Autor: IOU
Reviews 1 bis 9 (von 9 insgesamt) für Kapitel 1:
08.02.2018 | 09:27 Uhr
zu Kapitel 1
Oder um mal ein Zitat aus "Avatar - Aufbruch nach Pandora" zu bringen: "Sawtute ke tsun nivume - fo ke kerame!" (auf Deutsch: Menschen können nicht lernen - sie erkennen nichts!)

Genau das sind auch die Gründe, die mich so dermaßen an der Menschheit ankotzen: Gleichgültigkeit, Voreingenommenheit, Unverstand, Kleinkariertheit, Egozentrik, Kaltherzigkeit, ... Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Wohl dem, der noch in der Lage ist, seinen Verstand zu gebrauchen. Leider sind es viele Leute nicht.

Vielen Dank für diese sehr zutreffenden Worte. Du sprichst mir hier aus der Seele!
21.02.2017 | 15:07 Uhr
zu Kapitel 1
Und Alaaf zum dritten Mal, und wahrscheinlich auch zum letzten, weil ich sonst das Gefühl bekomme, den Reviewbereich zu missbrauchen ^^ (Kommentarbereich, wo bist du n.n)

Du machst es schon wieder, merkst du das ^^ Solange nicht gegen die Verfassung verstoßen wird, darf es Parteien rechts und links geben. Ob man dies gutheißt ist eine andere Sache, aber sie können und dürfen existieren.

Es gab durchaus kritische Stimmen. Nur die wurden ja scheinbar nicht ernst genommen. Die Begriffe "Wutbürger" und "Gutmensch" spiegeln den Konflikt gut wider. Hat man sich denn wirklich zugehört? Ich denke nicht, war doch reinstes Schubladendenken auf beiden Seiten, bevor man dann nach den ersten Statistiken und Nachrichten merkte: "Oh, doch nicht alles kulturelle Bereicherung, und oh, doch nicht jeder ungebildet und -zivilisiert."
Und ich sehe ehrlich gesagt auch nichts Verwerfliches daran, von seiner Wahlstimme Gebrauch zu machen. Dafür sind Wahlen da. Protestwählen war auch nur mein Erklärungsversuch, vielleicht sahen einige in ihr ja wirklich eine Alternative, bis sie realisierten, dass ein Großteil braunes Gesülz ist. Oder eben das Fehlen eines hetereogenen Lösungsversuches, wie er jetzt langsam Einzug hält, und dann hat man sich halt für das entschieden, was einem besser passte. Es auf eine Ursache herunterzubrechen geht ohnehin nicht.

Ich beziehe mich die gesamte Zeit auf die Werte des Grundgesetzes, woher du jetzt Tugenden und Vorurteile auspackst erschließt sich mir nicht wirklich. Das Grundgesetz ist das, was Deutschland auszeichnet. Und nichts anderes praktizieren die Fans beim Fußball. Dort identifiziert man sich mit dem Verein / Land, respektiert aber ebenso andere Vereine / Länder und macht auch schon mal zusammen 'ne Welle durch das Rund. Nichts anderes ist Patriotismus ^^ Es war ein Gegenvergleich zu deinem Raucherbeispiel, das ja direkt wieder Schädliches impliziert; nehme es doch nicht für bare Münze. Ist mir schnurz, wie du die E/WM verbringst oder wie du zum Sport stehst, haha.

Das Beispiel mit dem Islam war auch wieder ein Vergleich, wie du gegenüber Patriotismus aka dem "gemäßigten Islam" stehst, weil deine Argumentationsstruktur genau dem der Rechtsextremen entspricht, wenn es gegen den Islam geht. Auf der einen Seite sagst du, gemäßigter Islam ist okay und hat nichts mit radikalem Islam zu tun, auf der anderen Seite ist dir aber Patriotismus der Vorläufer des Nationalsozialismus. Warum trennst du Islam in gemäßigt und radikal, aber Patriotismus führt für dich zum Nationalsozialismus? Das ist ehrlich gesagt linksextrem par excellence und stellt dich auf eine Stufe mit der Islamophobie der Nazis ^^ Denn die sind auch nichts weiter als radikalisiert. Sie geben vor, ihr Land zu lieben, scheißen aber eigentlich auf das, wofür ihr Land eigentlich steht und ziehen sämtliche Menschen wie eben mich, die froh und dankbar sind, Deutschland als Heimat nennen zu dürfen, mit in den Dreck. Die haben auch nichts mehr mit Patriotismus zu tun -- und genau das versuche ich dir die ganze Zeit zu erklären.

Es sind immer noch nur Empfehlungen. Ich habe weder gesagt "DAS IST DAS MANIFEST MEINER ÜBERZEUGUNG!", noch zwinge ich dich dazu. Aber es hilft vielleicht, besser nachvollziehen zu können, warum einige so denken, wie sie denken. Ansonsten könnten sich Lehrer und Dozenten auch sämtliche Literaturempfehlungen sparen, kann die mir auch selber zusammenklauben, kein Ding. Dass sie dich nerven ist da für mich kein ausschlagkräftiges Argument. Wenn dich bereits Fahnen bei der WM nerven und du sie duldest, dann dulde auch Literaturempfehlungen -- oder ignoriere sie halt ;P Ich meine, wenn du schon in anderen Antworten fragst: "Warum liebst du Deutschland?", besteht doch offensichtlich Klärungsbedarf, oder nicht? Wenn man schon gegen etwas ist, sollte man es doch zumindest nachvollziehen können und nicht frei nach dem Motto "Versteh ich nicht, hat keine Existenzberechtigung für mich" handeln :S Ist das Demokratie für dich?

Ich lese mir gerne unterschiedliche Meinungen durch, gerade im Wahljahr auch mal politische ^^ Ich war auch ganz bei dir und hätte nicht gedacht, hier noch großartig was zu kritisieren, bis eben die These mit dem "Patriotismus zwangsläufig Nationalsozialismus" kam. & da wollte ich sachlich mit dir diskutieren, nur sind da Provokation und Übertreibung etwas hinderlich, weil sie Emotionen wecken. Emotionen und Sachlichkeit gehen jetzt nicht so Hand in Hand.
Aber unsere Unterhaltung läuft ja trotzdem überraschend zivil, ist ganz nett.

Sooo, und das war dann auch mein letzter Kommentar hierzu. Du musst meine Meinung nicht vertreten, aber es wäre schön, wenn du deine Haltung nochmal überdenken und zumindest versuchen würdest, nachzuvollziehen, warum einige Menschen sich vorrangig immer noch in Ländern verwurzelt fühlen und nicht in der Welt. Ansonsten würdest du mir nämlich mit deiner Meinung etwas Essenzielles nehmen ;) Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass ich in DE unbeschwert leben kann.

