Autor: RamonaXX
Reviews 1 bis 25 (von 59 insgesamt):
27.01.2019 | 14:05 Uhr
Ein gelungenes Schlusswort. Ramona,

Sicher ist, dass die Menschheit daraus nur wenig gelernt hat. Betrachtet man sich nur die Kriege nach dem 2. Weltkrieg, dann ging das Töten von Menschen munter weiter.

Noch  ein Gedanke: Hinter jeder Tat steckt ein Täter und ein Opfer.  Jedes Opfer ist zuviel!
Daher kann es nur eines geben. Aufklärung und die Darstellung wie es dazu kommen konnte.
Hierzu gibt es gute Historiker, die vieles erklären. Sie gibt es in vielen Ländern und man sollte sich die Mühe machen einige von diesen Texten zu lesen.

Was mich echt ärgert, dass heute wieder eine Partei in den Parlamenten sitzt, die diese Gewaltverbrechen verharmlost. Nein, so etwas sollte es nicht geben, weil Nationalismus immer zu Terror führt.

Danke für Deine Arbeit, Deine Zeit und Dein Ergebnis.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 02.02.2019 | 21:19 Uhr
Und auf ein zweites Mal.

Hallo Christian,

nun hast Du also auch das Nachwort gelesen, welches (fast) frei von großen, schwingenden Worten ist und sich auf etwas Handfesteres bezieht. Um ehrlich zu sein, wusste ich schon ganz am Anfang, dass ich eine Aufstellung dieser Art von meinem Projekt machen wollte. Dass mit der Karte hatte ich auch schon sehr früh im Kopf.

>>Aufklärung<<, zu diesem Wort habe ich im vergangenen Jahr eine neue Beziehung aufgebaut. In der Schulzeit wollte ich wirklich nichts davon wissen. Ich fand es unnötig mich mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. Es wurde mir aufgezwungen und statt erklärender Zusammenhänge, gab es wahlweise Daten und Fakten, die in der Geschichtsarbeit abgefragt wurden oder es wurde „gefordert“ tragische Anteilnahme zu empfinden. Beides hat mir gestunken, wie man so schön sagt.

Ich musste tatsächlich erst inszenierte Bilder eines Films sehen, um zu zweifeln und mich zu fragen, was damals wirklich passiert ist. Es mag sicher ein ungewöhnlicher Weg sein, aber ich bin froh ihn gegangen zu sein. Heute ist es mir nicht mehr so egal, was damals passiert ist. Und ich verstehe heute besser, warum man mir das in der Schule hat beibringen wollen. Mit diesem Projekt bin ich sogar noch einen Schritt weiter gegangen; und bringe nun anderen etwas bei – ganz ohne Zwang.

Ich bin sehr froh, dass meine Reise in die Vergangenheit und durch den Holocaust einen Platz in diesem Archive gefunden hat. Auf das es noch eine Weile zur Aufklärung beitragen möge…

In diesem Sinne, vielen Dank für die Stunden, die Du dich meinem Projekt gewidmet hast!
Ramona
31.12.2018 | 15:52 Uhr
Liebe Ramona!
Du hast da etwas Großes auf die Beine gestellt.
Und ich glaube es dir, dass alles als Gesamtpaket, auch das Reisen und die Planung, einfach unheimlich viel dir gebracht hat.
Die Kosten waren doch gewaltig,a ber es waren eigentlich 12 Kurz-"Urlaube" oder 12x "Städtetourismus".
Mir gefiel der Aufbau deines Kalenders, der Stil und natürlich der Inhalt.

Für heute bleibt mir nur mehr übrig, dir auch hier noch mal (wie in meiner Mail schon)
von Herzen alles Gute und vor allem Gesundheit für 2019 zu wünschen,
aber auch Glück, Freude, Erfolg in der Ausbildung, weniger Stress und mehr Wohlfühltage und viel Herzenswärme in deiner Umgebung, einfach ein gutes Jahr.
Ich freu mich schon auf einen Kalender 2019!
Und nicht vergessen: Sollte dich das Glück verlassen, Luft holen... lächeln... Anlauf nehmen... mitlaufen!
R ⋈

Antwort von RamonaXX am 01.01.2019 | 19:15 Uhr
Hallo lieber Spatz,

vielen Dank für deine abschließenden Worte.
Jipp, ich bin sehr glücklich und froh und stolz das Ganze zu einem so erfolgreichen Ende gebracht zu haben.
Das Review, was ich gestern von dir erhalten habe, war Nr. 666 in meiner Gesamtzählung aus allen Reviews!
Wenn das mal kein teuflisch guter Jahresabschluss war?!

Wenn ich vorher gewusst hätte, was ich aufbringe um das Projekt so durchzuziehen,
dann hätte ich mich wohl nicht getraut oder es zu mindesten etwas kleiner gestaltet.
Danke für dein Lob zum Aufbau und zur Umsetzungen!
Das beutetet mir wirklich sehr viel, zu "hören", dass das Konzept aufgegangen ist.

Ich denke 2019 wird ein gutes Jahr für mich werden.
Das letzte war doch sehr, sehr turbulent. (Nicht nur wegen dem Schreiben...)
Einen schriftlichen Kalender wird es in diesem Jahr allerdings von mir nicht geben.
Ich möchte mich wieder mehr dem Schreiben von Geschichten widmen,
und dort ein paar neue Wegen beschreiten...

Viele Grüße und "bis bald"
Ramona

P.S. Werd gleich mal Koffer packen. ;-)
27.01.2019 | 12:04 Uhr
Landsberg am Lech,
zur Geschichte dieser Anlagen. Um Strom zu gewinnen wurde der Lech aufgestaut und ein Wasserkraftwerk errichtet. In der Nähe war der Bau der Me 262 geplant, der in einem riesigen Bunker vollzogen werden sollte. Das Gebiet war für die Amerikaner besonders wertvoll, weil sie hier auf ungeahnte Technologie stießen, die ihnen fehlte. Ferner wurde hier auch der Grundstein zu einem riesigen Baukonzern gelegt, denn hier wurde der Betonbau entscheidend weiterentwickelt.

Gleichfalls wurden hier die Außergerichtlichen Hinrichtungen an deutschen Soldaten vollzogen. Dieses traf besonders auf alle Einheiten zu, die sich während der Ardenneschlacht zur wehr gesetzt hatten. Nun muss ich einen Ausdruck aus der Zeit verwenden.
Damals hieß es Bimbo und Truthanschießen. Also 20 Wehrmachtssoldaten stiegen aus den Gräben und erschossen hunderte Amerikaner . Um diese Schmach auszumerzen, wurden diese Einheiten hier gesammelt und recht unheroisch eliminiert.

Zu den KZ Anlagen. Der Bunker ist heute noch ein beeindruckendes Mahnmal der Unvernunft. Die Spannbeton Bögen deuten die technische Entwicklung im Betonbau an. Gleichfalls zeigt es auch, wie Dumm Speer und andere Nazis waren. Jedes Mammutprojekt lässt sich leicht aufklären. Folglich wäre es vernünftiger gewesen, den ersten Plan zu verfolgen, also den Bau in vorhandenen Bergbauanlagen zu organisieren.
Damals wurde alle Salzstöcke untersucht und als Munitionslager genutzt. In den riesigen Hallen ließe sich alles fertigen. Das Problem bestand jedoch darin, dass mit den Menschen unweigerlich Feuchtigkeit in die Salzstöcke gekommen wäre. Zudem kam das Klevere Hitler auf die Idee, dieses Projekt außerhalb der Bomberrichweite bauen zu lassen.

Auch an diesem Standort wurde ein Mix aus KZ Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern eingesetzt. Nach dem Krieg wurde vieles rasch zerstört und die Umgebung großflächig geplündert. Zudem wurden hier Waffen und Munition gesammelt und teilweise vernichtet. Die Amerikaner haben dazu keinerlei Angaben hinterlassen.

Es ist eine von den Gedenkstätten, die über den Krieg hinaus nichts von ihrem Schrecken verloren hat und bis heute gab es keine hinreichende Aufklärung darüber, was dort alles gemacht wurde, wer dort starb/ermordet wurde und was mit den Resten der Wehrmachtsmunition geschehen ist.

Sacht und dennoch emotional geschrieben.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 02.02.2019 | 21:06 Uhr
Hallo Christian,

nun hat es doch etwas länger gedauert, bis ich dir wieder schreiben/antworten kann. Aber nein, ich habe weder dein Review noch deine Erinnerung vergessen. Also in einem Satz zusammengefasst, vielen Dank fürs Review und alles Gute nachträglich zum Geburtstag.

Ich bin (wie schon in vielen vorangegangenen Kapiteln) überrascht, was Du alles weißt. Aber im Prinzip kenne ich das ja selbst, wenn man sich lange mit einer Sache beschäftigt, kommt ein beträchtliches Wissen zusammen. Ich selbst weiß natürlich nicht so viel über die Region, eigentlich nur ganz wenig, aber es war schön, dass einmal zusammengefasst zu lesen. Es hat mein Wissen doch sehr erweitert.

Ich denke, wenn man mit jemandem durch die Gegend um Landsberg fährt, der sich dort historisch gut auskennt, gäbe es noch sehr viel mehr zu sehen und zu endeckten. Ich bin bloß mit meinem Auto an ein paar Landstraßen längsgefahren und habe hier und da gehalten, wo ein Schild meine Aufmerksamkeit erregt hat.

Nach wie vor bin ich stolz auf mein Projekt und dass ich so viele unterschiedliche Orte besucht habe. Ich war eben nicht nur in Dachau oder Buchenwald, sondern habe auch irgendwo auf dem Acker gestanden, an der Feldscheune zum Beispiele, und mir angeschaut was dort übriggeblieben ist; was in der Erinnerung der Menschen (hoffentlich) weiterlebt.

Auch wenn das Alles schon sehr lange her ist, glaube ich daran, dass Orte „speichern“ können, was an ihnen passiert ist. Mag in und um Landsberg auch vieles sich verändert haben, wenn man genau hinspürt, begegnet man der gespeicherten Erinnerung des Ortes!
Eine Bekannte von mir war im letzten Sommer in der Normandie. Sie hat mir erzählt, dass sie dort ein Schild gesehen hat: „When you walk over the sands of Juno Beach, they walk with you.“ Ja, daran glaube ich, genauso wie sie es auch empfunden hat. Orte speichern, was Generationen manchmal vergessen.

Danke für die reichlichen Informationen und dein Lob!
Ramona
29.12.2018 | 15:01 Uhr
Liebe Ramona!
Gedenkstätten für die Opfer, die Toten, aber ich seh all diese als Mahnmal eher.
"Denket daran, wie wir hier starben", steht am Krematorium in Dachau.

Ich bewundere dich, wie du dieses Projekt 1 Jahr lang durchgezogen hast.
Mir wäre es ein bisschen viel gewesen, alles so ähnlich und doch wieder ganz anders, alles würde für mich irgendwie verschwimmen ineinander oder ich abstumpfen, so wie ich in Dachau ganz besondere Betroffenheit noch gefühlt habe, eben mein erstes KZ und nicht eines von vielen.
Wir waren in Dachau an einem Wochentag, du am Wochenende. Vielleicht hat das einen Unterschied gemacht.

Man kann nicht sagen, die Bevölkerung habe es nicht gewusst, Und es hat auch keine Anzeichen gegeben, dass sie es nicht billigt. Errichtung, Eröffnung und Betrieb des Lagers ist öffentlich gewesen.
Da ist in der Zeitung gestanden, dass jetzt ein Lager errichtet wird, in dem "volksschädliche" (heute würde man sagen: asoziale) Leute ordentlich arbeiten lernen, wo sie durch eine strenge und harte Erziehung der Volksgemeinschaft irgendwie wieder als nützliche Glieder zugeführt werden sollen. Satirische Artikel darüber gibt es in der lokalen Presse auch immer wieder, sowie illegale Schriften.
Zudem gibt es auch Ereignisse, an denen die Dachauer Anteil nehmen können. Es gibt Konzerte der SA-Kapelle vor dem Lagerzaun, die Häftlinge müssen das anhören, die Einheimischen dürfen kommen und sich das anschauen. Die Bevölkerung sieht also die ausgemergelten Häftlinge. Anschließend gibt es einen Umzug der SS, den der Kommandant hoch zu Ross anführt durch die Stadt Dachau.
Auch heute sind es nur mehr die Nachgeborenen in Dachau. Aber die müssen sich wohl auf ewig mit der Schuldfrage ihrer Vorfahren umtun.
Sie können den Umstand, dass hier das erste Konzentrationslager gebaut wurde, ignorieren, sich damit arrangieren oder sich dafür engagieren. Aber sie können sich nicht gleichgültig dazu verhalten.

Es erschüttert mich vielleicht am allermeisten, wie all diese SS-Männer nach Dienstschluss zu ihren Familien ins hübsche Häuschen mit Gartenzaun gleich außerhalb in Dachau heimgehen konnten, mit ihren Kindern spielen. Wie kann man das so abschütteln?

Kirchen oder Moscheen oder was auch immer sind immer besondere Stätten und immer eine Einkehr in unseren Urlauben wert, egal welche Konfession sie beherbergen. Sie sind ebenso wie die KZs heute für uns Besucher Stätten der Ruhe für eigene Gedanken.
Würde man eine Schweigeminute für jedes Opfer des Holocaust halten, wäre es 11 Jahre lang still.

Du schließt hier den Bogen zu deiner Lieblingsserie und deinen Fanfictions.
Das passt eben für dich.

Vielleicht macht auch das Wissen, dass Kaufering das letzte KZ für diese Reihe sein wird, dieses KZ so besonders,
nein es ist für dich wohl doch eher die TV-Serie.
Für mich wäre es eher der Frieden, den der Baggersee und die Sonnenblumen dem Ort zurückgeben.
So gefallen mir hier besonders deine philosophischen Gedanken über die Zeit.
Und dass die Natur das KZ-Areal zurückerobert hat.

Wir können es nicht ungeschehen machen, wenn wir uns erinnern, aber vielleicht verhindern, dass sich so etwas je wiederholt, denn sind wir ehrlich, wir sind näher dran, als wir wahrhaben wollen, und in vielen Ländern ist es sogar heute Realität.

Dein Schlusskommentar war ein großartiges Ende.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sternchen hast du schon früher bekommen verdient, die Kolumne hat ihr Nive4au bis zum Ende gehalten.

Unsere Generation hat selbstverständlich keine Schuld an den Verbrechen, aber wir sind in die Pflicht genommen dafür, dass das niemals wieder geschieht.
„Nie wieder“, das am Ende des Rundganges und Mahnmals in 5 Sprachen zu lesen ist, ist dann auch die wichtige Mahnung an uns alle!

Danke für die Zeit und die vielen Emotionen, die du in diesen Monatskalender gesteckt hast.
Lieben Gruß.
R இ

Antwort von RamonaXX am 12.01.2019 | 17:51 Uhr
Liebe Net Sparrow,

auch hier ganz lieben Dank für dein Review. Wieder kann ich gar nicht sagen wie toll ich es finde, dass Du so viele Gedanken zu den Kapiteln meines Kalenders niederschreibst. Dass ist echt eine tolle Rückmeldung. Es gibt mir das Gefühl, dass mein Projekt eine gute Sache ist und ich damit etwas erreicht habe.

