Reviews 1 bis 6 (von 6 insgesamt):
13.12.2015 | 20:10 Uhr
zur Geschichte
Was immer du auch für einen Historienfilm gesehen hast, wo die Armeen nur in einem wilden Haufen gegeneinander anstürmen:
Möglichkeit 1: Es handelt sich um eine relativ primitive Kultur für die "Taktik" ein Fluss auf dem anderen Kontinent ist
Möglichkeit 2: Der Filmemacher hat schlampig gearbeitet

Strategie und Taktik waren im europäischen Raum allerspätestens mit den Reichen der Perser und Griechen professionelle Angelegenheit (und dafür gab es dann eben die Offiziere und Generäle) und die Römer kultivierten es bei ihren Eroberungszügen, siehe das Video unten:
https://www.youtube.com/watch?v=ygsa6iO8X9o
Hier vor allem 1:50, wo die Römer sich mit der "Schildkröten"-Formation gegen einen Pfeil-und Speerhagel der Germanen schützen.
Das ging dann auch nicht im Mittelalter verloren. Zum Uschleim der Taktik gehörte da:
*Immer solide Reihen bilden, damit der Gegner einen nicht so leicht umgehen und in die Flanke fallen kann. Kann man die gegnerische Linie durchbrechen und deren nichtsahnenden Truppen weiter links und rechts in die Flanke fallen, ist die Schlacht so gut wie gewonnen, weil mann dann in einer soliden Gruppe, die verstreuten und verwirrten Gegner nacheinander einzelne erledigen kann.
*Lanzen-und Speerträger müssen unbedingt in einer soliden Reihe vorne stehen, weil deren Waffen als einzige Lang genug sind, um die Pferde der feindlichen Kavallerie aufzuspießen, bevor sie auf Schwertweite ran kommen. Schwertkämpfer und Bogenschützen zu Fuß werden der Kavallerie absolut niedergemacht.
*Die Bogenschützen an eine erhöhte, möglichst sichere Position stellen, damit die feindlichen Infantrie- und Kavallerietruppen nicht an sie ran kommen und sie aus der Distanz permanent Pfeile auf den Gegner abschießen können.
*Kavallerie kann sich dank der schnellen Pferde viel schneller auf dem Schlachtfeld bewegen als jeder Fußsoldat. Perfekt geeignet um die Frontreihe des Gegner zu umgehen und ihm schnell in den Rücken zu fallen oder bei Lücken in ihren Reihen nachzustoßen und ihre Formation zu zerschlagen.
*Berittene Bogenschützen sind eine sehr feine Sache, weil sie immer wieder schnelle Angriffe reiten und dabei die feindlichen Reihen mit Pfeilhageln aus der nächsten Nähe überschütten können, um sich dann wieder schnell zurück zu ziehen und dann erneut anzugreifen. War das Erfolgsrezept der Mongolen.
Das ist wirklich nur simpel, bei Schlachten wie Waterloo oder Gettysburg war es richtig kompliziert.
https://www.youtube.com/watch?v=7ALyq3seK2g
https://www.youtube.com/watch?v=nDZGL1xsqzs

Ähnlich ist dann auch die entscheidende Schlacht bei Brenna im letzten "Hexer"-Roman ("Die Dame vom See"), die über 100 Seiten geht und uns aus 5-6 verschiedenen Blickwinkeln auf beiden Seiten (Fußsoldaten, Offiziere, Söldner und Feldchirugen) gezeigt wird.
Da ändert sich die Lage wieder und wieder und es steht bis kurz vor Schluss nicht fest wer dann gewinnt. Am Ende siegt der Norden, trotz zahlenmäßger Unterlegenheit.
Insbesondere weil an einer entscheidender Stelle der "Freiwillige Haufen aus Mahakam" ( Zwerge, die alle genau wussten dass man sie zu den gefährlichsten Stellen schickte), die "Condottieri-Freikompanie" (Söldner aus dem neutralen Kovir) und die "Arme Beschissene Infanterie" (ein wilder Haufen aus Wehrpflichtigen und Freiwilligen) ihre Stellungen gegen die Nilfgaarder Eliteeinheiten hielten, trotz schwerer Verluste.
http://hexer.wikia.com/wiki/Schlacht_von_Brenna
http://hexer.wikia.com/wiki/Mahakamer_Freiwilligen_Haufen
http://hexer.wikia.com/wiki/Gottverdammte_Infanterie
http://hexer.wikia.com/wiki/Freie_Kompanie
Jahrzehnte später beschreibt eine Teilnehmerin es so: "Es stand alles auf der Kippe. Wir und die anderen waren aneinander verkeilt, alles hing davon ab, wer länger standhalten würde. Und für einen winzigen Moment hielten wir länger stand als die anderen. Nur deshalb gewannen wir."

Ach, und ja, wir sehen wie vor der Schlacht fünf 16/17-jährige Bauernsöhne desertieren und sich dabei noch Pferde und Waffen klauen. Damit reiten sie dann während der Schlacht in ein Halblings-Dorf im Hinterland ein, wo nur noch Frauen, Kinder und alte Männer sind, da sämtliche lokale Halblingsmänner ebenfalls als Fuhrleute und Feldärzte Dienst in der nördlichen Armee tun.
http://hexer.wikia.com/wiki/Rusty
http://hexer.wikia.com/wiki/Andy_Biberveldt
Die fünf Amigos glauben dann natürlich dass sie dort nach Herzenslust plündern und den kleinen Halblings-Mädchen zeigen können was "große Männer" sind.
Allerdings wissen sie nicht, dass Halblinge sehr kräftig und zielsicher scharfe Sachen werfen können. Und was man so alles mit Mitgabeln, Pflanzmessern und Sicheln anstellen kann.
Anschließende Gespräche zwischen den Halblingsbauern zeigen, dass das nicht die ersten Möchtegern-Marodeure in ihrem Dorf waren ("Führt die Pferde in den Stall und durchsucht die Leichen nach Nützlichem. Danach werft die Kerle in die Jauchegrube, zu denen die gestern hergekommen sind.")
http://hexer.wikia.com/wiki/Hildebrandts

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 22:21 Uhr
Na ja, es waren so einige Filme. Ich weiß aber nicht, inwieweit sie historisch korrekt waren, bzw. ob es die dort erwähnten Leute, wirklich alle gab. Üblicherweise geht eine der Gruppen, manchmal auch beide, zuerst noch nach einer Taktik vor, doch das wird beim Beginn der Schlacht schnell aufgegeben, und alle stechen und hacken nur noch aufeinander ein. Als da wären: "300", "Braveheart", "Last Samurai", "Der Patriot", "Im Alleingang" und "King Arthur", und noch ein paar mehr.

