Autor: CatherineK
Reviews 1 bis 25 (von 117 insgesamt):
04.12.2019 | 15:06 Uhr
zu Kapitel 17
Liebe Catherine!

Nun bist Du endlich an der Reihe!

Zunächst einmal auch auf diesem Wege herzliche Glückwünsche zum wehenden Fähnchen! Das ist ja doch immer noch etwas Besonderes, wenn hier eine Geschichte, die so lange lief, wie die Deine ihr Ende findet.

Für mich persönlich bedeutet das jedoch auch, dass ich Abschied nehmen muss, von einer Geschichte, die ich sehr gerne gelesen und begleitet habe. Mich hat das Format, nämlich die kleinen Geschichten und Episoden, die so schön in die Geschichte eingebettet waren, die wir alle kennen.

Apropos „Abschied“ – als ich dies im Kapiteltitel gelesen habe, habe ich erst gedacht – Oh shit – nun kommt NTs und ITs Tod.

Aber so kommt es gar nicht und das ist gut so. Du spielst am Ende sehr geschickt mit dem Wissen des Lesers. Jeder weiß, wie es weitergeht und doch ist es das logische Ende dieses Tagebuchs, da danach eine ganz andere Ebene der Freundschaft zwischen W und OS erreicht wird.

Ob OS da weiterhin Tagebuch führt? Du wirst es uns wissen lassen !

Nun bin ich aber gleich ans Ende gesprungen, dabei wollte ich doch wie üblich eigentlich was zum Titel sagen…

„Abschied“ setzt die Klammer zu deinem ersten Kapiteltitel „Wie alles begann“ und so schließt sich der Kreis hier auch in den Überschriften.

Wir befinden uns am Abend vor dem so schicksalsträchtigen Aufbruch gen St. Louis.

Du spielst hier und überhaupt über das ganze Kapitel hinweg mit dem Wissensvorsprung, den die Leser nun einmal haben.

Wir wissen, dass nicht alles gut wird und dass die zu Beginn aufkommenden Schuldgefühle bei OS sich schon bald potenzieren werden.

Schuldgefühle hegt er auch, weil IT es ihm erlaubt, die Vermessungsarbeiten zu beenden. Das macht Deinen OS so besonders – er macht sich viel tiefergehende Gedanken, als das Original!

Den Charakter des Abschieds unterstreichst Du nicht zuletzt dadurch, dass Du OS noch einmal durch viele Stationen Deines Tagebuchs gehen lässt. Er denkt an viele Gegebenheiten zurück und streift sogar durch einige der Schauplätze.

Es war schön mit ihm gemeinsam noch einmal einen Streifzug durch Deine Geschichte zu machen !

Bei den letzten Abschnitten spielst Du wiederum gekonnt mit dem Wissen des Lesers.

Bei den Worten… :„Weitere Abenteuer erwarten uns, aber hoffentlich auch viele vertrauliche Stunden am Lagerfeuer, in denen ich insbesondere den charismatischen Intschu tschuna besser kennen lernen kann.“

…musste ich doch deutlich schlucken!

Was bleibt mir noch zu sagen?

Danke für diese tolle Idee, für viele Kapitel Lesegenuss, dafür, dass Du die Geschichte zu einem runden Ende geführt und dafür, dass Du sie mit uns geteilt hast!

Liebe Grüße

Danny
01.12.2019 | 11:03 Uhr
zu Kapitel 17
Wie schön, endlich eine Geschichte zu lesen, die beendet ist. Aber mit siebzehn Kapiteln habe ich einiges vor mir. Das freut mich noch mehr. Ich werde sie mir in der Adventszeit "auf der Zunge zergehen lassen." Eines Review kannst du daher sicher sein.

Aber erst einmal wollte ich Dich wissen lassen, dass ich in die Hände klatschte vor Freude. Dir einen schönen 1. Advent und danke im voraus für die Geschichte.
28.11.2019 | 09:55 Uhr
zu Kapitel 17
Liebe Catherine,
das Fähnchen weht und das Tagebuch des jungen OS endet mit den Worten "es beschreibt den Weg, den zwei Menschen unterschiedlicher Kulturen zurückgelegt haben, um das Kostbarste zu erlangen, was es gibt: Freundschaft und Liebe."
Der Weg, den die beiden bis zu diesem Zeitpunkt zurückgelegt haben, war nicht frei von Missverständnissen, von Feindschaft, von Zweifeln. Zu unterschiedlich waren die Kulturen, die Weltanschauungen. Aber sie haben diese Schwierigkeiten überwunden und das Band, das mit ihrer Blutsbrüderschaft geknüpft wurde, ist stark und fest geworden.

Es ist gut und richtig, dass das Tagebuch hier endet, denn die schwerste Prüfung in dieser, noch jungen Freundschaft, steht ihnen ja in naher Zukunft bevor.

Ich bin gespannt, ob es ein zweites Tagebuch gibt oder vielleicht auch ein Tagebuch Winnetous?

Ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Vielen Dank dafür und liebe Grüße
Marieschi
27.11.2019 | 19:00 Uhr
zu Kapitel 17
Hi Cath,
ein Kreis schließt sich. Scharlihs letzte Worte für dieses Tagebuch schreibt er dort nieder, wo alles angefangen hat.
Er macht sich Sorgen, weil der Häuptling, Winnetou, Sam, Dick und Will das Pueblo morgen verlassen wollen und von Ntscho-tschi begleitet werden, die in St. Louis eine Schule besuchen soll, trotz der Tatsache, dass Scharlih sie dennoch nicht heiraten will. Nun fragt er sich natürlich, als welcher Mensch sie aus St. Louis zurück kehren wird. Sogar berechtigte Frage, denn Jahre ohne die Sitten und Gebräuche ihres Stammes, könnten sie von diesem entfernen.

Das andere, was ihm Sorge bereitet ist, dass Intschu-tschuna Charly erlaubt hat, die Landvermessung für die Eisenbahn zu beenden. Ich denke, dass Intschu-tschuna sich durchaus bewusst wird, was das Feuerross für Veränderungen mit sich bringen wird. Vielleicht hält er Charly einfach für die bessere Wahl, weil er durchaus die Kultstätten und andere Orte, die für die Mescaleros wichtig sind, beibehalten wird, was von einem anderen Landvermesser nicht unbedingt zu erwarten sein könnte.

Genau genommen war es wirklich ein schöner runder Abschluss.
Danke
24.11.2019 | 10:34 Uhr
zu Kapitel 17
Liebe Catherine!

Zuerst einmal Glückwunsch zu einem weiteren Fähnchen! Jeder Schreiberling weiß, wie anstrengend es sein kann, die Ziellinie zu überqueren, und sei es nur im Schritt ;-)

Das letzte Kapitel dieser Sammlung ist im Grunde kein eigenständiges Werk, vielmehr eine Art Nachschau, ein Moment der Einkehr, der das Vergangene aufgreift, einsortiert, gegebenenfalls neu bewertet und zu einem großen Ganzen verflicht, an dessen Ende die wertvolle Erkenntnis steht: Es geht hier um Liebe und Freundschaft, jene zwei, die mächtiger als der einzelne Mensch sind... und für die es sich zu kämpfen lohnt. Die Hindernisse waren zahlreich, können am Vorabend des Aufbruchs jedoch mit einem gewissen Wohlwollen hervorgeholt und betrachtet werden, weil unsere Helden über sie triumphiert haben.

Außerdem gelingt es dir, uns mit diesen Reminiszenzen noch einmal vor Augen zu halten, auf welch diverse Wege du uns mitgenommen hast, wodurch unsere Achtung dir gegenüber noch einmal steigt ;-)

Über den gesamten Verlauf des Kapitels spiegeln die natürlichen Gegebenheiten mehr als deutlich, was sich hiernach abspielen soll. Es wird dem Pueblo nichts nützen, sich Schutz suchend an die Felsen zu schmiegen, denn die hereinbrechende Nacht ist unerbittlich. Die Erinnerungen bewegen sich in gleichem Maße auf den gegenwärtigen Zeitpunkt zu, wie die Schwärze zunimmt. Allein die Protagonisten wissen noch nicht darum.
Etwas so nachdrücklich und wiederholend auf derart engem Raum im Text zu verankern, ist eine gefährliche Angelegenheit, weil es leicht gewollt wirkt. Du umschiffst diese Klippe, indem du das voranschreitende Dunkel mit OSs Schreibtätigkeit verbindest. Es ist durchaus von praktischem Belang, dass es immer finsterer wird, wenn man etwas aufschreiben will und nicht einfach die nächste Straßenlaterne aufsuchen kann, sobald das mit natürlichen Mitteln ob der Dunkelheit nicht mehr funktioniert ;-)

Die Zeilen, die dein OS an diesem Abend zu Papier bringt, zeigen uns, dass er im Laufe der letzten Wochen gereift ist. Ich mag es, wie du ihn darstellst, besonders in Bezug auf seine Ängste um die zerstörerischen Auswirkungen der Zivilisation, die auch den Apachen nicht erspart bleiben werden. An dieser Stelle steht einer meiner beiden Lieblingssätze des Kapitels: „Denn der Zug wird nicht einfach nur durchfahren, er wird auch anhalten.“ Damit ist eigentlich alles gesagt, die zusätzlichen Ausführungen sind reine Schönheitsarbeit ;-)

Natürlich besitzt OS eine genauere Vorstellung davon, wie sich das Vordringen der Weißen auswirken wird, als IT und W sie je hätten, dennoch ist dieses Szenario auch für ihn kaum zu greifen. Ich empfinde es deshalb als gleichzeitig menschlich und wahrscheinlich, das Thema nicht anzusprechen. Es ist zu gewaltig, als dass eine zielführende Unterhaltung darüber jemals hätte zustande kommen können. Das Problem lässt sich nicht lösen. Was den jungen OS aber von der Masse abhebt, ist sein Hadern mit dem eigenen (als zu schwach empfundenen) Charakter. Der hohe Anspruch an sich selbst macht ihn besonders.

Hervorheben möchte ich zudem die Passage, in der OS quasi die Geschehnisse am Nugget Tsil vorausahnt... jenen Augenblick, in dem W eben nicht achtgibt und der bodenlosen Schwärze mehr Raum zugesteht, als für ihn und seine Umwelt gut ist. Aber irgendwie wird ja dann OSs Gesuch an den Herrgott Genüge getan, weil sich am Ende ein Gegner für die Schwärze findet, den diese nicht zu bezwingen vermag: die Liebe zwischen den Blutsbrüdern.

Liebe Catherine, es gibt einen Satz, für den ich dich hasse – und der deswegen zum angefochtenen Lieblingssatz avanciert: „Es wird schon alles gut gehen!“ Muss ich das erklären ;-)?

Und obwohl, wie wir alle wissen, das absolute Gegenteil eintritt, kann man den jungen OS dafür nicht verurteilen. Wie oft handeln wir ähnlich, vertrauen darauf, dass das Schicksal es schon gut mit uns meint? Das Unglück, das am Ende zwei teure Menschenleben kosten wird, ist außerdem nur bedingt mit all den Sorgen verknüpft, die OS sich macht. Sich anzulasten, dass Ws Vater und Schwester überhaupt auf weiße Mörder trafen, wäre unsinnig.

Liebe Catherine, lange hat dieses Tagebuch uns begleitet, hat eine Zeit mit Leben gefüllt, die der Mayster nur auf wenigen Seiten umrissen hat. Wahrscheinlich gäbe es noch Stoff für die eine oder andere Anekdote, wenn man sich anhaltend den Kopf zerbräche – aber der Abschied muss nun einmal sein... idealerweise, bevor der Ideenreichtum sichtlich versiegt ;-) Von daher begrüße ich dieses Fähnchen und empfehle dir, dich genüsslich zurückzulehnen und mit Stolz auf das Geschaffene zurückzublicken!

Vielen Dank für die vielen schönen Momente auf der Reise. Ich freue mich darauf, mit deinem nächsten Projekt von dir erneut auf eine solche entführt zu werden :-)

Liebe Grüße

Zorbi

Antwort von CatherineK am 25.11.2019 | 07:55:17 Uhr
Liebe Zorbi,

vielen Dank für die Glückwünsche, die angesichts der Dauer dieses Projektes besonders willkommen sind!

Du hast völlig Recht, wenn du schreibst, dass dieses Kapitel kein eigenständiges Werk ist. Vielmehr ist es das, womit ich normalerweise so sehr kämpfe, und worüber wir schon beim ersten Treffen damals gesprochen haben (weißt du noch?): ein "Grübelkapitel". Pefekt fasst du es zusammen: "...eine Art Nachschau, ein Moment der Einkehr, der das Vergangene aufgreift, einsortiert, gegebenenfalls neu bewertet und zu einem großen Ganzen verflicht". So wollte ich es verstanden wissen. Als ein Abschluss, der für Neues öffnet.

