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Autor: RamonaXX
Reviews 1 bis 25 (von 82 insgesamt):
05.07.2021 | 17:19 Uhr
Hej RamonaXX,

sehr interessant war auch das Nachwort, in dem du auf die Schicksale der einzelnen Bildprotagonisten, aber auch der Urheber der Fotos eingegangen bist. Es hat noch einmal verdeutlicht, wie gefährlich auch die Journalisten ins Kriegs- und Krisengebieten leben. Ebenso aufschlussreich waren die Informationen über die Soldaten, von denen viele gefallen sind. Denn selbst wenn sie den Vietnamkrieg überlebt haben, so hat sich ihr Leben doch für immer verändert.
Vielen Dank für diesen ausgezeichneten und vor allem eindrucksvollen Kalender!

Ein letztes Mal (zumindest hier) einen lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 19.07.2021 | 21:39 Uhr
Liebste Arkia,

und so geht auch die längste/intensivste Geschichte/Erzählung einmal zu Ende.

Ich möchte diese letzte Antwort nutzen dir zu danken, wie unglaublich lange Du dich mit meinen Texten beschäftigt hast und jeden einzelnen in einer Einzigartigkeit zu würdigen wusstest!

Das hat mir unglaublich viel bedeutet und ich habe sehr gerne auf deine ausführlichen Impressionen gewartet.

Nach all der Fiktion einen Bogen zur Realität zu schlagen und einige der Schicksale (die sich nachrecherchieren ließen) aufzuzeigen, war mir sehr wichtig.

Es ist großartig, dass Du das hier mit dem Wort »eindrucksvoll« abschließen kannst!

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Ich wünsche dir viele intensive Momente beim Auslesen von Matterhorn...
05.07.2021 | 17:17 Uhr
Hej RamonaXX,

und auf geht's zum Bonusbild. Übrigens ein sehr schöner Name, den du dir da für deinen Extramonat überlegt hast.
Zu Beginn des OSs schilderst du eindrücklich, wie es den Soldaten physisch und psychisch nach einem Gefecht geht, besonders wenn ein Freund das Kampfgeschehen nicht überlebt hat. Das ist das Schlimmste, was geschehen kann. In den kurzen Sätzen spürt man praktisch die Verbundenheit, die zwischen „Thomas“ und „Mikey“ bestanden hat, weil sie aus dem gleichen provinzialen Nest kommen.
Sehr lebensnah eingefangen ist auch „Thomas'“ Befinden beim Auffinden der Leiche seines Freundes. Das Foto an sich hast du exzellent geschildert und ebenso „Nigels“ Motivation, „Thomas“ in den Arm zu nehmen. Und dann beschreibst du diese Wand, die zwischen den Soldaten und der normalen, kriegsunerfahrenen Bevölkerung steht und die dafür sorgt, dass Zivilisten so etwas einfach nicht begreifen können, dass sich innerhalb eines Tages oder auch einer Stunde ein ganzes Leben ändern kann, und es dann einfach überlebensnotwendig ist, das zu tun, was „Nigel“ hier für „Thomas“ tut.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 19.07.2021 | 21:16 Uhr
Liebe Arkia,

wie schön, dass Du es geschafft hast diesen Kalender zu Ende zu lesen!!
Das dieses Bild so wahnsinnig ausdrucksstark ist, war auch der Grund, warum ich diesen Kalender um einen weiteren (fiktiven) Monat erweitert habe. Schön, dass dir dieser Name gefällt, da habe ich eine Zeit dran gesessen!

Mich selbst hat dieses Bild so sehr mitgenommen, dass es vor ca. zwei Jahren bei mir Zuhause eingezogen ist und ein Abzug davon über meinem Plattenspieler hängt. Mich bewegt und beruhigt der Anblick von dieser intensiven Umarmung immer wieder aufs Neue.

Tatsächlich hatte ich zu Beginn mal die Idee, den Mann, der mit einem Notizbuch im Hintergrund sitzt noch mit einzubinden, bin dann aber doch mit meinem Fokus in der Mitte des Bildes geblieben.

Da dieses Bild ja nicht aus der Zeit des Vietnamkrieges stammt, sondern schon einige Jahre vorher in Korea aufgenommen wurde, konnte es nur als eine Art Zusatzkapitel online gehen. Deine Worte sagen mir, dass ich mit diesem „Anhängsel“ einen guten Job gemacht habe. Danke.

Es war toll auch hier wieder deinen Gedanken und Empfindungen lauschen zu dürfen!

Viele Grüße
Ramona
19.05.2021 | 15:45 Uhr
Hej RamonaXX,

man sollte nichts versprechen, was man nicht halten kann. *seufz* Dass meine Review erst jetzt kommt, hat absolut nichts mit deiner späteren Antwort auf meine vorherige Review zu tun, sondern einzig und allein mit meinem RL. Also, auf zum Dezemberbild!

Als sehr passend habe ich es empfunden, dass als Abschluss des Jahres auch eines Szene des Abschlusses aus dem Krieg gewählt wurde. Der Hubschrauber landet, um „David“ und seine Kameraden vom Kriegsgeschehen fortzubringen. Am Anfang des OSs machst du sehr gut deutlich, wie allein das akustische Geräusch der herannahenden Rettung schon tiefe Gefühle auslöst. Ebenso einprägsam waren die Gedanken der letzten Tage, man will eben auf den letzten Metern vorm Ziel nicht doch noch ins Gras beißen.

Du hast das Foto sehr angemessen in Worte gekleidet und die Empfindungen der Männer sowie deren Ausdruck über ihre Rettung sprachlich entsprechend gestaltet. Es war interessant zu lesen, dass du auch noch ein Einsatzdetail (den Helm zum Kaffeekochen) eingestreut hast.
Auch die geografischen Gegebenheiten hast du schön in den OS eingeflochten. Besonders gelungen fand ich es, dass „David“ sich wünscht, den Staub einatmen zu können, um zu erkennen, dass alles echt ist.
Abschließend schilderst du die überwältigenden Gefühle, die in den Soldaten ausgelöst werden, noch einmal sehr eindrücklich, was zudem deutlich macht, was sie dort erlebt haben, wenn „David“ das Ereignis, von hier weg zu kommen, wie eine neue Geburt erscheint.
Hast du das Einsteigen in den Hubschrauber bewusst ausgelassen, so dass man als Leser immer noch fürchten muss, dass sie eben nicht nach Hause kommen, auch wenn „David“ in seinem letzten Satz felsenfest davon überzeugt ist?

Noch kurz zu deiner Antwort auf mein letztes Review: Ich verurteile „Clarks“ Verhalten aus den vor dir genannten Gründen nicht. Wenn es so rübergekommen ist, war das nicht meine Absicht. Ich denke aber, es könnte durchaus passieren, dass er sich – trotz allen Trainings – selbst verurteilt.
Das Einknicken ist mMn kein Anzeichen von Schwäche, es passiert in extremen Situationen, die nicht nur im Krieg auftreten, einfach, wie du ja schon angemerkt hast. Ich wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass es eben noch immer Menschen gibt, die es so sehen, ähnlich wie diejenigen, die behaupten, Soldaten mit PTBS würden sich nur anstellen und damit einen einfachen Schreibtischjob bekommen wollen.

Bezüglich „Matterhorn“ schreibe ich dir noch mal eine PN.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 14.06.2021 | 21:27 Uhr
Guten Abend Arkia,

ach was... ich habe mich total gefreut, dass Du dich wieder gemeldet hast. Da hatte ich wirklich nicht im Kopf, wie viele Wochen... Monate...? dazwischen ins Land gegangen sind. Und so hoffe ich nun, dass meine „späte“ Antwort auch mit Begeisterung aufgenommen wird. Denn ja, welcher Autor/Leser kennt das nicht, dass einem dem Real Life in den ungünstigsten Moment dazwischenfunkt. *Schulterzucken*

Wie schön, dass dir dieses Bild auf seinem Platz, im Dezember, gefällt. Mich hat tatsächlich schon der erste Blick dazu bewogen, es ans Ende zu setzen, eben weil es diese Aufbruchstimmung in sich trägt. Man sieht kein einziges Gesicht auf den Bild und doch wird so ein Gefühl von „nach Hause“ übertragen. Mich hat das von der ersten Sekunde an gepackt und wie es sich anfühlen kann, von einem schlimmen Ort im Vietnam-Krieg fortzukommen, habe ich oft in „Matterhorn“ gelesen. Und so war der Weg zu der Geschichte von David und seinen Gefühlen, seiner euphorischen Stimmung dann gar nicht mehr so weit. Ein anderer Aspekt war natürlich, dass auch der Leser so ein bisschen das Gefühl bekommen sollte es durch diesen Kalender „geschafft“ zu haben.

Das Einsteigen? Hm. Da habe ich jetzt erstmal überlegen müssen. Also bewusst mich dafür entschieden es wegzulassen, habe ich mich damals nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es mir gar nicht erst in den Sinn kam, weil es auf dem Bild nicht gezeigt wird. Noch sind die Hubschrauber nicht gelandet. Und ebenso gut, wie es beim Einsteigen einen von Davids Kameraden erwischen kann, könnte es auch beim Aufsteigen einen von den Hubschraubern treffen. Also nicht, dass diese Unsicherheit jetzt von mir bewusst eingestreut wurde, aber ich wollte irgendwie auch nicht mit „alles ist gut“ abschließen. Denn das spiegelt nicht den Eindruck, denn ich durch meine Recherchen von Krieg bekommen habe.

Zum Schluss freut es mich nochmal total, dass Du dir auch hier wieder die Zeit genommen hast mir ein so langes Review zu schrieben und dich so intensiv mit dem Text zu befassen. Das ist wirklich schön und stößt wie schon ganz oft bei mir nochmal neue Gedanken zu einem alten Projekt an. Ich genieße das sehr. Und hoffe natürlich auch ein bisschen, dass Du die Zeit finden wirst, dich mit den beiden letzten Kapiteln zu befassen.

Ich freue mich, wenn wir voneinander lesen.

Herzliche Grüße
Ramona
04.01.2021 | 22:15 Uhr
Hej RamonaXX,

ich bin mal wieder viel zu spät fürs Novemberbild, aber besser spät als nie. ;-)

Zuerst einmal hat es mir sehr gefallen, dass du dieses Mal eine neue Perspektive eingenommen hast, indem du das Land verlassen und die luftigen Höhen erkundet hast, inklusive des Kriegsberichterstatters (auch wenn das wohl eher der Inspiration durch die Fotoserie geschuldet ist). Passend fand ich, dass du zunächst eine kurze Zusammenfassung des Geschehens gegeben hast, bevor der Flug dann genauer dargestellt wird. Die angespannte Atmosphäre während des Angriffes hast du sehr gut in Worte gekleidet: „Clarks“ kurzer Schockmoment und dann seine Zerrissenheit: Einerseits seinem Freud helfen zu wollen und andererseits die Notwendigkeit zu sehen, dass die oberste Priorität das Abwehren des Angriffs ist und diesem folglich alles andere untergeordnet werden muss.

Dann folgt der zweite Abschnitt dieses OSs, der sich dem Foto widmet. Nun fällt also die ganze Angespanntheit von „Clark“ ab und die brutale Realität des Krieges holt ihn ein, sein Freund Phil lebt nicht mehr. Auch hier hast du die Geschehnisse auf dem Bild hervorragend in deine Geschichte eingebettet, so hat es zum Beispiel durchaus Sinn ergeben, dass „Clarks“ Knie nach den Ereignissen in der Luft eben einfach viel zu weich sind, um sein Gewicht weiterhin tragen zu können. Auch die Beschreibung des Sichschützenwollens, indem er das Gesicht verbirgt, haben sehr gut in die Darstellung gepasst. Wobei es wohl auch hier darum geht, dass niemand diese (vermeintliche) Schwäche sehen soll und man immer noch „den harten Soldaten“ markieren muss, egal, was passiert. Aber in dieser Ausnahmesituation ist das schlicht nicht (mehr) möglich und so wird „Clark“ von den tobenden Gefühlen in seinem Inneren dann auch folgerichtig überwältigt, ohne dass er etwas dagegen tun kann.

