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Autor: RamonaXX
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt) für Kapitel 1:
26.12.2016 | 14:08 Uhr
Hi Ramona,

diese Unsicherheit die Chris erfasst hat, zeigt wie einsam er ist und sich nach einer liebevollen, beschützenden Umarmung und Berührungen sehnt.
Nach mehr, als nur harmlosen Berührungen sehnt. Nach einem Menschen, der ihm das Gefühl gibt, er könnte sich bei all dem Leid was sie erleben, einfach bei ihm fallen lassen.
Das es Elias ist, der ihm dieses Gefühl geben kann, bringt ihn in Zwiespalt, weil er eben nicht Schwul ist und Elias auch nicht.
Aber er braucht jetzt die Nähe von ihm, was wiederum Elias unsicher werden lässt und ihn glauben lässt, dass Chris schwul ist.
Als sie sich endlich gestehen, dass sie beide nicht schwul sind, höre ich irgendwie immer noch einen Hauch Unsicherheit heraus.
Auf beiden Seiten. Aber es ist die Situation, dieser Krieg, die beide in Zwiespalt versetzt. Sie können und werden wohl nie zugeben, dass sie vielleicht doch mehr füreinander zu empfinden.
Sei brauchen die Nähe zueinander, vor allem Chris. Es hilft, mit all dem was sie gerade erleben besser umgehen zu können, wenn es Momente gibt, in denen sie sich geborgen fühlen, egal bei wem.
Das war wieder ein sehr unter die Haut gehende Geschichte und sehr schön und feinfühlig geschrieben - Dankeschön dafür. :-)

Liebe Grüße
John´s Chaya

Antwort von RamonaXX am 26.12.2016 | 22:02 Uhr
Hallo John’s Chaya,

wow, vielen Dank für das ausführliche Feedback. Du hast dir ja echt Gedanken um die Beziehung von Chris und Elias gemacht. Dass mit dem "sich-fallen-lassen" ist sicher ein wesentlicher Aspekt, warum es Chris wieder zu Elias zieht und er sich wünscht erneut bei ihm im Arm zu liegen. Die Begegnung auf den Wachposten hat ihm eigentlich erst so richtig klar gemacht, wie große seine Bedürftigkeit ist. Aber Moral- und Wertevorstellung widersprächen halt diesem Gefühl, was Chris in sich spürt.

Aus deinen Zeilen lesen ich, dass der verworrenen Konflikt mit dem „aneinander-vorbei-reden“ und dem „ICH-bin-nicht-schwul“, wie gewünscht beim Leser angekommen ist. Vielen Dank für deine detaillierte Schilderung zu diesem Punkt.

Unsicherheit auf beiden Seiten.
Ja, da ist was dran. Es geht ja mit den beiden auch noch weiter. Sich zu der Zeit (in den Sechzigern, mitten im Vietnamkrieg, in einer reinen Männergesellschaft) einzugestehen, dass man schwul ist, ist ein gewaltiger Schritt. Es einfach zu leugnen scheint da auch ein bisschen die Angst zu nehmen, denke ich.

Wie viel sie wirklich für einander empfinden, wird sich noch zeigen! (Mir schwirrt da noch eine weitere Fortsetzung im Kopf umher.) Es stimmt, Chris ist hier die treibende Kraft. Aber er wird auch noch die Auswirkungen von dem zu spüren bekommen, was er da bei Elias angestoßen hat... Mit diesen Worten verweise ich jetzt einfach mal auf den zweiten Teil, den ich hochgeladen habe. Ich würde mich freuen lesen dürfen, ob das zweite Kapitel auch so „unter die Haut geht“?

Liebe Grüße
Ramona
26.12.2016 | 14:03 Uhr
Liebe Ramona!
Ist ein Zweiteiler? Könnte aber auch gut so für sich stehen.
Ich schicke ein Sternchen mit, denn mir hat die Geschichte sehr gut gefallen.
Auch dein Vorwort.
Wir haben uns über dieses Thema ja schon mal anlässlich des Prequels (muss man nicht gelesen haben, hilft aber) "unterhalten".