Deine Einordnung des Dunkelheits-Bildes hat mich aufatmen lassen. Die Dunkelheit lauert bereits, hier rein physisch, doch letztlich dann auch in übertragenen Sinn. Zu Recht scheibst du, dass wir wissen, was kommt, nicht aber der Leser, was wohl besonders tragisch ist. Natürlich ist die Gefahr, dass so etwas zu gewollt oder plakativ ist, allgegenwärtig. Und gerade du hast sehr gute Antennen für derartige Dinge, so dass es mich erleichtert, dass du mir das so abnimmst.

Dein erste Lieblingssatz gefällt auch mir - allerdings erst jetzt, wenn er, wie du es tust, aus dem Zusammenhang gerissen ist. Und ich frage mich tatsächlich, ob es nicht gereicht hätte, ihn so stehen zu lassen und alles weitere Beiwerk wegzulassen. Denn wie du sagst: Er steht für sich, er impliziert sämtliche Bedrohungen, die da noch kommen werden. Danke, dass du ihn so herausseziert hast!

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum OS zu dem Vordringen der Zivilisation geschwiegen haben könnte. War es nur seine Jugend? Seine eigene Unsicherheit gegenüber Anführern wie IT und W, die er zwar nicht zugeben wollte, sicherlich aber ganz tief drinnen gefühlt haben muss? Oder kam hinzu auch tatsächlich, dass er sich zu klein und zu schwach fühlte, angesichts der existenzbedrohenden Tragweite dieses Problems. Denn das hätte auch beinhaltet, dass er eine Lösung suchen , vielleicht gar auch, sich selbst rechtfertigen müsste und dass er zugeben müsste, dass diese neue, spannende Welt vielleicht bald schon Geschichte sein würde. Und das konnte er nicht. Mein Gedanke war, dass er dies alles auch noch nicht reflektieren konnte, und es so einfach auf die eigene Charakterschwäche schob - etwas, was der spätere OS niemals tun würde und was ja auch nicht stimmt.

„Es wird schon alles gut gehen!“ - Genau das ist doch ein Ausspruch, mit dem wir uns tagtäglich über Probleme und Unwägbarkeiten hinweg retten. Und in den allermeisten Fällen tut es das ja auch. Nur wir Leser wissen, dass es diesmal nicht so ist und ja, natürlich war das gemein von mir, es trotzdem zu schreiben. Zugleich war es auch so wunderbar passend für den jungen OS, der die Gefahren bislang fast nur theoretisch kennt.

Liebe Zorbi, du hast mich auf dieser (wirklich sehr langen Reise) von Anfang an begleitet. Zu Beginn mit diversen Aufschreien "Ich habe keine Zeit, aber..." , "Ich stehe kurz vor einem Urlaub, aber ich muss noch schnell...", später mit etlichen wertvollen Reviews. Dafür sage auch ich ein herzliches "Danke" an dieser Stelle und freue mich zudem sehr, dass du jetzt wieder hier dabei sein kannst!

Liebe Grüße
Catherine
23.11.2019 | 23:06 Uhr
zu Kapitel 17
Was für ein schönes Ende, das gefällt mir besser als das Ende in Winnetou 1, mit der Jagd nach Santer.
Wird es eine Winnetou 2 geben, oder was ganz anderes zu den beiden, würde es mir wünschen.
Weiter so, freue mich auf das neues von dir.

LG
Onlyknow3

Antwort von CatherineK am 24.11.2019 | 10:26:57 Uhr
Hallo Onlyknow,

es freut mich, dass dir dieses Ende gefallen hat!
Ein Tagebuch zu W 2 wird es aber nicht geben, ich denke nicht, dass es dort so viele Lücken gibt, die man schließen könnte. Oder zumindest ich könnte es nicht. Es gibt aber eine andere Geschichte, sich sicherlich irgendwann hochgeladen werden wird. Es würde mich freuen, wenn du dann auch dort wieder mitliest!

Liebe Grüße
Catherine
23.11.2019 | 19:10 Uhr
zu Kapitel 17
Liebe Catherine,

als ich das Fähnchen gesehen habe, wollte ich dein neues Kapitel eigentlich gar nicht lesen, weil es damit endgültig würde, dass dein wundervolles Tagebuch zu Ende geht.

Ich habe das aber nur kurz ausgehalten und es dann natürlich trotzdem gelesen und es hat mir den Abschied von deiner Geschichte noch schwerer gemacht. Das Kapitel ist wieder so schön geschrieben, dass mir immer wieder ein „Hach“ entfuhr.

Die Zeit OSs bei den Apachen geht zu Ende und er lässt seine Erlebnisse, Gefühle und besonderen Momente mit W Revue passieren. Es ist wie in dem Film W 3, als OS sich angesichts des sterbenden W an die Zeit mit ihm erinnert. Nur dass keiner stirbt, zumindest glaubt er das. Aber wir wissen es besser und das macht das Ganze so traurig :‘-(

Daneben finde ich die Gedankengänge zu einem Aufenthalt N-Ts in St. Louis sehr interessant. Die sind ja völlig berechtigt und man könnte glauben, KM habe das nie zu Ende gedacht, weil er für die Arme nur noch den baldigen Tod vorgesehen hatte.

Dann gibt es auch noch die Überlegungen zu der Religion von W und OS und die phantastische Idee, das Gute aus beiden zu einer gemeinsamen Religion bzw. Moral zu machen. Dieser würde ich mich dann auch anschließen. Überhaupt hat OS sehr tiefgründige Gedanken in diesem letzten Kapitel, er geht aber auch hart mit sich ins Gericht und fragt vergeblich nach dem Grund für sein mehrmaliges Schweigen. Dabei ist er doch noch so jung und auch noch unsicher, wie weit er im Umgang mit den Apachen gehen kann. Er hatte als junges Bleichgesicht bestimmt auch ein bisschen Angst vor dem mächtigen und charismatischen I-T, der übrigens bei KM auch viel zu kurz kommt.

Wenn ich dein Tagebuch auch noch einmal Revue passieren lasse, denke ich, dass KM jede Menge interessanter Geschichten liegen gelassen hat. Aber dir ist es gelungen, einige davon zu erzählen, ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, der Mayster hätte das nicht so schön wie du gemacht.

Dafür danke ich dir ganz herzlich und möchte dich auch daran erinnern, dass es noch jede Menge Lücken gibt;-) . Ich hoffe wirklich sehr, dass du davon noch einige schließt.

Liebe Grüße

Arvara

Antwort von CatherineK am 24.11.2019 | 10:24:01 Uhr
Liebe Arvara,

das kenne ich sehr gut, dass man ein Buch oder eine Geschichte einfach gar nicht zuende lesen möchte, weil man sie so mag. Dass das aber mal jemand von einer meiner Geschichten sagen würde, ups, da muss ich direkt schlucken! Danke dafür!

Ich habe lange überlegt, wie genau diese Geschichte enden soll und mich dann entschieden, ein Kapitel völlig ohne Handlung, nur mit Erinnerungen und Reflektionen zu schreiben, was mir - ehrlich gesagt - zunächst gar nicht so leicht fiel. Es stimmt natürlich, es gibt eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Film, die mir zwar nicht bewusst war, mir aber, so wie du es schreibst, durchaus gefällt;-)

"...man könnte glauben, KM habe das nie zu Ende gedacht, weil er für die Arme nur noch den baldigen Tod vorgesehen hatte. " - Oha, da sprichst du ein wahres Wort. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass KM das nicht zu Ende gdacht hat, aber auch das war mir nie so bewusst, wie du es nun schreibst. Für ihn war NTs Ausbildung nur ein Mittel zum Zweck, sie in den Tod zu locken, fürchte ich.

Es war für mich immer eine Gratwanderung, den jugendlichen OS darzustellen. Wie tiefgründig darf er sein, wie naiv muss er sein? Das hab ich mich gerade im letzten Kapitel gefragt und es kann durchaus sein, dass er mir hier fast schon zu reflektierend geraten ist. Auf der anderen Seite habe ich darauf geachtet, dass er die wirklich wichtigen Gedanken nicht zu Ende bringt. Warum schafft er es nicht, seine Bedenken gegen die Eisenbahn zu äußern? Er weiß es nicht, er ist zu jung, sich über die vermeintlich nötige Höflichkeit hinwegzusetzen. Wichtige Entscheidungen reflektiert er zwar, schiebt sie aber auf... Vieles andere ist hingegen nicht neu, sondern eine gereifte Version der Gedanken aus vergangenen Kapiteln. Ich hoffe natürlich, dass das beim Leser auch so ankommt ;-).

Ich bin KM eigentlich fast dankbar, dass er solche Lücken in seinem Werk gelassen hat, die ich in diesem Tagebuch, und wir im Allgemeinen in diesem Fandom schließen können. Die Adressaten seiner W-Bücher waren ja hauptsächlich Jugendliche und daher hat er wohl Gefühle und Gedanken oftmals weggelassen, auf die wir uns jetzt stürzen können. Wie schön für uns, oder?

Liebe Arvara, ich freue mich sehr, dass dir das Tagebuch und dieses letzte Kapitel gefallen haben! Weitere Lücken zu schließen habe ich eigentlich erst einmal nicht geplant, aber man kann ja nie wissen;-)

Liebe Grüße
Catherine
23.11.2019 | 14:55 Uhr
zu Kapitel 17
Liebe Catherine,

Oh weh, zweimal weh... Erstens, weil diese Geschichte zu Ende kommt, ich möchte noch weiterlesen... Und dann auch, weil wir alle wissen, was jetzt kommt...

Dieses Kapitel hat mehr Reflexionen als Handlung, und ich muss sagen, dass es vor allem diese Reflexionen sind, die mich wieder und wieder zu Karl May bringen. Als Kind habe ich nur Übersetzungen gelesen, besser gesagt Überarbeitungen wo viele Gedanken weggelassen waren, weil es für Kinder war, und Gedanken über Religion wurden als Unpassend verurteilt - ich bin in den 80en Jahren in der Tschekoslowakei gewachsen. Und schon als Kind dachte ich - er sagt, was er gemach hat, aber was dachte, was fühlte er dabei? Gerade deshalb hat mir dieses Kapitel so gefallen.

Vielen Dank für die ganze Geschichte, herzlichen Glückwunsch zur Fertigstellung - und bald etwas Neues, bitte! (Obwohl ich fast nie schreibe, habe ich alles von Dir gelesen, wirklich!)

Antwort von CatherineK am 24.11.2019 | 10:02:38 Uhr
Liebe Basha,

wie schön, wieder von dir zu hören!

Und auch über den Inhalt deines Kommentars habe ich mich sehr gefreut, denn ich war mir überhaupt nicht sicher, wie dieses sehr ruhige und reflektierende Kapitel angenommen werden würde. Ich habe ähnlich gedacht wie du, nämlich dass in W1 an dieser Stelle OS einfach fortreitet, aber seine Gedanken und Gefühle dazu völlig fehlen. Da muss doch mehr gewesen sein! Daher habe ich diese Lücke versucht zu füllen und es macht mich wirklich sehr glücklich, dass genau das dir gefallen hat.
Als großes Kompliment empfinde ich es, wenn du schreibst, dass du alles von mir gelesen hast. Wow, wie wunderbar - das ist so ein Ansporn weiterzumachen!
Und ja, es gibt schon eine neue Geschichte... Natürlich würde ich mich freuen, auch dort hin und wieder von dir zu hören!

Ich wünsche dir eine schöne Vorweihnachtszeit und danke für dieses Review!
Liebe Grüße
Catherine
grashuepfer (anonymer Benutzer)
23.11.2019 | 10:54 Uhr
zu Kapitel 17
Wieso drückt es mir bei den letzten Worten eigentlich Tränen in die Augen...vielleicht weil ich selbst 2 Blutsschwestern (JA, richtig gehört! So richtig mit Anritzen wie bei Karl May...) habe, und das seit fast 40 Jahren!

Antwort von CatherineK am 24.11.2019 | 09:54:18 Uhr
Hi Grashuepfer,

ja, es ist unheimlich schön und wichtig, solch gute Freunde zu haben - mit oder ohne Blutsschwesternschaft;-). Dazu gratuliere ich dir - es gehört schon was dazu, das über 40 Jahre zu erhalten. Und wenn dann meine letzten Worte das Gefühl dafür in dir neu erstrahlen lassen, macht mich das froh!

Viele Grüße
Catherine
22.11.2019 | 10:36 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine!

Längst habe ich allen Überblick verloren, wem ich hier wann zu welchen Kapiteln und Geschichten rückgemeldet habe und wem nicht. Ganz generell schaffe ich es einfach nicht, in der bewundernswerten Regelmäßigkeit, mit der viele hier arbeiten, bei der Stange zu bleiben - zumindest nicht aktiv.

Schon bei Danny schrieb ich, dass dies aber nicht bedeutet, dass ich nicht begeistert lesen würde. So natürlich auch bei diesem Tagebuch, das ich eine wundervolle Idee finde!

