich so viel anders genutzt. Da sind keine Spuren mehr von dem was war. Mich hat auch sehr konfus gemacht, eben weil ich erwartete hatte, dass die Geschichte mehr geschätzt und beachtet wird. (Aber wie sich in den folgenden Berichten ja noch rausstellt, bin ich öfter auf solche „Ignoranz“ getroffen.)

Die Fakten sind wieder so ein Teil der Struktur, denn ich sehr wichtig finde. Es setzt einen klaren Schnitt zu dem Erfahrungsbericht und „füttert“ das Hirn nochmal mit ein paar Informationen, um den Text davor auch wirklich sicher loszulassen.

Ähnliches gilt für den Abschlusskommentar. Teilweise liegen ja zwischen Besuch und Upload bis zu 3 Monate, in denen ich dann wiederum weitere KZs besucht habe. Dieser letzte Teil ist mehr eine Übung für mich selbst und den jeweiligen Ort abschließend zu reflektieren, denn irgendwann muss das ganze „Zeug“ ja auch wieder aus meinem Kopf kriegen. Noch einmal in sich zu gehen und sich zu fragen, was langfristig hängengeblieben ist, ist da eine gute Übung.

So, liebe Riri. Das war’s mit meiner Antwort. Ich hoffe Du weißt, dass Du eine meiner treuesten Stammleserinnen bist und ich viel auf deine Meinung geben – vor allem auf deine Kritik und deine Fähigkeiten als Fehlerfee. Du bist und bleibst wunderbar!

Herzliche Grüße
Deine Ramona
16.02.2018 | 11:00 Uhr
Liebe Ramona!
Wieder ein sehr persönlich und tief empfundenes Kapitel.

du weißt ja, dass wir "Zugvögel" im Urlaub in einem dt. KZ (Dachau) waren,
und ich auch drüber geschrieben habe auf FF.de.
Sie sind ja alle sehr ähnlich aufgebaut.
Dachau war sowieso das allererste KZ und quasi der Prototyp, nachdem alle anderen errichtet wurden.

Und überall gab es eben diese Erholungsplätze für die "geplagte" SS und ihre Familien. Von den Häftlingen errichtet.
Genauso wie ein Lagerbordell für die SS. Also solch treuen Familienväter waren sie wohl nicht.
Es gab aber auch unter den Häftlingen genügend sexuelle Übergriffe.

Danke für deine 2., sehr interessante Besichtigungstour.
Wir lesen uns hier auf jeden Fall wieder bei Ravensbrück.
Liebe Grüße.
R ₪

Antwort von RamonaXX am 18.02.2018 | 10:42 Uhr
Hallo Net Sparrow,

deine Zeit zum Lesen möchte ich gerne haben... *seufz*
Aber alles sicherlich eine Frage der Prioritäten, nicht wahr?
Und mit einer 40-Stunden-Arbeitswoche ist man doch schon etwas verplant.
Egal, ein Sonntagvormittag eignet sich prima, um sich für alle die schönen Reviews zu bedanken.

Meine Weg führt mich im Mai oder Juni noch nach Österreich.
Ich will Richtung Linz, ins KZ Mauthausen...
Dachau seht erst im Herbst an.

Ja, Du hast trauriger Weise recht.
Die Gewalt in Konzentrationslagern ging nicht nur von der SS aus.
Oft genug haben sich Häftlinge gegenseitig totgeschlagen.
Wer glaubt, dass eine Gruppe misshandelter Menschen sich in jedem Fall solidarisch zusammenschließt, der irrt.

Dann also bis Ravensbrück - an dieser Stelle.
Vielen Dank und viel Grüße
Ramona
16.02.2018 | 08:20 Uhr
Guten Morgen liebe Ramona!

Jaaaaa ein Tag Urlaub machts möglich, mich endlich den schönen Dingen des Lebens zu widmen, nämlich dem Lesen. Kaffee, Ruhe und gute Lektüre, was will Frau mehr, selbst wenn das Thema harte Kost ist ...
Du bleibst also im Norden, klar, liegt ja am nächsten und schon bei den ersten Sätzen kam der "Jaaa" Effekt. Als wir in Dachau waren, haben wir eine Karte gesehen über alle KZ Standorte in Bayern, auch von den ganz kleinen Außenstellen. Und Ja, der Holocaust liegt direkt vor der Haustür, denn ich war überrascht, wie viele es wirklich gab. Ich war schockiert von der Dichte der Punkte auf der Karte.