LG
Remix
20.02.2017 | 17:34 Uhr
zu Kapitel 1
Hey :)

Danke für deine Antwort.
Und ja, das mit dem Ausschluss von Bernd ^^ aus der AFD wird wahrscheinlich ohnehin nichts, da gebe ich dir Recht. Generell zu deiner Meinung gegenüber dieser Partei, obwohl mittlerweile gerade hinsichtlich der Flüchtlingskrise (welches wohl ausschlaggebend für den Erfolg der AFD ist bzw. war) viele Punkte mittlerweile von den großen Parteien übernommen wurden oder werden, im gleichen Atemzug diese Partei an Stimmen verliert.
Womit wir wieder bei den Protestwählern wären ^^ Wenn viele der großen Parteien homogen in einer Sache sind, ein Teil der Bevölkerung diesem jedoch nicht zustimmt und es keine Alternative (badum ts) gibt, dann sind diese unzufriedenen Leute sehr wohl gewillt, die AFD zu wählen und nehmen die Risiken in Kauf. Das ist dann gelebte Demokratie, aber zum Glück haben die großen Parteien diesen Wink verstanden und eingelenkt.

Na ja, aufgeklärte und globalisierte Welt... ich bin meinerseits froh und dankbar dafür, nicht in einem Land zu leben, in dem Genitalverstümmelung und die Underdrückung der Frau legitim ist, sondern in einem, das mir ziemlich viele Freiheiten gibt. Ist für dich vielleicht selbstverständlich, für mich ein weiterer Grund, es zu würdigen, was mir hier ermöglicht wird.
Und nein, eben nicht. Nazis sind keine Patrioten, weil sie mit ihrer Einstellung gegen sämtliche Werte brechen, die im Grundgesetz ihres Landes stehen, das sie ja scheinbar so lieben. Patrioten besinnen sich auf die eigenen Werte, Nazis wettern stets gegen andere, dass sie besser sind. Was du mit Rauchen vergleichst, vergleiche ich immer gerne mit Fanbewegungen im Fußball, weil ich selbst sehr aktiv darin bin. Friedliche Fans, die ihre eigene Mannschaft anfeuern und sich mit ihr identifizieren, mit Fans anderer Mannschaften gemeinsam im Pub das Spiel schauen, aber auch kritisch werden, wenn es nicht läuft, sind die Patrioten.
Nazis hingegen sind die Hooligans, die auf Fans anderer Mannschaften gewaltsam losgehen, sich selbst als etwas Besseres ansehen und konsequent vom eigenen Verein und den friedlichen Fans verurteilt werden, siehe den Vorfall in Dortmund gegen Leipzig.

Deine Argumentation ist der der rechten Szene sehr ähnlich (je weiter man rechts geht, desto eher ist man links... oder so). Nicht alle Muslime sind IS-Terroristen, aber jeder IS-Terrorist ist ein Muslim. Ergo: Islam hat in der globalisierten, aufgeklärten Welt keinen Platz mehr! Religionsfreiheit adé!

... das meine ich mit "du differenzierst nicht". In gewisser Weise sind deine Ansichten ziemlich extrem. Du wirfst alle in einen Topf, die sich zu dem Konstrukt Deutschland bekennen, obwohl sich Patriotismus, Nationalismus und Nationalchauvinismus grundlegend unterscheiden ^^ Zumal 2009 60% meinten, sie seien stolz auf ihr Land (scheint doch einige Raucher zu geben...). Nur, weil du es nicht verstehst, verliert es nicht seine Daseinsberechtigung. Ich töne ja auch nicht, dass Kosmopolitismus keinen Platz hat. So funktioniert Demokratie nicht ^^

Buchvorschläge sind immer nur der Hinweis darauf, sich mit der anderen Seite auseinanderzusetzen, was du meiner Hinsicht nach nur unzureichend getan hast -- zumindest laut deinem Text, deine Antwort auf mein Review fand ich wiederum vernünftig und relativ toleranter (scheint meine Abneigung gegen Übertreibung und Provokation durch? :P). Lesen bildet Meinung, und dass du mir keine eigene Meinung attestierst, wenn ich dir verschiedene (!) Lektüre vorschlage, finde ich sehr grenzwertig und beleidigend.

Liebe Grüße
Remix

Antwort von IOU am 21.02.2017 | 09:59:40 Uhr
Hallo.

Kein Problem, immer gern.
Hmm, das sehe ich ein bisschen anders. Nur weil die etablierten "Altparteien" der AfD jetzt die Themen abgrasen, macht es das noch lange nicht besser. Niemand kann behaupten, die CDU hätte noch nie "Ausländer" als Wahlkampfthema gehabt oder wäre in dieser Frage immer so moderat gewesen. Vor allem die CSU hat teilweise Punkte in ihrem Parteiprogramm, da rollt es einem die Fußnägel hoch, so laut schreit das "bin ich noch konservativ oder schon rechts?" Wie heißt es so schön, rechts von der CSU darf es keine Partei geben.
Wenn "unzufriedene Leute" sehr wohl gewillt sind, die AfD zu wählen und die Risiken einzugehen...sorry, denen kann man dann auch nicht mehr helfen. Sie protestieren doch so gerne, dann sollen sie protestieren, anhaltend und mit Vehemenz(natürlich ohne Gewalt) - aber doch nicht "protestwählen" - was für ein Unwort.
Da hast du allerdings Recht. Rechte Strömungen haben schon immer die demokratischen Aufwinde genutzt um an die Macht zu kommen.

"Patrioten besinnen sich auf die eigenen Werte" - also doch nicht auf die des Landes? Reden wir hier von deutschen Tugenden? Aber das ist doch Blödsinn. Kein Mensch gleicht dem anderen, so etwas wie deutsche Werte kann es gar nicht geben, genauso wenig wie spanische oder so. Das ist alles nur Klischeedenken um uns aufzuwerten, oder kennst du "typische Werte" von anderen Ländern, die man in Deutschland positiv sehen würde?
"Wir" sind fleißig, pünktlich, ehrgeizig, gewissenhaft, zuverlässig(ich kenne übrigens niemanden, der so ist und dazu noch ein angenehmer Zeitgenosse). Und was sind die Klischees über andere Länder? Polen klauen, Russen saufen, Südländer sind faul, Engländer saufen und benehmen sich wie die Schweine...kennst du andere, gute Werte, die hier so durch den patriotischen ""Volkskörper"" schweben?
Jetzt weiß ich auch, woher der Wind weht...Fußball also. Okay. Spricht ja nichts dagegen, aber ob das was mit Patriotismus zu tun hat? Ich denke, Patrioten besinnen sich auf die eigenen Werte, was ist Fußball denn für ein Wert?
Aber auch, wenn ich es einfach nur dämlich finde, sich wie ein Geistesgestörter schwarz-rot-gold anzumalen und sich heiser zu brüllen, weil 22 Deppen einem Ball hinterher rennen, genau wie mich die alle zwei Jahre wieder aus der Versenkung kommenden Fähnchen an einfach allem nerven - solange alles friedlich bleibt, können die Fußballfans das doch machen. Bleibe ich eben zu Hause und lese ein Buch oder schaue einen Film. Jeder kann doch machen was er gerne will. Aber dann nennt euch bitte nicht Patrioten, denn wenn überfinanzierter, korrupter und homophober Sport als ein "deutscher Wert"(weil patriotisch) gilt, dann ist Hopfen und Malz verloren.