Besonders gelungen fand ich deine Gedanken zum Themas „Hilflosigkeit“ und dass dieser psychische Schmerz schwerer wiegt als jeder physische. Gut abgerundet wurde der OS, indem du noch einmal auf die zwei zentralen Punkte des OSs eingegangen bist. Wobei ich mich, nachdem ich den ersten Abschnitt noch einmal gelesen habe, frage, ob zu „Clarks“ Grübeleien, ob er Phil nicht doch noch irgendwie hätte helfen können, der Gedanke hinzukommen könnte, ob er denn nicht die (Haupt)Schuld am Tode seines Freundes trägt. Immerhin hat er mit dem Reporter gesprochen, war also abgelenkt und hat sich somit nicht einhundertprozentig auf seine Aufgabe konzentriert. Für „Clark“ hoffe ich, dass es nicht so kommt, denn auch diese (Un)Gewissheit kann einen Menschen psychisch zerstören.

Die verlinkte Fotoserie macht noch einmal im wahrsten Sinne des Wortes bildlich deutlich, durch welche Hölle die Jungs in ihrem Helikopter gegangen bzw. geflogen sind. Auch wenn deinerseits bei diesem Bild inhaltlich nicht so viel an Input kam, so hast du aus der Fotoserie dennoch alles herausgeholt und einen ergreifenden OS dazu verfasst.

Wir lesen uns beim Dezemberbild wieder. Dieses Mal werden nicht wieder Monate vergehen, bis du von mir hörst, versprochen. :-)

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 19.02.2021 | 18:38 Uhr
Hallo Arkia,

puh! Jetzt muss ich mich ja doch mal ganz doll bei dir entschuldigen, Denn um ehrlich zu sein, hatte ich dieses Review zwar noch auf dem Schirm, aber ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass es von Anfang Januar ist! Das hat mir dann doch einen kleinen Schock versetzt, weil so lange einen treuen Leser und Reviewer auf eine Antwort warten zu lassen, ist doch unhöflich! Also ja, es tut mir leid, dass ich dich so lange habe warten lassen und erst jetzt mit meiner Antwort um die Ecke komme – aber wie gesagt, mich hat hier echt das Zeitgefühl verlassen.

Ich denke es gibt viele Situation in denen von Soldaten und anderen Menschen im Kampfgeschehen verlangt wird, die schwierige Entscheidung zwischen „helfen“ und „verteidigen“ zu treffen. Das ist wirklich nicht leicht. Gerade wenn die Situation sich zuspitzt, Menschen um Hilfe schreien und das Gefecht immer lauter wird. Das setzt einen handlungsfähigen Menschen enorm unter Druck und ich finde man sollte niemanden in diesem Fall für seine Wahl verurteilen. Selbst wenn rational das eine oder andere im Nachhinein richtig(er) gewesen wäre, ist es völlig legitim in solchen Momenten intuitiv zu handeln.

Was hier viel zur Wahl das Plots beigetragen hat, war natürlich die Fotoserie und die Geschichte des Reproters. Es gibt die diesem Kalender so manche „Geschichte“, die von einmalig intensiven Dingen inspiriert ist, die ich damals in kürzester Zeit recherchiert und aufgesogen habe wie ein Schwamm. Mal abgesehen davon, dass Hubschrauber, Piloten usw. ein ganz wichtiger, alltäglicher Teil in Vietnamkrieg waren und das ohne eine Erwähnung dieser für mich etwas fehlen würde in diesem Projekt!

Überwältigung ist ein fest verankertes Gefühl im Krieg; so stellt es sich zumindest für mich immer da, wenn ich Leuten zuhören, die von dem erzählen, was sie erlebt haben (egal in welchem Krieg). Da ist es nur verständlich, dass auch Clark irgendwann unter dem, was er gesehen hat einknickt, was keinesfalls ein Zeichen von Schwäche ist.
Wenn ich an das Buch „Matterhorn“ denke (Liest Du es noch?), dann fallen mir auch diverse Szenen ein, wo nicht nur Erschöpfung, sondern eben auch Überwältigung ein Rolle spielt und sehr detailliert beschrieben ist. Ich denke Clarks Weg, es einfach „raus-zu-weinen“ ist noch einer der besten. Es gibt auch ganz andere Extremfälle, wo Soldaten in solchen Moment sich selbst oder andere mutwillig verletzen oder sogar töten. Weinen ist weit weniger extrem, aber es ist ein Ventil das Linderung verschafft und dass der Seele auch ein bisschen hilft den Körper wieder (lebendig) zu spüren, wenn die Luft einem knapper vorkommt, da heiße Tränen sind und die brennende Augen jucken...

Eigentlich mag ich sie ja alle, die Bilder, aber bei diesem bin ich doch immer noch etwas mehr mit dem Herzen dabei. Denn dieses totale Aufgelöst-sein und sich Hilflos-fühlen, das kann einem auch passieren, ohne dass man in den Krieg zieht.

Wenn wir uns beim Dezemberbild wieder lesen, wäre das sehr, sehr schön. Ich verspreche auch hoch und heilig, dann nicht wieder so lange meine Antwort schleifen zu lassen. ;-)

Liebste Grüße und danke für deine Zeit und deine Zeilen
Ramona
29.10.2020 | 10:56 Uhr
Oh, dieses Kapitel hat mich bisher am meisten berührt!

Am besten gefallen daran hat mir, wie bei Kate immer wieder ihre Meinung wechselt, ob sie den Wahnsinn des Krieges jetzt in Marcus' Augen oder in seinem Lächeln erkennt. Diese ganzen Widersprüche, die in diesem kleinen OS zum Ausdruck gebracht werden, symbolisieren für mich das Spektrum des Wahnsinns und der Widersprüche des Krieges. Ich hab jetzt schon viele deiner Texte zu Vietnam, die du mir empfohlen hast, schwarz gelesen, aber an diesem OS kam ich nicht mit ein paar kleinen Worten vorbei.

All deine OS gehen mir unter die Haut und inspirieren mich. Du wirst in meiner Geschichte sicher einige Anspielungen finden. Ich bin berührt und abgeschreckt, hingerissen und abgestoßen. Das Wechselbad der Gefühle, das dein OS auslöst, ist genau jenes, das du mit Kate an deine Leser transportiert hast. Wunderschön und Hässlich. Black and White. Wie alle OS dieses Meisterwerks. Danke für die Empfehlung, liebe Ramona!

Ganz liebe Grüße, dein Natterchen

Antwort von RamonaXX am 10.11.2020 | 19:23 Uhr
Huhu Natterchen!

Na, da hast Du dir ja das beste Bild rausgepickt! Wobei nein, alle diese Bilder sind besonders und ausdrucksstark. Und wenn ich meinen Favoriten benennen soll – dann ist es definitiv, dass April-Bild!

Denn eben jene Photographie hängt Zuhause über meinem Schreibtisch und ich verliere mich wirklich jedes Mal aufs Neue in diesem Bild. Es ist auf seine ganz eigene Art hoffnungsvoll und verloren. Asche, aus der ein neuer Keim wächst. Ebenfalls an meine Wände geschafft haben es, der „Polember“ und auch das von dir so hoch geschätzte Oktober-Bild!

Es macht mich echt glücklich, dass Du hier Inspiration für dein eigenes Werk tanken kannst und so viel aus meinen Texten mitnehmen kannst. Ich bin schon sehr gespannt, was Du daraus machen wirst und ob ich meine Werke inhaltlich später bei dir wiederfinden werde?!

Noch glücklicher macht mich nur das großartige Lob, dass Du mir dagelassen hast: >>Ich bin berührt und abgeschreckt, hingerissen und abgestoßen.<<

Tausend Dank und Liebe Grüße
Deine Ramona
16.10.2020 | 21:02 Uhr
Hej RamonaXX,

ich fand es sehr schön, dass du in diesem OS einmal die Perspektive der daheim gebliebenen Familienangehörigen aufgegriffen hast, in diesem Falle die der großen Schwester, die vielleicht auch noch eher als die kleine (auch wenn sie eine Frau ist) einen gewissen Beschützerinstinkt gegenüber ihrem jüngeren Geschwisterkind verspürt.

Als nicht Betroffener kann man sich – wenn überhaupt – wohl nur eine äußerst begrenzte Vorstellung davon machen, wie es diesen Leuten, die auf die ungewisse Rückkehr ihrer Liebsten warten, psychisch geht. Im Text deutest du an, wie das tagtägliche Umfeld (die Schauergeschichten und radikale Bewegungen) Kates Sorge um „Marcus“ immer wieder neue Nahrung verleiht. Und möglicherweise wird Kate aufgrund der Tatsache, dass ihr Bruder in Vietnam ist, auch von vermeintlichen Freunden angefeindet, von wegen: „Soldaten sind Mörder, geschieht ihm doch recht, wenn er da drüben kaltgemacht wird.“ So ist es nur allzu verständlich, dass die Briefe von „Marcus“ Kate davon abgehalten haben, nervlich am Ende zu sein. Jetzt bleiben sie also aus, und das seit über drei Wochen. Der letzte Rettungsanker für Kate ist einfach weg.

Sehr überzeugend fand ich zudem, was du über die Briefe von „Marcus“ geschrieben hast. Kates Empfinden nach geben sie die ganze brutale Realität des Krieges wieder, und bestimmt wird „Marcus“ aufgrund ihres engen Verhältnisses wohl einiges mehr an Realität darin niedergeschrieben haben, als er es beispielsweise bei seinen Eltern getan hätte; und dennoch schätze ich mal, dass das meiste immer noch geschönt ist. Die Frage ist auch, ob die Briefe kontrolliert werden, bevor sie die Empfänger erreichen. So ein Vorgehen würde mich jedenfalls nicht allzu sehr verwundern. Für Kate sind es unvorstellbare Grausamkeiten, die dort geschildert werden, für „Marcus“ hingegen wird das alltägliche Routine sein. Das Schlimmste seiner Erlebnisse dort wird er wohl niemandem anvertrauen können. Nur bei der Hoffnung und Zuversicht, von der Kate liest, bin ich skeptisch. Entweder hat „Marcus“ das geschrieben, um sie zu beruhigen, oder auch einfach sich selbst, weil Hoffnung zu haben, dort drüben das Einzige ist, was einem überhaupt eine Chance aufs Überleben ermöglicht.

Das Foto hast du auf sehr einleuchtende Art und Weise in diesen OS integriert. Ja, Krieg ist die Hölle. Und nein, natürlich sollte Kates Bruder jetzt nicht da sein. Genauso wie „Marcus“ vor seinem Einsatz von der Army geschwärmt hat, so wird er (sollte er denn zurückkehren) sie verfluchen, genauso wie es vor ihm schon unzählige junge Männer aller Herren Länder getan haben und wie es auch nach ihm unzählige tun werden.
Äußerst gelungen fand ich die Interpretation des Bildes. Es hat schon fast etwas Groteskes, nicht Wirkliches, wie aus diesem Gesichtsausdruck die Unschuld aber auch der Wahn spricht. Und genau so nimmt es Kate ja auch wahr. Sowohl Augen als auch Lächeln kann Kate als zu „Marcus“ zugehörig identifizieren, sieht darin die Sehnsucht nach seiner Familie und das Heimweh. In anderen Momenten ist es genau umgekehrt, dann ist es zwar immer noch „Marcus“, aber dann spiegelt sich in seinem Antlitz der Krieg, Unvorstellbares, das ihn vielleicht an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.
Für Kate bleibt mir nur zu hoffen übrig, dass sie auch in der nächsten Aufnahme ihres Bruders (sollte es denn eine geben) diesen wiedererkennt, und ihn der Krieg dann nicht schon vollständig verschlungen hat.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 14.11.2020 | 18:07 Uhr
Hallo Arkia,

jetzt muss ich mich aber wirklich mal entschuldigen, dass meine Antwort so spät kommt und ich dir nicht schon früher geschrieben habe. Aber dein Review kam zu einer Zeit, wo mich irgendwie so eine Flutwelle von Reviews erreicht hat und ich mich erstmal um die kürzeren Rückmeldungen meiner Leser gekümmert habe. Und als die Welle dann abgeflaut war, kam ein neuer Job und… ja, nun sind eben doch ein paar Wochen vergangen… Ich hoffe Du verstehst das? ;-)


Um ehrlich zu sein, ist mir der Wechsel der Perspektive hier gar nicht so stark aufgefallen. Also ich kann wirklich nicht behaupten mit Absicht etwas aus der Sicht eines Angehörigen geschrieben zu haben. Und doch stand der Plot für dieses Bild schon sehr früh fest!