An den Spruch aus dem Krematorium kann ich mich auch noch erinnern, auch wenn er in meinem Bericht nicht auftaucht. Vielleicht ist es wirklich so, dass ich durch meine vielen Besuche in der kurzen Zeit das Auge fürs Detail verloren habe. Wenn man nur eine KZ-Gedenkstätte besucht und dass dann auch noch die erste ist, bleiben einem sicher mehr Dinge in Erinnerung. Ich gebe zu, dass ich am Ende des Jahres und nach den vielen Reisen auch wirklich müde war.

Etwas „nicht wissen“ und „nicht wissen wollen“ verläuft in Sachen Holocaust wohl sehr stark ineinander, denke ich. Mir fällt es schwer über die Menschen von damals ein Urteil zu treffen und die Schuldfrage finde ich noch schwer zu beantworten. Ich stelle es mir schwierig vor aus einem Orte zu stammen, der geschichtlich so stark belastet ist wie Dachau. Auf der anderen Seite braucht es junge motivierte Menschen, die bereit sind sich mit dem Thema zu befassen und ihrer Stadt trotz der düsteren Geschichte nicht den Rücken kehren, sondern ihr ein neues Gesicht geben, wie man so schön sagt.

Die Frage wie man zwischen dem Alltag in einem Konzentrationslager und dem eigenen Heim hin und her schalten kann, habe ich mir auch gesellt. Wieder kann ich nur sagen, dass ich ein paar tolle Denkanstöße in den Büchern von Marlantes dazu gefunden habe. Er schreibt (zusammengefasst, nicht zitiert): Dass es früher (WW1+2) bis zu zwei Monate gedauert um als Soldat von der Front weg oder zu ihr hinzukommen. Heute ist Krieg so „durchtechnologiesiert“, dass der Soldat vor dem PC eher auf ein Knöpfchen drückt (statt im Gefecht den Abzug seiner Waffe betätigt) und abends bei Frau und Kind am Tisch sitzen kann, obwohl er an einem Krieg beteiligt ist. Interessant fand ich Klars These, der aus der engen und fatalen! Verbindungen zwischen zivilem Alltag und Kriegshandlungen auf eine starke Zunahme von PTBS-Erkrankungen unter Soldaten schließt. Es fehlen die 2 Monate den Krieg hinter sich zu lassen und nach Hause zu kehren. Wer weiß, wie viele SS-Angehörige unter PTBS gelitten haben?

Ja, „Band of Brothers“ ist eine Serie, die ich sehr gerne mag und nochmal ja, auch Fanfiction zu den Hauptfiguren gehört für mich zu meinen Alltag, aber es ist nicht dass, was ich mit diesem Projekt verknüpft wissen möchte! Hier ist es wirklich nur der Anstoß gewesen, der mich auf die Reise geschickt hat.

Ich danke dir für dein Lob. Das Kapitel war nicht ganz leicht zu schreiben, da es in dem Sinne ja nichts „zu sehen“ gab. Tatsächlich bin ich an dem Tag viel ins Philosophieren gekommen und so sind auch die Betrachtungen zum Thema „Zeit“ entstanden. Freut mich, dass es dir so gut gefallen hat.

Nein, Schuld kann man uns wirklich nicht mehr anhängen, da sind wir „ausgewachsen“, aber Verantwortung, ja, dass halte ich auch für einen wichtigen Punkt. Mein Opa hatten früher im Flur, neben der Garderobe immer einen Spruch hängen: „Wir haben die Erde nicht von unseren Vätern geerbt, sondern von unseren Kinder geliehen.“

Liebe Grüße und herzlichen Dank für dein Review
Ramona
29.12.2018 | 13:19 Uhr
Hallo Ramona, du hast mir mit diesem wie ich annehme letzten Kapitel dieses Projektes wieder einen tiefen Einblick in dein Seelenleben und auch deine Verbundenheit mit Winters und der Easy-Companie gewährt. Ich danke dir für die Mühen die du auf dich genommen hast um das alles zu realisieren.
Ganz liebe Grüße
Günter

Antwort von RamonaXX am 05.01.2019 | 14:31 Uhr
Hallo Günter,

oft habe ich mich beim Schreiben gefragt, ob es vielleicht wie "Werbung" klingt? Denn das wollte ich ganz bestimmt nicht machen. Hätte ich "Band of Brothers" nicht gesehen, gäbe es dieses Projekt nicht. Das ist ein Fakt. Für mich steht da wirklich eine emotionale Verbundenheit dahinter. Schön, dass das so deutlich rausgekommen ist, dass Du es in deinem Review erwähnst.

Ramona
09.01.2019 | 22:10 Uhr
Liebe Ramona,

jetzt komme ich endlich dazu, deinen Bericht über Dachau zu lesen. Du hast mir einiges von meinem Besuch wieder in Erinnerung gerufen.
Als ich da war, war es zwar nicht unbedingt kalt, aber dafür wenig besucht.

Deine Gedanken zu evangelischer und katholischer Kirche haben gut zu deinen Beschreibungen gepasst, aber auch allgemein zu der Auslegung des Glaubens, denke ich. So ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich von dem evangelischen Niedersachsen ins katholische Bayern gezogen bin. Aber wie auch immer man Religion versteht oder lebt, es ist wichtig, dass es diese Gedenkorte dort gibt.
Denn wie du schon richtig beschrieben hast, ist der Glaube ein emotionaler Ausgang.

An die Pappeln kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich finde, sie haben etwas Tröstliches an sich, etwas Beständiges. Sie werden vermutlich noch etliche Jahre dort stehen und über das Lager wachen.

Ich konnte mich gut in deine Lage hineinversetzen und deine Gefühle nachempfinden. Es wirkt seltsam, wenn so viele Menschen Fotos von Konzentrationslagern machen. Zum Festhalten von Erinenrungen kann ich es noch verstehen, Dokumentationen sind ja schließlich nichts anderes, aber wieso man posieren sollte, weiß ich nicht.
Man befindet sich immer in einer Schwebe zwischen genug Respekt und Anstand, aber andererseits sollte man aus dieser Zeit eben kein Tabu machen und es als etwas abstempeln, über das am besten nicht geredet werden soll.
Es ist schwierig, eine Balance zu finden. Du machst das aber sehr gut!

Die 900 Kilometer haben sich für dich, aber auch für deine Leser gelohnt!

Liebe Grüße
Maria

Antwort von RamonaXX am 19.01.2019 | 22:48 Uhr
Liebe Maria,

sorry, dass Du so lange auf meine Antwort zu diesem Review warten musstest. Ich habe mal wieder die ganz normale Arbeitswoche hinter mir und wie so oft, fehlt mir da einfach die Zeit meinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Wahrscheinlich kennst Du das als Autor auch ein bisschen...? Na, jedenfalls haben ich es mir fest vorgenommen, dir an diesen WE zu antworten und bevor ich jetzt gleich wieder zu SPN hüpfe, mache ich das auch einfach!

Es klingt gut in meinen Ohren, zu lesen, dass Du meinen Bericht mit deinem Besuch damals verknüpfen konntest. Erinnerungen wach halten - nicht nur an die Toten - ist eine wichtig Sache.

Eben so interessant finde ich es, wie viel Lesen in ihrem Review auf den Glauben und meine Gedanken zum Thema Kirche eingegangen sind. So auch Du. Es tut gut zu hören, dass meine Gedanken Zustimmung finden und nicht negativ wirken oder ankommen. Auch die Katholische Kirche hat in meinen Augen ihre Daseinsberechtigung, nur kann ich mich eben mit dieser Auslegung das Glaubens nicht verbunden fühlen, weil mir die Grundhaltung zu gottesfürchtig ist. Ich denke das bringt es ziemlich gut auf den Punkt.

Die Pappel sind wohl tatsächlich ein Symbol für die Ewigkeit. Ich hoffe sehr, dass niemand auf die Idee kommt die eines Tages zu fällen! Es wäre wirklich ein Vermächtnis das zerstört wird. Selbst wenn man neue Bäume Pflanzen würde, es wäre nicht dasselbe!

Oh ja, die lange Reise hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, besonders wenn ich an die letzten beiden Kapitel (Landsberg und Nachwort) denke. Für mich ist es ein Projekt, von dem ich heute sage: Ich würde es kein zweites Mal machen, aber ich würde es immer wieder ein erstes Mal machen!

Und auch diesem Gedanken vor dir stimme ich absolut zu; es ist nicht leicht die Balance zu halten. Ein Tabu darf das ganz auf gar keinen Fall werden, ebenso wenig wie eine Belanglosigkeit, beides wäre fatal. Aber unsere Gesellschaft entwickelt sich ja und in manchen Dinge sogar eindeutig zum Guten. Zum Beispiel hat die öffentlich Toleranz Homosexuellen gegenüber in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Wen wir also öfter unser Wissen, unsere Erfahrungen und unsere Blickwinkel mit anderen teilen, führt das zu etwas Gutem, hoffe ich.

Viele Grüße und danke für deine vielen Zeilen!
Ramona
08.01.2019 | 23:02 Uhr
Oft erkennt man erst den Kern der Dinge, wenn man aus einer anderen Perspektive auf etwas schaut.

Mir ging es so, als mir ein Mitarbeiter der Libyschen Botschaft in Berlin zugeprostete und munter erzählte:
"Die Deutschen sind Gut, denn sie haben Juden abgeschlachtet!"

Seit diesem Tag verstehe ich die Ungerechtigkeit der Welt ein Stück mehr.
Keiner darf sich über andere Erheben!

Spiritualität ist oft die einzige Krücke die Hoffnung verspricht.
Keiner von uns kann sich vorstellen, wie die Menschen damals hofften, dass der Spuk ein Ende finden sollte.

Also es genau diese Orte, die als Bastionen gegen die AfD den Wahnsinn von rechtem Gedankengut standhalten müssen.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 12.01.2019 | 21:08 Uhr
Hallo Christian,

vielen Dank für dein Review. Es war wie immer schön ein paar Gedanken von dir Lesen zu dürfen.
Viele Dinge sind eine Frage der Perspektive. (Wahrscheinlich eigentlich alle.)

Bei der Betrachtung von Krieg jedoch habe ich festgestellt, dass die Bilder der unterschiedlichen
Betrachtungswinkel sich in vielen Extremen unterscheiden können.

Ich hatte leider bis her nicht die Zeit mich eingehender damit zu befassen,
aber Spiritualität - vor allem bei alten Kriegern in Asien - hat durchaus mein Interesse geweckt.

Es ist so eine ganz andere Betrachtungsweise, als zu sagen Krieg ist schlecht und damit Punkt.
Ich finde den Gedanken reizvoll, mir einen spirituellen Krieger vorzustellen, der seinem Gegner
mit Würde und Anerkennung gegenübertritt und für die Seele seines getöteten Feindes betet...

"Würde" ist genau das, was man den Menschen in den Konzentrationslagern genommen hat.
Sie ihnen wirklich "zurückgeben" können wir nicht, aber wir können Anteil nehmen.

Viele Grüße
Ramona
28.12.2018 | 19:54 Uhr
Liebe Ramona!
Auf dieses KZ hab ich ja gewartet die ganze Kolumne hindurch.
In Dachau waren wir nämlich auch.
Darüber hab ich in in meiner "Zugvögel"-Kolumne im (letzten) Kapitel 25 selbst drüber geschrieben.

Natürlich habe ich einen ganz anderen Schreibstil und es klingt ganz anders.
Ich hab dich sogar in meinem Kapitel empfohlen.

Am besten gefiel mir das mit den "singenden" Pappeln hier von dir.
wir waren an einem heißen Somemrtag dort, da "sangen" sie noch nicht.

Ich habe den Besuch dort aber auch anders erlebt als du.
Vielleicht, weil es mein 1. KZ war, und du nun doch sehr viele im Vergleich in sehr kurzer Zeit erlebt hast.
Das ist ja eine Mammutaufgabe von dir gewesen, emotional auch fordernd.
Mich hat Dachau sehr berührt.

Ich weiß nicht, ob alle diese Menschen so unberührt waren wie du sie siehst.
Die Jungen waren vielleicht erschüttert und haben einiges festgehalten, vielleicht auch für ein Schulprojekt.
Ich hab auch viel abfotografiert, weil ich es für meine "Zugvögel"-Kolumne in Erinnerung behalten wollte, mach das auch mit Schautafeln in Ausstellungen, wenn ich drüber schreibe. Du schreibst halt in dein Notizbuch. Mich lenkt ein schnelles Foto weniger von der Stimmung ab, kostet weniger Zeit und ich bleibe mehr bei dem, was ich gerade sehe.

Was Karl Marlantes sagt, trifft aber so sehr und noch viel mehr auch auf die heutige Zeit zu.
„Was Du nicht willst, das man dir tue, das füg auch keinem andern zu“ würde alle Gesetze überflüssig machen,
der Umkehrschluss mit Aug um Aug hat vermutlich nicht mal abschreckende Wirkung, weil Verbrecher niemals davon ausgehen, gefangen zuw erden, und weil einfach "normal" rücksichtslose Leute das für sich ja auch nicht so empfinden zu dem Zeitpunkt.

Wir waren in den Kirchen
und auch im Kloster drinnen, über dieses hab ich auch noch geschrieben.
Auch im Lagergefängnis waren wir.

Ich fand auch, dass Dachau gut besucht ist, aber es ist so weitläufig, dass es sich nach der Ausstellung dann im Freien gut verläuft. Und ich bin wirklich empfindlich, wenn wir zu viele Leute sind.
Ca. 800.000 Besucher strömen Jahr für Jahr nach Dachau, die Hälfte davon sind Schulklassen. Der Eintritt ist frei, was ich für richtig empfinde.

Das Lager Dachau ist der erste Ort im Deutschen Reich, an dem einem SS-Lagerkommandanten die alleinige Gerichtsbarkeit zugeteilt und geltendes Recht erfolgreich außer Kraft gesetzt wird. Die SS schafft einen „Staat im Staat".
Man muss sich vorstellen, die Verhaftung erfolgt ohne Prozess, weil einen irgendein Nachbar "vernadert" hat, eifersüchtig ist, eine Firma übernehmen will oder eine auf  diese Art frei werdende Wohnung. Die Todesmaschinerie der Nazis war und ist bis heute einmalig.

Ursprünglich ist gerade Dachau kein Vernichtungslager. Aber es ist die Vorstufe dazu, denn es liefert denselben zu.
Dachau ist in erster Linie ein Arbeitslager und am Anfang ausschließlich für männliche Häftlinge. Die SS beginnt eigene wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Billigste rechtlose Arbeitskräfte sollen profitabel in den eigens zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaften ausgebeutet werden. Wie Sklaven werden die Gefangenen dort gehalten, um im Straßenbau oder in Kiesgruben und später für die Rüstungsproduktion eingesetzt zu werden. Die Arbeit soll "erschöpfend sein, um ein Höchstmaß an Leistung zu erreichen".

Vielleicht ist es eine schöne Ergänzung, bei mir noch zu lesen, wie ich Dachau empfunden habe.
Deinen Kalender 2018 honoriere ich sehr, er ist was Besonderes.

