Autor: RamonaXX
Reviews 1 bis 7 (von 7 insgesamt):
07.07.2018 | 08:32 Uhr
zu Kapitel 4
Liebe Ramona,

hier hast du wieder ein ernstes Thema behandelt und im Prinzip erst sehr geheimnisvoll oder rätselhaft geschrieben. Der Soldat wurde also nicht von seiner Liebsten begleitet, sondern von seinem Kriegstrauma, das ihn nicht mehr loslässt.
Das hast du beeindruckend gut beschrieben. Wow.

Liebe Grüße
Elayne

Antwort von RamonaXX am 11.07.2018 | 21:19:46 Uhr
Hallo Elayne,

herzlichen Dank für deine Zeilen. Ich bin echt erstaunt, was Du so für "Schätze" in meinem Profil ausgräbst.
So wie andere ein Talent für Humor oder für Lovestorys haben, habe ich eines für die Erzählung über Krieg.
Ich habe damit keine eigenen Erfahrungen gemacht, aber ich werde nicht müde, mich dem Thema zu nähern.
Dieses Gedicht war eine der vielen Formen davon und es freut mich, dass Du dich seiner Intensität geöffnet hast.

Schaue ich auf meine Review-Zahl, was das hier Nummer 601.
Herzlichen Dank dafür!
Ramona
19.01.2017 | 21:41 Uhr
zu Kapitel 4
Ja, im Marschgepäck vieler Soldaten befinden sich unendlich viele Gespenster.
Dieses Phänomen ist schon seit der antike bekannt, und auch die Kreuzfahrer litten unter diesen Symtomen.
Sie suchten daher oft in Klöstern zuflucht, oder errichteten welche.
Die berühntesten orte sind das tal von Sparti (Sparta) und Meteora in Griechenland.

Hat man daraus gelernt? Nein, denn die jungen Menschen werden nicht auf die Abscheulichkeiten des Krieges vorbereitet.
Aus Heldenepen entspringt eine andere Realität und die heißt - Blut, Dreck, Verlust, Angst und Hilflosigkeit.

Es ist gut, dass sich junge Menschen darüber Gedanken machen und diese finsteren Gedanken umsetzten,
um ein wenig Realität in das leben der verbrannten Seelen zu streuen und Verständnis für diese menschen zu wecken.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 22.01.2017 | 21:53:47 Uhr
Hallo Christian,

ich freue mich, dass Du es gelesen hast. Und umso mehr freue ich mich über das Review.
Hab ich doch vor einiger Zeit den Hinweis auf deinem Profil entdeckt, dass Du bei 1.000 aufhören willst.

Was deine Anmerkung mit dem Marschgepäck betrifft, so fällt mir da ein Buchtitel ein.
"The Things They Carried" von Tim O'Brien - Das steht seit einem Jahr auf meiner "Noch-zu-lesen-Liste"
Dort geht es genau darum, nämlich was Soldaten noch so mit sich rumschleppen.

"Gedanken machen" und "Verständnis wecken" - Das sind genau die Dinge, die mir wichtig sind.
Und ich merke, ich treffe nicht auf taube Ohren. Im Gegenteil viele fühlen sich zum Nachdenken angeregt.
Was kann man von einem Gedicht mehr erwarten? :-)

Viele Grüße
Ramona
16.01.2017 | 15:28 Uhr
zu Kapitel 4
Hei Ramona,

sehr schöne Zeilen. Genau wie Tindomiel, musste ich das Gedicht zweimal lesen.
Die ersten drei Strophen lang dachte ich auch an ein Liebespaar, da ich nicht gelesen hatte unter welcher Rubrik du das Gedicht veröffentlicht hast und eben weil dieser Eindruck erzeugt wurde. Aber die folgenden Verse "An anderen Tagen hältst Du mich auch fest, wie ein fieser Kraken. Du deckst mich zu mit unseren gemeinsamen Erinnerungen. " haben mich dann stutzig gemacht. Ich hatte dann das Gefühl, dass es nicht um eine Person, sondern um ein Gefühl geht - schlechte Erinnerungen und schließlich die Angst, die einen lähmt. Ich bin ehrlich - auch, wenn du des Öfteren zum Thema Krieg geschrieben hast - habe ich ziemlich lange gebraucht, um es damit zu assoziieren. Ich dachte als erstes an Depressionen und Angstzustände, aber eben nicht im Zusammenhang mit Krieg, sondern mit einer anderen traumatischen Erfahrung. Das nächste Kapitel, mit Jugendschwarm hat mich wieder stutzig gemacht. Ich habe mich gefragt, was eine ganze Generation so anziehend finden würde. Ich habe wirklich überlegt - aber wieder ist das Thema Krieg nicht in meinem Kopf aufgetaucht. Ich habe unter anderen an Drogen gedacht, an Ende der 1960er Jahre.