Ich wollte hier unbedingt ein Geschwisterpaar mit reinbringen und keine Liebespaarbeziehung, denn ich denke, dass (ähnlich wie bei mir und meinem Bruder) bei vielen Geschwistern, das Vertrauensverhältnis ein anderes ist, wie zum Beispiel zu den eigenen Eltern oder zu Freunden.

Es gibt natürlich auch (erwachsene) Geschwister, die kein Wort miteinander und vom Leben des anderen nichts wissen wollen, aber hier war das meinem Bauchgefühl nach genau die richtige Ebene, die ich anschneiden wollte.


Für mich stecken Kate und ihr Bruder Marcus auch irgendwie in diesem „Zwischenalter“ fest. Sie sind keine Kinder mehr, aber eben auch nicht voll erwachsen. In meinen Augen ist das ein zusätzlicher Faktor (dieses gewisse Unreife), zu den von dir genannten äußeren Faktoren der Anfeindungen von Soldaten und deren engen Verwandten.

Übergeordnet ging es hier natürlich um das Thema Feldpost und deren emotionale Bedeutung. Heute (in modernen Kriegen und Kampfeinsätzen) sind die Möglichkeiten ja vielfältiger und auch digitaler. Da hat man unter Umständen die Option Videobotschaften nach Hause zu schicken oder sich direkt in einem Chat-Room zu „treffen“. Aber damals gab es NUR die Post und da war wirklich etwas Heiliges. Das wird auch in Dutzenden Quellen dargestellt, die ich damals durchblättert habe.

Hunger und Kälte beispielsweise sind bis zu einem extremen Grad tragbar für die Moral einer Truppe, aber keine Post? Autsch! Das tut schon wirklich weh, wenn die länger ausbleibt. Wobei ich hier natürlich die andere Richtung gewählt habe und es Kate als Angehörige und Schwester ist, die keine Post mehr bekommt. In wieweit die heimwärts gehende Post zensiert wurde, kann ich gar nicht sagen. Aber ich weiß, dass die Soldaten (damals) keine Briefmarken gebraucht haben. Feldpost wurde kostenfrei transportiert und überstellt, bis zum Empfänger, egal von wo.


Das Foto, das Marcus mitgeschickt hat, ist sehr vielschichtig. Mich hat es damals total gefesselt und ich war wie gesagt schnell bei diesem Plot mit der großen Schwester. Was Kate hier sieht und fühlt, ist auch das, was mich an diesem Bild so sehr bewegt. Heute hängt auch diese Fotographie (die – so ganz nebenbei – ein deutscher Fotograph aufgenommen hat) bei mir im Arbeitszimmer. Und ja, das Rätsel, das Kate nicht lösen konnte, habe auch ich noch nicht endgültig gelöst. Wo Wahnsinn und wo Realität liegen, ob in den Augen oder dem Mund, das wechselt bei jedem neuen Betrachten des Bildes…!

Zum Schluss danke ich dir einmal mehr für deine Zeit, dein Zeilen und dass Du mich immer mit so vielen deiner Gedanken überhäufst, die mir zeigen, was meine Texte beim Lesen auslösen können!

Herzliche Grüße
Ramona
29.09.2020 | 17:33 Uhr
Hej RamonaXX,

und hier kommen meine Gedanken zum Septemberbild. Das war also wieder einmal ein Gruppenbild. Ich finde, du hast die Situation sehr passend interpretiert. Auf mich macht „Jones“ auch den Eindruck eines Vorgesetzten, der hier alles überwacht und „seine Schäfchen ins Trockene zu bringen“ gedenkt. Bei den zwei Maschinengewehrschützen ist ihm das schon einmal nicht gelungen. Und genau das gefällt mir so an deinen Texten hier, dass immer die brutale Realität einschlägt, vor einem Satz ist alles noch relativ ruhig und dann zack!, genauso wie es auch im Krieg ist: Aus dem Himmelreich kann von einer Sekunde auf die andere die tiefste Hölle werden.

Die Bambusfallen sind aber auch eine äußert perfide Art der Kriegsführung, Nicht, dass die Amerikaner besser wären, denn im Krieg wird ja eh alle Moral über Bord geworfen - das liegt in der Natur der Sache (töten oder getötet werden).
Sehr einleuchtend waren auch „Jones'“ Gedanken zu den Überlebensstrategien. Man muss emotional abstumpfen, um (nicht nur in diesem Krieg) eine Chance zu haben.
Absolut passend fand ich auch seine Überlegungen zu den Wasserlöchern. Sie zeigen zum einen, wie fremd die Umgebung den Soldaten ist, so dass sie sogar auch körperlich darauf reagieren (das Kotzen) und wie der Vietkong dieses Fremdeln dann auch geschickt zu seinem Vorteil nutzen kann. Zum anderen verdeutlichen seine Gedanken aber auch seine Abgestumpftheit und Aggression. Er schildert die Erlebnisse mit der hochgegangenen Sprengfalle wie einen Eintrag in einem Sachbuch. Es ist nichts Außergewöhnliches mehr, es passiert eben, gehört dazu. Die abwertenden Worte für die Gegner sind ebenso schlüssig. Schließlich kämpfen sie im Gefecht (zumindest ihrer Wahrnehmung nach) nicht gegen Menschen, sondern den sprichwörtlichen Tod (auch wenn dieser natürlich durch Menschen verursacht wird), aber genau deshalb wird ihnen der natürliche Instinkt, keinen anderen Menschen zu töten, in der Ausbildung auch ausgetrieben worden sein.

Zum Schluss des OSs gehst du noch einmal auf die anderen abgebildeten Soldaten ein, indem du eindringlich schilderst, dass es alles andere als ein Spaziergang ist, auch nur durch das Wasserloch zu waten, was sich an deren Körperhaltung sehr schön ablesen lässt, auch wenn man ihre erschöpften Gesichter nicht sehen kann. Auf dass sich „Jones'“ Hoffnung erfüllt und sie es heile zum Kontrollpunkt schaffen.

Bis zum nächsten Bild!

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 02.10.2020 | 11:20 Uhr
Hallo Arkia,

jetzt warst Du ja doch recht flux mit dem Lesen! Und dass Du mir wieder so ein liebes Review geschrieben hast, freut mich natürlich ganz besonders.

Was mir erst mit deinen Zeilen aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass es wirklich den Unterschied in den gewählten Bildern gibt, ob sie eine Person oder eben eine Gruppe abbilden. Faszinieren! Aber das ist mir weder bei der Auswahl, noch beim späteren Betrachten aufgefallen!!

Deine wunderbaren Reviews sind immer so umfassend und analytisch, dass ich (selbst wenn ich mich an das Bild erinnere) mir vorher immer noch mal den Text durchlese, um alle Details wieder parat zu haben. Und genau wie Du, sehe auch ich (nach all der Zeit) auf dem Bild in „Jones“ immer noch einen erfahrenen Sergeant.

Den kleinen Subplot, der beschreibt, wie das MG auf seine Schulter gekommen ist, den konnte ich damals wohl nur schreiben, weil ich mich so tief in die ganze Thematik eingegraben hatte. Heute würde mir das schwer fallen, solche Zusammenhänge zu entwickeln. Und wenn ich ehrlich bin, dann war ich beim Lesen des Textes, von mir selbst überrascht, dass ich ein solches Augenmerk auf dieses Detail gelegt habe. ;-)

Die innere Haltung von „Jones“ setzt sich aus ganz vielen unterschiedlichen Quellen zusammen. Was ich über Krieg weiß, habe ich ja nie selbst erfahren „müssen“, sondern es mir durch Erzählungen, (Sach)Bücher, Filme und Dokumentationen angeeignet. Ich hatte damals so viele Quellen, dass ich Muster und sich wiederholende Schilderungen/Beschreibungen ableiten konnte.
So zum Beispiel auch die Haltung, dass man Abstumpfen muss, um seelisch zu überleben, dass Neuankömmlinge Zeit brauchen, um eine „gesunde Abstumpfung“ zu entwickeln (falls sie es können!) und das der Krieg eine ruhige Situation eben von einer Sekunde auf die andere in eine Gefechtssituation wandeln kann.

Hier ist die Situation (wie auf vielen anderen Bildern auch) eher ruhig und es sind die Gedanken der Protagonisten (hier „Jones“), die „laut“ sind. Es war mir wichtig dahin zu schauen, wo es schwerfällt einen Einblick zu bekommen – in die Gedanken der Soldaten. Da gibt es nicht nur Erschöpfung, Angst, Hunger und Müdigkeit. Da ist auch Aggression, Tobsucht, Wut und Tod. Aber viel wichtiger ist das „Dazwischen“ – der Mensch, der überleben will und gleichzeitig von diesen Kräften aufgerieben wird.

Ich hoffe auch, dass „Jones“ mit seinen Männern den Kontrollpunkt unbeschadet erreicht und sie einen weiteren Tag (über)leben…


Ich freu mich schon auf deine Gedanken zum nächsten Bild.
Es ist einen meiner 3 Liebling, die bei mir zu Hause hängen.

Viele Grüße und danke für deine tolles Review!
Ramona
20.09.2020 | 08:21 Uhr
Hej RamonaXX,

und weiter geht's (wenn auch verspätet) mit dem Augustkapitel.

Das Bild, das du dir für den achten Monat ausgesucht hast, ist wieder einmal äußerst ausdrucksstark (wie eigentlich alle Bilder hier) und die fiktionale Geschichte dahinter erneut sehr berührend.
Ich finde an der Körperhaltung von „John“ merkt man schon, dass er ein erfahrenerer Soldat ist, gleichzeitig ist da aber auch so etwas in seinem Blick, das mich an ein schreckhaftes Reh erinnert hat; ein Zeichen dafür, dass man sich seiner Sache nie sicher sein kann, egal, wie viel Erfahrungen man in diesem Krieg auch gesammelt hat. Von daher fand ich die Passage, die davon berichtet, wie „John“ seine Fluchtinstinkte niedergerungen hat, äußerst gelungen und absolut passend.
Besonders auffällig waren für mich an diesem Bild die am Gürtel befestigte Wasserflasche und eben der Ehering am Finger, um den sich die Geschichte dann auch entspinnt.

Es ist nur allzu verständlich, dass sich die Erinnerung an die geliebte Frau mit der Zeit verflüchtigt, egal, wie sehr „John“ sie auch festzuhalten versucht, zumal er nun auch keinen Gegenstand, der ihm ihr Aussehen wieder ins Gedächtnis rufen könnte, mehr hat. Immerhin ist ihm noch ihr Geruch geblieben, das hat etwas Tröstliches, die Tatsache, dass zumindest etwas von ihr noch immer bei ihm ist.
Aber natürlich wird „John“ dadurch auch wieder die schmerzhafte Seite dieser Verbindung in Erinnerung gerufen: Was wird sein, wenn er zurückkehrt? Wird sie dann auf ihn warten? Denn immerhin ist es ja keine Heirat aus Liebe gewesen, für „John“ ist sie nur der Rettungsring, damit er etwas hat, für das es sich lohnt, zu überleben. In diesem Akt kommt so viel Verzweiflung zum Tragen, dass ich es schwerlich in Worte fassen kann. Und damit wird „John“ sicher nicht der einzige gewesen sein.
Und so schmerzlich es auch ist, so kann ich doch auch nachvollziehen, warum die Frauen sich von ihren Männern getrennt haben. Zum einen wird einen diese ständige Todesangst um einen geliebten Menschen schier wahnsinnig machen, und so kappt man diese Verbindung letztlich am ehesten wohl aus Selbstschutz. Zum anderen ist ja nicht automatisch alles gut, wenn der Ehemann zurückkehrt. Denn was ist die Ehe wert, wenn der Mann es aufgrund des im Krieg Erlebten nicht mehr schafft, sich in die zivilisierte Welt einzufügen? Dann ist die Beziehung in den meisten Fällen wohl auch zum Scheitern verurteilt. Denn wie soll es einer durchschnittlichen Frau gelingen, ein normales Eheleben mit einer (schwer) traumatisierten Person zu führen, ohne dass sie beide daran gleichermaßen zugrunde gehen?