Man muss die Thematik aber auch historisch sehen.
Der Vietnamkrieg begann 1955, also lang vor unser aller Geburt.
War doch schon die freiere (heterosexuelle) Liebe in der Hippie-Zeit *shocking*, die langen Haare der Beatles usw.
Du schreibst es ja selbst, damals kam man ganz leicht in die Psychiatrie dafür.
Und wer als Soldat keine Rückendeckung bei seinen Kameraden hatte, der hatte kein langes Leben.
Was heute fast schick ist auch unter Prominenten, Politikern, in Filmen und Serien, wo jeder schwule Männer im Alltag kennt,
wo die Toleranz der Bevölkerung da ist auch im öffentlichen Raum, war damals noch nicht.
Und selbst heute erschrecken sich Jungs, wenn sie merken, dass sie anders fühlen als die meisten ihrer Freunde, und als ihre Eltern.
Also selbst wenn Chris und Elias hier drauf kämen, dass sie sie bi oder schwul wären, so wäre ihr Erschrecken darüber und die anfängliche Leugnung durchaus glaubhaft.

Elias macht das nicht zum ersten Mal, scheint mir.
DADT ist zum Glück Vergangenheit,
aber in einer Männergesellschaft bleibt es wohl immer problematisch, wenn ein Mann hetero Männer angräbt.
Frauen müssen sich das von Männern schon von je her gefallen lassen im Alltag, auch im beruflichen.
Ich weiß nicht, warum Männer davor so Angst haben, auch Frauen können nur hoffen, dass ihr "Nein" akzeptiert wird.

Ich bin froh, dass Elias sich auf das Gespräch mit Chris einlässt.
Es gibt nichts schlimmeres, als Dinge nicht anzusprechen oder auszusprechen.

Wir alle sehnen uns nach Umarmungen und Körperwärme. Erst recht in so einer feindlichen Umgebung.
Wo ein Kamerad die Lebensversicherung ist und oft auch schon Lebensretter war.
Es sind junge, vitale Männer weit weg von der Heimat oder von Frauen.
Und die Vergewaltigungen in Vietnam von US-Soldaten an einheimischen Asiatinnen waren doch überaus verachtenswert.

Und es ist Unsinn, wenn man sich selbst befriedigt ohne zu wissen, ob man morgen noch lebt,
wenn es da eine warme Hand gäbe, die das gleiche macht.
So viel anders sind Handjobs oder Blowjobs nicht, die ein Mann bekommt. Egal ob von einer Frau oder einem Mann gegeben.

Umarmungen und "Kuscheln" hat ja überhaupt nichts mit Sexualität zu tun,
das ist purer Trost, Einsamkeit, Wärme.
Aber die beiden wollen schon mehr.

Es ist schon was Sexuelles.
Ein bisschen bi schadet nie. Also die meisten von uns könnten sich Knutschen oder Petting vorstellen auch mal mit jemand vom eigenen Geschlecht.
Aber ein Zusammenleben mit einem fixen Partner des eigenen Geschlechts dann schon weniger, da reicht die Anziehung dann nicht aus.
Und es kann durchaus auch jemand geben, der sich einfach verliebt in den einen besonderen Menschen, wo das Geschlecht dann egal ist.
Im Gefängnis, im Krieg gibt es diese "temporäre, anlassbezogene" Homosexualität sicher, bei Männern und bei Frauen, wenn sie nur unter ihresgleichen sind und weit weg von daheim.

Ich wünsche dir noch schöne Tage zwischen den Jahren,
dass du dich beschützt fühlst
und dir das Neue Jahr Gesundheit, Glück, Liebe und Frieden bringen möge.

Liebe Grüße und genieß noch den letzten Feiertag
(im kathol. Ö: 1. Weihnachtsfeiertag = Christtag, 2. Weihnachtsfeiertag heute = Stefanitag).
R ♥

Antwort von RamonaXX am 26.12.2016 | 21:36 Uhr
Hallo Net Sparrow,

tausend Dank für dein ausführliches Review. Das war wirklich ein Genuss zu lesen und ich hab’s gleich drei, vier Mal hintereinander getan, weil Du auf so viele Einzelheiten eingegangen bist. Häufig schaffst Du es ja in deinen Reviews mit wenigen Worten sehr treffend auf den Punkt zu kommen, umso mehr freut es mich, dass es hier so viel für mich zu lesen gab und jetzt zu kommentieren gibt.

Also zunächst mal bedanke ich mich für den Stern *freu* und dann für die lobende Erwähnung des Vorwortes. Da war für mich tatsächlich ein wichtiger Aspekt und sollte als eine Art Einleitung für die Geschichte fungieren, weil es eben doch im Vergleich mit typischen Slash-Geschichten so ganz anders ist.