Schöne letzte Tage im alten Jahr
und vor allem schöne erste Tage im neuen Jahr ;)
R ஜ

Antwort von RamonaXX am 12.01.2019 | 10:02 Uhr
Hallo Spatz,

ja, da gibt es wohl mehrere Leser, die auf das Kapitel über Dachau gewartet haben. Dass es so spät am Ende kommt, hat vor allem damit zu tun, dass es ja für mich sehr weit weg liegt und ich es mit dem Besuch in Landsberg verbinden wollte – effiziente Reisekosten-Planung.

Danke für die Empfehlung in deiner Kolumne. Ich kann mich dran erinnern, dass wir darüber gesprochen haben. Sicherlich werde ich mir dein Kapitel über Dachau auch noch mal vornehmen und reviewen. Mich interessiert dass sehr, wie Du diesen Ort wahrgenommen hat. Denn es stimmt schon, mein Blick auf Dachau ist ganz gewiss von meinen vielen anderen Reise stark beeinflusst worden.

Hm ja, mit den Fotos ist so eine Sache. Grundsätzlich finde ich das gut, wenn die Leute Fotos machen. Ich denke so bleiben die Dinge am meisten in Erinnerung. Aber wenn immer und überall Blitzlichtgewitter um einen ist, finde ich das sehr anstrengend. Mal ganz davon abgesehen, dass ich überhaupt nicht gerne fotografiere. Ich bin sogar einer der wenigen Menschen, der kaum ein Foto auf dem Handy hat…

Dass ich an einem Wochenende da war, ist sicherlich nicht irrelevant. Es war – besonders in der Ausstellung – schon wirklich sehr, sehr voll. An einem Tag unter der Woche wäre es sicher etwas leerer gewesen.

Ich gebe zu, die beiden erwähnten Bücher von Karl Marlantes haben mich sehr geprägt. Nirgendwo habe ich sooo viel über die Bedeutung von Krieg und seine Wirkung auf den Menschen gelernt wie beim Lesen dieser beiden Bücher. Es sind wirklich zwei nervenaufreibende Werke und mehr als ein Dutzend Mal habe ich die Bücher beim Lesen wütend vom Tisch geschleudert, weil ich nicht glauben wollte was da stand. Heute sind sie für mich wie ein gutes Lexikon, in dem ich immer mal wieder etwas nachschlage wenn ich Antworten auf eine bestimmte moralisch-ethische Frage suche.

Wenn Du Kloster und Lagergefängnis gesehen hast, werde ich deinen Bericht sicher ganz bald lesen! Das sind Orte, die ich ja nicht gesehen habe.

Jipp, Eintritt zu Gedenkstätten sollte immer frei sein. Wobei ich Rückblickend ich auch kein Problem damit habe in Frankreich 6 Euro bezahlt zu haben. Das Erhalten von Gedenkstätten ist ja auch eine Finanzierungsfrage…

Wenn ich auf das Projekt zurückschaue, finde ich es sehr interessant wie ich von meinem Prolog so nach und nach abgeschweift bin. Ich habe mein Projekt den Opfern des Holocaust gewidmet, aber vergleichsweise wenig über sie berichtet. Ich denke da gibt es andere Literatur, die besser dafür eignet ist, wenn man etwas über den Alltag und die konkreten Zustände in den Lager erfahren will. Ohne es beabsichtigt zu haben, ist aus diesem Projekt ein Konfrontation mit der Gegenwart und das Hinterfragen von Werten geworden. Ich denke, dass auch das eine Würdigung der Opfer in sich trägt.

Vielen Dank für dein ausführliches Review.
Es freut mich, dass Du so viele Gedanken mit mir geteilt hast.

Viele Grüße
Ramona
28.12.2018 | 19:37 Uhr
Hallo Ramona :)

Danke, dass du uns erneut mit auf die Reise zu der nächsten Gedenkstätten genommen hast. Wieder ein sehr emotional geschriebener und an sich toller Text, wobei diesmal wirklich auffällig ist, dass die Atmosphäre dort eine etwas andere war.
Ich kann die Menschen nicht verstehen, die solche Orte nur durch ihre Kamera betrachten. Es mag vielleicht der Trend in der heutigen Zeit sein, aber nachvollziehen kann ich es nicht. Schade. Egal ob Gedenkstätte oder Museum jeglicher Art. Man sollte den Ort spüren, sehen, fühlen und sich nicht durch Medien blenden lassen, wenn man schon dort ist.

Ich musste kurz schmunzeln, als du auf die evangelische bzw. katholische Kirche zu sprechen kamst. Deinen Worten kann ich so genau zustimmen. Ich bin katholisch getauft, aber mittlerweile aus der Kirche ausgetreten, da ich persönlich nicht glaube. Dennoch finde ich, dass deine Beschreibung der katholischen Kirche treffend ist. Ich sag nur, jahrelange Erfahrung ;)

In meinem letzten Review habe ich gesagt, dass ich mir irgendwann auch mal eine Gedenkstätte ansehen werde. Ich bin vor einiger Zeit umgezogen und habe letztens mit Freunden über deine tollen Berichte gesprochen. Mir war gar nicht bewusst, dass es hier in der Nähe, also meines neuen Wohnortes, ebenfalls einen Gedenkort gibt. Keine 20km entfernt! Das werde ich wohl schaffen ;) Du hast mich durch deine Texte motiviert, auch wenn ich diese Reise alleine antreten muss. So wie du :) Keiner möchte diesen Ort nochmals betreten (damals wurde wohl ein Schulausflug dorthin gemacht).

Also vielen, vielen Dank!

Einen schönen Abend wünsche ich dir.

Ganz liebe Grüße,
Fhaiye

Antwort von RamonaXX am 05.01.2019 | 14:54 Uhr
Liebe Fhaiye,

bitte entschuldige, dass ich nicht gleich geantwortet habe. Der Jahreswechsel war doch recht turbulent für mich und dann war ich noch ein paar Tage weg... Jetzt bin ich zurück und kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich dein Review gefreut hat. Du sprichst mir aus der Seele! Was ich in deinen Zeilen lese, ist genau das, was ich meine. Ich mache den Menschen mit ihren Kameras keine Vorwürfe, aber ich finde es halt einfach schade, weil die Fähigkeit zu "spüren" dadurch total verloren geht. Wirklich schade. Wenn ich in mein Notizbuch schaue und aus dem Gekritzel wieder ein Bild im Kopf zusammensetzte, ist das etwas ganz anderes, als ein geknipstes Bild zu betrachten.

Du stimmst meiner Sicht über die katholische Kirche zu? Oh, wow. Was für eine angenehme Überraschung. Ich wollte die katholische Kirche nicht negativ darstellen, nur wie ich eben dabei empfinde. Es tut gut, zu lesen, dass das geklappt hat. Übrigens, ich habe mal eine Klassenfahrt nach London gemacht. Dort waren wir abends in einem Gospel-Gottesdienst! Da ging beim Singen die Post ab!! Echt der Wahnsinn wie "happy" die Leute gewesen sind. So macht Glaube/Religion/Gottesdienst richtig Spaß!!

Dass würde mich echt glücklich machen, wenn Du dich durch meine Berichte ermutigt fühlst dich auf den Weg zu machen. Das hätte ich wirklich nie erwartet, dass meine Text die Kraft haben anderen Menschen Kraft zu geben auf des Thema "Holocaust" noch einmal zuzugehen. Denn seine wir mal ehrlich, den meisten ist es zu "unangenehm" sich neues Wissen darüber anzueignen. Nur der Satz "So etwas darf sich nicht wiederholen" wird uns aber auch nicht viel helfen, wenn irgendwann keiner mehr weiß "was" sich nicht wiederholen darf.

Ich wünsche dir ganz viel Energie für deine Besuch!
Und zum Jahresbeginn alles Gute!!
Ramona
28.12.2018 | 19:27 Uhr
Hallo Ramona,
ich bin in Dachau nie gewesen, obwohl ich häufig in München bin. Aber nach Deiner Beschreibung werde ich das auch nicht mehr machen. Vielen Dank für all die Mühen die Du auf Dich genommen hast um alles das zu Erfahren, und uns daran teilhaben zu lassen. Einige Dinge, die Du hier beschrieben hast, erwecken in mir das Gefühl Dir an anderer Stelle ein paar Worte zu schreiben. Ich werde, wenn die gefühlsduselige Zeit wieder abgeklungen ist, mich bei Dir melden. Besonders zu den schnatternden Gänsen, und der Sicht von Ausländern auf diese Greueltaten möchte ich Dir dann mal meine Erlebnisse schreiben. Aber wie gesagt, da muss es auch um mich herum passen. Falls wir in den nächsten Tagen nichts mehr von einander hören, wünsche ich Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr(nicht zu wörtlich nehmen!) und einen angenehmen Beginn von 2019.
Alles Liebe Günter
PS Auch ich habe das Buch vor einigen Jahren auf Wunsch eines Freundes von mir(ebenfalls vietnamgeschädigt) gelesen, damit ich manches von dem was der Freund bis heute erleidet überhaupt verstehen konnte. Wir schreiben uns noch regelmäßig und das nicht nur zu Weihnachten.
GlG
Günter

Antwort von RamonaXX am 05.01.2019 | 14:27 Uhr
Hallo Günter,

oh, da bin ich aber etwas überrascht, dass Du Dachau nicht kennst. Umso schöner, dass Du dein Lob so großzügig ausfällt. Vielen Dank dafür. Das war wirklich nicht leicht all die Gedenkstätten zu besuchen und immer einen Bericht darüber zu schreiben. Was Touristen an denkwürdigen Orten angeht, gibt es wohl ein Menge skurriler Geschichten. Ich bin mir sicher, Du, mit deiner vielen Reiseerfahren, kannst da sicher auch das ein oder andere erzählen.

Wow, das hätte ich nicht erwartet, noch mal jemanden zu treffen, der das Buch von Marlantes kennt. Für mich war es eines dieser seltenen Bücher, die ich beim Lesen vor Erregung gegen die Wand geschleudert habe und vor Schreck vom Tisch aufgesprungen bin. Da drin stehen Sachen... wow, die haben mich echt aus der Fassung gebracht und mich sehr stark zum Nachdenken angeregt. Es ist für mich ein bewegendes Werk über die Bedeutung von Krieg und wie man als Zivilist mit Soldaten umgehen sollte.

Viele Grüße
Ramona

P.S. Danke, das neue Jahr hat für mich fantastisch begonnen und ich genieße ein letztes freies Wochenende bevor es wieder mit dem Alltag losgeht.
04.01.2019 | 23:02 Uhr
Wieder eindringlich beschrieben. Aber auch diese Gedenkstätte könnte mehr erzählen.
Vollkommen unter dem Gedanken an viele Volksgruppen wird der Aderlass der Offiziere im Widerstand verschwiegen.
Wenn ich die Zahlen noch recht im Kopf habe, wurden etwa 100 000 Offiziere von den Nazis ermordet.
Es gibt zu diesem Thema einige Bücher, aber erst die Hinweise einiger Offiziere führten dazu, dass überhaupt einmal daran gedacht wurde dieser Idee zu folgen.

Irgendwann, wird vielleicht einmal ein Denkmal gebaut, welches alle Opfer benennt.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 05.01.2019 | 14:38 Uhr
Hallo Christian,

ja, hier hätte ich mehr schreiben können - so wie bei vielen der anderen Kapitel auch.
Allumfassend sind solche Berichte ja nie, es ist eine Momentaufnahme. Orte verändern sich.
Ich finde es sehr anregend immer wieder deine Gedanken dazu lesen zu dürfen.
Das gibt Input für weiteres nach- und überdenken. Kann ich gut gebrauchen.

100 000 ist ja schon eine verdammt große Zahl. Aber der Krieg war ja auch nicht kurz.
Ich mag die Aufgabe, den Blick auch einmal auf die Opfer zu richten, die nicht auf Grund
ihres Glaubens oder ihrer Zugehörigkeit zu anderen Gruppen getötet wurden. So was tut nicht jeder.

Viele Grüße
Ramona
26.11.2018 | 08:43 Uhr
Liebe Ramona!
Du bist schon mutig, was du für Reisen unternimmst, aber diese Kolumne ist sicher auch ein guter Motivator.
Mit Englisch kommt man wohl heutzutage in Touristengebieten überall durch.

Wie ich dich für dieses geschilderte Wetter beneide. Aber im August war es auch in Ö noch sehr heiß.
Das Wetter in Wien jetzt ist unterirdisch, nämlich genauso finster, feucht wie in einer Höhle, kein Himmel zu sehen, nur wärmer wäre es in einer Höhle...

Du bist fasziniert von Bergen, wir Österreicher sind fasziniert von Ebenen bis zum Horizont.
Sogar Wien im Donautal hat seine Hausberge.
Eigentlich sind das für uns Hügel, was meine Besucher als Berge bezeichnen,
wo doch die Alpen Gletscher über 3.000m haben.

Die Frage, wieso Menschen zu einer Grausamkeit fähig sind, die kein Tier besitzt,
wird man als "normaler" Mensch wohl nie verstehen können.
Refeeding war wohl nach der Befreiung noch einmal eine große Gefahr.

Ein sehr anstrengender Ausflug für dich.
Noch anstrengender das Klima dort und die bergigen Gegebenheiten für die Häftlinge/Zwangsarbeiter.
Wer nicht mehr konnte, wurde wohl getötet.
Das motiviert zum Durchhalten.

Danke fürs Teilen eines weiteren Mahnmals.
Das ist eine tolle Kolumne!
Lieben Gruß.
R ⌘

Antwort von RamonaXX am 08.12.2018 | 19:10 Uhr
Hallo Spatz,

bitte entschuldige, dass diese Antwort sich so lange hingezogen hat.
Aber ich war viel beschäftigt und komme mit dem Antworten dann einfach nicht so schnell hinterher.
Schließlich möchte ich mir ja auch Zeit für meine Leser nehmen und mehr schreiben als nur ein kurzes "Danke".

"Danken" will ich dir indes so oder so!
Es ist einfach toll von dir immer einen Rückmeldung zu bekommen, wo das Thema ja doch nicht leicht ist.

Mut gehört zweifelsfrei dazu, solch ein Projekt und die vielen Reisen in Angriff zu nehmen.
Wobei ich nicht unterschlagen möchte, dass ich - dank meines Alters - auch eine Menge Naivität im Gepäck hatte.
Ich habe wirklich keinen einzige Minute daran gedacht, was ich mir da zumute. Also an Aufwand und auch finanziell.
Schließlich musste ich nicht nur die Reisen bezahlen, sondern auch Unterkunft und Essen.
Aber das ist ein anderes Thema...

Ja, Berge sind schon irgendwie faszinierend für mich.
Habe ich halt nicht vor der Tür - im Gegensatz zum Meer. ;-)
Das Wetter an dem Tag ist mir wirklich stark in Erinnerung geblieben.
Jetzt ist es hier in Kiel auch grau-in-grau.
Seit vier Tagen haben wir Dauerregen und es wird gar nicht hell, bis die "Sonne" um 15:30 Uhr wieder untergeht.
Aber na ja, es kommen auch wieder warme, strahlende Tage...

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass dieses Jahr und damit auch dieses Projekt bald zu Ende geht.
Es ist viel Arbeit und Energie reingeflossen. Mehr als ich erwartet habe.
Aber ich lebe immer noch mit dem Gefühl, dass es sich gelohnt hat.
Neue Projekte für 2019 stehen schon am Start.
Und es geht wieder mehr in den FF-Ecke, weg von "Krieg".