Dass der Staat die Scheidung in Abwesenheit der Männer verbietet, um die Moral der Soldaten aufrechtzuerhalten, ist nachvollziehbar. Und natürlich geht diese Rechnung bezüglich der Scheidungen auf lange Sicht (wie du ja angemerkt hast) nicht auf. Ob man geschieden wird, wenn man zurückkehrt, oder einfach die liebevollen Briefe ausbleiben und man so die Scheidung in etwas anderer Form in der Hand hält, macht letztlich keinen Unterschied. Mich würde es auch nicht wundern, wenn die Regierung sogar solche Blitzhochzeiten anleiern würde, um Männer in der „richtigen“ psychischen Verfassung nach Vietnam schicken zu können.

Für „John“ würde ich mir natürlich wünschen, dass der Ring an seinem Finger immer noch die Verbindung, die er sich wünscht, für beide, Melissa und ihn selbst, repräsentiert. Doch ihre Briefe lassen mich vermuten, dass er das Schicksal seiner Kameraden teilen wird.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es gemeinhin und so ist es auch nur folgerichtig, dass auch „John“ sich daran klammert und seine Aufgabe in Vietnam nun ganz im Sinne seiner Vorgesetzten weiterhin ausführen kann.

Lieben Gruß

Arkia

PS: Den Film „Hacksaw Ridge“ kenne ich noch nicht. Danke für den Tipp. Jetzt, wo das Wetter wieder schlechter wird, werde ich mir dafür und auch für „Matterhorn“ erneut Zeit nehmen. Beim Buch hätte ich erwähnen sollen, dass ich die epub-Version habe. Ich habe mal nachgesehen, die englische Printausgabe kommt auch so auf 600 Seiten.

Antwort von RamonaXX am 30.09.2020 | 12:00 Uhr
Hallo Arkia,

tut mir leid, dass ich etwas mit dem Antworten hinterher hinke, aber bei mir ist gerade „Land unter“, und irgendwie gibt es so viele andere Sorgen in meinem Kopf, dass da eine längere Reviewantwort, ein bisschen warten musste.

Nichtsdestoweniger, habe ich mich natürlich sehr über deine vielen Zeilen gefreut, denn zum Einen lenken solche Reviews wunderbar von den eigenen Sorgen ab und zum Anderen, habe ich schon seit einer Weile an dich gedacht und mich gefragt, ob und wann Du wohl wieder ein Review schreibst.

Also schon mal vielen Dank dafür! Für die Aufmunterung, ebenso wie für die Rückmeldung zum Augustkapitel!


Freut mich sehr zu hören, das Bild und fiktionaler Text hier wieder eine stimmige Einheit gebildet haben. Die Geschichte von „John“ war wieder so eine, die ich recht schnell zusammen hatte, einfach weil das Bild so viel hergibt. Ich kann mich noch erinnern, wie meine Aufmerksamkeit beim Betrachten immer wieder zwischen dem aufgeregten Blick und dem Ring an seinem Finger hin und her gesprungen ist. Und so hat sich dann auch der Plot entwickelt, von der aktuellen Situation im Kriegsgeschehen, hin zu einer vergangenen Erinnerung in der zurückgelassenen Heimat.

Ich glaube, dass die Erinnerung an Melissas Geruch sogar tatsächlich aus dem Buch „Matterhorn“ inspiriert war. Dort gibt es auch einen Charakter aus Mellas’ Zug, der zum Fronturlaub in Bangkok ist und mit einem parfümierten Tuch seiner Liebsten zurückkommt… ;-) Ich denke, das habe ich unbewusst übernommen und entsprechend abgewandelt. Aber so sammelt man halt als Autor seine Ideen, man hört sich die (Lebens)Geschichten der anderen an.

Was Du über die Ehe von John und Melissa schreibst, finde ich sehr bewegend! Es sind sehr vielschichtige Gedanken, die alle sehr zum Nachdenken anregen. Besonders weil deine Betrachtung keinesfalls einseitig ist! Was eine Ehe noch wert ist, wenn all das Bangen, Hoffen und Warten einem nur einen veränderten und innerlich zerstörten Menschen wiederbringt, ist eine der vielen Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.

Was ein Staat sich einfallen lässt, um seine Soldaten im Kampf bei Laune zu halten, ist mindestens genauso unmoralisch, wie der Krieg selbst – was mich glauben lässt, dass die Ding noch enger miteinander verknüpft sind. Ich denke Scheidungen zu unterbinden und Blitzhochzeiten zu befürworten, ist noch eher harmlos. Wenn Soldaten ohne ihr Wissen mit Drogen „gefüttert“ werden oder eben wie „Nick“ per Lotterie in den Krieg geschickt werden, dann empfinde ich das als weitaus schlimmer. Eine zerrüttete Ehe mit zwei verletzten Menschen ist natürlich auch nicht schön, aber es ist etwas, das leichter zu handhaben ist, als eine Abhängigkeit von Amphetamin oder anderen Substanzen.

Ob John und Melissa es schaffen ihre Ehe durch den Krieg zu bringen, weiß ich nicht. Ich wünsche es ihnen natürlich irgendwie, aber dennoch sind meinen Gedanken nie so weit gegangen. Das hier sind kleine „Kriegssplitter“. Kurze Geschichten, niedergeschrieben aufgrund von bildhaften Eindrücken, mit Protagonisten, die kein Ende und keinen Anfang haben, und nur solange existieren, wie man ihr Bild betrachtet und den Text auf sich wirken lässt.


Viele Grüße und danke, dass Du diesem Kalender so viel Zeit schenkst!
Ramona

P.S. Freut mich, wenn „Hacksaw Ridge“ jetzt auf deiner Liste steht. Für mich einer der ausdrucksstärksten Filme, die ich je gesehen haben – trotz viele Spezialeffekte und dem Motiv des Heldenmythos. Und was „Matterhorn“ betriff, so erklärt die epub-Version einiges. *grins* Ich hatte tatsächlich an einen Printausgabe gedacht… ;-)
03.07.2020 | 10:15 Uhr
Hej Ramona,

und auf geht's zum nächsten Foto.

Ich weiß natürlich nicht, inwieweit ich schon von deiner Geschichte beeinflusst war, aber als ich das Bild gesehen habe, ging mir prompt durch den Kopf: Ja, so sieht für mich eindeutig ein Famersjunge aus den Südstaaten aus. Von daher hat deine Geschichte das visuelle Bild voll getroffen.
Auch die Schwere des Gepäcks wird sowohl durch das Bild als auch die kurze Beschreibung sehr deutlich „spürbar“. Da bin ich fast froh, es nicht auf meinen eigenen Schultern fühlen zu können. ;-)

Bei Nicks Gedanken an seine Freunde war ich zunächst irritiert, aber dann ist mir klargeworden, dass das die Jungs zu Hause in Texas sind, die nicht im Krieg kämpfen und nur die heroischen Geschichten hören. Was ja bei dieser Generation, die mit den Geschichten der siegreichen Veteranen von WWII aufgewachsen ist, ganz normal war. Denn die Kameraden in Vietnam, die werden diese Tortour kaum als „geil“ beschreiben; und wenn doch, dann entweder weil sie schon so abgestumpft sind oder auf diese Weise ihre Angst zu überspielen suchen.
Ein sehr starkes Bild war die vom Vater herangezogene Gleichstellung des Brandmarkens der Kälber mit dem Töten von Menschen. Mich würde ja interessieren, ob der Vater selbst je im Krieg gekämpft hat. Denn entweder ist er einfach nur ein gefühlloser Mann oder aber er weiß genau, wovon er spricht, und will seinen Sohn auf diese Weise nur beruhigen und auf seine Art schützen, ganz nach dem Motto: Ist nicht so schlimm. Auch wenn er in seinem Inneren genau weiß, dass das nicht stimmt.
Nicks Gedanken über die ganze Sinnlosigkeit des Krieges, warum die Soldaten überhaupt am anderen Ende der Welt den Kommunismus bekämpfen müssen, sprechen Bände.
Am schlimmsten aber fand ich die Lotterie. Denn überspitzt gesagt heißt es ja im Grunde nur leben oder sterben; denn selbst wenn man aus dem Krieg zurückkehrt (und zwar nicht in einem Leichensack), wird man ihn im Kopf nicht wieder los.

Der letzte Abschnitt knüpft gut an den Beginn des OS an, wobei sich Nick in seiner physischen Schmerzfreiheit ja nun durch seine Gedanken (an sein Zuhause, die Sinnlosigkeit des Unterfangens und sein Pech bei der Kriegslotterie) psychischen Schmerz zugefügt hat.

Lieben Gruß

Arkia

PS: Bis ich mit „Matterhorn“ durch bin, wird es noch ein wenig dauern, denn 1400 Seiten auf Englisch lesen sich nicht einfach so runter. Aber wenn es so weit ist, werde ich mich melden. :-)

Antwort von RamonaXX am 07.07.2020 | 22:47 Uhr
Guten Abend liebe Arkia,

diesmal habe ich es tatsächlich geschafft, mich nicht zu sehr von dir überraschen zu lassen. Denn ich habe in der letzten Woche an dich gedacht und schon mal „vorab“ das Juli-Kapitel gelesen, um wieder reinzukommen. Und tatsächlich kam dein Review nur wenige Tage später!

Das mit dem „Farmerjungen aus den Südstaaten“ war auch meine allererste Eingebung bei dem Bild. Mit ein Grund, warum es seinen Platz in diesem Kalender gefunden hat. Es ließ sich gut mit diesem Foto arbeiten. Mit dem doch recht skeptischen Gesichtsausdruck des Jungen und seiner erschlafften Körperhaltung. Und natürlich mit dem vielen Gepäck, das an ihm hängt.

Von den vielen Dingen, die ich aus meiner Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg mitgenommen habe, wirken die unterschiedlichen Sichtweisen und Blickwinkel immer noch am meisten nach. Es gibt sooo unfassbar viele Möglichkeiten das Ganze zu betrachten und zu durchdringen. Natürlich auch die politischen Seite (die ich nie tiefergehend angeschnitten habe) oder die aufständische Seite der Studenten, die protestierend durch die Straßen gezogen sind und ihre Einberufungsschreiben öffentlich verbrannt haben…

Für dieses Kapitel habe ich mir die heroischen Darstellung des Krieges rausgepickt und im Gegensatz zu dem gestellt, was Nick dort drüben wirklich erlebt und wie es seine Einstellung zu alle dem verändert – vor allem zu seinen Freunden.

Was den Vater betrifft, so habe ich im Text nichts erwähnt, tendierte aber zum zweiten Fall, den Du aufgeführt hast. Väter und Söhne sind in meinen Augen im Übrigen wieder ein ganz eignes Kapitel im Krieg. Gerade in den USA, wo es durchaus den Fall gab/gibt, dass der Großvater in Korea gewesen ist, der Vater in Vietnam, der Sohn im Golfkrieg und der Enkel im Irak.
Die charakterlich beeindruckteste Vaterrolle, die ich jemals in einem Kriegsfilm gesehen habe, war in „Hacksaw Ridge“ (2017), der Vater von Desmond Doss. Ein Veteran, der absolut eindrucksvoll von dem Schauspieler dargestellt wurde. Sehr sehenswert!! (Falls noch nicht bekannt?)

Von der Lotterie zu erfahren und darüber zu lesen, hat mich damals sehr schockiert. Mit ein Grund, warum ich in diesem Kalender mit einer kleinen Erzählung daran erinnern wollte.

Es war wieder ganz wundervoll von dir zu hören! Tausend Dank.

Liebste Grüße
Ramona

P.S. Mit der Seitenangabe hast Du mich jetzt ein bisschen verwirrt. O.O Ich meine, ich habe die deutsche Ausgabe gelesen und die hatte so um die 670 Seiten. Hat auch etwa so 7 bis 8 Monate gedauert, bis ich damit durch war (hauptsächlich, weil beim Lesen dauernd Tränen geflossen sind). Aber trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die englische Ausgabe doppelt so viele Seiten hat? Wie dem auch sei… Ich freu mich nun jemanden zu kennen, der das Buch auch kennt! ;-)
12.06.2020 | 15:49 Uhr
Hej RamonaXX,

und weiter geht's mit dem Junibild.

Zwei Dinge finde ich an diesem Kapitel besonders gelungen, zum einen die detaillierte Beschreibung der Umgebung. Dieses Unwirkliche der total unbekannten Natur, das auf die Soldaten so wirken muss, als seien sie in einer anderen, beinahe schon außerirdischen Welt gelandet, kommt sehr gut rüber.