Nachdem ich das Nachwort gelesen hatte und dann noch einmal den ganzen Text, da wurde mir auf einmal alles klar und ich habe alles mit anderen Augen gesehen.
"Und als ich dann zurück nach Amerika ging, da dachte ich, ich würde dich verlassen. Aber hey, Du bist mitgekommen! Hast einfach deine Koffer gepackt und ich konnte es nicht fassen!" - dies war dann letztendlich meine Lieblingsstelle. Das hatte ich in meinem letzten Review bereits erwähnt, der Schrecken des Krieges ist eben noch nicht vorbei, wenn man aus dem Kriegsgebiet zieht oder wenn der Krieg zu Ende ist. Das ist eben der ganze Schrecken des Krieges, er bleibt ein leben lang an der Seele kleben.

Der 3. Akt gefällt mir am Meisten. Ich stelle mir einen gealterten Mann vor, der zwar diese Trauer, diesen Schrecken benennen und fassen kann, aber noch lange nicht damit abschließen oder umgehen kann - wie auch. "Heute wünschte ich, ich könnte sagen, wir kommen gut miteinander aus. Aber dem ist nicht so."
"Ich habe versucht mich an ein Leben mit dir zu gewöhnen. Dich zu akzeptieren. Doch manchmal bezweifele ich, dass wir uns jemals aussöhnen. " - diese Versen unterstreichen dies noch einmal. Ich hatte das Gefühl, dass trotz allem noch eine kleine Hoffnung in ihm besteht, irgendwann seinen Seelenfrieden zu erlangen. Ein klein wenig Hoffnung für einen Moment all das hinter sich zu lassen, sich davon zu trennen und wieder zu sein wie früher - das Früher, an das man sich nicht einmal mehr erinnern kann, da es durch die Last des Krieges mehr oder minder zerstört wurde.
Soweit ich weiß, heißt es, dass man sich seiner Angst stellen soll. Es bringt nichts das Schlechte zu verdrängen, da man dieses nie ganz verdrängen kann. Auch wenn man all das Schlechte, die Ängste und Schrecken in eine Schublade sperrt und diese weit weg wähnt; die Schublade steht immer einen Spalt breit offen und der Schrecken kann den Alltag vergiften.

Wieder habe ich mir die anderen Reviews angesehen; ich wusste nicht, dass die jungen Männer bei ihrer Rückkehr so wüst beschimpft wurden. Von einem Schrecken in einen anderen bzw. auf all den Schrecken noch mehr Schrecken geladen zu bekommen, ohne die Gelegenheit etwas zur Ruhe, zum Atmen zu kommen (inwiefern dies dann noch möglich war) - der Versuch Wunden zu schließen, ob nun körperlich oder seelisch. Aber all die Facetten und Schrecken eines Krieges kann man wohl nie nachvollziehen, wenn nicht selbst erlebt. Und auch dann sind die Wunden die hinterlassen wurden wohl - zwar vom gleichen "Angreifer" zugeführt - dennoch unterschiedlich ausgeprägt. Auch wenn all die Wunden - wie unterschiedlich sie auch sind - wohl alle gleich tief sind. Die Gedanken eines Menschens, der nie mit dem Krieg in Berührung gekommen ist.