Liebste Grüße und auf bald
Deine Ramona
25.11.2018 | 19:18 Uhr
Hallo Ramona, da ich ja aus Aachen (Aix-la-Chapelle) stamme, war es das Erste das ich als Kind besuchen musste, Vielleicht liegt es daran, dass ich, damals 15jährig, noch klein war, aber mir kam dieses Lager und besonders der Steinbruch viel größer vor. Wir haben in der Nähe in einenr JH übernachtet und sind dort 3Tage zur "Aufklärung und Andacht", (Besichtigung halte ich hier für den falschen Begriff) gewesen. An den Aufsatz von damals(handgeschrieben), kann ich mich noch gut erinnern. Deine Beschreibung kommt mir deshalb ,Verzeih, etwas dürftig vor. Aber jeder erlebt solche Dinge anders. Dieses Terrassen haben uns die Lehrer mehrmals hoch und runter laufen lassen. Auch daran erinnere ich mich noch. Das war für mich, der ich damals völlig unsportlich war, die Hölle. Trotzdem Danke für Deine Beschreibung und das Auffrischen meiner Erinnerungen.
Günter.
PS: in Absprache mit meinem Sohn, werde ich mit dem großen Enkel erst in zwei Jahren einmal mehrere Konzentrationslager besuchen.
Alles Liebe Günter

Antwort von RamonaXX am 27.11.2018 | 22:50 Uhr
Hallo Günter,

vielen Dank für dein Review. Auch deine Kritik ist einen Dank wert! Im Steinbruch bin ich nicht gewesen. Manche Lager sind einfach so groß, dass man in vier Stunden unmöglich alles sehen kann. (So lange brauche ich immer im Schnitt für eine Erkundung.) Dann habe ich aber auch so viele Informationen und Eindrücke aufgenommen, dass mein Hirn gesättigt ist. Das Besucherzentrum mit seiner Ausstellung über den Widerstand hat es ja zu deiner Zeit noch gar nicht gegeben. Für mich war es ein großer Magnet. Und dass ich nicht zum Haus mit der Gaskammer gegangen bin, liegt schlicht daran, dass ich mir den steilen Aufstieg auf dem Rückweg nicht zugetraut habe. Die Hitze an dem Tag hat mich echt fertig gemacht - außerdem war das Hotel eine Vollkatastrophe. Auf dem Trip kam so einiges zusammen, war der schlechteste von allen... (Hab auf der Hin- und Rückfahrt mit dem Zug je 120min Verspätung gehabt. Hast Du schon mal 11,5 statt 8,5 Stunden im Zug gesessen??) Danke für deine treue und verlässliche Rückmeldung.

Viele Grüße
Ramona

P.S. Ich finde es gut, dass Du deinem Enkel ein KZ zeigen willst. Ich hole diese wichtige Erfahrung jetzt mit Mitte Zwanzig nach.
04.01.2019 | 22:39 Uhr
Du beschreibst Deine Gefühle und Eingebungen sehr intensiv. Ja, so intensiv, wie diese Orte auch sein sollten.
Gedenkstätten sollten an etwas erinnern, was man harmlos als finsteres Kapitel der Deutschen Geschichte umschreiben könnte.
Aber dieser Begriff reicht nicht, denn Nationalismus, gepaart mit falschen Idealen und naiven Ansätzen dümmlicher Leute (Hitler, Himmler und sonstiger Nazigrößen) stürzten mehr als ein Volk ins Unglück.

Die Menschlichkeit erstarb an vielen Orten. Menschen wurden durch die Nazis massenhaft ermordet, weil sie anders dachten, eine andere Religion hatten oder nicht in das Konzept der Nazis passten.

Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn wo sind die Gedenksteine für die gepressten Soldaten, die ebenfalls erschossen wurden, weil sie diesem Treiben nicht folgen wollten. Wenn ich mich recht erinnere war es um das Jahr 2006, als endlich die Fahnenflüchtigen Soldaten rehabilitiert wurden. Die hingerichteten Wachen und Soldaten schließt dies aber leider auch nicht ein.

Ja, wir müssen an dieses Versagen der Menschlichkeit erinnern, aber dann sollte aber bitte auch endlich ein Denkmal entstehen, um die ganze Wahrheit zu umschreiben. Sind die etwa 5 000 000 Deutschen Frauen, die vergewaltigt wurden nicht ebenso Opfer?

Fein und eindrucksvoll geschrieben.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 13.01.2019 | 16:21 Uhr
Hallo Christian,

vielen Dank für dein Lob. Meine eigenen Gefühle in Worte zu fassen, scheint bei diesem Projekt eindeutig meine Stärke zu sein. Ich weiß auch nicht wie es kommt, dass ich darin so gut bin, aber ich bin's und am Ende sehe ich auch viele Vorteile für mich in dieser Fähigkeit. In den vielen Monaten, die ich unterwegs gewesen bin, habe ich doch einiges an Eindrücke aufgenommen. Ich stelle es mir schwierig vor mit all diesem Ballast rumzulaufen zu müssen, hätte ich nicht die Chance darüber zu schreiben.

Wohl wahr, der Glaube an den Nationalsozialismus hat viele Menschen das Leben gekostet und noch viel mehr vermutlich einen Teil ihrer Seele. Es ist es System gewesen in dem viele zu Opfern geworden sind und ganz gewiss gibt es Gruppen, die heute noch auf Anerkennung warten. Rückblickend kann ich mein Schulwissen nur als lückenhaft bezeichnen, denn damals hat man mir beigebracht, dass Juden verfolgt wurden. Was ist mit geistig und körperlich Behinderten? Mit Homosexuellen? Mit den Zeugen Jehovas? Mit politischen Gegnern oder allgemein Andersdenkenden? Davon wurde nichts erwähnt!

Mich beschäftigt heute am Meisten, dass viele Leute mit denen ich ins Gespräch komme eine schlechtes Bild von Soldaten im Kopf haben. Aber wie Du schon richtig sagst, sind manche der Männer für ihre Überzeugungen und ihren Glauben an die Menschlichkeit in den Tod gegangen; habe sich geopfert. Es ist wirklich bedauernswert, dass niemand über diese Soldaten spricht. Verdient hätten sie es, dass wir uns an ihre Taten erinnern und nicht nur in der Schule das Schicksal von Anne Frank und den Geschwistern Scholl erzählen...

Viele Grüße
Ramona
30.10.2018 | 07:43 Uhr
Liebe Ramona!
Nun bist du also in meiner Heimat.
Mauthausen will ich definitiv auch noch besuchen. Schande, dass ich nur in Deutschland KZ besucht habe.
Urlaube nützt man aus, in der Heimat sagt man immer: "Das läuft uns nicht weg, wird schon mal passen."
Es ist ja doch nicht ums Eck von Wien für einen Tagesausflug, sind doch 2x ca. 200 km.
Meine Kinder waren mit der Schule dort. Ich hoffe, sie haben sich nicht kritzelnd verewigt. Sicher nicht, waren ja mit Lehrpersonal.

*lacht*
Was habt ihr alle nur mit dem österr. Dialekt,
ihr habt in D ja selbst so viele verschiedene Dialekte,
und wir Ösis kommen mit jedem Einzelnen von euren deutschen z.B. im TV gut zurecht.

Tja, Ö ist ein bergiges Land, dabei sind das nicht mal noch die Alpen. Für uns ist es gerade mal ein "Hügel".
Mit dem Auto wärst du sicher näher heran gekommen?

Wir haben heute noch viele Steinbrüche in Ö, aber natürlich keine Zwangsarbeit mehr.
Maschinen sind in bergigem Gelände immer schwerer einsetzbar.
Um Mauthausen liegen auch viele stillgelegte Steinbrüche.
Die Plexiglas-Sicherung ist so typisch Ö + D. In Griechenland kann man überall z.B. bei Ruinen bis an den Rand gehen, keine Warnschilder, man vertraut den Leute, dass sie darauf achten, ob der Rand bröckeln könnte. Warum wird uns das vernünftige Denken aberzogen?

Das mit der Hitze glaube ich dir. Aber immer noch besser Besucher als die, die in der Hitze dort schuften mussten.
Und wahrscheinlich haben sie noch "dankbar" geschuftet, bedeutete das immerhin, dass sie noch weiterleben durften.
Wer es körperlich nicht mehr geschafft hat, wurde eh getötet. Schlimm...

Wie es heute noch Holocaust-Leugner geben kann, ist mir unbegreiflich.
Alles Gute!
~ Sparrow

Antwort von RamonaXX am 03.11.2018 | 09:09 Uhr
Liebe Net Sparrow,

ja, das war mein Besuch in Österreich. (Zumindest was dieses Projekt betrifft.)
Ich freue mich, dass es dir gefallen hat und Du so viele Gedanken dazu geschrieben hast.

Was das Reisen betrifft, geht es mir wohl ganz ähnlich.
Die Sachen, die "vor der Tür" liegen, sieht man sich selten(er) an.
Da müssen schon mal Leute von weiter weg kommen und davon "schwärmen".

Naja, mit dem Dialekt ist das so ne Sache...
Klar, in Deutschland gibt es jede Menge - und nein, ich komme mit den meisten nicht zurecht.
Obwohl ich hier oben im Norden groß geworden bin, spreche und verstehe ich zum Beispiel kein Plattdeutsch.
Bei Besuchen in Österreich muss ich mich immer erst ein bisschen Einhören, dann geht's.
Nur nach einer schlaflosen Nacht, morgens um 7 am Bahnhof - da hat es nicht geklappt. ;-)

Richtig, was in meiner Auffassung "Berge" sind, sind für andere "Hügel" oder sogar "Hügelchen":
Aber auch dafür mag ich dieses Projekt, es ist ja doch auch ein stumme Liebeserklärung an die Heimat.

>>Warum wird uns das vernünftige Denken aberzogen?<< Gute Frage!
Wenn man drüber nachdenkt, würden einem sicherlich noch mehr Beispiele aus dem Alltag einfallen.

Ich danke dir mal wieder für dein tolles Review und dass Du hier so fleißig mitliest!
Stammleser sind Gold wert! Ein absolutes Glück, dass das Herz des Autors mit Freude füllt.

Herzliche Grüße
Ramona
01.01.2019 | 12:01 Uhr
Die V 2 hört sich ungefährlich an, aber sie brachte viel Elend über die Welt.

Werner von Braun und Dr. Karl Brunner sind die Erbauer der Rakete. In Penemünde wurden sie getestet von ca. 10 000 Technikern und Ingenieuren. Bereits 1943 war den Alliierten bekannt was dort vor sich ging und sie erkannten die Möglichkeiten für ihre eigene Technologie.

Aus diesem Grund begingen sie Kriegsverbrechen, denn sie griffen nicht die Rüstungsbetriebe an sondern die Zivilisten in den Städten. Aus meiner Arbeit weiß ich, dass keine Munitionsanstalt, kein wirklich wichtiger Militärbetrieb angegriffen wurde.
Militärische Betriebe hoher Ordnung waren statt dessen Firmen wie Enka, Götting die Kunstseide für Fallschirme herstellten oder Zelte für die Armee. Versehentlich oder mit wirklich unzureichenden Mitteln bombardierten sie die Henschelwerke (Panzerbau), die Dornierwerke. %0 Bomben auf 10 Hektar Land sind weniger als 1 % der Bombenmenge, die sie auf Städte abwarfen.

Es ist bekannt, dass W. v. Braun und Dr. Karl Brunner zu den Amis gingen und das Apollo Projekt leiteten. Die 10 000 Heinkelwerker aus Penemünde wurden nach Russland deportiert, wo sie alle ermordet wurden, nachdem sie für die Russen die ersten Raketen gebaut hatten. Mein Großvater wählte den dritten Weg. Mit falschen Papieren ausgestattet geriet er in Russische Kriegsgefangenschaft und floh über 1000 Kilometer bis nach Schweden.

Insgesamt gesehen war der Bau der V 2 ein militärischer Fehlschlag, denn die Atomwaffen wurden vor Ende des Krieges nicht fertig, weil sie niemals die kritische Masse mit ins Kalkül zogen. Wären die Nazis vernünftige oder rational denkende Menschen gewesen, dann hätten sie den Krieg gewinnen können, aber sie waren eine Laienspieltruppe die zu dumm waren.

Opfer dieser Idiotie waren KZ Häftlinge, Ingenieure und etwa 100 000 Männer, die mit den Häftlingen arbeiteten. Oh, ich sehe die Fragezeichen. Wie sollte ein unterernährter Geigenbauer in einem Stollen richtige Bohrlöcher anlegen, um den Felsen zu sprengen. Dieser Missstand wurde tausendfach beklagt und verzögerte jede Baumaßnahme oder führte zu enormen zeitlichen Verzögerungen. Viele Unglücke passierten, die oft hunderte in den Tod rissen.

Dieser erste Gedanke, soll das Unglück darstellen, welches der Naziterror in jeden Winkel des Reiches trug. Opfer wurden viele Menschen, also Juden und andere Gruppen, politische Gegner, die Bevölkerung und auch die jungen Männer, die sicherlich nicht gerne ruhmreich irgendwo im Dreck verendeten.

Die KZ waren dabei nur ein Baustein, denn der Terror zerfraß ein ganzes land. Somit hier mein Fazit dazu: Das Elend des Krieges und Terrors muss in den Köpfen aller Menschen erhalten bleiben, nur so kann ein solcher Wahnsinn verhindert werden.

Du schreibst eindrucksvoll und bewegt über Deine persönlichen Erfahrungen. das ist gut und anschaulich und lässt hoffentlich viele nachdenklich werden. Jetzt fehlt nur noch der Weg zu diesem Wahnsinn, denn das würde offen den Weg in den Untergang darstellen.

Liebe Grüße an Dich und Deinen Mut, um uns dieses so plastisch darzustellen.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 13.01.2019 | 17:53 Uhr
Hallo Christian,

da sieht man mal wieder, dass es viel mehr zu lernen und zu erfahren gibt, als ich jemals in diesen Berichte hätte schreiben können. Was es über die Zeit des Nationalsozialismus zu wissen gibt, geht weiter über die KZs, das Leben der Opfer und viele andere Dinge hinaus. Auch politische Verstrickungen und Machenschaft gehören dazu, ebenso wie Waffentechnik.

Ich gebe zu, mit der Technik und den Hintergründen, die sich mit der V2 befassen, habe ich mich nicht näher beschäftigt. Aber es war schon wirklich sehr interessant die verrosteten Reste in dem Stollen zu besichtigen. Mittelbau-Doro würde ich sogar wieder besuchen, wenn mich jemand bitten würde ihn dorthin zu begleiten.

Die Besichtigung im Stollen hat wirklich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Nicht zuletzt, weil ich weiß, das mein Großvater nach dem Krieg in einem Bergwerk gearbeitet hat.

Es ist mal wieder erstaunlich, wie viel wissen Du einfach so aus dem Ärmel zu schütteln scheinst. Es ist die Art von Wissen, die man wirklich nicht im Schulunterricht vermittel bekommt oder beim Besuch einer Gedenkstätte spontan im Vorbeigehen aufschnappt.

Von den vielen Todesfällen und Unglücken haben ich dann schon mehr auf dem Gang durch die Stollen aufgeschnappt. Es ist ein wirklich seltsames Gefühl dort zu stehen, mit dem Wissen eher eine Grabkammer, den einen alten Stollen betreten zu haben. Nirgendwo habe ich mich den Ereignissen so nah gefühlt, wie in diesem dunklen und kalten! Stollen.

