Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
07.08.2017 | 11:46 Uhr
zu Kapitel 1
Liebe burningDarkness,

entschuldige bitte die arge Verzögerung. Ich war in letzter Zeit generell sehr abwesend auf ff.de, habe aber immer im Hinterkopf die noch ausstehenden Reviews gehabt. So auch jenes für dich, für dieses schöne Geschenk von dir zu meinen Vorgaben. :3
Vielen, vielen Dank erst mal. :3
Ich habe es wirklich gerne gelesen und durch deine wundervollen Beschreibungen prima in die herbstlich-melancholisch anmutende Nebelatmosphäre finden können.
Zunächst einmal liebe ich die Überschrift. Sie hat etwas Anrührendes, etwas Dramatisches und derlei mag ich einfach gern lesen.
Es freut mich total, dass dich die Vorgaben zum Schluss hin doch noch für sich einnehmen und begeistern konnten. Das liest man dem Beitrag auch ab, dass es dir Freude bereitet hat, die vernebelte Friedhofsszenerie zu schreiben, wobei Freude hier das falsche Wort ist, Angesichts der traurigen Umstände, die zu der Szenerie geführt haben.
>Die Feuchte in der Luft durchnässt meine Kleidung und dringt mir bis auf die Knochen.<
Allein der erste Satz - wunderbar. Man befindet sich direkt im Geschehen, ist es selbst, dem diese klamme Kälte und der beißende Nebelatem zu schaffen machen. Irgendwie habe ich auch während des Lesens an die Lockwood & Co-Saga denken müssen, weil Lockwood und Co nicht selten ihre Aufräumarbeiten in ähnlicher Szenerie und Atmosphäre vollführen müssen.
>Auch ich weine, die gleichen nassen Tränen wie alle anderen<
Der Gemütszustand der Protagonistin reißt sofort mit. Auch, wenn hier bei mir gerade warmes Sonnenlicht die Fenster durchflutet, fühlt man mit ihr. Die Trauer, die sie überwältigt, die umstehenden Trauernden, der bedrückende Ort ... fast sind die Sonnenstrahlen, die sich behutsam auf meine Schultern legen, tröstlich. Letzterer Gedanke wird getrübt, weil sie niemanden hat, der ihr wärmend und tröstend den Arm um die Schultern legt, sie auffängt, sie festhält, sie behütet vor dem Abgrund, der sich vor ihren Füßen auftut. Sie weinen alle gemeinsam und sind doch allein in ihrem Schmerz gefangen. Das ist das eigentlich Traurige ... :-(
>Graue Augen tauchen in meinen Gedanken auf<
Wunder-wunderschön, wie du die grauen Augen Lucifers so bildhaft-malerisch in Szene gesetzt hast. Der Absatz ist wirklich gelungen, allein die Vergleiche zum Nebel und den Sonnenstrahlen ... herrlich! :3
Das eigentlich Tragische zeichnet sich nun ab: Dass sie nicht für den trauert, für den die Umstehenden trauern, nicht für Tyler, sondern Lucifer.
Unweigerlich frage ich mich: Warum?
Warum erhält sie die Maske der Trauernden aufrecht, wenn es nicht Tyler ist, für den sie trauert? Ist sie mit Tyler vermählt und hat sein wahres Gesicht erst nach seinem Tod kennengelernt? Sind es der gesellschaftliche Stand, der Ruf der Familie, gar die Eltern, die sie dazu zwingen, die Trauernde zu spielen? Oder sind es Schuldgefühle zu Lucifer, weil sie ihm keinen Glauben geschenkt hat, bis es zu spät war und sie sich dafür selbst bestrafen möchte, als sie der Beerdigung seines Bruders beiwohnt?
Was ich mich außerdem in diesem Zusammenhang frage: Ist Tyler der Einzige, der gestorben ist? Sie hat Lucifer weggeschickt, aber er, Lucifer, scheint nicht unter den Trauernden zu sein. Ob er geflohen ist, weil er die Schuldzuweisung, die Vorwürfe in ihrem Blick nicht ertragen hat?
Einiges bleibt also ungeklärt, aber dass sich die Protagonistin zu etwas zwingt, ist deutlich folgenden Zeilen und der Beerdigung im gesamten anzumerken:
>Die Töne strömen über meine Lippen wie eisige Kälte, ohne Gefühl.<
Es ist einfach deutlich, wie sehr sich ihr Herz gegen die Trauer wehrt, die sie diesem aufzuzwingen versucht. Vielleicht hört sie irgendwann, wenn sich der geisterhafte Nebel der Trauer gelegt hat, auf ihr Herz, auf ihr Gefühl, und sucht noch einmal das Gespräch zu Lucifer ...?
Vorausgesetzt, dieser lebt noch. Zwar ist es nur so eine Vermutung, vielleicht verinterpretiere ich das Ganze auch, aber wenn sie um Lucifer trauert und wenn Tyler betont hat, dass es nicht seine Schuld sei, dann kann es doch im Bereich des Möglichen liegen, dass Lucifer etwas zugestoßen ist.

Der Beitrag lässt mich traurig und nachdenklich zurück, aber irgendwo haben die Tränen, die sie weinen, auch etwas Befreiendes. Wie ein Katalysator für die gebeutelte Seele.
Ich wünsche mir sehr für sie, dass sie ihren Seelenfrieden findet. Hoffentlich mit und durch und bei Lucifer.

Noch mal ein groooßes, großes Dankeschön für diesen wundervollen Nebelsplitter. Ich bewahre ihn gut im Herzen. <3

Alles Liebe,
Lee