Zum anderen ist die Vorstellung der verschiedenen „Arten“ der Soldaten sehr schlüssig und hat dieses Bild des Trupps äußerst gut abgerundet.
Anhand von Scott hast du den Begriff des „Short-timers“ schön erklärt. Bleibt für ihn zu hoffen, dass er die restlichen 54 Tage unbeschadet übersteht.
Am Beispiel von Lukas wird deutlich, wie es einem Kameraden ergehen kann, der aus einer höheren Bildungsschicht stammt und nun aber mit Leuten aus geringeren Bildungs- und Wohlstandmilieus zusammen dienen muss. Lukas hat sich seiner Ansicht nach wahrscheinlich völlig normal verhalten und konnte nicht ahnen, wie fremdartig dieses Handeln seinen Kameraden erscheinen musste. Ich hoffe nur für ihn, dass es bei der verbalen Attacke bleibt und er nicht noch Opfer physischer Gewalt seitens seiner Kameraden wird.
Jeremiah ist also der „Angsthase“ oder besser gesagt derjenige, der seine Angst am wenigsten verbergen kann. Und während Jeremiah kichert, um mit dieser extremen Situation irgendwie zurechtzukommen, ballert Pinky in der Gegend rum. Pinkys Verhalten kann natürlich für alle in der Einheit zu einer echten Gefahr werden, somit tut Scott schon recht daran, ihn an das Ende des Trupps zu stecken. Aber letztlich wird deutlich, dass Pinkys „Schießwütigkeit“ genauso ein Überlebensreflex ist wie Jeremiahs verkrampftes Lächeln. Bleibt abzuwarten, welche Methodik sich letzten Endes als „überlebenssicherer“ erweist.

Lieben Gruß

Arkia

PS: Herzlichen Dank übrigens für den Buchtipp. Ich bin bereits fleißig am Schmökern. :-)

Antwort von RamonaXX am 21.06.2020 | 21:36 Uhr
Guten Abend Arkia,

hat wie immer ein paar Tage gedauert. Aber jetzt finde ich die Zeit, dir auf dein (wie immer) großartiges Review zu antworten. Wobei ich mal zu allererst zugegeben sollte, dass deine Reviews so ins Detail gehen, dass ich mir angewöhnt habe, den Text des jeweiligen Monates vorher(!) noch mal zu lesen – denn um ganz ehrlich zu sein, an alle Einzelheiten kann ich mich allein aus dem Gedächtnis nicht erinnern.

Aber wenn ich dann meinen eigenen Text gelesen habe und danach dein Review lese, dann geht mir doch jedes Mal das Herz auf. Weil Du eben doch meist die Punkte ansprichst, die mir selbst am meisten am Herzen liegen. Wirklich erstaulich, wie sich unsere Blickwinkel da decken! ;-)

Dass in Soldaten ganz unterschiedliche Charaktere schlummern, haben mich die vielen Kriegsfilme gelehrt, die ich gesammelt und gesehen habe. (Ich glaube es sind irgendwas zwischen 20 und 30.) Na jedenfalls, bin ich da mit vielen unterschiedlichen Figuren in Kontakt gekommen und habe nach und nach verstanden, dass der Krieg eine solche Ausnahmesituation darstellt, dass er Menschen zum Guten, wie auch zum Bösen verändern kann. Natürlich liegt auch noch ein unerschöpfliches Spektrum dazwischen. Krieg kann Menschen zynisch machen, sie abhärten, sie zerstörten, ihnen die Seele rauben und vieles mehr…

Was die vier Soldaten von diesem Bild betrifft, so kann ich mich nur für Pinky noch genau erinnern, wo ich „seinem Typ“ das erste Mal begegnet bin. Das war in den Film „Platoon“. Da gab es diesen Typen namens „Bunny“, auch ein sehr „schießfreudiger“ Charakter, wenn ich mich recht erinnere.

Dass Du wieder einmal so tief-analytisch an meinen Text herangegangen bist, hat mich auch dieses Mal wieder sehr erfreut. Und hey! Was les ich da zum Schluss? Du liest jetzt „Matterhorn“? Wow. Cool! Echt ein super lehrreiches Buch, wie ich finde. Hab damals versucht Kontakt zum Autor zu bekommen, was nicht geklappt hat, mich aber in eine Brieffreudschaft mit einem zivilen Mitarbeiter der US-Streitkräfte gebracht hat, der damals beim Fall von Saigon dabei war… Gänsehaut mit diesem Typen zu schreiben! Also wenn Du mit Matterhorn durch bist, würde mich deine Meinung echt sehr interessieren. Vielleicht magst Du mir ja mal eine PN dazu schreiben. Würde mich sehr freu, zu erfahren welchen Charakter dir am besten gefallen hat in dem Buch.

Liebste Grüße und bis zum nächsten Mal
Deine Ramona
13.05.2020 | 16:11 Uhr
Hej RamonaXX,

wie immer hast du die Stimmung des Bildes super eingefangen. Man kann die Verzweiflung spüren, die Hoffnungslosigkeit, die Richard so erstarren lässt, dass er den Hörer immer noch mit der Hand umklammert, als sei dieser ein Rettungsanker, der sich tragischerweise jetzt ja als das genaue Gegenteil herausgestellt hat.

Zu dem Bild an sich gibt es dieses Mal nicht so viel zu sagen, dafür hat mich die Hintergrundgeschichte umso mehr beeindruckt. Zunächst hast du einmal kurz die Situation des Auftrages beschrieben und dann kommt es emotional ganz dicke. Denn wie so oft in diesem Krieg läuft es nicht wie geplant. Nicht nur, dass ihnen Verstärkung und Proviant fehlen, du schilderst auch eindrucksvoll, wie sich nach und nach Verzweiflung in die Köpfe der Soldaten einnistet und sie Stück für Stück durchdrehen lässt: Zuerst ist es „nur“ der Hunger und als sie dann versuchen, ihn mit irgendetwas, dem sie hier habhaft werden können, zu stillen, kommen zu ihrem eigenen Schutz die Verbote. Das wiederum führt natürlich zu Verstimmungen unter den Kameraden. Letztlich werden sie so zu einer größeren Gefahr füreinander als es die widrigen Umstände an sich je hätten sein können. Bei deinen Schilderungen hast du die Fakten erneut gekonnt mit dem Fiktiven verwoben.

Der letzte Abschnitt schlägt dann aber besonders ein: Sie sind erst zwei (!) Wochen unterwegs (ich hätte anhand deiner Schilderungen eher auf Monate getippt) und Richard muss ihnen die Schlimmste aller Nachrichten überbringen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was dann mit der Truppe (die diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient hat) an sich und vor allem innerhalb dieser passieren wird.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 16.05.2020 | 19:46 Uhr
Hallo Arkia,

schön, dass Du dich auch im Mai wieder zurückmeldest mit einem Review. Das freut mich wirklich sehr – allein schon zu wissen, dass dieses Projekt nochmal angeklickt und von jemandem gelesen wird, ist schön. ;-)

Und ja, das Mai-Bild hat es auch wieder in sich. Prinzipiell mag ich ja alle Bilder in diesem Kalender – hab sie ja selbst handverlesen – aber dennoch gibt es diese zwei, drei Motive, die ich besonders gerne mag. Einfach, weil sie so „ausdrucksstark“ sind und immer wieder neue Gedanken bei mir anschieben.

So ist es auch mit dem Bild von „Richard“. Seine Haltung, seine Gesicht… alles, was ich von diesem Menschen in diesem Bild aufnehme, sagt mir, dass er gerade wirklich schlechte Nachrichten per Funk erhalten hat. Was das für Nachrichten sind/waren, darüber kann man natürlich lange spekulieren. In meinen Text habe ich mich für einen Weg entschieden. Denkbar wäre aber auch, dass er gerade über den Tod seines Bruders informiert worden ist, der in einer anderen Kompanie kämpft. Oder aber das sein direkter Vorgesetzter gefallen/verwundet ist und er nun das Kommando trägt.

Dass das Thema „Hunger“ hier mit eingeflossen ist, liegt an dem Buch, was ich damals „verschlungen“ habe. Es ist in meinen Augen, das Buch, in dem ich am meisten über den Vietnamkrieg gelernt habe, aber vor allem darüber, was der Krieg mit bzw. aus(!) Menschen macht. Wenn Du an dem Thema interessiert bist, dann schau doch mal nach dem Titel „Matterhorn“ von Karl Marlantes.

Ansonsten sag ich wie immer, danke für deine Zeit (sowohl zum Lesen, als auch zum Reviewen) und deine tiefe Analyse. Sowas liest man als Autor nicht alle Tage!

Herzliche Grüße
Ramona
15.04.2020 | 08:13 Uhr
Hej RamonaXX,

so jetzt bin ich bei dem Kalender wieder im aktuellen Monat angekommen. :-)

Zu Anfang beschreibst du die Gegebenheiten des Fotos recht schonungslos, so dass man die Härte der Realität sehr gut spüren kann. Auch wie mit den Toten weiter verfahren werden wird und dass die Aufgabe, die Hinterbliebenen zu informieren, den Offizieren verständlicherweise verhasst ist, zeichnet ein deutliches Bild des Geschehens. Eine Frage habe ich noch: Müsste es nicht „Killed in Action“ anstatt „Killing in Action“ heißen? Denn die Soldaten sind ja getötet worden (Passiv) und töten nicht selbst (Aktiv).

Für dieses Bild hast du dir ebenfalls einen passenden fiktiven Hintergrund ausgedacht. Kyles Gedanken zum allgegenwärtigen Tod sind gut nachzuvollziehen und mit seiner Glück-und-Pech-Attitüde dürfte er auch ganz gut fahren und die Situation besser verarbeiten können als bspw. jemand, der an göttliche Fügungen, die von seinen Handlungsweisen abhängen, glaubt. Die äußerlichen Gegebenheiten, und wie Kyle darauf reagiert, hast du gekonnt in Worte gekleidet. Die Gedanken von Peter, der von den Geschehnissen sichtlich mitgenommen ist und sich deshalb nichts sehnlicher wünscht, als zur Ruhe zu kommen, sind ebenfalls nachvollziehbar. Seine Zweifel am reibungslosen Ablauf des Leichentransportes und der Entgegennahme der neuen Vorräte runden die Geschichte zum Foto schlüssig ab.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 19.04.2020 | 20:54 Uhr
Guten Abend Arkia,

hier kommt auch schon die zweite Antwort zum zweiten Review. Freut mich, dass Du die Zeit gefunden hast „aufzuholen“ und dich bis in den aktuellen Monat zu „kämpfen“.

Tatsächlich ist es so, dass ich zu diesem Bild eine ganz enge Beziehung habe. Es ist eines von denen, zu denen mir gleich auf Schlag ein Dutzend Geschichten eingefallen sind; eines, das ich einfach überhaupt nicht loslassen konnte.
Gegen Ende des letzten Jahres habe ich mir dann ein großen Traum erfüllt, mir online einen Abzug in den USA bestellt und das Ganze rahmen lassen… Jetzt hängt genau dieses Bild als 105 x 75 cm Format über meinem Schreibtisch und ich schaue es immer wieder an. Nicht weil ich es „heroische“ finde eine Kriegsfotographie aufzuhängen. Sondern weil ich mich erinnern möchte, wie sehr mich dieses Projekt gefordert hat und wie weit es meinen Horizont für die Belange anderer Menschen erweitert hat. (Als Autor allgemein ein gute Eigenschaft :-))

Aber nun mal zu deine Zeilen!
Auch hier kann ich mich einfach nur für dein vieles und zahlreiches Lob bedanken. Und natürlich fürs aufmerksame Lesen! Denn so wird auch dieser Text noch ein kleines bisschen richtiger, bzw. besser. Klar, mit dem „Killing“ hab ich mich in der Zeit geirrt (oder vermutlich damals an einen gleichnamigen Film gedacht). Jedenfalls ist es jetzt ausgebessert. Viele Dank für die offene Kritik.

Was übrigens die wahren Geschichten von „Peter“, „Kyle“ und „Williams“ angeht, so wird’s Du im Nachwort (Kapitel 15) fündig werden…

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Mal
Ramona
14.04.2020 | 14:29 Uhr
Hej RamonaXX,

hier kommt mein Feedback zum Märzbild.
Schon der erste Satz fängt den Gesichtsausdruck der beiden Soldaten auf dem Foto perfekt ein. Ebenso hat mir die dazu ausgedachte Hintergrundstory gefallen. Die Befehle der Oberen, wie man diesen Krieg am besten zu gewinnen hat, die etwas „härtere“ Wortwahl der Soldaten für ihre Feinde, die wahrscheinlich nur die Angst überspielt, die sie immer wieder in Momenten wie diesem jetzt erleben, in dem praktisch in jedem Augenblick alles vorbei sein kann, spiegeln sehr gut ihren inneren Gemütszustand wider.

