Autor: RamonaXX
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt) für Kapitel 1:
15.01.2017 | 18:52 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Ramona,

Es nur einmal zu lesen, reicht hier nicht. Beim ersten Mal denkt man an einen Geliebten, merkt aber ganz schnell - irgendwas stimmt hier nicht. Es ist eine Art Hass-Liebe, etwas, was vorbei ist, aber dennoch niemals aufhört, weil es zu tief sitzt.
Nach der Erklärung im 4. Teil hatte ich verstanden und begann es erneut und mit anderen Augen zu lesen. Jetzt konnte ich es besser verstehen und habe eine Ahnung davon bekommen, wie schlimm so etwas sein muss. Es mit einer Liebe zu vergleichen, macht es für mich fühlbar. Wer hatte nicht schon einmal Liebeskummer und das Gefühl, daran zu zerbrechen.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie du dich mit diesem Thema auseinandersetzt.
Mich bringt es zum Nachdenken.
Du hast die Worte gut gewählt. Erst dachte ich, du schreibst von dir und hab mich über deine Ausdrucksweise gewundert. So denkt doch keine Frau - und ich hatte recht. Nichtvon dir, sondern von dem Soldaten war die Rede.
Es gefällt mir sehr gut, auch wenn es ein trauriges Thema ist.

Liebe Grüße Maggie

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 12:58:22 Uhr
Hallo Maggie,

mit dem Wort "Hass-Liebe" hast Du es sehr treffend auf den Punkt gebracht. Es beginnt verhältnismäßig harmlos und sanft. Aber irgendwie passt es doch nicht harmonisch zusammen. Es schmeichelt mir, zu hören, dass Du es zwei Mal gelesen hast. Einmal so, wie es auf den ersten Blick wirken "sollte" und einmal so, wie es mit dem entsprechenden Wissen um die Zusammenhänge gewirkt "hat"!

Das Gedicht steckt voller konkreter Anspielungen auf Vietnam. Zum Beispiel die Zeile >>und das Leben erschien mir in so vielen bunten Farben<< meint, dass der junge Soldat auch dann und wann mal gekifft hat, um von den schrecklichen Ereignissen etwas Abstand zu bekommen. Genauso wie >>Du und der Sonnenaufgang jeden Morgen auf mich gewartet haben<< meint, dass mit der Nüchternheit auch der Krieg zurück ins Bewusstsein kehrte. Eine andere Stelle ist die mit dem "Jungenschwarm". Da habe ich mich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt (zugegeben), aber abzielen tut es darauf, dass eben nicht nur "ein paar" amerikanische Soldaten nach Vietnam gegangen sind, sondern etwa 2,6 bis 3,4 Millionen (Zahl und Angaben schwanken von Quelle zu Quelle). Vielen davon hat man erzählt sie müssen ihre Pflicht fürs Vaterland erfüllen und nicht wenige sind mit Ehrgeiz und Stolz an die Sache rangegangen. Deswegen >>Eine ganze Generation [...] folgte deinem Scharm<<. Und dann natürlich noch der Satz: >>Wo dich niemand kannte. Wo dich niemand wollte.<< Neben den vielen Protesten gegen den Vietnamkrieg gab es auch viele ablehnende Stimme, die sich mit einem gewissen Desinteresse gegen den Krieg richteten, was sich in der Haltung den Soldaten gegenüber niederschlug. Die jungen Männer die zurückkehrten würden zum Teil wüst beschimpft, bespuckt, gehasst, geächtet und so weiter. Auch das versteckt sich in diesem Gedicht.

Ich hoffe jetzt dich mit meiner Ausführung nicht gelangweilt zu haben und freu mich riesig über dein Review. Und Du hast Recht mit deinen Gedanken, das Gedicht handelt nicht von mir (auch wenn's in Ich-Form geschrieben wurde). Es handelt von einem jungen Soldaten in Vietnam. (Wobei ein gewissen Verbindung fühle ich da immer, sonst könnte ich sicher nicht so intensiv über dieses Thema schreiben.)

Viele Grüße
Ramona
15.01.2017 | 15:01 Uhr
zu Kapitel 1
Hi Ramona,

ich glaube nicht, dass es um eine reale Person geht, an den er/sie denkt, zumindest habe ich das Gefühl.
Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, es geht um die Angst die immer und überall gegenwärtig ist und Depressionen auslöst.
Mal braucht man sie, um zu überleben, weil nötig, aber viel zu oft unnötig und nicht gern gesehen, aber dennoch leider da.
Vielleicht irre ich mich auch, aber auf jeden Fall ist es ein sehr schönes, emotionales, tiefgründiges Gedicht.
Es ist dir wirklich sehr gut gelungen, toll! *Hut ab*
Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. :-)

Liebe Grüße
John´s Chaya

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 19:51:15 Uhr
Tach John's Chaya,

nee, da hast Du Recht, um eine reale Person geht es hierbei nicht. Angst ist schon mal ein sehr gutes Stichwort, aber auch Depression ist ein guter Vorschlag. Genau das Wort hatte ich auch im Kopf als ich den ersten Teil fertig hatte. Aber es geht noch weiter. (Die anderen Kapitel sind ja auch schon online...) Also in der Hinsicht kann ich dich beruhigen - Wenngleich Du dich aus dem Fenster lehnst, absützen wirst Du nicht. ;-) Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat und Du das Tiefgründige und Emotionale so lobend hervorgehoben hast. Vielen danke für dein Review. Ich bin gespannt was Du über den Rest denkst und wie Du die Auflösung in Kapitel 4 empfindest...

Liebe Grüße
Ramona