Und wieder hast Du eine Tüte Lob für mich im Gepäck. Herzlichen Dank, ich weiß das sehr zu schätzen und es gibt dem Ganzen doch einen echten Wert, zu hören, dass ich mutig war und meine Gedanken und Gefühl gut bis zum Leser getragen haben; sie eindrucksvoll und bewegend gewesen sind.

Ich habe nicht ein Mal daran gedacht etwas im fiktiven Bereich zum Thema Holocaust zu schreiben. (Wobei sich durchaus die Frage stellt, was bei meinem intensiven Schreibstil dabei rausgekommen wäre...) Damals war es keine Option für mich, da ich zu wenig über das Thema wusste und heute ist es keine Option, weil die Dinge, die ich weiß mich aus Respekt einen Schritt zurücktreten lassen.

Selber die Erfahrung, die Erinnerung zu suchen und darüber zu schreiben, war, so denke ich, die besten Entscheidung. Was ich in all den Gedenkstätten gelernt und gesehen habe, kann mir keiner nehmen und ich bin davon überzeugt, dass es kaum einen besseren Weg gibt sich persönlich an der Verantwortung für unsere Welt zu beteiligen als die Augen aufzumachen und hinzusehen.

Ich laufe heute mit feineren Antennen für Ungerechtigkeit durchs leben, urteile weniger vorschnell und versuche auch die Lage des Gegenüber wahrzunehmen. Ein guter Schritt sich die eigenen Menschlichkeit zu erhalten, oder nicht?

Viele Grüße
Ramona
01.09.2018 | 12:20 Uhr
Liebe Ramona!
Diese Bilder, die du für den letztjährigen Kalender "ausgegraben" hast, waren alle was Besonderes.
Mir gefällt, wie genau du immer hinschaust.
Ich hätte da auch auf die Führung nicht verzichtet, wenn man den Stollen anders nicht betreten darf, obwohl ich wie du auch lieber im Alleingang besichtige.

Ich glaube, diese damaligen Reden wirken heute nicht mehr, weil wir schon wissen, wie es ausgegangen ist, und weil es nicht mehr der Zeitgeist ist.
Aber es gibt nach wie vor Reden, die aus falschen Gründen Feuer anfachen, kein gutes Feuer.

Knapp außerhalb von Wien war auch eine unterirdische Fliegerfabrik, wo gebaut wurde, aber es war eine Fabrik, kein KZ.
Du warst im März dort, du hättest jetzt im August dort sein müssen, da wäre es im Stollen wohl angenehm kühl gewesen.

Ich glaube, diesmal hast du besonders emotional und persönlich geschrieben,
dich besonders tief drauf eingelassen, kommt mir vor.

Bin neugierig, was du über deinen Österreich-Besuch schreiben wirst.
Ich wünsche dir einen schönen September!
R (❁´‿`❁)

Antwort von RamonaXX am 18.09.2018 | 07:39 Uhr
Lieber Internet-Spatz,

vielen Dank für dein treues Review, auch zu diesem Kapitel.
Und bitte entschuldige, dass es momentan etwas mit dem Antworten bei mir dauert.
Privat schwimme ich seit Wochen durch meinen Alltag und warte darauf das endlich mein Urlaub beginnt...
Insofern bleibt das Pflegen von Kontakten etwas auf der Strecke.
Aber ich will nicht jammern. Am 27.09. geht's endlich los mit Urlaub.

Zurück zum Review:
Was deinen Eindruck betrifft, so denke/fühle ich ähnlich.
Der Besuch in Dora war besonders. Besonders intensiv und eben auf seine eigenen Art und Weise schön.
Andere Orte habe mich auch "geflasht" aber Dora war bei alle dem etwas "ruhiger".
Wenn ich durch die alten Kapitel blättere, bin ich manchmal erstaunt, was für "Kleinigkeiten" in die Texte eingeflossen sind.
Aber ich denke, dass "sich-drauf-einlassen" und "genau-hinsehen" macht das Herzstück dieses Projektes aus.

Wenn ich den Kopf dafür frei hätte, hätte ich gerne schon mit dem Kapitel über Mauthausen angefangen.
Durch meine Paten in Wien verbinde ich ja doch ein Stückchen Heimat mit der Stadt.
Jedenfalls fühle ich mich in Österreich nicht fremd.
Ich denke mal, dass das auch ein Stück weit in den kommen Text mit einfließend wird... ;-)

Ich freue mich auf dein nächsten Review!
(Auf dass ich die Zeit zum Schreiben finde.)

Herzliche Grüße
Ramona
31.08.2018 | 20:16 Uhr
Hallo Ramona, vielen Dank für die Empfehlung. Ich werde ihr noch in diesem Jahr folgen und Dora besichtigen. Auch für die Beschreibung Deiner Gefühle. Da ist für mich manches nachvollziehbar.
Alles Liebe und viele Grüße Günter

Antwort von RamonaXX am 03.09.2018 | 22:39 Uhr
Hallo Günter,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Es freut mich, dass in meiner Liste noch ein weiterer Ort ist,
denn Du noch nicht besichtigt hast. Schön, dass Du jetzt den Entschluss dazu gefasst hast.
Ich bin gespannt wie deine Eindrücke von Dora ausfallen werden...

Viele Grüße
Ramona
08.12.2018 | 21:06 Uhr
Es fällt mir hier eines auf. Du hast den Widerspruch nicht angesprochen.
Die Nazis errichteten einen Bismarkturm, der durch SED Funktionäre oder Kommunisten gesprengt wurde.

Hey, Du bist hier auf den Spuren Goethes gewandert. Ich nehme an, der Freigeist Goethe wäre zornig über diese Entweihung
heiligen Bodens gewesen. Vielleicht kann man es so darstellen. Überall wo besonders große Kirchen stehen, befanden sich früher Germanische oder Keltische Kultplätze. Um einerseits die Kulte zu unterbinden bauten eifrige und zumeist dumme Mönche prächtige Kirchen darüber. Die Nazis hingegen vereinnahmten Goethe für ihre schmutzige Propaganda, sie merkten nicht einmal, wie dumm sie waren.

Weimar ist ein kulturelles Juwel, dass die Nazis bewusst oder unterbewusst schändeten, missbrauchten und dennoch nie überwinden konnten.

Nun zum KZ, es ist immer ein Horror, dass Menschen zu solchen Taten fähig sind. Zumal hier zunächst politische Gegner interniert wurden. Die gut betuchten Gegner wurden danach nach Theresienstadt umgesiedelt.
Ja, hier wurden Menschen ermordet, zum Glück haben wir heute ein Grundgesetz, welches die Leute vor derartiger Verfolgung schützt. Aber ich muss meinen Zeigefinger mahnend erheben.

Es darf nicht vergessen werden, ansonsten kehren solche Zeiten zurück. Ich denke an so kranke Geister wie die AfD Führungsriege, Marie le Pen, diesen Holländer, der alles leugnet und viele andere Idioten, die nicht begreifen, dass solche Regime nur Terror bedeuten.

Glaubst Du, dass Goethe jetzt noch stolz wäre ein Deutscher zu sein, da man auch sein Erbe schändete.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 09.12.2018 | 21:47 Uhr
Hallo Christian,

also nein, dieser Widerspruch ist mir glatt entgangen. An den Orten, an den ich gewesen bin und auf den Infotafeln, die ich gelesen haben, stand nichts davon geschrieben. Interessant zu wissen. Es gibt sicher vielen Dinge, die über die Zeit errichtet und wieder zerstört worden sind.

Auch Goethe ist mir in dem Sinne nicht begegnet. Wenn ich ehrlich bin erinnre ich mich bei diesem Namen auch nur an furchtbar langweiligen Deutschunterricht in der 12 Klasse. Ich finde es gibt Dinge für die der "Durchschnittsteenager" einfach nicht offen ist: Nationalsozialismus und Goethes "Faust" gehören für mich eindeutig dazu. Dem ersten haben ich mich jetzt mit 26 gewidmet. Wer weiß, vielleicht folgt das zweite auch noch irgendwann.

Weimar habe ich noch nie besucht. Ich bin allerdings auch nicht so der Typ für Städtereisen.

Was der Mensch dem Menschen antun kann, ist schon wirklich schwer zu begreifen. Für mich ist es leichter geworden, seit ich mir überlegt habe, dass es etwas mit dem "Feindbild" zu tun haben muss. Wer aktiv Feinbilder schürt, die einem anderen Menschen seine Würde aberkennen, hat den ersten Schritt in die falsche Richtung bereits hinter sich.

>>Es darf nicht vergessen werden, ansonsten kehren solche Zeiten zurück.<< Was das betrifft, bin ich wohl auf einem guten Weg. Ich habe schon viele Reviews von jungen Lesern in meinem Alter erhalten, die es gut und wichtig finden, dass sich jemand ihrer Generation diesem Thema annimmt. Wenn dieses Projekt dazu beträgt, dass sich mehr junge Menschen mit dem Thema Holocaust befassen, sich selber auf die Suche nach Informationen machen und beginnen zu hinterfragen, dann habe ich in meinen Augen viel erreicht.

Ob Goethe stolz wäre? Bitte frag mich nicht nach Goethe. (Nicht mein Gewässer.)

Viele Grüße
Ramona
31.07.2018 | 22:02 Uhr
Liebe Ramona!
Da ich ziemlich lange im Spital war, war ich froh, dass du diesmal später gepostet hast.

Die Postenpflicht ist extrem menschenverachtend. Wie alles damals.
Irgendwie gruselig, auf dem Memorial-Gelände zu wohnen.
Andererseits gibt es in Wien im Schloss Schönbrunn zivile Mietwohnungen.
Zu viele Leute tags, aber nachts muss es sehr friedlich sein. Zumindest in einem Schlosspark.
Ich gehe auch nicht gerne in einer Herde, das killt jede Atmosphäre.

Buchenwald ist also ganz anders als vorige Lager.
vielleicht auch dank des schönen Sommerwetters?
Bestimmt wären an jedem Tag egal welches Wetter so viele Leute,
das sind Reise- und Busgruppen und Urlauber, die dann kommen müssen, wenn es gebucht wurde.
Die Türme, die du erst so spät zuordnen konntest, war schon sehr betroffen machend.

Du hast es wieder sehr interessant, detailliert
und voll sehr persönlicher Eindrücke beschrieben.
Und natürlich mit einem ausgezeichneten Schreibstil.
Liebe Grüße.
R (◠‿◠❀)

Antwort von RamonaXX am 01.08.2018 | 22:04 Uhr
Lieber Spatz,

da warst Du aber wieder flott mit dem Lesen!
Ich habe echt eine Ewigkeit an der Korrektur von diesem Kapitel gesessen.
Noch dazu, weil es so verflucht lang geworden ist.
Aber ich hatte nicht das Gefühl irgendeines der ca. 5.000 Worte weglassen zu können.

Ja, die heutige Nutzung von historischen Gebäuden und Bauwerken ist schon seltsam...
Noch bin ich ja nicht mit Reisen durch. Drei Gedenkstätten gilt es noch zu besuchen.
Mal sehen, was es da noch für Sonderbares zu entdecken gibt.
Aber eben für genau solche Moment mach ich das Ganze ja auch.
Es sind Dinge, die ich erst glauben kann, wenn ich davor stehe.

Meine Berichte sind ungefiltert und ungeschönt.
Wenn ich irgendwo in einer Annahme hineinlaufe,
die sich später als "nicht richtig" herausstellt,
dann schreib ich das auch genau so in die Texte.
Ist auch eine Art von Authentizität.

Danke für dein Lob und deine vielen Worte.
Stammleser wachsen einem ans Herz. :-)

Herzliche Grüße
Ramona
16.11.2019 | 18:37 Uhr
Ja, genau, du siehst ganz richtig. Ich weiß, überraschend, aber hier bin ich wieder! (Und auch nur ein ganz knappes Jahr zu spät … aber ich habe ja gesagt, ich lasse nichts liegen. Nur für diese Geschichte brauche ich einfach unendlich viel Zeit, die ich dann auch gerne im Überfluss nehme, und darum ist es bisher nichts geworden. Dieser Kalender braucht einfach etwas mehr, als fünf Minuten nebenbei.)

Besonders, wenn die Texte auch schon wieder so hart anfangen. Mir wird schon bei der Einleitung hier richtig schlecht. Wenn ich solche Fakten nur lese. Ich bin froh, es getan zu haben, ich habe soeben wieder etwas gelernt, weil ich davon vorher nie gehört hatte, aber dennoch wird mir bei solchen Sachen einfach nur übel. Das ist schrecklich.

Im Gegensatz zum Fakt finde ich den Einstieg aber dann wieder erstaunlich ruhig. Was mich hier aber auch wieder etwas runtergebracht hat/gerade wieder etwas runterbringt, also würde ich sagen, ist es ein gelungener Übergang.
Außerdem habe ich gerade mal ein Bild von Winters angesehen, und: genau so habe ich ihn mir nach deiner Beschreibung vorgestellt. Bei mir kam aufgrund dieser Winters-BoB-Sache jetzt allerdings die Frage auf, ob besagte Serie auf wahren Begebenheiten basiert? Also, noch wahrer als Ohnehin schon, meine ich, wenn eine der größeren Hauptfiguren ja offenbar wirklich existiert hat (so, wie ich das jetzt verstanden habe). Ich denke ja schon ewig darüber nach, die Serie mal zu sehen, seit wir vor … sehr langem mal darüber gesprochen haben, aber bisher bin ich dann doch nie drangekommen. Wer weiß, vielleicht ändert sich das ja noch.
Aber kehren wir wieder etwas mehr zurück zum Kapitel. Ich fand es sehr interessant, hier mal ein wenig was über die Anfänge des Projektes zu lesen. Gut, wir haben uns ja auch damals bei unserem Ersten Treffen ein wenig darüber unterhalten, aber hier gab es noch mal sehr viel mehr Informationen dazu, und ich fand es jetzt auch nach all der Zeit noch interessant. Ist vielleicht ja auch ein ganz guter Neu-Einstieg zu der Bericht-Sammlung. Und es hat mich auch ein wenig lächeln lassen, wie du davon geschrieben hast. Weil man doch gemerkt hat, oder so kam es mir vor, wie inspiriert und motiviert du warst, und irgendwie motiviert es auch mich gerade, davon zu lesen, wie du hierfür deine Motivation/Inspiration gefunden hast. (Und kann ich gerade auch brauchen, denn ich glaube, mein Aktuelles Schreibprojekt stockt so ein wenig, aber darum soll es hier ja nicht gehen.)
„Es ist genau die magische Stimmung, die ich mir für diesen Morgen erhofft habe.“ ← Es fühlt sich auch beim Lesen richtig magisch an. Du beweist mir wieder einmal dein unglaubliches Talent zur bildhaften Sprache (das ich manchmal auch gerne hätte), sodass ich dieses Bild auch vor Augen habe. Vielleicht nicht nur magisch, sondern auch etwas bedrückend, weil Nebel diese Wirkung ja manchmal hat, aber aus meiner Sicht hast du dann doch eher das magische eingefangen.
Und dann auch noch der letzte Satz dieses ersten Themen-Abschnitts … es ist ja ein total ernstes Thema, und durchaus auch bedrückend, aber in diesem Satz („Ich weiß einfach, dass es ein fantastischer Tag werden wird.“) steckte meiner Meinung nach einfach nur unglaublich viel Kraft, und er hat mich sogar ziemlich breit Lächeln lassen. Irgendwie hat er mich gefreut. Da steckt ja doch auch etwas wie Vorfreude drin, und eventuell könntest du mich damit auch angesteckt haben, denke ich.