Ich sehe schon, dass wir uns über das Thema Patriotismus nicht einig werden und das ist ja auch okay. Ich akzeptiere deine friedliche Meinung und du akzeptierst meine friedliche Meinung.

"Nicht alle Muslime sind IS-Terroristen, aber jeder IS-Terrorist ist ein Muslim. Ergo: Islam hat in der globalisierten, aufgeklärten Welt keinen Platz mehr! Religionsfreiheit adé!"
-- Nur, wenn du davon ausgehst, dass IS-Terroristen dem gemäßigten Islam angehören und mit Verlaub, das tun sie nicht. Ich bin mit vielen muslimischen Familien in meinem Freundeskreis aufgewachsen und ich würde niemals auf die Idee kommen, den Islam, wie er von der überwiegenden Mehrheit der Gläubigen praktiziert wird, irgendwie mit Terror in Verbindung zu bringen. Bestes Beispiel: Anders Breivik, der bezeichnet sich selbst als christlichen Fundamentalisten. Würdest du den mit dem Christentum assoziieren, wie es von der überwiegenden Mehrheit praktiziert wird? Nein, das ist ein sehr fehlgeleiteter Mensch, ein Fanatiker mit "überwertigen Ideen"(einfach mal googeln), genau wie IS-Terroristen welche sind. Das einzige Glück war, dass der Typ seine Psychose allein in seinem Kämmerlein gepflegt hat und so niemanden mit diesen Ideen infizieren konnte. Beim IS ist das anders gewesen, aber wenn meine halbe Familie bei einem Drohnenangriff "des Westens" stirbt, dann bin ich auch offener für Radikalisierung.
Terror und die Entstehung von Terrororganisationen hat mit Religion null komma nix zu tun - sie wird nur gern als Rechtfertigungsgrund vorgeschoben, weil niemand der glaubt, bei entsprechender Indoktrinierung Gott hinterfragt.

Wenn du Übertreibungen und Provokation nicht leiden kannst, frage ich mich, wieso du meinen Text ursprünglich überhaupt gelesen hast, denn ich habe im Eingangskommentar ausführlich auf genau das hingewiesen.
Was ist das denn für ein Blödsinn? Hier muss sich doch niemand beleidigt fühlen. Nur bin ich durchaus in der Lage, mir eigene Literatur auszusuchen und ja, das ist ein wichtiger Meinungsbildner - aber mal ehrlich: Hast du keine eigenen Gedanken zu solchen Themen, die du zusammenführen könntest? Wieso knallst du mir hier so viele Leseempfehlungen rein, kannst du das nicht kurz mit eigenen Worten darlegen, wenn das deine Meinung ist? Ansonsten geht doch die Diskussion flöten, weil ich sicher nicht erst drei Bücher lesen werde um mir deinen Standpunkt klarzumachen.

LG,
Kristin
19.02.2017 | 22:45 Uhr
zu Kapitel 1
Ein klasse Essay. Ich finde es gut, dass endlich mal jemand so deutliche Wort zu den neuen Rechten verliert, die ja alle gar nicht rechts sein wollen. Du hast genau auf den Punkt gebracht, was einen typischen Wähler der AfD ausmacht. Entweder ist er ungebildet und weiß es nicht besser, oder er ist wirklich ein übler Zeitgenosse. Ich weiß nicht so recht, wie ich alles ausdrücken soll, aber ich finde, dass dieses Essay definitiv eines der besten ist, die ich bisher gelesen haben.

Antwort von IOU am 20.02.2017 | 09:17:55 Uhr
Hallo!

Vielen Dank für dein Review, ich hab mich sehr darüber gefreut. Sich zu äußern ist wichtig, ob man der dargestellten Meinung nun zustimmen mag oder nicht.
Danke für dieses Lob!

Liebe Grüße,
Kristin
18.02.2017 | 07:57 Uhr
zu Kapitel 1
Hey :)

Ich äußere mich nur ungerne politisch, weil ich nicht glaube, dass es sonderlich viel bringt, anonym im Internet zu diskutieren... aber sei's drum.

Mal abgesehen davon, dass ich den Text unglaublich anstrengend fand (bin halt kein Fan von Provokation und... übertriebener Übertreibung? Haha?), stimme ich dir in dem Punkt zu, dass unser guter Freund Bernd bzw. "Björn" :P einen ziemlich an der Waffel hat, du allerdings (und das nehme ich dir nicht übel hinsichtlich des Datums) bedenken solltest, dass sich selbst die AFD von ihm distanziert.

Ein anderer Punkt, der mir übel aufgestoßen ist, ist deine Ansicht hinsichtlich des Patriotismus, was eigentlich nichts anderes als "Vaterlandsliebe" bedeutet und sich nicht mit Stolz und des Aufwertens gegenüber anderen Nationen beschäftigt - das wäre Nationalchauvinismus, nicht Patriotismus. Hierzu sei gesagt, dass es einige nicht nötig haben, sich außerhalb der Identifikation als Mensch als irgendwas anderes zu idenfizieren und kosmopolitisch denken -- andere jedoch schon, und gerade da finde ich es schade, dass du direkt wieder die Verbindung zum Nationalsozialismus schlägst und nicht differenzierst.
Denn diese Geringschätzung und meinetwegen auch Ignorieren eines berechtigten Problems ist das, was viele aus meiner Sicht in die Arme der AFD treibt. Solange es keine Partei gibt, die lokalere Identifikationsmöglichkeiten anbietet, hat der Populismus es ziemlich leicht, diese Menschen zu erreichen -- und das hat weder etwas mit Dummheit, noch mit einem schlechten Wesen zu tun. Ich empfehle Schriften und Texte von Michael Sandel, sehr spannend und aufschlussreich!
Zitat: "Wer die Leute nur als Bürger der Welt, als Kosmopoliten, versteht, bietet eine zu dünne Grundlage, um sie in der Welt zu verorten, ihnen ein Gefühl der gegenseitigen Verpflichtung zu geben. Unsere politischen Identitäten müssen näher bei unserem Zuhause sein. Die Mainstream-Politik sollte *patriotische Visionen* anbieten, die *pluralistisch* statt fremdenfeindlich sind."

Also heruntergebrochen: Nein, Patriotismus ist nicht zwangsläufig negativ, und ja, Trump, AFD und Konsorten bieten keine fruchtbaren Lösungsvorschläge an und schüren Fremdenhass, wissen aber, die aus deiner Sicht "dummen und schlechten Menschen" (die sich vielleicht einfach nur missachtet fühlen? Jemals daran gedacht?) zu erreichen. In Deutschland glücklicherweise nicht allzu ausgeprägt wie in den Staaten.

Ein weiterer Buchvorschlag meinerseits wäre "Im Leben verschollen" von Thomas Seiler. Dort kommen skandinavische Überlebende der Judenverfolgung zu Wort, die sich u.a. auch mit der Frage der Identifikation beschäftigen, die ihnen nach Kriegsende sehr schwer fiel, sie waren "heimatlos". Diese Grundlage sollte niemandem genommen werden, und wenn ich mich nun mit meinem Land identifiziere und es "liebe" ist es an für sich nichts Verwerfliches. Im Gegenteil, damit halte ich Werte, wie sie beispielsweise das Grundgesetz in Deutschland vertritt, hoch. Aber hey, "die Würde des Menschen ist unantastbar" ist der letzte Schritt vor dem Nationalsozialismus, wie wir ja alle wissen. Öhm...