Verständlich ist auch Harrys Angst, „ins Gras zu beißen“ , bevor er den Heimweg antreten kann, ebenso wie die Tatsache, dass seine Furcht davor mit jedem Tag, mit dem die Heimreise näher rückt, größer wird. Denn er kann auch noch am Tage vor dem Heimflug umgelegt werden. Und es ist absolut nachzuvollziehen, dass er die ganzen Strapazen dieses Krieges nicht umsonst ausgestanden haben will (Was er wohl letzten Endes wie so viele andere Kameraden haben wird, aber das steht auf einem gänzlich anderen Blatt).

Auch die Sehnsucht nach seiner Familie ist spürbar und vermutlich eine der treibenden Kräfte, die ihn diesen kranken Wahnsinn des Krieges durchstehen lässt. Als kleinen Kontrast dazu gibt es dann die Story von Steve, der im Gegensatz zu Harry noch ganz zu Beginn seines Einsatzes steht.
Gelungen finde ich zudem, dass ihre Herkunft die beiden zusammengeschweißt hat, denn in dieser unwirklichen Fremde sind sie sich gegenseitig wohl auch ein Stück Heimat in dieser grauenhaften Zeit.
Ein wenig von der emotionalen Schwere der Geschichte wird dem Kapitel mit den letzten Worten genommen, wo zumindest kurz ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht, dass sie es vielleicht, wenn sie so handeln, wie sie es gelernt haben, wieder nach Hause und in die Arme ihrer Liebsten schaffen können.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 18.04.2020 | 21:38 Uhr
Hallo Arkia!

Wie schön wieder von dir zu lesen! Und dann gleich so viel und so ausdauernd und so detailliert!!! Das hat mich echt umgehauen! Wirklich, ich war total begeistert – und bin es noch – dass sich jemand so intensiv mit diesem, inzwischen doch nicht mehr „taufrischen“ Projekt beschäftigt und sich da „durcharbeitet“.

Ich weiß noch genau, wie ich die Bilder damals ausgesucht habe. Früher gab es mal die Website „Allposters.de“, da habe ich mich mehrere Nächte durchgeklickt und nach allem gefiltert, das mit dem Vietnamkrieg zu tun hat und in schwarz-weiß gewesen ist. Die Fakten zu den Bildern zur recherchieren, war dann noch mal ein ganzes Stück Arbeit.

Und was die Geschichten angeht – die sind irgendwie alle von selbst gekommen. Ich war selbst immer wieder überrascht wie gut das geklappt hat, aber es war (und ist noch immer) tatsächlich so, dass ich nur lange genau auf ein Bild starren muss, das mich beim ersten Ansehen einfach nicht loslässt und dann kommt irgendwann „Bewegung“ in das Bild und ich entwickle eine Idee, einen Plot und so weiter…

Bei Harry und Steve war das auch so. Ich habe einfach immer wieder in ihre Gesichter geschaut, die Angst gesehen und mir dann überlegt, wie wohl ihr normales Leben jenseits des Krieges ausgesehen haben könnte. Klar, die Bilder sind alle echt und die Geschichten fiktiv. Aber so wie ich das sehe, gibt es da doch eine sehr harmonische Verbindung. Gerade so schöne und ehrliche Reviews wie deine belegen das. *freu*

Wie es für Steve und Harry ausgegangen ist (fiktiv, wie in echt) bleibt natürlich offen. Aber im allerletzten Kapitel sind einige wenige reale(!) Biographien von den abgebildeten Soldaten und deren Fotographen zusammengefasst.

Ich freu mich auf die nächste Rückmeldung von dir!

Herzliche Grüße
Ramona
17.03.2020 | 17:17 Uhr
Hej RamonaXX,

auch dem Bild zum Februar hast du eine individuelle Note verpasst und ihm (noch mehr) Leben eingehaucht.
Du hast Larrys persönliche Gefühle sowie die technischen Fakten gekonnt miteinander verwoben und so ein stimmiges Bild geschaffen. Ich konnte den Geruch, den Larry wahrnimmt, fast schon ein wenig in der eigenen Nase spüren. Zum Glück gibt es noch kein Geruchsinternet. ;-)
Hier beim Februarbild bekommt man als Leser einen Eindruck, wie sich ein Soldat verhält, der schon etwas länger dabei ist, der über die Tatsache, dass er praktisch jeden Augenblick „abgeknallt“ werden kann, wenn er nicht vorsichtig ist, schon distanzierter nachdenkt. Aber auch bei Larry spürt man, wie der Kampf in diesem unwegsamen Terrain an seinem Nervenkostüm zerrt, auch wenn er immer noch brav alle Befehle ausführt.
Ich konnte mir allerdings nicht so recht vorstellen, wie man durch die Nase seufzt. ;-)

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 18.03.2020 | 11:47 Uhr
Hallo Arkia,

wie schön, wieder von dir zu lesen! Dass freut mich echt total, weil ich mich noch sehr gut an dein letztes Review erinnern kann! Und hey, jetzt bescherst Du mir schon wieder so tolle Zeilen! Vielen Dank dafür.

Es ist echt lieb von dir, dass Du dir die Zeit nimmst so auf die Figuren (in diesem Fall Larry) einzugehen, dass tut nicht jeder. Und ja, es freut mich sehr, dass der Blickwinkel eines Soldaten, der schon etwas länger dabei ist, so gut rübergekommen ist. Aber ich finde, das Bild reizt auch wirklich sehr dazu, dieser Blick von ihm… wow, was habe ich mich da hineingesteigert und davor gesessen, um passende Worte zu finden. War echt nicht leicht.

Aber es hat sich gelohnt und ich bin super happy, dass sich nach 3 Jahren(!) noch Leser für diesen Kalender finden und mir ihre Meinung dalassen!

Lieben Dank an dich und bis demnächst (vielleicht)
Ramona
21.01.2020 | 19:43 Uhr
Hej RamonaXX,

ich bin durch den Beitrag in den Social Media Empfehlungen im Blog letztes Jahr auf deinen Kalender hier aufmerksam geworden und habe beschlossen, dass er mich nun durchs Jahr begleiten soll.
Der Beitrag im Januar gefällt mir schon einmal sehr gut. Ich finde, du hast den anonymen Gestalten auf dem Foto mit deinem OS Leben und eine Persönlichkeit eingehaucht. Sehr passend gewählt ist zudem, dass du mit einem unerfahrenen Soldaten beginnst, denn als in Friedenszeiten aufgewachsener Leser hat man (zum Glück) keinerlei Erfahrungen mit Krieg und so konnte ich hier gut mit ihm mitfühlen. Du beschreibst die Stimmung in wenigen Worten sehr treffend, die Gefühle des unerfahrenen Soldaten genauso wie die der „alten Hasen“. Der letzte Absatz macht bereits deutlich, dass es im Krieg immer nur Verlierer und niemals Sieger gibt.
Ich bin gespannt, was der Februar-OS im nächsten Monat bereithält.

Lieben Gruß

Arkia

Antwort von RamonaXX am 25.01.2020 | 09:45 Uhr
Hallo Arkia,

sorry, dass Du ein paar Tage auf diese Antwort warten musstest. Ich habe mich echt wahnsinnig über dein Review gefreut! Gerade weil Du erwähnt hast, dass Du über den Empfehlungs-Blog hier gelandet bist! Dass freut mich riesig! Da ich nicht erwartet hätte, dass dieses Projekt solch eine Aufmerksamkeit dadurch zu Teil wird. Also schon mal ein großes Dankeschön dafür!

Zu dem Januar-Bild eine Geschichte zu finden, war erstaunlich leicht. Da habe ich mich (damals) mit anderen Bildern schwerer getan. Hier ist es echt nur so aufs Blattpapier geflossen. Ich kann natürlich (in diesem Fall – bei anderen schon) nicht sagen, wer die Leute auf dem Bild wirklich waren und welche Ränge sie hatte. Aber schaut man lange genug darauf, dann bekommt man schon anhand der Körperhaltung und der Blicke eine Gefühl dafür, WER hier WO steht und was zu sagen hat. Auch die Emotionen und Gefühle kann man auf diese Art interpretieren…

Ich würde mich freuen, wenn Du wieder reviewst und wünsche dir weiterhin ergreifende und packende Momente beim Lesen dieses Kalenders!

Herzliche Grüße
Ramona
09.03.2018 | 15:03 Uhr
Hallo Ramona,

ich finde es jedes mal beeindruckend, was du aus den Bildern herausliest. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich die Bilder erst danach betrachte, aber ich habe immer den Eindruck: Genau das sind die Gedanken, die Ängste, die Gefühle, eben dass, was hinter der Stirn vorgeht.

Aber auch ohne den Text, würde ich die Angst in den Augen erkennen. Die Ungewissheit darüber, ob sie jemals die Lieben Zuhause wiedersehen werden, ob sie jemals wieder ein Bier mit Freunden trinken können, ihre Liebe im Arm halten können, oder eben den Apfelkuchen der Großmutter schmecken werden.

Wieder einmal hast du mich mitgenommen nach Vietnam. Wieder einmal fühle ich mit den Jungs dort und verdamme die, die den Krieg angezettelt haben.

Die richtigen Wort und die richtigen Empfindungen, die ich im Text gelesen habe - zumindest aus meiner Sicht.

Danke für den März. (Auch wenn deiner schon ein Jahr zurückliegt)

Liebste Grüße

ender

Antwort von RamonaXX am 17.03.2018 | 21:55 Uhr
Guten Abend Ender,

vielen Dank für dein großes Lob. Ich würde es nicht als "Lesen" bezeichnen. Für mich hat es die Bedeutung von "Zuhören". Ich schau die Bilder an und höre ihnen zu. Sie sprechen, die Soldaten auf den Bildern. Alles an ihnen spricht. Ihre Stirnfalten. Ihre Körperhaltung. Ihre Augen. Einfach alles. Was ich höre wandele ich in Text, packe es in eine kleine Geschichte und bring es dem Leser nah. Wenn man so will das Grundprinzip, DAS Handwerk des Stroytellings.

Der Apfelkuchen war mir hier besonders wichtig. Ich fand, dass es einen angemessen harten Kontrast zum restlichen Inhalt der Geschichte darstellt. Besonders zu dem Ort an dem Harry und Steve gerade sind.

>>Wieder einmal fühle ich mit den Jungs<< Wow, was will ich als Autor mehr? Fühlt der Leser mit dem Protagonisten, hat der Autor alles richtig gemacht. Und noch ein kleines Geheimnis meiner Arbeit verrate ich dir liebend gerne. Die Texte (eigentlich alle meine Texte) entstehen nach einem simplen Leitsatz. "Fake it, until you feel it." Klingt hart, wenn man das mein gewähltes Gerne anwendet. Und es hat mich auch schon so manches Mal zum Verzweifeln gebracht. Aber es wirkt. Es ist der Kern meiner Arbeit.

Danke für dein Review zum März.
Ich blicke optimistisch in den April.

Herzliche Grüße
Ramona
01.03.2018 | 19:28 Uhr
liebe Ramona,

ich gebe zu, ich habe mir nicht alles durchgelesen, was du über die vielen jungen Männer geschrieben hast, denen du diesen Kalender gewidmet hast. Doch allein der Tatsache geschuldet, dass du es getan hast, gebührt meine Bewunderung. Sie haben alle wirklich gelebt, oder leben noch. Was sie verbindet, ist dieses schreckliche Ereignis, was du uns in deinem Kalender vor Augen gehalten hast.
Ich glaube, wenn sie es wüssten, was du hier für sie getan hast, wären sie sprachlos, da du ja eigentlich eine völlig unbeteiligte bist. Aber sie wären froh zu lesen, dass es Menschen gibt, denen ihr Schicksal nicht egal ist.
Ich möchte dir noch einmal danken, dass du diesen Kalender zusammengestellt hast und wir ihn mit dir teilen durften. Das war eine außerordentlich gelungene Serie, die uns ein ganzes Jahr hindurch begleitet hat.

liebste Grüße deine Maggie

Antwort von RamonaXX am 01.03.2018 | 21:43 Uhr
Liebe Maggie,

schön dich wieder auf dem Schirm zu haben. Mir war die letzten Wochen so, als seist Du etwas abgetaucht?
Nun reviewst Du wieder fleißig und ich freu mich wieder sehr zu den glücklich Beschenken zu gehören! Deine Reviews sind echt wunderbare Geschenke...