Allerdings muss ich gestehen, dass ich bei diesem Kapitel ein wenig "zwiegespalten" bin. Es schmerzt mich immer sehr, dass W kein persönliches Glück von KM gegönnt bekommen hat. Daher auch mein absoluter Hang zu Slash: Wenn schon keine Frau, dann eben wenigstens Scharlih für W.

Hier nun eröffnest du irgendwie die Möglichkeit, dass es durchaus gegangen wäre, wenn W doch nur gewollt hätte. Und es ist eine Mischung aus Verzweiflung, Verständnis und auch dem Wunsch, W an sein Alter zu erinnern, die mich umtreibt!

Denn du zeigst nicht nur eine potentielle Partnerin, sondern gibst dieser auch noch perfekte Attribute: Jung, schön, sanftmütig, klug, mit Humor. Und noch dazu wäre ein politischer Vorteil dabei. Zu verständlich, dass W flüchtet, denn vielleicht hat er hier Angst vor der eigenen Absolutheit seiner Entscheidung. Er hat sich selbst geschworen oder für sich selbst beschlossen, dass die Liebe nicht für ihn gedacht ist, weil er Ribanna nicht haben konnte. Und er hat dies in einer Unnachgiebigkeit beschlossen, die sicher in der Situation des damaligen Schmerzes angemessen war, die aber doch irgendwann hätte abgeschwächt werden können. Auch ein gebrochenes Herz heilt - zumal wenn es so jung ist.

Fast scheint es mir, dass W genau davor Angst hat. Er flüchtet geradezu vor Mondschimmer und ich bin sicher, nicht nur, weil er keine Diskussion mit seinem Vater will oder weil er ihr keine falschen Hoffnungen machen will, sondern weil er vielleicht durchaus die Gefahr sieht, seinem selbstauferlegten Dauerschmerz entfliehen zu können durch eine neue Chance für die Liebe.

Dass kein Platz in seinem Herzen ist für ebendiese, ist nämlich zu einem Großteil eine bewusste Entscheidung. Der echte, tiefe Schmerz, der es ihn einst hat so fühlen lassen, würde nämlich vergehen.

So oder so.... Es ist maximal "gemein", W eine passende Partnerin zu präsentieren und diesen dann aber stur davonlaufen zu lassen. Fiiiiese Autorin ;)

Unabhängig von diesem wundervoll ausgestalteten Kern des Kapitels war es vor allem am Anfang ein Absatz, den ich sehr interessant fand, weil er mir eine Möglichkeit zeigt, die so naheliegend ist, über die ich aber doch noch nie recht nachgedacht habe: "Sam hätte den Apachen und vor allem Winnetou und Intschu tschuna nach Klekih-petras Tod und meinem Weggang ein wertvoller Ratgeber sein können. Winnetous zurückhaltendes, ja beinahe unsicheres Verhalten auf dem Handelsposten hatte mir gezeigt, dass er zuweilen noch eines solchen bedurfte. "

Stimmt! Sam wäre in der Tat eine gute Wahl gewesen, denn er ist pfiffig, den Indianern sehr wohlgesonnen, im Westen bewandert. Seine Verbindung mit Vollmond wäre dem Stamm wohl zugute gekommen. Andererseits ist auch er ein rastloser Wanderer, der vielleicht ebenso wie OS nicht glücklich geworden wäre in diesem sesshaften Zustand. Dennoch ein total interessanter Gedanke!

Liebe Catherine, ich ahne, dass sich dieses Projekt dem Ende nähert, oder? Insofern bin ich froh, noch einmal eingestiegen zu sein und freue mich auf das, was noch kommen mag aus dem Leben unserer jungen Helden.

Herzliche Grüße
Karla

Antwort von CatherineK am 24.11.2019 | 10:51:20 Uhr
Liebe Karla!

Wie schön, wieder von dir zu hören und es freut mich, dass dir die Idee dieses Tagebuches gefällt!

Ich finde, du analysierst hier perfekt das Kernproblem Ws in Bezug auf Frauen bzw. die Liebe: "Dass kein Platz in seinem Herzen ist für ebendiese, ist nämlich zu einem Großteil eine bewusste Entscheidung. Der echte, tiefe Schmerz, der es ihn einst hat so fühlen lassen, würde nämlich vergehen."
Ich würde das gerne noch um einen Aspekt erweitern. Warum hat denn W sich diese Einschränkung auferlegt? Sicher, er konnte die Frau nicht haben, die er liebte, nämlich Ribanna.
Dann aber ist diese auch noch, quasi vor seinen Augen, von einem weiteren Rivalen getötet worden. W muss also zweierlei gefürchtet haben: Zum einen, dass seine Gefühle nie wieder tief genug sein würden, eine Frau so zu lieben, wie sie es verdient und wie er es für richtig hält. Und zum anderen aber auch die Angst davor, eine Geliebte erneut zu verlieren, und nicht nur das, sondern die Angst davor, sie nicht beschützen zu können. Dieses Gefühl der Ohnmacht hat ihn vielleicht sogar ganz besonders abgeschreckt, ist er doch jemand, der immer alles im Griff hat.

Aber wie auch immer, ich finde es sehr interessant, welche tiefgehenden Gedanken du aus der Episode mit Mondschimmer herausliest!
Ich hatte überlegt, ob ich sie wirklich so klischeehaft perfekt darstellen sollte, und fand es dann gerade wichtig, um herauszustellen, dass es nicht das Äußerliche ist, was ihn abschreckt, sondern dass die Gründe ganz woanders liegen.

OS jedenfalls bekommt hier nur einen Bruchteil davon zu sehen, was wirklich in seinem Blutsbruder vorgeht. Aber immerhin überhaupt etwas;-)

KM hat vermutlich niemals erwogen, Sam Hawkens bei den Apachen leben zu lassen. Aber in der Tat wäre es möglich gewesen und vielleicht auch gar nicht schlecht...

Inzwischen ist das Ende des Tagebuches ja erreicht ;-). Bestimmt gäbe es noch die ein oder andere Episode, die man hätte erzählen können, aber für mich war es Zeit, das Projekt zu beenden, mit dem ich hier vor geraumer Zeit in dieses Fandom eingestiegen bin. Ehrlich gesagt erleichtert es mich auch;-)

Liebe Karla, vielen Dank für deine tolle Rückmeldung!

Liebe Grüße
Catherine
16.11.2019 | 07:47 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine!

Kein echtes Review, aber immerhin ein "Ich bin wieder da!" Ich hatte ja schon befürchtet, dass sich das Tagebuch ohne mich vollendet, aber es war in den letzten Wochen einfach zu viel echtes Leben und es ging nichts mehr hier.

Ich denke, ich hab es nun wieder so weit im Griff und werde doch hoffentlich beim letzten (?) Kapitel wieder voll einsteigen und dir auch noch einmal ein echtes Review dalassen.

Die Grundidee dieses Kapitels ist jedenfalls spannend. Ja, was wäre gewesen, wenn IT nicht so früh gestorben wäre? Wie lang wohl hätte sich W gegen eine Ehe wehren können? Wie lang hätte er es vielleicht auch überhaupt gewollt? Alleine wie er dann war, konnte er eben entscheiden, dass er in dem Schmerz, R verloren zu haben, bleiben will. Hätte sein Vater aber noch einige Jahre an seiner Seite geweilt, wäre auch das vielleicht anders geworden. Ein interessanter Gedanke in jedem Fall, denn ich bin der Meinung, dass eine Teenager-Liebe sich überwinden lässt. Dass W sich nie nach Frauen umgeschaut hat, ist eine Entscheidung, für die das Unglück mit R eine willkommene Ausrede darstellt.

Ich bin jedenfalls auf den Schlussakt gespannt und jetzt wieder voll da. Hoffe ich ;-P

Liebe Grüße,

Luni!

Antwort von CatherineK am 18.11.2019 | 18:55:42 Uhr
Liebe Luni,

wie schön, von dir zu hören! Ich weiß, was du meinst, denn ich hänge hier ja auch sehr zurück gerade.

Und ich stimme dir voll zu, wenn du sagst, dass eine Teenagerliebe überwindbar ist. Wobei, was W macht, macht er ja auch richtig, wie uns KM glaubhaft erzählt.

Durch den Einfluss von IT hätte aber durchaus Ws Leben anders verlaufen können. Ohne die große Verantwortung, die er schon in jungen Jahren auf sich nehmen musste, hätte er vielleicht noch einmal den Mut gefunden sich zu verlieben. Vielleicht wäre ihm eine Familie vergönnt gewesen, vielleicht hätte er doch glücklich werden dürfen.

Naja, das ist Stoff für eine andere Geschichte...

Danke für die Rückmeldung und liebe Grüße
Catherine
05.11.2019 | 18:59 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine,


du schreibst in deiner Antwort an Danny, dass die Parallele zwischen OS und W, die du hier geschaffen hast, „zum Glück niemanden gestört“ hat. Wieso sollte es denn? Ich finde gerade diesen Umstand reizvoll an der Geschichte (und dass du das vielleicht nicht direkt so geplant hast, spricht in meinen Augen für deine Intuition als Autorin!). Es ist ein weiteres Feld, in dem sich die Blutsbrüder nahe sind, ohne es zunächst zu wissen und auch bis auf Weiteres ohne es genauer zu ergründen, aber das schmälert ja nicht die unausgesprochene emotionale Nähe, die sich uns Leser*innen dadurch offenbart. OS erwägt, die Apachen zu verlassen, weil er N nicht direkt abweisen kann. W unternimmt einen spontanen „Ausflug“, weil er M nicht direkt abweisen kann. Die beiden klugen Frauen sollen selbst merken, was die Männer ihnen damit sagen wollen. Allerdings werden gerade durch die Gemeinsamkeit auch die Unterschiede der jeweiligen Situation deutlicher hervorgehoben: Ws Herz ist nicht mehr frei, nicht mehr bereit für eine Liebe. Das von OS ist es noch nicht. Ich mag diese Gegenüberstellung und Kontrastierung sehr! :)

Was ich auch interessant finde an dem Kapitel, ist die Beziehung von W zu seinem Vater, in der einerseits Reibungspunkte aufgezeigt werden, andererseits aber auch ein tiefer Respekt, der dazu beiträgt, dass W „flieht“, und der letztlich dazu führt, dass I natürlich die Entscheidung seines Sohnes akzeptieren muss. Für mich ist es stimmig, dass W hier noch nicht so agieren kann, wie er es später tut. Er ist noch nicht so abgeklärt und besitzt noch nicht die voll ausgereiften diplomatischen Fähigkeiten, mit denen er eine solche Situation später angegangen wäre. Er ist hier nicht nur jung, er ist hier auch noch nicht der oberste Häuptling, er ist hier eben auch Sohn, von dem ein bestimmtes Verhalten aus einer Position der Autorität erwartet wird. Aber erkennt die "Flucht" als ein diplomatisches Mittel und ist nicht zu stolz, sie zu wählen.

Sehr schön finde ich auch die diversen humoristischen Stellen, bei denen natürlich Rom und die Rauchzeichen herausstechen, ich mag aber auch die kleineren Schmunzler, beispielsweise Ns eifersüchtige Bemerkung oder diese Stelle gegen Ende: „Der Häuptling warf die Arme in die Luft“ - die Vorstellung finde ich amüsant, W als Sohn ist bestimmt nicht immer so leicht zu ertragen, hihi.

Was deine Texte immer abrundet, ist ihre Einbettung in das größere Geschehen, hier die Hinweise auf Sam, auf das Gespräch zwischen OS und I, kleine Vorausdeutungen auf das Kommende. Das empfinde ich als sehr stimmig.


Abschließend noch meine Lieblingsstellen:

Zunächst ist da Ws „Oh nein…“, das ist so unerwartet und eigentlich untypisch, dass es völlig unmissverständlich deutlich macht, wie es hier um ihn bestellt ist.

„Nichts hasste mein Blutsbruder mehr, als ausgefragt zu werden. Allerdings hatte etwas in seinem Blick gelegen, das mir keine Ruhe ließ.“ – Die Stelle mag ich, weil sie mit wenigen Worten zeigt, dass OS seinen W wirklich auch in Nuancen lesen kann. Er würde es akzeptieren, wenn dieser nicht befragt werden möchte, aber hier erkennt er, dass er es nicht nur wagen darf zu fragen, sondern es auch tun sollte – und tut es. Zwar erhält er nur eine vage Antwort, aber es war für W wichtig, sie geben zu können, und die anschließende Versicherung tut dann ihr Übriges: „Wenn dennoch einst der Tag kommt, an dem der Schmerz danach schreit, dein Herz zu verlassen, werde ich da sein.“ – Dafür einfach ein Hach!

Und schließlich: „Er gab Iltschi noch einen Klapps auf die Kruppe und schritt davon, wie umhüllt von der selbstgewählten Einsamkeit.“


Liebe Catherine, vielen Dank für dieses schöne Kapitel. Ich werde wirklich traurig sein, wenn du diese Geschichte eines Tages beendest!