Oh, da hätten die fünf Jungs die Halblinge wohl besser lieb und nett um Hilfe und Obdach gebeten. Dagegen ist Enno ein lieber Bursche.
13.12.2015 | 18:10 Uhr
zur Geschichte
Meinst du mit "Barbaren" speziell die Maddrax-Barbaren oder sogenannte Barbaren allgemein?
In der richtigen Welt ist das Klischee der "Barbaren" die den lieben langen Tag nur grunzend durch die Wälder streifen, Wildscheine jagen und angelegentlich mal ein zivilisiertes Dorf plündern absoluter Blödsinn, den sich schriftkundige Völker wie die Römer und christlichen Mönche aus den Fingern gesogen haben, um ihre eigene Kultur als absolut überlegen darzustellen.
Völker wie die Wikinger, die Germanen und die Kelten hatten sehr wohl komplexe Kulturen mit Handwerk, Handel , Mythologie und friedlichen Kontakten zu ihren Nachbarvölkern. Von den sogenannten "Wilden" in den Amerikas und Subsahara-Afrika vor der Kolonisation ganz zu schweigen. Mit denen haben die europäischen Entdecker und Händler sogar ein paar hundert Jahre lang auf Augenhöhe friedlichen Handel geführt (vor allem die Irokesen verdienten sich dämlich am Handel mit Biberpelzen gegen europäische Feuerwaffen, Eisenwaren und Wollstoffe) bevor die großen Siedlungswellen nach Amerika begannen und Afrika im 19. Jahrhundert methodisch kolonisiert wurde.
Und Sklaverei, vor allem mit Kriegsgefangenen, hatten praktisch alle Völker in der einen oder anderen Form, das ist keine rein europäisch-amerikanische Sache.
https://en.wikipedia.org/wiki/Arab_slave_trade
https://en.wikipedia.org/wiki/Barbary_slave_trade
https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_Africa
https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_slavery_in_Asia
https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_among_Native_Americans_in_the_United_States#Traditions_of_Native_American_slavery


Wenn die Maddrax-Autoren ihre "Barbaren" tatsächlich nur auf dumpfe Höhlenmenschen-Klischees beschränken muss ich das leider als echten Minuspunkt für die Serie werten.

He, als würde es bei Vergewaltigung in Kriegszeiten darum gehen, dass man das Opfer attraktiv findet:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung#Vergewaltigungen_im_Krieg
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung#Vergewaltigung_als_Kriegswaffe
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung#Gruppenvergewaltigung

Und selbst wenn die Wulfanen die Menschen der Stadt eben lieber als Proviant für ihre Armee benutzen wollen, finde ich das jetzt nicht unbedingt beruhigender für die Einwohner.
Geschweige denn dass es in solchen Zeiten absolut normals ist wenn "in der Hitze der Schlacht" noch ein paar Dutzen bis Hundert bis Tausend Zivilisten mit getötet werden.

"Nur damit kein feindlicher Wulfane die Stadt betritt?"
Na, warum greifen die Wulfanen und Barbaren denn die Stadt dann an?
Wollen die sich dort bloss Zuckerwatte kaufen, einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt machen und am Ende des Tages mit einem freundlichen Winken wieder nach Hause fahren?
Oder wollen die das, weshalb solche "primitiven" Gruppen üblicherweise Städte angreifen: Plünderung von Nahrungsmitteln, Waffen, Handwerkserzeugnissen und Gold sowie Gewinnen von Sklaven?
Solche verlustreichen Schlachten führt man nicht zum Spaß, sondern weil hinterher fette Beute winkt.

Ich sag´s mal so: Das Leben unter Stalin war in Russland auch scheiße. Aber wenn dann die Deutschen dein Dorf niederbrennen und deine Leute entweder massenhaft erschießen und gleich in die Zwangsarbeit treiben, was hast du dann für Optionen?
Nur weil ein Herrscher schlecht ist hast das noch lange nicht, dass die andere Seite nicht noch schlechter sein kann, zumindest in der Hitze des Kriegs.