2017, das war Vietnam - für mich ganz eindeutig. (So wie 2018 Holocaust ist/wird.) Ich habe viel Energie und Zeit in dieses Projekt investiert, aber dass muss ich dir wohl kaum erklären, da dein Review ganz klar aussagt, welchen großen Respekt Du vor dieser, meiner Leistung hast. Dafür danke ich dir. Denn deine Worte haben mich sehr bewegt. >>wenn sie es wüssten, was du hier für sie getan hast<< Ja, dass wäre wirklich ein interessanter Gedankengang. Wobei ein bisschen wissen "sie" es ja. Zumindest einer. Ich habe Kontakt zu einem Veteran in den USA, dem ich zwei meiner Gedichte ins Englische übersetzt habe. Und er sagt, ich komme verdammt nah an die Wahrheit, die er selbst vor 50 Jahren in Vietnam erlebt hat...

Wenn das Jahr gut läuft, dann wird es im Sommer oder Herbst diesen Vietnam-Kalender als Hörbuch/Podfic auf youtube geben. Ich träume schon sehr lange davon diese Texte zu vertonen und noch mehr Gefühl mit meiner eigenen Stimme reinzulegen. Wenn's soweit ist, schicke ich gerne einen Link rum...

Liebe Grüße an ein meiner treuesten Leserinnen
Ramona
24.02.2018 | 15:12 Uhr
Liebe Ramona,

wieder hast du aus einem einzigen Bild ein Bildermeer gemacht in meinem Kopf.
Hast einen kleinen Augenblick im Leben dieses Soldaten gezeigt, der doch viel mehr ist, als dieser Augenblick, denn es zeigt das, was diese Männer oft und immer wieder erlebt haben.
So sinnlos, so grausam. Wie viele Leben dort wohl ausgelöscht wurden? Und ich meine nicht die Gefallenen, ich meine die, die zurückkehrten und doch nicht zurückkehrten weil ihre Gedanken im Dschungel gefangen blieben. Dort mit dem Funkgerät auf dem Rücken und der Zigarette im Mund. Angefüllt mit der Angst, es könnte jeden Augenblick ihr letzter sein.

Gerne wüsste ich, wie es Larry ergangen war. Aber wie es an anderer Stelle schon heißt: Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Wieder ein tolles Kapitel

Lieben Gruß

ender

Antwort von RamonaXX am 25.02.2018 | 19:10 Uhr
Hallo Ender,

und da heißt es immer: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Und nun komm ich mit gerade mal 500 Worte und zaubere ein ganzes Meer aus Bildern... Vielen Dank für dein großzügiges Lob.
Ja... Larry ist mir sehr ans Herz gewachsen. Irgendwie ist es schon ein komischer Zufall für mich, dass ich genau jetzt mit einem Jahr Abstand Reviews zum Vietnam-Kalender erhalte. Das ist für mich wie so eine Art kleiner Rückblick, wo ich mit einen Gedanken vor einem Jahr gewesen bin. Und bei Larry weiß ich es noch ganz genau, weil er der erste Charakter war, den ich für dieses Projekt geformt habe - auch wenn seine Geschichte in den Februar fällt.
Nicht mehr im Krieg sein und den Krieg loslassen sind gewiss zwei grundverschiedenen Dinge, den wenigsten gelingt das auf Anhieb und manchen gelingt es nie...
Ich hoffe die anderen "Jungs" wie Kyle, Richard, John und Marcus werden dir ebenso intensiv ihre Geschichte erzählen.

Viele Grüße und nochmal meinen besten Dank
Ramona
16.02.2018 | 22:18 Uhr
Hallo Ramona,
heute habe ich mir einmal die Zeit genommen Dein Profil genauer anzusehen. Der Grund dafür war dieser Kalender 2017. Ich selbst habe GI`s die in Vietnam gewesen waren kennen gelernt. Die Meisten waren traumatisiert. Das aber eine junge Frau, die noch nie einen Krieg oder eine Katastrophe miterlebt hat, sich so in diese Situationen und die Stimmung hineinversetzen kann nötigt mir riesigen Respekt ab.
Jedes Mal wenn ich etwas von Dir lese bin ich erstmal damit beschäftigt über Dein EInfühlungsvermögen zu staunen. Nach und nach werde ich alles von Dir lesen. Vielleicht sogar die Stargate Geschichten. Dazu werde ich Dir auch mal einen Kommentar schreiben, wenn mich etwas besonders berührt hat.
L. G. Günter
PS Ich bin in jungen Jahren auch Motorad gefahren (MOTO GUZZI California)
G.

Antwort von RamonaXX am 18.02.2018 | 10:33 Uhr
Hallo Günter,

nun hast Du also auch hierher gefunden. Schön.
>>Das aber eine junge Frau, die noch nie einen Krieg oder eine Katastrophe miterlebt hat, sich so in diese Situationen und die Stimmung hineinversetzen kann nötigt mir riesigen Respekt ab. << Wow, was für tolle Worte, vielen Dank. Da bin ich fast geneigt zu fragen ob ich diesen Satz auf meiner Website unter den Leserstimmen zitieren darf? Die Chance "echte" GI's zu treffen, hatte ich bis jetzt noch nicht. Aber ich habe seit einem Jahr mit einem Vietnam-Veteran per Mail Kontakt, der 13 Jahre als Ziviliangestellter bis zum Fall von Saigon im April 1975 dort gearbeitet und gelebt hat. Auch er ist traumatisiert und hat mehrere Bücher darüber geschrieben...
Deine Entscheidung, dich durch meine Werke zu wühle, ehrt mich sehr. Ich könnte mir vorstellen, dass Du das ein oder andere Mal die Stirn runzeln wirst. In drei Jahren ist viel Material zusammengekommen und ich sehe selbst meine Fortschritte, wenn ich zurückblättere. Zum aktuellen Thema "Kriegstrauma" würde ich dir gerne noch eine Empfehlung an die Hand geben. Lies mal "Du bist in mir". Das Gedicht setzt sich unmittelbar mit PTBS und dem Vietnam-Trauma auseinander.

Herzliche Grüße
Ramona

P.S. Bis ich sie zu Gunsten der Verwirklichung meiner Website verkauft habe, hatte ich eine Honda CBR 500.
11.02.2018 | 17:18 Uhr
Liebe Ramona,

zunächst einmal Respekt! Flüssiger Schreibstil, perfekte Wortwahl und sehr gut beschrieben. Sogar noch mehr, als ich dann später auf dem Bild gesehen habe.

Es ist nicht unbedingt mein Thema. Zuviel habe ich schon über Vietnam gesehen, gelesen, gehört. Dennoch, so wie du das Bild in meinem Kopf malst, ist es eine andere Perspektive des Ganzen. Es wird persönlicher als es so mancher Film vermitteln konnte.

Bislang dachte ich, die einzige Variante dieses Themas, die ich noch sehen und hören wollte wäre Miss Saigon, aber du hast mich eines Besseren belehrt. Aber ich werde es scheibchenweise zu mir nehmen.

Das Beschriebene wird wohl nie mein Freund werden, doch das Geschriebene hat sogar das Potenzial ein guter Freund zu werden.

Summa cum laude von mir.

Ender

Antwort von RamonaXX am 16.02.2018 | 20:55 Uhr
Guten Abend Ender,

schön dir wieder bei einem meiner Werke zu begegnen! Ich fühle mich echt geehrt. Auch Maggie ist/war ein leidenschaftlicher Leser des Vietnam-Kalenders. Es ist viel Zeit und Leiden(sbereit)schaft in dieses Projekt geflossen, was sicher dem geneigten Leser nicht entgeht.
Mit deiner Haltung bist Du in guter Gesellschaft. Vielen ist das Thema durchaus unangenehm, die Umsetzung hingegen sagt ihnen voll und ganz zu. Ich könnte jetzt noch weiter ausholen, aber ich halt mich zurück. Bitte geh deinen eigenen Weg, in deinem eigenen Tempo durch diesen Kalender, wenn Du es willst. Das ist wichtig. "Scheibchenweise" ist da sicher eine gute Wahl, denn die Intensität der knappen Text ist doch ziemlich hoch und sie sind vollgepackt mit emotionalen Momentaufnahmen...
Ebenso möchte ich dir für einen Vergleich mit "Miss Saigon" danken. Ein große Ehre für mich, dass überboten zu haben. Was mich zu meinem finalen Dankeschön, sprich einer theaterreifen Verbeugung, bringt. "Summa cum laude" hat für mich eine besonders tiefe Bedeutung, wo ich doch 2016 mein Studium kurz vor dem Bachelor abgebrochen habe und so jeder Chance auf diese Wertung entsagt habe. Sie nun für das zu erhalten, was mir wahrhaft am Herzen liegt - das Schreiben (über Krieg) - ist wirklich wundervoll!

Liebe Grüße und nochmal Dankeschön!
Ramona
18.01.2018 | 19:13 Uhr
liebe Ramona,

dieses Kalenderblatt ist eindeutig das beste. Endlich dürfen die Jungs nach Hause. Was für eine Erleichterung müssen sie verspüren, was für eine Euphorie, noch gepaart mit Ungläubigkeit, ob das alles kein Traum ist, ob das jetzt wirklich passiert. Es ist ein glückliches Kalenderblatt und schließt das Jahr ab, genauso wie für die Jungs hier den Krieg. Trotzdem - ein Nachgeschmack wird bleiben, ein Gefühl im Magen, das man nicht wegbekommt, nicht wenn man an die zurückliegenden Monate denkt, die Bilder dieser Zeit wieder im Kopf hat. Doch im Moment herrscht das Glücksgefühl vor, das Gefühl, es geschafft zu haben, am Leben zu sein. Ich wünsche den Jungs einen guten Heimflug.

herzlichst deine Maggie

Antwort von RamonaXX am 22.01.2018 | 20:06 Uhr
Hihi....

Ja, Maggie. Der Dezember ist wirklich ein schönes Kalenderblatt. Mit deiner Meinung reihst Du dich bei diversen Vorrendner ein und ich kann das gut verstehen. Wir Menschen lieben Geschichten die glimpflich ausgehen - und wer von uns kennt nicht das schöne Gefühl nach Hause zu kommen? (Egal wo "Zuhause" ist.) Aber die Wahrheit - gerade die Wahrheit von Soldaten und anderen Menschen, die mit Krieg in Berührung gekommen sind - sieht häufig anders aus. Viele tragen das was sie getan und was sie gesehen haben ein Leben lang mit sich herum. Krieg hat nie ein Happy End. So sehr wir uns das auch wünschen. Deshalb ist das hier auch nicht das Ende des Kalenders. Für mich endete die wirklich letzte Geschichte mit einem ganz wesentlichen Element - das ich nebenbei für viel realisierbare halte, als ein glückliches Ende für alle - die letzte Geschichte endete mit Trost. Wer das anderen Menschen geben kann, hat die Kraft viel zu bewegen...

Ich bin gespannt, wie deine Meinung zu dem Bonus-Kapitel ausfällt.