Liebe Grüße
Regenengel

Antwort von CatherineK am 09.11.2019 | 19:22:41 Uhr
Liebe Regenengel!

Du hast natürlich völlig Recht, es gibt diese vielen verborgenen Parallelen zwischen W und OS und die in dieser Geschichte ist eine davon. Sie ist nicht charakterlich sondern im Verhalten der beiden Männer begründet, wenn sie auch - wie du es ja darlegst - auf unterschiedlichen Situationen gründet. Mich hat es zunächst erschreckt, dass hier ungewollt so etwas entstanden ist, aber ich nehme es natürlich als großes Kompliment, dass du dies meiner Intuition zuschreibst!
Und du sagst es auch, gerade diese Gegenüberstellung offenbart zugleich auch den großen Entwicklungsunterschied, den die Blutsbrüder noch haben. W hat die Liebe bereits schmerzlich kennengelernt, er war schon bereit sich zu binden, während OS die Übernahme einer solchen Verantwortung schlichtweg noch völlig ablehnt. OS ist nicht nur zwei Jahre jünger, sondern auch entsprechend unbedarft (ich wollte nicht unreif schreiben, das klingt so negativ).

Die Beziehung Ws zu IT ist ein weites Feld, das hier noch kaum beackert worden ist und das zugleich eigentlich sehr reizvoll sein kann. Vielleicht habe ich den Zeitpunkt verpasst, dies zu tun, denn wo, wenn nicht in diesem Tagebuch wäre eine Gelegenheit dazu? Vielleicht schiebe ich nochmal etwas nach ;-)
Denn du schreibst es wirklich sehr passend: Es muss Reibungspunkte und Meinungsverschiedenheiten gegeben haben und es wäre durchaus interessant, diese einmal genauer zu beleuchten.
Für mich war es ganz klar, dass W nicht wirklich unterlegen ist, dass aber auch kein öffentlicher Konflikt ausgetragen wird. W entzieht sich, ebenso wie er sich zuvor M entzogen hat.

Humor ist nicht gerade meine große Stärke (also beim Schreiben;-)), daher freut es mich, wenn dir meine kleinen Szenen gefallen haben. Das muss bei mir einfach so kommen, herbeizwingen kann ich es nicht, leider. Und hier stand z.B. das mit Rom ganz plötzlich auf dem Bildschirm. Erst wollte ich es löschen, aber iwie wollte es nicht weg ;-)

Deine Lieblingsstellen finde ich natürlich besonders spannend.

Das "oh nein" ist sicher etwas, was sich der spätere, abgeklärtere W verkniffen hätte, darum fand ich das an dieser Stelle ganz passend.

W und OS haben sich während der letzten Wochen einander angenähert, daher habe ich es gewagt, OS in Ws Blick lesen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt gelingt es allmählich, so dass W nicht mehr nur ein einziges großes Rätsel für ihn ist. Vielen Dank auch für das "hach"! Es zeigt, dass ich hier wohl richtig empfunden habe; du hättest es schließlich auch übertrieben finden können.

Liebe Regenengel, vielen Dank für dein wunderbares Review, über das ich mich sehr gefreut habe!
Und ja, das Ende dieser Story steht unmittelbar bevor. Zu lange schleppe ich sie bereits mit herum und irgendwann muss es mal gut sein, auch wenn es sicherlich noch viele Episoden zu erfinden gäbe. Dass du traurig darüber sein wirst, nehme ich als großes Lob. Danke dafür!

Liebe Grüße
Catherine
29.10.2019 | 10:42 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine,
nein, einen Himmel wie im Süden , gibt es bei uns in Deutschland nicht. OSs Bewunderung dafür kann ich sehr gut verstehen.

Es ist ein friedliches Bild, dass Du uns mit Worten zeichnest: Der klare, dunkle Himmel, die funkenden Sterne, die beruhigenden Geräusche der Pferde, die am Gras knabbern, das leise flackernde Feuer, der Ruf des Käuzchens und das ferne Heulen eines einsamen Wolfes.

OSs Gedanken allerdings kommen nicht so wirklich zur Ruhe, wie das ja so oft passiert, wenn wir entspannt irgendwo sitzen und einmal dem Nichtstun frönen dürfen.

Da ist zunächst einmal Sam Hawkens, der kauzige Westmann, der beschlossen hatte, ein sesshafter Mann zu werden und eine Apachin zur Frau zu nehmen. Letztlich ist daraus ja nichts geworden und das war auch ganz gut so. Natürlich hätte er die Klekih-Petra-Idee gut weiterführen können, vielleicht auch gerade dort ansetzen können/müssen, wo KP einiges versäumt hat. W wächst in eine Zeit hinein, die große Veränderungen mit sich bringt. Da ist es eigentlich unablässig, die Gewohnheiten der Weißen kennenzulernen, ihre Städte, ihre Häuser, ihre Kultur.

Os spielt nicht mit dem Gedanken, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Für ihn steht fest, dass er W bald verlassen wird. Er nimmt das Gespräch und NTs Verliebtheit dazu als Anlass - aber so ganz ehrlich ist er da, glaube ich, nicht zu sich selbst. Er will frei sein, die Welt kennenlernen, Abenteuer erleben. Er ist noch jung, er will sich nicht binden, auch nicht an Winnetou.

Fest steht aber immerhin, dass er zurückkehren wird, zu einem langen Besuch sozusagen, wie wir es ja auch aus den KM Erzählungen kennen. ich stelle mir sein Gesicht bei dieser Träumerei vor. Ja, ich glaube auch, dass W die Musik gefallen würde. Und es ist ja ein guter Ansatz, neue Eindrücke auf positive Art und Weise zu gewinnen. Ich denke dabei auch an das Bier aus dem vorherigen Kapitel.
Und auch der Spruch: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, und die passende und korrekte Erklärung dazu, sind ja ein Zeichen dafür, wie aufgeschlossen W Neuem gegenüber ist. Darüber hinaus ist es auch noch witzig, so etwas aus seinem Mund zu hören. Ich mag es, wenn man W ein wenig Humor in den Charakter legt.

Eine Reise in die ewige Stadt......DAS wäre doch mal ein Ausgangspunkt für eine wunderbare Geschichte!!!

Warum aber sitzen W und OS hier allein an einem Lagerfeuer, weitab vom Dorf und dem Besuch, über den sich doch IT so sehr gefreut hat?
Auch hier entbehrt die Situation nicht einer gewissen Komik. W, gefürchteter Krieger, selbstsicherer Häuptlingssohn, flüchtet vor einer Frau, dazu noch vor einer sehr netten, sympathischen Frau, in die Einsamkeit. Und die Parallele zu OS, der sich ja vorgenommen hat, ebenfalls zu fliehen - vor NT.
Allerdings sind die Beweggründe der beiden total unterschiedlich. Während OS hier seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt, er ist eben noch jung und irgendwie auch unreif, hat W schon andere Erfahrungen machen müssen. Er hat die Frau, die er ja wohl über alles geliebt hat, verloren und für sich entschieden, allein zu leben. Er will keine neue Beziehung, weil er fürchtet, sie nicht mit Liebe und Leben füllen zu können.
OS hingegen kann nicht Schlimmes an dem Plan Ist finden. Zu seiner Zeit waren arrangierte Ehen in Deutschland durchaus üblich und so stellt er mehr oder weniger erstaunt die Frage, ob etwas nicht stimmt mit der schönen Mimbrenjo.
Und W sieht sich gezwungen, etwas von sich zu erzählen, das er lieber verschwiegen hätte. Aber seine Informationen fließen nur sparsam und widerwillig. Er kann nicht darüber sprechen. Aber er gestattet seinem Freund und Blutsbruder einen Blick in sein Herz.
Das ist für mich die schönste Szene dieses Kapitels. Auch wenn noch Jahre vergehen, bis OS die ganze tragische Geschichte um Ribanna erfährt, so weiß W doch, dass da jemand ist, dem er vertrauen kann und der einfach da ist, wenn er gebraucht wird.
Und genauso schön, OS bohrt nicht weiter in der Wunde herum, aber er spendet Trost und Wärme, weniger durch Worte als durch lebendiges Tun. Manchmal sagen Taten eben viel mehr als Worte. Und beinahe kann ich fühlen, wie die Seelen der beiden sich miteinander verbinden, jenseits von erklärbarer Freundschaft.

Witzig fand ich auch die Idee mit den verunglückten Rauchsignalen KPs. Kein Wunder, dass sich W den Ärger seines Vaters darüber zugezogen hat.
Ärgerlich war er auch über Ws übereiltes Davonlaufen und er versteht nicht ganz, was seinen Sohn dazu bewogen hat. Schließlich hat er ihm keine pockennarbige, hasenschartige Frau andrehen wollen, sondern eine schöne, junge und sicher auch freundliche junge Frau. Aber W will davon nichts hören und schließlich muss auch IT einsehen, dass sein Wunsch nach einer Ehe mit M unerfüllt bleiben muss. Aber er kennt seinen Sohn, seine tiefe Veranlagung, seinen sensiblen Kern unter der harten Schale und er ist sicher: Eines Tages wid W sich seinem Blutsbruder öffnen und dann einen wirklichen Freund an seiner Seite brauchen.

Ich habe dieses Kapitel mit viel Freude gelesen.
Marieschi

Antwort von CatherineK am 07.11.2019 | 12:45:23 Uhr
Liebe Marie,

erst einmal vielen Dank für dieses ausführliche Review!

Du hast völlig Recht, OS ist nicht ehrlich zu sich selbst. Er spürt, dass irgendetwas nicht ganz richtig ist, doch ist er (noch) nicht reflektiert genug, seine eigenen Handlungen entsprechend zu hinterfragen. Letztendlich will er das vielleicht auch unbewusst nicht. Du schreibst es, er will frei sein, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben sämtliche Zwänge hinter sich lassen und tun, was er möchte. Kann man ihm das verübeln?

Dein W ist ja insgesamt deutlich humorvoller und offener als meiner, daher freut es mich, wenn du auch das bisschen Humor, das ich ihm zugestehe, magst. Ich denke einfach, W amüsiert sich im Stillen über viele Dinge, aber eine unbewegte Maske zu zeigen ist ihm so sehr zur zweiten Natur geworden, dass er selbst manchmal gar nicht merkt, wie nüchtern er rüberkommt. Für mich ist sein Humor einer, der sich in bestimmten Situationen ganz leise zeigt, ein trockener Humor.

Ganz sicher ist W offen gegenüber den Weißen und ich denke, auch in frühen Jahren ist ihm bewusst, dass eine neue Zeit anbricht, in der Abschottung das Falsche ist. Das ist vielleicht auch ein Grund, dass er mit OS einen Weißen in sein Leben gelassen hat. OS ist für mich wie ein Schlüssel, der eine Tür in W öffnet, die andernfalls vielleicht länger verschlossen geblieben wäre.
KMs Version, dass W schon im zweiten Band viel in den Städten der Weißen verkehrte, kann ich da nicht so recht glauben...

Eine Reise nach Rom... dafür bin ich vermutlich die Falsche. Denn wie sah es in Rom im 19. Jh. aus? Da müsste man unendlich viel recherchieren und wissen... Gleichwohl würde ich das auch gerne mal lesen :-)

"Aber er gestattet seinem Freund und Blutsbruder einen Blick in sein Herz.
Das ist für mich die schönste Szene dieses Kapitels.", schreibst du. Und das freut mich ganz besonders, denn dieses Kapitel habe ich vor allem für dich geschrieben. Vlt erinnerst du dich, dass du im Review zum letzten Kapitel geschrieben hattest, du wünscht dir, mal ins Ws Herz blicken zu können. Tada... das war er. Mehr war einfach nicht drin :-) - also nicht in Ws Herzen, sondern mehr an Einsicht...

Nein, OS darf nicht stochern, er weiß mittlerweile, dass sich W dann sofort zurückziehen würde. Die Verbindung wächst und das tut sie still, in kleinen Schritten und Gesten. Du formulierst es total schön: "Und beinahe kann ich fühlen, wie die Seelen der beiden sich miteinander verbinden, jenseits von erklärbarer Freundschaft." Danke dafür!

Ich hätte gerne OS selbst Rauchzeichen versuchen lassen, aber das hätte den Schwerpunkt des Kapitels unverantwortlich verschoben. So musste der arme K-p herhalten!

Wie schön, dass du dieses Kapitel magst! Lieben Dank dafür und für die wunderbare Rückmeldung.
Liebe Grüße
Catherine
24.10.2019 | 16:45 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine!

Wie versprochen kommt vor meinem Urlaub noch die Rückmeldung für Dich!

Ich bin ja ein ausgesprochener Fan Deines Tagebuchs, da Du es immer wieder schaffst in das Grundgerüst, das KM vorgegeben hat, so viele kleine Details und Hintergründe einzubauen, die die Personen viel lebendiger wirken lassen.