Eigentlich möchte ich solche Formulierungen ja gerade bei diesem Projekt nicht wirklich im Überfluss lesen, aber dieses Kapitel liest sich einfach nur fantastisch. Bisher, aber ich glaube nicht wirklich, dass sich das ändern wird. Denn es liest sich gerade einfach fantastisch. Der Absatz mit dem „geheimnisvollen Nullpunkt“ besonders, aber auch wie der Tau unter den Schritten knuspert, und einfach so ganz generell … ich habe richtig Spaß am Lesen.
Und sehr schmunzeln musste ich bei dem „Wie bin ich bloß auf diese blödsinnige Idee gekommen?“. Freut mich irgendwie, dass du es trotz blödsinniger Idee doch durchgezogen hast, und wir so ein weiteres Kapitel genießen dürfen.
Als du davon sprichst, wieso du jammerst, und dass du ja warme Klamotten hast, musste ich sofort an meine Schulzeit zurückdenken. Unsere Lehrer haben das beim Ausflug in KZs auch immer gesagt. Und während ich einerseits absolut mitgehen kann, besonders wo du die Aussage ja für dich selbst triffst, und ich dem sogar zustimmen würde, muss ich auch gleichzeitig sagen, dass es ja aber auch niemandem hilft, wenn danach alle krank sind. (Nicht die besten Erinnerungen, die ich an die Schulzeit habe, auch wenn ich damit jetzt im Nachhinein leben kann, aber ich kann trotzdem über die Erwachsenen immer nur wieder den Kopf schütteln, wenn ich daran denke.) Äh, ja. Gehört ja aber auch nicht so ganz zum Thema, kam mir nur sofort wieder in den Sinn.
Die Beschreibung der Stille kurz darauf ist toll. Gefällt mir. Und dass du sie aufs Papier gebannt, und ich so auch einen Teil davon hatte, mag ich auch sehr. Manchmal bräuchte ich glaube ich mehr von so einer Art Ruhe …
Und dann wird es doch wieder sehr viel heftiger. Ich habe richtig gemerkt, wie ich schlucken musste, als ich das mit den 1016 Häftlingen gelesen habe. Gott. Wie können manche Leute nur? Das ist einfach nur grausam! Und dadurch, wie ruhig das restliche Kapitel ist, kommt mir dieser Fakt gerade nur umso deutlicher vor. Oder zumindest habe ich das Gefühl, dass es mir dadurch noch bewusster wird, denn natürlich ist der Fakt auch schon so sehr deutlich. Wow. Ich kann echt nur den Kopf darüber schütteln. Wie unmenschlich kann man sein?
Als du dann vom LIFE Magzine gesprochen hast, war ein „Was hat das hier zu suchen“ auch genau mein erster Gedanke. Scheint, als würden wir da ähnlich ticken. Mein zweiter Gedanke war, dass mir das doch aus deinem anderen Kalender bekannt vorkommt. Ich bin mir ganz sicher, dass da auch mal irgendwas mit dem LIFE Magzine war. Oder bei einem deiner Gedichte. Entsprechend war auch ich nicht lange verwirrt. Das LIFE Magazine passt vielleicht doch ganz gut da rein.
Und erneut scheinen wir ähnlich zu denken, bei dem englischen Spruch. Denn ohne hier sofort weitergelesen zu haben, wanderten meine Gedanken auch bereits in Richtung schreien/weinen als mögliche Übersetzungsvarianten, und ich fand es sehr passend. Nur an Appell hätte ich nie gedacht, aber dafür hast du mich ja dann darauf hingewiesen. Und ich muss sagen: der Spruch ist wirklich gut, und sehr bewegend. Besonders aufgrund dieser Mehrdeutigkeit im Deutschen.

Und bei dem deutschen „Spruch“ wurde mir dann beim Lesen gerade richtig eisig alt. Und das hat definitiv nichts mit den niedrigen Außentemperaturen zu tun. Einfach nur wow! Die Gänsehaut werde ich wohl so schnell nicht mehr los. Auch, wenn mir der englische Satz ebenfalls gefällt, aber dieser hier ist trotzdem wirklich eindrucksvoll.
Und gleich darauf so wunderschön weiter. („Das Gras im tiefen Winterschlaf“ und „Der Nebel und die Stille halten die Zeit an.“ haben mich hierbei ganz besonders angesprochen. Definitiv meine Lieblingssätze.) Es ist ja doch sehr abwechslungsreich diesmal. Aber auf eine gute Art und Weise. Mir gefällt es. So kann man sich zwischendurch immer wieder n den ruhigeren Sätzen ausruhen, bevor es zu weiteren Fakten und eventuell nicht ganz so ruhigen kleinen Abschnitten kommt.
Und bei deiner Erzählung über die Erinnerung an Band of Brothers … ich habe die Serie wie gesagt bisher nie gesehen, aber gerade, nach diesen Bildern die ich dank dir im Kopf habe, will ich mehr als je zuvor. Du machst mich gerade unglaublich neugierig. Und dabei steht die Serie eigentlich schon längst auf der Liste.
„Mittlerweile weiß ich: Den Holocaust zu leugnen, bringt nichts.“ ← In diesem Satz steckt wieder einmal viel Kraft, finde ich. Und so viel Energie. Und wahr ist es auch noch. Sehr gut gesagt/geschrieben, wenn man mich fragt, und die Stelle hat mich auch sehr berührt.

Den Vergleich des Friedhofs mit einem Militärfriedhof fand ich insofern schön gewählt, dass auch ich dabei sofort ein Bild im Kopf hatte. Ich konnte mit auf der Stelle etwas darunter vorstellen, und auch wenn es nicht wirklich schön ist, so fand ich es doch auch passend, auf eine gewisse Art und Weise. Ich bin auch nicht sicher, und gerade nicht in der Lage, es zu erklären, fürchte ich, aber mir gefiel der Vergleich so besser, als wenn es ein anderer gewesen wäre.
Auch, dass du erwähnt hast, dass auf so vielen der Kreuze „Unbekannt“ steht, fand ich sehr eindrucksvoll. Und schrecklich ist es auch. So viele Menschen, und fast alles sind „einfach“ weg. (Also, noch mehr weg, als ohnehin schon.)
Umso schöner fand ich nach diesem Gedanken dann deinen Kommentar zu Thema ein Friedhof ist ein Ort, an dem Frieden eine Rolle spielt. Darüber habe ich in meinem ganzen Leben noch nie so nachgedacht. Aber du hast schon recht. Friedhöfe sind eigentlich schon recht friedlich. Bisher zumindest alle, auf denen ich jemals war. Dieser Gedankengang gefällt mir.
Und der Absatz gleich darauf hat mich sehr lächeln lassen. Alles daran ist einfach … wow. Sowohl von den Worten, als auch vom Inhalt her. Eine derartige Verantwortung würde ich wohl auch nicht wollen, da hängt einfach zu viel mit dran, aber der Gedanke, Frieden „einfach“ verteilen zu können, so wie das Sandmännchen Sand … doch das ist schön. Ich wünschte, das wäre wirklich möglich.
Und dann das „Was hier ruht, ruht tatsächlich.“ hinterher. Gut, nicht unmittelbar hinterher, erst etwas später, aber … ich weiß auch nicht. In diesem Moment kam es mir aber wirklich einfach nur friedlich vor. Und ruhig. Und bei dem Satz war ich sogar ein wenig glücklich. Der hat sich ziemlich gut angefühlt, beim Lesen.

Was für Fragen du hier gestellt hast … wow. Keine leichte Kost. Und auch sicher nicht so leicht zu beantworten, auch wenn mir jetzt ganz spontan ein „hängt vermutlich extrem von der Perspektive ab“ einfällt. Aber da muss man vermutlich doch noch etwas mehr nachhaken, als das, wenn man wirklich eine zufriedenstellende Antwort haben will.
Und mich regt gerade sehr zum Nachdenken an, wie du schreibst, dass nicht nur Juden und andere verfolgte Gruppen, sondern auch Soldaten Opfer des Holocaust waren. Das ist wieder so ein Gedanke, auf den ich von selbst wohl nie gekommen wäre, und insofern bin ich gerade doch ziemlich froh, dich zu haben, denn auch wenn ich selbst nicht darauf gekommen wäre, so denke ich doch, dass es das wert ist, mal ein wenig dazu zu überlegen. Also schön, dass du mich dahinbringen konntest.
„Was ich in diese Waagschale legen kann, sind mein Mut, meine Offenheit, sowie mein Talent und meine Begeisterung für das geschriebene Wort, und daraus resultierend dieses einmalige Projekt…“ ← Wie recht du doch hast! Und wieder eine Stelle, bei der ich lächeln musste. Gefiel mir.

Genauso auch recht am Ende Rückblickend deine Karte für dein Unterbewusstsein. Wobei ich sagen muss, wir Leser haben bei diesen Texten ja auch so etwas in der Art: Du hast deine Karte, mit der du dich zurechtfindest, und mit der du auch durch deine einzelnen Berichte findest, und wir Leser haben dich, die du uns durch all deine Texte/Berichte/Erinnerungen führst, sodass wir auch nicht verlogen gehen :)

Am Ende dieses Kapitels habe ich so das Gefühl, diesmal sehr viel mehr über das wie als das was erfahren zu haben, aber auch das fand ich mal unglaublich interessant, zu hören. Mir hat es außerdem sehr gut gefallen, wie du auch zwischendurch immer wieder auf den Nebel, sowie auch mehrfach zu BoB und Winters zurückgekehrt bist. Und das magische, von dem du am Anfang sprichst? Das hat der Text meiner Meinung nach auch bis zum Ende nicht verloren. Es hatte was. Wirklich. Außerdem kam es mir aufgrund all dieser Kleinigkeiten etwas anders vor, als die letzten Kapitel, aber ich bin ganz ehrlich: das könnte auch an mir und der vergangenen Zeit liegen, und vielleicht erinnere ich mich auch einfach nicht mehr so gut. Andererseits habe ich auch aus den anderen Kapiteln immer Bilder mitgenommen, also ist es wohl nicht so verwunderlich, dass es hier diesmal eben der Nebel sein wird. (Und ein paar Soldaten, gebe ich zu, die waren eben auch sehr präsent.)

Und nun denke ich, soll es das auch erst einmal wieder von mir gewesen sein. Mal sehen, wann ich das nächste Mal die Zeit finde.
Ich wünsche dir noch einen wundervollen Abend und liebste Grüße,
Riri

PS: Auch du kommst nicht um eine einzelne kleine Fehler-Fee herum, denn im dritten Absatz des zweiten Abschnitts fehlt in dem Satz „Der dichte Nebel hüllt mein ohnehin weißes Auto ein als ich […]“ ein Komma zwischen dem „ein“ und dem „als“.
30.11.2018 | 22:26 Uhr
Verbrechen gab es von allen Armeen,
es gibt keine Armee, die nicht ähnliche Verbrechen begangen hat. Gerne nenne ich Dir Quellen, die von Historikern abgesichert sind. dazu zählen auch polnische, amerikanische und schwedische Quellen.

Unter dem Deckmantel der Operation Overlord wurden etwa 250 000 Menschen ohne Gerichtsurteil einfach erschossen. Amerikanische Soldaten trieben Kriegsgefangene befreiten Polen zu, die eine unbekannte Anzahl Gefangener töteten.
In einer Kirche im Blockland steht, dass unter der Aufsicht der US Armee, tausende Zivilisten in Kirchen getrieben wurden und dort vergewaltigt und erschlagen wurden. Es geht mir hier nicht um Rache, sondern nur um die Opfer ohne Namen, die es auch in Deutschland unter den Zivilisten gab.

Kriege sind Grausam, aber nur die Wehrmacht ahndete sofort Kriegsverbrechen. Keine andere Armee leistete sich diesen Luxus. Über 100 000 Deutsche Soldaten wurden verurteilt, wegen Diebstahl, Raub, Mord und Vergewaltigung. Kein einziger Alliierter Soldat wurde bei gleichen Verbrechen je verurteilt. Im Militärhistorischen Institut kann man dieses alles nachlesen.

Ich glaube, dass es während dieser Zeit nur wenige Menschen gab, so wie Herrn Bonhoeffer.

Die Begegnung mit dem gewaltsamen Tod von Menschen ist eine eigenartige Erfahrung. Ich stelle mir immer vor, dass auch ich ein Opfer hätte sein können. Nur dieser Gedanke lässt mich stets an Menschlichkeit denken.

!963 oder 64 kam es zu einem Zwischenfall bei der Nato. Ein Deutscher Offizier sah einen Amerikanischen Massenmörder, der nun als General durch die Gegend lief. Immerhin hatte dieser heroische Ami, etwa 690 Kriegsgefangene ermordet.

Für mich steht dadurch fest, dass es einzig eine Schande der Siegermächte ist, dass sie nicht einmal die bekannten Kriegsverbrechen zugeben. Selbst bei einer Recherche bei Wiki findet man genügend Alliierte Kriegsverbrechen mit Millionen Opfern. Das entbindet uns jedoch niemals eigene Kriegsverbrechen zu leugnen. Es ist egal ob Marie, Deutsche, Französin, Italienerin, Polin, Engländerin oder sonstiger Nationalität war. Ihr sterben war ein Verbrechen.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 11.12.2018 | 18:17 Uhr
Hallo Christian,

so langsam hole ich auf mit den Reviewantworten. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie viel Zeit man als Autor ins Schreiben stecken kann und wie schnell dann Reviews kommen und man das Gefühl hat, die Leser würden nur so durch den Text flitzen beim Lesen. Wirklich bemerkenswert.

Aber kommen wir zurück zum Wesentlichen. Einen klassischen Roman mit typischen Romanfiguren kann man planen - sollten man zu Weilen auch - aber bei diesem Projekt bin ich noch sehr offen ("unvorbereitete" würde ich das nicht nennen) darangegangen. Ich meine, ich hab mich entschloss über etwas zu schreiben, dessen Materie ich zuvor nicht durchstiegen haben und auch nicht überblicken konnte.

Mein Wissen ist mit der Zeit gewachsen, mit jeder Gedenkstätte, die ich besucht habe. Und genau diese Vielzahl von Besuchen hat mir die Augen für neue Fragestellungen geöffnet. Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens zu verfolgen und zu töten ist falsch, und genauso falsch ist, was jene bewaffneten Soldaten getan haben, die dieses Verfolgen einem Ende zugeführt haben.

Dass ich "mich schämen" soll Deutsche zu sein, weil "die Deutschen" damals so schwere Verbrechen begangen haben, dass hat man mir in der Schule versucht beizubringen. Davon, dass die "heiligen Befreier" aber kein bisschen "heilig" gewesen sind, dass wurde elegant verschwiegen. Wobei ich auch hier erwähnt haben möchte, dass Fragen nach Moral und Ethik (die sich auf Kriegshandlungen beziehen) nicht in der Geschichtsunterricht der 8. oder 9. Klasse gehören.