Vielleicht äußere ich mich auch irgendwann mal zu deinen anderen Punkten, dazu fehlt mir momentan am Handy allerdings die Lust ^^

Liebe Grüße
Remix

Antwort von IOU am 20.02.2017 | 09:16:37 Uhr
Hallo!

Erstmal vielen Dank, dass du mir ein Review geschrieben hast. In eine Diskussion zu treten ist sehr wichtig wie ich finde und es freut mich, dass du meinen Text differenziert betrachtest.

BERND Höcke(;D)...ja, beim Datum der Veröffentlichung war das Parteiausschlussverfahren noch nicht eingeleitet. Dennoch würde ich viele Wetten eingehen, dass Herrn Höcke eben nicht aus der AfD ausgeschlossen wird - genauso wenig wie alle anderen Rechten in dieser Partei. Man wird nicht aus der AfD ausgeschlossen, weil man rechts ist. Höchstens, weil man in der Öffentlichkeit untragbar geworden ist, denn Höcke ist nicht der einzige Politiker dieser Partei der sich abfällig über zum Beispiel das Holocaust-Mahnmal geäußert hat. Bei den anderen, die teilweise noch extremere Ansichten äußerten, hat die Öffentlichkeit nicht so extrem reagiert und deswegen ist Herrn Höcke so etwas wie ein Bauernopfer - wenn er denn überhaupt eines werden wird. Das ist auch das eigentlich Gefährliche, denn die AfD bewahrt sich händeringend irgendwie diese bürgerliche Maske, vor allen Dingen vor denjenigen die die Wahrheit nicht sehen möchten(denn mal ehrlich, sonderlich schwer zu erkennen ist sie nicht).

Über Patriotismus lässt sich in meinen Augen nicht streiten, denn in einer globalisierten und aufgeklärten Welt sollte er keine Rolle mehr spielen müssen.
Um mich selbst zu zitieren: "Patriotismus kann nicht unschuldig sein, denn er führt zwangsläufig dazu, dass andere Völker und Länder irgendwann neben dem Glanz ermatten, den man seinem eigenen zuschreibt. Man hebt sich also ab."
-- Wie du sicher erkennst, habe ich mich lediglich gegen Patriotismus ausgesprochen, da er der Grundstein für eine viel schlimmere Sache ist. Ein Vergleich mit dem Rauchen bietet sich hier vielleicht zur Verdeutlichung meiner Meinung an. Die Wirkung tritt immer verzögert ein, aber am Ende wird Rauchen deinem Körper schaden. Ob du nun Krebs oder einen Herzinfarkt bekommst oder unfruchtbar wirst, das Rauchen hat den Grundstein dafür gelegt und so ist es auch mit dem Patriotismus. Er mag sich ganz nett anfühlen(kann ich nicht beurteilen, denn ich kenne dieses Gefühl nicht, kann es lediglich theoretisch nachvollziehen), aber zu differenzieren ist ein wenig Haarspalterei, finde ich. Nein, nicht jeder patriotisch denkende Mensch ist ein "Nazi" oder wählt die AfD, aber alle Nazis oder AfD-Wähler sind "Patrioten" - du weißt, wie ich das meine?

"Denn diese Geringschätzung und meinetwegen auch Ignorieren eines berechtigten Problems ist das, was viele aus meiner Sicht in die Arme der AFD treibt. Solange es keine Partei gibt, die lokalere Identifikationsmöglichkeiten anbietet, hat der Populismus es ziemlich leicht, diese Menschen zu erreichen -- und das hat weder etwas mit Dummheit, noch mit einem schlechten Wesen zu tun."
-- Hmm, das sehe ich wiederum anders. Also nicht die Ursachen, die die Leute zur AfD "treiben", in meinem Text ging ich ja auf die Grundzüge solcher Menschen ein. Ich stimme dir zu, dass die Leute sich in die Arme der AfD getrieben fühlen, aber das kann doch nur daran liegen, dass sie sich selbst entweder kein differenziertes Bild einer Partei bilden können, die sie immerhin wählen wollen oder aber die wirklich schrecklichen Ziele und Ansichten dieser Vereinigung sind die ihren (dumm oder ein schlechter Mensch).
Wenn du davon sprichst, dass Menschen in die Arme der AfD getrieben werden, spricht ihnen das einen Teil der Selbstverantwortlichkeit ab, die ein jeder Bürger für sich und sein Handeln in einer Demokratie übernehmen sollte. Sich missachtet zu fühlen ist kein Grund, noch nicht einmal eine Entschuldigung. Und verzeih, aber wer "aus Protest" so einem Verein seine Stimme gibt und dabei die Gefahren bagatellisiert oder nicht erkennt, so jemanden muss ich nicht auch noch hätscheln und Verständnis heucheln. Jeder mündige, wahlberechtigte Bürger hat einen eigenen Kopf zum Denken, da kann man keine Lenkung oder Ähnliches vorschieben - auch nicht die Unfähigkeit der restlichen Politik. Das ist wie Äpfel und Birnen zu vergleichen.

Entschuldige, aber ich kann diese Leseempfehlungen nicht mehr sehen hier - ja, auch ich lese viel in dem Bereich, benutze es aber nur als Grundlage. Habt ihr denn alle keine eigene Meinung?

Wenn Patriotismus bei dir also nicht umschlägt, dann beglückwünsche ich dich dazu. Du bist die Ausnahme unter den Rauchern(die es durchaus gibt) und wirst trotz Kettenrauchens wahrscheinlich alt wie Steinkohle ;D

Vielen Dank noch einmal und liebe Grüße,
Kristin
04.02.2017 | 15:42 Uhr
zu Kapitel 1
Zitat:
"Deswegen möchte ich natürlich auch detailliert auf deine (für mich) fragwürdige Meinung dazu eingehen. (Da hat sich wohl ein "schlechter Mensch" wiedererkannt, hmm?)"

Fragen zu stellen ist bei dir bereits eine fragwürdige Meinung zu haben. Das ist die typische linksradikale Totschlagsmentalität: Man hat gefälligst zu fressen, was einem vorgesetzt wird.

Junge, in meinem Alter, ich könnte dein Großvater sein (gut, das konntest du nicht wissen) , der zusätzlich im Ausland lebt und in vielen anderen Ländern lebte und reiste und mehr Lebenserfahrung gesammelt hast, als du heute aufs Tablett bringst, erfuhr ich überall Vaterlandsliebe. Das was ihr in Deutschland so treibt "Deutschland du Stück Scheiße!", (Du erinnerst dich des Transparentes, die eure Vizevorsitzende des Bundestags , diese Roth begleitete....?) ist – aus dem Ausland besehen - Selbsthass.
Linke Sprüche wie "Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei!“, oder auch "Thanks Bomber Harris" (General Harris befehligte Flächenbombardement auf Dresden im Februar 1945, bei dem mehr als 20.000 Menschen starben) zeugen von einer wahren menschenfreundlichen Einstellung der linken Kreise.