So auch hier.

Von der unglücklichen Liebe zwischen OS und NT wissen wir. Du bringst aber einen weiteren Aspekt – W soll verheiratet werden. Zumindest, wenn es nach dem Willen seines Vaters und des anderen Häuptlings geht. Aber er will nicht, auch wenn die Häuptlingstochter perfekt passen würde.

Eine interessante Parallele der Blutsbrüder, die Du hier aufzeigst.

Beide werden vor das „Problem“ gestellt, dass sie von einer hübschen und intelligenten Häuptlingstochter begehrt werden. In beiden Fällen würde vieles dafürsprechen, jeweils diesen Weg zu gehen.

Beide entscheiden sich jedoch aus unterschiedlichen Gründen dagegen. Da liegt es nahe, dass sie sogar sprichwörtlich gemeinsam das Weite suchen und fliehen.

Wobei sich ja hier zunächst nur W wirklich der Situation entzieht und OS ihn begleitet.

Zu Beginn erfahren wir, dass OS fortgehen will – nein, seiner Meinung nach fortgehen muss, da ihm die „Sache“ mit NT so langsam aber sicher über den Kopf wächst.

Natürlich wird er das W aber nicht erzählen…SEUFZ!!!

Gleichzeitig erwartet oder hofft er darauf, dass W ihm erzählt, warum sie da außerhalb des Apachendorfs vor einem kleinen Feuer sitzen, nachdem sie eben dieses Dorf Hals über Kopf verlassen haben.

Und das geschieht auch tatsächlich. Auch wenn W sich noch nicht vollends öffnet und OS (noch) nicht erzählt, was wirklich passiert ist, so erzählt er doch genug und sowieso lässt er seinen Blutsbruder viel tiefer in sein Herz und seine Seele schauen, als dieser es ihm erlaubt.

Damit wirfst Du eine interessante Frage auf. Gab es in dieser so unvergleichlich tiefen Freundschaft ein Ungleichgewicht? Hat W mehr gegeben und zugelassen, als OS? Hat dieser nicht sogar absichtlich geschwiegen, seine Gedanken und Gefühle vor dem Freund zurückgehalten?

Ich hadere ja in manchen Punkten mit dem originalen OS. Der war mir oftmals zu schlau und konnte alles und wirkte dadurch nicht selten sogar überheblich.

Daher finde ich es immer wieder schön, wenn ich hier andere „Versionen“ präsentiert bekomme, die irgendwie „netter“ sind ; -)!

So auch hier bei Dir.

Man kann am Ende richtig spüren, dass die Worte ITs etwas in ihm ausgelöst haben, was mich irgendwie sehr happy mit dem Kapitel zurückgelassen hat.

Noch ein Wort zum Kapiteltitel: "Verborgen" - Wenn man dies im Sinne von verstecken liest, dann verbergen sich hier W und OS vor Mondschimmer (also eigentlich ja nur W - OS begleitet ihn ja nur). Liest man es im Sinne von - etwas vor jemandem verbergen, so tun dies hier beide. Wenngleich OS mehr vor seinem Blutsbruder verbirgt, als dieser vor ihm, was ich ja schon ein paar Sätze weiter zuvor angesprochen habe.

Beide haben jedoch etwas in ihrem Herzen verborgen, was sie dem Freund (noch) nicht mitteilen wollen.

Beenden möchte ich dieses Review jedoch mit der Stelle, an der ich laut gelacht habe.

Klekih-petra, der beim Versuch Rauchzeichen zu machen den ganzen Stamm in Aufruhr versetzt.

Was für eine köstliche Idee und Vorstellung

Liebe Catherine, ich bedanke mich herzlich für eine weitere Episode aus dem Tagebuch!

Liebe Grüße

Danny

Antwort von CatherineK am 04.11.2019 | 17:25:32 Uhr
Liebe Danny,

nun ist dein Urlaub schon vorbei und erst jetzt kommt die Antwort... sorry!

Du machst mir hier gleich zu Beginn ein Riesen-Kompliment, was mich wirklich sehr, sehr freut! Und gleichzeitig macht es mich natürlich auch ein wenig wehmütig... die lange Bearbeitungszeit dieser Geschichte zeigt, dass auch ich sie nicht so gut loslassen kann.

Es stimmt natürlich, dass sich hier (eigentlich eher ungewollt und ungeplant) eine Parallele eingeschlichen hat zwischen OS und W. Das war mir zunächst gar nicht so aufgefallen. Es scheint aber zum Glück niemanden gestört zu haben ;-)

Auch OS zeigt sich ungewöhnlich verschlossen, das stimmt ebenfalls. Auch für ihn wäre es sicherlich besser, wenn er W seine Sorgen mitteilen würde. Dann fiele es dem Apachen vielleicht auch leichter, die seinen zu teilen. Aber die Blutsbrüder sind noch jung; Der eine kann nicht sprechen, auch wenn er es hier vielleicht sogar versucht, sein Herz ist schwer. Der andere fürchtet, eine Schwäche zu offenbaren, wenn er seine Ratlosigkeit gesteht. So verharren sie irgendwie im Unausgesprochenen...

Ich würde den jungen OS also eher als unsicher deuten; eine Unsicherheit, die sich allerdings oftmals durch Überheblichkeit ausdrückt. darin wiederum stimme ich völlig mit dir überein. Ich habe ihn bei May auch sehr oft nicht gemocht. Und ich liebe es, dies hier ein wenig korrigieren zu können ;-)

Was den Titel angeht, so liegst du auf jeden Fall mit der zweiten Deutung richtig. Es ist einer der Titel, mit dem ich immer noch hadere, weil er nicht richtig ausdrückt, was ich sagen will. Aber er spielt an auf das, was in W verborgen ist und nicht herauswill und kann.

Ich hatte überlegt, OS selbst Rauchzeichen machen zu lassen, aber dadurch wäre der gesamte Schwerpunkt des Kapitels verschoben worden, was ich dann sehr unpassend fand. Daher musste der arme Klekih-petra herhalten.

Ganz lieben Dank für das tolle Review!
Liebe Grüße
Catherine
23.10.2019 | 03:03 Uhr
zu Kapitel 16
Dear Catherine,

I have to say I am happy that your story is back! I enjoy these "episodes" from the days when OS and W were still young, from the time when OS was in his Westman school (and I would love to read more about these days to be honest, because it is such an exciting period!). And I am sad because from the text is clear that these days are coming to and end, since IT has already had *the talk* with OS about marrying and Indian girl and Sam is leaving...

But back to the chapter. I really enjoy how you put so many details that brings your characters and the whole setting in life! Like this little thing with OS still needing more sleep to recover than W, even saying he will never learn not to..:) And the brilliant answer of W about the Rome! Or OS staring at the beautiful Mimbejo and NT jokingly telling him to shut his mouth. Saying that even in the West there are human needs. All these things give your text a certain tone of lightness, which is very welcome, considering this chapter is otherwise somewhat melancholic to me - which perfectly corresponds with the autumn mood. I never really though about IT wanting W to get married. Probably because I associate him with Ribanna, but the truth is that he was very young when she died, so why should not he have another woman, right? And parents always want what they think is :the best: for their children...

I love the dynamics between OS and W! You know I have no problem imagine them as more than brothers (and I know you are not too much into this idea), but you still manage to bring them very close to each other. The scene where W even shows his tears to Scharlih and refuses to talk about the past, when OS dares to hug him, when they share this tender moment is my favorite in this chapter. A fleeting moment, after which they are just two friends again, able to joke a little or stare into the flames and remember the old days.

Another part I enjoyed a lot is the confrontation of W and IT. In our society, especially in the 19th century, it would probably end up in an argument, bitterness or the child being forced to act according the parents' will. But with W it is different. he clearly says his opinion, straight but calm, without shouting, and his father accepts it. Without threatening him, without drama. That is so much different - and so much better, this respect!

Dear Catherine, thank you so much for this chapter, I really enjoyed it and I hope you have quite a few from OS's diary in your head :)

Best Regards,
Zeta

Antwort von CatherineK am 06.11.2019 | 15:00:40 Uhr
Dear Zeta!

I was really surprised about receiving a review from you, because I already thought, that I had lost you as a reader. The happier I am now about your comment! Once again, it is a great honest für me, that my texts are even read in other countries!

In fact, this diary is on its last pages. Everything has to come to an end someday, and as I spent so much time with this story, I am kind of relieved to finish it soon. On the other hand, I am also a bit sad, because I had a lot of fun with writing about the young W and OS.

Yes, this chapter ist both: on one side quite melancolic, as you stated, perhaps due to the autumn mood, but also to the fact, that OS has to learn about Ws dark side. On the other hand, this theme would habe been even for me too dark, so I tried to put in these details, which show us, that there are human beeings, not only heroes. I think, in the first days of this friendship, there must habe been a lot of cultural misunderstandings and therefor more or less funny scenes.

KM left us a quite a lot of free spaces concernig his characters, which is a great gift for us authors. So I could write about IT trying to find a woman for his son. Of course he wants the best for W, but also for his own interests as a chief. And perhaps he also wants to be a grandpa some time…

It is not difficult for me, to bring W and OS close together without writing slash. I absolutely like them beeing more than friends; perhaps „brothers“ might be the right word for this. Closer than just friends… And it makes me really happy, that this point of view is ok for you!

You are perfectly right with writing: „He clearly says his opinion, straight but calm, without shouting, and his father accepts it. Without threatening him, without drama.“ In my opinion, it has to be like this, because IT already has got a kind of vision about his son. In his heart he knows, which person W is and will be in his life. And he has recognized, that his son has a strong will and he has to accept it.

Dear Zeta, thanks a lot for this wonderful review! I have to admit, that there is only one chapter following and I am very sorry to disappoint you! Nevertheless I will be very happy, if you read also the last part of this story!

Best regards
Catherine
21.10.2019 | 10:40 Uhr
zu Kapitel 16
JA Gefühle, sie können nutzen, aber auch zerstören. Liebe und Trauer liegen oft neben einander.
Und das Winnetou sein Herz nicht wieder einer Frau öffnen will mehr als verständlich.
Vielleicht schafft es aber die Verbundenheit zu seinem Scharlih das sein Herz nicht mehr ganz so einsam ist.
Was OS betrifft, der versteht ihn wohl von allen am besten, geht es ihm doch mit Nscho tschi nicht besser.
Weiter so, freue mich auf das nächste Kapitel.

LG
Onlyknow3

Antwort von CatherineK am 04.11.2019 | 17:12:41 Uhr
Hi Onlyknow!

Ich glaube, Gefühle sind unglaublich differenziert und jeder erlebt sie anders. Meine Freude ist anders als deine und ebenso meine Trauer. Vermutlich ist es unmöglich, so etwas zu vergleichen... daher empfindet es auch jeder irgendwie anders, ob sich W einer neuen Liebe öffnen sollte oder eben nicht. Für den einen überwiegt die Gefahr einer erneuten Verletzung, für den anderen ist der Trost wichtiger, der darin liegen kann.
Scharlih kann (zumindest in meinem slashfreien KM-Universum) kein Ersatz sein, aber zumindest ein Freund, der mehr versteht als andere, dem sich W mehr öffnen kann. Irgendwann vielleicht zumindest...

Schön, dass du weietr dabei bist und herzlichen Dank für das Review!
Liebe Grüße
Catherine
20.10.2019 | 20:11 Uhr
zu Kapitel 16
Das 101. Review – wollte es nur mal eben erwähnen.

Zu Anfang klang es für mich so, als wäre Old Shatterhand aufgrund des Gesprächs mit Intschu-tschuna wegen einer möglichen Eheschließung mit Ntscho-tschi aus dem Dorf verschwunden und Winnetou hat ihn begleitet.

Interessant. Winnetou hat aber Hals über Kopf das Dorf verlassen und seinen Blutsbruder gefragt, ob er mitkommt. Dieser hatte natürlich zugestimmt, obwohl er nicht einmal wusste, wieso Winnetou es auf einmal so eilig hatte, weg zu kommen.
Am Abend stellt sich dann heraus, dass Winnetou mehr oder weniger deshalb geflohen ist, weil der Häuptling der Mimbrenjos mitsamt Familie angerückt ist und sowohl Intschu-tschuna als auch Felsengeier von einer Hochzeit zwischen Winnetou und Felsengeiers Tochter Mondschimmer nicht unbedingt abgeneigt wären – um die Bande der beiden einzelnen Stämme ein wenig mehr zu festigen.
Logischerweise ist Winnetou alles andere als begeistert und sein Vater kann ihn durchaus verstehen, aber abgeneigt wäre dieser trotzdem nicht.

Somit ergreift Winnetou lieber die Flucht und wartet, bis der Besuch wieder abgereist ist. Was am nächsten Tag auch durch Rauchzeichen von Ntscho-tschi bekannt gegeben wurde.