Ebenso übrigens im "Hexer" .
So viele Probleme es in den Nördlichen Königreichen auch gibt, als die Invasion von Nilfgaard los geht ist es tatsächlich so schlimm.
http://witcher.wikia.com/wiki/Northern_Wars#2nd_Nilfgaard-Nordling_War
Die Nilfgaarder verfolgen nämlich die Strategie "Totaler Krieg" oder wie ein Nilfgaarder Rittmeister es ausdrückt "Krieg den Palästen, Friede den Hütten, hat unser Marschall Coohorn gesagt. Diese Parole gilt von nun an nicht mehr Männer. Die neue Parole lautet: Krieg gegen den gesamten Norden. Krieg gegen jeden, der uns im Weg steht. Krieg gegen alles was lebt."
Getreu diesem Grundsatz wird nach der mehrtägigen Belagerung und Einnahme der Stadt Vengerberg fast die gesamte Stadtbevölkerung niedergemacht (so an die 6000 Menschen, Zwerge und Elfen).
http://witcher.wikia.com/wiki/Vengerberg#History
Dörfer und Städte werden methodisch ausgeplündert, die Felder abgeerntet , das Vieh fort getrieben, die Einwohner als Zwangsarbeiter zur Feldarbeit oder Arbeit in den Minen geschickt, alles was sich mitnehmen lässt nach Nilfgaard transportiert und alles was sich nicht mitnehmen lässt niedergebrannt oder getötet. In bestimmten "gesäuberten" Gebieten werden im großen Stil Kolonisten aus Nilfgaard angesiedelt, hauptsächlich arme Bauern, die das Versprechen des Kaisers auf ein eigenes Stück Land und drei Jahre Steuerfreiheit für dessen Bewirtschaftung zu Tausenden nach Norden lockt.
Das hat alles Methode: Nach der Niederlage der Nilgaarder Invasionsstreitmacht bei Brenna und dem neuen Waffenstillstandsabkommen ist die Industrie und Landwirtschaft im Norden gründlich zerstört und verwüstet, die verblieben Vorräte reichen nicht mal ansatzweise und der Winter steht vor der Tür. Und wo ist der einzige Ort, an dem die Leute des Nordens noch Lebensmittel kaufen können, wenn sie nicht verhungern wollen? Richtig, in Nilfgaard.
Der Norden gewinnt dadurch zwar den Krieg, aber verliert den Frieden.
Und wenn die berüchtigte Schwarze Kavallerie der Nilfgaarder (Schwarze Uniformen mit silbernen Blitzabzeichen am Ärmel, kommt dir das bekannt vor?) so ein paar fliehende Nordlinge nicht einfach zum Spaß niedermacht, dann schon um vorzubeugen dass diese versprengten Deserteure keine Partisanen-Banden bilden, welche die Nachschubtransporte der Nilfgaarder plündern und ihnen Hinterhalte stellen (wie es während des Krieges im Norden oft vorkommt) oder ihnen ganz allgemein die Vorräte in den Dörfern wegfressen (die Nilfgaarder haben hundertausenede Männer im Feld, die sich nur durch Plünderung ausreichend versorgen lassen). Und fang bitte nicht damit an, dass doch jeder kriegsmüde Soldat den Nilfgaarden versprechen kann "niemals nie gegen sie zu kämpfen, ganz ehrlich, mit kleinem Finger", das würde doch jeder Partisan mit Widerstandsabsicht ihnen vorlügen. Da könnte man dann bestenfalls zum Loyalitätsbeweis als Fußsoldat für die Nilfgaarder ins Feld ziehen und darf das eigene Dorf niederbrennen (passiert auch in den Romanen).


Zur allgemeinen Anschauung ein paar grafische Szenen über die altertümliche Kriegsführung in "Game of Thrones"

Die Eisenmänner haben Winterfell erobert
https://www.youtube.com/watch?v=wnP_-s_XwRQ
https://www.youtube.com/watch?v=jWdG5iUGz4Q
https://www.youtube.com/watch?v=eisjVKo1Wkc

Die Dothraki brauchen Handelsware (sprich Sklaven)
https://www.youtube.com/watch?v=3FnYx_Uekl4
https://www.youtube.com/watch?v=1S2wW2ViL2E
Und die Folgen:
https://www.youtube.com/watch?v=xLpvLlrlFgc
Dany: "Aber ich habe dich gerettet."
Priesterin: "Als du eintrafst hatten drei ihrer Reiter mich bereits vergewaltigt. Sie haben den Tempel niedergebrannt wo ich die Kranken pflegte und den Göttern huldigte. Ich sah die abgeschlagenen Köpfe zu Hunderten auf den Straßen...Der Bäcker, der mein Brot buk. Der Junge, dessen Fieber ich letzten Monat heilte. Also sag mir, was hast DU gerettet?"
Dany: "Dein Leben..."
Priesterin: "Mein Leben gibt es nicht mehr. "

Völkerwanderung nach Süden
https://www.youtube.com/watch?v=mmp3esRz4Wk
https://www.youtube.com/watch?v=Ab9d2ue_skU

Die Flusslande
https://www.youtube.com/watch?v=ziwe4sa5_Hc
https://www.youtube.com/watch?v=a2t86Yg24ns
https://www.youtube.com/watch?v=_iyX8Ip2Xo4
(Die Toten im Video oben waren alle Kriegsgefangene. Wurden noch schnell beseitigt bevor deren anrückende Verbündete sie befreien konnten).
https://www.youtube.com/watch?v=EroNA0WdIww

Die "heiteren" Abenteuer von Jamie und Brienne
https://www.youtube.com/watch?v=uX2fofPEgD4
https://www.youtube.com/watch?v=-5BhmyNn_iY
https://www.youtube.com/watch?v=kpAAsGhRm-E

Angesichts dessen wie es in der Maddrax-Welt sonst so zu geht , bezweifle ich dass es dort im Krieg gesitteter zugeht, auch nicht für Salzburg.
Ist ja auch nichts persönliches, wenn bei solchen Kämpfen die Zivilbevölkerung alles verliert oder gleich getötet wird.
Sie waren halt einfach nur "zur falschen Zeit am falschen Ort", so wie in den Videos.

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 22:14 Uhr
Ich meinte speziell die Maddrax-Barbaren. Dass die echten Barbaren keine waren, sondern schon höherentwickelt, wusste ich vorher schon. Wie die Barbaren bei MX dargestellt werden, hängt von dem Autor und der Umgebung in der die Geschichte spielt, ab. Grundsätzlich gilt, dass die Kulturen umso primitiver sind, je weiter es nördlich geht, auch wenn es hier und da ein paar Ausnahmen gibt. Die "Lords" aus England unterscheiden sich z.B. kaum von dem klassischen Bild, das man über Steinzeitmenschen hat.

"Attraktiv" ist vielleicht das falsche Wort. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind Menschen für Wulfanen sexuell nicht interessant. Sie würden vielleicht im Krieg über andere Wulfanen herfallen, aber eher nicht über Menschen.