Ja es stimmt, wir haben uns über das Thema schon rege ausgetauscht. Schön, dass dieser Austausch jetzt eine Vorsetzung erfährt und Du deine Gedanken dazu äußerst. Historisch könnte man den Krieg in Vietnam auch so einteilen (wobei die Grenzen zerfließen): 50er Franzosen, 60er Amerikaner und 70er Chinesen. So hat es zumindest im Groben Peter Scholl-Latour in seinem bekannten Buch „Der Tod im Reisfeld“ getan. Was sicher stimmt, dass über alle die Jahre hinweg Homosexualität ein Tabuthema war, was es heute nicht mehr – oder nicht mehr so sehr – ist.

Insofern habe ich mich bemüht „zeitgemäß“ zu schreiben und sowohl Elias als auch Chris viele Gedanken und Zweifel eingesät. Du hast recht, es schreckt sie beide, dass sie sich so zu einander hingezogen fühlen.

Elias macht das nicht zum ersten Mal?
Ich nehme an, dieser Gedanke kommt von seinem Satz >>das hat sich immer so ergeben<<. Ja, so in etwa war der angelegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Elias schon früher Kontakte zu anderen Männern hatte, die sich nah an der Schwelle zwischen „freundschaftlichem Anlehnen“ und „sexueller Zuneigung“ bewegt haben. Sonst hätte Chris auf dem Wachposten vielleicht gar nicht erst umarmt?!

Das Gespräch sehe ich immer noch als Schlüsselpunkt. (Gerade mit Sicht auf den zweiten Teil/Kapitel – der jetzt online ist.) Bei ihrer ersten Begegnung haben sie kaum miteinander gesprochen, schon gar nicht über das, was zwischen ihnen gelaufen ist. Und das solche Aussprach etwas holperig verlaufen und man im ersten Moment aneinander vorbeiredet, ist – denke ich – auch ganz natürlich.

Bezieht man die von dir genannten Umstände mit ein, dann ergeben sich für mich drei Varianten zum Abbau sexueller Triebe: Masturbation, Homosexualität, Vergewaltigung. Und alle drei sind "Begleiterscheinungen" des Krieges. Eigentlich ein trauriger Zustand.

„Kuscheln“ hat nix mit Sex zu tun?
Hm, ja. Grundsätzlich würde ich dem so zustimmen, aber es kann halt sehr schnell heikel werden, wenn der eine mehr will und der andere nicht. Außerdem sollte man bei diesem Punkt auch die individuelle Persönlichkeit in Betracht ziehen. Für den einen (egal ob Mann oder Frau) ist es total okay, wenn sich der Freund oder die Freundin mal anlehnt. Und der nächste empfindest das schnell als ein „auf-die-Pelle-rücken“.

Ein bisschen bi schadet nie!
Das ist wirklich sehr süß umschrieben. Und irgendwie könnte es die Antwort sein, die Elias sucht. Dass Chris ihr Verhältnis als definitiv nicht sexuelle darstellt, ist primär eine Schutzbehauptung, als das es der Wahrheit entspricht. Es zu leugnen macht es den beiden leichter aufeinander zuzugehen, den ihnen ist sehr wohl klar, dass sie sich damit auf verdammt dünnen Eis bewegen. „Temporär und anlassbezogen“, das sind sicher auch Wörter, die die Situation der zwei treffend umschreiben. Unter normalen Umständen (also ohne die Schrecken des Krieges und die große (emotionale) Bedürftigkeit die daraus erwächst) wären Elias und Chris sicher nicht auf derartige Weise zusammengekommen. Es ergibt sich einfach aus dem feindseligen Klima, aus dem sie gerne ausbrechen möchten...

In diesem Sinne Danke ich dir für dein ausführliches Review.
Und würde mich herzlich freuen, wenn Du zum zweiten Teil/Kapitel auch deine Meinung dalässt.

Liebest Grüße zurück
Ramona

P.S. Das in Österreich die Festtag anders heißen wusste ich nicht! Aber ich hätte es wissen können, schließlich leben meine Paten in Wien und schicken jedes Jahr ein Päckchen mit diversen Leckereien und Weihnachtsgrüßen. Ich hab aus meiner Kindheit noch viele Erinnerungen an die Stadt...
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