Und ich frage nochmal: wer eigentlich bestimmt was "Rechts" ist?

Ist es bereits "Rechts" zu sagen, wir sind eine Nation? Oder wann beginnt es bei dir ein Rechter zu sein?}

Bevor du diese Frage nicht klärst, sondern wild um dich schlägst, pöbelst wie Verrückt, tausende von Wählern der AfD als Quasi-Nazi hinstellst, solltest du mal deine Bereitschaft zum Nachdenken überprüfen.

Und ja, Anstand habe ich, womöglich im Gegensatz zu dir, durchaus gelernt. Ich habe aber auch gelernt, dass Schriften wie deine übelste Hetze ist, Schriften, bei denen es nicht drauf ankommt, sich mit Fakten auseinander zu setzen, sondern, ja , eben, nur zu hetzten und dem Andersdenkenden den Schädel einschlagen zu wollen.

Mich erinnert das (Schädel einschlagen) an SA-Methoden.

Mich erinnern die Vorgänge in den USA, die "aus heiterem Himmel entstandenen spontanen Demonstrationen", als rosarote Käppchen wie durch Wunder binnen einer Nacht vom Himmel fielen, an gesteuerte Putsch-Methoden.

Mich erinnern Spiegel-Titelbilder , auf denen Trump mit den ISIS-Schlächtern gleichgestellt wird, an übelste, widerliche Stürmer Titelei. Fehlt eigentlich nur dasss Trump die geifernde Fratze eines Kindergrabschenden Juden (bzw. Semiten) bekommen hat....Aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Da sind die Deutschen Linken bereit alle Hemmungen fallen zu lassen und Juden ebenso zu instrumentalisieren wie den Holocaust oder den "Kauft nicht bei Juden" (lies mal zur Erbauung was Henryk M. Broder mit den guten linken Menschen erlebt hat) , wenn es um den angeblichen "Kampf gegen Nazis" geht. Gut dass ihr ein Feindbild habt, sonst haettet ihr wohl nicht mal eine Identitaet.

Das kommt alles von linken guten Menschen, die mir, weil ich anders denke, nämlich hinterfrage, halt mal im Vorbeigehen den Schädel einschlagen wollen.
Verstehst du. Es geht nicht darum, ob du Links oder Rechts bist, es geht um Nachdenken und nicht um das Absondern niederer Instinkte.

Das ist das was ich gelernt habe. Wie soll ich zu jemanden "anständig" sein, der nur mit Dreck um sich wirft?

Ich grüße dich und alle linken Genossen aus einem Land, in dem das Hassobjekt alles Linken, die Vaterlandsliebe, herrscht, in dem man Patriot ist, in dem man stolz auf sein Land ist und in dem es weder Kommunismus noch Linke noch AfD gibt, sondern Demokratie.

Und ich grüße ins Besondere "Error0815" sowie
"Apple Dipped inHoney".

Ist nett wieder mal von euch zu lesen!

Und mal so ganz nebenbei, bevor du mich wieder beschimpfst: Mein Vater war ein Opfer der Scheiss-Nazis, er war ein Arbeits-Sklave und hat nur mit allergrößtem Glück überlebt (und abertausende sind dabei verreckt) , starb aber an den Spätfolgen der Nazis viel zu früh. Doch er war, anders als du, ganz ohne Hass. Er heiratete sogar, auslaendisches Opfer deutscher Nazis, eine deutsche Frau.

(Würdest DU eine AfD-Wählerin heiraten?)

Von ihm habe ich gelernt, in jedem Menschen in erster Linie den Menschen zu sehen und nicht die politische Stimme, wie du es tust.
Und solange ein Gabriel jene, die protestieren, als "Pack" beschimpft und ein angeblicher Pastor und Präsident andere Menschen als "Dunkeldeutschland" abwertet, solange kann ich nur sagen: Gott im Himmel, was habt ihr nur für eine widerwärtige, ekelhafte Menschenverachtende Politik bei euch. Und die unterstützt du?

Saludos

P.S. Ich gestehe dir selbstverständlich das Recht zu dich zu irren, zu lernen, deine Meinung zu ändern. Niemand ist allwissend.

Antwort von IOU am 06.02.2017 | 13:25:53 Uhr
Guten Tag! (Du scheinst ganz schön zu selektieren, welche alten Werte du leben möchtest. Normale Regeln der Höflichkeit zählen offenbar nicht dazu.)

Leider kann ich aus diesem Review von dir schließen, dass du nicht in der Lage zu einer richtigen Diskussion zu sein scheinst, denn das bedeutet auf die Argumente des Gegenübers einzugehen und dazu Stellung zu beziehen. Das tust du in keinster Weise, sondern scheinst nur ein einziges Argument zu haben: Linksradikalität ist scheiße.
Da muss ich dir zustimmen und ich habe mich mehrfach von allen Extremen(links und rechts) sowie damit verbundener Gewalt distanziert. Du hingegen tust das nicht, was mich etwas ahnen lässt, dem ich hier allerdings keine allzu große Plattform schenken möchte.

Du hat auch keine meiner Fragen an dich beantwortet. Wieso zum Beispiel liebst du Deutschland denn so sehr? Weil das nun mal so ist? Ohne nennenswerten Grund? Hmm, kommt mir ziemlich schwammig vor, fast schon twilight-mäßig.

Glückwunsch zu deiner Lebenserfahrung.
Wenn du "dein" Land so liebst, dann komm doch hierher zurück und ändere etwas an den(in deinen Augen) unfassbar schlimmen Dingen, die hier vor sich gehen. Über das große Wasser hinweg lässt sich leicht reden.
"[...] die eure Vizevorsitzende des Bundestags[...]"
-- Was heißt denn bitte immer "wir"? Claudia Roth ist nicht m e i n e Vizevorsitzende, denn ich fühle mich in keinster Weise dieser Partei zugehörig. Doch du bringst mich in die leidliche Situation, die Grünen gegen den ausgemachten Mist verteidigen zu müssen, den du hier absonderst.

Auch wenn "Rechte" in der Politik sich (meistens) von Gewalt oder dem Aufruf dazu fernhalten(aus rechtlichen Gründen), so wird dir die subtile Feindseligkeit zum Beispiel eines Björn Höcke nicht entgehen. Er schlägt in alle Richtungen, aber das ist die Mentalität vieler Deutscher: Nach oben buckeln und nach unten treten. Er dreht es um. Dass am Ende das Ergebnis gleich bleiben wird, sollte dieser Mann sich weiterhin "ausleben" dürfen, ahnt die Mehrheit seiner Fans wohl noch nicht.