Das ist ja richtig brutal, wie es da zugeht. Immer wenn ich "Maddrax", "Chronik der Unsterblichen" oder "Necroscope" gelesen habe, dachte ich mir, dass es unter mittelalterlichen Verhältnissen ja richtig brutal zugeht. Aber in "Game of Thornes" und dem "Hexer" ist es ja noch deutlich schlimmer.
13.12.2015 | 14:49 Uhr
zu Kapitel 1
Letzter kleiner Kritikpunkt wäre höchstens noch dass dieser Enno-Bursche sich angesichts der feindlichen Armee vor den Toren solche "Warum sollten wir denn die Stadt verteidigen, ist doch egal wer sie beherrscht"-Gedanken macht, wenn das Ganze wieder im barbarischen Zeitalter der Maddrax-Welt spielt, wo nach der Eroberung einer Stadt durch feindliche Truppen folgende Dinge so sicher waren, wie der nächste Sonnenaufgang:
1. Jede Menge Vergewaltigungen (was für die betroffenen Frauen hinterher oft gesellschaftliches Ausstoßen bedeutete; ganz allein und ohne jede Hilfe ein Kind haben war in solchen Zeiten auch schon fast ein Urteil zum Tod im Kindbett oder an Hunger)
2. Ausgiebige Plünderungen (was schlimmstenfalls zahlreiche Überlebende zum Hungertod verdammte)
3. Niederbrennen von Wohnhäusern, manchmal mit Absicht, manchmal versehentlich (wenn haufenweise Leute mit brennenden Fackeln durch Holzgebäude rennen kann das schnell passieren; was dann geschieht schlimmstenfalls ein paar hundert Leute ohne Obdach sind und der Winter hereinbricht kannst du dir ja denken)
4. Versklavung oder Verknechtung von Einwohner, teil für den Eigenbedarf, teil zum Weiterverkauf, damit finanzierte sich so manche Gruppe ihre Kriegszüge (beispielsweise die Wikinger betrieben einen schwunghaften Sklavenhandel; indem sie auf den britischen Inseln Leute einfingen und sie dann mit ihren Langbooten runter zu den Sklavenmärkten im Mittelmeerraum brachten; in ihrem eigenen Gesellschaftssystem waren solche Gefangenen als "Thralls" ein fester Bestandteil).
Vor diesem Hintergrund dürfte es für die meisten Einwohner der Stadt weniger eine Frage sein, wer dort herrscht sondern mehr ob am Ende des Tages ihr Leben in Trümmern liegt.
Bei einer Armee aus Barbaren und Wulfanen kann man wohl kaum hoffen dass da einer was von der Genfer Konvention gehört hat.

Vergleich hierzu die Belagerung von King´s Landing in "Game of Thrones", wo der König ein absolutes Arschloch ist, aber die Einnahme der Stadt durch die andere Armee eben solche Folgen für die Stadtbevölkerung haben würde:
https://www.youtube.com/watch?v=YEVkm60TPKk
"Kämpft nicht für den König und kämpf nicht für sein Reich! Kämpft nicht für Ruhm und kämpft nicht für Ehre! Kämpft nicht für Reichtümer, denn ihr werdet keine bekommen! Das hier ist EURE Stadt die Stannis sich nehmen will! Das sind EURE Tore, die er gerade einrammt! Es sind EURE Häuser die brennen werden; EURE Habe die geplündert wird und EURE Frauen die geschändet werden! Da stehen mutige Männer vor unseren Toren, lasst sie uns töten!"
https://www.youtube.com/watch?v=ZvwUZtuzlHw


Vor diesem Hintergrund ergebn sich vor mich als Leser noch zwei Fragen:

1. Hat dieser Enno denn gar keine Freunde und Familie in der Stadt? Keinen Wohnort, keinen Beruf, kein Eigentum? Überhaupt nichts was es sich für ihn zu verteidigen lohnt, so wie fast alle anderen in der Stadt es haben dürften?
Das ist ein kleineres wiederkehrendes Problem in deinen Stories dass relativ viele deiner Hauptcharaktere so völlig entwurzelt sind und es daher niemals für sie eine schwere oder kritische Entscheidung ist, ihrem Leben komplett den Rücken zu kehren und nicht zurück zu blicken.
Zum Vergleich: Während der Nazi-Zeit in Deutschland sind die geflohenen Exilanten im Ausland zu Hunderten depressiv und Alkohol- bzw. drogenabhängig geworden oder haben Selbstmord begangen, wegen Heimweh, dem Verlust aller vertrauten Menschen und der völligen Zerstörung ihres Lebens.


2. Ennos Idee mit nichts weiter als seiner Kleidung und ein bisschen Proviant alleine und zu Fuße durch DURCH DIE ALPEN nach Italien auszuwandern ist gelinde gesagt ein "Pipe Dream", vor allem bei den Gefahren der Maddrax-Welt.
http://www2.klett.de/sixcms/media.php/76/alpenkarte.jpg
Banditen und menschenfressende Riesenviecher mal beiseite gelassen, sobald der Proviant alle ist hat der Junge ein echtes Problem. Essbare Sachen liegen nicht einfach in der Gegend rum, vor allem nicht auf den steinig-kargen Bergpfaden. Zum Proviantkaufen hat er ja offenbar auch nix dabei, vorausgesetzt er findet überhaupt rechtzeitig eine Siedlung. Und natürlich die Tatsache dass man, gerade in den Bergen, über Nacht im Freien ganz leicht im Schlaf erfrieren kann, wenn man weder dicke Felle noch was zum Feuermachen hat und idealerweise vielleicht noch Regen oder gar Schneefall einsetzt.
Falls er es gegen alle Wahrscheinlichkeit tatsächlich nach Italien schafft, was für ein Leben erwartet ihn dort? Er hat keine Bekannte dort,die ihm weiterhelfen können; keine Besitztümer oder auch nur nützlichen Fähigkeiten, die ihm einen Neustart verschaffen könnten; und spricht offenbar nicht mal die regionale Sprache, was Jobsuche und Eingliederung in die Gemeinschaft extrem problematisch macht (Es ist die Maddrax-Welt. Da gibt es keine soziale Stütze und keine Sprachkurse im Goethe-Institut). Im schlimmsten Fall verhungert er dort ohne Arbeit und im besten Fall fristet er ein Leben als Bettler und/oder Tagelöhner der untersten Stufe.
http://www.antiquaprintgallery.com/ekmps/shops/richben90/images/spain-beggars-in-the-cloister-of-the-cathedral-of-barcelona-1881-72615-p.jpg
Es sei denn er ist noch jungenhaft genug für eine Karriere als Lustknabe...
https://www.youtube.com/watch?v=HzyuEy6lhc0
Falls ihm nicht einfach ein paar örtliche Schurken eins überziehen und als Sklaven verkaufen, das scherte in solchen Zeiten keinen weiter bei einem Fremdling, den keiner kennt.


