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Autor: Liniath
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
20.11.2016 | 10:40 Uhr
Wow.
Einfach nur wow. Normalerweise, das gebe ich gern zu, umgehe ich Storys aus dem Genre Drama ganz gern, ich bin da ziemlich Happy-End-süchtig. Aber ich dachte mir, na gut, wagst du es halt trotzdem mal.
Und ich muss sagen, ich bereue es absolut nicht. Auch wenn diese letzten Sätze voller Verzweiflung mich total zu Tränen gerührt haben.

Ich fand, dass du die ganze Situation wahnsinnig gut dargestellt hast, auch wenn die eigentliche Sünde, die Mercutio begangen hat, nur aus seiner Erinnerung heraus beschrieben wird, und nicht im direkten Erzählkontext.
Gut fand ich auch Mercutios Reaktion darauf. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich weiß, wie man sich fühlt wenn man gerade jemanden umgebracht hat, aber ich denke, du hast es realistisch dargestellt. Er steht nicht einfach auf und vermöbelt den nächsten Capulet, der ihm vor die Nase läuft, sondern er rennt weg. Das fand ich sehr gut nachvollziehbar.
(Etwas gestolpert bin ich, als Mercutio sich an den Mord erinnert hat und sagt, er sei entwaffnet worden. Nur einen halben Satz später greift er zur Waffe. Sicher, mag sein dass sein Dolch nur ein paar Zentimeter von seiner Hand entfernt lag, aber es las sich im Kontext etwas holprig.)
Etwas seltsam aufgestoßen ist mir Tybalts gesamte Reaktion (bis auf die Maulschelle, als er von Mercutios Tat hört), aber wer bin ich, auf Canon- und Figurentreue zu pochen, wenn ich selbst regelmäßig die hervorragendsten Eigenschaften des Katzenprinzen zu weich zeichne? Andererseits, denke ich, kann es vielleicht doch zu Tybalt passen. Wir wissen ja nicht, was er gerade vorher getan hat, und wenn er eben erst, sagen wir, aus der Kirche kam, dann ist es gar nicht so unwahrscheinlich. Anhand des großen Kreuzes, das der Schlachtenführer trägt, bin ich nämlich geneigt, ihn sehr gläubig zu gestalten, und dann sind ihm Vergebung und Barmherzigkeit nicht fern. (Seinen Feind dann zu küssen vermutlich schon, aber mal ehrlich - in dieser Situation, und wenn er ohnehin Mercutio wenigstens zu begehren scheint...wen stört es?)
Ich mochte auch das Ende, auch wenn es, wie gesagt, mich zu Tränen gerührt hat. Aber es stimmt ja. Sie kommen aus dieser vertrackten Situation nicht weg; einer als Anführer der Capulets und vermutlich auch als Erbe der Familie in Verona, sollte Julia außerhalb der Stadt heiraten, und einer als Neffe des Fürsten, der möglicherweise auf die Nachfolge seines Onkels vorbereitet wird. Gerade diese beiden können nicht einfach fliehen. (Schon gar nicht, bis sie ihr von Shakespeare geschriebenes Ende ereilt hat...)

Inhaltlich wie gesagt fand ich deinen OS top, und ansonsten habe ich nur ein paar kleinere Dinge anzumerken, die vor allem die Form betreffen.
Zum ersten, aber ich denke, das ist Geschmackssache: Der Plural von Montague und Capulet wird (für mich) mit einem "-s" gebildet, ich kenne es einfach auch im normalen Sprachgebrauch nicht anders. Aber gerade bei solchen historischen Gegebenheiten, denke ich, kann man darüber hinweg sehen.
Zum zweiten: Hin und wieder schleichen sich bei dir Fehler(-chen) in Sachen Groß- und Kleinschreibung ein (und wir rennen, klein weil Verb), ebenso mit Auseinander - und Getrenntschreibung von zusammengesetzten Verben, so zum Beispiel im vorletzten Absatz "...da er widerte er den Kuss...", und erwidern schreibt sich zusammen. Solche kleinen Sachen sind eigentlich nicht störend, fallen aber (mir zumindest) in der Summe doch auf. Zu umgehen ganz einfach mittels eines Betalesers, oder, wenn du so jemanden nicht hast/willst, dann mittels Duden. Einfach schauen, wie man die Wörter schreibt. Ich weiß, ist lästig, aber selbst ich schlage immer wieder nach, und als jemand, der beruflich mit Texten und Büchern arbeitet, sollte ich das eigentlich aus dem Effeff können.
Angenehm zu lesen dagegen sind deine Absätze, sie unterteilen den Text gut, ohne ihn zu sehr zerpflückt wirken zu lassen.
Zum dritten aber, was mich persönlich etwas stört: die eingebundene wörtliche Rede. Für mich ist es schwer, einem Dialog zu folgen, der so mittendrin steht, ich finde es übersichtlicher, wenn jede Antwort in einer neuen Zeile steht. Allerdings ist auch das denke ich Geschmackssache, andere mögen es vielleicht nicht, wenn der Text dadurch so zerrupft aussieht.

Alles in allem aber finde ich diesen OS sehr gelungen und danke dir sehr für die Veröffentlichung. Weiter so und gern mehr von dir!

Liebe Grüße,
Asia
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