Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
03.05.2017 | 06:23 Uhr
zur Geschichte
Liebe Jule,

vielen Dank für diese wunderbare Geschichte! Ich hatte Recht, dass mir ein Oneshot zu Leos Chemo von dir sehr gut gefallen würde: Es ist jetzt ganz klar meine Lieblingsgeschichte von dir!

Mich zieht sie gleich vom ersten Satz an in ihren Bann. Ich bin sofort im Geschehen drin und sofort fühlt sich alles vertraut und richtig an.
Gleich am Anfang hast du zwei großartige Ideen eingearbeitet: Dass Leo sich selbst einzureden versucht, dass er keine Angst hat, und dieser Satz dann irgendwann falsch (und damit wahr) herauskommt; außerdem dass diese Angst nicht zu beschreiben ist, weil sie eben unendlich groß ist und es deswegen auch keine Rolle spielt, ob sie mal etwas stärker oder etwas schwächer ist. Beides ganz tolle Ideen!
Dann als nächstes das Element, dass Leo den Rollstuhl anhält, weil die Angst zu übermächtig ist. Allein hätte er es damit in deiner Geschichte vermutlich nicht geschafft, im Chemoraum anzukommen. Es braucht wieder die Unterstützung eines Freundes. Sehr schön und passend!
Die Beschreibung zwischen Alex und Leos Freundschaft finde ich hervorragend. Genau so hätte ich mir das zu diesem Zeitpunkt auch vorgestellt: Alex als derjenige, vor dem Leo am schlechtesten Schwäche zeigen kann, weil Alex selbst auch sehr ungern Schwäche zeigt. Auch deine Darstellung von Alex ist hier sehr realistisch und so, wie ich ihn in der Serie an diesem Punkt wahrnehme. Der Zwiespalt zwischen der Fassade, die er fast immer zur Schau trägt, und einem anderen Alex, der langsam für einen kurzen Moment zum Vorschein kommt, ein Alex, der offen und ehrlich ist und ein Auge für die Nöte anderer hat.
Genial und absolut passend dann auch der Gedanke, dass es Leos eigene Sorge um Alex ist, die ihn seine Angst vergessen lässt. Darüber haben wir ja schon an anderer Stelle gesprochen: Dass sie in der Lage sind für andere viel mehr Stärke aufzubringen, als sie es für sich selbst in der Lage sind. Und darauf beziehst du dich ja auch später noch einmal explizit selbst, indem Leo diese Gedanken auch direkt äußert.
Hier an dieser Stelle wurde mir auch zum ersten Mal deutlich, wie gut du diese Geschichte ins Original eingewebt hast: Leo ist allein auf dem Weg in den Chemoraum (er ist ja morgens nach dem Kartenspielen ohne Beistand aufgebrochen), Alex hat die Ankündigung gemacht, dass er Frau Dr Reusch aufsuchen wird, um noch einmal zu verhandeln, und Emma wartet im Chemoraum auf Leo. Schön!
Auch Alex Scherz über das Gehen ist eine sehr gute Idee und passt einfach. Dann das Wettfahren, was es Leo ermöglicht, sich dem Chemoraum zu nähern, ohne vorher wieder in seine Angst abzurutschen. Sehr gut gelöst!
Ganz wunderschön auch die Szene, in der beide einmal ganz offen sind und sich gegenseitig gestehen, Angst zu haben. Unheimlich berührend!
Und dann das Ende... Es ist ja fast ein bisschen kitschig – aber nur fast und ganz positiv kitschig, was ich bei diesem schweren Thema als sehr erleichternd empfinde. Man braucht das nach all dem Schlimmen einfach. Leo greift noch einmal seine Angst-Worte vom Anfang auf und sie sind schon viel wahrer als zuvor und dann am Ende sind sie vielleicht wirklich ein bisschen wahr. Seine Freunde sind es, die es geschafft haben, ihm seine Angst auf ein erträglicheres Maß zu reduzieren. Gerade die allerletzten Sätze sind auch wieder sehr passend als Abschluss.

Eine ganz großartige Geschichte! Ich könnte eigentlich hinter jeden Satz deiner Geschichte ein Ausrufezeichen setzen, weil es einfach alles vollkommen stimmig und passend ist, so wie ich es mir auch vorstellen würde. Die Charaktere sind für mich genau so wie in der Serie und die Handlung ist hundertprozentig stimmig und fügt sich ideal ein. Deine Sprache und dein Stil sind wie immer einfach toll zu lesen! Und auch den Ton der einzelnen Personen triffst du immer sehr gut.