Heute sehe ich das anders. Und ich scheue mich nicht die Rolle der "Anderen" in diesem verworrenen Spiel zu hinterfragen. Absoluten Antworten habe ich keine. Aber allein dem gewaltigen Widerspruch gegenüber zu stehen (zwischen dem, was die Nazis getan haben und den Verbrechen, die jeder Krieg mit sich bringt) hat eine Sensibilität in mir geweckt, die staubtrockener Geschichtsunterricht niemals erreicht hätte.

Mein Horizont ist mit diesem Projekt eindeutig weiter geworden.
Und wie immer danke ich dir für dein einflussreiches Review!

Viele Grüße
Ramona
17.06.2018 | 18:20 Uhr
Liebe Ramona!
Du hast den Beginn dieses Kapitels, die Stimmung der Natur, fast poetisch geschrieben.
Wie grausam, was in der Scheune passiert ist. Die, die erschossen wurden, hatten einen gnädigeren Tod.

Cry ist wirklich sehr passend.
Ich mag den engl. Text auch lieber. Deutsch klingt es aggressiver.

Ich glaube, man kann das nicht verstehen.
Nicht als normal denkender Mensch. Es waren aber normale Menschen.
Die Frage für mich ist: Was ist mit einer ganzen Gesellschaft passiert?
Und auf deine Frage, wer die Befreier waren: Wohl auch nur ganz normale Menschen.

Wieder ausgezeichnet geschrieben.
Gute Besserung wünsche ich dir.
R (✿◠‿◠)

Antwort von RamonaXX am 23.06.2018 | 19:50 Uhr
Hallo Spatz,

auch hier möchte ich dir wieder danken, dass Du mit mir gehst - dir die Gedenkstätten zeigen lässt.
Dass ist sicher nicht einfach. Ich merke es von Zeit zu Zeit beim Schreiben.
Und ich bin mir sicher, beim Lesen fühlt man es auch; gerade wenn man ein sensibles Gespür für Menschen hat.

Ich kenne mich mit der deutsch-deutschen Teilung so gut wie gar nicht aus.
(Bin ja auch nach der Wende geboren worden.) Aber ich kann mir schon vorstellen,
dass der Text deshalb "aggressiv" wirkt, weil aus der DDR-Zeit stammt.

Ich finde es hin und wieder doch eine recht spannenden Frage.
Viele Menschen sind heute offen für das Leid der Opfer, sind interessiert(er) und hören zu.
Aber nur die allerwenigsten wollen etwas von den traumatisierten Tätern wissen.
Ich weiß, dass ist dünnes Eis - wie man so schön sagt. Aber ein gewisse Neugier spüre ich da doch in mir...

Danke wie immer, für deine offenen und ehrlichen Gedanken.
Ich bin stets bemüht meine Texte anspruchsvoll zu gestalten.

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Danke auch für die Genesungswünsche. Hat gewirkt. :-)
17.06.2018 | 17:42 Uhr
Hallo Ramona,
auch in dieser Scheune bin ich 1992 gewesen. Allerdings im Frühjahr. Deine Beschreibunge ist wie immer sehr gefühlvoll und auch sehr persönlich. Aber wie Du auch schon zum Schluss erwähnst überfordert es viele Menschen sich die Facetten eines Krieges vorzustellen. Deshalb, und weil ich ja auch Dein Alter kenne, nötigt mir Deine Arbeit doch gehörigen Respeckt ab.
Ganz liebe Grüße Günter.
PS Meine persönlichen Gefühle zu diesen Ereignissen werde ich Dir in einer PN schicken. Ich finde es einfach besser, das so zu handhaben, da mein Blickwinkel auf diese DInge doch etwas anders ist als der vieler anderer Menschen. Und ich möchte nicht missverstanden werden. G.

Antwort von RamonaXX am 23.06.2018 | 19:37 Uhr
Guten Abend Günther,

so rum betrachtet, hätte ich mir eher vorstellen können, dass Du schon mal in Flossenbürg gewesen bist, aber noch nie an der Scheune. Interessant, dass es genau andersherum ist...
Wie schon so oft, muss ich mich auch hier für dein großartiges Lob bedanken. Ich geben zu, dass mir inzwischen immer öfter die Motivation abhanden kommt, an dem Projekt weiter zuarbeiten. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage, aber der Aufwand wird mit jedem Mal, das ich mich an meinen Schreibtisch setze, um solch einen Text zu schreiben größer. Da tragen Reviews wie deine viel dazu bei, neue Kraft zu schöpfen und sich doch von Neuem dem Thema entgegenzustellen. Vielen Dank dafür.

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Deine PN beantworte ich selbstverständlich auch noch.
14.12.2018 | 20:49 Uhr
Und ich schaff‘s auch mal wieder, wer hätte das gedacht!
Vielleicht wird das ja mein Weihnachtsgeschenk an dich. Dass ich alle Reviews nachhole (aber machen wir uns nichts vor, das schaffe ich ohnehin nicht, denn um sie einfach so herunterzuschlingen sind deine Texte nun mal viel zu intensiv).
Tragischerweise wieder im Zug (und das Ende jetzt gerade zuhause) gelesen und Notizen dazu gemacht. Leider. Tut mir leid. Irgendwann werde ich mich noch einmal richtig hinsetzen, das ganze ohne Unterbrechungen und Hintergrundgeräusche lesen, und es einfach auf mich wirken lassen, ganz bestimmt, aber bis dahin muss es, fürchte ich, auch so gehen. Für das Review jetzt zumindest.
Aber kommen wir diesmal gleich zum Text.

Mit dem Begriff konnte ich diesmal wieder sehr viel Anfangen, und hätte das auch problemlos selbst gewusst, da bin ich mir sicher, aber dennoch habe ich etwas dazu gelernt, denn das mit der UNO wusste ich zum Beispiel nicht. Ich habe tatsächlich nicht einmal gewusst, dass es erst seit 1948 Tatbestand im Strafrecht der UNO ist, weil ich irgendwie immer davon ausgegangen bin, dass es logischerweise verboten ist. Das ist doch gesunder Menschenverstand! Wieso zum Teufel war das vorher nicht verboten?!
Ja, dieser Fakt schockt mich tatsächlich sehr extrem, nie im Leben hätte ich gedacht, dass das mal keine Straftat war. Ich meine, jetzt beim Nachdenken sehe ich natürlich ein, dass man das vielleicht hätte merken können, aber … ich finde es einfach unvorstellbar, dass es nicht einmal 100 Jahre her ist, dass man … also … ich meine: WIE?! Wer hat sich das denn überlegt?!

Abgesehen von dem Schock gleich zu Beginn, fand ich die Einleitung in den Ausflug dann aber sehr schön. Ich kann es nicht einmal begründen, aber der Satz hat es mir echt angetan. Dieses „würde ich das Ziel meiner heutigen Reise nur haarscharf verfehlen“ ist ein sehr interessanter Beginn für einen Text, und in diesem Falle jetzt auch sehr gelungen. Es löst bei mir beinahe sofort diese Erwartungshaltung aus, die ich bei so vielen deiner Texte an der ein oder anderen Stelle habe.
Schnee? Damals gab es noch Schnee? Okay, kleiner Spaß beiseite, aber ich habe das Gefühl, in Zukunft dürfen wir uns nicht nur im November im Norden sondern generell von Schnee verabschieden. Wann schneit es denn heutzutage noch? (Und das passt gerade so gar nicht zum Text, ich lasse mich mal wieder zu sehr von Kleinigkeiten ablenken, sorry …)

Dass es kalt war glaube ich dir wiederum sofort. Bei uns ist es gerade auch echt kalt. Vermutlich nicht mal ganz so sehr wie letztes Jahr, weil es ja generell immer wärmer wird (ich will mir gar nicht vorstellen, wie schrecklich das ganz früher gewesen sein muss), aber immer noch kalt.
Dass dort außer dir (oder beim lesen jetzt uns beiden) niemand dort ist, finde ich irgendwie bedrückend. Ein wenig geisterhaft. Wobei ich es nicht gruselig finde, die Vorstellung dort alleine zu sein, aber sich nicht umdrehen zu können, und einen Besucher da zu haben, der einen wieder aus dieser Vergangenheit „rausreißen“ kann … irgendwie merkwürdig. Entsprechend verstehe ich auch total gut, dass du wieder nicht zufrieden warst. Das ist aber auch wirklich so. Wie man‘s hat, es ist verkehrt. Immer. Zum Glück war ich mit dir dort, denn so richtig alleine … ich weiß nicht, vielleicht wär‘s dann doch etwas gruselig/abschreckend.
Warte, was? Ist das dein Ernst? Okay, jetzt bin ich auch raus. Eine Straße? Wer kam denn bitte auf die Idee, eine Straße dahin zu setzen? Was soll das denn?! Die Vorstellung finde ich jetzt gerade noch befremdlicher, als in dem Januar-Text dieser Mix aus Moderne und Vergangenheit … wobei, vielleicht nicht ganz … aber auf jeden Fall sehr ähnlich. Ist halt schon komisch. Was soll die Straße da? Und dann ist da auch noch gleich ein Wohngebiet? Also … wow. Heftig. Wenn es irgendwas gibt, mit dem ich hier nicht gerechnet hatte, dann irgendwie das … (auch wenn es in Sachsenhausen auch Wohnungen in der Nähe gab.)
Und ich muss ehrlich sagen, dieses Gefühl von Interesse und etwas lesen wollen, aber ist ist zu kalt, kenne ich erneut nur zu gut. Was wirklich schade ist. Damals bei mir in Auschwitz war es auch einfach zu kalt, um sich wirklich eingehend mit etwas zu befassen. Von den Begleitpersonen hieß es dann immer „Da sehr ihr mal, wie schlimm es die Häftlinge hatten.“ Was es auch nicht besser gemacht hat. Ich sehe natürlich ein, woher die Lehrer das genommen haben, keine Frage, und ich verstehe, wie sie darauf kamen, aber wenn ich ganz ehrlich bin: lieber wäre ich im Warmen hingegangen, und hätte mir ganz lange alles angesehen und viel dabei gelernt, als dort zu frieren und mich am Ende hauptsächlich an „Oh Gott, kalt!“ zu erinnern …

Das „Lichtspiel“ stelle ich mir zwar vermutlich ganz anders vor, als es in echt war, aber so wie ich es vor Augen habe, kann ich es mir dennoch sehr in die Situation hinein passend vorstellen. Und es ist bestimmt nicht uninteressant, mal lesen zu können, was auch andere Leute dachten.
Dein alleine sein finde ich ja auch erstaunlich. Normalerweise ist doch immer mindestens noch eine andere Person an solchen Orten. Oder ist Flossenbürg wirklich so schlecht besucht?
„Überall liegen Hinweise, die ich als Detektiv bei meinen Besuchen aufsammle und anschließend zusammensetze.“ ← So habe ich das nie gesehen. Nie auch nur daran gedacht, und ich finde den Gedanken auch beim Lesen jetzt ein wenig befremdlich, aber es ist auch irgendwo eine echt spannende Sicht auf die Dinge. Und ein wenig Wahrheit scheint auch darin zu stecken, also klar, warum nicht?
Und natürlich folgt auf die Ruhe der Sturm. Hätte ich mir ja eigentlich denken können.Da sitze ich in der zugegebenermaßen schon beinahe zu warmen Bahn, und es fröstelt mich dennoch. Die Vorstellung von den und Gedanken an die „Pflege- und Heilanstalten“ ist aber auch wirklich erschreckend. Und dass es kein Horror-Thriller ist, macht es noch so viel schlimmer. Ich habe bereits von diesen Anstalten gehört, und wir haben das Thema im Unterricht auch mehrfach angeschnitten, aber es ist immer wieder schrecklich. Mir wird echt schlecht bei dem Gedanken, und jetzt gerade beim Lesen des Absatzes kommt auch schon wieder die Übelkeit in mir hoch. Ich finde diese ganzen Morde sind eine Sache, an die zu hören/von denen zu lesen man sich wohl nie gewöhnen können wird. Wie so vieles anderes aus der Zeit natürlich auch. Und vielleicht ist das auch ganz gut so, weil es heißt, dass es nicht wieder passieren wird. Solange man sich an Sachen erinnert, und sie nicht in Vergessenheit geraten, solange wiederholt man Fehler auch nicht. (Oder zumindest die meisten Leute nicht, und die werden hoffentlich alle anderen auch davon abhalten …)
„Niemals würde ich den Holocaust leugnen, dennoch lebe ich in dem Bewusstsein, dass es nicht meine Gegenwart ist, was hier gezeigt wird.“ ← Das ist wahr. Beides. Natürlich ist der Holocaust passiert, und auch ich würde das niemals leugnen, aber meine Gegenwart ist es auch nicht. Vielleicht lässt es mich manchmal nicht schlafen, wenn ich daran denke, dass das alles wirklich passiert ist, aber es passiert dennoch nicht jetzt (oder nicht mir) und so schlimm oder gemein das vielleicht auch klingt, aber auch für mich wird es wieder zu etwas teils ganz unwirklichem, sobald ich mich nicht mehr mit dem Geschehen direkt auseinandersetze. Für mich ist all das eben einfach zu weit weg. Ich war nicht dabei, ich habe es nicht erlebt, und auch wenn es eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt und ich natürlich nicht unwissend bin, so ist es an irgendeinem Punkt doch etwas, was mich nicht betrifft. Oder zumindest nicht so direkt, wie ganz sicher viele andere Menschen.
„Wobei auch das der Sache kein bisschen gerecht wird, sondern mir bestenfalls nur meine eigene Abgestumpftheit vor Augen führt.“ ← Jetzt fühle ich mich ertappt. Und schlecht, weil ich gerade genau das gleiche gedacht habe. Eventuell nur aufgrund deiner Wortwahl, aber ich bin mit beinahe sicher, dass es auch nicht anders abgelaufen wäre, wenn ich wirklich persönlich dort gewesen wäre.
So wie du die „Quaselhauben“ beschrieben hast … wow. Irgendwie fand ich sie ein wenig bedrohlich. Und ich habe mich selbst nur beim Lesen ziemlich erschreckt, so sehr war ich gerade mit dir dort. Habe ich aber vielleicht auch verdient, nachdem ich gerade dachte, dass der Raum jetzt „freundlicher“ wäre …
Ich bin mir manchmal gar nicht sicher, ob der Krieg überhaupt ein Ende hatte. Ich meine, ja, natürlich, offiziell und selbstverständlich auch in diesen Ausmaßen schon, aber ein wirkliches Ende? So richtig? Dass man damit abschließen kann? Was das angeht habe ich manchmal das Gefühl, dass diese ganze Sache noch voll und ganz im Gange ist. Für manche sicherlich mehr, als für andere … aber vielleicht ist es ja ganz gut so, weil das führt dazu, dass man darüber nachdenkt, man sich erinnert, und es sich nicht wiederholt. Und das soll ja auch nicht passieren.