Liebste Grüße
deine Ramona
02.01.2018 | 13:48 Uhr
So, schon Januar, aber ich komme leider erst jetzt zu Lesen, und besser spät als nie ^^
"Was jetzt kam, war das, was viele immer unterschätzten – das Aufräumen. Es war das, was nie in heldenhaften Geschichten oder Berichten über den Krieg und seine Soldaten thematisiert wurde." <- Ich liebe diesen Satz. Vielleicht nicht mein Lieblingssatz im ganzen Kapitel, aber es ist genau das, was mir jedes Mal in Filmen oder Bücher auch auffällt. Übers Aufräumen redet irgendwie immer keiner. Es gibt "nur" eine Schlacht, und dann ist oft (in fiktiven Welten zumindest) alles gut, aber vom Aufräumen ist nie die Rede. Deshalb finde ich es auch so gut, dass du hier darauf eingegangen bist.
Mein Lieblingssatz war allerdings "Alle Schwüre und Sprüche sich nicht anschießen zu lassen, und sich nach dem Gefecht wiederzusehen, waren manchmal vergebens." Ja, es ist ein trauriger Satz, aber auch hier steckt wieder sehr viel Wahrheit dahinter, und auch wenn es ein sehr hoffnungsloser Satz ist, ist er irgendwie doch auch sehr ... ich weiß nicht "schön" geschrieben. (Auch wenn das natürlich im Zusammenhang mit dem Thema vielleicht nicht gerade der beste Satz ist.) Aber auch "Nichts, außer dem Krieg, der sie zu allen Überfluss auch zusammengebracht hatte." und "Und wenn es hart auf hart kommt, geschieht all das auch in weniger als einer Stunde." war wirklich gut, und genauso eigentlich jeder andere Satz. Du hast die emotionalen Auswirkungen sehr gut beschreiben und das Gefühl auch gut dem Leser näherbringen können.
Und auch wenn es meiner Meinung nach vielleicht kein ganz so guter Abschluss ist, wie der Dezember (den fand ich wie gesagt als Abschluss echt gut) so finde ich war es doch auch wieder ein sehr schöner, gefühlvoller Text, der (soweit ich das sagen kann) sehr schön eine der Situationen dargestellt hat, die man ja normalerweise, wie der Text auch sagt, als "Ziviler" gar nicht richtig mitbekommt.
Und außerdem muss ich dir auch für dein Nachwort gratulieren. Es ist keines diese doch eher langweiligen (die ich auch schreibe), sondern noch einmal viele Informationen und Fakten zu dem Text/den Texten, den/die du geschrieben hast, und daher bleibt es auch interessant zu lesen. Finde ich jedes Mal aufs neue schön, wenn du uns noch einmal ein paar Fakten näherbringst.
Ich wünsche dir noch einen wundervollen Tag, hoffe du bist gut ins neue Jahr gestartet, und wir lesen uns demnächst bei deinem neuen Kalender,
Riri

Antwort von RamonaXX am 08.01.2018 | 19:05 Uhr
Liebe Riri,

diesmal hat’s bei mir etwas länger mit der Antwort gedauert. (Bin eben doch noch nicht wieder fit mit meinem Rücken. So gesehen, hat das Jahr echt blöd angefangen…) Für mich ist der Vietnam-Kalender irgendwie schon seit Weihnachten innerlich abgeschlossen. Liegt sicherlich auch daran, dass ich mich voller Eifer auf den nächsten Kalender gestürzt habe. Du weißt ja schon worum es geht… also bin ich mal sehr gespannt auf deine Meidung.

Aber machen wir nochmal einen Abstecher nach Vietnam, bzw. im „Polember“ nach Korea. *Ramona an sich selbst: Wieso hat mich eigentlich keiner für diese brillante Wortschöpfung gelobt, hä?* Dass Du den ersten Satz liebst kann ich gut nachvollziehen. Es fiel mir auch nicht leicht, so provokant zu schreiben. Aber es ist nun Mal das, was mir tatsächlich aufgefallen ist. Viele Kriegsfilme und Kriegsfilmszenen enden mit oder nach einer Schlacht. Aber niemand „filmt“ die Gesichter der Überlebenden. Niemand, außer manchen Kriegsberichterstatter. So kam dieses Bild im meine wertvolle Sammlung.

Den Satz über das nicht-anschießen-lassen darfst Du ruhig „schön“ nennen. Ich weiß, wie Du das meinst. Und auch ich finde ihn in seiner Tragweite und Dramatik schön. Er bringt zum Ausdruck, worüber zu sprechen doch so schwer fällt. Mein ganz persönlicher Lieblingssatz ist übrigens >>Es war das, was die Leute nicht verstanden, die niemals einen Kampfeinsatz miterlebt hatten.<< Ich mag diesen Satz deshalb so gerne, weil ich mich damit so weit aus dem Fenster gelehnt habe. Denn obwohl ICH das geschrieben habe, gehöre ich genau – oder eben vielleicht aufgrund meines Interesses an dem Thema, doch nicht sooo genau – zu der Gruppe, an die sich der Satz richtet.

Hihi, ja der „Going Home“ wäre ein schöner Abschluss gewesen. Sehr harmonisch und ausklingend. Aber Kriege und Kampfhandlungen klingen nicht harmonisch aus. Insofern stand hinter dem bitteren Beigeschmack des Bonuskapitels schon eine gewisse Absicht. Ich wollte noch einmal die seelische Belastung auf den Tisch bringen und gleichzeitig zeigen, dass Trost kein unerfüllter Wunsch ist.

Ich danke dir für die Gratulation zum Nachwort. Die Fakten zusammenzutragen und zu überprüfen, hat eine Weile gedauert. Aber ich hatte einfach das Gefühl, dass es als Hintergrund wichtig ist. Zumal ich mich ja wirklich lange mit diesen Menschen befasst habe. Ich will mich kein bisschen an ihrem Schaffen bereichern, ich möchte einfach nur ihrer Geschichten weitererzählen, damit sie nicht gleich nach ihrem Tod vergessen werden...

Danke, dass Du diesen Kalender mit so viel Eifer gefolgt bist.
Du bist eine wunderbare Stammleserin! *Ramona knuddelt Riri*
deine Ramona
31.12.2017 | 10:52 Uhr
Liebe Ramona!
Danke für diesen Jahreskalender, der wirklich gut geschrieben war und emotional berührend.
Die Fotos waren so toll, ich hätte sie sonst niemals gesehen.

Wenn man die Welt anschaut, dann ist der 3. Weltkrieg schon längst in Gange.
Denn die ganze Welt war ja nie im Krieg.
Die EU ist längst im Krieg, England, Frankreich, auch D ist in Kriegshandlungen in anderen Kontinenten verwickelt, USA und NATO sowieso.

Ö ist noch neutral, wir werden das aber leider durch die EU demnächst verlieren.
Was besonders bitter ist, weil bei uns noch allgemeine Wehrpflicht ist, ein Milizheer, kein Berufsheer.
D.h., jeder ab 16 muss nach dem Schulabschluss aber noch vor dem Studium zu Bundesheer oder Zivildienst, im Kriegsfalle werden alle  Männer unter 50 eingezogen.

Darum wünsche ich mir Frieden im Neuen Jahr.
Damit nicht noch mehr Männer das erleben müssen, was du hier schilderst immer wieder.

Ich brauche nichts vom neuen Jahr, außer Gesundheit,
aber ich will nicht noch mehr Menschen verlieren...

Ich wünsche dir all das, was du dir selbst wünscht, und noch mehr.
Fühl dich umarmt.
Deine R Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ

Antwort von RamonaXX am 01.01.2018 | 11:55 Uhr
Liebe Net Sparrow,

ich wünsche dir ein frohes Neujahr.
Im letzten Jahr habe ich es nicht mehr geschafft dir zu antworten. ;-)
Aber auf einen Tag kommt es ja auch nicht so genau an.

Nun sind wir also alle in 2018 (mehr oder weniger) angekommen.
Und bevor ich später meinen neuen Kalender starte,
möchte ich mich ganz herzlich für dein Abschluss-Review bedanken.

Soldaten, Krieg und Militär sind eben doch ganz klar meine Themen.
Und ich werde meine Leidenschaft, anderen Menschen
ein Fenster in diese Welt zu zeigen, ganz klar 2018 fortsetzen!
Diese Dinge sind zu wichtig, als wir sie einfach ausblenden können.

Viele Grüße und danke für die Umarmung
Ramona
27.12.2017 | 23:03 Uhr
Ich las mal den Satz, dass Männer nicht weinen.
Falsch, Männer ergreift die tiefste Trauer, wenn sie einen großen Verlust erleiden.
Es wird auch behauptet, dass einen das Leben abhärten würde.
Nein, es ist ein dummer und abwegiger Gedanke.

Alles ist falsch. Das Leben reißt einem nur stückchenweise die Lebensfreude aus den Gliedern.
Ich selbst kenne es. Freitag, aus einem Manöver kommend wurde mir mitgeteilt, dass ich
am Dienstag zur Hochzeit von Uffz Müller fahren sollte. Montag erfuhr ich, dass ich am Mittwoch
zu seiner Beerdigung fahren würde.

In solchen Momenten zerreist es einen, weil alles so ungerecht erscheint.
Noch schlimmer war die Nachricht, dass man mir diese Bürde auslastete das Ehrengeleit
anzuführen und der Braut kondolieren zu müssen.

Ich hatte keinen Kameraden, der meine Gefühle auffing.
Ja, Männer kann die Sentimentalität auch die Beine unter dem Achtersteven weghauen.
Ich finde Du hast es sehr treffend beschrieben.

Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 31.12.2017 | 09:28 Uhr
Auch hier hast Du wieder selbst Erlebtes mit eingebracht. Dafür danke ich dir.
Was ich über Krieg schreibe, bleibt doch zum größten Teil "erfundene Erinnerung".
Erinnerung - weil es eben doch meist die Geschichten von anderen sind.
Und erfunden - weil ich mir die übergeordneten Zusammenhänge im Rahmen einer Geschichte ausgedacht habe.

>>Das Leben reißt einem nur stückchenweise die Lebensfreude aus den Gliedern.<<
Wobei "stückchenweise" hier wohl das schlimme daran ist....

Wie schon im Vorwort erwähnt, war das Bild einfach zu bewegend, es nicht mit reinzunhemen.
Am Ende ist es auch ein klein bisschen egal ob Korea, Vietnam, WW2 oder WW1.
Ich habe auf meiner "Reise" festgestellt, dass in jedem Krieg die gleichen, schrecklichen Dinge passieren.
Oder wie von Clausewitz gesagt hat: "Krieg ist ein Akt der Gewalt und in der Anwendung derselbigen gibt es keine Grenzen."

Es ehrt mich zu hören, dass ich auch dieses besondere Bild mit meinen Worten glaubhaft nachgezeichnet habe.
Es für den Leser erlebbar gemacht habe.

Viele Grüße
Ramona
27.12.2017 | 02:09 Uhr
Entweder sie kamen hier raus oder sie verreckten hier. Etwas dazwischen gab es für sie nicht.
Bitte das erste hier streichen.
Die zweite kleine Anmerkung. Die Bell UH machte sich immer durch ihr tuckerndes Geräusch bemerkbar, welche für Zweiblattrotoren kennzeichnend ist.
Es ist ein unverkennbares Kennzeichen, so das es viele viele Bezeichnungen für dieses Fluggerät gibt.

Genau bei der Landung müssten zwei Sachen passieren. Der Sergeant oder Leutnant müsste die Soldaten zur Rundumsicherung aufrufen. Es ist ein schwacher Moment.
Zudem müssten Befehle gegebene werden. Die Verwundeten zuerst. Baxter, sie den 2. Heli usw.

Der Zugführer beobachtete die Umgebung in solchen Momenten immer mit Argusaugen.

Ja, das Gefühl der Erleichterung ist übermächtig, es muss heraus. Das ist alles soweit stimmig und trifft es. Eine grenzenlose Erleichterung. Jetzt springe ich dem Verrecken von der......

Viel mehr kann ich nicht beitragen, weil der Rest von Dir verarbeitet wurde.
Gruß Christian

Antwort von RamonaXX am 30.12.2017 | 17:01 Uhr
Hallo Christian,

vielleicht hab ich doch zu viele der heldenhaften Kriegsfilme gesehen?
Ohne Frage rutsche ich hier in Richtung "falscher Mythos" ab.
Aber es ist ein bewusstes "gleiten lassen."

Über die Zeit hat sich meine Einstellung zur heroisch/heldenhaften Darstellung von Krieg sehr gewandelt.
Ich weiß, dass es nicht der Wahrheit entspricht, aber dennoch habe ich nach einer Daseinsberechtigung dieser Form gesucht.
Inzwischen denke ich, dass ein mögliche Motivation dazu sein kann, etwas reparieren zu wollen. Zumindest im Fiktiven.
Man denke nur mal Chuck Norris, der 1970 einen Bruder in Vietnam verlor.
Was hätte als Schauspieler mehr Sinn ergeben, als dieses Schicksal mit einem Heldenkriegsfilm zu flicken/verarbeiten?

Mit dem "Huey" habe ich mich mal ein Weilchen beschäftigt.
Dazu ist auch ein eigener Text entstanden: "Das Märchen der Luftkavallerie"
Ist einer der wenigen Texte, wo ich es mal mit der humorvollen Seite versucht habe...

Viele Grüße
Ramona
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