Alles in Allem, ein schöner Text. (ich denke du weißt, wie das "schön" gemeint ist)

Beste Grüße
Floki

Antwort von RamonaXX am 17.01.2017 | 18:22:14 Uhr
Hallo Floki,

jetzt bin ich echt mal platt. Ein so ausführliches Review habe ich schon sehr, sehr lange nicht mehr bekommen. Vielen Dank für deine Mühe und deine Zeit, die Du da reingesteckt hast. Das weiß ich wirklich sehr zu schätzen, genauso wie die Worte selbst. Ich bin wirklich erstaunt wie viel das Gedicht in dir bewegt zu haben scheint. "Angst, die einen lähmt" - Ja, das ist sicher auch ein "Folgeerscheinung", die mit zu post-traumatischen Belastungsstörungen, Depressionen usw. passt. Dass Du lange gebraucht hast, bist Du das Gedicht mit Krieg in Verbindung bringen konntest, ist vollkommen okay. Das war von mir so beabsichtigt. Ich wollte es möglichst gut "verstecken". ;-)

"große Liebe" und "Jungendschwarm" sind ironisch gemeint. Es zielt einfach darauf ab, dass eine ganze Generation von Teenagern in Vietnam "verheizt" worden ist. In Vietnam lag das Durchschnittsalter der Soldaten bei 19. Ich meine mal in einem Bericht aufgeschnappt zu haben, dass es im Korea Krieg (immer hin) bei 21 lag.

Es freut mich zu lesen, dass das Nachwort bei dir einen so starken Wandel ausgelöst hat und Du die Zeilen in dem Licht gesehen hast, wie sie von mir geschrieben worden sind. Das ist wirklich schön. "Koffer packen und mitkommen!" - ist witziger Weise auch eine meiner Lieblingsstellen. Es macht einfach "klar" (zumindest wenn man das Gedicht entschlüsselt hat), dass ein Soldat nicht einfach Feierabend macht, wenn er das Feld verlässt, so wie ein Büromensch abends den PC runterfährt.

Was den dritten Akt betrifft, so ist der überwiegend von einem Artikel aus dem Spiegel inspiriert worden. Es ist der Link, denn ich bei "Lights Out" ins Nachwort geschrieben hab. Ist wirklich sehr lesenswert, wie der Veteran in den Interview so seinen Alltag beschreibt und was für Probleme er dabei so durchmachen muss. In dem Akt gefällt mir übrigens die Stelle mit der Waffe und dem Spiegel am besten. Ich möchte keine Schätzung darüber abgeben müssen, wie viele Vertanen schon mal vor dem Spiegel gestanden haben und sich selbst gedroht haben, sich zu erschießen, wenn der Krieg nicht aus ihrem Kopf verschwindet... :-( Es wiederholt noch mal symbolisch die Bedeutung von "Du bist in mir".

Und was das Beschimpfen der Heimkehrer angeht, da sollte man berücksichtigen, dass sich die Einstellung der Öffentlichkeit zum Vietnamkrieg über die Jahre stark verändert hat. 1965 waren mehr als die Hälfte der Befragten (ich meine es waren 67%) für den Einsatz in Vietnam. Diese Zahl ist über die Jahre bis 1975 immer kleiner geworden. Hat man die ersten Veteranen noch als Kriegshelden gefeiert, wurden anderen später nachdem die Bilder von Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung um die Welt gingen als "Babymörder" beschimpft.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich mich sehr über dein Review gefreut habe.
Und natürlich weise ich, wie und warum dieser Text "schön" ist und auch sein darf!

Viele Grüße
Ramona
15.01.2017 | 18:58 Uhr
zu Kapitel 4
Liebe Ramona!
Ich Schelm hab bei dem Titel an eine Fortsetzung deiner Chris & Elias-Geschichten gedacht, als mir der Alert angezeigt wurde. Ups, ich lese eindeutig schon zu viel Slash auf FF.de :P

Ich finde das Gedicht genial.
Du hast alle 3 Strophen sehr gut gereimt.
Sternchen ist verdient.
Die 4Kapitel machen sich auch sehr gut in der differenzierten Aussage.
Du hast dich wirklich sehr gut eingefühlt.

Auch das Nachwort war sehr passend.
Es mag Anlaufstellen geben, aber ich fürchte, die meisten Ex-Soldaten müssen damit alleine klar kommen,
ohne Behandlung und irgendwann später dann auch ohne Familie.