Aber ab wann ist man rechts. Es gibt kluge Menschen, die das besser beantworten können als ich. Meistens Politikwissenschaftler, aber ich will es mit meinen eigenen Worten versuchen, sollte deine Frage nicht nur rhetorisch gemeint gewesen sein.
Es gibt durchaus Menschen mit rechtem Gedankengut(das sie meistens aus Unwissen dort erblühen lassen und weil Feindfiguren viel einfacher zu bedienen sind als Lösungsansätze), die ich nicht als Rechte bezeichnen würde. Ein Gedanke macht noch keinen Menschen. Ich würde auch nie behaupten, dass alle AfD-Wähler Nazis sind, hab ich auch nie gemacht.(Wenn hier übrigens jemand pöbelt, dann bist du das)

Bleiben wir doch beim Beispiel von Björn Höcke, denn der ist für mich eindeutig ein Rechter. Es kommt auf die Einstellung an: die zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft. Er larviert sich mit seiner Wortwahl immer um die strafprozessfähigen Aussagen herum. Dennoch bleibt dem aufmerksamen Zuhörer nicht verborgen, dass er eine für Rechte typische Einstellung zur Vergangenheit hat. Deutschland ist ein Unrecht geschehen, obwohl wir doch eigentlich gar nichts Schlimmes gemacht haben. Seine Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie lässt sich nicht leugnen, nicht einmal von dir.
Die Gegenwart(ein Rechtsstaat, in dem einiges schief läuft, der, gemessen an Beispielen um uns herum, in sich aber hervorragend funktioniert) schmeckt ihm nicht. Zu vielfältig, zu bunt, zu viele Un-Weiße und Abartige für ihn. Er diagnostiziert einen "ausgehöhlten Staat", pocht auf das Recht des Volkes, obwohl er vielleicht mal ein Auge auf das Recht der Völker werfen sollte. Seine Angst vor Veränderung ist Angst vor Natürlichkeit, denn natürlicherweise ist alles immer im Wandel - so funktioniert Evolution. Aber das gefällt Herrn Höcke nicht, es soll wieder so werden wie früher - obwohl sich keiner von uns an d i e s e s früher mehr erinnern kann. Es gibt kein "früher" in Deutschland, in dem es uns wirtschaftlich besser ging als heute. Er kann also nur einen ideellen Rückschritt meinen. Und wohin dieser Schritt geht, ist leicht zu erraten. Abschottung, Grenzen ziehen(aus seinem Kopf bis in die Realität), mehr Macht in weniger Händen. Seine Politik würde sich zweifelsohne gegen Minderheiten richten(Muslime, Homosexuelle, Flüchtlinge etc.), denn die gehören in seinen Augen nicht hierher und das benennt er auch so. Ich finde zum Beispiel, dass unsere Waffen nicht in Krisengebiete(oder sonstwohin) gehören, aber wettere ich deswegen öffentlich und poche auf m e i n Recht? Genau: nein. (Auf Menschenrechts könnte ich pochen, aber was würde das schon bringen? Immerhin werden nicht einmal die UN dahingehend angehört)

Was soll das Ziel sein? Eine homogene Gesellschaft, die weiterhin schrumpft und sich im Niedriglohnsektor kaputt macht? Welche Probleme sollte das schon lösen?
Ja, mit Einwanderern kommen auch Probleme. Jeder der etwas anderes behauptet, verschließt die Augen vor der Realität. Aber statt uns abzuschotten und in dumpfes Eigenbrötlertum zu verfallen, sollten wir diese Chance lieber nutzen. Welches Land, wenn nicht unseres(wirtschaftsstark, häufig gut organisiert und leistungsfähig) könnte helfen um sich selbst damit zu helfen? Das wäre human, aber nicht nur, denn wir könnten junge Menschen gut gebrauchen, die leistungsstark sind und sich engagieren, die Brücken zu uns bisher größtenteils fremden Kulturen zu schlagen. Menschen fremdeln immer, aber Kontakt und positive Erfahrungen können genau das ändern.
Aber wie sollen sie sich schon fühlen, wenn sie auf der Straße angepöbelt werden oder diskriminiert oder allein durch Gebaren ausgegrenzt(ob Trump und Co. eigentlich wissen, dass Protektionismus ein zutiefst kommunistisches Mittel der Regierung ist?). Sicher fühlen sich auch AfD-Sympathisanten in einigen Kreisen der Gesellschaft unwohl, aber sie könnten daran etwas ändern, wenn sie sich nicht so gut in ihrer Opferrolle gefielen. Was aber kann ein Mensch an seiner Hautfarbe ändern?
Das haben wir alles schon einmal erlebt und es hat unter anderem ziemlich negative Folgen gehabt. Wieso also machen wir immer nur das Gleiche und versuchen es nicht einmal anders? Die Zeit und Energie, die wir in die Abwendung von etwas stecken, das längst hier ist, würde uns vieles erleichtern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Rechter ist der, der seine Vorstellung einer homogenen Gesellschaft durchdrücken will und dabei den Schaden und die Verfolgung von unschuldigen(oder schuldigen) Menschen hinnimmt und billigt oder sogar dazu aufruft. Patriotismus ist ein wichtiger Punkt, bei Rechten normalerweise schon zu Nationalismus gewachsen(andere sind weniger wert als "wir", weswegen wir sie zu unserem Vorteil behandeln dürfen, als hätten sie weniger oder keine Rechte). Zumindest die Einschränkung der Demokratie ist eines seiner Ziele und der Rechte schreckt zumindest in seiner Vorstellung auch nicht vor Gewalt zurück(Politiker am Galgen etc.)
Und jetzt komm mir bitte nicht wieder mit: Die Linken sind genauso schlimm und noch viel schlimmer! Ich weiß und ich sage es für dich noch einmal: Ich unterstütze weder links noch rechts! (Die eine Seite ist in letzter Zeit allerdings sehr viel auffälliger, findest du nicht auch?)

Hetzschrift? Ach, bitte. Wie angekündigt war das ein Text voller Übertreibungen und Sarkasmus. Es ist mir echt langsam zu blöd, dir das immer und immer wieder sagen zu müssen.
Was hast du auch immer mit dem Schädel einschlagen. Noch einmal, weil es so schön war: Ich bin gegen jede Form der Gewalt, egal ob links- oder rechtsradikal.
SA-Methoden...dass du dich an die SA noch erinnern kannst, immerhin wurde die ja recht schnell von der SS geschluckt - unter anderem, weil Röhm schwul war. Zumindest war das im Nachhinein ein Rechtfertigungsgrund der r e c h t e n Regierung damals. Wie steht die AfD nochmal zu Schwulen? Oder die CSU? Furchtbar und hört, hört! Die CSU ist keine rechte Partei und trotzdem bin ich nicht mit der allgemeinen Einstellung zu Homosexualität einverstanden. Also bin ich ja doch nicht nur gegen "Rechte". Verrückt, oder? Oder macht mich das schon wieder linksradikal? Klär mich bitte über mich selbst auf.
Merke: kein Schädeleinschlagen gewünscht. Alles klar?

Und weil es so schön war: ich bin keine Linke, auch wenn ein Teil meines Gedankengutes in diese Richtung tendiert. Genau wie jemand mit rechtem Gedankengut nicht automatisch ein Rechter ist. Beides kann noch werden, obwohl ich stark bezweifle, dass ich irgendwann mal teure Autos anzünde und Leute verprügle, nur weil sie eine Glatze haben.