Wenn ich abschließend darüber nachdenke, warum mir ausgerechnet diese Geschichte so besonders gut gefällt, so liegt es zum Einen sicher an der ausgewählten Szene selbst. Du hast ja bisher immer sehr emotionale Szenen ausgesucht, in denen das Leid leider ein zentrales Element ist, aber mich berühren sie normalerweise am meisten, wenn es dabei um Leo geht. (Obwohl auch die Geschichten der anderen in der Serie sehr berührend sind: Die ganze Serie ist einfach ziemlich genial.)
Ich glaube, an dieser Geschichte finde ich dabei auch besonders gut, dass du nur ganz behutsam sehr kleine Dinge an die Original-Geschichte hinzugefügt hast: Du hast sowohl Leo, als auch Alex und Emma ganz passend aus dem Original herausgenommen und jeweils eine Leerstelle gefüllt und außer Leos Angst und einer kurzen Begegnung mit Alex ist nichts dazu gekommen. Gerade diese beiden Dinge sind aber so stimmig und so passend zu der Serie geschrieben, dass es mir eigentlich fast so vorkommt, als wird die Szene in der Serie auch erzählt. (Bestimmt haben sie die Szene genau so gedreht und dann aus Zeitgründen herausgeschnitten – und du hast die Szene irgendwo auf Youtube gefunden. ;-) )
Wenn ich noch genauer darüber nachdenke, hast du allerdings was Alex angeht, durchaus Dinge formuliert, die so in der Serie nie ganz klar gesagt wurden. Die Gedanken, die er sich zu diesem Zeitpunkt über seinen Vater und Charlotte macht: Wohl fast jeder Zuschauer denkt sich diese Gedanken und denkt sich, dass Alex sie hat, aber tatsächlich kommen Alex Gedanken zu diesem Thema in der Serie eigentlich ein bisschen zu kurz. Auch Alex Verhalten, was zu diesem Zeitpunkt schon relativ umsichtig und sehr hilfsbereit ist (ohne dass er dabei zunächst von seiner typischen Fassade abweicht), könnte man sich theoretisch auch anders denken. Diese deine Interpretation von Alex ließe sich also vielleicht wirklich auch noch anders sehen, aber tatsächlich hast du es genau so geschrieben, wie ich es mir auch vorstelle. Deswegen stimmt die Szene für mich vollkommen.
Was Leos Verhalten und insbesondere seine Angst angeht, so bin ich persönlich der Meinung, dass es kaum möglich ist, sie in der Serie anders zu interpretieren, als du sie geschrieben hast. Dafür wird diesbezüglich einfach zu viel im Original gezeigt. Meine Sicht triffst du jedenfalls zu hundert Prozent.
Ich stimme dir natürlich auch zu, dass diese deine Geschichte mit meiner Geschichte „Morgengrauen“ bezüglich der „wichtigen Dinge“ sehr übereinstimmt: In beiden kommt Leos Angst vor der Chemo wohl sehr deutlich zum Vorschein und es sind in beiden nur die Freunde, die es schaffen, Leo über diese Angst hinwegzuhelfen. Für mich besteht der größte Unterschied darin, dass du den Mut oder vielleicht einfach nur das Verlangen hattest, wirklich aktiv in die Handlung zu gehen und die Charaktere miteinander agieren lässt, während ich eigentlich nur die Gedanken und Gefühle in diesem Moment darstellen wollte. Mit deiner Version bringst du die Geschichte selbst richtig voran und fügst kreativ neue Elemente hinzu – die sich, wie bereits gesagt, so gut einfügen, dass ich nicht verstehen kann, warum sie die Szene nicht in die Serie eingebracht haben. (Anders als meine Geschichte hätten sie das mit deiner auch wirklich eins zu eins machen können. In deiner Geschichte ist genug Handlung und genug wörtliche Rede, dass ich mir ganz sicher bin, dass sie damit (und natürlich auf Grund sehr guter schauspielerischer Leistungen) die ganzen Gefühle hervorragend transportiert hätten. Für den Gedanken, dass die Angst unendlich groß ist, hätten sie nur Hugos Stimme aus dem Off benötigt. Der Rest hätte so wunderbar funktioniert, es hätte sich hervorragend gemacht und die Serie auch weiter vorangebracht. Schade, dass sie das nicht gemacht haben!)

Also, liebe Jule, ich danke dir sehr, dass du diese Geschichte geschrieben hast! Sie ist einfach großartig geworden und hat mich sehr berührt und mir sehr viel Freude gemacht! Wie gut sie mir tatsächlich gefallen hat, kann ich gar nicht in Worte fassen. Vielen, vielen Dank!

Liebe Grüße,
Ilcuvi

P.S.: Dass du jetzt meine Lieblingsgeschichte von dir geschrieben hast, sollte dich nicht entmuntern, auch weiterhin viele neue Szenen zum Club der roten Bänder zu schreiben. Ich freue mich sehr auf die Nächsten - aber für die werden meine Reviews wieder kürzer. ;-P