Man kann das Trauma des Soldaten lesen als gefallenen Kameraden, den er nicht vergessen kann,
aber auch als Metapher für Angstzustände/PTBS.
Am Ende erklärst du es dann: Der Vietnam-Krieg ist in ihm. Für immer.
Liebe Grüße.
R ✎

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 20:14:00 Uhr
Liebe Net Sparrow,

hihi, unter diesem Titel werde ich die Fortseztung von Chris und Elias bestimmt nicht posten! Da wäre ja viel zu offensichtlich, worauf es hinaus läuft. *lach* Aber um deine Erwatung nicht zu enttäschen, ich bin dran. Also am Schreiben... Und ja, es wird schon deutlich mehr zwischen den beiden laufen... Beim Suchen nach einem schönen Termin zum Psoten, ist mir übrigens der 14. Februar ins Auge gesprungen. Bis zum Valentinestag sollte ich mit Schreiben und Korrekturlesen druch sein. Dann gibt's auch wieder Slash mit Chris und Elias. *schumzel*

Nun mal zu diesem Gedicht:
Mit den Strophen habe ich lange rumprobiert, bis ich sie so hatte und auch für gut befunden habe. Ich wollte wieder eine "Geschichte" erzählen, aber es sollte sich nicht zu flott reimen. Also habe ich immer eine Zeile dazwischen geschoben, die sich nicht reimt und offen bleibt. Ich denke, dass bringt das nötige "Stocken" rein, um der Schwere des Themas gerecht zu werden. Und weil es mir ein bsisschen viel erschien 30 Strophen hintereinder aufzuzählen, hab ich es halt thematisch in drei Kapitel eingeteilt.

Das Nachwort lag mir wie immer am Herzen. Auch um den Leser nicht allein zu lassen und noch mal klarzumachen, worum es mir wirklich ging. Nämlich, dass mit "Du" der Krieg mit seinen belastenden Erfahrungen gemeint ist und eben nicht eine andere, reale Person. Es stecken ja eine Menge verkappte Hinweise auf den Vietnamkrieg da drin. Zum Beispiel: >>Wir haben da gelegen, Arm in Arm und fest umschlungen<< Dass kann man natürlich auf ein verliebtes Paar beziehen. Gemeint habe ich aber einen Soldaten der sich eine Nacht lang an seine Lebensversicherung - seine Waffe - klammert und hofft die Sonne noch Mal aufgehen zu sehen...

Ich danke dir herzlich für dein Review!
Ramona
15.01.2017 | 18:52 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Ramona,

Es nur einmal zu lesen, reicht hier nicht. Beim ersten Mal denkt man an einen Geliebten, merkt aber ganz schnell - irgendwas stimmt hier nicht. Es ist eine Art Hass-Liebe, etwas, was vorbei ist, aber dennoch niemals aufhört, weil es zu tief sitzt.
Nach der Erklärung im 4. Teil hatte ich verstanden und begann es erneut und mit anderen Augen zu lesen. Jetzt konnte ich es besser verstehen und habe eine Ahnung davon bekommen, wie schlimm so etwas sein muss. Es mit einer Liebe zu vergleichen, macht es für mich fühlbar. Wer hatte nicht schon einmal Liebeskummer und das Gefühl, daran zu zerbrechen.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie du dich mit diesem Thema auseinandersetzt.
Mich bringt es zum Nachdenken.
Du hast die Worte gut gewählt. Erst dachte ich, du schreibst von dir und hab mich über deine Ausdrucksweise gewundert. So denkt doch keine Frau - und ich hatte recht. Nichtvon dir, sondern von dem Soldaten war die Rede.
Es gefällt mir sehr gut, auch wenn es ein trauriges Thema ist.

Liebe Grüße Maggie

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 12:58:22 Uhr
Hallo Maggie,

mit dem Wort "Hass-Liebe" hast Du es sehr treffend auf den Punkt gebracht. Es beginnt verhältnismäßig harmlos und sanft. Aber irgendwie passt es doch nicht harmonisch zusammen. Es schmeichelt mir, zu hören, dass Du es zwei Mal gelesen hast. Einmal so, wie es auf den ersten Blick wirken "sollte" und einmal so, wie es mit dem entsprechenden Wissen um die Zusammenhänge gewirkt "hat"!