Old Shatterhand möchte liebend gern Antwort auf das Rauchzeichen geben, aber nachdem Winnetou ihm erklärt hat, dass Klekih-petra es ebenfalls versucht hat und dadurch das ganze Dorf in helle Aufregung versetzt hat, weil er falsch „gefunkt“ hat, lässt Scharlih es momentan auf sich beruhen, auch wenn es ihn durchaus in den Fingern juckt.

Während sie also außerhalb des Dorfes weilen, erfahren wir auch, wieso Winnetou von dieser Eheschließung nicht angetan wäre, und auch, wieso Intschu-tschuna ihn sehr gut versteht – denn dieser hat nach dem Tod von Winnetous und Ntscho-tschis Mutter ja auch nicht erneut geheiratet, da auch in seinem Herzen kein Platz für eine neue Liebe war.

Intschu-tschuna bittet Scharlih lediglich, für Winnetou da zu sein, wenn dieser sich dazu entschließen sollte, jemandem einen tieferen Einblick in sein Herz gestatten sollte.

Schönes Kapitel

Antwort von CatherineK am 01.11.2019 | 12:55:50 Uhr
Liebe Izzy,

nachdem das 100. Review ja nicht ganz so erfreulich war, ist es das 101. dann zum Glück wieder!

Ja, Winnetou ist in diesem Kapitel ein wenig zwischen die Fronten geraten. Einerseits ist da IT, der seine durchaus nicht ganz unberechtigten Interessen durchzusetzen versucht. Warum sollte es nicht auch bei den Apachen eine Art politische Eheschließung gegeben haben?

Auf der anderen Seite ist aber auch Mondschimmer nicht abgeneigt. Es offenbart Ws Unsicherheit und vielleicht auch ein wenig sein Unvermögen in zwischenmenschlichen Beziehungen, dass er sein Heil in der Flucht sucht, anstatt offen zu sprechen. Wäre es ein Kampf oder eine Auseinandersetzung anderer Art, so hätte er sich dieser sicherlich ohne zu zögern gestellt.

OS ist etwas hilflos. Natürlch weiß er nicht recht, wie er dem Freund helfen soll, zumal dieser sich wieder einmal nur bruchstückhaft öffnet. Aber es gibt ein anderes Mittel als reden, und so versucht er es - einwenig unsicher noch - mit einer Umarmung. Geschafft... wieder sind sich die beiden ein Stück näher gekommen.

Die Rauchzeichen sind für OS natürlich eine willkommene Ablenkung!

Freut mich sehr, dass dir das Kapitel gefallen hat!
Liebe Grüße Catherine
Grashuepfer (anonymer Benutzer)
19.10.2019 | 18:51 Uhr
zu Kapitel 15
Sorry, aber nach zwei Glas Bier dürfte jemand, der sonst noch nie Alkohol getrunken hat, davon etwas spüren!
Noch dazu, wenn es sich dabei um den Angehörigen der American Natives handelt,...denen ja bekanntermaßen "die Enzyme fehlen"...

Antwort von CatherineK am 20.10.2019 | 13:06:40 Uhr
Hallo Grashüpfer,

vielen Dank für diesen Hinweis. Allerdings ist ja Glas auch nicht gleich Glas und nirgendwo wird etwas darüber gesagt, ob Winnetou den Alkohol spürt oder nicht.
Wenn das aber in 15 Kapiteln das einzige Problem in dieser Geschichte war, macht mich das sehr glücklich...

Viele Grüße
Catherine
18.10.2019 | 20:25 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine,
ich möchte dir so viel schreiben, aber Reviews schreiben ist nicht meine Stärke, so nur eins:

"Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.“

Auch mir hat der Unterkiefer heruntergeklappt, und aus demselben Grund als OS. Ich meine, ich habe gar NICHT gedacht "die Autorin weiss nicht was sie schreibt, einen Indianer so eine Sache sagen lassen..." sondern "wie kann Winnetou diesen Ausdruck kennen?"

Du machst ihn eben so lebendig und so glaublich!

Antwort von CatherineK am 19.10.2019 | 17:59:01 Uhr
Liebe Basha,

ich freue mich über jedes Review, auch über die kurzen! Über deins bin ich aber ganz besonders glücklich, zum einen, weil ich von dir hier noch nichts gehört habe und es immer so schön ist, aus der schweigenden Leserschaft eine Rückmeldung zu bekommen! Und dann sehe ich, dass du aus Tschechien schreibst und das freut mich gleich doppelt : Wow, eine Leserin aus dem Ausland, wie wunderbar!

Und drittens sagst du etwas, was mir sehr wichtig ist, nämlich dass es mir gelungen sei, meinen Winnetou lebendig darzustellen. Es liegt mir viel daran, ihn (vor allem in jungen Jahren) trotz aller Würde nicht hölzern oder leblos herüberzubringen, sondern als einen richtigen Menschen. Der Satz über Rom stand dann ganz plötzlich da und ich habe zunächst überlegt, ihn wieder zu löschen, weil ich eben Sorge hatte, das könnte übertrieben wirken. Wie schön zu lesen, dass es nicht so ist und dass er dir gefallen hat!

Vielen Dank für die schöne Rückmeldung!
Ganz herzliche Grüße
Catherine
18.10.2019 | 17:27 Uhr
zu Kapitel 16
Liebe Catherine,

Die Tage werden kürzer und die Abende länger und somit bleibt wieder mehr Zeit zum Schreiben. Anscheinend auch dir, denn es gibt ein neues Kapitel aus dem Tagebuch, was mich sehr gefreut hat.

In diesem Kapitel gelingt es dir wieder W und OS in jungen Jahren so zu beschreiben, dass es absolut authentisch ist. Und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, das zu lesen. Dein Tagebuch und auch das aktuelle Kapitel ist bei allem ernsten Hintergrund von Liebe und einer Leichtigkeit geprägt, die die Jugend unserer Helden wunderschön unterstreicht.

OS meint es immer gut, doch er weiß selbst, dass er noch viel lernen muss und ist oft unsicher, wie er sich angemessen verhält. Er ist stets bemüht, wie man so schön sagt, doch passieren ihm immer noch kleine Fauxpas. Hier, als ihm vor lauter Bewunderung für Mondschimmer der Mund offen stehen bleibt und er regelrecht sabbert, ich musste so lachen an dieser Stelle. Doch bei aller Leichtigkeit dieser Szene ist sie doch so traurig, weil man immer das Schicksal von Nscho-Tschi vor Augen hat.

Auch W ist noch um so vieles lockerer, sicher auf ihm lastet die zukünftige Häuptlingsbürde und das lässt ihn auch jetzt schon meistens ernst und würdevoll erscheinen, doch er kann lachen und OS auch ein wenig necken. Ganz besonders liebe ich die Stelle, an der W angesichts der Verkupplungsversuche seines Vaters leise „Oh nein…“ murmelt.

Es gibt so viele Stellen, an denen ich schmunzeln musste, z.B. als IT W auf die Schulter klopft - so schön - oder die Bemerkung, dass es auch im wilden Westen menschliche Bedürfnisse gibt.

Insgesamt hat dein Kapitel zwei Seiten, eine heitere, die sich in vielen kleinen liebevoll gezeichneten Szenen zeigt und natürlich, wie könnte es angesichts der Tragik, die W immer umweht, anders sein, eine ernste. Damit steht das Kapitel symbolisch für W, der auch seine heitere Seite zeigt, aber eben auch seine ernste, fast schon traurige.

Und dann dieses Bild, von der Seele OSs, die sich schützend und wärmend über die Freunde neigt, hach. Ich kann gar nicht aufhören zu schwärmen und könnte noch viele Stellen benennen, die mich rührten, aber ich will für andere Reviewschreiber noch etwas übriglassen.

Darum lasse ich es jetzt gut sein, lese das Kapitel lieber noch einmal und danke dir für diese bewegenden Momente.

Liebe Grüße

Arvara

Antwort von CatherineK am 18.10.2019 | 18:31:34 Uhr
Liebe Arvara,

so viel Lob... da werde ich richtig verlegen. Ganz herzlichen Dank dafür!

Es freut mich unheimlich, dass dir das Lesen Spaß gemacht hat und dass du an der einen oder anderen (dafür auch vorgesehenen Stelle) geschmunzelt hast! Schön, dass das so rübergekommen ist!

Es macht mir selbst viel Freude, die kleinen Schwächen und Unsicherheiten, die es ja bei beiden Blutsbrüdern in jungen Jahren gegeben haben muss, hervorzukitzeln. Diese Unbeschwertheit wird den beiden dann ja recht schnell genommen, denn ich kann mir vorstellen, dass nicht nur für W, sondern auch für OS der plötzliche Tod ITs und NTs ein schwerer Einschnitt war. Vor allem der Weiße erkennt plötzlich, wie endlich das Leben ist...
Hier aber dürfen sie nochmal jung sein, und ich gönne ihnen das irgendwie total;-)

"Insgesamt hat dein Kapitel zwei Seiten, eine heitere, die sich in vielen kleinen liebevoll gezeichneten Szenen zeigt und natürlich, wie könnte es angesichts der Tragik, die W immer umweht, anders sein, eine ernste." - Das hast du so wunderschön umschrieben, dass ich dem fast gar nichts mehr hinzufügen kann und will. Denn genau diese beiden Seiten sind es, zwischen denen ich die Balance zu finden versuche und die auch für mich für dieses Kapitel ausschlaggebend waren.
Umso mehr, als sich die leichte Zeit nun dem Ende zuneigt - und damit leider auch dieses Tagebuch.

Es freut mich, dass du einzelne Stellen hervorhebst, denn das sind die kleinen Momente, in denen man ja teilweise auch kämpft und um Worte ringt. Dann ist es immer schön, wenn das gewürdigt wird. Danke dafür!

Liebe Arvara, noch einmal vielen Dank für das tolle Review!
Liebe Grüße
Catherine
28.08.2019 | 10:45 Uhr
zu Kapitel 15
Liebe Catherine,

was lange währt und so. Ich kämpfe mich hier mehr oder weniger langsam voran, es gibt noch so viel zu tun und ich finde doch keine Zeit, weil mich ein anderes Projekt und auch der fiese Alltag gerade völlig vereinnahmen.

Wenigstens einen Haken auf der To-do-Liste will ich aber nun setzen, indem ich dir endlich wieder einmal einen Review schreibe, nachdem ich schon das wundervolle vorherige Kapitel ausgelassen habe.

Und wundervoll finde ich auch dieses, gerade weil es wie die meisten Tagebucheinträge eine mittlerweile fast wohltuende Leichtigkeit transportiert, die in all den düsteren Geschichten guttut. Hier sind es einmal nicht die großen Katastrophen, sondern nur die kleinen Fallstricke des Alltags und das gefällt mir ausnehmend, da ich für eben diese auch sehr zu haben bin.

Schon deinen Anfang finde ich sehr gelungen und er macht mich gleichzeitig traurig. Zum einen, weil er uns den Weg zur Fahne weist. Wenn wir nun bei dem Gespräch der Geschwister angekommen sind, steht der Aufbruch und damit wohl auch das Ende dieses Tagebuchs bevor. Zum anderen beginnt beim Lesen von W1 bei mir immer genau an dieser Stelle die Bedrückung, denn wir alle wissen, was aus der Reise in den Osten resultiert.

Ich möchte diese erste Passage aber nicht verlassen, ohne auf eine Stelle hinzuweisen, die ich absolut spannend und ungewöhnlich interessant finde: "Seine hohe Meinung von mir ehrt mich, doch macht mir die Vorstellung große Angst, Nscho-tschi könnte meinetwegen mehrere Jahre fern von ihrer Familie und Heimat verbringen müssen." Bis hier her dachte ich vor allem: Endlich sagt das mal jemand! Ich persönlich denke nämlich IMMER: Mädel, du willst monate- oder jahrelang von zuhause weg? Was wird das mit dir und aus dir machen? Wirst du jemals in der Fremde glücklich sein oder aber, falls du es dort bist, bei deiner Heimkehr wieder sein können?

Und kurz glaubte ich, dass OS sich das gleiche fragt: "Was passiert, wenn sie zurückkehrt?" Aber nein, du machst das viel geschickter, denn du lässt hier den wirklich noch jungen Mann, nachdem er in kurzer Sorge um NT war, auf die Sorge um sich selbst zurückfallen und das ist so wunderbar passend: "Wird dann von mir erwartet werden, dass sie ich heirate?" Ich finde dieses Spiel aus Grübelei, Besorgnis diverser Art und das Weiterschieben des Problems, das sich erst einmal nicht lösen lässt, eine ganz starke und gelungene Passage, vor allem auch da sie in der Hoffnung gipfelt: "Vielleicht lernt sie dort einen anderen jungen Mann kennen, der ihr Herz gewinnt." Das wäre natürlich aus OSs Sicht die beste Lösung ;-)

Natürlich mag ich aber auch den gesamten Rest des Kapitels. Es ist einfach nur toll W einmal bei einer Situation über die Schulter blicken zu können, in der er minimal unsicher ist, in der er sich nicht recht wohl fühlt, in der er Sorge hat in ein Fettnäpfchen zu treten. Ich möchte ihn einfach nur herzen für seine "Überforderung" mit einem gesalzenen Eintopf und seine Begeisterung für Bier, Kaffee und ein blondes Mädchen.