Mich immer wieder als links-(radikal) zu bezeichnen ist auch schon Absondern "niederer Instinkte", findest du nicht auch?
Und ich habe auch ohne Feindbild eine Identität, dankeschön. Gut, dass wir das geklärt haben. Ich bin ein Mensch, ein Individuum, das ist meine Identität. Ich brauche keine Nationalzugehörigkeit oder sonstigen gleichmachenden Blödsinn.
"Wie soll ich zu jemanden "anständig" sein, der nur mit Dreck um sich wirft?" - zeugt das nicht von deiner Unbesonnenheit, wo du doch angeblich auf der "richtigen Seite" bist?

Und jetzt aber zum (hoffentlich) letzten Mal: Ich-bin-keine-Linke!

Ich beschimpfe dich? Wer beschimpft denn hier immer wen als "Linke"?

Tja, wie soll ich jetzt von deinem Opa auf dich schließen? Gibt es da so etwas wie ein "ideologisches Erbe" in deiner Welt?
Mein Urgroßvater ist 1945 an der Ostfront gefallen. Muss ich deswegen jetzt irgendwie Russen hassen? Oder die Geschichte verzerren um meinen Urgroßvater besser dastehen zu lassen, der wahrscheinlich ein recht passables Mitglied der NSDAP gewesen ist? (Gibt keine Belege oder Zeugen dafür, ich gehe einfach von der Wahrscheinlichkeit aus). Du siehst also, mit den Verdiensten oder Undiensten der Vorfahren kommen wir hier so gar nicht weiter.

Würde ich eine AfD-Wählerin heiraten?
Nein, weil ich nicht lesbisch bin und dann dürften wir ja sowieso nicht heiraten.
Würde ich einen AfD-Wähler heiraten? Heiraten würde ich schon mal gar nicht, aber könnte ich mit einem zusammen sein? Höchstwahrscheinlich nicht, denn wie soll man mit jemandem zusammen sein, der an gegenteilige Werte glaubt? Manche können das vielleicht, ich nicht. (Macht mich das wieder links?)
Würde ein AfD-Wähler mit mir zusammen sein wollen? Auch nicht, aus eben genanntem Grund.
Aber könnte ich mit jemandem, der vielleicht früher mal AfD(o.Ä.) gewählt hat und nun anders denkt? Sicher. Wieso nicht.

Du siehst also zuerst den Menschen und nicht die politische Einstellung. Aha. Wieso unterstellst du mir dann anhaltend eine Zugehörigkeit zur linken Szene und wertest mich und meine Einstellung/Meinung auf genau dieser Grundlage ab?

"[...]solange kann ich nur sagen: Gott im Himmel, was habt ihr nur für eine widerwärtige, ekelhafte Menschenverachtende Politik bei euch. Und die unterstützt du?[...]"
-- Nein! Und das habe ich auch nie behauptet, sondern schon mehrfach betont, dass auch ich für grundlegende Änderungen im Regierungsapparat bin. Anders als andere Menschen sehe ich aber Lobbyismus und die Finanzstruktur(nein, da möchte ich nicht nach LINKS!) an sich als die vordergründigen Probleme und nicht, ob wir nun Kriegsflüchtlinge aufnehmen oder Menschen hier ein besseres zu Hause suchen und finden können.

"P.S. Ich gestehe dir selbstverständlich das Recht zu dich zu irren, zu lernen, deine Meinung zu ändern. Niemand ist allwissend."

1) Was für eine arrogante Entwertung meiner Ansichten.
2) Demnach bist ja auch du nicht allwissend. Schon mal in Betracht gezogen, dass du dich ebenso irren könntest wie ich?

Adieu
02.02.2017 | 22:08 Uhr
zu Kapitel 1
Bravo, dem habe ich beinahe nichts hinzuzufügen, doch rege ich mich so leidenschaftlich gerne auf.

Du machst mich hiermit sprachlos, denn du bringst auf den Punkt, was ich sagen wollte/will/werden will. Es ist nur wieder einmal traurig, dass wir uns über solche Sachen wie Rassismus, Patriotismus und dem kleinen fiesen Bruder Nationalismus aufregen müssen, einfach weil niemand versteht, dass es leider unnütz ist sich Grenzen in die eigene Welt zu bauen. Von wegen linksversiffter Westen, ich muss mich wenigstens nicht darüber definieren, dass andere wertlos sind, um mich selbst als wertvoll zu profilieren. Wer das nötig hat ist leider arm dran. Aber lieber arm dran als Arm ab, nicht wahr? Um hier eines der schönsten Zitate anzubringen, das ich in diesen Zusammenhang einbinden möchte: "Nur der Stumpfsinnigste glaubt die Welt höre da auf, wo er selbst aufhört." (aus "Auslöschung. Ein Zerfall", Thomas Bernhard) Seltsam, dass es immer die Rechten bzw. Idioten sind, die einem mit Meinungsfreiheit kommen, wenn sie ihren ungefilterten Hass ins Internet zerstreuen, aber nicht bereit sind deine Meinung als "zu weich erzogener Bengel" nicht akzeptieren wollen. Es ist ohnehin ein Teufelskreis mit diesen Leuten diskutieren zu wollen und ich muss leider gestehen, dass ich es aufgegeben habe, denn man redet ja doch nur um des Redens Willen.

Wer allerdings sagt, die AfD sei nicht rechts oder meinetwegen mindestens Hetze, der hat nicht richtig zugehört. Schaut man sich Petry, von Storch und Höcke (der sogenannte Sorgenbernd) mal an, dann kann man eigentlich nicht die Parallelen leugnen und letzterer ist auch noch Geschichtslehrer gewesen... Da zweifle ich echt am Menschenverstand. Aber das mache ich sowieso schon seit geraumer Zeit und bei der Verdrossenheit hier im Lande (zu so ziemlich allen Themen, wenn ich das mal kurz so frech zusammenfassen darf), wundert es mich nicht, dass Quasi-Holocaust-Leugner so salonfähig geworden sind. Selbst in meiner Schulzeit habe ich mich schon mit Sprüchen wie "Mir ist total langweilig hier." oder "Können wir endlich in die Stadt shoppen?" herumschlagen müssen, während wir noch im Aufenthaltsraum in der Einrichtung in Hadamar darauf warteten, dass unsere Lehrer denjenigen bezahlten, der so nett war uns die Einrichtung zu zeigen inklusive Vortrag. Einfach nur peinlich, was hier aus den Menschen geworden ist, aber eben nicht nur hier, sondern überall auf der Welt. Wann ist das passiert? Haben die alle ihre Vernunft und ihre humanistische Erziehung verloren oder nur darauf gewartet, dass jemand daherkommt und ihnen "Deutschland!" ins Gesicht schreit, sodass sie wieder Parolen-rufend über die Straßen watscheln können, um den Ausländern für ihre eigene Unfähigkeit die Schuld zu geben? Sie könnten ja zu kurz kommen. Ich fasse es nicht.