Dieses KZ hier sagt mir namentlich nichts, aber es scheint ein ziemlich Großes gewesen zu sein, wenn ich die ersten Beschreibungen lese. Ich mag ja besonders, dass du uns DEINE Gefühle beschreibst, das macht diese ganze Kolumne hier so interessant und zu einem wahren Schätzchen. Die Fragen, nach all den Menschen, die dort schon gestanden haben mögen, beschäftigt mich in solchen Momenten auch ganz besonders.
Die Inschrift am Mahnmal macht nachdenklich. Im Prinzip ist sie richtig, obwohl die Nazis damit etwas ganz anderes gemeint haben, als ich am liebsten darin sehen will. Der Tod aller dort Verstorbenen war nicht umsonst, denn er erinnert uns immer daran, was nie wieder passieren darf. Vorstellen, was diese Menschen wirklich erdulden mussten, das werden wir wohl nie in vollem Maße können, jedenfalls hoffe ich das von Herzen.

Das mit der JVA auf dem Gelände eines KZ hat mich wirklich kurz sprachlos gemacht. Geschmacklos ist da wohl noch geschmeichelt, aber damals hat man wohl einfach pragmatisch gedacht, verständlich ist es mir dennoch nicht.

Ich bin auch bei diesem Kapitel wieder beeindruckt davon, wie gut du deine Gefühle vermitteln kannst, als stünde man selbst davor. Ich habe mich an einigen Stellen wiedererkannt, als ich in Dachau oder Buchenwald war. Manchmal ist es gut, sich vorzustellen, wenn man selbst dort gestanden wäre, wie die Häftlinge damals, um es sich wirklich zu verinnerlichen.
Mich hast du definitiv nicht verloren, du hast den Spagat zwischen Pietät und Realität bestens geschafft.
Mein Interesse ist ungebrochen.
Vielen Dank dafür, dass du deine Gedanken zu diesem schweren Thema so unvoreingenommen mit uns teilst, das ist es, was mich dabei am meisten beeindruckt.
Weiter so, ganz liebe Grüße Susann, die dir definitiv noch mehr Sterne geben würde, wenn sie dürfte.

Antwort von RamonaXX am 22.03.2018 | 16:34 Uhr
Hallo Susann,

ist mir ja doch ein bisschen peinlich, dass diese Reviewantwort über einen Monat hat auf sich warten lassen. Aber nun gut, ich war ja mit meiner Prüfung (die übrigens echt gut gelaufen ist) voll beschäftigt und ausgelastet. Heute ist mein erster Urlaubstag und nachdem ich nun zum Nachmittag wieder nüchtern bin *hust - nein, ich hab nicht gefeiert* widme ich mich gerne den noch ausstehenden Alerts, bevor ich morgen übers Wochenende wegfahren. Es geht Richtung Harz und zum KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora. Womit wir ja beim Thema währen.

>>Ich war schockiert von der Dichte der Punkte auf der Karte.<< So ging es mir auch, als ich das erste Mal auf eine solche Karte geschaut habe. Ich bin durch meine Erfahrung inzwischen der Meinung, dass das wieder sehen - wieder erleben möchte ich an dieser Stelle nicht sagen - des immer gleichen Horrors in den verschieden Gedenkstätten keinesfalls langweilig oder eintönig ist. Es sensibilisiert und schafft (zumindest für mich) ein ganz neue Form der Einsicht.

Die tatsächliche Größe eines Konzentrationslager finde ich reichlich schwer zu bemessen und (falls es dir aufgefallen ist?) halte ich auch solche Zahlen und Werte (angesehen von den Infopunkten am Ende) strikt aus dem Text raus. Es ist halt auf die Gefühle fokussiert. Aber Du hast schon recht, Neuengamme ist schon ziemlich groß. Das wird einem schon Bewusst, wenn man sich das Ganze bei Google-Maps mal anschaut. Ziemlich beeindruckend. Und was dafür sorgt, dass man sich lange auf dem Gelände aufhalten kann, sind halt die vielen, vielen Punkte, Ausstellungen und Gebäude, die noch erhalten sind.

Hier muss ich jetzt "Jaaa" sagen, bei der JVA hab ich auch nur gedacht, dass kann nicht wahr sein. Aber so war es. Und wenn man sich die Freiluftausstellung an der alten Gefängnismauer durchliest, hört man auch davon wie viele Menschen damals dagegen protestiert haben.