Kleine Endbemerkung:
Jedes unerlaubte Entfernen oder Fernbleiben von der Truppe wird als Desertation gewertet, die Gründe sind da völlig egal.
https://de.wikipedia.org/wiki/Fahnenflucht
Insofern, ja Enno ist sehr wohl ein Deserteur.
Und nicht dass ich dem Jungen einen Vorwurf dafür mache dass er schlichtweg aus Todesangst abhaut, das ist nur menschlich.
Aber es ist etwas heuchlerisch von ihm "Pazifismus" vorzuschieben, wenn er die ganze Zeit über nur wegen seines eigenen Lebens jammert und keinen Gedanken daran verschwendet, wer sonst so stirbt. Und wenn wegen seiner Aktion die Formation zusammenbricht, das Salzburger Heer komplett abgeschlachtet wird und die Stadt von den Barbaren-Wulfanen-Armee überrannt wird, sterben verdammt viele Salzbuger, das ist mal sicher.
So definiert Pazifismus sich einfach nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pazifismus
Da würde "Bitte bitte bitte ich hatte einfach eine Scheißangst und hab nicht weiter nachgedacht *Schluchz* " zwar nicht so pseudo-edel klingen, wäre dann aber wenigstens ehrlich.

Mitten in der Schlacht wegrennen war sowieso das Gefährlichste was man machen konnte, wenn die Gegenseite schon vorrückte.
Zu Ennos Siutation gib es da eine gut vergleichbare Stelle im "Hexer":
"Für alle die sich mit dem Gedanken tragen ihre Speere wegzuwerfen und fort zu laufen: Da auf der anderen Seite des Schlachfelds stehen 500 Einheiten schwere Nilfgaarder Kavallerie für die eure fliehenden Ärsche leichte Beute sein werden, bevor ihr auch nur 20 Schritte weit kommt. Ein Nilfgaarder Kavallarieschwert ist 6 Ellen lang. Eure Speere sind 14 Ellen lang. Könnt ihr so weit rechnen? Gut, dann wisst ihr was eure beste Chance ist."

Berittene Einheiten wurden üblicherweise nicht für so einen Komissar-Quatsch verschwendet, die waren wegen ihrer Mobilität viel zu wichtig für schnelle Angriffe gegen feindliche Formationen.
https://www.youtube.com/watch?v=84clpJxe2wY
Und die Offiziere sind schon laut Definition auf dem Schlachtfeld vor allem für die Koordination der Truppenteile zuständig. Bei solchen Massenschlachten ist es nämlich von entscheidener Bedeutung welche verschiedenen Einheiten (etwa Bogenschützen, Speerträger, Schwertkämpfer, Berittene) man wo aufstellt und wohin man sie im Verlauf der Kämpfe verlegt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Taktik_(Milit%C3%A4r)
https://www.youtube.com/watch?v=ygsa6iO8X9o

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 16:35 Uhr
Nun ja, diesen Aspekt habe ich jetzt nicht so bedacht. Aber eigentlich war damit gemeint, dass die Welt von Maddrax nur sehr selten, gute wohlwollende Herrscher hat, die von edler Gesinnung sind. Und im Wesentlichen ist ja wirklich kein so großer Unterschied, von welcher Nationalität oder Kultur der böse Herrscher der sein Volk unterdrückt, denn eigentlich ist. Nun ja, bloße Barbaren halten eigentlich nur sehr selten Sklaven, geschweige denn, dass sie sonderlich oft Handel treiben. Und zumindest die Wulfanen würden sich nicht an den Frauen vergehen, Wulfanen und Menschen finden einander nur sehr selten, sexuell interessant. Tatsächlich ist in allen Bänden von MX noch ein Mensch in Gefangenschaft von nie Nosferas, Wulfanen, Taratzen oder Mar´os-Hydriten vergewaltigt worden (oder ein Hydrit/Wulfane/etc. in menschlicher Gefangenschaft), nur aufgefressen. Aber mit den anderen Punkten könntest du Recht haben.

Dass Enno da keine Familie oder eine Existenz hat, daran habe ich nicht weiter gedacht. Hier spielt für den Jungen aber schon eine Rolle, dass er praktisch in den Tod geschickt werden soll, nur damit bloß kein feindlicher Wulfane die Stadt betritt, obwohl er in dem Sinne, "nichts verbrochen" hat. Und wer in der MX-Welt nicht auch mal an sich denkt, ist entweder sehr stark, oder geht sehr schnell drauf. Dazu kommt, dass Europa da ja auf dem Level der Bronzezeit ist. Enno hat einfach keine Ahnung, wie schwer der Weg durch die Alpen sein wird. Das Sprachproblem dürfte aber sehr schnell behoben sein. In ganz Europa wird da nämlich die Sprache der Wandernden Völker gesprochen, eine Mischung aus allen europäischen Sprachen, besonders deutsch, englisch und französisch. Und in MX kommt es immer wieder vor, dass einige Leute in ein anderes Land wandern, und sich da ohne viele Probleme, eine eigene Existenz aufbauen können.