Dennoch möchte ich direkt ans Ende springen, das ich in ganz besonderer Weise als tröstlich und auch als "hach-schnüff- empfinde. Zum einen der Trost, den du in diese Passage gepackt hast: "Plötzlich fühlte ich sie wieder, die Aura, die Winnetou üblicherweise umgab und die in den letzten Stunden von einer mir unerklärlichen Scheu verdrängt worden war. Es war, als würde er mit einem Mal innerlich wieder wachsen und alles in seinen Bann ziehen. Ein Strahlen schien von ihm auszugehen, was nicht sicht- aber deutlich fühlbar war und alle anderen in den Schatten stellte." Mal ganz davon abgesehen, dass ich es liebe, wenn mit so gezielt gesetzten Worten Ws Besonderheit betont wird, dieses Strahlen und Leuchten, das ihn über alle erhebt, finde ich die Sätze extrem wichtig, um aus dem Kapitel mit einem guten Gefühl heraus zu gehen. W hat sich etwas gestellt, was ihm ein wenig Angst gemacht hat. Doch er hat diese Probe überstanden, er hat festgestellt, dass er sich nicht fürchten oder scheuen muss und er hat zurückgefunden zu dem, was und wie er immer ist. Es mutet an wie ein bestandener Test, aus dem der Prüfling mit neuem altem Selbstbewusstsein hervorgeht.

Und dann natürlich noch das Hach-schnüff: "Was gäbe ich darum, nur einmal in sein Herz blicken zu können!" Was gäben wir alle doch darum, nicht wahr? Ich glaube, dass zumindest viele hier auch deshalb schreiben, weil sie es dann können und dürfen - hineinblicken in diesen (fiktiven) Menschen, der uns anzieht, wie das Licht die Motten. Mit dem Unterschied allerdings, dass die Motten sich verbrennen, während wir im Strahlen unseres W aufblühen.

Liebe Catherine, es ist nicht alles gesagt, aber ich denke wir wissen beide, dass diese allumfassenden Kommentare einfach nicht in den Alltag passen. Daher schließe ich hier, nicht jedoch ohne dir noch einmal mitzuteilen, dass ich jeden Satz und jede Nuance deiner Texte genieße, auch die, zu denen ich nun nichts geschrieben habe.

Herzlichen Dank und bis bald!

Luni

Antwort von CatherineK am 31.08.2019 | 13:20:27 Uhr
Liebe Luni,

in zweierlei Hinsicht habe ich mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Zum einen natürlich, weil du wie immer etwas zu sagen hast, zum anderen, weil du angesichts knapper Zeit (wie ich ja weiß) den Mut zur Kürze hattest (zumindest für deine Verhältnisse...der Kommentar ist ja objektiv betrachtet alles andere als kurz;-))!
Wie wir es besprochen haben, werde ich versuchen, nun ebenso mutig auch kurz zu antworten!

Gefreut habe ich mich darüber, dass du dem Tagebuch eine Leichtigkeit bescheinigst. Ha, dass das gerade von einer meiner Geschichten jemand sagt...:-))!! Aber ich empfinde das genauso wie du; es ist hier gerade alles mal wieder sehr düster - das mögen wir ja auch alle!

OS kann noch nicht so abgeklärt auf NTs Vorhaben blicken, wie wir es tun. Du sagst es, er ist viel jünger. Dennoch glaube ich schon, dass er die Sensibilität besitzt zu erkennen, wie schwierig das für NT sein muss, wenn sie alles zurücklässt. Er kann es nur nicht in letzter Konsequenz überdenken, daher kommt er zum Schluss wieder zu sich selbst zurück. Schön, dass du mir das so abkaufst!

Ich wollte Winnetou natürlich am Ende nicht als schwach oder gar ängstlich rüberbringen, er musste schon er selbst bleiben, das war mir sehr wichtig. Einerseits ist er zwar etwas unsicher in der für ihn ungewohnten Situation, aber das ist eben nur ein Moment, den er - wie du so schön schreibst - überwindet und aus dem er gestärkt hervorgeht. Und ganz wichtig war mir auch, dass er nicht um sich selbst kreist, sondern über den Tellerrand hinausblicken kann, was die Tochter von Smith anbelangt.

Ein gutes Gefühl sollte am Ende bleiben, wie eigentlich in den meisten Tagebuch-Kapiteln. Noch sieht OS die Schatten nicht wirklich, die sich drohend über die Szenerie zu legen beginnen und das soll das Tagebuch auch ausdrücken.

Liebe Luni, herzlichen Dank für die wunderbare Rückmeldung!
Liebe Grüße
Catherine
15.08.2019 | 22:20 Uhr
zu Kapitel 15
Liebe Catherine,
auch Dich habe ich lange auf einen Kommentar warten lassen. Ich entschuldige mich dafür.

Du hast Dein Kapitel "die fremde Welt" genannt. Und in diese fremde Welt kann man sich so ganz hinein versetzen. Empfinden nicht auch wir, wenn wir in andere Länder reisen, das eine oder andere befremdlich? Um wie viel schwieriger wird es da für OS gewesen sein in einem fernen Land, in einer völlig anderen Kultur, sozusagen adoptiert zu sein?

Aber zunächst einmal passiert, was ja täglich tausendfach geschieht. NT verliebt sich in den weißen Blutsbruder Ws. OS belauscht unabsichtlich das Gespräch, das NT mit ihrem Bruder führt und macht sich hier seine eigenen Gedanken dazu. Er liebt NT, aber eher als Ws Schwester, er sieht in ihr nicht die Frau, mit der er sein Leben verbringen will.

KM hat seine Jugend unter der strengen Fuchtel des Vaters verbracht, nun will er seine Freiheit genießen, er will reisen, er will erleben, er will leben!
Da ist kein Platz für NT, kein Platz für irgendeine Frau.

W weiß das. Ich denke, er kennt seinen neuen Bruder besser, als es diesem bewusst ist. Trotzdem rät er seiner Schwester, eine Schule im Osten zu besuchen, um sich das Wissen einer weißen Frau anzueignen. Ob er hier wirklich eine gemeinsame Zukunft von NT Und OS im Sinn hat, oder aber eher an die Zukunft seines Volkes gedacht hat, wissen wir nicht. Vielleicht hat er sich beides erhofft.

OS weiß nicht so recht, wie er mit der Situation umgehen soll. Sich bemerkbar machen, mit W reden, ihm reinen Wein einschenken?
Letztlich tut er nichts von alledem, er sitzt es aus, würden wir heute sagen.

Aber auch W hat so seine Problemchen. Es müssen dringend Besorgungen gemacht werden in dem naheglegenen Örtchen. Bisher hat er das immer mit KP erledigt, aber der alte Lehrer lebt ja nicht mehr. So fragt W Os, ob er mit ihm "einkaufen" möchte.
Os stimmt bereitwillig zu, vielleicht ist er auch ein wenig erleichtert, NT nicht sofort wieder über den Weg laufen zu müssen. Unterwegs berichtet W OS, wie die "Einkäufe" bisher abgelaufen sind. KP ist mit seinem Einkaufszettel in den Store gegangen, während W und sein Vater draußen gewartet haben. OS ist darüber etwas verwundert. Er weiß, dass W einst in einer Zeit Häuptling sein wird, die seinem Volk viele Veränderungen bringen wird. KP hat die Grundvoraussetzungen geschaffen, sozusagen den Samen in Ws Herz gelegt. Aber was nutzt all das Wissen, all die Bildung, wenn W die Praxis fehlt?
So wie OS die Kultur der Apachen kennenlernen, ihre Bräuche und Sitten erlernen muss, ist es auch für W wichtig, den Umgang mit den Weißen zu erlernen.
OS versucht ihm das mit deutlichen Worten, aber trotzdem behutsam klar zu machen und schließlich willigt der Häuptlingssohn ein.

Und es kommt, wie es kommen musste. Die erste Begegnung ist die mit einem Bleichgesicht der dummen Sorte. Ein Weißer, der von sich glaubt, hoch über den eingeborenen Menschen zu stehen und damit doch nur beweist, wie einfältig seine Denkweise ist.

Zum Glück ist der Geschäftsinhaber von einem anderen Kaliber, er sieht in W einen Kunden, den er höflich behandeln muss. Schließlich hat er ihn schön öfter in Begelitung KPs gsehen und immer gutes Geld(Gold) für seine Ware erhalten.

Wie W sich wohl gefühlt haben mag während der Debatte? Wie er sich wohl gefühlt hat ,als er von diesem ungepflegten Menschen als stinkende Rothaut beschimpft wird. Er, der immer auf Sauberkeit geachtet hat?
Ich denke, es war ein Wechselbad der Gefühle: Da war einmal die Wut über diesen unerträglichen Hilfsverkäufer, kurz darauf wird er durch den Storebesitzer an den Tod KPs erinnert, auch hier wieder der aufkommende Zorn, die Trauer und dann ein wenig Freude darüber, dass da jemand, ein Weißer ist, der aufrichtig erschrocken ist über den Mord an KP.

Os beschließt kurzerhand dem Besitzer den Einkaufszettel anzuvertrauen und W zum Essen einzuladen. Es gibt Eintopf und Bier. Und klar, das ist etwas total Ungewohntes für den Gaumen des Apachen, zu stark gesalzen, zu stark gewürzt.
Beinahe musste ich lachen, als ich mir das gesicht des Häuptlings vorgestellt habe.
Aber er wird sich sicher dran gewöhnt haben. Schließlich steht er (später in meinen Geschichten) auch auf Brötchen und Marmelade.
Anders ist es mit dem Bier. Das schmeckt ihm so gut, dass er ein zweites Glas trinkt. Und OS nutzt die Gelegenheit für eine kleine Lehrstunde in Sachen Geselligkeit. Man prostet sich mit dem Bier zu, erinnert sich an Gutes und wünscht sich Gutes.

W lässt sich diese Trinksprüche zuerst durch den Kopf gehen, und er befindet sie für gut. Prost, lieber Winnetou!

Als es ans Bezahlen geht, ist es nun wieder an OS zu staunen. W zahlt mit Gold! Und der Ladenbesitzer betrügt nicht, sondern rechnet sorgfältig ab.
Ein gutes Geschäft für beide!

Zum Abschluss gibt es Kaffee, der nun eher dem Geschmack des Apachen entspricht, als der salzige Eintopf. Er schmeckt ihm sogar so gut, dass Smith beschließt ihm ein Päckchen zu schenken. Kleine Geschenke erhalten eben die Freundschaft!

Und dann lernt er Jane kennen. Mir gefällt, dass W Augen für die Schönheit, aber auch die Unberührtheit des Mädchens hat. Und dann zeigt sich wieder einmal seine Weitsicht, seine Ernsthaftigkeit, als er dem Vater nahelegt, gut auf seine Tochter aufzupassen.
Denn : Es gibt in jedem Volk gute und schlechte Menschen, die Unschuld in jeder Form ausnutzen!

Ich könnte noch unendlich viel zu diesem Kapitel schreiben, aber ich will es für heute gut sein lassen.
Und ich wünsche mir für das nächste Kapitel, wie OS, einmal einen Blick in Ws Herz und Denken werfen zu können.

Marieschi

Antwort von CatherineK am 21.08.2019 | 08:15:34 Uhr
Liebe Marieschi,

das hier ist leider noch nicht das Glöckchen, auf das du wartest...
Du brauchst dich aber überhaupt nicht entschuldigen; erstens kenne ich ja den Grund, warum es diesmal etwas länger gedauert hat und zweitens siehst du ja, dass es mir leider genauso geht. Momentan hetze ich gefühlt hier den Geschichten hinterher...

Aus OSs Sicht müsste diese neue Welt eigentlich noch viel befremdlicher sein als er das selbst beschreibt. Ich zumindest stelle es mir unendlich schwierig vor, in eine schriftlose Kultur hineinzuwachsen, die nach ganz anderen Maßstäben lebt, als wir sie gewohnt sind.