Das Gedicht steckt voller konkreter Anspielungen auf Vietnam. Zum Beispiel die Zeile >>und das Leben erschien mir in so vielen bunten Farben<< meint, dass der junge Soldat auch dann und wann mal gekifft hat, um von den schrecklichen Ereignissen etwas Abstand zu bekommen. Genauso wie >>Du und der Sonnenaufgang jeden Morgen auf mich gewartet haben<< meint, dass mit der Nüchternheit auch der Krieg zurück ins Bewusstsein kehrte. Eine andere Stelle ist die mit dem "Jungenschwarm". Da habe ich mich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt (zugegeben), aber abzielen tut es darauf, dass eben nicht nur "ein paar" amerikanische Soldaten nach Vietnam gegangen sind, sondern etwa 2,6 bis 3,4 Millionen (Zahl und Angaben schwanken von Quelle zu Quelle). Vielen davon hat man erzählt sie müssen ihre Pflicht fürs Vaterland erfüllen und nicht wenige sind mit Ehrgeiz und Stolz an die Sache rangegangen. Deswegen >>Eine ganze Generation [...] folgte deinem Scharm<<. Und dann natürlich noch der Satz: >>Wo dich niemand kannte. Wo dich niemand wollte.<< Neben den vielen Protesten gegen den Vietnamkrieg gab es auch viele ablehnende Stimme, die sich mit einem gewissen Desinteresse gegen den Krieg richteten, was sich in der Haltung den Soldaten gegenüber niederschlug. Die jungen Männer die zurückkehrten würden zum Teil wüst beschimpft, bespuckt, gehasst, geächtet und so weiter. Auch das versteckt sich in diesem Gedicht.

Ich hoffe jetzt dich mit meiner Ausführung nicht gelangweilt zu haben und freu mich riesig über dein Review. Und Du hast Recht mit deinen Gedanken, das Gedicht handelt nicht von mir (auch wenn's in Ich-Form geschrieben wurde). Es handelt von einem jungen Soldaten in Vietnam. (Wobei ein gewissen Verbindung fühle ich da immer, sonst könnte ich sicher nicht so intensiv über dieses Thema schreiben.)

Viele Grüße
Ramona
15.01.2017 | 18:44 Uhr
zu Kapitel 4
Okay, also ... ich bin um ehrlich zu sein immer noch sprachlos. Dieses Gedicht ist wundervoll und ergreifend geschrieben, und ich hatte von Anfang an bildlich vor Augen, wie der Soldat täglich durch sein Leben streift, und da immer etwas um ihn herum ist, dass zwar auf eine gewisse Art und Weise greifbar, aber niemals wirklich sichtbar ist.
Wie du das Gedicht in drei Teile teilst, die thematisch zwar immer miteinander zu tun haben, aber eben doch immer auch etwas unterschiedlich sind hat mir sehr gefallen, und war passend, und ich finde es war ein sehr guter Verlauf von Anfang bis Ende, wie das Gesicht einerseits so zielstrebig war, aber es andererseits auch ein wenig das Drumherum beschrieben hat.
Und ich finde die Personifizierung hier ist wirklich gut gelungen. Denn wie schon erwähnt hatte ich tatsächlich von Anfang an das Gefühl, dass da etwas ist, dass den Soldaten auch immer begleitet, dass aber niemals etwas ist, dass man einfach festhalten kann. Auch die Entwickler des lyrischen Ichs mochte ich daher sehr. Wie sich die Gefühle langsam von Liebe zu etwas ganz anderem entwickeln.
Und die wiederkehrenden letzten zwei Zeilen jedes Akts fand ich gut gewählt, und eine perfekte Abrundung des Ganzen.
Was dein Nachwort angeht, so finde ich gut, dass du noch einmal ein paar Dinge erklärst, oder darauf hinweist. Ich glaube ich sehe selten Nachworte (meine eigenen, falls ich denn welche mache, eingeschlossen) in denen es so spezifisch um den vorangestellten Text geht, und in dem einfach noch einmal zusätzliche Infos zu Situation und Umständen gegeben wird.
Also alles in allem fand ich das ganze eine sehr runde Sache, die mir trotz des Themas auch hier wieder gefallen hat.
Ganz liebe Grüße an dich,
Riri

