Autor: Siam
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
09.07.2020 | 09:25 Uhr
zu Kapitel 1
Warum bin ich eigentlich erst jetzt über diese Geschichte gestolpert? ( - Weil im Winter keine Erdbeeren wachsen)

Ach, meine liebe Siam,
das war jetzt genau das, was ich bei diesem grauen Drömelwetter da draußen gebraucht habe. Dein Kitsch hat mir die Langeweile auf der Arbeit sehr versüßt - obwohl: so kitschig ist der Oneshot eigentlich ja gar nicht. Zumindest, wenn man den Hintergrund betrachtet.

Verluste treffen einen immer irgendwann. Egal, ob man sich damit auseinander setzen wollte oder nicht. Es kann Wochen, Monate oder - wie in diesem Fall - sogar Jahre dauern. Aber ich bin sehr froh, dass sich Shannon mit dem Verlust auseinander gesetzt hat und auch, dass für ihn und Tomo so ein Neuanfang überhaupt erst möglich geworden ist. Jetzt gibt es nichts mehr zu verstecken und die beiden können sich noch mehr auf ihre Beziehung einlassen.

Ein bisschen Kitsch (oder auch ein bisschen mehr) hat noch niemandem geschadet und das fluffige Ende macht die Story fast ein bisschen versöhnlich.
Ich gehe jetzt mal dein Profil genauer beschnüffeln um zu sehen, was ich eventuell noch alles verpasst habe.

*Flausch*
Mara (anonymer Benutzer)
26.01.2017 | 00:14 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe Siam,

ja, es kann sehr schmerzhaft sein zu erkennen, welche Chancen man im Leben nicht ergriffen hat und wann man es versäumt hat, anderen Menschen die gebotene Zuwendung und Unterstützung zu gewähren.
Könnte man die Uhr doch nur zurück drehen... Wäre man doch damals ein Anderer gewesen, wäre man doch fähig gewesen, verantwortungsvoller und ehrlicher zu sein. Weniger feige. Weniger selbstsüchtig. Klüger. Vorsichtiger. Rücksichtsvoller. Jemand, auf den man sich verlassen kann. Jemand, dem man trauen kann. Nicht so klein und nicht so schwach. Irgendwie stärker, irgendwie größer, irgendwie besser... ach, wäre man mehr als das, was man ist, wäre man doch der, der man sein will. Ein guter Mensch.
Schuld und Scham, das ist etwas, was schwer lastet, etwas, was kaum auszuhalten ist... lähmend, hemmend, quälend. Zerstörerisch. Nach innen und nach außen. Etwas, das nicht gut tut. Etwas, das man loswerden muss.
Besser spät als nie. "Yesterday is calling" - Wie wichtig, wie richtig und wie mutig, sich der Vergangenheit stellen zu wollen, mit all den möglichen Folgen... Ja, es wäre so viel einfacher, alles, was gewesen ist, vergessen zu können und so weiter zu machen wie bisher... Doch das geht nicht, nicht für Shannon. Es ist an der Zeit zurückzuschauen, auch wenn es schwer fällt, auch wenn es weh tut. Es muss sein... um seiner selbst und um der anderen willen. Um der Liebe willen. Um der Freundschaft willen. Um der Wahrheit willen. Und all der Fehler wegen... all der Dinge wegen, die zum Menschsein dazu gehören.
Was für eine Geschichte... wie schmerzhaft und wie schön zugleich! Eine Parabel über das Leben und den Tod. Über Schuld, Reue und Vergebung. Über Trauer und Trost, über Versöhnung und Frieden. Alles, was unsere Existenz bedingt und begleitet... Und das in einer Dichte und Direktheit, die es unmöglich macht, sich dem entziehen zu können. Wenn man diese Geschichte liest, dann muss man fühlen, dann muss man leiden, dann muss man verstummen und dann muss man reden. So wie Shannon und Ivana und Tomo.
Besser spät als nie.- Den Anfang machen, etwas Neues wagen... um das Alte hinter sich lassen zu können. Der Zukunft wegen... Das sind wir uns schuldig. Immer.

Liebe Siam, Deine Geschichte ist, wie ich finde, ein kleines Meisterwerk der Erzählkunst. Und genau das ist es, was es so schwierig macht, darüber schreiben zu wollen. Was könnte dem, was Deine Geschichte ausmacht, angemessen sein?
Was soll man sagen, was kann man schreiben, wenn nichts auch nur annähernd das auszudrücken vermag, was man beim Lesen gefühlt und gedacht hat?
Und doch habe ich es hiermit getan... obwohl ich eigentlich nichts hineinlesen, nichts übersehen und nichts hinzutun wollte. Denn es ist alles schon da, es ist alles in Deiner Geschichte bereits enthalten, über was es sich zu schreiben lohnt... und wie man es tun sollte. In dieser so wunderbar leisen, unaufdringlichen und unaufgeregten Erzählweise... ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Pathos. Warmherzig und liebevoll.
Großartig!

DANKE, liebe Grüße - Mara