In mehreren Historien-Kriegsfilmen habe immer eine ganze Reihe von Soldaten gesehen, die nebeneinander marschieren, direkt auf den Gegner zu. Ich habe mich da immer gefragt, warum die Zwangseingezogenen ganz am Rande, nicht einfach abhauen, wenn der Rest der Truppe auf die Schlacht fixiert ist. Und da dachte ich mir halt, dass da eben ein paar Offiziere aufpassen. Mit deinem Zitat aus dem "Hexer", erübrigt sich das jedoch. Ich kenne jetzt nur drei Bände aus der Reihe, aber sind die Nilfgaarder denn so böse, dass sie selbst Leute umbringen, die NICHT gegen sie kämpfen, sondern nur fliehen wollen? Während zur gleichen Zeit eine Armee auf sie zumarschiert? Ich denke, trotz des Zitats des Feldherren, dürften ein paar Zwangseingezogene doch eher ihr Glück mit der Flucht versuchen wollen.
13.12.2015 | 03:40 Uhr
zur Geschichte
Noch mal was das Gut/Böse angeht.
Das ist in den meisten Geschichten in irgendeiner Form halt doch unverzichtbar.
Irgendeinen Bösen braucht man letzlich. Und wenn dessen Hintergrundgeschichte mit dabei ist, umso besser. Im richtigen Leben kann man auch nicht JEDEN Übeltuer rehabilitieren. 7
So wie zwar der Imperator in "Star Wars" und Ozai in "Avatar" sehr üble Burschen waren, aber die meisten Soldaten und Offiziere eher "Punch Clock Villians" sind, die einfach nur ihren Job machen und sich innerlich wohl auf den Heimaturlaub bei Frau und Kindern freuen.
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/PunchClockVillain
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AffablyEvil
Der Unterschied ist einfach ob wirklich alle Charakter nur entweder fehlerlos kuchengut oder flach bitterböse sind oder es zwischen den verschiedenen Charakteren auch verschiedene Zwischenstufen gibt und insbesondere die guten Hauptcharaktere ein paar Mängel haben.

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 16:09 Uhr
Ja, so in der Art habe ich mir das auch gedacht. Ein totales Grau in Grau wäre nichts für mich, aber ein böser Obermotz muss nicht unbedingt auch extrem böse Untergebene haben, und nicht jeder Held muss edel und weiß sein. Erst kürzlich habe ich festgestellt, dass ich aus "Star Wars" Padme u.A. mehr mag als Leia, weil erstere nur Kampfdroiden zu Schrott verarbeitet hat, während die Sturmtruppler die Leia erschossen hat, echte Menschen waren. Oder auch Nichtmenschen.
13.12.2015 | 02:34 Uhr
zur Geschichte
Lob wo Lob gebührt, das muss man schon sagen.
Gibt ja genug Autoren hier die Kritik entweder ignorieren oder mit kindischen Schein-Argumenten (Am besten ist natürlich "Diese Story hat x Favoriten und y positive Reviews also ist deine Meinung irrelevant", siehe " http://verreiss-mich.livejournal.com/").

Wie schon gesagt, bei der letzten Geschichte hat mich vor allem folgende Kombi zum der Irritation geleitet:
*Der Hydriten-Hybrid hat keinerlei Zugriff auf seine künstlich gezüchtete Protein-Masse , wir Leser wissen nicht wovon er sich selbst ernährt (und ohne Protein lebt man nicht sehr lange) und dann ist er komischerweise in der Position sich über die absolut zeitgemäßen (Stammgesellschaft, Jäger und Sammler) Ernährungsfunktionen der Menschen zu ereifern
*Einerseits redet der Hydrit-Hybrid davon wie er die Menschen kennen lernen und verstehen will, aber sobald sie nicht sind was er sich vorstellt, greift er sie sofort an und schmiedet gar Pläne sich zu ihrem Herrscher zu machen, um ihnen seine Hydriten-Ideale aufzuzwängen, ohne dass er auch nur das geringste über deren Lebensumstände weiß
*Wie gesagt, in solchen Zeiten und auf diesem technischen Level gibts keine Alternative zu Fleisch. Da kann man auch versuchen, einen Löwen oder Wolf zu zwingen, nur noch Klee und Brombeeren zu fressen.
Insgesamt hat es mich einfach unangenehm an die Vulkanier aus "Enterprise" erinnert, die sich stolz rühmen, wie weise und aufgeschlossen sie doch sind, aber jedes Mal passiv-aggressiv herumzicken, wenn die Menschen sich Menschen benehmen anstatt wie Vulkanier (Als passende Stelle ein Beispiel, in der eine Vulkanieren die Menschen Steak essen sieht und sie dafür als "triebgesteuerte Karnivoren" bezeichnet...aber selbst zu ignorant ist zu wissen, dass Menschen tatsächlich Omnivoren sind).
Diese Story vermeidet das durch folgende Fakten:
*Der Hydriten-Hybrid war nun schon eine Weile mit anderen Oberflächenbewohnern in Kontakt und versteht mehr über deren Lebensumstände
*Der Hydriten-Hybrid hat speziell mit den normalen, einfachen Einwohnern der Stadt auf nicht-aggressive Weise Kontakt gehabt und hat nicht vor, sie sich zu unterwerfen oder ihr gesamtes Gesellschaftssytem umzustoßen (wobei er und seine Freundin zwar naiv genug vorgingen, aber doch im glaubhaften Rahmen)
*Sklaverei ist nicht lebensnotwenig und wird hier offenbar auch von den normalen Einwohnern nicht zu 100% mitgetragen und teilweise sogar abgelehnt
*Genrell spielen hier normale Einwohner und sogar städtische Wachen auch postitive Rollen und sich nachvollziehbare Charaktere, anstatt nur die betonten Außenseiter und Revoluzzer
*Es wird nicht so getan, als gäbe es eine schnelle und einfache Lösung, dass so unterschiedliche Völker von heute auf morgen in perfekter Harmonie miteinander leben können

Ich kenne Nosfera und Wulfanen vor allem nur aus der Wikia, daher knappe Infos.
Aber es wurde dort gesagt, dass an anderen Orten andere Wulfanen und Nosferas die Menschen bedenkenlos jagen und fressen, teilweise sogar selbst als Schlachtvieh halten.
Es geht eben wirklich in beide Richtungen.