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 12:27:07 Uhr
Liebe Riri,

ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich schmunzeln musste als ich dein Review gelesen habe. Dich "sprachlos" zu "sehen" trotz der vielen Worte, die Du geschrieben hast, macht mich stolz. >> greifbar, aber niemals wirklich sichtbar<< genau das ist die Stimmung, die ich erzeugen wollte. Da ist etwas und es ist immer um "dich" rum, weil es eben IN "dir" ist. Was die Aufteilung angeht, so war das irgendwie eine "Notlösung". Ich wollte keine 30 Strophen hintereinander weg posten; Das erschien mir zu viel. Und so kam die Idee es aufzuteilen und thematisch etwas abzugrenzen. Wie gesagt, war kein konkreter Plan, hat sich einfach so ergeben.

Ich habe das Gefühl, dass es sehr oft bei mir so ist, das ich in meinen Gedichten eher "Geschichten" erzähle, als mit wenigen Worten auf den Punkt zu kommen. ;-) Mit der wiederkehrenden letzten Strophe wollte ich auf einen ganz bestimmten Punkt raus. (Den Du ja auch ganz schnell selbst rausgefunden zu haben scheinst.) Wobei ich mir zeitweise auch sehr unsicher war, ob das Gedicht nicht doch zu "verkapselt" ist. Klar, ich habe Wörter wie "Liebe" und so bewusst gewählt, aber eigentlich ist es eine zynische, ironische Abrechnung mit dem Krieg.

Mal zwei Beispiel rausgegriffen: >>Dein Nachtgeruch haftet auf meinem Kopfkissen<< Denken sollen man, dass es etwas schönes ist neben dem Partner morgens aufzuwachen. Gemeint ist aber der Angstschweiß aus den Albträumen, der noch an dem Stoff klebt. Oder >>Ich war Neunzehn als wir uns kennenlernten<< Abzielen tut es darauf, dass es ja nichts ungewöhnliches ist mit 19 das erste Mal richtig verliebt zu sein. Gemeint ist es aber als Anspielung auf das Durchschnittsalter der amerikanischen Soldaten in Vietnam. Das lag nämlich wirklich erst bei 19!!!

Und so ist der Text voller konfuser Anspielung, die dann mit den aller letzten Zeilen aufgelöst werden. Mir war bewusst, dass das sehr aufwühlend sein kann und so ist auch das Nachwort entstanden. (Gerade Nachwörter finde ich bei sensiblen Themen wichtig - Und Du hast Recht, es gibt viel zu wenige davon!) Ich freu mich, dass Du das Gedicht gelesen hast!

Liebe Grüße
Ramona
15.01.2017 | 15:01 Uhr
zu Kapitel 1
Hi Ramona,

ich glaube nicht, dass es um eine reale Person geht, an den er/sie denkt, zumindest habe ich das Gefühl.
Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, es geht um die Angst die immer und überall gegenwärtig ist und Depressionen auslöst.
Mal braucht man sie, um zu überleben, weil nötig, aber viel zu oft unnötig und nicht gern gesehen, aber dennoch leider da.
Vielleicht irre ich mich auch, aber auf jeden Fall ist es ein sehr schönes, emotionales, tiefgründiges Gedicht.
Es ist dir wirklich sehr gut gelungen, toll! *Hut ab*
Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. :-)

Liebe Grüße
John´s Chaya

Antwort von RamonaXX am 16.01.2017 | 19:51:15 Uhr
Tach John's Chaya,

nee, da hast Du Recht, um eine reale Person geht es hierbei nicht. Angst ist schon mal ein sehr gutes Stichwort, aber auch Depression ist ein guter Vorschlag. Genau das Wort hatte ich auch im Kopf als ich den ersten Teil fertig hatte. Aber es geht noch weiter. (Die anderen Kapitel sind ja auch schon online...) Also in der Hinsicht kann ich dich beruhigen - Wenngleich Du dich aus dem Fenster lehnst, absützen wirst Du nicht. ;-) Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat und Du das Tiefgründige und Emotionale so lobend hervorgehoben hast. Vielen danke für dein Review. Ich bin gespannt was Du über den Rest denkst und wie Du die Auflösung in Kapitel 4 empfindest...

Liebe Grüße
Ramona