Na ja, bevor ich mich hier in Rage schreibe, belasse ich es dabei und vertage eine etwaige Diskussion über die Probleme, die diese Gesellschaft offensichtlich hat, auf ein anderes Mal. Noch einmal erwähne ich allerdings, dass mir dein Essay gefallen hat und du den Nagel auf den Kopf getroffen hast.

LG

Antwort von IOU am 03.02.2017 | 10:57:31 Uhr
Hallochen!

Was für eine Überraschung, dass du den Weg so schnell zu diesem Text gefunden hast^^ Vielen Dank für dein Lob und natürlich auch das Review, ich warte ja eigentlich noch auf einen bestimmten jemand, der seine Meinung hierzu kundtut - du weißt sicher, wen ich meine ;D

Du sprichst mir aus der Seele, wir tun es gegenseitig. Das macht mir Mut und gleichzeitig gruselt es mich vor den teilweise gewaltbereiten oder zumindest damit sympathisierenden Leuten, die diesem Text alles andere als zustimmen würden. Wenn diese meine Meinung linksgrünversifft sein soll, dann kann ich dieses Prädikat nicht anders als mit Stolz zu tragen. Schönes Zitat und sehr passend noch dazu - anders hätte ich es von dir auch nicht erwartet ;D
Leider hast du Recht, es ist ein Teufelskreis. Gäbe es wenigstens eine Strategie, wie man Empathie und Einsicht in solchen Menschen wecken könnte, dann wäre ich aus mehreren fruchtlos geführten Diskussionen sicher nicht so frustriert herausgegangen. Aber das denken "die" sich sicher genauso. Am Ende haben wir wieder zwei große Lager und eine Menge dazwischen. Das ist frustrierend, aber so ist das Leben auch und niemand kann mir meine Gedanken, meine Meinung oder meine moralischen Ansichten wegnehmen. Wenn die "neuen Rechten" von ihren Ansichten genauso überzeugt sind wie ich es von meinen bin, dann sehe ich kaum Chancen, auch nur einen Funken Verständnis in diesen blockierten Köpfen zu wecken. Die Frage sollte nicht sein, wer Recht hat, sondern wer die Welt zu einem besseren Ort machen könnte, aber da sind wir wieder bei der leidigen Sache mit dem Wort und dem Schwert, nicht wahr?

Das regt mich auch immer so auf. Dass so viele Menschen aus Selbstschutz und im Angesicht der Reste ihrer freiheitlichen und humanistischen Elemente der Erziehung einfach leugnen, dass AfD und andere Konsorten dieser Art rechts wären. Das regt mich beinahe am meisten auf. "Konservativ" ist etwas ganz anderes als "rechts" und wer etwas anderes behauptet, lügt wider besseren Wissens und die Konsequenz daraus habe ich im Text ja bereits benannt.
Tja, da Höcke Geschichtslehrer ist und demzufolge g a n z g e n a u weiß, wovon er da schwadroniert, bringt für mich noch eine andere Frage auf den Plan. Vielleicht wären gerade für Geschichtslehrer ähnlich strenge Screenings wie beim FBI für Special Agents angebracht...aber das wäre ja dann schon wieder staatliche Kontrolle. Aber ist es nicht genau das, was AfD-Anhänger wollen? Höcke redet ja immer von Revolution und durch die Blume auch von einem gewaltsamen Umsturz. Um diese moralischen Überprüfungen zu installieren, das wäre dann vielleicht genau der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. ;D
Ja, den Holocaust zu leugnen wird langsam auch wieder modern. Habe ich selbst schon erlebt. O_O Wie sagt Sherlock so schön? "Das Rad dreht sich weiter. Nichts ist wirklich neu." Und dazu direkt noch ein Zitat aus einem ganz herausragenden Film mit Ryan Gosling in der Hauptrolle: "Wenn Hitler keine sechs Millionen Juden umgebracht hat, wieso ist er dann dein Held?" [aus "Inside a skinhead"; Originaltitel: "The Believer" ; kann ich nur empfehlen]
Ich kann dir leider auch nicht beantworten, wann die Gesellschaft wertetechnisch so verfallen ist. Wie immer, wenn man das nicht beantworten kann, war es wohl ein schleichender Prozess, der in den Köpfen der Leute gärte. Und durch die Flüchtlings"krise"(auch vorher schon, aber diese war wohl der Hauptauslöser) ist die Lunte endgültig herunter gebrannt und nun haben wir den Salat vor uns stehen, den keiner bestellt hat. Dass das so möglich gewesen ist, lässt darauf schließen, dass Menschen vielleicht einfach so sind. Dass wir uns nur immer wieder durch solche Zeiten quälen um uns irgendwann selbst zu vernichten. Welthass lässt grüßen. Ich halte schon meinen Mund.
Ich würde ja sagen, dass wir unsere Werte verteidigen müssen, aber Werte kann man nicht verteidigen. Die kann man nur leben und im Idealfall sickern die irgendwann in die Gesellschaft ein. In einem anderen Fall ziehe ich es vor, mit wehenden Fahnen unterzugehen.

Vielen Dank auch nochmal für dein Review, liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir!

Kristin
02.02.2017 | 16:23 Uhr
zu Kapitel 1
Ein wirklich guter Text.
Können wir den eine Million mal ausdrucken und über dem nächsten Montagsspaziergang oder dem nächsten Kongress der Rechten Europas oder einfach nur im nächsten Parteibüro der AfD abwerfen. Die Blätter müssen nicht einzelln sein. Wenn wir von einem Zeppelin oder Flugzeug richtig zielen, dann haben wir schon ein Problem weniger. ;-)
Nein lieber verteilen, es ist ja leider illegal anderen Menschen etwas einzuprügeln, auch wenn es nur Vernunft ist.
Ich schließe mich deinem Text an und bitte meine leicht gewalttätigen Äußerungen als das zu nehmen was sie sind. Rasender Sarkasmus. Leider kann man Sarkasmus in der Schrift nur schwer darstellen, mit der gesprochenen Sprache ist das etwas einfacher, aber du hattest ja auch eine Warnung vor Überspitzungen am Anfang stehen.

Antwort von IOU am 03.02.2017 | 10:32:38 Uhr
Hallo und danke für dein Review! Natürlich auch für das Lob.
Hehe, das wäre vielleicht eine Maßnahme und auch, den in Packen abzuwerfen^^
Da hast du Recht, deswegen auch meine Ankündigung am Anfang. Freut mich, dass der Text so ankam wie er sollte und dass du dich mir anschließt.

Liebe Grüße, Kristin
01.02.2017 | 21:15 Uhr
zu Kapitel 1
Das mit der Titanic ist ein fantastischer Vergleich. Ich kann mich ohne Einschränkungen anschließen und danke dir für das in-Worte-fassen.

GlG
Claudia

Antwort von IOU am 02.02.2017 | 09:00:56 Uhr
Danke für die Rückmeldung und dein Lob! Und ein "gern geschehen" gebe ich ebenfalls mit einem Lächeln zurück.

Liebe Grüße, Kristin