Ich hatte beim Review vor allem das letzte Kapitel stark im Kopf, von daher bin ich nicht so sehr auf diese Felia-Szenen eingegangen.
Aber wenn beide Hauptcharaktere wirklich explizit als nicht immer im Recht sind und gewisse Fehler haben, dann kann ich das nur befürworten.

Wobei ich es Felia nicht unbedingt als Fehler auslegen möchte, wenn sie halt nicht auf Mendriten steht.
Man ist ja auch nicht zwangsweise homophob, wenn man als Hetero eben keine Romanze mit dem eigenen Geschlecht will und nicht zwangsweise ein Rassist, wenn Menschen anderer Hautfarbe eben nicht in die eigenen Schönheitsideal passen. Ja, Charakter, Persönlichkeit und Interessen sind wichtig, aber es wäre heuchlerisch zu behaupten dass Optik überhaupt keine Rolle spielt, vor allem vor dem Hintergrund von dem womit man aufgewachsen ist.

Generell weiß ich es allgemein sehr zu schätzen, wenn ein Man-Frau-Duo als Hauptfiguren mal einfach nur Freunde und/oder gute Kollegen sind, anstatt sie immer auf Druck in eine Romanze zu quetschen.

https://www.youtube.com/watch?v=K19_GWVyRgQ

https://www.youtube.com/watch?v=HkriCLbXyNU

https://scans-daily.dreamwidth.org/2060890.html?thread=69242970

https://www.youtube.com/watch?v=nBnkpdZ76Pw

Allgemein muss ich dich aber davor warnen, dass das Trope "Leute von verschiedenen Nationalitäten/Ethnien/Spezies verlieben sich und haben Kinder" in deinen gesammelten Geschichten etwas inflationär oft vorkommt. Nicht dass es schlecht wäre (auch wenn es dieser Tage schon Hollywood-Level erreicht hat), nur kommt es manchmal schon fast so vor als könnten Leute der GLEICHEN Nationalität/Kultur/Spezies NIEMALS Liebe füreinander empfinden und Kinder haben....was man böswillig als umgekehrten Rassismus interpretieren kann :) (Nee, Quatsch, aber du verstehst ja meinen Punkt).
Als spontanstes Beispiel fällt mir da "Mass Effect 1" ein, wo ich persönlich von den drei weiblichen Hauptfiguren/möglichen Romanzepartnern (eine Asari, eine Quarianer-Frau und eine Menschenfrau) die Menschenfrau am besten finde, weil sie in charakterlichen Eigenschaften und Komplexität einfach am interessantesten gezeichnet ist (etwa dass sie völlig nachvollziehbare, nichtagressive Vorurteile gegenüber gewissen Alien-Spezies hat, die sie im Verlauf der Handlung durch persönliche Interaktionen und Erfahrungen mit diesen ablegt), anstatt einfach nur ein "Greenskinned Alien Babe" zu sein, das wir von Anfang an für perfekt halten sollen.
http://masseffect.wikia.com/wiki/Ashley_Williams
http://mycks.deviantart.com/art/Ashley-sumi-and-watercolor-with-calligraphy-441603868
http://ashley-m-williams.deviantart.com/art/Mass-Effect-Hide-And-Seek-P2-4-470094937
http://ashley-m-williams.deviantart.com/art/Mass-Effect-Hide-And-Seek-P2-5-470997947
http://jaderaven93.deviantart.com/art/ME-Poetry-After-a-Workout-457056911
Da spielen halt viele Faktoren mit rein, was jeden Leser/Zuschauer an Charakteren/Romanzen überzeugt.

So viel dazu von mir.

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 16:05 Uhr
Wie gesagt, in der ersten Geschichte war der Mendrit noch nicht lange von seiner Kultur weg; die ersten Menschen die er getroffen hat, waren tatsächlich Wilde, die ihn auffressen wollten; und er wollte kein eiserner Herrscher der "Barbaren" vor den Toren Stuttgarts sein, sondern dachte nur, dass er da an eine primitive Stammesgesellschaft geraten ist, und dass er kurz das Alphamännchen spielen kann, um so viele, viele Tierleben zu retten. Aber jetzt ist er länger unter Menschen, und weiß es eben besser.

Ja, aber genau so habe ich es mir bei Felia gedacht. Sie lebt die Ideale, jeden gleich zu behandeln. Dass sie es nicht in jeder Hinsicht kann, ist zwar kein Fehler, wird von ihr aber so wahrgenommen. Auch den Zweifel, ob sie den Soldaten in der Taratzengrube helfen soll, die ja davor noch über sie herfallen wollten. Keiner hätte ihr einen Vorwurf machen können, wenn sie nicht gemacht hätte, aber sie hat eben ein Gewissen und ihre Ideale.