Es gibt sie also doch, die Leute. Was ich irgendwie auch ganz gut finde. Ein wenig beruhigend ist es ja schon, wenn man weiß, dass man weit und breit nicht die einzige lebende Seele ist. Obwohl, vielleicht hätte die Straße (egal wie fehl am Platz) ja eine ähnliche Wirkung auf mich, wie die anderen Besucher, wenn ich da wäre. Aber beim Lesen vergisst man sie beinahe sofort, weil man so in der Situation und deinen Eindrücken gefangen ist, dass man keinen einzigen Gedanken an diese vollkommen fehl am Platze Erscheinung verschwendet. (Ist vielleicht auch ganz gut so.)
Sagtest du gerade, es sei kaum Zeit vergangen? Was? Nie im Leben! Ich habe das Gefühl, ich stand Stundenlang mit dir in den Räumen, und habe mich umgesehen. Ich bin doch Jahre gealtert. Wie soll da kaum Zeit vergangen sein?
„Ach, hätte ich doch in der Schule beim Thema Weltreligionen besser aufgepasst!“ ← Und erneut fühle ich mich ertappt. Hätte ich doch auch mal besser aufgepasst! Wobei ich mich tatsächlich im letzten Jahr auch ein wenig selbst mit den Religionen auseinandergesetzt habe, und ich es trotzdem nicht weiß. Vielleicht auch, weil es nie so direkt Thema war, aber jetzt wünschte ich dennoch, ich hätte mich mehr damit beschäftigt … ich denke, ich werde mal rausfinden, was das heißt, sobald ich wieder die Möglichkeit habe … (Was ich hiermit tun konnte, weil ich wieder zuhause bin, und hier Internet habe: Menora, symbolisiert die Schöpfung der Welt in sieben Tagen. Danke das du mich mal wieder dazu inspiriert hast, auch selbst etwas zu forschen!)
„Was genau die Magie dieses Ortes ausmacht, vermag ich nicht zu sagen.“ ← Ganz ehrlich, ich auch nicht. Aber ich denke, du hast zumindest einen Teil dieser Magie dennoch sehr gut in deinem Text eingefangen. Denn für einen Moment stand ich tatsächlich ebenfalls alleine dort, an diesem Ort, und habe mich staunend umgesehen, und das alles auf mich wirken lassen, statt mit dir mitzulaufen. Und es hat mich auch für einen Moment wirklich sprachlos sein lassen.
… habe ich gerade gesagt, die Gedenkstätte würde mich sprachlos sein lassen, ja? Nun, ich nehm‘s zurück. Denn die Zeilen von Bonhoeffer haben es echt in sich! Auf eine gute Art und Weise. Auf eine hoffnungsvolle, und freundliche Art und Weise. Und das an einem solchen Ort. Das gerade beim Lesen ist einer dieser Momente, in denen ich tatsächlich den Tränen nahe bin. Ich habe nicht geweint, das tue ich selten, so weit will ich nicht gehen, aber beim Lesen gerade hatte ich einfach dieses Gefühl von … Hoffnung, und das ist manchmal wirklich verdammt stark und überwältigend. Danke dass du die Zeilen nicht bei deinem Bericht weggelassen hast. (Und ja, Bonhoeffer muss wirklich besonders gewesen sein, was den Satz angeht stimme ich dir spätestens nach den Zeilen voll und ganz zu.)
„Der Glaube versetzt Berge.“ ← Das gilt nicht nur für Religion, sondern für Glauben im allgemeinen ganz genauso. Wie eine Freundin von mir immer gesagt hat: „Ich glaube. Vielleicht nicht an Gott, aber ich glaube."
„Es ist unbegreiflich still in der Kapelle. Alles was ich höre ist mein eigener Atem.“ ← Und ich höre nur meinen. Das ist mir gerade beim Lesen aufgefallen. Du hast irgendwie ein Talent dafür, dich in den entscheidenden Situationen selbst aus dem ganzen herauszunehmen. Ich weiß nicht, ob du es mit Absicht machst, oder automatisch, oder aus Versehen, einfach weil du‘s kannst, aber hier hatte ich mal wieder das Gefühl, dass du in diesen bewegenden Momenten einen Schritt zurück trittst, und uns Lesern für einen Augenblick die Möglichkeit gibst, selbst zu sehen. Du gehst nicht weg oder so, aber du stehst einfach nur da, und lässt uns Zeit, und für einen Moment können wir beide einfach gemeinsam alleine unseren Gedanken nachhängen …

Ich finde ja, die Beschreibung des Wetters trägt wirklich zu der runterziehenden Atmosphäre des Ortes bei. Was das angeht, ist das Wetter an dem Tag ja scheinbar wirklich perfekt gewesen. Natürlich trägt die Beschreibung des Ortes auch schon viel dazu bei, wie ich mich fühle, aber die Vorstellung von dem grauen Himmel, und der Luftfeuchtigkeit, und … irgendwie alles daran hat mich so ein bisschen „erdrückt“. Nicht schlimm, nicht dolle, aber eben genug, damit es sehr stark zu meinem Befinden beitrug.
„Ich bin hier um einen Blick in eine vergangene Zeit zu werfen, nicht um mich der Wahnsinnigkeit zu opfern und ein Teil ihrer zu werden.“ ← Dazu kann ich eigentlich gar nicht viel mehr sagen, außer dass das vermutlich mein Lieblingssatz des Monats Mai ist. Er ist irgendwie … so gut. Und tiefgründig. Und wahr. Ich mag es.

„Es wird nicht langweilig die vielen verschiedenen Gedenkstätten zu besuche!“ ← Und als Leser wird es auch nicht langweilig, die vielen verschiedenen Berichte dazu zu lesen. Denn irgendwie ist nie einer wie der andere. Es gibt immer neues und anderes und weiterhin sehr viel spannendes. Es ist immer wieder schön, mit dir auf „Reisen“ zu gehen.

Und in dem Sinne, war es das mal wieder von mir.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, und wir sehen uns beim nächsten Mal,
Riri

PS: Fehler-Fee!
Und zwar gleich mehrmals im Absatz „Straße und Lagertor“ bei „Dennoch, die mahnenden Worte ARBEIT MACHT FREI [stehen] auch hier.“ und „[…] an den Steinsäulen zwischen den[en] sich das Lagertor befand.“ Und dann noch im Teil „Jüdische Gedenkstätte und Kapelle“ bei: „Dort, wo früher die Isolierblocks gestanden habe[n], befindet sich heute ein Friedhof.“ und „Zu meiner [R]echten führt eine lange, in den Fels gehauene Treppe hinab […]“

Antwort von RamonaXX am 10.02.2019 | 12:31 Uhr
Hallo Riri,

auch dieses Review soll natürlich nicht ohne Antwort bleiben und wenn wir uns nicht darauf geeinigt hätte, dass wir uns so viel Zeit zum Schreiben und Beantworten geben, wie wir brauchen, würde ich jetzt fast sagen, dass es mir unangenehm ist, dich zwei Monaten warten zu lassen. Da wir das ja aber geklärt haben, ist dies hier auch KEINE Entschuldigung! *grins*

So… jetzt muss ich mich selbst erst mal ein bisschen in dein Review einlesen und mir vergegenwärtigen worum es ging. Du warst also in „Flossenbürg“. Okay, was heißt „Du warst“. Du hast dich von mir dorthin führen und dir den Ort zeigen lassen, was sich ja vielleicht doch ein kleines bisschen so angefühlt hat, als wärst Du tatsächlich dagewesen. Oder wie Du es lobend erwähnt hast: >>denn um sie einfach so herunterzuschlingen sind deine Texte nun mal viel zu intensiv<<. Danke, danke für das Lob! *mich höflich verneig*

Und wieder freu ich mich in deinen Zeilen zu lesen, wie gut durchdacht mein Projekt und der Aufbau der Kapitel ist. Ich denke inzwischen, dass ich mit den vorangestellten Worterklärungen vielen Leser etwas geben und ihr Wissen erweitern konnte. (Auch wenn Du – glaube ich mich zu erinnern – die Einzige bist, die in ihren Reviews darauf eingeht.) Es tut gut zu wissen, mit den Begriffen jedes Mal einen interessanten Einstieg in das Thema hinbekommen zu haben. Je weniger fremde Wörter um einen rum sind, desto mehr ist man bereit sich auf ein neues Thema einzulassen.

Ja, Schnee ist ein seltenes Phänomen geworden. Dafür müssen wir wohl in Zukunft in den Süden fahren (auch ein bisschen paradox), um was davon zu sehen. Wenn ich gerademal so auf den Kalender schaue (10. Februar) und dann aufs Thermometer (+5 Grad), dann würde ich sagen, dass wir von „Winter“ weit entfernt sind. Aber Du hast recht, kommen wir zurück zum eigentlichen. Dass Nürnberg und Prag fast auf einer Linie zum KZ-Flossenbürg liegen, habe ich irgendwo in Internet aufgeschnappt und es mir dann nochmal auf einer Karte angesehen. Als ich festgestellt habe, dass es stimmt, war der erste Satz für dieses Kapitel geboren.


Rückblickend war Flossenbürg der einzige Ort, wo ich wirklich so alleine war. Sieht man mal von der Feldscheue (Kapitel 8) und Landsberg (Kapitel 14) ab. Es war tatsächlich auch ein bisschen unheimlich für mich. Aber wenn ich in meinen Erinnerungen krame, kommen auch „schöne“ Gedanken auf, zum Beispiel an die Stille, den dichten Nebel und die feuchte Luft. Der Ort hat an diesem Tag geruht und ich habe mich ganz leise verhalten um ihn nicht zu wecken und ihm staunend beim Schlafen zugesehen.
Jipp, das ist eine Straße. Das hat mich zugegebenermaßen auch ganz schön verwirrt. Gerade weil ich in einer Gedenkstätte nicht damit rechne, auf fahrende Autos achten zu müssen! Aber ja, die Straße – wenn auch schmal und einspurig – existiert wirklich. Es ist wirklich verwunderlich, was die Menschen an manchen Orten tun und wie mit dem geschichtlichen Vermächtnis umgegangen wird. Aber genau dafür habe ich ja diese vielen Reisen u.a. auch gemacht, um Unterschiede aufzudecken und Gegensätze schriftlich festzuhalten. Es ist das, was bleibt. Der Text, den anderen Menschen später lesen, wenn sich die besuchten Orte wieder/weiter verändert haben.
Die Kälte an dem Tag war wirklich fies, ja. Und das Argument deiner Lehrer in Auschwitz, hm. Nun ja, verstehen woher es kommt, dass kann ich auch, aber deswegen finde ich es noch lange nicht gut. Es ist nicht das, was einem jungen Menschen eingeimpft werden wollte, dass er sich schlecht zu fühlen hat in Erinnerung an die vielen Opfer. Eine gute, aufbauende Erinnerungskultur sieht für mich anders aus.

Das ich überwiegend alleine in Flossenbürg war, hat sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen, dass meine Gedanken sich so frei entfaltete haben. Der Platz dafür war einfach da. Und so bin ich dann auch auf diese ganzen Fragen gekommen, wie viel Verantwortung ich eigentlich heute für das trage, was damals passiert ist. Und das es eben nicht in meinem Handlungsspielraum liegt rückwirkend etwas zu verändern. Und dass ich durchaus ein Recht habe, mich dieser Zeit fremd zu fühlen, weil es eben so weit in der Vergangenheit liegt und weil es eben NICHT meine Generation ist. Ich denke, es gibt einen Punkt an dem sich Mitgefühl und persönliche Distanz nicht im Weg stehen. An so einem Punkt bin ich in Flossenbürg gewesen.
Vom „zweiten Weltkrieg in Europa“ kommt man schnell zum „Deutschen Reich“ und vor dort zum „Holocaust“. Geht man von dort noch weiter, gräbt sich tiefer in das Thema ein und in einen bestimmte Richtung, tun sich faszinierende Dinge auf. So zum Beispiel das Judentum als Weltreligion oder Hebräisch als Sprache. Ich selber habe in diesen Ecken wenig „gegraben“; überwiegend aus Zeitmangel. Aber erst kürzlich bin ich über einen Wikipedia-Eintrag gestolpert, der sehr anschaulich erklärt hat, wie man aus dem Davidstern die Buchstaben des hebräischen Alphabetes ableiten kann. Du siehst, alles hängt irgendwie und irgendwo miteinander zusammen. Und dass mich meine Reise in die Vergangenheit mal dazu bringt, mir die hebräische Sprache anzuschauen, hätte ich nie zu träumen gewagt. Ich finde genau da sollte die Aufklärung heute ihr Ziel haben. Man sollte den Schülern im Geschichtsunterricht nicht erzählen „wie schlecht die Deutschen waren“, man sollte ihnen zeigen, was es im Judentum an Bräuchen, Schriften und Gedanken zu „entdecken“ gibt. (Eignet sich natürlich nicht für junge Schüler und setzt ein gewisses Interesse voraus. Aber ich denke, es ist immer noch besser sich intensiver mit den Menschen, die verfolgt wurde zu beschäftigen, als nur zu wiederholen wie schrecklich böse die Täter waren.)

>Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag…< Ja, die Zeilen von Bonhoeffer zählen für mich ganz klar zu den fünf wichtigsten Dingen, die ich aus dem ganzen Holocaust-Projekt mitgenommen habe. Tatsächlich sind mir seine Worte in Stück weit in Fleisch und Blut übergegangen und ich wiederhole sie inzwischen gerne im meinem Kopf, wenn ich in schwierige Situationen gehe oder mich sehr unsicher fühle. Es steckt sooo viel Hoffnung in diesen Worten. Hoffnung auf den nächsten Tag – nicht, das alles besser wird – aber das es weiter geht. Erst mal egal wohin. Und dann – für mich der beste Teil – der Beginn. Das Vertrauen darauf, dass gute Mächte über mich wachen, ist… es ist einfach… Da steckt ein so eine tiefe und friedvolle Überzeugung drin, dass ich einfach nicht mehr ohne diese schönen Worte sein möchte. Es ist wundervoll was Bonhoeffer da zusammengedichtet hat und wenn Du die nächsten Kapitel liest, wird es dich sicher nicht überraschen, dass der Satz noch ein paar Mal auftaucht. In ihm steckt eine unsterbliche Hoffnung.


Es freut mich, dass Du nach wie vor „Freude“ daran hast mit mir „auf Reisen zu gehen“ und dir diese vielen unterschiedlichen Orte von mir zeigen zu lassen. Dass dazwischen immer ein, zwei Monaten vergehen, ist, so denke ich, gar nicht schlecht, denn wenn ich auf meinen Reiseplan zurückschaue, dann war es doch sehr, sehr viel Input in verdammt kurzer Zeit. Also eigentlich war es zu viel, von heute aus betrachtet. Aber so ist das halt mit jungen, naiven und begeisterten Menschen – sie überschätzen sich, ziehen ihre Sache aber trotzdem durch und dass es sie eigentlich hätte überfordern müssen, fällt ihnen erst im Nachhinein auf. *Schulterzucken*
Insofern ist es gut, mit diesem großen Abstand von ein paar Monaten mir dir noch einmal zu den Orten zurückzukehren und für mich zu sehen, was ich damals vielleicht noch gar nicht richtig im Kopf „wegsortiert“ habe, weil ich dann schon wieder mit der nächsten Gedenkstätte beschäftigt war.

Du bist eine tolle Reisebegleitung, liebe Riri!

Liebe Grüße
Ramona

P.S. Auch hier kann ich dir nur nochmal für deine Mühe danken und dich wissen lassen, dass ich die erwähnten Fehler schon vor längerer Zeit korrigiert habe. Aufmerksame Leser dieser Art sind Gold wert. Denke, mein Goldstück! ;-)