>>...du hast den Spagat zwischen Pietät und Realität bestens geschafft. Mein Interesse ist ungebrochen.<< Na, dass höre ich doch gerne. Der März ist ja auch schon seit ein paar Tagen online. Ich freu mich darauf auch da wieder ein Meinungsbild von dir zu bekommen, wenn deine Zeit es zulässt. Aber bitte keine Eile, ich hänge ja auch gerade etwas mit dem Schreiben hinterher. Als ich mir dieses Projekt im letzten Sommer ausgedacht habe, hatte ich wirklich noch keinen Schimmer davon, wie umfangreich es werden würde . Zu jedem KZ 3.600 bis 4.400 Worte zu schreiben, stand definitiv nicht auf meinem Plan. Aber Reviews wie deine und die der anderen, beweisen mir, dass sich die Arbeit und die Aufarbeitung lohnt. Ich mach gerne weiter. Und wenn es weiter so wunderbare Reviews gibt, wird dieses Projekt sicherlich großartig zu Ende gehen.

Vielen Dank für deine moralische und menschliche Unterstützung
Deine Ramona
15.02.2018 | 22:22 Uhr
Hallo Ramona
wieder ein eindrucksvoller Bericht Deiner Erlebnisse. Auch ich bin in den 70gern in Neuengamme gewesen. Deshalb hat Dein Bericht bei mir auch einige Erinnerungen geweckt. Ja, die Menschen sind das Dümmste und zugleich Arroganteste was nach meiner Meinung von dieser Sonne beschienen wird.
Anm. Ja ich werde Dir auch beim nächsten Bericht folgen. Danke fürs Teilen.
L. G. Günter

Antwort von RamonaXX am 16.02.2018 | 20:40 Uhr
Hallo Günter,

vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Lebenserfahrung ist für mich ein echter Gewinn. Es ist wunderbar für mich als junger Mensch meine Arbeit und mein Schaffen von jemandem reflektiert zu bekommen, der soviel älter ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Neuengamme in den 70gern noch ganz anderes ausgesehen hat und dich dieser "aktuelle" virtuelle Rundgang sicher bewegt hat. Ich schätze deine Meinung zu diesem Werk wirklich sehr und freue mich dich an Bord zu haben!

Viele Grüße
Ramona
09.02.2018 | 18:52 Uhr
Liebe Ramona,

auf der einen Seite freue ich mich sehr, dass sich jemand mit dem Thema beschäftigt, aber ich denke, ich bin momentan nicht stabil genug das zu lesen. Nicht das es mich nicht interessiert, ganz im Gegenteil. Niemals darf die Geschichte vergessen werden.

Ich habe einmal quergelesen. (Die Formulierungen und die Wortwahl waren sehr ansprechend) dann habe ich mich wieder an meinen Besuch in Bergen-Belsen erinnert. Und wie beklemmend das alles für mich war. Am Gedenkstein von Anne Frank hätte ich beinahe komplett die Fassung verloren und habe das Gelände so schnell wie möglich verlassen müssen.

Es tut mir sehr leid, deinen Text zur Zeit nicht lesen zu können, vielleicht kommt der Tag, an dm ich es wieder kann.

Und das hier ist eine Premiere! Noch nir habe ich ein Review zu einer Geschichte geschrieben, die ich nicht ganz gelesen habe. Na, einmal ist immer das Erste Mal.

Danke dir, dass du wider dem Vergessen arbeitest.

Lieben Gruß

ender

Antwort von RamonaXX am 09.02.2018 | 20:51 Uhr
Hallo Ender,

erst Mal vielen Dank für dein Review. Ich freue mich wirklich, dass Du durch mein Profil stöberst und dich umschaust.

Ebenso sehr möchte ich mich für deine offenen Worte bedanken. Auch das ist ein Ausdruck von Mut und Stärke - nicht weniger als die eigenen Grenzen zu wahren und sich ggf. selbst zu schützen. Bei deinen Worten habe ich versucht mir in Erinnerung zu rufen, was ich am Grab von Anne Frank gefühlt habe. (Ein Teil davon schlägt sich ja im Text nieder, aber da war noch mehr.) Ich verbinde mit dem Namen vor allem unangenehmen Schulunterricht, eine Erzählung bzw. Geschichte, die ich nicht verstanden habe und die an mich gestellte Erwartung Betroffenheit und Ehrfurcht zeigen zu müssen... Insofern gab mir der Stein keinen Anlass zum Umkehren...

Ich danke dir nochmal für die Wertschätzung meiner Arbeit und meine darein gesteckten Kraft.
Dass Du es zur Zeit nicht lesen kannst, ist für mich auch eine Art der Anerkennung.
Es zeigt mir, dass ich auf der richtigen Spur mit dem nötigen Maß an Sensibilität agiere.

Liebe Grüße
Ramona