Wirklich sooft? Ist mir gar nicht aufgefallen. Ich muss zugeben, dass ich für Interspezies-Romanzen ein großes Faible habe, aber Romanzen zwischen Menschen, die "nur" unterschiedliche Nationalitäten haben, kommen in meinen Geschichten eher selten vor. Aber gut, wenn dich das stört, kann ich ja darauf achten, das in künftigen Geschichten ind Fandoms, in denen die wahre, echte Liebe zu finden, nicht von Bedeutung ist, "Mischlinge" vorgestellt werden, ohne dass vorher die Romanze zwischen ihren Eltern groß aufgezäunt wird.
12.12.2015 | 01:16 Uhr
zu Kapitel 3
Tja, ich muss tatsächlich sagen: Dir ist hier wirklich eine Maddarx-FF mit differenzierterer Darstellung gelungen, offenbar hast du meine Kritik der letzten Stories echt berücksichtigt.
Grundsätzlich ein großes Plus dafür dass du das naive "Sklaven = alle gut und vereint"-Klischee nun ganz bewusst vermeidest und dass diese menschliche Siedlung hier nicht grundsätzlich böse ist und vernichtet werden muss (bzw. so "befreit" dass ein Großteil der Bevölkerung in den folgenenden Kämpfen und der zusammengebrochenen Versorgung sterben wird).
Stattdessen sind die meisten Menschen eben Averages Joes, die nun mal Produkte ihrer Zeit sind, auch wenn das Sklaverei und den einen oder anderen despotischen Herrscher einschließt (Xenophobie lass ich mal außen vor, da sind die Menschen von heute kaum oder gar nicht besser).
Wir haben hier also verschiedene Intressengruppen und am Ende läuft es für die meisten von ihnen dann am Ende etwas besser.
Ich kann nur sage dass die Qualität deine Madraxx-FFs seit dem letzten Mal merklich gestiegen ist.

Kleine Kritik ist nur, dass du meinen Hinweis mit Kulturen und Traditionen etwas zu wörtlich genommen hast und einem relativ einfachen Soldaten solch hochtrabende Worte in den Mund legst. Die gängige Rechtfertigung in solchen Zeiten lautete dann eher: "Die würden doch genau das Gleiche mit uns machen, wenn nicht noch Schlimmeres" (Naja, und die Tatsache dass Sklaven als billige Arbeitskräfte eben sehr praktisch waren und sind; da muss man dann wieder die verschiedenen Modelle unterscheiden,die von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein konnten, mache Gesellschaften betrachten Sklaven grundsätzlich weiterhin als Menschen, während andere sie auf den Status von Status von Nutztieren reduzierten).
Wobei mir das Madraxx-Wikia gesagt hat, dass Nosfera, Wulfanen und Taratzen auch recht gerne Menschen verputzen, was denen logischerweise gar nicht gefällt.
Insofern liegt es dann auch an den Nosfera, Wulfanen und Taratzen die Menschen als Gleichwertige anstatt als Beute zu behandeln, wenn das mit dem Zusammenleben funktionieren soll.

Die Tatsache dass mehrere hundert Jahre nach einem weltweiten Massensterben und Zusammenbruch der meisten Zivilisationen komischerweise immer noch von Deutschen, Österreichern, Schweizern usw die Rede ist anstatt dass realistischweise mittlerweile neue Völker und Nationen entstanden sein müssten ist offenbar ein grundsätzliches Problem der Serie, daher betrifft es deine Geschichte nicht so (spielt ja hier auch nur eine flüchtige Rolle, aber totzdem fand ich es ulkig).
http://4.bp.blogspot.com/-k-8iBh7npu0/VS9C9-F0SeI/AAAAAAAKg_Q/VMPWfEm4dnQ/s1600/p3_4.jpg
http://cdn.shopify.com/s/files/1/0230/7913/products/Crossed_100-3-designsketch_1024x1024.jpg?v=1416041603
http://slumberparties.deviantart.com/art/West-Coast-Future-Map-With-Annotations-418718742

Aber wie gesagt, ein recht komplexe Gesichte ohne übertriebene Schwarz-Weiß-Zeichnung, die mir recht gut gefallen hat.

Antwort von Meteoritenfreak am 13.12.2015 | 01:02 Uhr
Vielen Dank für dein Review.

Und auch vielen Dank für das Lob. Ich wusste noch nicht recht, ob ich das wirklich gut hinbekommen würde, mehrere Charaktere glaubhaft zu gestalten, ohne dass es wieder zu einseitig gut und böse wirken würde. Besonders gefällt mir, dass die beiden Hauptcharaktere nach wie vor "chaotisch gut" sind, aber nicht mehr als "Kulturimperialisten" wahrgenommen werden. Schließlich sehen sie ja die Käfige, und sagen sich dann: "Also Sklaverei, das ist ja furchtbar. Wir befreien die Sklaven einfach, da werden die sich freuen."

Falls du Orell meinst, stimmt, da habe ich vielleicht wirklich ein wenig zu dick aufgetragen. Obwohl, als Anführer der Stadtwache, sollte er eigentlich auch recht schlau sein, und die Haltung seiner Leute begründen können.

Stimmt, die drei Spezies von Mutanten verschmähen Menschenfleisch auch nicht gerade. Aber sie müssen es nicht zwangsweise essen. In der Serie gibt es auch einige Nosferas, Wulfanen und Taratzen, die keine Menschen fressen. Aber an sich hast du Recht, die müssen auch in diese Richtung gehen, um den Frieden zu schaffen.

Was mich wundert, ist, dass du nicht auf Felia eingegangen bist. In der davorigen Geschichte kam sie dir schon fast wie eine Mary Sue vor, und hier wollte ich ihren Charakter etwas deutlicher zeichnen. Da wäre u.A. ihr moralisches Dilemma, ob sie eine Gruppe Soldaten aus der Taratzenfalle befreien lassen sollte, die eben noch über sie herfallen wollten. Oder die Tatsache, dass sie beim eher unfreiwilligen Bad mit Cora´tar sich Gedanken darüber macht, dass sie sich bemüht, alle Spezies gleich zu behandeln, sich von Hydriten - und selbst Mendriten - jedoch eher nicht intim angezogen fühlt, und nicht weiß, ob sie etwas falsch macht, weil das für andere Menschen ja kein so großes Problem zu sein scheint.