Ich kann mir auch vorstellen, dass W durchaus noch andere Gedanken hat, als er NT in den Osten schicken will. Vielleicht ist ihre Liebe zu OS vordergründig der Auslöser dieser Idee, letztendlich aber könnte er auch einen größeren Nutzen sehen. Vielleicht erkennt er auch den Nutzen einer Verbindung seiner Schwester mit einem Weißen? Eigentlich könnte jemand mal einen Oneshot zu Ws Gedankengängen hierüber schreiben, soviel wie dazu hier bereits gerätselt wurde ;-)

Auch Ws Gedanken und Gefühle während der Szene im Store bleiben uns verborgen. Leider ist dies der Ich-Perspektive geschuldet, die uns dies nun einmal verwehrt. Man kann es nur ahnen. Du schreibst: "Da war einmal die Wut über diesen unerträglichen Hilfsverkäufer, kurz darauf wird er durch den Storebesitzer an den Tod KPs erinnert, auch hier wieder der aufkommende Zorn, die Trauer und dann ein wenig Freude darüber, dass da jemand, ein Weißer ist, der aufrichtig erschrocken ist über den Mord an KP." Das denke ich auch, doch ich kann mir auch vorstellen, dass er sich darüber hinaus auch noch vielleicht beschämt und beschmutzt vorgekommen ist. Beschämt, weil über ihn geredet wird, nicht mit ihm. Weil er in diesem Moment kaum Möglichkeiten hat, zu reagieren, vielleicht auch nicht weiß, was er tun soll. Es war bestimmt schwierig für ihn; einen roten Mann hätte er niedergeschlagen oder sich anders gewehrt; hier aber ist er in einer fremden Umgebung und muss die Initiative einem anderen überlassen.

Was das Bier angeht, so habe ich mich immer gefragt, wie und wann der Häuptling das wohl zum ersten Mal getrunken hat. Da lag es nahe, das hier in diese Szene zu packen ;-). Mit dem Zuprosten kommt W aber noch nicht ganz so gut klar. "Howgh" aber kann niemals falsch sein; er rettet sich also in das Gewohnte.

Am Ende darf der Apache dann wieder den Winnetou durchblitzen lassen, den wir kennen. Er fühlt sich sicherer und ist wieder in der Lage, Risiken und Probleme zu erkennen, seine Weitsicht zu zeigen, wie du so treffend schreibst.

Liebe Marieschi, ich weiß nicht, ob ich deinem Wunsch nachkommen kann. Ein Blick in Ws Herz war zu diesem Zeitpunkt der Freundschaft von meiner Seite aus noch nicht vorgesehen. Aber vielleicht wäre er doch auch ganz reizvoll...?! Ohne es zu versprechen, werde ich doch mal sehen, was sich machen lässt ;-)

Liebe Grüße und herzlichen Dank für dein Review, über das ich mich sehr gefreut habe!
Catherine
12.08.2019 | 13:54 Uhr
zu Kapitel 15
Liebe Catherine!

Da glaubt man in den Ferien mehr Zeit zu haben und dann ist gerade das Gegenteil der Fall. Nun ja, ab heute darf ich ja wieder arbeiten und versuche also mit etwas mehr Alltag im Gepäck ein paar verlässliche Zeitfenster für FF zu finden.

Im Grunde war mir dieses Tagebuch zwar bekannt, aber irgendwie doch ein wenig aus dem Blick geraten. Ich hatte ein wenig quer gelesen und war vor allem an dem Kapitel über das Fest der Apachen hängen geblieben, zumal es dort ja auch eine gewisse "Dopplung" des Motivs mit einem meiner Flügelschläge gab.

Dennoch war der Text in den letzten Monaten irgendwie weit weg und ich habe mich sehr gefreut, als er wieder aufgetaucht ist! Schon das letzte Kapitel war sehr bereichernd für meine kleine KM-Welt, zudem traurig und tröstlich zugleich.

Dieses aber hier hat mich in besonderer Weise gepackt. Ich konnte es mir erst gar nicht erklären, kam dann aber zu dem Schluss, dass es die ungewöhnliche Idee ist, dass W etwas "fürchtet", dass es etwas gibt, was er meidet, was ihm in gewisser Weise Angst macht, das mich hier so anzieht.

Unser unfehlbarer Häuptling der alles kann, alles weiß, sich in alles findet, ist hier ein junger Mann, der sich in einer Situation wiederfindet, die ihm Unbehagen bereitet - und das ist einfach wundervoll.

Zudem gelingt dir in den Gedanken OSs dieser Absatz, den ich einfach nur bewundere: "Ich verstand, dass der Lehrer Winnetous die beiden Apachen hatte schützen wollen. Doch gleichzeitig hielt ich dies für einen Fehler. Er hatte meinen Blutsbruder mit der Lebensweise der Weißen vertraut gemacht, ihn Lesen und Schreiben gelehrt, ihn an seinem Wissen und seinen Kenntnissen teilhaben lassen. Doch all dieses Wissen war blanke Theorie. Winnetou kannte Macbeth, hatte aber noch nie am Tisch eines Weißen gesessen. Ich nahm mir vor, das zu ändern. Nur wenn der künftige Häuptling der Apachen seine Scheu vor den Weißen überwand und erfuhr, dass es auch hier gute Menschen gab, konnte er für dauerhaften Frieden sorgen."

Macbeth kennen, aber noch nie einen Kaffee getrunken haben. Mit KP vielleicht über Goethe sinnieren, aber noch nie einen gesalzenen Eintopf gegessen haben... Dieser Kontrast, der so viel Sinn ergibt und doch so innovativ, weil in klare Worte gepackt, daher kommt, hat mich völlig geflasht!

Zudem gelingt es dir spielend die Szene so zu gestalten, dass man mitfiebert, dass man dem jungen OS über die Schulter zu schauen glaubt und bemerkt, dass er hier auf dünnem Eis unterwegs ist - jugendlicher Leichtsinn und so. Einen Grizzly nur mit dem Messer angreifen, weil es eben sein muss, und einen Apachen in einen Gemischtwarenladen zwingen, weil es eben sein muss. Perfekt getroffen!

Ich kann es nur schwer in Worte fassen, doch dieses Kapitel fühlt sich an wie ein fehlendes Puzzleteil, das man nicht mehr gesucht und dann ganz unverhofft gefunden hat!

Ich danke dir dafür!

Herzliche Grüße
Karla

Antwort von CatherineK am 21.08.2019 | 07:54:52 Uhr
Liebe Karla!

Dieses Ferienphänomen kenne ich auch; mag das daran liegen, dass andere auch Ferien haben und die freigewordene Zeit für sich fordern...;-)?
Schön, dass du es trotzdem geschafft hast, mir eine Rückmeldung zu hinterlassen!

Dass das Tagebuch bei Vielen aus dem Blick geraten ist, finde ich sehr verständlich. Immerhin hat es auch geraume Zeit (über ein Jahr, glaube ich) pausiert. Bei all den spannenden Geschichten hier vergisst man das dann schnell...

Es freut mich, dass ich dich mit diesem Kapitel ein wenig berühren konnte. Es macht tatsächlich Spaß, W und OS als junge Männer darzustellen, die auch mal Fehler machen und etwas emotionaler sein dürfen als wir sie später sehen. Trotzdem ist es ein schmaler Grat, einen W zu beschreiben, der sich - wenn auch nicht gänzlich offen - vor etwas fürchtet. Schön, dass es dann doch gelungen zu sein scheint.

Dass Ws "Bildung" eher von theoretischer Natur gewesen ist, und KP vielleicht doch die Praxis etwas vernachlässigt hat, ist ja eine Interpretation meinerseits, die sich aus dem Original höchstens erahnen lässt. In W ist es der weiße Lehrer, der sich den Weißen zuerst zeigt, bevor er schließlich die beiden Apachen dazu ruft. Daraus kann man eine Art Grundeinstellung herleiten. Ich fand den Gedanken jedenfalls reizvoll und konnte ihn zugleich dazu nutzen, OS auch einmal Lehrer sein zu lassen.

Mit dem Puzzleteil machst du mir ein großes Kompliment! Du suchst ja in deiner Oneshotsammlung auch nach solchen Teilen, die bei May einfach fehlen und die man dann so herrlich mit eigenen Inhalten und Interpretationen füllen kann. Wenn du dieses hier gelungen findest, freut mich das einfach nur!

Herzlichen Dank und liebe Grüße
Catherine
12.08.2019 | 01:06 Uhr
zu Kapitel 15
Huhu,
ich habe in letzter Zeit ein wenig geschwächelt, ich weiß.
Old Shatterhand ist also nun ein wenig schlauer in Bezug auf Ntscho-tschi, wenn auch unfreiwillig und er ist sich noch nicht sicher, wie er damit umgehen soll, zumal Winnetou seine Schwester – trotz des Wissen, dass Old Shatterhand sich (noch) nicht binden will, auf eine Schule der Weißen zu gehen um zu lernen. Logischerweise ist Old Shatterhand natürlich nun hin- und her gerissen, da er ja nicht weiß, ob nach ihrer Rückkehr nicht doch erwartet wird, dass er sie heiratet (denn schließlich ist sie auf eine Schule für Weiße gegangen). Aber andererseits lernt sie dort Dinge, die für den Stamm von Nutzen sein könnten. Das nächste Problem in seinen Augen ist einfach, dass er sie zwar liebt, aber eher wie eine Schwester. Das Gespräch von sich aus auf diese Sache zu lenken und klar zu stellen, dass er nicht heiraten will, ist auch keine Option, denn dann müsste er ja zugeben, dass er gelauscht hat, wenn auch unfreiwillig. Also erst einmal abwarten.

Glücklicherweise brachte der nächste Morgen Abwechslung und Winnetou und er ritten zu einem Handelsposten. Winnetou kennt diesen zwar, war aber noch nie in dem Laden, da er sonst immer Klekih-petra dabei hatte, der dort einkaufen ging. Irgendwie schaffte Scharlih es doch, Winnetou zu überzeugen mit in den Laden zu kommen, aber leider gab es dort einen schlechten Start, denn der Angestellte ließ hören, dass er Indianer nicht sonderlich leiden mochte und erst Recht keinen bedienen wollte.
Old Shatterhand verlor die Beherrschung und Winnetou legte vorsichtshalber die Hand an seine Waffe. Der Lärm, den Scharlih dann verursachte, als er den Angestellten in seine Schranken verwies, alamierte den Besitzer des Ladens, der sich für die nicht vorhandene Gastfreundschaft aufrichtig entschuldigte, den Angestellten entließ und noch einmal von vorne begann. Und auch der Tod Klekih-petras tut ihm aufrichtig leid.

Die Essensszene war toll geschrieben.

Während der Ladenbesitzer die Sachen von der Liste zusammen suchte, aßen Winnetou und Scharlih Eintopf und tranken Bier, welches Winnetou, der so etwas zum ersten Mal probierte, sogar schmeckte. Offenbar schien der Besitzer wirklich ehrlich zu sein, denn er machte beim Bezahlen offenbar keinerlei Anstalten, Winnetou zu übervorteilen.

Und eine neue Freundschaft geschlossen.

War schön zu lesen. Bis zum nächsten Mal

Antwort von CatherineK am 18.08.2019 | 11:49:00 Uhr
Hi Izzy,

wir schwächeln alle mal, kein Problem. Gerade du bist doch sonst immer da!

OS wartet erst einmal ab. Das ist einfach, aber er ist ja auch noch jung. Und du analysierst seine (wenigen) Handlungsmöglichkeiten hier ganz richtig. Letztlich bleibt ihm die Hoffnung, dass NTs Liebe sich mit der Zeit abschwächt, oder dass sie gar jemand anderen kennen lernt.

Es freut mich, dass du die Essensszene magst! Es hat mir auch Spaß gemacht, sie zu schreiben. Ich hab immer gerätselt, wo denn wohl W sein erstes Bier getrunken hat und wann er mit den Speisen der Bleichgesichter vertraut wurde. Warum dann dies also nicht in jene erste Zeit hineinlegen und OS dabei sein lassen? Ich fand das irgendwie plausibel.

Nachdem W sich überwunden hat, in den Store hineinzugehen, musste das Ganze ja am Ende gut ausgehen, sonst hätte er das wohl nie wieder getan. Es wird hier ein Grundstein gelegt; W erfährt, dass die Weißen nicht alle schlecht oder gut sind, und er kann Vertrauen aufbauen zu dem Storebesitzer. Letztlich wird er diesen ja auch einmal allein aufsuchen müssen.

Vielen Dank, liebe Izzy, für deine Rückmeldung!
Viele Grüße
Catherine
09.08.2019 | 09:45 Uhr
zu Kapitel 15
Ich finde es weiterhin sehr spannend, hier mitzulesen. Solche Eindrücke und Episoden hat der gute Karl uns ja in seinem Werk verwehrt. ;-) Das macht seine Helden doch gleich weitaus menschlicher.

Antwort von CatherineK am 12.08.2019 | 20:05:51 Uhr
Hallo SilviaK!

Ich bin eigentlich ganz froh, dass KM uns diese Lücke in seinem Werk hinterlassen hat, denn es macht mir auch sehr viel Spaß, sie mit meiner eigenen Fantasie zu füllen und seinen und unseren Helden etwas mehr Menschlichkeit und Normalität einzuhauchen!
Vielen Dank für diese Rückmeldung; ich hab mich gefreut, von dir zu hören!

Liebe Grüße
Catherine